7. September 2017

'The Choice: Mut zur Liebe' von Monica Bellini

Sein Name ist Yves Latour, sein Beruf Strafverteidiger. Die Pariser Richter und Staatsanwälte nennen ihn »Avocat Pitbull«. Doch sosehr er sich in seinen Gegnern festbeißt, so wenig tut er es bei Frauen. Deren Anhänglichkeit ist ihm ein Gräuel, daher hält er sich an die Escorts der Agence O. Jedes Mal eine andere. Als Stammkunde kann er ohnehin jede haben. Bis auf eine. Seraphine, die ihn zappeln lässt wie einen Fisch an der Angel …

Miranda Rosen ist die Muse der bedeutendsten französischen Couturiers. Die entwerfen traumhafte Kreationen für sie, die sie auf mondänen Events trägt – und die Paparazzi stehen Schlange. Mit ihren dunklen Augen, den sinnlichen Kurven und der schwarzen Mähne ist sie der Inbegriff der Femme fatale. Und unnahbar, wie all die Männer wissen, die sich an ihr die Zähne ausbeißen und nichts von ihrem Geheimnis ahnen. Als Seraphine führt sie ein Doppelleben. Und ausgerechnet dieser Yves Latour kommt dahinter.

Er will sie. Nur für eine Nacht. Und er ist bereit, eine horrende Summe dafür zu bezahlen. Aber Mirandas Radar schlägt Alarm, und sie tut alles, um ihm aus dem Weg zu gehen. Was nur nicht so einfach ist, da sein bester Freund ihre beste Freundin heiratet …

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Leseprobe:
Die Dachterrasse des exklusiven Restaurants füllt sich an diesem Spätsommerabend nach und nach mit Menschen. Plaudernd und Champagner schlürfend stehen sie an der dem Meer zugewandten gläsernen Brüstung, um einen Blick auf die beeindruckenden Jachten im Hafenbecken von Monte Carlo zu werfen, bevor sie sich der Auswahl der Speisen widmen. Zwei ältere Damen haben jedoch den ruhigeren Winkel gewählt, fernab vom Gedränge und den immer noch glühenden Strahlen der sinkenden Sonne. Die beiden Amerikanerinnen besuchen Monaco nicht zum ersten Mal. Im Gegenteil. Jedes Jahr verbringen sie den Todestag der Fürstin Gracia Patricia am gleichen Ort. Genau hier und in stummer Eintracht. Am Vortag waren sie bereits am Ortseingang von Cap D’Ail an der Kurve der Route de la Turbie, dem Unfallort. Am 13. September 1982 stürzte die von ihnen bewunderte frühere Schauspielerin Grace Kelly mit ihrem Wagen von dort vierzig Meter in die Tiefe und starb am Tag darauf. Jetzt gleiten die Blicke der beiden Freundinnen über die weniger strahlende Seite des Fürstentums der Grimaldi, die steil zum Meer abfallenden Felsen, dorthin, wo sie sich am Nachmittag ein Appartement angesehen haben. Sie werden nicht jünger und das milde Mittelmeerklima ist ihnen zuträglicher als die feuchte Hitze Floridas.
Die eine deutet mit ausgestrecktem Zeigefinger auf einen Punkt etwas oberhalb der Moyenne Corniche. »Dort, siehst du das rote Dach zwischen den anderen grauschwarzen? Das ist es. Ein Juwel in traumhafter Lage und zu einem durchaus akzeptablen Preis, findest du nicht?«
Ihre Freundin kneift die Augen hinter den Brillengläsern zusammen und reckt ihr spitzes Kinn noch ein wenig vor, als ob die paar Zentimeter ihre Sicht verbessern könnten. Offenbar nicht. Denn sie reißt Kopf und Schultern nach hinten, öffnet den Mund und stößt einen schrillen Schrei aus.
Die Anwesenden auf der Dachterrasse wenden ihre Aufmerksamkeit den beiden eleganten Damen zu und folgen der ausgestreckten Hand der einen. Eine dunkle Rauchsäule steigt von der Panoramastraße Richtung Himmel. Eine laute Explosion durchdringt den frühen Abend und ein riesiger Feuerball weiter unten am Hang zieht alle Blicke auf sich. Es besteht kein Zweifel, dass dort soeben ein Fahrzeug explodiert ist und ein zweites brennend in einer Haarnadelkurve steht. Nur wenige Meter vom todbringenden Abgrund entfernt.
»Dieser Tag scheint verdammt zu sein.« Mit diesem Satz durchbricht ein hochgewachsener, distinguierter Franzose mit schlohweißem Haar das entsetzte Schweigen aller Anwesenden. Er ist nicht der Einzige, der sich bekreuzigt – bevor er sich wieder seinem Cocktail widmet.

[...]

