23. Mai 2018

'Blauer Tod: Im Netz des Terrors' von Ute Bareiss

Kindle (unlimited)
Ein Alex-Martin-Thriller

Eine Weltverbesserer-Sekte, Delfine, die als Waffen eingesetzt werden, und eine Behörde mit düsteren Geheimnissen – erneut ein hochexplosiver Thriller um Alex Martin, der sein eigenes Leben aufs Spiel setzen muss, um unzählige andere zu retten.

Nach einer Epidemie werden in Kenia ganze Dörfer niedergebrannt. Über der sudanesischen Wüste verschwindet ein Flugzeug mit einer tödlichen Ladung vom Radar. In Europa werden Wissenschaftler entführt. Weltweit häufen sich mysteriöse Ereignisse. Als im Roten Meer nach einer Terrorankündigung verstümmelte Delfine auftauchen, wird der Meeresbiologe Alex Martin zu einer verdeckt ermittelnden Spezialeinheit hinzugezogen.

Er stößt auf eine Verschwörung globalen Ausmaßes. Millionen von Menschenleben droht höchste Gefahr.

»Schickt Ute Bareiss ihre Romanfigur Alex Martin los, garantiert dies nicht nur atemlose Spannung, es werden auch heikle, umweltpolitsche Themen schonungslos offen gelegt. Ein Thriller mit hohem Unterhaltungswert, der gleichwohl zum Nachdenken anregt – was will man mehr!« Spiegel-Beststeller-Autor Luís Sellano

Leseprobe:
PROLOG
"Die Maschine hat an Höhe verloren und ist vom Kurs abgewichen. Wir haben keinen Funkkontakt mehr.“
„Transpondersignal?“
„Negativ.“
Es dauerte einige Sekundenbruchteile, bis die Nachricht in die Köpfe der Umstehenden eingedrungen war. Mit einem Schlag endete das geschäftige Treiben und es wurde totenstill, als hätte jemand den Lautstärkeregler abgedreht, das Summen der Computerlaufwerke erschien übernatürlich laut.
Dreiundzwanzig Augenpaare starrten auf die Leitbildwand, auf der nun der bisherige Kurs der Challenger 650 in Großaufnahme zu sehen war. Die Flugstrecke mit Ziel Rom hatte von Marsabit im Norden von Kenia über Äthiopien geführt und auch im Sudan war der Jet noch mehr als hundert Meilen der ursprünglich geplanten Route gefolgt. Warum dieser Höhenverlust? Und warum flogen sie nun zehn Grad weiter östlich?
Eisige Kälte kroch in Special Agent Jonathan Bennetts Glieder und er zuckte zusammen, als die Stimme von Direktor Adams durch die Zentrale schallte: „Ich will die Satellitenbilder auf den Monitor. Simpson, Sie überprüfen, ob es seitens Khartums Gründe für die Kursabweichung gibt. Probleme im Luftraum oder dergleichen. Richards, vergleichen Sie auf dem Radar mit den Transpondersignalen der anderen Flugzeuge und starten Sie eine Abfrage.“ Er wandte sich nach rechts. „Lincoln, Sie checken jeden Schritt des Ladevorgangs. Besteht die Chance, dass jemand außer unseren Leuten an Bord sein könnte?“
Außer unseren Leuten, hallte es in Jonathans Ohren nach. Drei seiner besten Agenten begleiteten das als Rückkehr eines Hilfsgütertransports getarnte Flugzeug. Nur wenige Ein­geweihte wussten, welche tödliche Ladung der Learjet transportierte. In seiner gesamten Laufbahn als Specialagent und späterer Abteilungsleiter bei der CIA hatte er noch nie solch eine strenge Geheimhaltungsstufe erlebt wie bei der Operation Blue.
Mit zu Fäusten geballten Händen fixierte er das Flugzeug, als könnte er damit die Flughöhe oder den Kurs beeinflussen, doch es sank stetig mit einer Abweichung um weitere zehn Grad nach Osten.
Gab es technische Probleme, die den Piloten zu einer Notlandung zwangen? Ein Komplettausfall der Elektronik, was den Ausfall von Funk und Transponder erklären würde? Das Flugzeug war noch nicht lange in der Luft – Kraftstoff konnte nicht das Problem sein, zumal der Flieger über zusätzliche Treibstofftanks verfügte, die seine normale Reichweite von viertausend Meilen um nochmals fünfzig Prozent erhöhten. Auch wenn sich die Windverhältnisse zu ihren Ungunsten geändert hatten, sollte mehr als genug Sprit vorhanden sein.

