6. November 2019

'Das Penthouse bekomme ICH (Happy Days 3)' von Sylvia Filz und Sigrid Konopatzky

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
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HAPPY DAYS
Melly erhält Besuch von Fenja und Valentin. Sie spielt für einige Tage Reiseführerin und zeigt ihnen ihr geliebtes Kyoto.

Kurz danach packt sie ihre Koffer, um endgültig nach Deutschland zurückzukehren. Sie trifft ihre große Liebe Taro vor der Abreise noch einmal, aber der winzige Keim ihrer Hoffnung wird von ihm gefühllos zertreten, sodass sie froh ist, als der Flieger Richtung Heimat abhebt.

Neben den Vorbereitungen für die Restaurant-Eröffnung beginnt sie mit der Wohnungssuche und verliebt sich in ein traumhaftes Penthouse mit Dachgarten und Blick über die Dächer auf das Meer. Allerdings hat sie prominente Konkurrenz – und das ist ausgerechnet der verwöhnte Sohn des einflussreichen örtlichen Zeitungsverlegers.

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Leseprobe:
»Weißt du eigentlich, wie lange ich nicht mehr auf einem Fahrrad gesessen habe? Ich glaube, beim letzten Mal«, überlegte Fenja, »war ich fünfzehn«.
»Dann kannst du jetzt deine Erinnerungen auffrischen, Cousinchen.« Tatkräftig schob Melly ihr Mietfahrrad auf die Straße.
Valentin folgte ihr und drehte sich zu seiner Frau um. »Vom bloßen Angucken hat sich noch kein Fahrrad in Bewegung gesetzt, Schatz.«
Fenja beeilte sich, den beiden hinterherzukommen. Die ersten Meter waren ein wenig wackelig, aber dann wurde es schnell besser.
»Nach dem spektakulären Bambuswald fahren wir zum Tenryuji Tempel. Da kommen wir nämlich vorbei. Ihr werdet von dem zauberhaften Garten begeistert sein«, rief Melly ihren Gästen zu, als sie kräftig in die Pedale trat.

Sie war stolz, endlich Besuch aus der Heimat zu haben und ihr geliebtes Land der Kirschblüte vorstellen zu können.
Japan hatte auf sie seit jeher einen unwiderstehlichen Reiz ausgeübt. Die Zeit der Shogune, die Welt der Samurai, die Tradition der Teezeremonie, die Geishas – all das faszinierte sie schon früh und ließ sie nicht mehr los. Als sie im Teenageralter das erste Mal in einem japanischen Restaurant aß, hatte sie weiteres Feuer gefangen. Diese Art des Vorbereitens und Kochens, ob nun Sushi oder Teppan Yaki, die Zubereitung von Speisen auf der heißen Platte, wollte sie unbedingt erlernen. Und ihrem Traum war sie zielstrebig gefolgt.
Melly hatte ihr Herz an ihr Gastland verloren, in doppelter Hinsicht. Zuerst liebte sie Japan, dann Taro Yamada. Allerdings kehrte sie in wenigen Wochen für immer in ihre alte Heimat Deutschland zurück – wegen Taro Yamada. Das Aus ihrer Beziehung konnte sie kaum verkraften, allein schon deshalb, weil sie sich täglich in der Restaurantküche begegneten.
Wie es bei den Japanern der Fall war, herrschte Höflichkeit. Es gab also keine Aversionen. Aber genau das machte es umso schwieriger. Beobachtete sie Taro, wie er sich bewegte, wie er sprach, die Art, wenn er schmunzelte oder etwas kritisch aus seinen schönen schmalen schwarzen Augen betrachtete, dann brannte ihr das Herz.
Ein paarmal glaubte sie zu spüren, dass er sich ihr gern genähert hätte. Doch so schnell, wie sie das empfunden hatte, war der Moment auch schon wieder vorbei.

Tatsächlich erreichten sie nach wenigen Minuten den Bambuswald. Fenja und Valentin sahen staunend an den stabilen, unten nackten Bambusstämmen hinauf.
»Ich habe gar nicht gewusst, wie hoch und dick diese Stämme werden können«, meinte Fenja fast andächtig.
Sie hörten das Rauschen der Bambusblätter im Wind und das Knarren der Stämme in ihrer Nähe.
»Es ist ein magischer Ort.« Das sagte Melly aus voller Überzeugung.
Die ersten Sonnenstrahlen drangen hindurch und tauchten den Bambuswald in ein nahezu mystisches Licht.
»Du hattest recht«, Valentin nickte, »in der Ruhe am frühen Morgen ist es etwas Besonderes.«
»Bei Sonnenuntergang erscheint es mir fast noch schöner. Nur tagsüber nicht, da sind hier zu viele Touristen, genauso wie am Tenryuji-Tempel. Diese Schönheiten muss man früh morgens oder spät abends genießen.«
»Obwohl ich ehrlich zugebe, dass ich heute Morgen lieber ausgiebig und faul Kaffee getrunken hätte.« Fenja rieb sich über die Augen.

