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14. April 2021

'Die Träume des Unheils' von Alexander Drews

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Können Träume die Realität verändern?

Der Aufenthalt bei seinem Freund Rick im spanischen Niemandsland sollte für Zach eine entspannte Auszeit werden. Doch eine skurrile Villa und die Begegnung mit einer Psychopathin ziehen ihn bald in einen eigenen Albtraum, in dem sich Realität und Wirklichkeit kaum mehr voneinander unterscheiden lassen. Bald liegt es an ihm, eine weltweite Katastrophe zu verhindern.

Anleser:
»Okay!«
Nur ein Wort, aber genau jenes kostete fast 600 Menschen das Leben. Dabei war es dieses »Okay!«, auf das Flugkapitän Van Zanten so lange gewartet hatte.
Sie hätten schon längst wieder auf dem Rückflug sein sollen. Aber irgendwelche Spinner mit einer Bombendrohung und die übervorsichtige Guardia Civil, die daraufhin den gesamten Airport Gran Canarias gesperrt hatte, waren offensichtlich anderer Meinung. Und nun saßen sie hier auf einem Provinzflughafen Teneriffas fest. Wenigstens hatte Van Zanten die Zeit zum Volltanken nutzen können. Mit dieser Tankfüllung würden sie locker bis Gran Canaria und danach zurück nach Amsterdam kommen, ohne noch einmal Sprit nachschütten zu müssen. Das reduzierte die Verspätung immerhin um eine halbe Stunde.
Van Zanten blickte auf seine Armbanduhr und sah dem Sekundenzeiger bei seinem Lauf zu. Es würde trotzdem knapp werden. Zeit dominierte seinen Beruf. Wenn sie nicht bald abhoben, würden sie zu spät auf Gran Canaria landen. Dann würden er und seine Crew die Zehn-Stunden-Regel brechen müssen, wollten sie heute Abend noch nach Hause kommen – und die KLM verstand da relativ wenig Spaß.
Und weshalb?
Weil heute einer dieser Tage war, an dem alles zum anderen kam.
Erst die Bombendrohung. Zeitverzögerung.
Dann die Sperrung inklusive Umleitung. Riesen Zeitverzögerung. Dann die junge Frau, die unbedingt hier aussteigen wollte, obwohl sie beim Start der Maschine gar nicht hatte wissen können, dass sie heute auf Teneriffa landen würden. Eigentlich keine Zeitverzögerung, da sie ohnehin warten mussten, aber trotzdem nervig.
Dazu die Enge des Flughafens, den sich nun sechs Großflugzeuge teilen mussten, obwohl er dem Anschein nach nur für Sportflugzeuge, bestenfalls noch für die Mini-DCs ausgelegt war, aber nicht für eine Boeing. Der einsetzende Nebel, der den Flughafen langsam aber sicher in eine Waschküche verwandelte. Und um das Maß vollzumachen: Die Piloten der Pan-Am-Maschine, die kurz nach ihm gelandet war. Sie waren ihm und seiner Maschine schon beim Tanken auf die Pelle gerückt, als ob sie sich an ihm vorbeiquetschen wollten. Als wenn man hier mit einer Passagiermaschine überholten könnte wie auf einer dreispurigen Autobahn.

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13. April 2021

'Ein Auftrag kommt selten allein' von Maria Resco

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website | Autorenseite
Nina Thaler platzt fast vor Stolz, als sie mit ihrem Büroservice den Schritt in die Selbstständigkeit wagt. Jetzt fehlen nur noch ein paar lukrative Aufträge. Freundin Britta, reich verheiratet und stets gelangweilt, sagt ihre volle Unterstützung zu, Nina aber sieht das mit gemischten Gefühlen. Einerseits verfügt Britta über jede Menge vielversprechender Kontakte, andererseits mischt sie gerne mit, und meistens leider mehr als nötig.

Als die erste Anfrage ausgerechnet von der neureichen Familie kommt, mit der Britta im Clinch liegt, steckt Nina in der Zwickmühle. Sie kann es sich unmöglich leisten, den Auftrag auszuschlagen, Loyalität hin oder her. Kurzerhand sagt sie zu, Britta muss ja nichts davon erfahren. Doch diese kleine Schwindelei bringt sie mehr und mehr in die Bredouille. Wie hätte sie auch ahnen können, dass Britta ihr einen Auftrag nach dem anderen zuschustert, weil sie glaubt, Nina habe nichts zu tun? Da ist Kreativität gefragt.

Anleser:
»Nina, du sollst zum Chef.«
Überrascht blicke ich von meinem aufgeräumten Schreibtisch auf, als Camilla, meine liebenswerte, aber vollkommen unorganisierte Kollegin mir diese Nachricht übermittelt. Das Herz schlägt mir bis zum Hals, als mir die Tragweite dieser Mitteilung bewusst wird. Der Chef will mich sprechen! Der Chef! Ostermann! Persönlich! Ich schnappe nach Luft, während ich schon vor mir sehe, wie er von seinem schwarzen Ledersessel aufspringt, als ich sein Büro betrete, und mich ehrfürchtig an den Besprechungstisch geleitet. Ich habe es verdient, ich habe mein Bestes gegeben! Ich habe das Chaos, das ich vor zweieinhalb Monaten übernommen habe, komplett umstrukturiert und in ein perfekt durchorganisiertes, idiotensicheres System verwandelt. Jetzt ist es so weit, die Mühe zahlt sich aus. In wenigen Minuten halte ich meinen unbefristeten Arbeitsvertrag inklusive Gehaltserhöhung, dreizehntes Monatsgehalt, Urlaubs- und Weihnachtsgeld in Händen. Diesmal ganz gewiss, ich habe ein megasupergutes Gefühl.
Ich stehe auf, schiebe meinen Rock zurecht, prüfe meinen Bob im Taschenspiegel und ziehe die Lippen nach.
»Wünsch mir Glück«, sage ich zu Camilla, dann werfe ich den Kopf in den Nacken, marschiere siegessicher den langen Flur entlang und klopfe an Ostermanns Bürotür.
»Ja, bitte!«
Ich straffe die Schultern nochmal, öffne die Tür und trete ein. »Sie wollen mich sprechen?«
»Frau Thaler, setzen Sie sich doch.« Er springt nicht auf, weist nur lax auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch und macht sich nicht einmal die Mühe aufzublicken. Mit dem Montblanc-Füller in der Hand blättert er in der Korrespondenzmappe, die Camilla ihm gerade gebracht hat, und setzt hier und da seinen Friedrich-Wilhelm drunter.
Während er mich warten lässt, fast schon ignoriert, gleitet mein Blick suchend über seinen Schreibtisch. Ja, da liegt sie, meine Personalakte fett beschriftet mit Nina Thaler. Es geht tatsächlich um meine Zukunft. Erleichtert atme ich auf. Er blättert in der Korrespondenzmappe weiter, ich drücke die Knie aneinander. Das mache ich immer automatisch, wenn ich unter Anspannung stehe. Und gerade jetzt in diesem Moment ist meine Anspannung unermesslich groß. Am liebsten würde ich ihn unterbrechen und herausposaunen: »Ich bin mit allem einverstanden! Wo soll ich unterschreiben?«, doch alles, was meinem Mund entweicht, ist ein dezentes Räuspern.
Na endlich, er schraubt die Kappe auf den Füller, schließt die Mappe und blickt mich über seine Lesebrille hinweg an.
»Frau Thaler. Ich denke, Sie wissen, warum ich Sie hergebeten habe?«