Die Minuten rasten vorbei und mit jedem verlorenen Höhenmeter und jedem Grad Kursabweichung stieg die Spannung im Raum. Man konnte die Luft fast greifen, so dick war sie inzwischen.
„Wir haben auf dem Radar ein Flugobjekt mit einem geänderten Transpondercode. Es korrigiert den Kurs zunehmend und baut Höhe ab“, berichtete Richards mit gepresster Stimme.
„Ich habe den kompletten Ladevorgang überprüft. Wenn derjenige keinen Tarnumhang getragen hat, kann niemand außer unseren Leuten in der Maschine sein“, übertönte Lincolns tiefer Bass das Stimmengewirr. Unverzüglich besaß er die gesamte Aufmerksamkeit.
Allen war klar, was dies zu bedeuten hatte: In ihrer Mitte befand sich ein Verräter. Beziehungsweise saß er an Bord der Challenger.
„Miller, rufen Sie den Verteidigungsminister an.“ Die Stirnfalten des Direktors standen der Bügelfalte seiner Hose an Schärfe in nichts nach. „O’Donnell, Sie geben uns detaillierte Satellitenbilder aus der Gegend auf die Wand.“
Der Jet flog aktuell in sechsundzwanzigtausend Fuß Höhe über ein Wüstengebiet, Tendenz weiter sinkend. Meilenweite Öde, nur Sand und Felsen. Der nächste offizielle Flughafen lag in der sudanesischen Hauptstadt Khartum. Doch etwas sagte Jonathan, dass, sollte der Flieger tatsächlich landen wollen, er keinen offiziellen Flughafen ansteuern würde.
„Wir müssen nach sämtlichen Landemöglichkeiten Ausschau halten.“
Sie konnten sich ersparen zu fragen, wer trotz höchster Geheimhaltungsstufe Interesse an dem Virus haben könnte. Es wäre für jeden Staat die tödlichste Waffe, die man sich vorstellen konnte. Wo immer das Virus sich verbreitete, würde es eine verheerende Pandemie auslösen, die geradezu einem Genozid gleichkam.
Die Auswirkungen, die er in Kenia miterlebt hatte, drängten sich in sein Gedächtnis. Menschen, die schreiend vor Schmerzen elend verreckt waren, während ihnen das Blut aus allen Körperöffnungen geschossen war.
„Wir haben in Flugrichtung zwei Militärflughäfen und etwas bislang Unbekanntes, das durchaus ein Hangar sein könnte.“ O’Donnell beamte die Luftaufnahme eines Wüstenareals auf die Leinwand und zoomte in einen Fleck, der sich zuerst kaum von der rotbraunen Umgebung abhob. Erst bei der näheren Betrachtung konnte man eine riesige Halle – gut getarnt in Erdfarben – erkennen. Der Überwachungsspezialist deutete mit einem Laserpointer auf die breiteren Spuren, die deutlich als Reifenabdrücke erkennbar waren. „Diese stammen von einem oder mehreren Geländefahrzeugen und die anderen“, der rote Punkt markierte schmalere vierspurige Einbuchtungen im Sand, „könnten sehr gut von einem Flugzeug stammen.“ Er vergrößerte eine ebene braune Fläche. „Vermutlich liegt darunter eine Landebahn verborgen.“
„Kendall, versuchen Sie, Fluggenehmigungen von der sudanesischen Regierung zu erhalten, damit unsere Leute schnellstmöglich sämtliche potenzielle Landemöglichkeiten überprüfen können.“ Der Direktor presste die Lippen für einen Moment zusammen, bevor er sich räusperte. „Das Flugzeug darf jedoch keinesfalls landen.“
Auch wenn sie sich alle von Anfang an der Konsequenzen bewusst gewesen waren, schwebten die Worte wie ein bleierner Dunst im Raum.
„Malcolm ist gerade Vater von Zwillingen geworden, eine Frühgeburt. Er hat seine Söhne noch nicht mal gesehen“, murmelte Connor, ein schlanker Blonder mit schütter werdendem Haar. „Es hätte sein letzter Einsatz werden sollen.“
Direktor Adams reagierte nicht auf den Einwurf, doch an den zuckenden Wangenmuskeln, die aus dem hageren Gesicht hervorstachen, war zu erkennen, dass er ihn sehr wohl gehört hatte.
Unwillkürlich drängte sich auch Jonathan das verschmitzte Lächeln von Malcolm ins Gedächtnis. Die dunkle Haarsträhne, die ihm immer ins Gesicht fiel und einen jungenhaften Ausdruck verlieh. Was er wohl gerade dachte?
Er würde seine Söhne niemals kennenlernen.
„Wie viel Zeit bleibt uns noch, Direktor?“ Am liebsten hätte Jonathan dieses Flugzeug auf der Leitbildwand festgehalten – doch das Unvermeidbare ließ sich nicht aufhalten.
Ein stechender Blick traf ihn. „Nur wenige Minuten.“
Nur. Wenige. Minuten. Dann wäre das Leben von zwölf tapferen Männern ausgelöscht. Mit ziemlicher Sicherheit waren elf davon rechtschaffene Menschen, die ihr Fleisch und Blut nun der Sinnlosigkeit opferten.
Was hatte diesen einen Menschen dazu getrieben, das Leben seiner Freunde und Kameraden aufs Spiel zu setzen? Die Gier nach Geld? War es eine gut verborgene politische Überzeugung? Auch wenn keiner der Männer an Bord von der Sprengladung im Flieger wusste – der Verräter hätte sich doch denken können, dass er damit nicht durchkommen würde.
Jonathan blickte in die Gesichter der anderen. Schmerz, Fassungslosigkeit und Trauer paarten sich mit Wut. Jeder von ihnen könnte jetzt dort oben sitzen. Die Züge des Direktors schienen in Stein gemeißelt. Jonathan wollte nicht mit ihm tauschen. Den Befehl zu geben, zwölf seiner eigenen Leute zu töten, weil ein Verräter in ihrer Mitte war, kostete Kraft. Doch dagegen standen Millionen von Menschenleben, wenn das Virus in falsche Hände geriete.

