24. Juli 2020

'Träume sind wie Wellen: Nordseeglück 2' von Frida Luise Sommerkorn

Kindle | Tolino
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Kaum haben sich Sibille, ihre Tochter Tuuli und ihr Stiefvater Peter, der sich neuerdings Piet nennt, auf Langeoog eingelebt, tauchen die ersten Probleme auf. Sibille braucht einen Job, Tuulis Lust auf die neue Schule hält sich in Grenzen und Piets Verwandlung in einen verantwortungsbewussten Mann ist kaum auszuhalten.

Und dann ist da noch Rune, Tuulis Vater und der Mensch, den Sibille niemals wieder in ihrem Leben hatte sehen wollen, doch der wie selbstverständlich die Beziehung von damals aufleben lässt. Und natürlich Morten, den Sibille nicht so einfach vergessen kann.

Das alles tritt jedoch in den Hintergrund, als Tuulis erste große Liebe zu scheitern droht und sie plötzlich verschwunden scheint. Können Sibille und Rune ihrer Tochter helfen, obwohl sie Teil des Unglücks sind? Und warum verhält sich Piet plötzlich so eigenartig und treibt damit alle in den Wahnsinn?

Band 2 der Reihe "Nordseeglück".

Anleser:
Glücklich ließ sich Sibille auf der Bank vor ihrem Haus nieder. Zwei große Hagebuttensträucher schenkten ihr gnädigen Schatten. Gierig trank sie in großen Schlucken das Glas Wasser leer, das sie sich schon vor einiger Zeit eingegossen hatte, aber sie war nicht zum Trinken gekommen. Seit ein paar Tagen versuchte sie sich daran, den Vorgarten vor ihrem Haus, das sie geerbt hatte, in Ordnung zu bringen.
Sibille legte den Kopf in den Nacken und schaute den ziehenden Wolken zu. Obwohl sie nun schon einige Wochen hier auf Langeoog wohnten, konnte sie noch immer nicht glauben, dass dies nun wieder ihr Zuhause war. Manchmal fühlte sie sich wie damals, als sie noch unbeschwerte Zeiten hier verbracht hatte. Leider wurde ihr bei solchen Gedanken immer wieder schnell bewusst, dass es nie mehr wie damals werden konnte, denn Oma Greta war nicht mehr da.
Ein Schatten huschte vorbei. Sie blickte auf und schaute direkt in Mortens blaue Augen. Da stand er, gerade vom Fahrrad gesprungen, und schaute sie mit leicht schief gelegtem Kopf an.
„Ist alles in Ordnung?“, fragte Morten mit seiner sonoren Stimme.
Sibille nickte lächelnd, blieb aber sitzen. Zu gerne wäre sie zu ihm getreten und hätte sich mit ihm unterhalten oder ihn auf ein Bier in den Garten eingeladen, aber sie wusste, dass er ablehnen würde. Seit damals hatte er sich zurückgezogen. Und sie konnte es ihm nicht verübeln.
„Ich habe nur eine Pause gemacht“, sagte sie. „Aber danke, dass du nachfragst.“
Für einen kurzen Moment trafen sich ihre Blicke, dann nickte Morten und schob das Fahrrad ein Gartentor weiter. Dort wohnte er mit Herbert, seinem Großvater.
Sibille seufzte. Noch vor ein paar Wochen hatte sie ihr Herz ganz langsam öffnen können. Für Morten. Sie hatten zusammen in seiner Tischlerwerkstatt gearbeitet, waren sich zaghaft näher gekommen und seine Küsse fühlte sie noch immer auf ihren Lippen. Aber dann hatte ihr das Schicksal einen anderen Weg gewiesen. Jedenfalls kam es ihr so vor. Oder warum hatte es ausgerechnet, als es ihr richtig gut ging und sie den Entschluss gefasst hatte, mit ihrer Tochter Tuuli und ihrem Stiefvater Peter auf der Insel zu bleiben, Tuulis Vater wieder in ihr Leben treten lassen? Schließlich hatte sie es sechzehn Jahre lang geschafft, ihn aus ihren Gedanken und Gefühlen zu verbannen. Aber nun war er wieder da. Und nicht nur das. Er hatte ihr verziehen, dass sie ihm nie von ihrer gemeinsamen Tochter erzählt hatte. Er hatte Tuuli sofort kennenlernen wollen und sie in sein Herz geschlossen. Und als ob das noch nicht genug wäre, wünschte sich Rune nichts sehnlicher als eine zweite Chance mit ihr. Zu dritt, als Familie. Und ja, er war damals ihre große Liebe gewesen. Sie hatten beide Fehler gemacht, die sie nicht ungeschehen machen konnten, die sie aber vergessen würden, sobald sie wieder vereint wären. So Runes Worte.
Wenn nur diese Zerrissenheit nicht wäre! Sibille war froh, dass Rune schon nach ein paar Tagen nach ihrem Wiedersehen wieder auf See musste. Er hatte sich damals für die Hochseefischerei entschieden und den Beruf liebte er auch heute noch. Nur war er dann einfach abgehauen, gerade als sie ihm von der Schwangerschaft hatte erzählen wollen, und heute hoffte er auf eine Zukunft mit ihr, auch wenn er oft monatelang unterwegs sein würde. War es nicht das, was sie sich seit ihrer Trennung gewünscht hatte? Insgeheim und nicht einmal, ohne es sich selbst einzugestehen. Die Frage, warum es sich dann jetzt nicht einfach nur wundervoll anfühlte, brauchte sie sich nicht zu stellen. Der Mann, der ganz zaghaft an ihr Herz geklopft hatte, war gerade im Nachbargarten verschwunden. Und natürlich waren die Gefühle für Morten noch immer da.

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