8. Dezember 2014

"Das Handy in der Hummersuppe: Ein harter Job für die Liebe" von Emma Wagner

Ein Chic-Lit-Roman mit viel Herz und mindestens ebenso viel Humor.

Was tut man, wenn der Freund auch nach sechs gemeinsamen Jahren nicht mit dem heiß ersehnten Heiratsantrag rausrückt? Man ertränkt sein iPhone in Hummercremesuppe – das ist zumindest die Vorgehensweise von Amelie. Aber da ihr Freund auch ihr Chef ist, hat das leider zur Folge, dass sie dringend nicht nur ein neues Heim sondern auch einen neuen Job benötigt. Und der hat es in sich! Die Marotten der Kollegen erscheinen alles andere als liebenswert, die beiden Chefs sind sich nie einig und das Firmenmaskottchen, Dogge Tristan, kotzt auch schon mal wichtigen Kunden vor die Füße.

Doch auch in der Wohnung ihrer besten Freundin, bei der Amelie vorübergehend unterkommt, findet sie keine Ruhe, sondern muss sich nicht nur mit mehr als sonderbaren Nachbarn sondern auch einem Kampf-Kater herumschlagen. Wenigstens arbeitet in der neuen Firma auch Noah, ein echter Lichtblick, denn er ist hilfsbereit, humorvoll und gutaussehend. Nur sein zunehmend merkwürdigeres Verhalten gibt Amelie zu denken. Verbirgt er etwas?

Gleich lesen: Das Handy in der Hummersuppe: Ein harter Job für die Liebe

Leseprobe:
„Der erfolgreiche Karrierist trifft keine voreiligen Entscheidungen. Jede seiner Handlungen ist wohldurchdacht!“
aus: „Der kleine Karriereratgeber“ von Lisa Bauer