»Ich verstehe das nicht«, flüstere ich Sarah zu, als sie die Heckklappe ihres Jeeps öffnet. »Sie ist plötzlich fromm wie ein Lämmchen, hat sich sogar von mir hineinsetzen lassen.« Ich lege den Koffer in den Wagen, richte mich auf und sie nähert ihren Mund meinem Ohr.
»Vielleicht hat sie endlich begriffen, dass sie es allein nicht schafft und wir es gut mit ihr meinen. Du wirst sehen, es wird nicht lange dauern, bis sie die ersten Schritte tut.«
»Ich kann euch hören!« Mirandas Stimme lässt uns auseinanderfahren. Sie sitzt auf dem Beifahrersitz und justiert den Rückspiegel, um uns zu beobachten. Ich hebe die Reisetasche in den Kofferraum, Sarah Mirandas Beautycase.
»Das glaube ich nicht«, flüstere ich kopfschüttelnd. »Ich werde das Gefühl nicht los, dass sie gar nicht mehr gehen will.«
»Quatsch!«, ruft Sarah aus und wirft die Heckklappe mit einem lauten Knall zu. »Sie wird doch nicht auf ihr Jetset-Leben verzichten wollen. Oder gar auf ihre erotischen Abenteuer als Seraphine.«
Ich reiße Sarah an der Schulter herum.
»Du weißt es?« Ich starre sie konsterniert an.
»Allerdings. Und ich habe es ihr vorhin auch gesagt.«
Mich bringt nichts so leicht aus der Fassung. Vor Gericht habe ich mit Gegnern zu tun, die jede noch so kleine Schwäche zu Gunsten ihrer Klienten ausnutzen. Aber das ... Marcel hat nie erwähnt, dass Sarah von Mirandas Doppelleben weiß. Wie kann das sein, frage ich mich, laut hingegen: »Wie hat sie reagiert?«
»Gar nicht. Ich habe dich gerufen, du hast die Tür aufgestoßen und sie war abgelenkt.«
Merde. Die kommenden Tage versprechen ausgesprochen interessant zu werden.
Sarah geht zur Fahrertür und öffnet sie. Ich folge ihr.
»Ich bleibe in Paris. Du brauchst mich ohnehin nicht ...«
»Du kommst mit, Yves«, schneidet sie mir das Wort ab. »Wie besprochen.«
»Was?« Miranda schreit auf. »Reicht es dir noch nicht, dass du mich gegen meinen Willen auf dein verdammtes Schloss verschleppst? Dass mich deine Kinder so sehen sollen?« Sie deutet hektisch auf ihre Beine. »Jetzt soll ausgerechnet auch noch er mitkommen?«
Ich lege die Hand auf das Autodach und beuge mich in den Fahrzeugraum. Meine Stimme ist eisig. »Definiere ausgerechnet.«
Sie streckt ihren Arm aus, fuchtelt mit dem Zeigefinger in meine Richtung. »Du ... Du ...« Schnaubend bricht sie ab.
Ich fange meinen Autoschlüssel aus der Hosentasche und lasse ihn am Schlüsselring von meinem Finger baumeln.
»Wir sehen uns in Sancerre.« Ich hebe lässig die Hand und drehe mich um. Mirandas Schnauben aus dem Inneren des Jeeps verfolgt mich noch, als ich in meinen Bugatti Chiron steige. Sarah öffnet das Tor der Tiefgarage und lässt mir die Vorfahrt. Eine Viertelstunde später bin ich auf der A6 und gebe Gas. Der 1500-PS-Motor röhrt erfreut auf. Aber heute ist das Fahrgefühl, das mir mein sündteures Spielzeug vermittelt, nur die zweitstärkste Emotion. Miranda in den kommenden Tagen in meiner Nähe zu wissen, schlägt sie bei Weitem.

[...]

Irritiert schaue ich Marcel nach, der Miranda aus der Küche trägt. Sie hat ihre Arme um seinen Hals geschlungen – dabei sollten sie um meinen liegen. Ich will ihre Brust an meiner spüren und ihren Duft einatmen. Die Erinnerung an ihren Körper in meinen Armen, als ich sie in der Tiefgarage aus dem Rollstuhl hob und in Sarahs Wagen setzte, lässt mich aufseufzen.
»Hast du weh?« Emilies piepsendes Stimmchen unterbricht mein Kopfkino.
»Nein, alles in Ordnung«, erwidere ich, ohne sie anzusehen, und erhasche einen letzten Blick auf Mirandas Locken, bevor mein Freund mit ihr aus meinem Blickfeld verschwindet.
»Gut, ich will spielen.« Sosehr ich die Kinder mag, Emilies bestimmte Ansage und das darauffolgende Jauchzen ihres Bruders deuten darauf hin, dass ihre Pläne für das Wochenende nicht den meinen entsprechen.
Wenig später finde ich mich auf allen vieren auf dem flauschigen Teppich vor dem Kamin im Wohnzimmer wieder. Bastien reißt an meinen Haaren, an denen er sich festklammert wie in der Mähne des Pferdes, auf dem er in seiner Fantasie gerade reitet. Fehlt nur noch die Peitsche, denke ich, als Emilie mit der flachen Hand auf meinen Hintern schlägt und »Allez Hop!« ruft.
»Sind Sie der Marquis?« Die mir unbekannte weibliche Stimme klingt belustigt. Mit einem Ruck richte ich den Oberkörper auf und Bastien rutscht zu Boden und zetert los. Was er noch nicht in Worte fassen kann, macht er mit seinem Geschrei klar. Mit einem raschen Blick vergewissere ich mich, dass er weich gefallen ist und sich nicht wehgetan hat, und sehe nach oben.
Sie ist – anders. Rote Haare, grüne Augen und stark ausgeprägte Sommersprossen, obwohl der Winter dem Ende zugeht. Das alles garniert mit einem amüsierten Lächeln.
»Nein. Das ist Yves Latour, der älteste Freund meines Mannes.«
Ich werfe Sarah einen giftigen Blick zu. Ich bin kein Tattergreis und Marcel ist sogar drei Monate älter als ich.

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