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9. April 2021

'Die Geschenke meiner dunklen Seele' von Simone Gütte

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Website Simone Gütte
Jede Seele hat ihre Hausaufgaben zu machen.

Sonnenseeles letztes Erdenleben endete tragisch: Sie verlor ihr Selbstvertrauen. Um es zurückzugewinnen, beseelt sie – nun frei von belastenden Erinnerungen – erneut ihren Menschen Clara Susann Wunderlich. Nach der Trennung ihrer Eltern lebt Clara bei ihrer Mutter. Sie unterstützt und tröstet sie, stellt dabei jedoch ihre eigenen Wünsche zurück.

Sonnenseele versucht, Claras Sehnsüchte anzufachen, aber ihre Impulse verpuffen. Das hat Folgen. Ihre dunkle Schwester greift ein. »Selbstvertrauen lernt Clara in Beziehungen«, meint diese. Als der Zwanzigjährigen dann gleich zwei Männer begegnen, spielen nicht nur ihre Gefühle verrückt …

Claras sanfte Rebellion – erzählt aus Sicht ihrer sonnigen Seele.

Für kurze Zeit gibt es die Neuerscheinung zum E-Book-Aktionspreis von nur 0,99 Euro (statt 4,99 Euro).

Anleser:
In der Geborgenheit des Universums
Eins

Larry kippte ein Glas Wein auf ex und torkelte zur Garage. »Claire Sue, wo steckst du? Wir dürfen das Firmenjubiläum nicht verpassen. Das kann ich mir nicht leisten.«
Ärgerlich sah ihm Claire hinterher. »Firmenjubiläum? Das soll wohl ein Witz sein. Dir ist klar, dass die Whiskey schmuggeln, oder? Die strecken das Zeug und liefern es an illegale Kneipen. Dafür wollen sie dich. Wenn du beim Schmuggeln erwischt wirst, wanderst du ins Gefängnis!«
»Misch dich nicht in meine Angelegenheiten ein!«, gab Larry barsch zurück und bereute es sogleich. In etwas milderem Tonfall fuhr er fort: »Versteh mich bitte, wir brauchen das Geld. Ich tue das für uns. Vertrau mir.« Flehentlich blickte er seine Frau an.
Er hatte Angst, das wusste Claire Sue. Sein Boss war ein hohes Tier im Whiskeygeschäft, und Larry wollte seinen Job um jeden Preis behalten. Das Haus, ihr Lebensunterhalt, sie selbst – alles war von seinem Geld abhängig.
Schon immer hatte sie zu ihm aufgeschaut. Sie bewunderte seine Entschlusskraft, seine Unabhängigkeit, seine Energie, die Dinge anzupacken. Larry war ihre große Liebe. Seit seiner Anstellung in Fosters Zementfabrik kamen ihm diese Eigenschaften zunehmend abhanden. Claire hatte dies mit Unbehagen beobachtet, wagte jedoch keinen Widerspruch.
»Ich stehe dir bei Larry, aber sag das ab. Wir schaffen das. Ich bitte meine Eltern um Geld.«
»Harriet und John?«, fragte Larry und blickte an ihr vorbei. »Bei unserer Hochzeit musste ich versprechen, für dich zu sorgen, erinnerst du dich? Und John um etwas bitten? Das kannst du vergessen. Von Anfang an hat er behauptet, ich wäre nicht der Richtige für dich. Ich ließe dir keine Freiheit und so einen Blödsinn. Nein, wir müssen das allein regeln. Ich muss das allein regeln.«
Er wandte sich um und stieg in den alten Ford V8. Claire folgte ihm widerwillig.
So langsam komme ich mir wie ein Anhängsel vor, dachte sie missmutig. Meine Meinung zählt nicht.
Sie sah kurz zurück. Seit sie sich das Haus am Stadtrand geleistet hatten, waren sie hoch verschuldet. Dennoch, es war falsch, ja, es war verboten, Whiskey zu schmuggeln. Foster würde nie ein Risiko eingehen, war sie sich sicher. Larry mit seinem Schuldenberg würde er leicht überreden können.
Die Weltwirtschaftskrise macht die Menschen zu Kriminellen, wusste Claire.
Seufzend nahm sie auf dem Beifahrersitz Platz. Ohne ein weiteres Wort startete Larry den Wagen und fuhr zur Lagerhalle, die Foster eigens für das »Firmenjubiläum« gemietet hatte.
Foster und seine Frau Jude begrüßten das Ehepaar überschwänglich. Obwohl Larry noch nicht zugesagt hatte, war sich Foster seiner Sache sicher. Er klopfte ihm auf die Schulter. »Erfreulich, dass Sie unserer Einladung gefolgt sind. Folgen Sie mir. Claire Sue, Sie können am Tisch meiner Frau Platz nehmen.«
Claire spürte Judes Blicke, die über ihre Frisur und ihr schlichtes Kleid glitten bis hinab zu ihren abgewetzten Sandaletten. Claire wusste, sie war weder modisch noch dem Anlass entsprechend gekleidet. Jude entließ sie mit einem knappen Kopfnicken und begrüßte weitere Gäste.
Kurze Zeit später lehnte Claire an einem Eisenträger der Lagerhalle, hielt ein Rotweinglas in der Hand und beobachtete die Männer. Sie standen abseits der übrigen Gäste. Larry war vom Wein zum Whiskey übergegangen und unterhielt sich hitzig mit seinem Boss.
