3. Oktober 2018

'Weihnachtshäschen verzweifelt gesucht' von Sylvia Filz und Sigrid Konopatzki

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Himmelpastellhellblaues Winterglück

»Oh nee«, kiekste Mona begeistert, »das ist ja Zucker!« Mit glänzenden Augen stand sie vor einem himmelblauen Porzellan-Häschen.
»Was ist das denn? Ein Hase? Zur Weihnachtszeit? Na, der hat definitiv Glück gehabt! Wenn er aus Schokolade wäre, hätte man ihn längst eingeschmolzen.« Bea kicherte los.
»Das ist deutlich ein Weihnachtshäschen, schließlich trägt es einen Schneekristall zwischen den Pfötchen. Es scheint total glücklich zu sein, diesen Kristall ergattert zu haben. Schau mal, wie lieb das kleine Kerlchen lächelt. Ich nehme es mit. Das muss ich haben!«
»Lass uns doch zuerst den Laden ganz durchforsten«, schlug Bea vor.
Genau das stellt sich als Fehler heraus, denn als die Mädels zurückkommen, ist das Häschen weg.

Nun beginnt Monas fieberhafte Suche nach dieser außergewöhnlichen Winterdeko. Sie ahnt noch nicht, dass der süße himmelblaue Hase ihren adventlichen Alltag komplett durcheinanderwürfeln wird und der Schlüssel für ihre Zukunft ist.

Leseprobe:
Das Geschenklädchen in der Altstadt war gut besucht. Am ersten Adventswochenende suchten viele Leute nach passenden Weihnachtsgeschenken. Diesen Gedanken hatten auch Mona und Bea gehabt. Der heutige Samstag war der einzige Tag im Advent, den die beiden Verkäuferinnen komplett freihatten – und zudem gemeinsam. Das wollten sie unbedingt ausnutzen.
»Toll! Wir gehen zusammen einkaufen, Mona. Du berätst mich und ich dich. Dann kann ich mich viel besser entscheiden«, hatte sich Bea gefreut, als ihr Chef den Einsatzplan bekanntmachte. Wie immer hatte er versucht, die Wünsche seiner Verkaufsmannschaft so gut wie möglich unter einen Hut zu bringen.
»Zufriedene Mitarbeiter bedeuten höheren Umsatz«, hatte er fröhlich gemeint und Bea und Mona zugezwinkert.
Genau das schätzten die Kollegen. Er verlangte hundertprozentigen Einsatz und konnte in dieser Hinsicht erbarmungslos sein, aber er war andererseits recht großzügig, wenn es ans Belohnen für gute Arbeit ging.
Nun hofften sie alle, dass keiner aus Grippegründen ausfiel, denn gerade im Lebensmittelmarkt boomte das Geschäft naturgemäß in den Adventswochen.
Vor zwei Jahren hatte die große bundesweite Grippewelle fast die Hälfte der Belegschaft fest in ihren Klauen gehabt. Bea hatte es erwischt, Mona hatte sich tapfer geschlagen und war mit fünf weiteren Kollegen samt Chef am Heiligabend nach Geschäftsschluss nahezu auf dem Zahnfleisch aus dem Supermarkt gekrochen.

