31. August 2018

'Operation Love: Herzflimmern in London' von Lisa Torberg

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Trisha Latch, Agentin des MI5, Deckname Miss Smith, hat das Limit des Erträglichen erreicht. Sie ist das eingefärbte Vogelnest auf ihrem Kopf, die klebrige Mascara, den schwarzen Lippenstift, vor allem aber die Tonne Metall leid, die sie tagtäglich von den Ohrläppchen bis zu den Boots mit sich herumschleppt. Und ihren schmierigen Vermieter Schrägstrich Zielobjekt, der seine Griffel nicht bei sich behält. Sie explodiert, setzt die Undercover-Mission im East End in den Sand und landet unweit der Billionaire’s Ave bei dem Mann, dessen Bruder vor ihren Augen ermordet wurde – und der eine pelzige Matratze im Gesicht hat. Und sie hasst Vollbärte!

Troy Raven, Anwalt und Privatermittler, traut seinen Augen nicht. Blackshaw, der das MI5-Team leitet, das dem Killer seines Bruders auf den Fersen ist, schickt ihm dieses Gothic-Biest, um seine schwangere Assistentin zu ersetzen? Eine Frau, die er nicht einmal mit der Kneifzange anfassen würde – wenngleich sie fantastisch riecht, ein heißes Fahrgestell hat und ihm 100.000 Volt durch den Körper jagt, als sich ihre Finger berühren ...

Bree, Troys beste Freundin und Noch-Assistentin, fasst ihr Aufeinandertreffen in Worte: Das kann ja heiter werden.

"Operation Love: Herzflimmern in London" ist ein in sich abgeschlossene Liebesroman mit sinnlichen, prickelnden Liebesszenen, dramatischen Augenblicken und einer mit Humor gewürzten romantischen Handlung. Kein Cliffhanger. 240 Taschenbuchseiten.

Leseprobe:
Heute, irgendwo im Londoner East End
Fassungslos starrt Trish auf den Bildschirm, kneift die Augen zusammen und liest die Mail noch einmal. Als ob sich die paar Zeilen nicht schon in ihr Hirn eingeprägt hätten wie das Brandzeichen auf dem Hintern eines Zuchtbullen. Dieses verdammte Arschloch setzt sie tatsächlich vor die Tür! Klar, sie hat letzten Freitag, als er seine schweißnassen Griffel auf ihren Oberarmen platzierte, um sie an sich heranzuziehen, das Knie angehoben. Na ja, vielleicht hat sie es mit schlecht dosiertem Schwung in seine Weichteile gerammt. Seinem stöhnenden Laut nach zu schließen, der in ein eunuchenhaftes Quietschen überging, hat sie ihre Kraftreserven nicht richtig eingeschätzt. Aber welche Frau hätte an ihrer Stelle nicht so gehandelt, wo er ihr doch unbeirrt nachstellt, als ob sie der Hauptpreis in der beschissenen Weihnachtslotterie wäre.
Jeder andere hätte längst kapiert, wie der Hase läuft. Immerhin kennt er sie seit mehr als einem Jahr – um exakt zu sein, seit dreizehn Monaten. Und ebenso oft hat sie ihn abblitzen lassen – an jedem Monatsersten. Wie gesagt hätte jeder x-beliebige Mann bereits spätestens beim zweiten Mal kapiert, dass hier nicht nur kein Hase, sondern schlichtweg gar nichts laufen konnte. Er hätte den Schwanz – sofern vorhanden – eingezogen und wäre mir von da an aus dem Weg gegangen. Nicht Oliver Odd! Von allen – hinter seinem Rücken – nur Odd Ollie genannt, macht er seinem Namen alle Ehre: Er ist ein sonderbarer Typ. Dass seine schwarzen, pomadisierten Haare gefärbt sind, steht außer Zweifel, auch wenn nur selten jemand den Blick hebt, um sich davon zu überzeugen. Die meisten trauen sich ja nicht einmal, ihm ins Gesicht zu sehen, was nicht an der riesigen, dunklen Warze liegt, die einer Fleischfliege gleich unter seinem rechten Nasenloch knapp oberhalb der Oberlippe thront. Auch nicht an den Schweinsäuglein, die von einem Babyblau sind, das perfekt zu seiner Stimme und dem androgynen Körper passt. Nein, denn obschon Mr Odd nichts von einem echten Kerl hat, nehmen alle Habtachtstellung ein, sobald er den Mund öffnet und mit seinem Falsett nur wenige Worte von sich gibt. Spricht er länger, ähneln die Bewohner des Hauses, des Stadtviertels – höchstwahrscheinlich des gesamten metropolitanen Gebiets – der Terrakotta-Arme des ersten chinesischen Kaisers.
Der Mann mit der hohen Stimme erweckt nach außen hin den Eindruck einer Witzfigur. Tatsache ist, dass er Mr Bean aus der gleichnamigen Fernsehserie ähnelt und sich wie dieser im Normalfall auf Mimik und Gestik verlässt, um sich auszudrücken. Mit körperlichem Ausdruck stand Trisha ihm jedoch letzten Freitag um nichts nach, als sie ihm zuerst das Knie zwischen seine Beine rammte und anschließend reflexartig nach der Karaffe mit dem Eiswasser griff und sie an der Stelle entleerte, über die der Fiesling – immer noch quietschend – schützend seine Hände hielt. Ersteres tat sie aus Reflex, mit der zweiten Aktion wollte sie vermeiden, die Hausbewohner kurz vor sieben zu wecken.
Bald nachdem Mr Odd ihr nicht nur die Wohnung seiner Großtante, die wenige Wochen zuvor in eine Seniorenresidenz gezogen war, sondern auch den Laden im Erdgeschoss mitsamt Lizenz vermietete, wurde sie von allen mehr oder minder wohlwollend akzeptiert. Die anfängliche Skepsis aufgrund ihres Gothic-Looks legte sich rasch. Alle Mieter wissen, dass sie stets zur gleichen Uhrzeit nach unten in den Laden geht und eine halbe Stunde später der Duft von Kaffee das Treppenhaus erfüllt – und sonst nichts. Trisha Latch braucht keine laute Musik, um in die Gänge zu kommen. Im Gegenteil. Sie liebt es, in absoluter Ruhe den Tag zu beginnen, und bevor nicht die ersten Kunden eintreffen, hört man keinen Laut – und schon gar kein Stöhnen und Kreischen. Sie hatte am letzten Freitag also einen triftigen Grund, Odd Ollie, der durch den Hintereingang hereingeschlichen war – angeblich um die Miete zu kassieren –, zum Schweigen zu bringen. Dass er wieder einmal seine schmierigen Finger nach ihr ausstrecken würde, hätte sie absehen und ihre Reaktion wie immer unterdrücken müssen. Aber vor der ersten Ration ihrer pechschwarzen Droge laufen ihre geistigen Kapazitäten auf Sparmodus. Daher sah sie in dem Moment einfach nur rot und hat vergessen, dass der Typ ihr Vermieter ist und sie in diesem Haus ihre Einkommensquelle und das Dach über ihrem Kopf hat. Jetzt ist sie auf einen Schlag beide los, denn der verdammte Scheißkerl beruft sich auf einen der siebenundvierzig Paragrafen des zehnseitigen Mietvertrags, den Trisha nicht einmal nachlesen muss, um zu wissen, dass er dort ein Schlupfloch eingebaut hat.

