29. Oktober 2018

'Kuschel-Winter-Blizzardliebe' von Lisa Torberg

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Das Schneechaos wirft Emmas Pläne über den Haufen. Eigentlich will sie sich nur zu Hause in Saint Cloud vergraben und darauf warten, dass die gefühlsduselige Weihnachtszeit, die sie hasst, vorübergeht. Stattdessen muss sie die übergroßen Stofftiere für ein krankes Mädchen ausliefern, obwohl das wahrlich nicht ihr Job bei Cuddly Toys ist.

Mit Einhorn und Co. macht sie sich auf den Weg in den Norden Minnesotas und einem Blizzard entgegen – und plötzlich sitzt sie im Haus des Kunden fest. Nik Hanson raubt ihr schon an der Haustür den Atem und die kleine gelähmte Annie und ihre bezaubernde Mutter spannen Emma für die Weihnachtsvorbereitungen ein. Ausgerechnet sie! Zwischen Kerzen und Keksen flirtet Nik ganz offen mit ihr und verwirrt sie immer mehr. Nach und nach erkennt Emma, dass nicht alles so ist, wie es scheint, und öffnet ihr Herz. Doch der Schneesturm zieht vorbei und die Realität holt sie mit voller Wucht ein. Können Gefühle gegen widrige äußere Umstände ankommen?

Dieser Roman ist in sich abgeschlossen. Hier gibt es garantiert keinen Cliffhanger, der auf der letzten Seite eine Fortsetzung verspricht – dafür aber ein romantisches Happy End.

Leseprobe:
Fröstelnd greift sie nach dem Parka, öffnet die Tür, schwenkt die Beine aus dem Wagen und richtet sich auf – als ein lauter Knall ertönt. Sie zuckt zusammen. Ein zweiter Donnerschlag, dessen Echo sich mehrfach fortsetzt, lässt sie Halt suchend nach dem Rahmen der Fahrzeugtür greifen. Plötzlich zuckt ein Blitz über den Himmel – und dann öffnen sich die Schleusen. Aus dem Nichts prasseln Hagelkörner auf sie herab. Reflexartig hält sie die Hände über den Kopf, anstatt wieder einzusteigen. Der Parka fällt zu Boden. Aus dem Augenwinkel sieht sie eine große Gestalt auf sie zulaufen. »Kommen Sie!« Eine Hand packt sie fest am Oberarm und dirigiert sie eilig zu dem mittleren Haus. Im Eingang steht eine wunderschöne Frau ungefähr in ihrem Alter.
»Sie müssen Miss White sein und ich bin Aki Hanson«, sagt sie, streckt ihr die Hände entgegen und zieht sie nach drinnen.
»Emma«, erwidert sie schwer atmend und streicht sich über die klitschnassen Haare.
»Ich bin Nikolas Hanson, Nikolas nur mit K.«
Erst jetzt fällt ihr wieder der Mann ein, der sie ins Haus gebracht hat. Das ebenmäßige, strahlende Gesicht der Indianerin hat sie abgelenkt. Ruckartig wendet sie den Kopf – und sieht einen muskulösen Hals und breite Schultern, die von einem blau-braun karierten Hemd bedeckt sind.
Emma schaut auf – und erstarrt.
Er verschlägt ihr den Atem. Aus seinem dunkelblonden Haar tropft Wasser, rinnt über seine Stirn, verfängt sich in den geschwungenen Augenbrauen oberhalb der braun gesprenkelten Augen. Seine schmale Nase ist gerade mal so breit, dass sie nicht weiblich wirkt. Wobei er in Wahrheit absolut gar nichts Weiches an sich hat. Seine markanten Gesichtszüge und das Kinn, das von kurzen, bis über die Wangen reichenden Bartstoppeln übersät ist, sind von unbeschreiblicher Perfektion. Mr Hanson stellt die Schönheit seiner Frau in den Schatten. Noch nie hat Emma einen Mann gesehen, der so attraktiv ist, dass es verboten sein müsste. Ein warmes Kribbeln breitet sich von ihrem Bauch in jede Richtung aus und schickt einen Schauer durch ihren Körper, der sie zittern lässt.
»Sie Arme!«, ruft Aki Hanson plötzlich aus. »Wenn Sie nur ein paar Minuten früher gekommen wären ...« Plötzlich scheint ihr etwas einzufallen. Sie dreht sich um und kommt kurz darauf mit einem Handtuch wieder, das sie ihr in die Hand drückt. »Trocknen Sie sich erst einmal die Haare ab, und dann zeige ich Ihnen das Badezimmer, damit Sie sich föhnen können.«
»Das ist doch nicht notwendig.« Emma hat keine Ahnung, woher die Antwort kommt, denn ihr Hirn ist wie leer gefegt. Ihr Blick ist immer noch mit dem des Mannes verbunden, der sie genauso unverwandt anstarrt wie sie ihn. Bis ein Windstoß durch die nach wie vor offen stehende Tür weht. Nikolas Hanson blinzelt. Er wendet den Kopf, um nach draußen zu sehen.
»Ich fahre Ihren Wagen in die Garage, damit er trocknen kann.« Seine dunkle Stimme dringt zu ihr durch.
»Trocknen?«
»Die Tür steht offen.«
Irritiert schaut sie nach draußen. »Mein Parka!«, sagt sie mit einem Blick auf das dunkle Stoffbündel, das neben dem Dodge liegt.
»Den bringe ich rein und wir geben ihn in den Trockner. Steckt der Schlüssel?«
Ein Mann, der von einem Wäschetrockner spricht, als ob er ihn täglich nutzen würde, ist ihr noch nie untergekommen. Überhaupt ...
»Der Schlüssel?« Als er sie an ihrem Arm berührt, zuckt sie zusammen – und er zieht seine Hand zurück, als ob er sich verbrannt hätte.
»Steckt«, flüstert Emma.

