12. April 2018

'Die Watson-Legende: Ein Carl-Janson-Thriller' von Kai Bliesener

Kindle (unlimited) | Taschenbuch | Hugendubel
Verrat. Intrigen. Liebe. Tod!

Berlin 1964. Carl Janson, einer der besten Profikiller der Welt, wird von Der Organisation, einer geheimen Vereinigung westlicher Geheimdienste, in die geteilte Stadt entsandt. Sein Auftrag: Ein streng geheimer Agentenaustausch.

Doch die junge Republik ist nach dem Krieg nicht nur zum Spielplatz der Spione und zur Frontstadt zwischen Ost und West zur Zeit des Kalten Krieges geworden, sondern sie hat auch mit ihrer braunen Vergangenheit zu kämpfen. So gerät Janson in einen wahren Sumpf von Intrigen und findet sich als Spielball verschiedenster Interessen wieder. Wer spielt welche Rolle in den Drehbüchern der Geheimdienste? Wer ist Freund und wer Feind? Und welche Rolle hat die junge Frau, die überraschend in sein Leben tritt?

Ein spannender Genre-Roman, der die besten Eigenschaften des klassischen Agententhrillers vereint. Gleichzeitig ist das Buch eine Verneigung vor Bond-Schöpfer Ian Fleming, vor Robert Ludlum, Jack Higgins oder Alistair MacLean. Eine Geschichte wie eine Reise zurück in eine Zeit, als die Welt nur einen Hauch vom Abgrund entfernt war.

