5. Juli 2017

'Der Plan (1-4): ... des Pentagon' von D.W. Crusius

Libyen und der Nahe Osten – seit vielen Jahren ein Pulverfass.

Der Journalist Eric Larsson recherchiert undercover in Tripolis. Er will herausfinden, was tatsächlich hinter den streng geheimen libyschen Waffenprogrammen steckt. Es geht um illegal nach Libyen gelangtes Plutonium.

Wem kann er noch trauen? Da ist sein Freund Abdul, aber ist er tatsächlich sein Freund? Oder Nicolas Debré, ein mit allen Wassern gewaschener Geschäftemacher. Für wen arbeitet Nicolas in Wahrheit? Und dann ist noch Laila im Spiel, eine verführerische Palästinenserin.

Gesamtausgabe des Spionage-Thrillers von D.W. Crusius.

Gleich lesen: Der Plan (1-4) ... des Pentagon

Leseprobe:
Der Plan des Pentagon
Am 2. März 2007 gab der ehemalige Vier-Sterne-General Wesley Clark der Journalistin Amy Goodman von ‘Democracy Now’ ein Interview. In diesem Interview sagte der General a. D., wenige Tage nach dem berüchtigten 11. September, so um den 20. September, habe man im Pentagon Pläne entwickelt, sieben arabische Länder anzugreifen, darunter auch Syrien und Libyen. Er, Wesley Clark, habe einen ehemaligen Mitarbeiter gefragt, weshalb man diese Länder angreifen wollte. Dieser habe nur die Achseln gezuckt und geantwortet, den Politikern fiele offenbar keine bessere Antwort auf die Geschehnisse des 11. September ein.

Chapter 1
Albtraum
Er starrte in die Dunkelheit. War es Tag oder Nacht? Er hatte jedes Zeitgefühl verloren. Seine Hose, seine Beine und Füße waren mit seinem Kot beschmiert.
In unregelmäßigen Abständen schalteten seine Bewacher das Licht ein, aber niemand betrat den Raum. Das Licht wurde nach Sekunden oder erst nach Stunden wieder gelöscht. Der Zivilist kam und fragte mit nervtötender Freundlichkeit nach den CDs. Manchmal schien es dem Gefangenen, als käme er alle paar Minuten, dann wiederum verging so viel Zeit, dass er ihn schmerzlich vermisste.
Sie nahmen ihm das eiserne Bettgestell weg. Er versuchte im Sitzen an die Wand gelehnt zu schlafen, rutschte immer wieder zur Seite, legte sich auf den Boden.
Gelegentlich brachten sie ihm Tee und trockenes Brot, schalteten das Licht sofort wieder aus, und das Brot rutschte ihm in der Dunkelheit aus den schmierigen Fingern.
Er brüllte in die Dunkelheit, weinte, schluchzte so sehr, dass es ihn schüttelte. Jemand öffnete die Tür und betrat den Raum. Eine Taschenlampe blendete ihn und er musste die Augen schließen. Der Besucher drehte die Lampe weg und leuchtete sich an. Was der Gefangene sah, war kein menschliches Antlitz, er blickte in eine Fratze.
Die Fratze beugte sich über ihn und flüsterte freundlich: »Sagen Sie mir jetzt, wo die CDs sind?«

