12. Januar 2021

'Versprochenes Land' von Catelyn Fischer

Kindle | Tolino | Taschenbuch
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Die junge Elfendruidin Lilith wird zusammen mit den Jägern Fjangal, Ijago und Tahira vom Rat der Ältesten ausgesandt, um für ihre Dorfgemeinschaft eine neue Heimat zu suchen, die dem Druiden Karjan in einer Vision offenbart wurde. Sie begeben sich auf eine gefahrvolle Reise nach Norden.

Die unerfahrene Lilith, die sich vom Glauben an die großen Geister leiten lässt, gerät in einen unheilvollen Konflikt mit Ijago und Tahira, der ihre kleine Gruppe zu zerreißen droht. Ihre Mission steht auf Messers Schneide.

Im verborgenen Hain wächst die junge Wölfin Feyvir heran, deren Vater Kryndall als König der mythischen Winterwölfe des hohen Nordens Frieden unter allen Wolfrudeln geschaffen hat. Sein Herrschaftsgebiet wird jedoch zunehmend bedroht durch vordringende Elfen. Als Kryndalls Gefährtin und Feyvirs drei Brüder umgebracht werden, sinnt er auf Vergeltung. Er sucht Rat beim Orakel des Nebelmeeres, Zhur’Ghun Ashai. Kann Kryndall für sein Volk eine friedliche Zukunft schaffen?

Anleser:
„Solltest du dich nicht auch für unser großes Abenteuer bereit machen, anstatt wieder in deinen Gedanken zu versinken?“, fragte Tahira neckisch, während sie ihre wenige Habe in einen ledernen Rucksack stopfte. Sie beide besaßen nicht viel und ihre Hütte war weitestgehend leer, da sie den Großteil des Jahres außerhalb des Dorfes in den Wäldern verbrachten. Was sie auf diese Expedition mitnähmen, unterschied sich somit kaum von ihren langen Streifzügen und er hatte die Zeit nach seinem Aufstehen bereits genutzt, alles Nötige zu packen, daher deutete er auf seinen Rucksack, der neben ihm an der Wand lehnte. „Hab‘ ich schon, also kann ich es mir erlauben, in Gedanken zu versinken.“
„Dann lohnen sie sich hoffentlich“, bemerkte sie und er nickte stumm, während er sie dabei beobachtete, wie sie ihre Habe zusammensuchte. Tahira neigte dazu, sie in ihrem Haus unordentlich zu verstreuen, wann immer sie da waren. Nur ihren Tigerfellmantel hatte sie stets in ihrer Nähe und er war ihr wirklich wie eine zweite Haut, denn einerseits trug sie nie etwas unter ihm, andererseits schmiegte er sich sosehr an ihren Körper, dass Ijago kaum glauben konnte, dass er diesen Mantel gefertigt hatte. „So, nun habe ich alles. Von mir aus können wir jetzt gehen, wenn du willst.“
„Ja“, antwortete er knapp, ergriff ihre ausgestreckte Hand und ließ sich von ihr hochziehen. In ihren Augen loderte ein wildes Feuer und mit jeder Faser ihres Seins schien sie voll Freude der Expedition entgegenzublicken, aber Ijago fürchtete, dass es für sie beide nicht gut ausgehen würde. Irgendetwas sagte ihm, dass Tahira sich zunehmend verändern würde, sollte sie noch weiter nach Norden ziehen, als sie es schon ohnehin taten. Doch er verdrängte er seine Sorgen, ergriff ihre Hand und zog Tahira dicht an sich heran. „Die Ältesten mögen vielleicht sagen, dass die kleine Flusshexe die Wichtigste ist und wir sie, komme was wolle, schützen sollen, aber für mich gibt es nur dich, Tahira.“
Sie legte ihre Hände um seine Hüfte, schmiegte sich an ihn, legte den Kopf auf seine linke Schulter und flüsterte ihm leise ins Ohr. „Ich weiß. Du bist mein und ich bin dein, wo immer unser Weg auch hinführen mag - wir werden zusammen sein. Ich denke, du verstehst es nicht, aber etwas zwingt mich dazu. Ich muss dorthin. Immer, wenn wir zum Jagen in die Wälder im Norden ziehen, dann fühle ich mich so frei und es drängt mich, immer weiter zu laufen und jedes Mal, wenn wir dann umdrehen, um in diese Hütte zurückzukehren, fühle ich mich erneut gefangen. Also bitte vergib mir und mach dir keine Sorgen, denn es wird gut sein.“
Tahira klang unsicher und es war ihm, als beunruhige ihr Drang stets weiter nach Norden zu ziehen sie selbst ebenso wie ihn. Als sie sich ein wenig von ihm löste und er sie anblickte, sah sie so verwundbar aus, dass er sie nur widerwillig freigab. Es gab nur wenige Augenblicke wie diese, aber er kannte Tahira lange genug, um zu wissen, dass auch ihre Stärke Grenzen hatte, selbst wenn sie versuchte, ihre Verletzlichkeit zu verbergen. Umso mehr ärgerte es ihn, dass ausgerechnet sie, die doch schon so viel verloren hatte, auch die Last für das Dorf tragen sollte. Die Entscheidung war jedoch bereits getroffen und nichts, was er hätte tun oder sagen können, würde jetzt noch etwas daran ändern. „Ganz gleich was kommen mag, ich werde bei dir sein. Bis ans bittere Ende.“
„Sehr pathetisch. Da bin ich aber froh, dass du da bist“, erwiderte sie mit einem Lächeln auf den Lippen, tänzelte einige Schritte weg von ihm und schwang sich den Rucksack über die Schulter. „Dann komm, mein hehrer Beschützer, wir wollen doch nicht die Letzten sein, oder?“
„Nein, werden wir auch nicht“, stellte er klar, nahm sich seinerseits sein Gepäck, ging zur Tür hinüber und wandte sich, nachdem er sich hineingestellt hatte, zu Tahira um. „Wollen wir sehen, wer von uns zuerst da ist? Oh, vergiss nicht, die Tür zu schließen!“
Aus dem Augenwinkel noch sah er ihr überraschtes Gesicht, bevor er hinter sich die Tür zufallen hörte und sie ihm hinterhersprintete. Sie liebte die Herausforderung und den Wettstreit, aber er konnte sich kaum mit ihr messen, daher genehmigte er sich einen kleinen Vorsprung. Während er zum nördlichen Waldrand über den festgetretenen Pfad rannte, verabschiedete er sich innerlich vom Dorf. Sein Gefühl sagte ihm, dass er nicht wieder zurückkehren würde ...

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