»Etwas Wein?«, fragte ein Kellner und präsentierte ihr die Flasche.
»Nein, danke. Ich habe noch«, entgegnete sie. Sie bemühte sich, Larry und Foster nicht aus den Augen zu verlieren, denn das Gedränge in der Halle nahm zu.
»Kein schöner Umgang, nicht wahr, Mrs. Claire?«
Erstaunt sah sie den Kellner an. »Woher kennen Sie meinen Namen?«
Der Kellner lächelte nur und hob die Schultern. Dann wandte er sich anderen Gästen zu, schlenderte langsam durch die Halle und sah gelegentlich zu ihr herüber.
Obwohl sie sich geschmeichelt fühlte, erfasste sie ein unterschwelliges Unbehagen. Das »Firmenjubiläum« nahm an Lautstärke zu. Die Gäste grölten umso lauter, je betrunkener sie wurden.
Sie blickte zu Larry und Foster, die an einem Tisch Platz genommen hatten und sich eifrig besprachen. Naiv, als würde sie nichts im Schilde führen, gesellte sie sich dazu.
Die beiden blickten auf, das Gespräch erstarb.
»Geht’s gut?«, plauderte sie und nahm einen kräftigen Schluck Rotwein.
»Madam, wäre es für Sie nicht angenehmer, sich mit den anderen Damen der Gesellschaft zu unterhalten?«, fragte Foster.
Claire schüttelte den Kopf. »Ich kenne hier niemanden.«
»Larry, seien Sie so freundlich, geleiten Sie Ihre Frau zum Tisch meiner Jude. Sie kümmert sich um alles Weitere.«
»Ich mag Jude nicht«, wandte Claire ein, ermutigt vom Rotwein. Sie sah die wütenden Blicke der Männer und drehte ihnen den Rücken zu.
»Halten Sie sie an der Leine, wenn Sie wollen, dass unser Geschäft zustande kommt«, hörte sie Fosters ärgerliche Stimme.
Larry packte Claire am Arm und zog sie hinter sich her. »Du machst alles kaputt«, zischte er. »Ich stehe kurz vor dem Abschluss. Hol dir noch ein Glas, wenn du dich nicht zu Jude setzen magst. Aber verschwinde.« Er ließ ihren Arm los und ging zurück.
»Ich würde alles tun, damit Sie auffliegen, Foster!«, rief Claire.
Alle halbwegs nüchternen Blicke richteten sich auf sie.
»Dann war Ihr Mann die längste Zeit hier angestellt gewesen«, brüllte dieser zurück.
Wütend schlug Larry mit der Faust auf den Tisch.
»Raus!«, schrie er Claire an. »Geh zum Wagen!« Seine Stimme klang rau und alkoholgeschwängert.
Claire starrte ihn wütend an.
»Unglaublich Larry, das lassen Sie sich gefallen? Was sind Sie für eine Memme?« Foster lachte und wollte gar nicht mehr aufhören.
Er verstummte abrupt und machte eine auffordernde Kopfbewegung. Einen kurzen Moment später spürte Claire einen Schlag auf dem Kopf und fiel zu Boden.
Als sie zu sich kam, saß sie auf dem Beifahrersitz des Ford V8. Ihr Kopf schmerzte. Neben ihr bewegte sich jemand. Sie blickte zur Fahrerseite und erkannte den Kellner, der ihr den Rotwein angeboten hatte.
Entschuldigend hob er die Schultern. »Ich hatte Sie gewarnt, Mrs. Claire. Kein guter Umgang hier.«
Claire starrte ihn an und fuhr sich über den Hinterkopf. Sie spürte Feuchtigkeit zwischen den Fingern. Der Schlag hatte eine schmerzende, blutende Platzwunde verursacht. Wer ihr den Schlag verpasst hatte, wusste sie nicht.
»Mein Name ist Howard Wyland, Mrs. Claire«, stellte sich der Kellner vor. »Wenn Sie möchten, fahre ich Sie nach Hause. Larry hat sich für seinen Weg entschieden. Aber Sie können immer noch umkehren.«
Irritiert von seinen Worten und der vertraulichen Ansprache, suchte Claire nach einer Antwort.
In diesem Moment gab es einen Knall und die Frontscheibe des Wagens zersplitterte. Claire duckte sich instinktiv. Howard sank lautlos neben ihr zusammen.
Claire wollte schreien, aber sie brachte keinen Laut heraus. Zitternd und stumm starrte sie ihn an, bis jemand sie aus dem Auto zerrte. Es war Larry, der sie aus trüben Augen anblickte.
»Du machst alles kaputt. Die ganze Welt verlacht mich wegen dir. Dabei habe ich dir immer jeden Wunsch erfüllt!« Eigenartigerweise sprach er glasklar und ohne zu lallen, dann machte er kehrt und wankte davon.
Wie habe ich dich einst geliebt, Larry. Mir gegenüber spielst du den Boss, aber anderen ordnest du dich unter!
Sie betrachtete Howard, der aussah, als schliefe er nur, wäre da nicht das rote Rinnsal, das ihm über die Stirn lief. Sie fing an zu schluchzen.
Wie kann ich umkehren? Ich kenne meinen Weg nicht, machte sich ein Gedanke in ihrem Kopf breit.