Für einige Augenblicke war sie gedanklich weit weg. Urlaub hieß für sie, länger schlafen. Zu Hause beugte sie sich ihrem Pflichtprogramm von zeitigem Aufstehen, oft auch am Wochenende, das brachte das Hotelgeschäft eben mit sich.
Nichtsdestotrotz erlebte sie diese Tage in Japan als etwas Wunderbares. Sie lernte eine völlig andere Kultur kennen und genoss nun wahrscheinlich einen kleinen Vorsprung ihrer Schwiegermutter gegenüber, wenn Melly zurückkam und ihren japanischen Restaurantzweig im Hotel eröffnete. Jedenfalls könnte man hervorragend damit werben, was das Geschäft belebte, indem sich vermehrt japanische Touristen auch für ihr Hotel interessierten. Darüber hatten Valentin und sie schon mit Melly gesprochen, die ihnen diesbezüglich Hilfe zugesichert hatte.
Und Melly berichtete noch Erstaunliches. »Yasmin hat einen großen Garten. Ich habe sie ein bisschen angepickt zum Thema Kräuter. Vermutlich wird sie uns welche ziehen, sodass wir mit Bioware aus eigenem Anbau angeben können.«
»Meinst du, sie fühlt sich nach dem Schicksalsschlag dafür stark genug?« Fenja hatte bei diesem Satz einen Kloß im Hals. Der Gedanke, dass ihre Freundin Yasmin beinahe ihr Leben durch den Schuss eines Junkies eingebüßt hätte, trieb ihr die Tränen in die Augen.
»Ich weiß es nicht«, antwortete Melly ehrlich. »Lass uns doch morgen einfach versuchen, mit ihr zu skypen. Vielleicht tut ihr das gut und wir sind dann auf dem neuesten Stand.«
Ein Grund mehr, sich auf den kommenden Tag zu freuen. Neben dem Telefonat mit Yasmin war nämlich noch ein Besuch in einem typisch japanischen Restaurant mit einem einheimischen Frühstück geplant. Das hatte sich Fenja gewünscht.
»Ich bin mir nicht sicher, ob dies das Richtige für dich ist«, hatte Melly gewagt zu sagen.
»Doch, doch! Ich will das so. Ich probiere alles.«
»Sag das besser nicht.«
Fenja bestand darauf. »Ich möchte das unverfälscht kennenlernen!«
Außerdem war sie froh, ein wenig der Enge von Mellys Wohnung zu entfliehen.
»So sind eben japanische Verhältnisse«, hatte ihre Cousine entschuldigend kommentiert. Es gab einen Wohnraum mit Küche und ein bescheidenes Schlafzimmer. Das Bad war winzig.
Fenja hatte nach der Einladung ihrer Cousine darüber gar nicht nachgedacht, sonst hätte sie ein Hotel gebucht. Es waren nicht viele Übernachtungen, aber komfortabel war jetzt nun wirklich übertrieben. Dabei hatte Melly ihnen ihr Bett überlassen, sie selbst schlief auf einer Matte auf dem Boden im Wohnraum.
So saßen sie mehr oder weniger wie die Ölsardinen aneinander. Eine vertrauliche Unterhaltung von Frau zu Frau war so leider unmöglich. Das empfand Fenja als sehr schade.

»Fenja, wollen wir weiter?« Valentin stupste seine Frau an.
»Natürlich.« In Anbetracht der Schönheit der Natur schoben sie nun das Rad durch die Wege des Bambuswaldes und genossen ein wenig die Ruhe, die durch die vielen neu eintreffenden Besucher aber zunehmend gestört wurde.
»Wir erwischen gerade noch den Zeitpunkt, wo wir auch den Tenryuji-Tempel und seinen Garten besichtigen können. Ab jetzt treten wir in die Pedalen, Freunde.«
Kurz danach erreichten sie die buddhistische Tempelanlage.
»Dies ist ein Zen-Tempel, der mittlerweile UNESCO-Weltkulturerbe ist«, informierte Melly ihre Besucher.
»Was du alles weißt, du könntest Reiseführerin sein«, bewunderte Fenja sie.
»Ich lebe eben schon länger hier und ich liebe Kyoto. Und ich habe jedes Eckchen erkundet. Allerdings hatte ich auch einen Einheimischen dabei, der mir natürlich alles gezeigt hat, was selbst Reiseführern entgeht.«
»Das ist immer das Allerbeste!«, stimmte Valentin zu.
Ihm war der traurige Zug um Mellys Mund entgangen, Fenja hingegen nicht. Oje, sie hatte also ihren Schmerz um ihre gescheiterte Beziehung noch nicht überwunden. Hoffentlich blieb ihr irgendwann ein Moment Zeit – ohne Valentin – um darauf einzugehen.
Der weitläufige Garten, der in voller Blüte stand, verströmte, zumindest zu dieser frühen Uhrzeit, nicht nur einen bezaubernden Duft, sondern zudem eine wunderbare Ruhe. Ahorn- und Kirschbäume, rote Kiefern und der schön angelegte Teich ließen Valentin schwärmen. Er ging ein paar Schritte vor, genoss die Stimmung ganz auf seine Art.
Das gab Fenja endlich Gelegenheit, einige vertrauliche Sätze mit ihrer Cousine zu sprechen.
»Bald lebst du nicht mehr hier«, begann Fenja vorsichtig, »tut es dir ein bisschen leid oder bist du froh?«
Melly schluckte. »Es ist gut, dass ich wieder nach Deutschland komme. Dieser Lebensabschnitt ist für mich vorbei. Aber ich nehme jede Menge mit, was ich nicht missen möchte. Sicherlich werde ich weiterhin nach Japan reisen, als Tourist. Nicht unbedingt nach Kyoto, denn es gibt noch so viele andere Städte und Orte dieses schönen Landes zu entdecken.«
»Du hattest vor unserer Hochzeit so eine Andeutung gemacht ... wegen deinem Freund.«
»Ex-Freund. Ja, er war meine große Liebe. Ich ertrage es nicht, ihn zu sehen.« Tränen traten in Mellys Augen. »Und ich liebe ihn blöderweise immer noch.«
Fenja nahm ihre Cousine tröstend um die Schulter. »Gibt es denn für euch gar keine Chance?«

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