4. April 2018

'Generation Forever Young' von Laetitia Barnick

Kindle Edition | Tolino | Taschenbuch
"Laetitia Barnick hat eine Art Hauptbuch der 68er geschrieben, in dem sich so vieles wiederfindet, was in den späten Sechzigern und der ersten Hälfte der Siebziger Jahre an Wichtigem und Neuem passierte. Wer dort jung war, erlebte die Zeit als eine große Befreiung von den Zwängen der älteren Generation. Die war gerade wieder einigermaßen ausgesöhnt mit ihren Kriegstraumata, fand aber keinen Weg hinaus. Die bürgerlichen Vorstellungen schienen so festgefügt wie Zement. Und dann kamen die Dinge ins Rollen. Die Musik war auf einmal ganz anders: Eine Art Fanfare für den Aufbruch. Sie unterstützte die neuen Visionen des Wassermannzeitalters, in denen es um Liebe und Friede ging. So etwas hatte es noch nie vorher in dieser Weise gegeben ..."
Winfried Brumma (Pressenet)

Leseprobe:
Love and Peace
Besonders in der Hippie-Szene identifizierte man sich mit der Vision von Frieden und Freiheit und demonstrierte friedlich gegen den Vietnamkrieg und für die atomare Abrüstung. Die neue Antikriegsbewegung stellte nicht zuletzt eine Möglichkeit der radikalen Abgrenzung gegen die Väter-Generation dar, die für das Naziregime in den Krieg gezogen war. Aber auch die „Verklemmtheit“ des Spießbürgertums und das sinnentleerte Streben nach Konsum der sich nach dem Krieg entwickelnden Wohlstandsgesellschaft wurde stark in Frage gestellt. Neue Lebensformen und -Vorstellungen entwickelten sich, die stark vom Gemeinschaftsgedanken und der Idee der Selbstverwirklichung geprägt waren. Die Ablehnung und Verweigerung von Leistungsdruck und bürgerlichen Tabuvorstellungen führten nun auch zu neuen Formen des Zusammenlebens wie in Wohngemeinschaften und Kommunen, zum Ideal der freien Liebe und zur Selbstverständlichkeit des Drogenkonsums zur Bewusstseinserweiterung.

Um sich gegen Spießertum, Establishment und bourgeoise Normen aufzulehnen, konnte dies aber nicht genügen. Schon bald waren beispielsweise die provokanten Anfänge der Langhaarigen harmlose Vergangenheit. Später wurde nicht nur im musikalischen Bereich, sondern auf allen künstlerischen und gesellschaftspolitischen Ebenen grenzenlos provoziert in der Absicht, nicht nur die Kriegsgeneration mit ihren erstarrten Regeln zu schockieren, sondern auch das eigene junge Publikum. Als diese im Rahmen der neu entstandenen Aktionskunst mit in das Kunstereignis einbezogen wurde, entstand das Happening, eine von allen Regeln losgelöste Performance mit frei improvisiertem Ablauf.

Genauso schockierend – für die Älteren und Eltern - entwickelten sich die Rockkonzerte, zu welchen das Publikum Decken und Matratzen mitbrachte und nach dem Konzert einfach dablieb. Und während die Rhythmen der Rockmusik von meterhohen Verstärkertürmen über das Publikum hinweg wogten, intensivierte man das Erlebnis, indem man einen Joint reihum gehen ließ, oder kleine, farbige Papiertabletten schluckte, die einen auf einen abenteuerlichen LSD-Trip entführten. So entwickelte sich auch das Rockkonzert zum Happening, und der Kunstbetrieb erlebte insgesamt so tiefgreifende Veränderungen, dass man von einer Revolution in der Kunstszene sprechen kann. Innerhalb der Rockmusik entstanden unzählige verschiedene Genres, woraus sich wiederum unterschiedliche Jugendkulturen entwickelten. Oftmals wurde der Leadsänger oder Leadgitarrist - der Rockstar - mit dem Entstehen der jeweiligen Jugendszene identifiziert. Diese Jugendszene und Jugendbewegung brachte einen bisher nie dagewesenen Generationenkonflikt ins Rollen, der alle gesellschaftspolitischen Strukturen aufzubrechen schien. Als Höhepunkt der Musikbewegung in der Folk- und Rockszene gilt bis heute das Woodstock-Festival, welches im August 1969 im US-amerikanischen Bundesstaat New York stattfand. Trotz „nur“ 60.000 verkaufter Karten reiste eine Million Fans an, wovon letztendlich über 400.000 Besucher in den Genuss des Konzerts kamen, 600.000 mussten wieder nach Hause fahren. Doch von der „Woodstock-Legende“ wird noch in einem anderen Kapitel die Rede sein.

Die sogenannte Gegenkultur der Jugendbewegung zog weite Kreise und revolutionierte das verstaubte Kunstverständnis der älteren Generation. Kommerzialisierung und Profitdenken traten in den Hintergrund. Die Gegenströmungen unzähliger Jugendbewegungen stellten in sämtlichen gesellschaftlichen und soziokulturellen Bereichen die herrschende Ordnung in Frage und brachten sie auch schließlich ins Wanken. Die Vision einer humanen und friedlichen Welt wurde zum Sinnbild einer neuen Weltanschauung.

Im Kindle-Shop: Generation Forever Young: Eine Betrachtung über das Älterwerden der deutschen Nachkriegsjugend: 68er-Studenten, Hippiebewegung & Co..
Für Tolino: Buch bei Weltbild
Mehr über und von Laetitia Barnick auf ihrer Website.



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