1. März 2018

'Totengeläut: Paris-Krimi' von Sophie Lamé

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
An einem kalten Dezembermorgen wird am Eingang zur Krypta der berühmten Basilika Sacré-Coeur eine blutüberströmte Leiche gefunden. Die Befürchtung ist groß, dass hinter dem Mord ein religiöses Motiv steckt, doch bald rückt die Familie des Toten ins Visier der Ermittler. Unterstützung bei der Aufklärung des mysteriösen Verbrechens erhofft sich das Team um Victoire de Belfort von dem undurchsichtigen Pater Gabriel. Doch der Geistliche verschwindet spurlos ...

Ein spannender Krimi, der den Leser durch die Straßen von Paris führt, und dabei Einblicke in die rätselhafte Welt von Macht und Glaube gewährt.

Leseprobe:
Sie war müde. So unendlich müde, dass es ihr kaum gelang, die Augen offenzuhalten. Die Lider fühlten sich schwer an, in ihrem Kopf breitete sich ein bleierner Schmerz aus.
Verzweifelt suchte ihr Blick einen Orientierungspunkt und fand ihn in den dicken Mauern, die sich wuchtig neben ihr erhoben. Wie durch angelaufenes Fensterglas betrachtete sie die alten Gemälde, die wunderschönen Schnitzereien. Was sie sah, erschien ihr vertraut und gleichzeitig auf eigentümliche Weise fremd.
Was war mit ihr geschehen? Was tat sie hier und warum war sie allein?
Die schwachen Strahlen der tief stehenden Sonne fielen schräg durch die kunstvoll verzierten Fenster und wärmten ihre Wange. Um sie herum war es still, doch in der Ferne konnte sie die Geräusche der Stadt hören. Ein Auto hupte, irgendwo bellte ein Hund. Das Heulen einer Polizeisirene schwoll an, bis es sich schließlich wieder verlor. In den Straßen von Paris nahm das Leben seinen Lauf wie jeden Tag, es scherte sich nicht um sie. Das Leben. Zum Greifen nah, doch so unerreichbar wie der Mond.
Der Steinboden, den sie unter ihrem Körper spürte war hart, und die Kälte kroch ihr unter die Haut und in die Knochen. Langsam bewegte sie die Finger ihrer rechten Hand und tastete vorsichtig den Boden ab. Um was zu finden? Sie wusste es nicht. Doch mit einem Mal berührte sie etwas, und der Schreck ließ ihre Hand zurückschnellen.
Schmal und glatt hatte es sich angefühlt, wie Glas. Eine Ampulle vielleicht, ein länglicher Flakon …
Sie war zu schwach, ihren Arm noch einmal auszustrecken. Was hätte es auch geändert?
Ihr Körper gehorchte ihr kaum noch, doch ihr Verstand sandte eindeutige Signale. Sie würde hier sterben.
Sie lauschte dem Frühlingswind, der die Familienkapelle umstrich, und Minuten dehnten sich zu Stunden aus, Stunden zur Ewigkeit.
Als sie irgendwann Schritte und leises Gemurmel hörte, dachte sie zuerst, ihre Wahrnehmung spiele ihr einen Streich. Doch dann spürte sie den Luftzug auf ihrer Haut, und auch das feine Quietschen der Scharniere war keine Sinnestäuschung - jemand öffnete das schwere Holzportal hinter ihr. Ein vertrauter Duft mischte sich mit dem staubigen Geruch des alten Gemäuers, doch die Erinnerung war verblasst, als seien sämtliche Speicher gelöscht. In einer ungeheuren Kraftanstrengung riss sie die Augen auf, aber es war bereits zu spät. Sie sah die Gestalt, die neben ihr stand und auf sie herabzublicken schien, kaum mehr als schemenhaft. Doch die Umrisse verschwanden und dann war da nichts mehr.
Nichts, außer einem leisen Klingeln. Der sanfte Ton eines Glöckchens drang an ihr Ohr und der zarte Klang beruhigte sie. Mein Totengeläut, war ihr letzter Gedanke, bevor sich tiefe Stille über ihr ausbreitete wie ein schwarzes Tuch.

Im Kindle-Shop: Totengeläut: Paris-Krimi.
Mehr über und von Sophie Lamé auf ihrer Facebook-Seite.



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