Stoßweise nehme ich meinen Atem wahr, als ich die Augen aufschlage. Ich stütze mich hinterrücks an einer dehnbaren Außenhülle ab und komme wackelig auf die Beine. Meine dunklen Haare hängen wirr im Gesicht und nehmen mir die Sicht. Fahrig wische ich sie beiseite.
Das war ein Traum, denke ich dankbar, nur ein Traum.
Weder Larry noch Foster oder Howard sind in meiner Nähe. Es gibt kein Firmenjubiläum und keine zerschossene Windschutzscheibe. Ich lebe nicht mehr im Chicago der 1920er Jahre. Ich lege eine Hand auf meinen Brustkorb, um mich zu beruhigen.
Mein letztes Erdenleben war eine Katastrophe. Als Seele hatte ich die simple Aufgabe, mithilfe meines lichthellen Kleides meine Claire Sue auf ihrem Lebensweg zu leiten. Stattdessen bin ich vorzeitig ergraut: Ich konnte ihr Herz nicht mehr erreichen, mein Kleid war erloschen. Claire Sue verlor ihr Selbstvertrauen, das Vertrauen in ihre Seelenführung. Sie musste sich allein durchschlagen, als sich Gatte Larry aus dem Staub gemacht hatte. Über Howard Wylands Tod kam sie nie hinweg. Ohne Selbstvertrauen durchs Leben zu gehen, ist wie auf einem Bein zu hopsen und zu hoffen, irgendwie im Tritt zu bleiben. Es funktioniert nicht.
Wie schön ist da die Weite des Universums. Gemeinsam mit anderen Seelen kreise ich durchs All. Wir sehen aus wie ein Teppich flirrender Staubteilchen. Aber halt, hier stimmt etwas nicht.
Ich stecke in einer Blase! Und Blasen bilden sich nur, wenn eine Trennung von den anderen Seelen bevorsteht. Außerdem sind Träume kein gutes Vorzeichen. Erinnert sich eine Seele an ihr Vorleben, steht ihr eine Neubeseelung bevor. Ich zucke zusammen, als mir dieser Zusammenhang bewusst wird. Nervös schaue ich mich um. Wie geht es anderen Seelen im All? Vereinzelt schweben bereits ein paar der dehnbaren, durchsichtigen Seelenfahrzeuge umher, aber es gibt keine Hektik, keine Aufbruchsstimmung.
Ich beschließe, es mir in meiner Blase bequem zu machen, denn ich kann, muss aber nicht zur Erde zurückkehren. Das entscheide ich. Bereits in vielen Erdenleben habe ich an den unterschiedlichsten Orten als Mensch Erfahrungen gesammelt. Das reicht vorerst. Ich habe keine Lust auf eine Neubeseelung.
In der Geborgenheit des Universums fühle ich mich wohl. Ich lehne mich in meiner Blase zurück und verfolge den Lauf der Gestirne, die durch das tintenblaue All ziehen, beobachte die mannigfachen Sonneneruptionen, die aufblitzenden Lichter und flirrenden Farben meiner Heimat.
Um mich von meinem Albtraum abzulenken, betrachte ich das Sternbild Orion, das nur wenige Lichtmomente von mir entfernt liegt. Schon von Weitem blinken mir die strahlenden Riesensterne des schönsten Sternbilds im Universum entgegen: Sirius, der hellste Stern am Nachthimmel, Rigel im kühl eisblauen Gewand und Betelgeuse, die linke Schulter des Jägers Orion. Dem Roten Überriesen steht bald eine Supernova bevor. Mit seinem grandiosen Schauspiel aus pulsierendem Feuer und gleißenden Lichtexplosionen unterhält er die gesamte Milchstraße.
Allerdings kann ich meine Blase nicht in diese Richtung steuern. Als ich mich umdrehe, erkenne ich auch, warum. Ein Wesen mit einer dunklen Wallemähne bis zu den Hüften hängt frei im Raum und hat seine Griffel in meine Blase geschlagen. Es hält mein Fahrzeug fest.
»Hüte dich vor Dunkelseelen! Es ist ihre Zeit«, flüstert es.
Es zieht eine Hand heraus und zeigt zu meinen Füßen. Unterhalb meiner Behausung rauschen Myriaden von Sternschnuppen vorbei. Und nicht nur das. Mein Kleid beginnt milchig-weiß zu flackern ebenso wie das Gewand des geisterhaften Wesens. Kein Zweifel, es ist – genau wie ich – eine Seele, der eine Erdenrückkehr bevorsteht.
Worauf sie mich hinweisen will, ist klar. Albträume, die vergangene Fehler zeigen, Sternschnuppen, die Glück auf Erden ankündigen und mein aufflammendes Kleid als Wegweiser durchs Hier und Jetzt eines Menschen – das alles sind Vorboten, die auf eine Neubeseelung hindeuten.
»Ich habe mich entschieden, nicht zur Erde zurückzukehren«, sage ich.
Die Seele lächelt. Kleine, rund anmutende weiße Zähne blitzen in ihrem Gesicht auf.
»Wir müssen aufpassen, dass keine mit uns fliegt«, warnt sie mich, ohne meinen Worten Beachtung zu schenken. Sie schaut über die Schulter zurück. »Dunkelseelen verstecken sich inmitten der unzähligen Lichtquellen, hüllen sich in Nebel und Staubwolken. Eine Blase ist für sie überhaupt kein Problem, daher reise ich ohne dieses Gefährt. Sie piken sich mit ihren Fingern durch – und schwupp – hat man eine am Kleid. Schmerzseelen werden sie genannt, weil sie frühere Fehler und Schmerzen aufpoppen lassen. Sie ernähren sich von Ängsten und verletzten Gefühlen.«
Reflexartig schaue ich auf mein Kleid. Ein Glück, es hat sich keine verfangen. Als ich den Kopf hebe, ist die Seele verschwunden. Meine Blase schwebt frei im Raum.

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7. April 2021

'Planeten der Nacht: Im Sturm der Schatten' von Natalie Peracha

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website Natalie Peracha
„Da ist ein Ende zu jeder Heldengeschichte, wenn da ein Ende ist, dann ist da auch ein Neuanfang. Mit jedem Neuanfang entsteht eine Legende und mit jeder Legende eine neue Geschichte, die erzählt werden möchte.“

Layla und Mexx führen ein ganz normales Leben. Ihre Tagesabläufe bestehen daraus, sich früh morgens für die Schule aus dem Bett zu quälen und abends völlig fertig wieder nach Hause zu kommen, mit zu vielen Hausaufgaben im Gepäck und zu wenig Zeit.

Doch als Layla und Mexx eines Tages vor dem Schulfenster als scheinbar Einzige, eine schreckliche Schattengestalt sehen, ändert sich ihr Leben schlagartig. Wer und was sind diese komischen Gestalten, die die beiden zu verfolgen scheinen und was wollen sie von ihnen?

