14. März 2018

'Mit einem Lächeln im Sturm' von Patricia Carlyle

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Nicht nur der Ausbruch der Französischen Revolution bringt die Zukunftspläne der jungen Engländerin Catherine Macpherson nach ihrer Ankunft in Paris gehörig durcheinander. Ihr Verlobter, der Marquis de Fontenay, ist abweisend und vollkommen anders als erwartet, sie selbst von Verhaftung bedroht, und eine sichere Rückkehr nach England erscheint schier unmöglich. Und dann ist da auch noch der gutaussehende Händler und Landsmann Christopher Deverell, der ihre Gefühle auf den Kopf stellt. Sie ahnt, dass er etwas vor ihr verbirgt. Doch ist sein Geheimnis wirklich so düster, wie die Mutter des Marquis ihr glauben machen will?

Noch während sie versucht, dahinter zu kommen, überstürzen sich die Ereignisse. Und plötzlich ist nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das des Mannes, dem sie ihr Herz geschenkt hat, in Gefahr.

Leseprobe:
Juli 1792
Bedächtig blätterte der fettleibige Offizier in den Papieren, die vor ihm auf dem Schreibtisch lagen. Hin und wieder warf er einen prüfenden Blick auf die ihm gegenüber stehende junge Frau, der jedes Mal ein Schauer über den Rücken lief, wenn der Beamte seinen dicken Finger in den Mund steckte, um daran zu lecken und anschließend ein Papier umzublättern. Catherine Macpherson wirkte seltsam fehl am Platz in diesem verräucherten kleinen Büro, das einen ebenso verlotterten Eindruck machte wie der Mann, der hier arbeitete. Überall stapelten sich Papiere, auf denen deutlich Fettabdrücke und Eselsecken zu sehen waren, und die Zigarrenstummel, die im ganzen Büro verstreut herumlagen, konnte man schon gar nicht mehr zählen.
Vor diesem Hintergrund bot Catherine in der Tat einen erfreulichen Anblick. Da das Trauerjahr nach dem Tode ihrer Mutter noch nicht ganz vorüber war, trug sie ein dunkelviolettes, fast schwarzes Kleid, das aus festem, derbem Material war, um sie vor dem rauen Wetter auf der Überfahrt von Dover nach Calais zu schützen. Doch statt Catherine elend und blass wirken zu lassen, hob es im Gegenteil den dunkelblauen Ton ihrer Augen hervor und brachte den rotgoldenen Schimmer ihrer Haare noch stärker zur Geltung. Obwohl es windig gewesen war, hatte Catherine kein Tuch umgebunden, sondern die Haare lediglich zu einem einfachen Knoten nach hinten gesteckt, aus dem sich nach und nach immer mehr Strähnen gelöst hatten. Catherines Augen blitzten vor Vergnügen, wenn sie daran dachte, was wohl ihre Mutter gesagt hätte, wenn sie sie so hätte sehen können. Angela Macpherson hatte stets darauf geachtet, dass die Erscheinung ihrer Tochter ohne den geringsten Tadel war. Catherine genoss ihre jetzige Freiheit. Obwohl sie beim Tod ihrer Mutter aufrichtig traurig gewesen war, hatte sie doch das Gefühl, dass jetzt ihr Leben erst richtig begann.
Dennoch dachte sie im Augenblick weniger an das Leben, das vor ihr lag, sondern ärgerte sich vielmehr über die Langsamkeit, mit der ihre Reisepapiere geprüft wurden. Hier in Frankreich schien man es wirklich besonders genau zu nehmen. Seit ihrer Ankunft in Calais waren nun bereits mehr als drei Stunden vergangen, ehe sie endlich an der Reihe gewesen war, überprüft zu werden. Sie seufzte tief auf, als sie schließlich ihre Papiere wieder in der Hand hielt und in der ratternd und holpernd dahinjagenden Kutsche ihre Reise fortsetzen konnte. Doch Calais lag erst wenige Meilen hinter ihr, als sie durch eine kleine Ortschaft kamen, in der erneut ihre Papiere kontrolliert wurden. Noch ein paar Meilen ostwärts, und das ganze wiederholte sich ein weiteres Mal, sodass Catherine gegen Abend, als sie in einer behaglichen Herberge abstieg, nur einen Bruchteil ihrer geplanten Reiseroute bewältigt hatte.