Ihre Kehle wird eng und die Mail auf dem Bildschirm verschwimmt vor ihren Augen. Shit! Hier ist sie in Sicherheit und kann ihre Wunden lecken, die sie ihrer selbst verschuldeten Unachtsamkeit, derentwegen sie damals knapp am Tod vorbeigeschrammt ist, verdankt. Niemand vermutet sie im East End. Hinter der Theke des unverfänglichen Tante-Emma-Ladens kann sie den Ball flach halten und darüber sinnieren, wann sie ihren inneren Schweinehund überwinden und dem Drängen Blackshaws nachgeben wird. Falls überhaupt ... denn an und für sich ist sie der Sache ja hier auch nützlich. Immerhin observiert sie eine der Schlüsselfiguren aus unmittelbarer Nähe.
»Du hattest Glück im Unglück«, fasste es ihr Boss nach dem Zwischenfall in der Bar, bei dem sechs Schüsse aus einer einzigen Pistole abgefeuert wurden, zusammen. Danach verpasste er ihr eine neue Identität, und die alte Mrs Odd ist mit einer großzügigen Summe davon überzeugt worden, dass sie nie etwas anderes wollte, als ihren Lebensabend anstatt in Londons East End in einer luxuriösen Seniorenresidenz in Cheshire zu verbringen. Weit weg von ihrem unsäglichen Neffen, dessen Hände tief im Sumpf der Illegalität stecken. Oliver Odd, der seine kriminelle Intelligenz hervorragend hinter seinem eunuchenhaften Aspekt versteckt und dem Trisha seit dreizehn Monaten im Nacken sitzt. Eine lange Zeit, in der sie zwar so manches in Erfahrung bringen konnte, was uns bis dahin unbekannt war, aber noch nicht genug, um diesem Arschloch die entscheidende Querverbindung nachzuweisen, die ihm – und seinen Geschäftspartnern gleich mit – das Genick brechen wird. Sie war so nah dran, dass sie das sprichwörtliche Licht am Horizont bereits erahnen konnte – und jetzt ...
Ein Ruck geht durch ihren Körper.
Nein! Ich lasse mich nicht unterkriegen! Nicht von so einem Arsch wie Odd Ollie!

Im Kindle-Shop: Operation Love: Herzflimmern in London.
Mehr über und von Lisa Torberg auf ihrer Website.



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