14. September 2018

'Sehnsucht nach Charleston' von Patricia Carlyle

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Bei ihrer Rückkehr in die amerikanischen Kolonien im Jahr 1779 sollte Vivian Darcy eigentlich glücklich sein, hat sie doch während ihres zweijährigen Aufenthalts auf dem Landgut ihres Onkels in England nichts mehr herbeigesehnt, als nach Hause in ihre Heimatstadt Charleston zurückkehren zu dürfen.

Dass dort der Unabhängigkeitskrieg der Amerikaner gegen das englische Mutterland tobt, hatte Vivian zwar schon vor ihrer Abreise aus England gewusst, ohne jedoch zu glauben, dass sie persönlich mit hineingezogen werden würde. Nun aber steht der Stadt eine Belagerung durch die britischen Streitkräfte bevor, Vivians Freunde befinden sich als aufständische Rebellen im Kampf, und obendrein droht Vivian auch noch ihr Herz zu verlieren! Doch kann sie es wagen, ihr Vertrauen und ihr Herz einem Mann zu schenken, der sie schon einmal belogen hat - selbst wenn das zu ihrem eigenen Besten geschah?

Noch während Vivian eine Antwort auf diese Frage sucht, rücken die Schrecken des Krieges immer näher. Erneut muss Vivian ihre geliebte Heimatstadt verlassen. Doch diesmal ist es nicht die Sehnsucht nach Charleston, die ihr schlaflose Nächte bereitet. Diesmal bangt sie um das Leben des Rebellenoffiziers, der von Freundschaft redet - auch wenn seine Küsse eine ganze andere Sprache sprechen!

"Sehnsucht nach Charleston" - ein fesselndes Buch voller historischer Details über den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, voller Dramatik und Spannung und natürlich über - die Liebe!

