4. Oktober 2019

'Der Stalker von List' von Ulrike Busch

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Band 7 der Reihe 'Ein Fall für die Kripo Wattenmeer'

Leblos liegt Hotelmanager Lennard Feddersen am Strand des Lister Ellenbogens, hoch im Norden von Sylt. Eine Verletzung am Hinterkopf der Leiche deutet auf ein Gewaltverbrechen hin.

Der Tote, Adoptivsohn eines angesehenen Sylter Ehepaares, war der Polizei kein Unbekannter. Vor Jahren hatte er die Autorin Marete de Buhr gestalkt, bis sie und ihr damaliger Partner ein Näherungsverbot erwirkten. Notgedrungen verließ Lennard daraufhin die Insel.

Warum ist er nach all der Zeit zurückgekehrt? Ist die alte Besessenheit in ihm wiederaufgelebt? Kuno Knudsen und Arne Zander von der Kripo Wattenmeer vermuten, dass es zum Showdown zwischen dem hartnäckigen Verfolger und der Schriftstellerin kam. Doch auch der Ex-Partner von Marete de Buhr hat ein Motiv. Und welche Rolle spielt Lennards leibliche Mutter, die plötzlich wieder in das Leben ihres Sohnes trat?

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Leseprobe:
Friedrich Fliegenfischer reichte Jette ein Weinglas. Dabei berührten ihre Finger sich wie unbeabsichtigt. Doch er wusste, dass das kein Zufall war.
Geschmeidig rutschte er auf die Sitzbank gegenüber von Jette und stieß mit ihr an. »Sie sind noch nicht lange auf Sylt?«
»Nein.« Jette nippte an ihrem Wein und guckte Friedrich dabei aufreizend lange über den Rand ihres Glases hinweg an.
Einige Sekunden lang hielt er ihrem Blick stand, dann gab er nach und wich aus.
Sie stellte den Kelch ab. »Ich komme von Föhr und bin erst seit ein paar Tagen auf Sylt.«
»Wenn Sie nicht von hier sind«, tastete er sich vor, »dann kennen Sie Lennard Feddersen wohl nicht? Ich müsste nämlich dringend in dem Fall recherchieren.«
»Sie sind aber doch nicht von der Polizei?«, fragte Jette verwundert. »Oder sind Sie etwa Polizeireporter?«
»Auch«, antwortete Fliegenfischer ausweichend und wiegte sich geschmeichelt in den Schultern. »Ich habe engste Kontakte zur Kripo Wattenmeer.«
»Dann können die Ihnen doch sagen ...«
Friedrich hob die Hände. »Theoretisch ja. Aber wir ermitteln auf verschiedenen Ebenen. Kommissar Knudsen und sein Kollege Zander auf der einen, ich auf der anderen.«
»Aha.« Jettes Blicke aus großen Rehkitzaugen fixierten ihn, und er musste achtgeben, dass er nicht dahinschmolz. »Ein bisschen kenne ich den Feddersen wohl.«
Friedrichs Sensationsreporterherz machte einen Hüpfer. »Woher kennen Sie ihn, wenn ich fragen darf?«
»Das Hotel, in dem er bis vor Kurzem gearbeitet hat, lag schräg gegenüber dem Haus, in dem ich zuletzt tätig war. Wir hatten nicht direkt miteinander zu tun, sind uns aber öfter begegnet, und eine Freundin von mir ist Kellnerin im Restaurant des Hotels, das er geleitet hat.«
»Nein!« Hektisch vor Freude badete Friedrich in seinem Veltliner und gratulierte sich zu diesem Volltreffer. »Was für ein Mensch war er denn so, dieser Herr Feddersen?«
Jette stützte einen Ellenbogen auf, ihre Finger spielten mit einer Haarsträhne. »Ich sagte ja, ich selbst hatte nichts mit ihm zu tun. Wir kannten uns nur vom Sehen.«
»Aber Sie wissen doch bestimmt, was für einen Ruf er hatte. War er beliebt? Hatte er Feinde? Was hat Ihre Freundin über ihn erzählt?«
»Beliebt?« Jette dachte über die Antwort nach. »Es hieß, dass er bei den Gästen gut ankam. Er war auch kein schlechter Vorgesetzter, wie ich von meiner Freundin weiß. Und Feinde?« Ihre Blicke schweiften über das Hafenviertel. »Es hat kürzlich einen Zwischenfall gegeben«, sagte sie beiläufig. »Das war, als ich selbst noch auf Föhr gearbeitet habe. Ich hab aber nichts davon mitbekommen.«
»Was für ein Zwischenfall war das?«
