28. März 2018

'Eibe und das Buch der Schatten' von Liliana Wildling

Kindle Edition | Tolino | Taschenbuch
Eibe ist sechzehn. Quirlig, naiv und ... eine Hexe.

Als ihr Meister Magnus einen weiteren Lehrling aufnimmt, wird Eibes bisheriges Leben völlig aus der Bahn geworfen. Was hat es mit diesem seltsamen jungen Mann auf sich? Und was ist das für ein ungewöhnliches Tier, das urplötzlich in einem ihrer Experimente auftaucht? Welche Verbindung besteht zu dem legendären Buch der Hexen?

Zusammen mit ihren Freunden kommt sie einem düsteren Geheimnis auf die Spur und sieht sich grausamen, dämonischen Wesen gegenüber, die ihr nach dem Leben trachten.

Leseprobe:
Prolog
Als Magnus das kleine Mädchen mit den violetten Augen zum ersten Mal sah, befand er sich auf dem Weg zu einer Ratssitzung. Das spiegelartige Portal, das den Meister in den Tempel bringen sollte, setzte ihn versehentlich unweit seines Ziels neben einer selten benutzten Straße zwischen den Bäumen ab. Der silberne Ring implodierte, ehe der Gestrandete zurückgehen konnte. Den restlichen Weg zu Fuß zu bestreiten, war die einzig vernünftige Option.
Nach wenigen Schritten erschien das Kind mit den außergewöhnlichen Augen in seinem Sichtfeld. Das Mädchen zitterte vor Kälte, war durchnässt bis auf die Haut. Der Mann schätzte das Alter der kleinen Gestalt auf höchstens sechs Jahre und wunderte sich, warum sie alleine mitten auf der Straße im strömenden Regen saß, bis er ihrem Blick folgte. Sie starrte auf die verkohlten Trümmer eines Unfallautos. Der Kleinwagen hatte offenbar eine Kurve zu schnell genommen, war von der Fahrbahn gerutscht und mit einem massiven Felsen kollidiert. Das Wrack zeigte Brandspuren und die beiden Insassen waren bereits zur Unkenntlichkeit verbrannt. Das Mädchen wiegte seinen Oberkörper vor und zurück und wiederholte unablässig einen nicht melodischen Gesang, der sich schlimmer als die Töne einer singenden Säge in sein Gehör bohrte. Trotz des Wissens, dass er sich als Magier in den Lauf des Schicksals von Menschen nicht einmischen durfte, streckte er seine Hand aus.
»Wie heißt du?«, fragte er das verstörte Mädchen.
Es sah ihn nicht an, sondern in ihn hinein. Blickte direkt in seine Seele und flüsterte:
»Ei ben ei hun.« (Ich bin allein).
Magnus konnte weder wissen, warum das Kind die alte Sprache benutzte, die heute niemand mehr sprach, noch, was es mit dem violetten Schein in den Augen auf sich hatte. Er wusste nur, dass dieses Kind Hilfe brauchte. Von Zweifeln und Unsicherheit geplagt, setzte er seinen Weg fort. Ein Kind im Arm, dessen Namen er nicht kannte.

Zauber mit seltsamen Folgen
Eibe konzentrierte sich völlig auf die Zubereitung der Suppe, als ihr plötzlich ein übler Geruch in die Nase drang.
»Verflixt und zugenäht!« Sie ließ den Kochlöffel in die Suppe platschen und stürmte nach unten. Immer zwei Stufen auf einmal nehmend, musste sie auf ihre Füße achten, um nicht zu stolpern. So übersah sie Angelus, der ihr schwungvoll um die Ecke entgegenkam. Sie krachten mit unverminderter Geschwindigkeit halb ineinander und landeten durch die entstehende Drehbewegung in jeweils verschiedenen Ecken des Flurs. Angelus rieb sich den schmerzenden Hinterkopf und bedachte Eibe mit einem bitterbösen Blick.
»Was zum Teufel …«, begann er, aber Eibe rappelte sich auf, rannte weiter.
»… hast du denn jetzt wieder angestellt?«, beendete Angelus den Satz und folgte der jungen Hexe.
Eibe flitzte den Flur entlang, riss die Tür auf und durchquerte rasch den halbdunklen Raum. An der hinteren Kellerwand befand sich die Quelle der Miefwolke, die durch das Haus zog: Der Deckel des Gärfasses mit dem Brennesselsud hatte sich selbstständig gemacht. Hektisch kramte sie in der Schublade der Werkbank und fand schließlich passende Schrauben.
»Na warte, dir zeig ich‘s!«, presste sie zwischen fest zusammengebissenen Zähnen hervor und zückte den Akkuschrauber. Sie drückte den Deckel des kleinen Holzfasses wieder an Ort und Stelle, bohrte links und rechts der Halterung eine Schraube hinein und seufzte geräuschvoll. Eibe begutachtete ihr Werk und verzog verdrießlich das Gesicht. Dann fixierte sie den Deckel mit vier weiteren Schrauben. Als das Gärfass wieder dicht war, nahm sie den Entlüftungsschlauch unter die Lupe und entdeckte die Ursache für das Malheur. Jemand hatte unbedacht eine schwere Kiste mit Äpfeln auf den Schlauch gestellt, der durch ein Fenster ins Freie führte. Die junge Hexe wuchtete die Kiste ein wenig zur Seite, um den Schlauch wieder durchgängig zu machen. Die austretenden Gase konnten nun ungehindert nach draußen strömen.
Angelus steckte vorsichtig den Kopf zur Tür herein.
»Kann ich reinkommen oder fliegt mir demnächst wieder was um die Ohren?«, fragte der muskulöse Krieger mit den harten Gesichtszügen zögerlich, runzelte die Stirn, und fügte hinzu: »Ich will nicht wieder wochenlang mit blauer Haut herumlaufen müssen.«
»Nur, weil mir bei der Herstellung des Eukalyptusextraktes ein klitzekleiner Fehler unterlaufen ist, heißt das noch lange nicht, dass meine Versuche in regelmäßigen Abständen explodieren. Das war ein Ausrutscher. Ein einmaliger. Also … hoffentlich.«

Im Kindle-Shop: Eibe und das Buch der Schatten.
Für Tolino: Buch bei Thalia
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