30. Mai 2018

'Oh wunderbare, wundersame Welt : Philosophische Erkenntnisse für alle Lebenslagen' von Peter Waldbauer

Kindle (unlimited)
In leichter, gleich wohl gepflegter Sprache präsentiert dieses Buch philosophische Erkenntnisse zu einer Vielzahl von Alltagsthemen und dies auf unterhaltsame Weise. Dazu gehören Bildung und Bücher ebenso wie Krankenhaus und Gericht, Politik, Medien oder Sport.

Bei dieser Lebenskunstphilosophie à la Dobelli geht es weniger um die großen Fragen des Lebens, sondern um die kleinen. Manche Gedanken beanspruchen die Länge eines kurzen Essays, andere verkürzen sich zu Abschnitten oder Absätzen. So entsteht ein angenehmer Lesefluss, der auch das zwanglose Auswählen einzelner Themen und Leseabschnitte ermöglicht.

Leseprobe:
Die Autorität des Richters wirkt erst durch seine Abgrenzung vom Volk. Vorgesehen ist, dass man ihm im Sitzungssaal begegnet. Dort schreitet er durch die rückwärtige Tür stilvoll herein. Er trohnt, durch das Pult geschützt, über allen. Die Blicke richten sich auf ihn. Schneeweiße Krawatte und schwarze Robe versprühen elitären Glanz. Er sitzt souverän, handelt privilegiert, spricht eloquent. Seinen Worten kommt eminente Bedeutung zu. Er führt die Verhandlung, fragt und mahnt. Er widerlegt und kommentiert. Seine Stimme durchtönt den Saal, seine Stimmung bestimmt die Temperatur im Raum. Begegnet man dem Richter in der Pause auf dem Flur, gehen Abgrenzung und Abstand verloren. Dann wirkt die Statur zu klein, das Gesicht hinter der Hornbrille zu jung, die Jeans unter dem Talar zu trivial. Dann stört, dass der Nacken nicht ausrasiert ist. Wenn der Richter im Vorbeigehen mit Kollegen auch noch scherzt und lacht, wirkt er alltäglich und gewöhnlich. Wer weiß, welchen Eindruck man erst vom ihm gewönne, würde man ihn zuhause erleben? Verhält er sich dort so erhaben wie im Gerichtssaal oder schreit er mit seiner Frau, flätzt sich auf die Couch und wirft die Schuhe ins Eck? Er steht dann nicht mehr über den Dingen. Sein Glanz bröckelt. Man traut ihm nicht zu, seriös Recht sprechen zu können. Ein Urteil darf nicht von einem gewöhnlichen Menschen stammen. Ehrfurcht und Nähe vertragen sich nicht. Der Richter kann nur wirken, wenn er unnahbar ist, wenn er aus der Distanz spricht, wenn ihn die Aura des Höheren umgibt. Die Menschen haben Ehrfurcht vor der Höhe. Sie akzeptieren Unangenehmes, wenn es schicksalshaft auf sie herabregnet. So wie das Wetter und die göttliche Fügung.

Im Kindle-Shop: Oh wunderbare, wundersame Welt : Philosophische Erkenntnisse für alle Lebenslagen.
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