Jette zuckte mit den Schultern. »Das muss eine alte Geschichte gewesen sein, die plötzlich wieder hochkam. Meine Freundin hatte an dem Abend Dienst. Sie hat die Szene live erlebt.«
»Was ist denn vorgefallen?« Friedrich lehnte sich über den schmalen Tisch. Seine Hand schob sich – ob unbeabsichtigt oder nicht – auf die seines Gegenübers zu.
Ein mädchenhaftes Lächeln umspielte Jettes Lippen. Ganz zart strich sie mit dem kleinen Finger über seinen Daumen, und ein Schauer lief über seinen Rücken. »Kennen Sie Marete de Buhr?«
An den Namen erinnerte er sich. Einen ihrer Liebesromane hatte er verschlungen, auch wenn er das niemals offen zugeben würde. »Sie meinen die Autorin.«
Das Rehkitz hob den Weinkelch und forderte ihn mit einer Geste auf, mit ihr anzustoßen.
Sachte ließ er sein Glas gegen ihres klingen.
»Ich heiße übrigens Jette.«
»Meine Freunde nennen mich Effeff.« Er strahlte.
Jette nippte am Glas, hielt es gegen das Sonnenlicht und drehte es am Stiel hin und her.
Der Inselreporter nahm einen Schluck und donnerte den Kelch eine Spur zu temperamentvoll auf den Tisch. Sein Testosteron ging mit ihm durch. »Was hat Marete de Buhr denn nun mit Lennard Feddersen zu tun?«
»Er hat sie gestalkt«, hauchte Jette. »Auf Sylt. So lange, bis er von der Insel verwiesen wurde. Aus Verzweiflung ist er ins Ausland gegangen. Vor einem Jahr hat er dann die Stelle auf Föhr angenommen, und auf einmal, es war Mitte Juni, stand Marete de Buhr vor ihm. Mitten in dem Restaurant des Hotels, in dem er Direktor war.«
»Die zwei sind sich da begegnet?«
Jette nickte. »Völlig unvorhergesehen. Meine Freundin sagt, es war wie Blitz und Donner.«
Friedrich schüttelte unwillig den Kopf. »Das verstehe ich nicht. Warum ist Marete de Buhr nach Föhr gefahren? Hat sie nicht gewusst, dass der Mann, der sie gestalkt hat, sich da aufhielt?«
»Offenbar nicht. Sie hat ihren Freund nach Föhr begleitet, mit dem sie seit ein paar Monaten zusammen ist. Der hat mit seiner alten Schulklasse in dem Hotel gefeiert. Er stammt von Föhr, hat in Hamburg studiert und ist anschließend nach Sylt gezogen.«
»Hat niemand die zwei vorgewarnt«, insistierte Friedrich, »dass Lennard Feddersen in dem Hotel arbeitet?«
Jette schüttelte den Kopf.
Unter der Schädeldecke des Inselreporters ratterte es. Er ließ die Szene, von der Jette berichtet hatte, wie einen Film vor sich ablaufen. So viel Menschenkenntnis hatte er, dass er sich vorstellen konnte, was in dem Stalking-Opfer vor sich gegangen sein musste, als es auf einmal wieder vor seinem früheren Verfolger stand. »Und kurz darauf sind die beiden sich hier auf Sylt begegnet?«, fragte er ins Blaue hinein.
Jette verstand anscheinend, worauf er hinauswollte. »Marete de Buhr wohnt seit eh und je auf Sylt, und Lennard Feddersen ist gerade vor ein paar Tagen hierhin zurückgekehrt. Er wird schon gewusst haben, warum.«
Fahrig suchte Friedrich nach den Zigaretten. »Haben Sie einen Verdacht, wer ihn auf dem Gewissen hat?«
»Du«, sagte sie.
Unwillkürlich zuckte der Inselreporter mit dem Kopf. »Wieso ich?«
Sein Gegenüber schüttelte sich vor Lachen. »Ich habe nicht dich im Verdacht. Aber wir duzen uns seit ein paar Minuten, und du hast mich gerade gesiezt.«
»Ach so.« Erleichtert legte Friedrich die Hand auf den Magen, der sich vor Schreck zusammengekrampft hatte. »Also – hast du einen Verdacht?«
Angestrengt stierte Jette in das Weinglas mit dem goldgelben Getränk. »Wen würdest du in so einem Fall vermuten?«
»Marete de Buhr?«, schoss es aus Friedrich heraus.
Seine Informantin hob den Kopf, kniff die Augen zusammen und zeigte mit dem Finger auf ihn. »Ich tippe auf ihren Partner. Wer von uns beiden gewinnt?«

Im Kindle-Shop: Der Stalker von List (Ein Fall für die Kripo Wattenmeer 7).
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