29. Mai 2019

'Der Dorn im Auge der Königin' von Sabine Buxbaum

Kindle | Tolino | Taschenbuch
England 1533. In den Wirren der englischen Reformation wird die junge Adlige Helena Winters an den Hof von Heinrich VIII geschickt. Als Hofdame soll sie sich dort auf die Ehe mit ihrem Verlobten Lord Sutton vorbereiten. Doch sie gerät mitten hinein in die Intrigen und Machtkämpfe um die Thronfolge, denn es fehlt ein Sohn, der die Nachfolge antreten kann. Um diesen zu bekommen, ist nicht nur der Königin jedes Mittel recht. Auch Heinrich VIII setzt alles daran, die Erbfolge sicherzustellen, und wird dabei auf die schüchterne Helena aufmerksam – mit katastrophalen Folgen für ihr Leben.

Geschichte, die lebendig wird: Liebe und Intrigen im mittelalterlichen England.

Leseprobe:
Winter 1533, Hampton Court, England
„Dieses Mal muss es ein Sohn werden“, sagte Königin Anne zu ihrer Schwester Mary.
„Ganz bestimmt“, antwortete diese, doch der sorgenvolle Ausdruck in ihren Augen war wenig überzeugend.
Mary war Königin Annes Schwester und einst die Mätresse des Königs. Der König wandte sich jedoch von ihr ab und widmete seine Aufmerksamkeit Anne, die er jahrelang umwarb. Erst nach der Auflösung seiner ersten Ehe mit Königin Katharina gab Anne seinem Werben endgültig nach. Anne war eine intelligente junge Frau, als der König sie kennenlernte. Sie war leicht aufbrausend und nicht gewillt, die untergebene Ehefrau zu spielen.
Der König liebte die Jagd. Anne war jahrelang sein Jagdobjekt und als er die Trophäe endlich besaß, verlor er langsam sein Interesse daran.
Man munkelte, dass die Ehe zwischen König und Königin nicht mehr zum Besten stand. Er war sehr enttäuscht, dass Anne ihm bisher nur eine Tochter geboren hatte.
Er liebte dieses Kind zweifelsohne, aber er wollte einen Sohn. Es war für ihn ein steiniger Weg, die Annullierung seiner Ehe mit Katharina von Aragon zu erwirken. Es war ganz und gar unmöglich, dass Katharina nochmals ein Kind zur Welt bringen würde. Ihr fortgeschrittenes Alter und ihre vielen Fehlgeburten gaben wenig Anlass zur Hoffnung, dass sie England einen Thronerben gebären könne.
Der König wollte seine Dynastie sichern. So war es nicht verwunderlich, dass er sich einer jungen, hübschen und vor allem fruchtbaren Frau zuwandte. Er hatte große Erwartungen an Anne. Nach der Geburt der Tochter setzte Anne alles daran, erneut schwanger zu werden, und sie hatte Erfolg.
Das hellte die Stimmung des Königs wieder auf.
„Ich hoffe, dass sich nun zwischen uns wieder alles zum Guten wendet. Der König überwirft mich im Moment mit Geschenken und ist sehr zärtlich. Leider lässt es die Schwangerschaft nicht zu, seine Zärtlichkeit körperlich zu erwidern. Das macht mir Sorge, ich weiß doch, wie sehr der König meine körperliche Hingabe braucht“, fuhr Anne fort.
„Du darfst auf keinen Fall riskieren, das Kind zu verlieren“, warnte Mary.
„Aber ich kann es nicht leiden, wenn er sich einer anderen Frau zuwendet“, zischte Anne.
„Beruhige dich, diese Frauen bedeuten ihm gar nichts. Der König lässt sie fallen, nachdem er sich mit ihnen vergnügt hat. Du bist seine einzig wahre Liebe.“
Mary stand ihrer Schwester liebevoll und treu zur Seite. Es war bewundernswert, wie sie damit umging, dass sie selbst vom König zurückgestellt wurde, obwohl sie nie etwas falsch gemacht hatte. Sie war einfach zu leicht zu haben und wurde dem König schnell langweilig.
„Bezahle die Diener, dass sie den König im Auge behalten“, forderte Anne ihre Schwester auf. „Ich möchte wissen, mit wem er sein Nachtlager teilt.“
Mary nickte: „Ich werde unseren Bruder George damit beauftragen. Er wird uns berichten, was vor sich geht. Mach dir keine Sorgen. Sobald du einen Sohn geboren hast, wird niemand mehr deine Position in Frage stellen. Das wird deine Feinde mundtot machen und der König wird dich ehren, weil du ihm seinen größten Wunsch erfüllt hast. Vielleicht bekommst du zukünftig noch viele Söhne. Dann kann dir niemand mehr schaden.“
Anne vertraute auf ihre Jugend und Fruchtbarkeit. Bestimmt würde ihr nicht das gleiche Schicksal widerfahren wie ihrer Vorgängerin. Obwohl es unmöglich schien, dass Heinrich noch einmal zu Katharina zurückkehren würde, stellte sie dennoch eine undurchschaubare Bedrohung dar. Katharina war die Tante von Kaiser Karl und sie pflegte intensive Kontakte zu ihm. Er verurteilte die Scheidung, genauso wie der Papst und das ganze katholische Europa. Anne schaffte ein ungeahntes Ausmaß an Konflikten, sowohl innerhalb als auch außerhalb des Landes. Sie hatte unzählige Feinde, und es gab genug Leute, die darauf hofften, dass sie in Ungnade fiel.
„Ich wünschte, Katharina wäre tot“, flüsterte Anne, die es immer schlechter schaffte, ihre Angst zu verbergen.
„Katharina wurde nach Schloss Kimbolton gebracht. Sie ist weit entfernt von uns. Der König hat keinen Kontakt mehr zu ihr“, beruhigte Mary.
„Aber Katharina hat viele Verbündete im Ausland!“, wandte Anne ein.
„Katharina weiß, dass es ihrer Tochter Mary schaden könnte, wenn sie einen Schritt gegen dich unternimmt. Sie liebt ihre Tochter über alles. Glaube mir, sie wird vermeiden, sie in Gefahr zu bringen.“
Anne lachte verächtlich. „Mary ist ein Trampel. Ich hasse diese Göre. Sie missachtet mich!“
„Du kannst von Mary nicht erwarten, dass sie dich mag. Ihre Mutter wurde verstoßen und sie selbst von ihr getrennt. Durch deine Ehe mit dem König hat sie alle ihre Privilegien verloren. Wie soll sie dich da mögen?“, fragte Annes Schwester.
„Ich liege ganze Nächte wach, weil ich meine Feinde fürchte. Oft wache ich mit dem Gefühl auf, dass etwas ganz Schreckliches passieren wird.“
„Du darfst dir keine so düsteren Gedanken machen“, forderte Mary. „Das schadet dem Kind.“

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Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Sabine Buxbaum auf ihrer Website.



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