»Du, guck mal, Bea.« Mona stand vor einem künstlichen Weihnachtsbaum, der prächtig dekoriert war. »Hier gibt es kleine Deko-Zuckerstangen.
»Sind die hübsch! Und wie die glänzen! Davon würde ich mir gerne welche mitnehmen.«
Mona wusste, dass Bea auf bunten Schmuck für den Christbaum stand. Im letzten Jahr hatte sie ihr fünf Glasvögelchen zum Klipsen geschenkt, die sie später an ihrem Baum bewundern durfte. »Also, dann merken wir uns: Hase und Zuckerstangen.«
»Und Schlittschuhe!«
»Schlittschuhe?«
»Hier links, diese kleinen Anhänger. Sehen die nicht nett aus?« Bea nahm sie in die Hand. »Ach, sie sind aus Holz. Das merkt man durch die schönen Farben gar nicht.«
»Die gefallen mir auch. Man kann damit prima Geschenke verzieren. Mit zwei Euro sind sie gar nicht mal teuer. Ich nehme mir davon ebenfalls welche mit.«
Bea schlenderte zum Geschirrbereich. »Hier muss ich echt aufpassen. Ich habe schon drei Weihnachtstassen zu Hause.«
»Man kann eben immer nur aus einer trinken.« Mona griente ihre Freundin an.
»Stimmt. Aber sie sind halt so ansprechend.«
»Weißt du, was ich schön finde? Weihnachtsgeschirr. Hier gibt es unterschiedliche Designs.« Mona hob einen Teller an. »Diese bunten Weihnachtsmotive mit dicken gemütlichen Nikoläusen, lieb grinsenden, rotnasigen Rentieren und märchenhaften Winterlandschaften sind einfach total stimmungsvoll.«
»Da könnte ich auch in Versuchung geraten«, stimmte ihr Bea zu. »Aber dann denke ich wieder, man hat es das ganze Jahr rumstehen. Und wir haben eh kaum Platz in der kleinen Wohnung. Wenn ich damit ankomme, fange ich mir einen Rüffel von Toby ein. Selbst meine drei Weihnachtstassen schiebe ich immer im Schrank rum, weil ich im Frühjahr einfach nicht mehr daraus trinken möchte. Außerdem reichen sechs Gedecke bei uns gar nicht. Kommt meine Familie, sind wir schon acht. Ich müsste also gleich zwei Service kaufen.«
Mona warf noch erwägend einen Blick auf den Teller und seufzte. Dann stellte sie ihn, wenn auch ungern, wieder zurück.
Sie fanden ausgefallene Weihnachtskarten und schönes Geschenkpapier. Mona interessierte sich für die Geschenkboxen.
»Die finde ich große Klasse. Man packt das Präsent rein, Deckel zu, Schleife drum. Kein lästiges Tesakleben mehr. Und schau mal, diese schönen Motive. Die Dunkelblauen hier, mit den hellblauen Sternchen und dem Glitzer gefallen mir.«
»Dieses Jahr stehst du wohl auf Blau, wie?«
Mona sah Bea fragend an.
»Na, wegen des Hasen, der ist auch blau.«
»Blau ist doch toll. In Kombination mit Silber oder Gold sieht es total edel aus.«
»Ich glaube, ich nehme meiner Schwester zum Nikolaus so einen Magneten für den Kühlschrank mit. Die steht auf so was.« Bea wechselte zu dem Ständer hin. »Was meinst du, ist das Rentier schöner oder der lachende Weihnachtsmann? Oder lieber der Schriftzug HOHOHO?«
»Das Rentier. Es hat so freundliche große Kulleraugen.«
Im hinteren Bereich des Geschäftes gab es Geschenke der praktischen Art, dicke Schals, warme Mützen und Handschuhe.
Mona entdeckte noch etwas. »Weihnachts-Kuschelsocken! Mensch, sind die flauschig! Da gönne ich mir selbst ein Paar. Wenn ich abends auf der Couch liege, ein Buch lese, einen heißen Kakao trinke und es mir richtig gemütlich mache, passen die wundervoll.« Sie griff zu einem rosafarbenen Sockenpaar, welches seitlich eine Weihnachtskugel appliziert hatte.
»Nimm doch die hier«, Bea hielt ihr Hellblaue hin, »die haben sogar Strass-Steinchen drauf.«
Mona war begeistert. »Die sehen ja stylish aus! Das wäre auch was für meine Schwester.«
»Tausch einfach. Deine Schwester bekommt die rosa Socken und du nimmst die blauen. Sie passen nämlich zu dem himmelpastellhellblauen Hasi.« Bea schüttelte den Kopf. »Ein Weihnachtshase – auf so eine abwegige Idee muss man erst einmal kommen! Und dann in Blau. Wenn er wenigstens in Gold oder Silber wäre! Ich glaube, jetzt hole ich einen Korb, sonst wissen wir gleich nicht mehr, was wir alles kaufen wollten.«
»Gute Idee!«
Während Bea sich den Weg nach vorne bahnte, lief Mona zur Kerzenecke. Hier fand sie echte Bienenwachskerzen.
Bea kam mit zwei Körben zurück und Mona nahm ihren entgegen. »Ich nehme meiner Mutter eine dieser Bienenwachskerzen mit. Die duften so schön, wenn sie brennen.«
»Dann gebe ich hiermit das Startkommando zum Einpacken.«
»Weißt du, was ich total klasse finde?«, freute sich Mona und gab die Antwort direkt hinterher. »Dass man hier so gut wie alle Geschenke bekommt, ohne sich noch in die ganz großen Läden der Innenstadt mitsamt seinem adventshektischen Trubel zu werfen.«
»Wo du gerade sagst werfen. Gleich werfen wir uns auf den Weihnachtsmarkt und befuttern unsere Einkäufe, nicht? Ich denke da an eine heiße Folienkartoffel und ein inspirierendes Glas Eierpunsch oder Glühwein.«
»Aber unbedingt.«
Die Mädels verstauten die vorher schon mit den Augen gekauften Weihnachtsutensilien in ihre Körbe.
»Dann haben wir alles.« Mona überflog ihre Einkäufe auf Vollständigkeit. »Jetzt nur noch nach vorne zu meinem Häschen.«
Zwischendurch blieben die beiden nochmals bei der Auswahl von Streudeko stehen.
»Ich nehme mir die goldenen Sterne mit.« Bea legte zwei Tütchen in ihren Korb. »Die werde ich zwischen die Tischdekoration streuen. Das sieht sicherlich feierlich aus.«
Mona ging voraus. Irritiert sah sie auf den kleinen Tisch. Ihre Augen weiteten sich voller Entsetzen.
»Oh nein! Mein Weihnachtshäschen ist weg!«

Im Kindle-Shop: Weihnachtshäschen verzweifelt gesucht.
Mehr über und von Sylvia Filz und Sigrid Konopatzki auf ihrer Website.



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