30. Oktober 2017

'50 Pieces for Grey' von A.M. Arimont

Die junge Prostituierte Ann schlägt sich auf der Straße durch. Dann bekommt sie die Chance, für eine Callgirl-Agentur zu arbeiten. Unerwarteterweise wird sie nach kurzer Zeit von dem wichtigsten Kunden Alex Cotrell angefordert. Ein reicher und mächtiger Geschäftsmann. Ann kann nicht glauben, dass er ausgerechnet sie ausgewählt hat. Doch Alex hat spezielle Vorlieben und ein düsteres, blutiges Geheimnis.

Und für Ann hat er sich schon eine besondere Verwendung überlegt, doch es kommt alles ganz anders.

Lesermeinung: "Mischung aus 'Shades of Grey' und 'Pretty Woman' mit einer ordentlichen Portion Grausamkeiten und Gemetzel."

Gleich lesen: 50 Pieces for Grey - Thriller

Leseprobe:
Anns Herz klopfte wie wild, als ihre Chefin ihr die Nachricht mitteilte. Warum ausgerechnet sie? Wie konnte das nur sein? Erst ein halbes Jahr war sie nun bei der Agentur und hatte doch im Vergleich zu den anderen Mädchen kaum Erfahrung. Jedenfalls niemals genug Erfahrung für so einen Auftrag. Zu dem Gefühl der Aufregung kam nun noch Hilflosigkeit hinzu. Ann fühlte sich überfordert, sie hatte in den paar Monaten natürlich schon etliche Kunden gehabt aber dieser schien ihr einfach drei Nummern zu groß. Und was würden die anderen von ihr denken, wenn sie gleich die dicken Fische bekam? Bestimmt würden sie sie nun hassen und voller Neid hinter ihrem Rücken lästern. Solche Geschichten sind bestimmt nicht gut für das Betriebsklima. In ihrem Kopf hämmerten die Gedanken und sie wirkte abwesend. In dem kleinen Büro hing dichter Zigarettendunst in der Luft, gegen den der Deckenventilator kaum eine Chance hatte. Der Aschenbecher, der auf dem dunklen Eichenschreitisch stand, quoll fast über. Dahinter saß eine Frau im mittleren Alter, elegant gekleidet wie eine Geschäftsfrau. Und das war sie ja auch. Sie kannte diese Art von Mitarbeiter-Gesprächen gut und wusste, dass hier jemand eine Portion Selbstvertrauen gebrauchen konnte.
„Ann! Macht dich nicht verrückt Mädchen! Du packst das!“, versuchte Carmen Maligno sie zu beruhigen.
„Aber ich weiß doch gar nicht, was der von mir erwartet! Und die anderen werden sicher sauer sein!“
„Hey! Hier ist niemand sauer. Der Kunde hat dich ausgesucht und fertig. Sei doch froh! Ist eine Riesenchance. Außerdem wissen die anderen nichts von deinem Auftrag. Bei diesem Kunden steht Diskretion an oberster Stelle.“
„Aber warum hat er mich ausgesucht? Ich bin doch die Neue hier. Bestimmt steht der auf spezielle Dinge, die ich nicht kenne oder möchte. Hör zu Carmen, ich bin dir für alles sehr dankbar aber es gibt Dinge, die ich auch für Geld …“
„Ann!“, unterbrach Carmen sie. „Mister Cotrell ist einer unserer wichtigsten Kunden, er hat viel Geld und ist ein Gentleman. Dass kannst du mir glauben. Er vertraut schon seit Jahren auf unseren Service und bisher war er immer zufrieden. Und mit dir wird es das auch sein. Hätte ich dich sonst zu uns geholt? Ich kenne ihn persönlich schon sehr lange und kann dir versichern, dass alles in Ordnung mit ihm ist. Also keine Angst Mädchen!“
Ann blickte zu ihrer Chefin auf. Ihr Gesicht strahlte sie mit einem überbreiten Lächeln an aber sie meinte, in den Augen ein eigenartiges Flackern zu erkennen. Nur für einen kurzen Moment. Einen Blick, den sie noch nie bei Carmen gesehen hatte. Sie will mir nur Mut machen, dachte sich Ann.
„Du bist jung, du bist neu. Dass gefällt ihm wohl, welchem Mann würde dies nicht reizen? Du wirst ihn sicher zufriedenstellen, meine Kleine! Du bist doch mein neues großes Talent! Also zerbreche dir nicht deinen süßen Kopf. Bisher habe ich von allen Kunden nur beste Rückmeldungen erhalten, wenn du da warst. Und hier wird es nicht anders sein, da bin ich mir sicher!“
„Meinst du wirklich?“
„Aber sicher! Also los, los, zeig was du draufhast!“
Annastasia, so lautete ihr Name in der Agentur, nickte zuversichtlich und rang sich ein Lächeln ab, bevor sie das Büro verließ. Carmen Maligno blickte der jungen Frau hinterher, die sie erst so kurz kannte. Sie atmete laut aus und stieß ein leises Seufzten aus. Diese Art der Überzeugungsarbeit kostete Kraft aber es lohnte sich. Carmen musste daran denken, wie schwer es war, diese Callgirlagentur aufzubauen. Mit 17 war sie selber in einem Bordell gelandet und sie war damals froh darüber. Dies war eine deutliche Verbesserung ihrer Lebensumstände. Sie hatte ein warmes Zimmer, ein eigenes Bad und auch Schutz, falls ein Kunde sich danebenbenahm. Die Zeit der 20-Dollar-Blowjobs auf irgendwelchen schmierigen Parkplätzen war damit vorbei. Dass sie es aber jemals so weit bringen würde, damit hatte sie nie gerechnet. Eine eigene, gut laufende Agentur und finanzielle Freiheit. Carmen machte mit den Mädchen gutes Geld. aber dies war alles nichts gegen die speziellen Sondereinnahmen. Diese verdankte sie vor allem Kunden wie Mister Cotrell – und dessen besonderen Vorlieben. Da war das richtig große Geld zu machen. Und dennoch musste sie an Ann denken und verspürte einen kurzen Anflug von Mitleid. Es war schon komisch – auf gewisse Art und Weise fühlte sie bei diesem Mädchen eine Verbundenheit, die sie sich selber nicht erklären konnte. Sicher, Carmen hatte Ann von der Straße geholt, so wie sie selber eins vom Strich befreit wurde, aber dies traf auch auf andere Mädchen zu. Vielleicht war es ihre manchmal unsichere Art, vielleicht waren es auch nur ihre langen, dunklen Haare, die Carmen an sich selber erinnerte, wenn sie Ann sah. Fast tat es ihr etwas leid aber sie wusste auch, wie viel Geld ihr dies einbrachte und wie wichtig Kunden wie Mister Cotrell waren. Das ist jemand, mit dem man keinen Ärger will und den man nicht enttäuschen darf. Armes kleines Ding. Armes kleines, dummes Ding, dachte Carmen und zündete sich eine neue Zigarette an.

