28. November 2018

'Schicksalspfad des Tempelritters: Dedericus' von Olivièr Declear

Kindle Edition | Tolino | Taschenbuch
Dedericus, der erste Band der Reihe »Schicksalspfad des Tempelritters« von Olivièr Declear.

Anno Domini 1225. Weite Gebiete Europas liegen in Schutt und Asche, bluten aus im gnadenlosen Krieg um Macht und Religion. Inmitten der Schlachten und Ränkespiele kämpft der junge Tempelritter Dedericus de Loen seinen eigenen Kampf, hin- und hergerissen zwischen Ordenspflicht, Liebe, Glaube und Zweifeln.

Sein treues Pferd Harraz begleitet ihn durch seine Abenteuer und ist exemplarisch für die Kriegspferde, der Tempelritter.

Leseprobe:
Die Wanderung
Nichts wies an diesem Tage im Jahre des Herrn 1225 auf das drohende Unheil hin. Sicher, vom Isenberg kommt nur der Teufel, sagte das Volk. Schon in seiner Kindheit lauschte Dedericus mit Schaudern den Geschichten über derer von Isenberg, die sich die Mägde in der Küche erzählten.
Der Teufel tanze des Nachts im Mondenschein um deren Burg. Werwölfe und Hexen raubten den Dörfern um diesen Schreckensort die Kinder und Mägde.
Die Geister der verlorenen Seelen hörte man des Nachts in den Wäldern heulen und jammern.
Aber nicht der Teufel, nicht Hexen und Werwölfe kamen mit dem Isenberg, er kam mit Feuer und Schwert über ihre Burg.
Ramus de Loen eilte auf den Turm und rief die wenigen Männer zur Verteidigung. Sein Sohn, Dedericus, bekam die Aufgabe, die Frauen und Kinder im Turm zu sammeln und zur Ruhe zu bewegen.
In kurzer Zeit stand alles in Flammen, auch der Turm konnte nicht vor den geworfenen Fackeln und den Brandpfeilen der Isenberger Mannen behütet werden.
Der Rauch biss unerträglich in den Augen und die Hitze der brennenden Bodenbohlen auf den Etagen kam immer näher. Das Bersten der Tragbalken und die einstürzenden Böden stoben Kaskaden von Funken immer tiefer in den Turm hinein.
Die Männer bemühten sich vergeblich, die brennenden Etagen zu löschen und zogen sich in ihrem Kampf immer weiter in die Tiefe des Turmes zurück.
Ein Balken des letzten Bodens stürzte brennend auf Dedericus Schwester. Mit einem Aufschrei des Entsetzens stürzte die Gräfin De Loen durch den beißenden Rauch und Funkenregen in die Flammen des brennenden Balkens, um ihr Kind zu retten.
Sie spürte nicht, wie die heiße Asche ihre Kleidung und Haut umfing. Ignorierte den Schmerz der Glut unter ihren Knien.
Dedericus sah die Männer seines Vaters den Balken von dem zerschmetterten Körper zerren, während sein Vater die brennenden Kleider seiner Mutter mit seinem Umhang zu löschen suchte.
Dieses unglaubliche Inferno um ihn herum, das Schreien, Weinen, die Gluthitze der Flammen, umgeben von Rauch und Funkenflug, ließ ihn erstarren. Das Geschehen schien ihm wie ein schrecklicher Traum, nicht wahrnehmend, dass dieser Albtraum in den Tag entsprungen war.
Der harte Griff eines Mannes erfasste seinen rechten Arm und zog Dedericus durch das Inferno. Er folgte ohne Willen und Verstehen. Dem Schock des Entsetzens ergeben.
Der junge De Loen sah, wie er in den schmalen Einstieg des Fluchtganges des Turmes gezerrt wurde, wie Knechte an ihm vorbei stürmten, um die schweren Eichenflügel des Durchganges zu versperren.