Leseprobe:
London, 1947
Keiner von ihnen war sentimental. Und obwohl die Bindung zwischen ihnen sehr eng war, waren Abschiede etwas normales. Nur heute war es irgendwie anders. Es war nur so ein unbestimmtes Gefühl, das durch nichts zu belegen war.
Carl wurde von seinen Eltern vergöttert. Er war ein Wunschkind gewesen, auf das sie lange hatten warten müssen und als sie den Kleinen endlich in den Armen hielten, wussten sie, ein Traum war in Erfüllung gegangen.
Carl und seine Eltern standen vor dem Eingang des Flughafens Heathrow in London – das moderne, weiß getünchte Gebäude mit seiner großen Glasfront zum Flugfeld im Rücken. Seine Mutter hatte ihre Arme um ihn geschlungen. Klara Janson war eine deutschstämmige, hochgewachsene Frau mit strengen Gesichtszügen, aber gütigen Augen. Das dunkle Kostüm betonte ihre frauliche Figur. Das blonde Haar war modisch geschnitten und schulterlang. Carl überragte sie inzwischen ein paar Zentimeter und hatte seinen Kopf mit den dichten dunklen Haaren an ihre Schulter gelegt. Abschiede gehörten seit er denken konnte dazu, aber er mochte sich nicht so recht daran gewöhnen. Ihm wäre lieber, seine Eltern müssten nicht ständig irgendwohin reisen, wo sie ihn nicht mitnehmen konnten. Sicher, er war gut in dem großen Landhaus aufgehoben und Maria, die Haushälterin, verwöhnte ihn nach Strich und Faden mit ihren Kochkünsten, die sich eher jenseits der britischen Küche bewegten. Auch sonst schaute sie zusammen mit ihrem Mann Joshua nach dem Rechten auf dem Anwesen der Jansons.
Als Diplomatenehepaar im Dienst der britischen Regierung waren sie viel auf Reisen. Das war während des mörderischen Krieges gegen Nazi-Deutschland so gewesen und hatte sich auch in den Monaten seit der verdienten und längst überfälligen Niederlage Hitlers gegen die Übermacht der Alliierten nicht geändert. Im Gegenteil: Carl hatte sogar das Gefühl, als wären seine Mum und sein Dad noch viel mehr unterwegs als zu der Zeit, in der in Europa die Bomben vom Himmel fielen.
Was genau seine Eltern taten, war ihm noch immer ein Rätsel. Carl hatte keine Ahnung, was es wirklich bedeutete, Diplomat zu sein, und warum seine Eltern so viel reisen mussten. Insgeheim stellte er sich in seinen Träumen gerne vor, seine Eltern wären als Spione in Abenteuer verwickelt, wie sie Joseph Conrad am Anfang des Jahrhunderts in seinem großartigen Roman Der Geheimagent oder William Somerset Maugham in den spannenden Ashden-Erzählungen zu Papier gebracht hatten. Carl hatte auch im Kino gefiebert, denn Alfred Hitchcock hatte beide Geschichten vor wenigen Jahren mit seinen Filmen Geheimagent und Sabotage äußerst erfolgreich und spannend in die Lichtspielhäuser rund um den Globus gebracht. Carl liebte Abenteuergeschichten und verschlang sie, wann immer sie ihm in die Hände kamen, und seine Eltern gingen auch oft mit ihm ins Kino. Hin und wieder wurden sie auch zu privaten Filmvorführungen eingeladen, so wie es auch bei den beiden Filmen von Hitchcock gewesen war. Freunde seiner Eltern waren reich genug, um ein eigenes kleines Kino auf ihrem Landsitz zu besitzen. Carl freute sich immer, wenn sie dort zu Besuch waren.
Aber Carl, der nächsten Monat sechzehn Jahre alt werden würde, vermutete inzwischen, dass die Realität wesentlich banaler ausfallen dürfte – langweilige Tagungen, erfüllt von endlos langweiligen Reden und anschließenden Dinnern. So stellte er sich die Reisen und Termine seiner Eltern vor, zumindest wenn er ihren Beschreibungen und Erzählungen Glauben schenkte, die sie ihm immer präsentierten. Aber er hatte sich inzwischen daran gewöhnt und stellte nur noch selten Fragen zu den Reisen seiner Eltern. Früher hatte er vor allem seinen Vater, den er regelrecht vergötterte, immer gelöchert, wenn er von einer Reise zurückgekehrt war. Aber außer einem Geschenk für Carl hatten die Eltern meist wenig im Gepäck – schon gar keine spannenden Erzählungen, wie er sie zum Beispiel auch aus den Büchern von John Buchan kannte. Edward Janson lächelte seinen Sohn immer an, wenn er zusammen mit seiner Frau von einer Reise zurückkam. Er präsentierte aber letztlich nur ausweichende Antworten auf die im Raum stehenden Fragen. Immer waren die Konferenzen plötzlich einberufen worden und immer an Orten außerhalb Englands. Einige Male wunderte sich Carl auch darüber, dass seine Eltern scheinbar Verletzungen auf den Reisen erlitten hatten. Eine Beule am Kopf, ein blauer Fleck am Rücken oder eine Schürfwunde im Gesicht. Aber die Erklärung klang meist banal: Man sei im Bad ausgerutscht oder habe im Dunkeln des Hotelzimmers eine Tür übersehen. Carl hatte es irgendwann akzeptiert, aber eben nie wirklich geglaubt. Vielleicht waren sie doch Geheimagenten?
Während er sich von seiner Mutter verabschiedete, nahm er sich deshalb vor, sie nach deren Rückkehr weiter auszufragen. Er fand, er habe schließlich ein Recht darauf, zu wissen, was seine Eltern machten. Egal, ob es wichtig oder unwichtig, gefährlich oder langweilig war. Er wollte Antworten und er war der Meinung, er sei längst alt genug, um sie endlich zu bekommen.
Nun stand sein Vater, ein schlanker Mann beeindruckender Größe von beinahe zwei Meter, was ihm zu einer schier unglaublichen körperlichen Präsenz verhalf, hinter seiner Frau. Carl sah ihm in die stahlblauen Augen, während er seine Mum kräftig drückte. Ed, wie ihn Freunde und Verwandte nur nannten, sah wie einem Modemagazin entsprungen aus. Der maßgeschneiderte dunkle Anzug ließ einen athletischen Körper erahnen, das Gesicht war kantig und die markante Nase teilte das Gesicht in zwei beinahe symmetrische Hälften. Die einstmals dunklen, fast schwarzen Haare waren inzwischen von Grau durchzogen. Für Carl wirkte er dadurch jedoch nicht unbedingt alt, sondern er sah aus wie einer der Helden aus den Büchern, die er so gerne las.
»Wir kommen in nicht mal zwei Wochen zurück, Carl, und dann machen wir ein paar Tage Urlaub, fahren an die Küste nach Brighton und genießen die Ruhe«, sagte sein Vater und strich ihm über den Kopf. »Na, wie findest Du das?«
»Ja …, schon schön«, stammelte Carl unsicher. Ein Gefühl, das er nicht zuordnen konnte und bisher auch nicht kannte, war dafür verantwortlich. Ein leicht unangenehmes Brennen und ziehen in seinem Magen. Ein Gefühl, das ohne Vorwarnung eine unbegründete Traurigkeit in ihm hochspülte.
Seine Mutter drückte ihn noch ein letztes Mal an sich, dann nahm sein Vater ihre Hand und zog sie mit in Richtung Abflughalle. Sie hatten nur jeder eine Tasche bei sich, die Koffer waren bereits verladen worden. Carl winkte ihnen hinterher und seine Mutter winkte zurück, während sein Vater ihm ein Lächeln über die Schulter zuwarf. Dann schritten beide durch die Glastür.
Hinter Carl trat nun James, der Fahrer seiner Eltern, und legte ihm eine Hand auf die Schulter. James war Ende zwanzig, hatte einen durchtrainierten Körper und war mit brennender Leidenschaft als Soldat beim Kampf gegen die Nazis dabei gewesen.
Sein Sakko war unter der linken Schulter stark ausgebeult, und Carl wusste, dass es von der Waffe kam, die er immer in einem Schulterhalfter trug. Warum ein Fahrer eine Waffe tragen musste, konnte Carl nur ahnen, aber auch dazu stellte er keine Fragen. Die beiden schlenderten zum schwarzen Bentley Mark VI, der direkt gegenüber parkte. Es war das erste Bentley-Modell, das nach dem Krieg in Crewe in Cheshire gefertigt wurde. Carl war begeistert von dem Wagen.
Plötzlich schien die Luft zu beben und ein ohrenbetäubender Knall erschütterte den Boden. Carl Janson zuckte vor Schreck zusammen. Über dem Flughafen tauchte ein Feuerball auf, der wie eine zusätzliche Sonne in der Luft hing. Die Scheiben der Abflughalle zitterten.

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Mehr über und von Kai Bliesener auf seiner Website.



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