Im Nebenbereich, der nur durch eine Glasscheibe abgetrennt war, brach hektisches Treiben aus. Der Einsatz für die Streitkräfte, die zum Landeplatz beordert werden sollten, wurde koordiniert.
Der Funkspruch „Airplane on position fifteen point eight five three degrees north, thirty-four point five one niner degrees east, do you read me? SQUAWK ident“, hallte wie ein Mantra durch den Raum, doch nicht einmal ein Rauschen kam zur Antwort.

Jeder einzelne seiner Mitarbeiter an Bord des Flugzeugs schien Jonathan im Geiste vorwurfsvoll anzustarren und ihn um Beistand anzuflehen, während die Challenger Fuß um Fuß an Höhe abbaute. Brennende Wut schnürte seinen Magen zusammen.
Die Unsicherheit, ob nicht doch ein technisches Problem im Hintergrund stand, machte es nicht besser. Auch wenn keiner der anderen sich etwas anmerken ließ, war er sich sicher, dass es seinen Kollegen ebenso erging.
Immer weiter näherte sich die Challenger dem Boden. Der Sinkflug war zu kontrolliert, als dass er auf ein technisches Problem zurückzuführen wäre. Und immer mehr zeichnete sich ab, dass die anvisierte Landebahn dieser verborgene Platz in der Wüste war. Noch geschätzte sieben Minuten bis zur Landung. Sieben Minuten, die so lang und doch so kurz sein konnten. Das Leben der Männer würde maximal eine Zigarettenlänge dauern. Die ersten Abfangjäger waren gestartet, die Satellitenüberwachung auf diese Gegend ausgerichtet. Noch zeigte sich keinerlei Aktivität auf dem potenziellen Landefeld.
Die Anspannung konnte man mit den Händen greifen. Saurer Schweißgestank mischte sich unter die stickige Luft, in der bislang Kaffeeduft, menschliche Ausdünstungen und der metallische Geruch geschlossener Computerräume dominiert hatten.
Auf einmal erfüllte hektische Betriebsamkeit einen der Monitore. Ameisengleich wuselten Menschen über das Bild, rollten eine Plane beiseite und wie von Zauberhand zeigte sich eine Landebahn.

Die Gewissheit legte sich schwer wie ein Munitionsgurt auf Jonathans Schultern.
Lass ein Wunder geschehen!
Doch Wunder zeigten sich selten, wenn man sie am dringendsten brauchte.
Der Direktor wartete, bis die Challenger 650 sich auf fünf­zehnhundert Fuß Höhe im Landeanflug befand. Dann nickte er abgehackt.

Als ein Feuerball die Leitbildwand erhellte, froren sämtliche Bewegungen im Raum ein. Die Flammen spiegelten sich im Schweiß, der die versteinerten Gesichter überzog.

Im Kindle-Shop: Blauer Tod: Im Netz des Terrors (Alex-Martin-Thriller 3).
Mehr über und von Ute Bareiss auf ihrer Website.



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