Die nachfolgende Viertelstunde fehlt ihr einfach.
Ihr Körper scheint wie ein Automat Dinge verrichtet zu haben, an die sie sich nicht erinnert. Das wird ihr bewusst, als sie in einem trockenen Pulli und einer Jeans von Aki Hanson am Esstisch in der in hellem Holz gehaltenen Wohnküche sitzt und Honig in dem aromatisch duftenden heißen Tee verrührt. Ungläubig schaut sie in das Gesicht der Frau mit den ausgeprägten indianischen Gesichtszügen und der milchkaffeefarbenen Haut, die ihr freundlich zulächelt – bis ein Geräusch sie beide den Blick abwenden lässt.
Emma dreht den Kopf und sieht Nikolas Hanson, der aus dem Flur durch den Rundbogen kommt. Seine Hände umfassen die Armgriffe eines Rollstuhls, in dem ein Mädchen sitzt.
Sie hat die grünen Augen ihrer Mutter und die blonden Haare ihres Vaters, die ihr Gesicht lockig umrahmen. Ihre Haut ist sehr hell und der Körper mager. Die Armgelenke und die Hände, die auf einer Decke liegen, die ihre Beine bedeckt, sind schmal – und sie ist von überirdischer Schönheit. Wie ein Engel, denkt Emma. Auf dem Gesicht der Kleinen liegt ein bezauberndes Lächeln, als sie nun aus eigener Kraft den Stuhl mit einem Finger auf einem Mousepad bewegt und auf Emma zukommt.
»Ich bin Annie Hanson. Entschuldigen Sie, dass ich Ihnen nicht die Hand gebe, aber es fällt mir im Moment schwer, den Arm anzuheben, weil ich SMA habe.«
Sie hat keine Ahnung, was diese SMA ist, aber ihr Herz fliegt dem offenbar gelähmten Mädchen augenblicklich zu. Die Kleine spricht wie eine Erwachsene. Wie von selbst sinkt Emma auf die Knie und bedeckt Annies Hände mit ihren. Bei der Berührung der seidenweichen Haut spürt sie eine unerklärliche Verbindung mit dem Kind, und ein Strahl Wärme breitet sich in ihrer Brust aus.
»Ich bin Emma White und freue mich, dich kennenzulernen.«
»Ganz meinerseits«, erwidert das Mädchen ernsthaft.
»Nenn mich bitte Emma.«
Annie studiert sie mit leicht seitlich geneigtem Kopf nachdenklich. Dann öffnet sie den Mund, und stellt ihr eine Frage, die sie komplett aus der Bahn wirft.
»Sagst du mir bitte deinen richtigen Namen? Ich will dich nicht mit einem ansprechen, der nicht zu dir passt.«
Emmas Mundwinkel zucken und ihre Lippen beben leicht. Und dann spricht sie ihn aus: ihren Namen, den sie vor sieben Jahren mitsamt ihrer Vergangenheit in Cass Lake zurückgelassen hat.
»Snow. Ich heiße Snow White.«
»Schneeweißchen, wie die Schwester von Rosenrot?«
Emma schüttelt den Kopf. »Meine Mutter dachte an Schneewittchen, als sie mir meinen Namen gab, hat mir mein Vater erzählt.«
Annie nickt entschieden. »Du siehst genau so aus, wie Snow White im Märchen beschrieben wird. Deine Haut ist hell, die Haare sind dunkel und deine Wangen sind rot. Deine Mutter war eine kluge Frau, Snow.«

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Mehr über und von Lisa Torberg auf ihrer Website.



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