22. Juni 2017

'Schatten über Enduran' von Nadine Schackmann

Das Leben der Amazone Thalea ändert sich schlagartig als sie eines Tages durch einen Überfall auf ihr Dorf alles verliert, was ihr lieb und teuer ist. Mysteriöse Krieger zerstören auf brutalste Art ihr Heim und töten fast alle Schwestern des Blutkrallen-Clans. Nur Thaleas Geliebte Amira, eine Priesterin der Waldgöttin Niteran, die ein Kind unter ihrem Herzen trägt, wird verschont und stattdessen von den Kriegern verschleppt.

Thalea, die knapp mit dem Leben davonkommt, nimmt voller Rachsucht die Verfolgung auf, um Amira aus den Händen dieser Krieger zu befreien. Ihr Weg kreuzt sich bald mit dem der Magierin Sorana, deren grausames Schicksal eng mit dem ihren verbunden ist.

Bald schon müssen beide Frauen eine schwerwiegende Entscheidung treffen … denn die Zukunft der Welt hängt von ihnen ab.

Gleich lesen: Schatten über Enduran: Dunkle Seelen-Chroniken

Leseprobe:
Thalea rannte nun los und zog Celestine mit sich. Panisch stolperten sie über den unebenen Waldboden. Die unheilvolle Stille der Nacht wurde jäh durch ein weiteres Heulen unterbrochen. Etwas Großes rauschte haarscharf über ihre Köpfe hinweg und der heftige Windstoß riss sie fast von den Beinen. Celestine schrak mit einem schrillen Schrei zusammen.
„Was bei allen Göttern war das?“
Wieder war das rauschende Geräusch ganz nah zu hören und mit lautem Geschrei wurde Celestine von den Beinen gerissen und einige Meter davon geschleudert.
„Celestine!“ gellte Thalea erschrocken und wollte zu ihr eilen, als auch sie von irgendwas gepackt und in die Lüfte gerissen wurde. Sie wirbelte durch die Luft und krachte gegen einen Baum. Dann schlug sie auf dem Boden auf, wo ihr augenblicklich die Luft wegblieb. Nach Atem ringend blieb Thalea halb benommen liegen. Sie hatte sich mit größter Sicherheit ein paar Rippen gebrochen. Keuchend versuchte sie aufzustehen. Im fahlen roten Mondlicht sah sie von weitem, wie sich eine dunkle Kreatur über Celestine beugte, sie an den Beinen packte und sie mit sich in die Finsternis des Waldes zerrte. Die Bardin schrie wie am Spieß, während sie über den Waldboden geschleift wurde. Thalea sprang unter Schmerzen auf und stürzte ihnen hinterher. „Celestine!“ Sie lief so schnell sie konnte, aber zu ihrem Entsetzen musste sie feststellen, dass der Abstand zwischen ihnen immer größer wurde. Die Schmerzen raubten Thalea den Atem und jeder Schritt war größte Pein. Auf einmal hörte sie hinter sich Geräusche. Als sie sich umdrehte, bemerkte sie, dass auch sie verfolgt wurde. Eine dunkle Gestalt in wehenden Roben war hinter ihr her. Diese berührte mit den Füßen kaum den Boden, sondern schien knapp über dem Waldboden zu fliegen und war Thalea dicht auf den Fersen. Sie war um einiges schneller als die junge Kriegerin und streckte schon messerscharfe Krallen nach ihr aus. Humpelnd und außer Atem versuchte Thalea noch schneller zu rennen.
Der Traum! schoss es ihr durch den Kopf. Der Traum, der sie seit Nächten heimsuchte, schien Wirklichkeit zu werden. Die Kreatur war nun ganz nah und Thalea konnte regelrecht ihren Atem im Nacken spüren. Die Kriegerin stolperte vor lauter Panik. Bevor sie stürzen konnte, packte der Verfolger sie und riss sie herum, so dass sie heftig mit dem Rücken aufschlug. Der Aufprall presste die Luft aus Thaleas Lungen und sie rang benommen nach Atem. Die Kreatur beugte sich über sie und hielt sie mit ihren gefährlichen Krallen fest am Boden. Thalea konnte das Gesicht unter der Kapuze für einen Bruchteil einer Sekunde sehen und es kam ihr irgendwie bekannt vor… Doch schon wurde das Gesicht wieder in Schatten gehüllt.
„Jetzt bist du mein!“ flüsterte ihr Angreifer mit rauer Stimme in ihr Ohr.
Thalea spürte eine noch nie da gewesene Angst. Sie blickte gerade dem Tod ins Auge. Diesmal würde es kein Entrinnen geben. Sie dachte an Amira. Ich werde sie nicht mehr retten können… Geifer troff aus der grässlichen Fratze, die jetzt unter der Kapuze zum Vorschein kam. Sie hatte zwar menschliche Gesichtszüge, doch waren diese seltsam verzerrt und die Haut glänzte metallisch. Tiefe Schatten lagen um die rotglühenden Augen, die sie hungrig ansahen. Die Bestie bleckte nadelspitze Zähne und ein tiefes Knurren drang aus ihrer Kehle, das einem das Blut in den Adern gefrieren ließ. Dann stieß sie ihre zu langen Krallen mutierten Fingernägel tief in Thaleas Leib. Der höllische Schmerz ließ Thalea aufschreien. Dann riss die Bestie Thaleas Kopf in den Nacken und stieß ihre Reißzähne tief in ihre Kehle. Die Kriegerin wandte sich schreiend unter der Last des Angreifers, versuchte sich mit aller Kraft zu befreien. Doch er war so viel stärker als sie. Thalea spürte, wie er an ihrer Kehle zerrte und die Schmerzen sie zu überwältigen drohten. Langsam schwanden ihre Kräfte. Die Wärme entwich ihrem Körper und Dunkelheit legte sich um sie, versuchte sie zu verschlingen.

Im Kindle-Shop: Schatten über Enduran: Dunkle Seelen-Chroniken

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