***

Die Aufregung war nicht verschwunden aber doch ein wenig kleiner geworden. Anns Chefin hatte wirklich Talent dazu. Sie bewunderte Carmen Maligno und fühlte sich wohl dabei, für sie zu arbeiten. Ihre liebevolle Art hatte etwas beruhigend Mütterliches. Aber sie hatte auch großen Respekt vor der gutaussehenden Frau, die nicht nur ein Geschäft aufgebaut hatte, sondern mit ihren 43 Jahren auch noch selber von Kunden gebucht wurde. Dies kam zwar selten vor und Carmen erklärte ihr einmal, dass sie dies nur noch für ganz besondere Kunden täte.
Ann hatte ihre Anweisung und wunderte sich doch über die etwas ungewöhnlichen Umstände. Ihr wurde am Handy gesagt, sie würde an einer bestimmten Straßenecke abgeholt werden. Sie wartete hier jetzt schon seit 15 Minuten, damit sie wirklich pünktlich war. Einen Kunden wie Mr. Cotrell lässt man nicht warten, war sich Ann bewusst. In diesem Teil der Stadt war sie tatsächlich noch nie gewesen. Obwohl es Ende Mai war, fröstelte es sie ein wenig. Dieses Warten auf der Straße weckte ungute Erinnerungen. Sie kam sich wieder vor, wie noch vor einem halben Jahr, als sie jeden Abend draußen an dunklen Ecken stand. Und im Dezember ist dies wirklich kein Spaß. In diesen Moment fühlte sie sich wieder wie eine Straßenhure, die darauf wartet, für 30 Dollar zu schmierigen Typen ins Auto zu steigen. Dieses Gefühl wollte Ann nie wieder haben. Beruhige dich! Du wirst gleich abgeholt. Dann kommt das Auto und dann geht’s wahrscheinlich in ein schönes, warmes Hotel, dachte sie sich und versuchte so, die finsteren Gedanken abzuschütteln. Plötzlich kam fast lautlos eine dunkle Limousine neben ihr zum Stehen. Ann war völlig perplex, sie war so in Gedanken, dass sie den Wagen gar nicht bemerkt hatte. Einen Augenblick lang passierte gar nichts und durch die getönten Scheiben konnten sie auch nichts erkennen. Dann öffnete sich die rechte Hintertür und sie hörte eine Stimme:
„Miss Annastasia? Steigen Sie doch bitte ein!“
Ann zögerte einen Moment, sie konnte keine Person auf der Rückbank erkennen, der man diese Aufforderung zuordnen hätte können. Vorsichtig stieg sie in den Wagen ein, der augenblicklich losfuhr, kaum, dass sie die Tür zugezogen hatte.
„Guten Tag Miss Annastasia. Ich hoffe, Sie haben nicht zu lange gewartet. Falls Sie etwas trinken möchten, können sie sich gerne bedienen.“
Ann blickte in die Seitenablage, in der neben Wasser das Sortiment einer kleinen Bar vorhanden war. Sie hatte aber keinen Durst. Vom Fahrer war nicht viel zu sehen, da er eine große Chauffeurs-Mütze trug. Dass ist ja wie im Film! Und ich bin Julia Roberts? Ann musste unweigerlich an „Pretty Women“ denken und es überkam sie ein aufgeregtes Kribbeln. Jetzt war sie wirklich neugierig auf ihren Kunden. Sie versuchte, sich den Mann vorzustellen, der so einen Aufwand für eine Nacht mit einem Callgirl betreibt. Und vor allem, welche Leistungen er im Gegenzug erwarten würde. Dieser Mann, der sich eine Limousine mit Fahrer leisten kann, wollte SIE. Warum konnte Ann nicht so einen Mann finden? Das wäre doch ein Leben! Vielleicht konnte sie ja. Nein, hör auf rumzuspinnen! Du bist doch kein kleines Mädchen. Er will ficken, das ist alles, sagte Anns Vernunftstimme in ihrem Kopf. Ich hoffe, er will nur ficken. Aber man darf doch mal kurz träumen. Die ganze Situation hatte sie nachhaltig beeindruckt. Sie war so in Gedanken, dass ihr nicht mal auffiel, dass die Scheiben hinten im Auto auch von innen so abgedunkelt waren, dass man kaum sehen konnte, wohin die Fahrt ging.

Im Kindle-Shop: 50 Pieces for Grey - Thriller

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