Leseprobe:
Vivian Darcy war unzweifelhaft eine interessante Erscheinung. Sie war nicht schön, doch die Lebendigkeit ihres Gesichts glich kleine Unregelmäßigkeiten aus. Für ein klassisches Profil war ihr Kinn zu ausgeprägt, ihr Mund zu eigensinnig, und auch die Sommersprossen auf ihrer geraden Nase entsprachen nicht dem herrschenden Schönheitsideal. Umso ausdrucksvoller waren ihre braunen, von dichten Wimpern umrandeten Augen, die einen reizvollen Kontrast zu ihrem goldblonden Haar bildeten. Das Haar fiel ihr in vollen Locken über die Schultern, die von einem weißen Tuch bedeckt wurden. Vivian hatte eine gute Figur. Sie wusste es und war stolz darauf, und obwohl sie nur ein Kleid aus billigem Leinen trug, wirkte sie doch elegant, da sie sich äußerst gerade und aufrecht hielt. Vivians schmale Taille wurde betont durch den perfekten Sitz des Mieders und den sich weit bauschenden Rock. Nach der herrschenden englischen Mode geschneidert, war der Rock nur knöchellang und ließ kleine schwarze Schnallenschuhe an Vivians Füßen erkennen. Geraffte Stoffpartien sorgten hinten für die nötige Fülle.
Vivian lebte jetzt, im Juni 1779, seit zwei Jahren bei ihrem Onkel, Sir William Bannister, auf dessen Landsitz Oakfield in Hertfordshire, England. Als sie an diesem Abend nach dem Dinner ihrem Onkel in seinem Arbeitszimmer gegenüberstand, funkelten ihre dunklen Augen vor Erregung. Sie bemühte sich, möglichst gleichgültig zu erscheinen, doch dies gelang ihr nicht.
„Es kommt überhaupt nicht in Frage, dass du ausgerechnet jetzt nach Amerika fährst!“, tobte Sir William. „Dir ist wohl nicht klar, dass dort drüben Krieg herrscht?“
„Natürlich ist mir das klar“, entgegnete Vivian mit trotzig vorgerecktem Kinn. „Aber dieser Krieg war schon längst in Gange, als Tante Sophie und ich damals Charleston verließen, um nach England zu segeln. Die Schiffsreise verlief völlig glatt, und ich weiß nicht, warum es jetzt nicht gutgehen sollte.“
Sir William hielt in seinem Auf- und Abgehen inne und warf seiner Nichte einen finsteren Blick zu. Nachdenklich strich er mit einer Hand durch die trotz seines Alters bemerkenswert dichten grauen Haare, die er zu einem Zopf im Nacken zurückgekämmt hatte. Seine Haarpracht war bei weitem das Attraktivste an ihrem Onkel, fand Vivian, denn mit einem rundlichen Gesicht, hellblauen, wässrigen Augen und einer leicht vorgebeugten Haltung wirkte er ansonsten eher durchschnittlich.
„Du weißt genau, dass ich als Familienoberhaupt die Verantwortung für unsere Familie trage!“, grollte Sir William. „Und als Kind meiner verstorbenen jüngsten Schwester gehörst du dazu, ob du willst oder nicht! Deine Tante Sophie hat ganz recht daran getan, dich nach dem Tode deines Vaters heim nach England zu bringen!“
„England ist nicht meine Heimat!“, begehrte Vivian mit blitzenden Augen auf. „Und wenn ich hundertmal zur Familie gehöre!“
„Du bist die Enkelin und Nichte eines Baronets!“, beharrte Sir William. „Dein Platz ist in der englischen Gesellschaft!“
„Ich gehöre nach Charleston! Mein Vater war Amerikaner!“
Sir William schnaubte verächtlich, und sein großer, untersetzter Körper bebte vor unterdrücktem Zorn. „Zum Donnerwetter, Vivian, ich habe genug davon! Es kommt nicht in Frage, dass du in diese Rebellenhochburg zurückkehrst! Die Bannisters waren stets treue Untertanen des Königs. Wir haben immer unsere Pflicht dem Vaterland gegenüber getan!“
Vivian biss sich nervös auf die Lippen. „Ich weiß, wie pflichtbewusst du bist, Onkel William. Und ob du es glaubst oder nicht, ich weiß es zu schätzen, dass du mich ohne zu zögern aufgenommen hast, als Tante Sophie mich hierher brachte. Aber trotzdem wünschte ich, du würdest -“
„Ganz recht, ich habe dich aufgenommen! Und du kannst mir glauben, es war mehr eine Last als ein Vergnügen, plötzlich die Verantwortung für ein junges, achtzehnjähriges Mädchen zu tragen!“
Vivian straffte den Rücken. „Das ist mir vollkommen klar! Und gerade darum dachte ich, du würdest froh sein, wenn ich -“
„Ich sollte froh sein, wenn du gehen willst, aber ich bin´s nicht!“, murrte Sir William.
Vivian blinzelte verblüfft. „Das tut mir leid, Onkel William. Wirklich, ich dachte, du hättest nicht viel für mich übrig.“
„Papperlapapp! Deine Mutter war meine Lieblingsschwester, und du bist ihr sehr ähnlich. Aber das tut im Grunde nicht das Geringste zur Sache. Eine Bannister gehört nicht in die Kolonien!“
Vivians Temperament flammte erneut auf. „Ich bin keine Bannister, sondern eine Darcy! Und sobald ich volljährig bin, werde ich ein Schiff finden, das mich nach Hause nach Charleston bringt!“
Sir William schüttelte tadelnd den Kopf und verschränkte die Arme hinter dem Rücken. Wie so oft versuchte er, seiner Aussage mehr Gewicht zu verleihen, indem er mit einer Erwiderung zögerte. Vivian fand das höchst albern. Sie wusste, dass ihr Onkel dieses Getue einigen Parlamentsmitgliedern, deren Reden er sich regelmäßig anhörte, abgeguckt hatte.
„Mein liebes Kind, du wirst kaum ein Schiff finden, das dich sicher nach Amerika bringt“, versetzte Sir William schließlich mit einem selbstzufriedenen Lächeln, das seine ausgeprägten Hamsterbacken noch zusätzlich betonte. „Du weißt doch bestimmt, dass keine Handelsschiffe mehr nach drüben fahren? Nur Kriegsschiffe laufen noch amerikanische Häfen an, um unsere kämpfenden Truppen mit Nachschub zu versorgen. Selbst dir müsste klar sein, dass kein Reeder so verrückt sein wird, noch Schiffe zu diesem Unruheherd zu entsenden. Die Handelsgesellschaften könnten nicht einmal mehr ihre Waren absetzen, da diese amerikanischen Rebellen alles boykottieren, was englisch ist. Außerdem ist der Handel mit den Kolonien verboten.“

Im Kindle-Shop: Sehnsucht nach Charleston: Historischer Liebesroman.
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