Plötzlich finden die beiden sich in einem Abenteuer wieder, das die Vorstellung der Menschheit auf den Kopf stellt. In einem Kampf zwischen Gut und Böse treffen die beiden auf die außergewöhnlichsten Kreaturen und kommen an die Grenze ihrer Leistungen. Doch steckt auch in ihnen beiden mehr?

Anleser:
In einer Zeit, bevor die Menschen auf der Erde herrschten, kreisten in dem Sonnensystem, das wir heute so gut kannten nicht nur acht Planeten, sondern zehn.
Die Erde war nicht der einzige Planet der Lebewesen beherbergte, denn es gab noch zwei andere, die in einer Verbindung mit der Erde standen.
Ihre Namen waren Faraley und Dragonier.
Beide Planeten waren bereits weit entwickelt und besaßen menschenähnliche Lebensformen.
Auf Dragonier lebten die Anemanier. Menschenähnliche Lebewesen, die sich in ihre Seelentiere verwandeln konnten und eine Macht besaßen, die sie nutzten, um sich und ihre Artgenossen zu beschützen.
Auf Faraley gab es die Tresalteses. Auch sie waren menschenähnliche Lebewesen, die mit ihren Seelentieren in einer Verbindung standen. Man nannte ihre Seelentiere Faeless. Sie waren ihre Beschützer und begleiteten sie meist in der Form von Drachen durch ihr ganzes Leben.
Alle drei Planeten waren verbunden durch die Masiers; Portale, die sie zu dem anderen Planeten transportierten zu dem sie wollten.
Sie standen in einer dreier Konstellation zueinander. Die Erde drehte sich um sich selbst und um die Sonne. Um die Erde herum drehte sich ihr Mond und regelte die Gezeiten. Doch von der Erde aus konnte man zu jeder Zeit Umrisse zweier gigantischer Planeten erkennen, die noch viel größer waren als die Erde selber.
Sie wanderten mit der Erde Jahr für Jahr um die Sonne.
Faraley drehte sich in entgegengesetzter Richtung der Erde auch um sich selbst, Dragonier stand still. Doch Dragonier hatte die Eigenschaft durch eine fluoreszenzähnliche Flüssigkeit selbst zu leuchten, und so erhellte in der Nacht nicht nur der Mond, angestrahlt von der Sonne und die Sterne die Erde, sondern auch Dragonier, der Planet, der durch sein Lichtspiel ein Muster in die Dunkelheit zeichnete, welches jeden der es sah in seinen Bann zu reißen schien.
Alle Jahre, wenn das Muster Dragoniers am hellsten leuchtete und die Sonne am höchsten stand, trafen sich die Einwohner Dragoniers und Faraleys auf der Erde, tauschte Neuigkeiten und Wissen aus und feierten ihr jährliches Fest.
Doch die Schönheit und der Frieden der drei Planeten sollte nicht lange halten, denn in Mitten der drei Planeten braute sich eine Macht zusammen, die alles drohte in Dunkelheit zu werfen.
Die Tresalteses und die Anemanier spürten diese Dunkelheit und taten ihr bestes sie zu vernichten, doch ihre Macht war zu groß.
Die Erde wurde angegriffen und ihre Lebewesen die zu der Zeit auf ihr wohnten vernichtet. Milliarden von Jahren später wurde dieser Angriff als Meteor identifiziert, der die große Zeit der Dinosaurier ausgelöscht hatte. Doch die Tresalteses und Anemanier wussten, was es wirklich war und sie bekamen Angst.
Sie trafen sich auf Faraley. Wohlwissend, dass sie sich wohl das letzte mal sehen würden, vereinbarten sie die Planeten voneinander zu trennen und somit die Dunkelheit in ihrer Mitte zu zerstören. Durch die Kräfte der Einwohner beider Planeten konnten sie einen neuen Platz im Universum finden und ihr Leben fortsetzen.
Die Erde erholte sich wieder und neue Lebensformen entwickelten sich aus dem Ruin, bis dann die Menschen kamen, unwissend das die Erde nicht allein in dieser Welt stand.
Es schien alles in Ordnung zu sein und so lebten die Planeten weiter, ohne zu wissen, dass bei der Trennung der Planeten die Dunkelheit in drei Teile gerissen wurde und jeweils einer dieser Teile auf den drei Planeten verborgen lag.
Die Menschen auf der Erde nannten sie Nemesis, die Göttin der Zerstörung. Die Anemanier sprachen von dem allumschlingenden Schatten und die Tresalteses von der Finsternis.
Diese Teile der Dunkelheit waren dafür zuständig die Planeten wieder in ihre ursprüngliche Konstellation zu bringen und so kam es immer wieder zu der Öffnung von Portalen und Übergriffen von Dragonier und Faraley auf der Erde.
Es entstanden Mythen und Geschichten, Sagen und Märchen von Drachen und Einhörnern, von Hexen und Vampiren, von Göttern und Teufeln und sie alle hatten ihren Ursprung in der Konstellation der drei Planeten.

Eine von diesen Geschichten sollte die Welt für immer verändern, denn weit, weit weg von der Erde auf Dragonier wurde es langsam dunkel, die Sonne verblasste am Horizont und die Wärme versank mit ihr. Die Dunkelheit betrat den Himmel und die Sterne fingen bereits an mit dem Mond die Nacht zu beleuchten. Ein kühler Lufthauch strich sanft durch die Bäume und weiße Blüten rieselten wie Schnee auf das Gras. Die am Tag tropischen bunten Blumen verdunkelten sich und schaukelten im leichten Wind. Wie auch die Blumen, wiegten sich die großen Bäume, die von langen Lianen umschlungen ihr prächtiges Blätterdach zum Himmel streckten mit. Mit der Nacht, kam auch der Schatten.

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1. April 2021

'Wenn Apfelbäume tanzen könnten' von Lisa Torberg

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website | Autorenseite
Ein Roman über unglaubliche Zufälle, den langen Atem der Liebe und die Buntheit des Lebens.

