20. November 2017

'Rift: Der Übergang' von Pascal Wokan und Joshua Tree

Durch den Rift
auf die andere Seite
wo Schatten und Tod herrschen


Der Abschlussball ihrer High School endet für Megan und Freddy in einer verhängnisvollen Begegnung. Statt den Abend wie geplant zu feiern, betritt ein Dämon ihre scheinbar heile Welt und sie werden in einen Strudel aus Enthüllungen und Katastrophen gezogen, der sie unaufhaltsam in die Tiefe reißt.

Währenddessen versuchen Vidmond und Aldora, zwei Dämonenjäger einer uralten Kaste, einen Krieg der Dimensionen zu verhindern. Doch als die beiden Welten sich kreuzen entbrennt ein Kampf zwischen den Realitäten, der sich nicht mehr aufhalten lässt. Höhere Mächte haben ihre Hände im Spiel – einem Spiel, das gerade erst begonnen hat ...

Zwei Welten – zwei Autoren. Urban Fantasy trifft Steampunk.

Gleich lesen: Rift: Der Übergang

Leseprobe:
Aldora stürmte auf einen halb geschmolzenen Stahlträger zu und duckte sich dahinter. Kurz ließ sie ihr geschultes Auge umherschweifen. Mit einem kaum merklichen Kopfnicken gab sie Vidmond zu verstehen, dass die Luft rein war. Natürlich hinterfragte er ihr Zeichen nicht, zu eingespielt waren sie als Team.
Vidmond zog sich seinen Goggle vom Zylinder und stülpte ihn über die Augen. Die Schutzbrille war mit einem metallischen Rahmen und verschiedenen kleinen Zahnrädchen am äußeren Rand versehen. Eigentlich war es momentan nicht notwendig, seine Sehkraft zu verstärken. Der Hüne liebte es aber, den Moment der Aufmerksamkeit auszukosten. Er nickte, pirschte um die Ecke und ließ sich mit einem Schnaufen direkt neben ihr nieder.
»Warum hast du deinen Goggle noch nicht aufgezogen?«, fragte er, und sah sich um.
Aldora ließ ebenfalls ihren Blick noch einmal umherschweifen. Wo man auch hinsah, erkannte man unförmige Trümmer und geschmolzene Stahlkonstruktionen. Das was vom ehemaligen Empire State Building übrig war, dem Ort, an dem eine der größten Katastrophen in der Geschichte New Yorks stattgefunden hatte. Alles, was von dem einst höchsten Gebäude der Welt noch zu sehen war, konnte man bloß als Friedhof bezeichnen – einen Friedhof für vergangenen Stolz und geplatzte Träume. Das war aber längst nicht alles, was Aldora an diesem Ort wahrnehmen konnte. Da war noch etwas anderes, etwas wesentlich tieferes. Nur wenn man in den Rang eines Klerikers erhoben worden war, konnte man es so eindeutig spüren: Der Ort war von einem dunklen Widerhall durchdrungen, der aus menschlichen Emotionen entstanden war, die über Jahre hinweg dort angestaut worden waren. Sie konnte Schmerz fühlen, Leid und unendlichen Hass. Keine gute Mischung, wenn man beabsichtigte, hier für längere Zeit zu verweilen. Es lockte die Anderen an und mehrte ihre Macht.
Das war nicht gut, denn es würde sie für die bevorstehende Situation schwächen. Also zwang sie sich zur Ruhe, atmete tief durch und versuchte, sich von allen äußeren Einflüssen abzunabeln.
Sie spürte Vidmonds Blick auf sich ruhen. Aus welchem Grund er über eine derartige innere Stärke verfügte und sich durch nichts aus der Ruhe bringen ließ, stellte sie noch immer vor ein Rätsel. So waren Menschen aber nun einmal: jeder verfügte über andere Talente.
»Geht's wieder?«, fragte er nach einer Weile.
Aldora öffnete die Augen und nickte knapp. Sie hatte sich beruhigt und gegen die äußerlichen Einflüsse unempfindlich gemacht. Schmerz, Leid und Hass waren nur Gefühle, die man ausblenden konnte, wenn man über die nötige innere Stärke verfügte.
»Also, was ist jetzt?«, fragte er. »Ziehst du die Schutzbrille zur Sicherheit noch auf?«
»Nein, blendet mich manchmal.«
»Blendet? Wir haben die Dinger eigentlich, um unsere Sehkraft zu verstärken!«
Aldora runzelte die Stirn. »Was ist los mit dir? Bist du nervös?«
Er brummte etwas Unverständliches. Seitdem sie ihn kannte, war er noch nie wirklich nervös gewesen. Noch nicht einmal aufgeregt. Ja, im Grunde genommen war er genau das, was einen perfekten Kleriker ausmachte.
»Wenn's dich glücklich macht, dann ziehe ich das Ding eben auf«, schnaubte sie und stülpte sich den Goggle über die Augen. Obwohl sie bereits im normalen Zustand laut Vidmond über eine außergewöhnliche Sehkraft verfügte, wurde diese mit der anbarischen Maschine nochmal um ein Vielfaches verstärkt. Nun konnte sie jede noch so kleine Unebenheit in dem Stahlträger vor sich sehen. Die Maserung, die leicht korrodierten Stellen und sogar ein ganz feines Muster, das Hinweis darauf gab, wie heftig damals das Feuer gewütet hatte. Mehr als dreißig Jahre war die Zerstörung des Empire State Building durch einen Mondbrocken nun her und doch konnte man die verheerenden Auswirkungen noch immer erkennen.
Aldora zog ihre Taschenuhr aus der Jacke und warf einen kurzen Blick darauf. Kurz vor Mitternacht. Höchste Zeit, sich einmal richtig umzusehen.
Entschlossen sprang sie hinter dem Stahlträger vor, umrundete einen großen Trümmerhaufen und stürmte über eine weitläufige Fläche davon. Feiner Staub lag in der Luft und es roch nach Schwefel und etwas anderem, das sie nicht richtig zuordnen konnte. Während ihr Atem rasselte, trommelten die schwarzen Stiefel auf dem zerbrochenen Asphalt. Die dumpfen Laute wurden durch Vidmonds schwere Schritte übertönt, als er ihr in geringem Abstand folgte.
Nachdem sie den Platz überquert hatte, kniete sie hinter einem riesigen Metallbrocken nieder. Einst war es wohl eine Statue gewesen – heute erinnerte nichts mehr an ihre einstige Pracht. Die Statue war halb zerstört und verwittert – wie so vieles auf dieser Welt.

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