Man hatte sie gewarnt, dass in Frankreich chaotische Zustände herrschten, aber Catherine hatte alle gutgemeinten Ratschläge in den Wind geschlagen und geglaubt, dass es schon nicht so schlimm sein würde. Sie war fest entschlossen, endlich Etienne de Fontenay zu heiraten, nachdem sie nun schon über drei Jahre inoffiziell mit ihm verlobt war. Sie zerbarst fast vor Ungeduld, ihm gegenüberzustehen, denn sie hatte ihn seit mehr als zehn Jahren nicht gesehen. Als Kinder hatten sie einige Male zusammen gespielt, wenn Etienne mit seiner Mutter bei ihnen in England zu Besuch gewesen war. Die Marquise de Fontenay war eine Jugendfreundin von Catherines Mutter. Catherine hatte immer eine Heidenangst vor dieser großen, dominanten Frau gehabt. Den blondgelockten Etienne dagegen, der so schlank und so ruhig und ihr wie ein Engel erschienen war, hatte sie geradezu angehimmelt. Er hatte viel Zeit mit ihr verbracht, obwohl Catherine noch ein Kind von erst neun Jahren gewesen war, während er mit seinen sechzehn Jahren schon fast zu den Erwachsenen gezählt hatte. Er schien Catherines Gesellschaft sogar der seiner Altersgenossen vorzuziehen, wofür Catherine, die von ihren drei älteren Cousins eher wie ein lästiger Plagegeist behandelt wurde, ihm in Gedanken ewige Dankbarkeit schwor. Nichtsdestotrotz hatte sein Heiratsantrag, den er ihr vor drei Jahren per Brief gemacht hatte, sie überrascht, und sie hatte gezögert, ihn anzunehmen. Doch ihre Mutter hatte ihr nur wenig Zeit gelassen, sich zu entscheiden, da sie selbst diese in ihren Augen glänzende Partie für ihre Tochter von Herzen begrüßte. So hatte Catherine sich schließlich überzeugen lassen, dass die Zuneigung, die sie für Etienne empfand, stark genug war, um eine Basis für eine gute Ehe zu bilden. Doch kaum hatte sie zugestimmt, Etiennes Antrag anzunehmen und mit ihrer Mutter nach Paris zu reisen, um sich offiziell mit Etienne zu verloben, war in Frankreich die Revolution ausgebrochen. Schweren Herzens hatten Catherine und ihre Mutter daraufhin die Reise aufgeschoben. Man hatte in England zunächst geglaubt, dass sich der Sturm in Frankreich bald wieder legen würde. Als das nicht geschah, wurden erneut Reisevorbereitungen getroffen. Aber da erreichte sie aus der Normandie die Nachricht, dass Catherines dort lebender Vater bei Bauernaufständen ums Leben gekommen war. Nun wurde es zur Gewissheit, dass die Zustände in Frankreich schlimmer waren, als man zunächst gehofft hatte. Was man aus dem Lande hörte, klang besorgniserregend. Hatten die meisten Engländer anfangs geglaubt, der Sturm der Pariser auf die Bastille sei lediglich ein Ausdruck der Unzufriedenheit einzelner Bürger und somit nichts als ein kurzer Aufstand, so erkannten sie nun, dass das Problem tiefer ging. Dem Sturm auf die Bastille folgte der Aufruhr der Bauern. Wie Catherines Vater erging es vielen Grundherren in dieser Zeit, und die ersten Adligen begannen auszuwandern.
Dennoch hielt Catherine an ihrem Entschluss, sich mit Etienne in Frankreich offiziell zu verloben, fest. Jedoch war in dem Trauerjahr, das dem Tode ihres Vaters folgte, an Verlobung und Heirat nicht zu denken, mochte ihr Angus Macpherson noch so fremd gewesen sein. So wurde der Besuch bei den Fontenays erneut abgesagt. Doch noch während Catherine ungeduldig darauf wartete, dass sich dieses Trauerjahr dem Ende näherte, erkrankte überraschend ihre Mutter und starb, woraufhin Catherine für die nächste Zeit von Angelas Familie aufgenommen wurde. Nun jedoch war auch dieses Trauerjahr fast um. In einem Brief an Catherines Tante, Lady Emily Bainbridge, hatte die Marquise de Fontenay bereits deutlich gemacht, dass es Zeit wurde, die Verlobung endlich offiziell bekannt zu geben. Lady Bainbridge hatte ihre Nichte nur unwillig in ein vom Aufruhr geschütteltes Land ziehen lassen, aber Catherine hatte weder der Besorgnis ihrer Tante noch der ihres Onkels und ihrer Cousins große Bedeutung beigemessen. Da die Heirat nun einmal beschlossene Sache war, hatte Lord Stuart Bainbridge als Familienoberhaupt die Erlaubnis zur Reise schließlich widerwillig erteilt. Und so befand Catherine sich nun in diesem fremden Land und spürte zum ersten Mal einen Hauch des Revolutionsfiebers, das Frankreich gepackt hatte.
Als sie am nächsten Morgen in den Frühstücksraum der Herberge hinunter kam, registrierte sie deutlich die feindseligen Blicke, die sie verfolgten. Man schien hier für Fremde nicht viel übrig zu haben. Catherine hatte heute ein ausgesprochen einfaches Reisekleid aus dunkelgrauer Wolle gewählt und ihre Haare zu einem festen Knoten hochgesteckt, doch sie merkte bald, dass sie selbst in dieser bescheidenen Aufmachung auffiel wie ein bunter Hund. Während sie ihren Kaffee trank und ein trockenes Stück Brot knabberte, herrschte eisiges Schweigen im Raum, obwohl sich mehrere Leute darin aufhielten. Catherine hätte jetzt gern jemanden gehabt, mit dem sie reden könnte, um diesen düsteren Blicken auszuweichen.

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