Mit wild klopfendem Herzen fuhr er hoch, tastete über seine Brust. Sein T-Shirt war von schmierigem Schweiß durchtränkt und ihn fröstelte. Neben sich hörte er leichte Atemzüge. Vorsichtig, um sie nicht zu wecken, tastete er auf die andere Bettseite; sie schlief friedlich. Im schwachen Licht der Dämmerung sah er ihre zerzausten Haare, die wie eine dunkle Wolke über das Kopfkissen ausgebreitet waren. Er hörte sie im Schlaf einige Wörter auf Arabisch murmeln. Oft, wenn er schreiend aus dem Schlaf hochfuhr und sie wach wurde, kuschelte sie sich an ihn, legte ihm ihre Hand auf die Brust. Am nächsten Morgen sah sie ihn mit forschendem Blick an und fragte, wie er geschlafen habe. »Gut«, war seine übliche Antwort. Sie wusste es besser.
Einen Moment war er in Versuchung, über ihr Haar zu streicheln. Er unterließ es und schwang leise seine Beine aus dem Bett. Erschöpft von dem Traum tapste er in die Küche. Es war vier Uhr vorbei, er würde nicht mehr einschlafen. Leise füllte er Wasser in den Elektrokocher und bereitete sich eine Tasse Tee. Dann ging er in sein Arbeitszimmer und schaltete den Computer ein. Er hatte sich angewöhnt, den Inhalt seiner Albträume aufzuschreiben. Es half ihm, damit fertig zu werden. Hatte er früher beinahe jede Nacht im Schlaf geschrien, passierte ihm das heute nur alle paar Wochen.
Er hörte die schwache Brandung; der Wind musste gedreht haben. Es dämmerte und bald konnte er vom Balkon das Meer sehen. Heute werde ich mir einen Tag Ruhe gönnen, wenigstens den Vormittag. 
Chapter 2
Mitiga International Airport Tripolis
In normalen Zeiten ging es auf dem Mitiga Airport zu, wie auf jedem anderen Flughafen der Welt: Reisende stöberten in den Duty-free-Shops, umlagerten die Cafés oder Imbissläden und bildeten lange Warteschlangen an den Abfertigungsschaltern.
Doch die Zeiten waren nicht mehr normal. Mit Beginn des totalen Embargos und der Flugverbotszone über Libyen im April 1992 war die Versorgung des Landes immer schwieriger geworden. Jetzt lockerte der Westen das Embargo nach und nach. Die EU hatte es ganz aufgehoben und die UN hatte Erleichterungen zugesagt. Nur die Amerikaner verhielten sich noch zögernd.
Wenigstens das Flugverbot für Zivilmaschinen war vollständig aufgehoben, aber der Luftverkehr und auch der Flughafen Tripolis waren von normalen Verhältnissen noch sehr weit entfernt.
Viele Jahre hatte das Embargo das Land, die Menschen und diesen Flughafen umklammert. Während dieser Zeit war der größte Teil des Reise- und Güterverkehrs auf dem Landweg über Tunesien und Ägypten abgewickelt worden. In einigen Wüstenregionen war es zu Aufständen gekommen und hinter vorgehaltener Hand flüsterte man von kriegerischen Auseinandersetzungen der Stämme im Osten des Landes. In der Grenzregion zum Tschad war es angeblich zu einer Militärrevolte gekommen.
In der Millionenstadt Tripolis hatte man während dieser Jahre auf den ersten Blick nichts vom Embargo bemerkt. Die Geschäfte und Märkte waren geöffnet und in der Altstadt herrschte lebhaftes Treiben. Der Schein trog. Das Warenangebot war drastisch geschrumpft, Produkte aus dem Westen waren unerschwinglich geworden. Das Ersatz eines Keilriemens für einen PKW war zu einem Abenteuer geworden. Trotz der Subventionen durch die Regierung waren die Lebensmittelpreise über die Jahre stark gestiegen. Am deutlichsten merkte man es auf den Märkten - das Angebot an Fleisch und Frischgemüse war von Tag zu Tat spärlicher und teurer geworden. Die Regierung versuchte, die fehlenden Güter mit Zukäufen aus Südafrika auszugleichen, was den Mangel kaum lindern konnte.
Als Eric vor Wochen seinen Flug bei einem Reisebüro in Deutschland buchen wollte, hatte ihn die Reiseberaterin nur zweifelnd angesehen und gefragt: »Geht das denn überhaupt?«
Nach vielen Telefonaten und einer immer mehr genervten Beraterin konnte er dann doch buchen. Er flog mit einer kleinen maltesischen Fluglinie, die, nach dem Embargo, als eine der ersten Gesellschaften mit Zwischenlandungen in Rom und auf Malta nach Tripolis flog.
Libysche Freunde hatten Eric gewarnt, das Land mit dem Flugzeug zu verlassen. Lieber sollte er mit der Fähre nach Malta übersetzen und von La Valletta aus nach Deutschland fliegen. Er hatte die Warnungen in den Wind geschlagen und jetzt saß er in der Abflughalle fest und stöhnte unter der Hitze. Die Klimaanlage war nicht in Betrieb und ein Thermometer neben dem Informationsschalter zeigte fünfundvierzig Grad. Auf seinen Wanderungen durch die Halle klopfte er im Vorbeigehen wieder und wieder missmutig gegen das Thermometer, in der vergeblichen Hoffnung, es zeige endlich weniger an.
Überall im Land fehlte es an Ersatzteilen und hinter vorgehaltener Hand erzählte man sich, auch die Wartung der Flugzeuge sei noch nicht gewährleistet. Vor wenigen Tagen hatte ihm ein Libyer erzählt - als Chef der Ersatzteilbeschaffung musste er es wissen - es fehle nach wie vor an Spezialöl für die Triebwerke.
Eric wollte sein Ticket nicht verfallen lassen und hoffte nur, dass er wie auf dem Hinflug mit einer Tupolev fliegen würde. Russische Technik war genügsam.
Die Temperatur kletterte auf sechsundvierzig Grad und zu trinken gab es schon lange nichts mehr. Mehr als zehn Stunden wartete er jetzt in diesem Backofen und die Toiletten stanken, dass ihm übel wurde. Familien mit Kindern gaben als Erste auf und verließen den Warteraum. Damit kehrte Ruhe ein. Niemand wusste, ob der Flug gestrichen war, der Informationsschalter war nicht besetzt. Eric hatte sich flüchtig mit einem Franzosen unterhalten, auch der wusste nichts Genaues. Die Zahl der Wartenden war von anfangs rund einhundert auf zehn gesunken.

Im Kindle-Shop: Der Plan (1-4) ... des Pentagon

Mehr Informationen über den Autor D.W. Crusius und seine Veröffentlichungen auf seiner Homepage.

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