Seitdem Bertl Kofler begriffen hat, dass seine Freundin aus Kinderzeiten nicht seine große Liebe ist, lebt er für seinen Bauernhof. Sein einziger Mitbewohner ist Zeus, sein Schäferhundmischling. Doch immer wieder holt ihn die Erinnerung an die Lehrerin aus dem Pustertal ein, die vor zwei Jahren kurz in Mela unterrichtete. Aber nicht nur er denkt oft an die junge Frau – auch jemand auf dem nahen Apfelhof tut es …

Sabine Holzer leitet seit dem Unfalltod ihrer Eltern das Familienunternehmen im Pustertal. Nicht einmal sich selbst gesteht sie ein, wie sehr ihr das Unterrichten fehlt – und das beschauliche Mela mit seinen Apfelwiesen. Ihr Leben ist geprägt von Pflichtbewusstsein und ihrer Liebe für ihren Großvater Johann. Dennoch spukt ein gewisser Bertl Kofler ständig in ihrem Kopf herum.

Nach der Aufführung des Films „Apfelblüten im Regen“, der auf dem Apfelhof in Mela gedreht wurde, erzählt Johann Holzer seiner Enkelin Unfassbares aus seiner Vergangenheit. Als ihre ehemalige Vermieterin sie kurz darauf nach Mela einlädt, trifft Sabine eine Entscheidung, die nicht nur ihr Leben komplett auf den Kopf stellt.

Dieser in sich abgeschlossene Roman spielt vor der atemberaubenden Kulisse Südtirols. In "Wenn Apfelbäume tanzen könnten" gibt es ein Wiedersehen mit Charakteren und Schauplätzen aus "Wenn Apfelbäume sprechen könnten". Beide Romane können jedoch ohne Vorwissen unabhängig voneinander gelesen werden.

Anleser:
Toblach, Pustertal »Entspann dich, Nonno!« Sabine Holzer legte eine Hand auf den Rücken ihres Großvaters und schubste ihn vorwärts.
Er reagierte eigenartig. Zum einen antwortete er nicht, zum anderen ließ er sich von ihr in den Gustav-Mahler-Saal schieben wie eine Fetzenpuppe. Überhaupt. Seitdem er das Plakat entdeckt hatte, das vor drei Wochen überall in Toblach aufgehängt worden war, benahm er sich komisch. Zuerst hatte er von ihr wissen wollen, was denn Public Viewing bedeutete. Die latent vorhandene Lehrerin in ihr hatte innerlich den Kopf geschüttelt, aber nicht der Frage wegen, sondern weil sie nicht begriff, weshalb man hier bei ihnen einen englischen Ausdruck verwendete, den eh kaum einer verstand. Im Hochpustertal waren sie zwar nicht am Ende der Welt – aber so gut wie, und von den dreitausenddreihundert und ein paar Zerquetschten Einwohnern im Dorf waren viele schon froh, wenn sie auch die andere Landessprache ein bisserl reden konnten. Ihr Großvater sprach beide perfekt, immerhin hatte er ja eine Frau mit italienischer Muttersprache geheiratet – vor mehr als sechzig Jahren. Doch Englisch hatte er nie gelernt. Wozu denn auch? Holzer-Holz exportierte zwar seit Jahrzehnten über die Grenze hinweg, aber die nach Österreich war ja nur fünfzehn Kilometer weit weg und dort sprach man genauso deutsch wie auf dieser Seite. Sabine hatte ihm also erklärt, dass man im Kulturzentrum den Film Apfelblüten im Regen gratis anschauen konnte. »Da gehst mit mir hin, Sabinchen«, hatte er gesagt – und den Rest ihr überlassen.
Sie hatte auf der Gemeinde die Karten besorgt, obwohl sie alles dafür gegeben hätte, heute nicht hier zu sein. Doch wie hätte sie das dem Großvater erklären sollen? Er war zweiundneunzig und derart gut beisammen, dass er fast immer ablehnte, wenn ihm jemand helfen oder etwas mit ihm unternehmen wollte. Sogar den Führerschein hatte ihm der Amtsarzt erst vor ein paar Wochen wieder erneuert – wie alle zwei Jahre, seitdem er achtzig war –, und so fuhr er weiterhin mit seinem Mercedes-Benz Baujahr 1987, den er seit der Zulassung vor vierunddreißig Jahren nur SL nannte. Zwar nicht allzu weit, aber seine wenigen noch lebenden Freunde und ein paar Kunden in den umliegenden Gemeinden besuchte er regelmäßig – so wie früher. Alte Gewohnheiten legt man eben nicht so leicht ab, würde die Nonna jetzt sicher sagen und seinem geliebten Auto hinterherschauen, bis die Rücklichter an der Kurve zum letzten Mal aufleuchteten, bevor er verschwand. Stunden später würde sie wieder am Küchenfenster stehen und auf die Rückkehr ihres Mannes warten, wie sie es ihr ganzes gemeinsames Leben lang bis zu ihrem Tod gemacht hatte.
Johann Holzer war ein unabhängiger Freigeist, einer, der sich von niemandem jemals hatte irgendwas sagen lassen, und das hatte sich bis heute nicht geändert. Wenn der Nonno sie also schon einmal von sich aus um etwas bat, dann konnte Sabine es ihm nicht ausschlagen.
Nur hatte sie seit Tagen wegen des heutigen Abends ein mulmiges Gefühl im Bauch, das jetzt zunahm. Während man ihnen von allen Seiten zunickte oder einen Gruß zurief, behielt sie die Hand auf Großvaters Rücken und vergrub ihre Finger in dem Stoff seiner Jacke. Nicht um seinetwillen, sondern weil der Kontakt ihr Sicherheit gab.
»Na, das ist aber eine Freude, dass du dich einmal bei einer Kulturveranstaltung blicken lasst, Johann Holzer.« Der Bürgermeister kam mit zum Gruß ausgestreckten Arm auf den Großvater zu.
»Geh, jetzt tua net so überrascht, Bürgermeister. Hast ja gwusst, dass die Sabine die Karten für uns vom Gemeindeamt abgeholt hat.«
»Die andere hätt ja auch für ihren Freund sein können«, erwiderte Luis Walder mit einem Lacher und zwinkerte ihr zu. Dabei wirkte er paradoxerweise selbstsicher und zugleich unsicher, vor allem aber erreichte das aufgesetzte Lächeln seine Augen nicht.
Sabine mochte ihn nicht. Nicht mehr. Früher, als sie Kinder waren, war das anders. Der zwei Jahre ältere Bub hatte sie nie von oben herab behandelt und sogar mit ihr gespielt, obwohl sie ein Mädel war. Später hatte der Luis dann alles darangesetzt, wichtig zu werden. Im Schützenverein, beim Dartspielen in der Gastwirtschaft und in der Politik. Kein Wunder, dass er im letzten Jahr mit nur zweiunddreißig zum Bürgermeister gewählt worden war – auch von ihr.
Aber mit dieser plumpen Frage bewies er, dass er längst nicht so abgebrüht war, wie er zu sein vorgab. Wieder einmal, denn dass er immer alle ausfragte, ob sie denn einen Freund hätte, hatte sie früher prompt am Wochenende erfahren, sobald sie in Toblach war. Und jetzt erfuhr sie es schon nach wenigen Stunden. Das war lästig, aber nicht so sehr wie die Tatsache, dass sie dem Luis fast täglich über den Weg lief. Als ob er es drauf anlegen würde, sich immer dort herumzutreiben, wo sie gerade war. Vor der Post, in der Bank oder wenn sie sich rasch einen Kaffee in der Patisserie holte, er war immer in der Nähe. Dass der Ort klein war und das Rathaus eben auch im Ortszentrum lag, hatte aber nichts damit zu tun. Als Bürgermeister sollte er doch arbeiten – und zwar in seinem Büro – und nicht draußen herumlaufen. Sabine versuchte, den kalten Schauer zu ignorieren, der die Härchen in ihrem Nacken und die auf ihren Armen aufstellte, und zwang sich zu einem verkrampften Lächeln.
»Den hätte ich auch mitgebracht, wenn er hier wäre«, antwortete sie ihm jetzt mit einem Achselzucken auf die dumme Andeutung, die ja eigentlich eine Frage war. Er wollte wissen, ob sie einen Freund hatte? Klar hatte sie – für ihn!
Den Luis schockiert zu sehen, tat ihr gut. Ein so ein Depp! Scheinbar hatte er in all den Jahren, in denen er sie immer wieder um ein – wie er es nannte – Date gebeten hatte, immer noch nicht kapiert, dass er sie einfach nur in Ruhe lassen sollte. Seitdem sie wieder in Toblach lebte, hatte er sie zwar nicht mehr direkt gefragt, nicht zuletzt, weil die Pandemie begonnen hatte, die ihrer aller Leben beeinträchtigt hatte. Doch nachdem schrecklichen letzten Jahr hatte er das lästige Stalken wieder aufgenommen.

