14. Juli 2017

'Tante Fritzi - forever clever' von Brigitte Teufl-Heimhilcher

Ob Chorwettbewerb, Weihnachtsbazar oder Faschingsfest – in Tante Fritzis Pensionistenheim ist immer was los. Außerdem ist da noch Konstantin, der ehemalige Anwalt, mit dem sie sich ganz hervorragend versteht und dessen Sohn Michael. Der wäre genau der Richtige für ihre Nichte Babette, die dummer Weise diesen Stinkstiefel von einem Architekten heiraten will. Aber noch ist das letzte Wort nicht gesprochen, denn der Architekt scheint Frieda – die von ihrer Nichte liebevoll „Tante Fritzi“ genannt wird - ganz und gar nicht vertrauenswürdig. Mit Konstantins Hilfe heftet sie sich an seine Fersen …

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Leseprobe:
Frieda nimmt Abschied
Die Herbstsonne tat ihr Möglichstes und ließ Friedas Haus im besten Licht erscheinen. Es war ein mächtiges Stockhaus im Stil der Sechzigerjahre, mit einem großen Blumenfenster und einer noch größeren Terrasse, und es war nicht zu übersehen, dass es schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel hatte. Auch der Garten hatte schon bessere Zeiten gesehen.
Der Teich, in dem früher die Seerosen üppig geblüht hatten, war leer, und zwischen den Steinplatten wuchs Unkraut. Aber der Rasen war kurz geschnitten und die Äpfel auf den Bäumen leuchteten rot und gelb. Auf der südseitigen Terrasse war der Kaffeetisch gedeckt.
Frieda Engel hatte Mühe, die wenigen Stufen zur Terrasse emporzusteigen, ohne vor Schmerzen zu stöhnen. Doch das kam natürlich nicht in Frage. Mit einer eleganten Handbewegung bat sie die Maklerin Platz zu nehmen.
„Sie haben gesehen, was es zu sehen gibt. Wie hoch schätzen Sie den Verkaufspreis?“
Die Maklerin wiegte den Kopf und sah in ihre Notizen. Vermutlich, um Zeit zu gewinnen, dachte Frieda. Endlich antwortete sie: „Eine schöne Lage, aber am Haus ist natürlich einiges zu machen. Warum wollen Sie es verkaufen?“
„Eigentlich will ich es gar nicht verkaufen, aber mein Arzt meint, für meine alten Knochen hätte es zu viele Stufen. Also habe ich mich, schweren Herzens, für ein Seniorenheim entschieden, ganz in der Nähe. Darf ich Ihnen Kaffee einschenken?“
„Gerne, aber Sie hätten sich doch keine Mühe machen müssen.“
„Natürlich nicht, aber ich freue mich, wenn mir jemand beim Kaffeetrinken Gesellschaft leistet. Seit mein Mann tot ist, bin ich viel allein. Meine Haushaltshilfe hat übrigens einen Apfelkuchen gebacken. Ich kann ihn sehr empfehlen.“
Etwa eine Stunde später hatte man sich über Kaufpreis und Vermittlungsauftrag geeinigt.
„Wir werden Ihr Objekt umgehend anbieten“, versprach die Maklerin eifrig. „Möchten Sie bei den Besichtigungen anwesend sein?“
„Nein, das möchte ich keinesfalls und ich kann es auch gar nicht, denn ich werde mich in den nächsten Wochen einer Hüftoperation unterziehen. Danach muss ich zur Kur und nach der Kur werde ich mein Appartement im Seniorenheim beziehen. Lassen Sie mir noch zwei Wochen, um meine Sachen zu packen, dann haben Sie freie Bahn.“
Nachdem die Maklerin gegangen war, räumte Frieda langsam den Kaffeetisch ab, dann setzte sie sich an ihren Schreibtisch und begann, eine Liste jener Gegenstände aufzustellen, die sie ins Seniorenheim mitnehmen wollte.
Haus Sonnenschein – so ein Schwachsinn. Sonnenschein für den Winter des Lebens.
Nun, sie hatte in ihrem Leben Sonnenschein kennengelernt, mehr noch, sie hatte auf der Sonnenseite gelebt. Aber seit Gerds Tod war es aus mit dem Sonnenschein, seither herrschte hoffnungslose Kälte, zumindest in ihrem Inneren. Daran konnten weder Frau Fischer mit ihrem Apfelkuchen noch ihre Nichte Babette etwas ändern., auch nicht, wenn sie sie jetzt wieder Tante Fritzi nannte, so wie damals.
Nun gut, sie hatte ihren Teil gehabt, sie würde den Rest ertragen, so gut es eben ging.
Doktor Weiß hatte ja recht, das Haus war nicht nur viel zu groß für sie allein, es war vor allem viel zu unpraktisch. Fünfzehn Stufen mussten allein bis zum Eingang überwunden werden. Aber dafür hatte man einen herrlichen Ausblick auf die Weinberge. Oft würde sie ihn nicht mehr genießen können. Als sie das Haus gebaut hatten, war sie kaum dreißig gewesen, und zu Gerds vierzigstem Geburtstag hatten sie es eingeweiht. Ans Altsein hatten sie dabei nicht gedacht. Damals schien alles möglich und das Leben noch so unendlich lang. Und dann war alles viel zu schnell vergangen.
Das ist der Preis des glücklichen Lebens, hatte Doktor Weiß neulich gesagt. Nur dem Unglücklichen scheint die Zeit stillzustehen. Wie recht er doch hatte. Seit ihr Mann tot war, schienen Tage und Nächte oft kein Ende zu nehmen. Ächtzend erhob sie sich, um den Fernseher einzuschalten.

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Mehr über und von Brigitte Teufl-Heimhilcher auf ihrer Website.



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