Ich drehe mich auf die andere Seite und lausche schlaftrunken. Was ist das für ein Geräusch, das mich geweckt hat? Da – schon wieder! Ein Art Brummen. Bären? Nee, nicht in Heidelberg und – wenn ich so darüber nachdenke – erst recht nicht in meinem Schlafzimmer.
Mühsam öffne ich die Augen, doch kaum habe ich es geschafft, schießt mir wie der Sandstrahl beim Zahnarzt der Schmerz mitten ins Gehirn. Mit einem Aufstöhnen kneife ich die Augen wieder zusammen. Zumindest weiß ich jetzt, dass das Brummen, oder besser gesagt Schnurren, von der auf meinen Füßen liegenden Katze stammt.
Seit wann habe ich denn eine Katze?
Da taucht dunkel ein anderer Gedanke aus meinem Unterbewusstsein auf: Irgendetwas stimmt nicht mit dem Zimmer, das ich gerade eben im Zwielicht kurz gesehen habe.
Erneut öffne ich die Augen, allerdings diesmal sehr langsam, und taste verstört im Halbdunkel um mich. Eine koordinative Aufgabe, die mich in meinem momentanen Zustand etwas überfordert, zumal jemand über Nacht die Möbel umgestellt zu haben scheint, denn mein Nachtschränkchen samt Lampe ist verschwunden. Die Rollläden vor dem Fenster sind bis auf einen Spalt heruntergelassen und im diffusen Licht, das durch die zugezogenen dunklen Übergardinen ins Zimmer dringt, mache ich einen alten, dunklen Kleiderschrank aus. Und ich liege in einem Bett.
Moment mal! Das ist zwar ein Schlafzimmer – aber nicht mein Schlafzimmer!
Plötzlich bewegt sich neben mir jemand, ich schrecke zusammen und rutsche einen halben Meter zur Seite.
Habe ich mich gestern Abend etwa abschleppen lassen? Oh mein Gott! Was wird Tobias dazu sagen?
Vage erinnere ich mich an diverse bunte Getränke, die zum Großteil aus Alkohol bestanden. Das würde zumindest meine Kopfschmerzen erklären.
Ich fasse mit beiden Händen nach dieser dröhnenden Trommel auf meinen Schultern und stelle erstaunt fest, dass ich noch meine Bluse trage. Ein hastiger Blick unter die Bettdecke offenbart, dass das gleiche für meine Jeans gilt.
Gott sei Dank! Also hatte ich zumindest keinen Sex – mit wem auch immer.
Misstrauisch schiele ich nach dem Deckenberg auf der anderen Bettseite, der sich nun zu rühren scheint. Ein Gesicht taucht auf, umrahmt von dunklen Locken.
Lisa! Ich bin bei meiner besten Freundin!
Erleichterung durchströmt mich, dann stutze ich. Warum bin ich bei meiner besten Freundin?
Plötzlich habe ich das Gefühl, gegen eine Wand zu laufen. Nein! Das muss die Erinnerung von jemand anderem sein. So etwas würde ich niemals tun! Ich bin doch nicht verrückt. Oder doch? Das ist es! Es war nur ein Traum oder vielmehr: ein Albtraum!
Lisa neben mir streckt sich und gähnt: „Guten Morgen, Amelie. Na? Wie fühlst du dich als frisch gebackener Single? Ich jedenfalls komme mir vor wie neugeboren.“
Mit einem Aufschrei springe ich aus dem Bett und sehe mich hektisch um.
„Was ist? Was suchst du?“
„Mein Handy. Wo ist mein Handy? Wo ist meine Tasche? Ich brauche mein Handy!“
„Wieso, was ist los?“ Alarmiert richtet sich Lisa im Bett auf.
„Ich muss Tobias anrufen. Mich entschuldigen. Ihm erklären, dass ich nur betrunken war.“
Lisa sieht schlagartig hellwach aus und hebt warnend den Finger: „Oh nein! Das wirst du schön bleiben lassen!“
Ich ignoriere sie und renne panisch im Halbdunkel herum, ohne jedoch meine Tasche zu finden. Schließlich stoße ich mir den Zeh am Stuhlbein, stolpere über einen herumliegenden Schuh und knalle gegen den Kleiderschrank.
Verdammt!
Die Kopfschmerzen kehren mit doppelter Wucht zurück, sodass mein schmerzender Zeh plötzlich sehr nebensächlich wird. Stöhnend rutsche ich am Kleiderschrank entlang zu Boden, umschlinge mit den Armen meine Knie und hoffe sehnlichst, dass sich das Zimmer bald zu drehen aufhört.
„Na? Bist du jetzt zufrieden?“
Ich würdige sie keiner Antwort.
„Was ist denn nur plötzlich in dich gefahren?“
„Nur für den Fall, dass ich unter erinnerungstechnischen Halluzinationen leide: Habe ich gestern einen Zettel geschrieben?“
„Ja“, bestätigt Lisa fröhlich.
„Auf dem so etwas stand wie: Es reicht! Es ist Schluss! Ich verlasse dich!?“
„Ganz genau! Die Wortwahl fand ich klasse!“
„Und habe ich diesen Zettel tatsächlich auf den Couchtisch in Tobiasʼ Wohnung gelegt?“
„Nicht zu vergessen, dass du noch seinen Lieblingsferrari aus seiner Modellauto-Sammlung mit weißer Tünche übergossen und neben den Zettel gelegt hast.“
Nicht gut.
„Und den ganzen Wein aus seinem Weinkeller in die Toilette geschüttet hast.“
Gar nicht gut.
„Und sein neues iPhone in die Schüssel mit der Hummercremesuppe geworfen hast.“
Ich schieße hoch. Scheiß auf mein Handy! Ich brauche meine Autoschlüssel! Wenn ich Glück habe, hat er es vielleicht noch gar nicht bemerkt, und wenn ich schnell bin, kann ich vielleicht das Schlimmste abzuwenden. Für die Sache mit dem Wein und dem kaputten Ferrari wird sich schon eine Erklärung finden!
Doch Lisa scheint meine Absichten zu ahnen, springt nun ebenfalls auf, hechtet zur Tür und stellt sich mit ausgebreiteten Armen in deren Rahmen.
„Wage es bloß nicht!“
„Lass mich sofort durch!“ „Ich denke nicht daran! Du bist nicht bei Sinnen!“
„Und ob ich das bin! Ganz im Gegensatz zu gestern Abend! Warum um alles in der Welt hast du mich nicht aufgehalten? Du bist meine beste Freundin!“ Anklagend zeige ich mit dem Finger auf sie.
„Eben. Genau deshalb!“
„Ich fasse es nicht! Ich habe mit dem Mann Schluss gemacht, mit dem ich seit sechs Jahren zusammen bin und den ich heiraten will. Und du hast mich nicht aufgehalten?“
„Schön, dass du ihn heiraten willst. Du vergisst dabei nur, dass er das offensichtlich nicht will!“
Das sitzt. Ich beiße mir auf die Lippe, entgegne dann aber doch beleidigt: „Er ist einfach noch nicht soweit. Er hätte seine Meinung noch geändert!“
Verächtlich schnaubt Lisa. „Wie der Verlauf des gestrigen Abends deutlich gezeigt hat!“
Langsam trete ich ein paar Schritte zurück und lasse mich mutlos aufs Bett fallen.
Wie hat das alles nur dermaßen aus dem Ruder laufen können …?

Im Kindle-Shop: Das Handy in der Hummersuppe: Ein harter Job für die Liebe

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