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31. März 2021

'Das Schaf Lydia und das Meer' von Barbara Zimmermann

Kindle | Tolino | Taschenbuch
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Der Schäfer Herr Schafkopf ist sehr glücklich. Er verbringt den ganzen Tag mit seinen geliebten Tieren, der Schafdame Lydia und dem Esel Rasputin, auf der Weide. Lydia ist ein besonderes Schaf. Sie liebt nämlich die Farbe Lila und das Meer.

Die Weide wird den beiden Freunden bald zu langweilig. Sie wollen ans Meer, komme was wolle! Auf dem Weg dorthin bleiben Lydia und Rasputin allerdings nicht allein.

Vorlesebuch für Kinder von 3-6 Jahre, illustriert von Maike Kliche.

Anleser:
In einem kleinen Haus am Wald nahe der Ostsee wohnte der alte Schäfer Herr Schafkopf mit seinem Esel und einem alten Schaf. Das Schaf nannte er Lydia und den Esel Rasputin.
Lydia war schon sehr alt. Auch der Schäfer war schon sehr alt.
Obwohl Lydia alt war, war sie sehr eitel.

Blick ins Buch (Leseprobe)

30. März 2021

'Die Eichenthron Annalen - Band 2: Die Gefüge der Macht' von P.G. Connor

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"Kennst du den Schmerz, wenn dir der Mut fehlt? Wenn Verzweiflung dich durch das Tal der Tränen führt? Wenn alle Hoffnung verfliegt wie ein verwelktes Blatt im Wind? Das ist der Ruf des Schicksals und Helden können ihn hören."

Karis Versagen lastet schwer auf ihr. Sie will Dun verlassen, denn alle Hoffnungen auf Sieg und Frieden sind in der Schlacht am Talos hinweggefegt worden. Nur eine kleine Schar Rebellen kämpft noch auf verlorenem Posten. Sie verhindern Karis Heimreise, während die Gegner insgeheim die Invasion vorbereiten. Dun kann dieser Streitmacht nichts entgegensetzen. Die Banner liegen darnieder. Doch nicht immer ist, was scheint, und der Samen der Hoffnung keimt auch auf ausgelaugtem Boden.

Der zweite Teil des High-Fantasy-Epos "Die Eichenthron Annalen".

Mehr Infos:

Anleser: Blick ins Buch (Leseprobe)

Die Musik zum Buch: Die Eichenthron-Annalen (Novel Soundtrack)

Buchtrailer:

'Der Verlorene Sektor: Die Beschützer' von Nicole Sälzle

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Der Alte Ruhm hat es geschafft: Xeltor ist zurück. Noch flüstern die Bewohner der Galaxie seinen Namen. Sie können nicht glauben, dass eine Bedrohung ihre Schatten voraus wirft, die sie lange Zeit nur aus Legenden kannten und als Märchen abtaten. Bis er mit voller Wucht zuschlägt.

Zahlenmäßig deutlich unterlegen konzentrieren sich die Protectors auf ihre größte Stärke: Aus dem Verborgenen fügen sie Xeltor und dem Alten Ruhm Schaden zu, um seine Bestrebungen, die Dimensionen auf Kosten von Abermilliarden Leben zu einen, aufzuhalten.

Doch der Feind schläft nicht und je schwerer die Entscheidungen sind, die die Protectors treffen müssen, desto stärker werden die Konflikte innerhalb des Teams. Als Kay begreift, dass sie alle nur Teil eines größeren Plans sind, ist es fast zu spät …

Band 2 der Reihe "Der Verlorene Sektor".

