28. Februar 2018

'Ein ganzes Jahr Sommer' von Hannah Hope

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Eine spannende Reise auf der Suche nach der großen Liebe!

Maries Nebenjob in einer angesagten Heidelberger Vinothek ist alles andere als langweilig, vor allem, wenn der Amerikaner Mr. Anderson anwesend ist. Gleich von der ersten Begegnung an entsteht eine Freundschaft zwischen ihr und dem älteren Herren.

Als Mr. Anderson plötzlich stirbt, ist Marie untröstlich. Erstaunt nimmt sie das Vermächtnis des Weinkenners entgegen: eine alte Holzkiste mit einem an sie gerichteten Brief. Mr. Andersons Wunsch in seinem Nachlass ist eindeutig: Marie soll ein Geheimnis aus dessen Vergangenheit aufdecken und für Gerechtigkeit sorgen. Ohne lange zu überlegen, stellt sich Marie der Herausforderung und fliegt in Mr. Andersons Heimat. Ihre Reise führt sie in die schöne Weingegend Napa Valley in Kalifornien, was nur der Beginn des spannenden Abenteuers ist ...

Mit immer größerem Enthusiasmus und Erstaunen taucht sie in die Welt ihres Freundes ein und merkt schon bald, dass sie Mr. Anderson nicht wirklich kannte. Marie begibt sich auf eine unglaubliche Reise. Eine Reise auf der Suche nach der Wahrheit, einer tragischen Familiengeschichte, aber vor allem der großen Liebe.

Leseprobe:
„Was hat sich Mr. Anderson nur dabei gedacht?“, flüsterte Marie und blickte auf das ungeöffnete Paket, das gerade mit einem Express-Service geliefert worden war.
Während sie ungläubig auf den Absender der Sendung starrte, bemerkte sie, wie langsam ihre Sicht verschwamm, während sich eine Träne löste. Eine von vielen vergossenen Tränen der letzten Tage. Sie fühlte, wie sich das kleine Rinnsal seinen Weg über ihre Wange bahnte, bis sie den salzigen Geschmack auf ihren Lippen spürte.
Es kam ihr vor, als hätte sie gerade noch gestern mit dem Absender dieser unerwarteten Post gelacht und gescherzt, wie sie es so oft getan hatte. Und nun sollte sie ihn nie wiedersehen?
Man konnte sagen, dass sich während der letzten zwei Jahre eine richtige Freundschaft zwischen dem älteren Herren und der Geschichtsstudentin entwickelt hatte. So lange arbeitete Marie Wagner nun schon im Vino Fino, einer der angesagtesten Vinotheken in Heidelberg.
Der Umstand, dass das Weinlokal dermaßen beliebt war, mochte allerdings daran liegen, dass es die einzige wahre Vinothek weit und breit war. Das behauptete Mr. Anderson zumindest immer. Bei dem Gedanken an ihren Mentor, wie man ihn fast nennen konnte, huschte ein Lächeln über ihr Gesicht. Wie sehr sie ihn bereits vermisste! Dabei hatte sie die tragische Nachricht von seinem Ableben gerade erst vor wenigen Tagen erhalten.
Niedergeschlagen schüttelte sie den Kopf. Fast hatte sie es geahnt. Natürlich nicht, dass etwas so Furchtbares geschehen war. Aber als Mr. Anderson nicht an seinem Stammplatz an der Bar saß, als Marie ihren Dienst antrat, wusste sie sofort, dass etwas nicht stimmte. Gerade mittwochs war er immer im Vino Fino gewesen, wie an vielen anderen Tagen auch. Manchmal nur, um sie kurz zu begrüßen, oft jedoch, um ihr den Nachmittag mit seiner Anwesenheit etwas zu versüßen.
Nicht nur Marie hatte stets seine Gegenwart genossen: Alle Anwesenden im Vino Fino schienen besserer Stimmung zu sein, wenn Mr. Anderson seine Geschichten zum Besten gab. Dies war eine seiner Spezialitäten: Ereignisse aus der Vergangenheit erzählen. Meist verpackte er in seinen Erzählungen sein breitgefächertes Wissen über die Welt und den Wein und alles, was dazu gehörte.
Oft hingen nicht nur das Personal, sondern auch die Gäste an seinen Lippen, denn mit seinen über achtzig Jahren hatte der Amerikaner schon einiges erlebt.
Ob all seine Geschichten wirklich so geschehen waren oder wie viel er dazu dichtete, würde Marie nun wohl nie erfahren, aber eines stand fest: Mr. Anderson konnte die Anwesenden damit mehrere Stunden unterhalten. Über die Jahre hatte Marie viele Erzählungen mehrmals gehört, was diese trotzdem nicht uninteressant machte.
Mit zittrigen Fingern begann sie, das geheimnisvolle Paket zu öffnen. Es war eine recht große Warensendung, die Mr. Anderson ihr hatte zukommen lassen. Schwer noch dazu. Marie hatte keinerlei Vorstellung, was sich darin befinden könnte. Sorgfältig verpackt hatte der Verstorbene es ebenfalls. Eine gefühlte Ewigkeit mühte Marie sich mit dem Klebeband ab, das die Postsendung zusammenhielt.
Was will mir Mr. Anderson nach seinem Tod überlassen, grübelte sie. Noch bevor Marie das Paket gänzlich geöffnet hatte, schlug ihr ein leicht modriger Geruch entgegen, der eine unbestimmte Erinnerung in ihr auslöste. Obwohl diese durchaus positiv war, lief es ihr eiskalt den Rücken hinunter. Sie bekam eine Gänsehaut.
Kurz darauf blickte sie mit gerunzelter Stirn auf den Inhalt des Pakets. Ob Mr. Anderson es richtig beschriftet hat? Ist der Inhalt wirklich für mich gedacht, fragte sie sich einmal mehr.
Ihr älterer Freund war allerdings alles andere als verwirrt oder dement gewesen – ganz im Gegenteil. Der Inhalt musste also für sie bestimmt sein.
In der Postsendung befand sich eine alte Holzkiste, auf der man einen verschnörkelten, stark verblichenen Schriftzug erkennen konnte. Die Kiste war mit rostigen Nägeln verschlossen und sah aus, als käme sie nicht aus dem letzten, sondern vorletzten Jahrhundert.
Auf der Kiste lag ein Briefumschlag, auf dem in geschwungenen Buchstaben ihr Name stand. Sofort erkannte sie Mr. Andersons Handschrift. Somit waren alle Zweifel, ob der Inhalt der Sendung für sie bestimmt war, beiseite gewischt.
Erst jetzt merkte Marie, dass sie vor lauter Aufregung die Luft angehalten hatte. Mit einem lauten Seufzer stieß sie diese aus, um gleich wieder tief einzuatmen. Das Herz schlug ihr bis zum Hals. Wieder nahm sie diesen bestimmten Geruch wahr, und mit einem Mal wusste sie, woran er sie erinnerte. Sie ahnte, was sich in der Holzkiste befand.
In dem Moment sah Marie den Tag, an dem sie Mr. Anderson kennengelernt hatte, wieder vor ihrem geistigen Auge, als wäre es gerade gestern gewesen. Sehr gut erinnerte sich Marie an ihren ersten Arbeitstag im Vino Fino vor ziemlich genau zwei Jahren.

Im Kindle-Shop: Ein ganzes Jahr Sommer.



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