27. April 2021

'Biss zum Tod' von Janette John

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
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»Nicht das Geld verdirbt den Charakter, sondern die Gier.« Janette John

Wenn DU etwas besitzt, lass andere daran teilhaben,
erst dann macht es DICH glücklich.


Seit Jahren stehen in Konstanz drei Villen leer. Sie befinden sich in bester Lage direkt am See. Hundebesitzer nutzen ihre verwilderten Gärten heimlich zum Gassigehen und Liebespärchen für einen Unterschlupf. In unmittelbarer Nähe steht das Anwesen von Baronin van den Veert, die der Bridgegruppe von Charlotte Kaufmann und Maria Schulz angehört.

Als die Adlige immer wieder seltsame Anrufe erhält, werden die Hobbydetektivinnen hellhörig und beginnen, auf eigene Faust zu ermitteln. Dass ihre Neugier zu Spekulanten führt, ist ihnen nicht bewusst, genauso wenig, dass der Leerstand der Häuser nur einem Zweck dient und ebenso eine blutrünstige Spur nach sich zieht.

Biss zum Tod – Wenn ein Leben nichts zählt.
Der 15. Fall der Kripo Bodensee.

Anleser:
»Ich hoffe, ich mache das Richtige.«
Er sah sie an und blinzelte mit mandelbraunen Augen, die ihr signalisierten, dass sie es wohl tat. Seine gebräunte Hand hatte er längst auf die ihre gelegt, welche mit Altersflecken übersät war. »Das tust du, meine Liebe, das tust du.« Er zwinkerte ihr zuversichtlich zu, nickte und presste die Lippen zu einem wohlgefälligen Lächeln. Sogleich vernahm er das Kratzen ihres Füllfederhalters, den sie zitternd über das Dokument führte.
»Geschafft.« Sie atmete ruhig, während sich sein Blick verfinsterte. »Was ist mit dir? Jetzt hast du, was du wolltest. Endlich wird Konstanz ein neues …« Doch der Satz erstarb und die Tasse, aus der sie soeben einen Schluck Kaffee getrunken hatte, fiel auf den Tisch, genau wie ihr Kopf.
Er sah auf die Uhr. Zwanzig Minuten musste er warten, bevor er ging. Zwanzig Minuten, in denen er sie in ihr Schlafzimmer bringen würde, die Kleidung auszöge, um ihr dann ein Nachthemd überzuziehen. Die Seniorin war nicht schwer, eigentlich ganz leicht, weil sie zeit ihres Lebens auf die Figur geachtet hatte, was ihm jetzt zugutekam.
Er musste ausharren. Heute, das wusste er, käme niemand mehr zu Besuch. Erst am nächsten Morgen würde die Putzfrau erscheinen. Bis dahin war er über alle Berge. Er griff zum Handy, entsperrte es und tippte nur wenige Worte auf das Display, um es dann zurück in die Tasche zu stecken. Von nun an hieß es Geduld haben, Zeit vergehen lassen und sich seinem anderen Opfer widmen, das eine Haustür entfernt von hier wohnte.

Am nächsten Morgen
Nadja hatte den Arzt gerufen. Schon vor einer halben Stunde. Sie kannte seine Nummer, weil Frau Schottmüller ihn auf einen Zettel geschrieben hatte, welcher gut sichtbar an der kleinen Infotafel hing. Die alte Dame hatte immer wieder über Schmerzen geklagt, sodass sie beruhigt war, wenn die Angestellten Kenntnis davon hatten, wie der Arzt zu verständigen war.
Die russischstämmige Putzfrau sah auf die Uhr. Wann kam er nur? Sie empfand die Gegenwart einer Toten, wenngleich sie diese kannte, als unangenehm. Zu gehen, kam ihr nicht in den Sinn, obwohl sie unentwegt daran dachte. Sie betrachtete Frau Schottmüller, die im Bett lag und den Eindruck vermittelte, als würde sie schlafen. Dass es nicht so war, davon hatte sich Nadja längst ein Bild gemacht, indem sie den Puls gefühlt hatte. Sie hatte den Arzt angerufen, der seit geschlagenen vierzig Minuten auf sich warten ließ.
Es war still, lediglich das Ticken der Uhr war zu hören.
Tack, tack, tack.
Normalerweise achtete Nadja nie auf das Geräusch, nur jetzt bekam sie den Eindruck, als würde es sich in ihr Gedächtnis brennen, genau wie die Tote neben ihr. Sie erledigte bloß ihre Arbeit. Doch in Anbetracht einer Leiche wollte ihr die Routine nicht von der Hand gehen. Putzen konnte sie ohnehin nicht. Für einen kurzen Augenblick dachte Nadja an Mord. Immerhin hatte sie viele Krimis gesehen, in denen man reichen Ladys an den Kragen ging. Nur wieso Frau Schottmüller? Sie hatte keine Kinder und mit der Verwandtschaft, so hatte ihr die alte Dame im Vertrauen erzählt, sah es nicht rosig aus. Einen Bruder gäbe es, zu dem sie nie Kontakt gehabt hatte. Und jetzt lag sie tot neben ihr. Schließlich war ihre Arbeitgeberin recht betagt und hatte ihren fünfundachtzigsten Geburtstag unlängst gefeiert. Ein gutes Alter, um dem Tod ins Auge zu blicken. Wo zum Teufel blieb der verdammte Arzt? Nadja hatte noch woanders zu putzen und sollte längst dort eingetroffen sein.
Als es klingelte, zuckte sie zusammen. Sie lief zur Tür und ließ den Herrn mit grau meliertem Haar und Brille eintreten.
»Guten Tag«, gab sie sich Mühe, höflich zu sein, obschon sie ihm gerne etwas anderes gewünscht hätte. »Kommen Sie!« Sie ging voran. Er folgte ihr. »Ich habe Frau Schottmüller heute Morgen so vorgefunden«, versuchte sich Nadja, sofort in gebrochenem Deutsch zu verteidigen.
»Ja ja, schon gut«, tat der Arzt ihre Unsicherheit ab und betrat das Schlafzimmer der Seniorin, deren Erscheinung sein erstes Resümee abforderte. »Sie wirkt sehr entspannt. Augenscheinlich ist hier alles in bester Ordnung. Lassen Sie uns bitte einen Moment alleine«, was dazu führte, dass Nadja das Zimmer verließ und die folgende halbe Stunde wie auf heißen Kohlen in der Küche ausharrte. Dass sie sich eine Zigarette angezündet hatte, bemerkte sie erst, als sie der Arzt darauf hinwies und ebenso sagte: »Ich kann Sie beruhigen, Frau Schottmüller ist dem Herrgott in aller Seelenruhe gegenübergetreten.«<
»Das ist gut. Ich geh dann jetzt, hab noch Termine.«
»Ja, tun Sie das. Ich verständige das Beerdigungsinstitut. Gibt es jemand, der sich um die Beerdigung kümmern kann? Kinder, Freunde? Einen Ehemann gab es nicht, oder?«
»Nein, sie wohnte alleine. Ich lasse Ihnen den Schlüssel da. Ich schaue nachher noch mal rein. Für den Fall, dass Sie mich sprechen wollen, hier ist meine Handynummer.« Nadja schrieb sie auf einen Zettel und verließ das Haus.

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