Anleser:
Mit gekonnten Handgriffen überprüfte er die Waffen, ehe er sie in die dafür vorgesehenen Holster steckte. Zwei GeX und sein Schwert, ebenso zwei große Kampfmesser und ein wesentlich handlicheres Taschenmesser stellten seine ständigen Gefährten dar. Diverse andere kleine Helfer versteckten sich in seiner Ausrüstung, jederzeit gut zu erreichen und doch für Fremde unscheinbar bis unsichtbar.
Er prahlte nicht mit den Waffen, aber, wenn nötig, verhalfen sie ihm dazu, sich den nötigen Respekt zu verschaffen. Insbesondere in diesem Teil der Galaxis.
Ehe er das Schiff verließ, kehrte er ins Cockpit zurück, fuhr das System runter und schritt eilig die Rampe hinab. Dabei hatte er es nicht eilig. Im Prinzip verfügte er über alle Zeit der Welt. Ungebunden. Seines Auftrages beraubt. Seines Berufes beraubt. Seines Lebens beraubt. Seiner Familie beraubt.
Dieser erbarmungslos pochende Schmerz in seiner Brust glich einem wilden Tier, das ihm ein Stück Fleisch bei lebendigem Leib herausriss. Gedanken suchten ihn heim, in denen seine Familie inmitten eines Blutbads Opfer eines tot geglaubten Feindes wurde. Eines Feindes aus den eigenen Reihen. Er versuchte, diese Gedanken wieder und wieder von sich zu schütteln. Jetzt konnte er sich nicht erlauben, dass sie Besitz von ihm ergriffen. Nicht jetzt. Mehrmals tief durchatmend ließ er die Saviour hinter sich, ein prächtiges Schiff der Desanach-300-Klasse, dessen Ausstiegs- und Laderampe unterhalb des Cockpits und zwischen den beiden mächtigen Triebwerken platziert und somit nach vorn ausgerichtet war. Ein Schiff, das seinem Namen alle Ehre machte.
Schon mehrfach hatte ihm diese Schönheit das Leben gerettet, obwohl sie vor Jahren auf dem Schrottplatz darauf gewartet hatte, in ihre Einzelteile zerlegt zu werden. Was für eine Schande. Nach einigen einfachen Reparaturen war sie voll und ganz flugtauglich gewesen und vielleicht würde sie ihrem Namen ja erneut gerecht werden.
Wenn sie dort draußen waren, dann fand er sie. Dann rettete er sie, selbst wenn er sie Xeltors Fängen selbst entreißen musste.
Braigh zog zwei Discs aus der Gürteltasche und warf sie dem Mann im Dock zu. Die gängige Währung in dieser Galaxis sollte auch auf B’hanak akzeptiert werden. Davon ging er jetzt einfach mal aus.
»Wenn das Schiff bei meiner Rückkehr noch heil ist, gibt’s das Fünffache.«
Obwohl er selbst nicht viel bei sich trug, wollte er den Mann für seine Arbeit reichlich belohnen. Er konnte es sich nicht leisten, sich die einzige Hoffnung auf ein neues Leben unter dem Hintern wegklauen zu lassen. Dabei, so ertappte er sich schon wieder beim Grübeln, hatte er sein altes Leben noch nicht hinter sich gelassen. Das wollte er auch gar nicht. Einen solchen Tag konnte man nicht vergessen, eine solche Schandtat.
Läge es in seiner Macht, Xeltor zu besiegen, würde er sich ihm stellen. Derzeit lag dieses Ziel außerhalb seiner Reichweite. Er käme weit, aber nicht weit genug. Nicht allein. Niemand nahm es allein mit einer Armee auf. Der Dockmitarbeiter nickte eifrig, steckte die Discs tief in die Tasche, damit sie ihm bloß keiner nahm und richtete sich auf, als ob er sich damit einen besseren Blick auf die Ereignisse rund um die Saviour verschaffen wollte.
Selbstbewusst verließ Braigh den Raumhafen. Er gab sich als Söldner aus. Nicht, weil er scharf darauf war, sich einen gewissen Ruf zu erarbeiten. Nein. Erfahrungsgemäß kamen Söldner in diesen Regionen stets an die gewünschten Informationen. Seine durch jahrelanges Training erarbeitete Statur trug zu seinem Auftreten als Söldner bei, ebenso die Bewaffnung, die er sich zu Nutze machen wollte, ohne ein Blutvergießen zu seinem Ziel zu erklären.
Zielsicher schlenderte er auf die Bar zu, die ihm sein Kontakt genannt hatte.
Nur keine Eile. Nur keine Eile. Du stehst nicht unter Zeitdruck, redete er sich in Gedanken ein. Dabei fühlte er sich an seinen ersten Ausbildungstag erinnert.
Bis die jahrelange Routine wieder einsprang. Er prägte sich das Aussehen der Bar bis ins letzte Detail ein: die dumpfblaue Wandfarbe, das runde Dach, den silberfarbenen Eingang und die schwarzen Fensterläden. Die Bars hier besaßen keine Namen. Auf B’hanak war es stattdessen Brauch, Gebäude ausführlich zu beschreiben. Wer brauchte schon Straßennamen, Hausnummern oder gar einen Namen für eine Bar? Total überflüssig. Vor allem bei dieser stylischen Gestaltung.
Ein Blick zum Türsteher genügte und der Kerl wollte nichts von ihm wissen. Er verharrte dennoch kurz im Türrahmen bis sich seine Augen an die dunkle Umgebung gewöhnten. Dann ließ er den Blick aufmerksam schweifen. Die unterschiedlichsten und unmöglichsten Gestalten tummelten sich hier. Über einem Feierabendbier oder einer kühlen, alkoholfreien Erfrischung, weil es gleich zum nächsten Job weiterging. In manchen Ecken saßen sie und schliefen am Tisch. Zu viel Alkohol oder zu viele Arbeitsstunden mochten der Grund sein. Vielleicht auch beides. Andere unterhielten sich angeregt mit einem Geschäftspartner – und, ja, sogar das eine oder andere Date fand in diesem unglaublich romantischen Umfeld statt. Die Augenbrauen hochgezogen lenkte Braigh seine Aufmerksamkeit weg von dem flirtenden Pärchen und hin zur Bar.
Von seiner Kontaktperson fehlte jede Spur. Bislang.

Blick ins Buch (Leseprobe)