Immer tiefer wurde er in die Finsternis des Ganges gezogen. Dedericus vernahm, wie sein Vater den Befehl gab, die Stützpfeiler vor dem Gang einzubrechen. Sah Männer in der Dunkelheit verschwinden und hörte die dumpfen Schläge von Hämmern auf das schwere Holz des Gebälks.
Das Bersten der Stützen und das Geräusch des einstürzenden Ganges ließen den Boden unter seinen Füßen erbeben.
Als die Flüchtenden von dem Staub des eingestürzten Erdreiches erreicht wurden, kam erneut Leben in den Körper des jungen Mannes.
Mit einem heftigen Ruck befreite sich Dedericus von dem schmerzenden, eisernen Griff des Mannes, der ihn durch den Tunnel zog.
Mit raschem Schritt folgte er dem kaum vorhandenen Schein einer fast erloschenen Fackel. Es erschien Dedericus wie eine Unendlichkeit, bis sie zum Ausgang des Fluchtweges gelangten.
Einige der Männer hoben in schier übermenschlicher Anstrengung die schweren Bretter über ihren Köpfen, welche von dickem Erdreich bedeckt waren, aus ihren Fugen.
Von außen war der Ausgang nicht vom restlichen Waldboden zu unterscheiden.
Als die Abdeckung aufgestoßen war, stiegen die Fliehenden über die rutschigen, unebenen Stufen hinauf in den Wald, nahe dem Hellweg.
Ramus legte den Körper seines Weibes sanft in das Laub des Waldes und beugte sich mit tränenden Augen über die kaum noch Atmende. Erst jetzt sah Dedericus die schweren Verbrennungen an ihrem zarten Körper. Schluchzend warf auch er sich neben sie, küsste ihr vom Ruß verschmiertes Haar. Verzweiflung und Sorge umklammerten sein Herz. Klagend entrang seinem Mund: „Mutter!“
Die Tränen rannen ihm in Bächen über das Gesicht und die Welt, wie sie für ihn existierte, verschwand in einer Woge der unerträglichen Trauer.
Seine Mutter strich ihm zärtlich, mit der letzten Kraft ihres sterbenden Körpers, über seine Wange. Ihr Blick hatte trotz des Schmerzes noch so viel Liebe und Sorge für ihn.
Leise, fast unhörbar, bat sie darum, er solle nach Jerusalem ziehen um die Seele seiner Schwester vor dem ewigen Fegefeuer zu erretten.
„Mutter, …“, flüsterte er mit erstickter Stimme, „… du begleitest mich auf diesem Weg. Bitte verlasse uns nicht“.
Sein Blick wanderte zu dem rußgeschwärzten Gesicht seines Vaters, in dem sich ebenfalls Tränen ihren Weg bahnten.
Sanft faltete Ramus die Hände seiner geliebten Frau über ihrem toten Körper.
Laut schluchzend warf sich Dedericus auf die Schulter seiner Mutter, küsste ihre Wangen und wiederholte immer aufs Neue die Worte: „Mutter, bitte, lass uns nicht allein.“
Aber es kam kein Leben zurück in ihren Körper.
Eine Weile knieten Vater und Sohn an der Seite des toten Körpers der Gräfin. Unfähig in die Realität dieses grausamen Tages zurückzufinden, waren sie von überwältigendem Schmerz gelähmt.
Nach geraumer Zeit wagte einer der Knechte, ein grobschlächtiger, aber gutmütiger Mann, den die Jahre der harten Arbeit gebeugt hatten, ein vorsichtiges und leises: „Herr“, an Ramus de Loen zu richten: „Herr, was sollen wir tun? Die Isenberger Mannen suchen sicherlich nach uns.“
Der Blick des Grafen löste sich nicht vom Gesicht seiner Frau, als er mit gebrochener Stimme den Befehl gab, eine Trage zu richten.
Die Männer folgten seinem Befehl. Dann betteten die beiden De Loens den Körper der Toten sanft auf die Bahre.
Mit nunmehr festerer Stimme befahl Ramus den Männern, ihm mit der Bahre zu folgen.

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