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Bücherkarussell
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13. Juli 2018

'Die Mütter-WG' von Marit Bernson

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Sabrina wird ohne Vorwarnung von ihrem Mann Erik sitzen gelassen. Um das Haus für sich und ihre zwei Kinder zu halten, beschließt sie, eine WG zu gründen, die nur aus alleinerziehenden Müttern besteht, Arbeitsteilung inklusive. Die junge Katja betreut die Kinder, Lisa kümmert sich um den Haushalt, Sabrina und die Schreinerin Inge verdienen das Geld. Oberste Regel: Männer dürfen nicht über Nacht bleiben!

Doch Sabrina lernt den Architekten Stefan kennen, und bald schon geraten die Grundsätze der Mütter-WG ins Wanken.

Leseprobe:
„Fragen?“, sagte ich schließlich.
Inge schüttelte den Kopf. „Wo soll ich unterschreiben?“
Ich hielt ihr mein Exemplar hin. „Hast du keine Fragen?“
„Ich denke, das Wichtigste geht daraus hervor“, erwiderte sie. „Das ist das, was wir wollten. Und wenn jemand querschießt, wird ihn so ein Vertrag sowieso nicht davon abhalten. Ich glaube, wir sind uns einig.“
Lisa und Katja nickten, während Inge unterschrieb. Dann nahm Lisa Stift und Vertrag und unterzeichnete, danach Katja, und schließlich war ich dran.
„Bin gespannt, ob wir das alles so hinkriegen“, sagte ich lächelnd in die Runde. „Jetzt trinken wir erst mal darauf.“ Aus der Küche holte ich eine vorgekühlte Sektflasche und vier Gläser.
Lisa öffnete die Flasche – ich wäre ohnehin viel zu nervös gewesen – goss ein, und wir stießen an.
„Auf die Mütter-WG!“, sagte ich.
„Auf die Mütter-WG!“, erwiderten die anderen.

Im Kindle-Shop: Die Mütter-WG: Liebesroman.
Mehr über und von Marit Bernson auf ihrer Website.



12. Juli 2018

'Embargo: Krieg im Schatten' von D.W. Crusius

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
1997 - Charles Dixon ist Chef einer geheimen Einheit innerhalb der CIA, von deren Existenz nicht mal der CIA-Direktor weiß. Nach dem Muster eines Anschlages der CIA 1982 auf die sowjetischen Gasfelder in Sibirien, entwickelt Dixon einen Plan, die libyschen Ölquellen mit manipulierter Elektronik zu vernichten. Wenn die Wirtschaft zusammengebrochen ist, werden die Libyer Gaddafi stürzen. So die Überlegung.

Kurt Hoffmann vom BND soll den in Untersuchungshaft in Köln einsitzenden Harald Jasper mit besten Verbindungen zur libyschen Obrigkeit anwerben und nach Tripolis schicken. Dafür verspricht man Jasper die Freiheit. Für Jasper ein verlockendes Angebot, denn ihm drohen 15 Jahre Gefängnis wegen Bruchs des gegen Libyen verhängten UN-Embargos.

Leseprobe:
Langley 2002, Hauptquartier der CIA
Charles Dixon betrachtete fasziniert die Satellitenaufnahmen. Wenn es stimmte, was er hinter den Aufnahmen vermutete, dann hatte er die Lösung für sein Problem gefunden. Die Aufnahmen zeigten eine gewaltige Explosion und er verstand, weshalb nicht eingeweihte Kreise innerhalb der CIA und in Washington anfangs vermuteten, die Sowjets hätten in Sibirien eine neuartige Waffe getestet. Im Sommer 1982 blähte sich der Kalte Krieg wie zu einer bevorstehenden Apokalypse auf. Eine neuartige Waffe, das war glaubwürdig. Nur die ambossförmige Form fehlte, und es wäre die perfekte Explosion einer 3kt TNT Atombombe gewesen, fotografiert von einem Satelliten aus dem Weltraum. Auf den Bildern sah man die parallel angeordneten Pipelines direkt vor der Explosion, auf weiteren Bildern, wie sie von der Wucht einer Explosion zerrissen und empor geschleudert wurden. Es folgten Aufnahmen der Trümmerfelder Stunden später. Wie umgeknickte halb abgebrannte Streichhölzer ragten die deformierten Gasleitungen in die Luft. Die Zerstörungen erstreckten sich über mehrere Quadratkilometer. Die Satellitenaufnahmen der folgenden Monate zeigten, dass die Fördereinrichtungen über lange Zeit nicht in Betrieb genommen werden konnten. Nicht einmal Reparaturtrupps waren auszumachen. Es schien, als hätten die Sowjets die Gasfelder in Sibirien aufgegeben. Charlie Dixon blätterte in den Unterlagen und fand die Kostenaufstellung der damaligen Operation. Die Beträge waren lächerlich gering, und er vermutete hinter den Zahlen anfangs die Spesenabrechnungen der Agenten.
Die westlichen Medien berichteten vom Einschlag eines Objektes aus dem Weltraum. Von Aliens aus einer fernen Galaxie war die Rede und ein Vorfall vom Beginn des Jahrhunderts wurde zitiert. Man musste den Journalisten zugutehalten, dass sie es nicht besser wissen konnten. Der Vergleich drängte sich auf, die Augenzeugenberichte von 1908 ähnelten auf frappierende Weise der Explosion 1982. Damals hatte die Explosion allerdings erwiesenermaßen eine natürliche Ursache – einen Asteroiden-Einschlag in der Gegend von Tunguska. Man sprach auch vom Tunguska-Asteroiden. Die Experten konnten sich lediglich nicht einigen, ob ein oder mehrere Himmelskörper in Sibirien eingeschlagen waren. Es könnte ein Komet gewesen sein, hieß es, von einem Feuerschweif berichtete man. Hinzu kam, dass Wissenschaftler bei Tiefbohrungen keine Fragmente des Himmelskörpers gefunden hatte. Es konnte sich nur um eine Explosion wenige Meter über dem Erdboden gehandelt haben und die enorme Hitze hatte das Material zerstrahlt – was auf einen Kometen hindeutete. Stoff für Verschwörungstheoretiker. Augenzeugen berichteten von bis zu vierzehn Explosionen. Fest stand nur Zeitpunkt und Ort. Der unheimliche Himmelskörper aus dem Weltraum schlug am 30. Juni 1908 gegen 7:15 Uhr im sibirischen Gouvernement Jenisseisk ein, der heutigen Region Krasnojarsk in der Nähe des Flusses Podkamennaja Tunguska. Das war das Siedlungsgebiet der Ewenken, eine Volksgruppe aus dem nördlichen Sibirien. Bei dem Einschlag und der folgenden Druckwelle wurden Bäume im Umkreis von etwa 30 Kilometer entwurzelt oder umgeknickt, Fenster und Türen in der 65 Kilometer entfernten Handelssiedlung Wanawara zerbarsten. Fachleute schätzten, dass auf einem Gebiet von über 2000 Quadratkilometern 60 Millionen Bäume umgeknickt wurden. Den hellen Feuerschein hatte man in über 500 Kilometern Entfernung wahrgenommen, Reisende der Transsibirischen Eisenbahn hatten die Druckwelle gespürt.
Charlie Dixon nahm ein Blatt Papier und schrieb ein paar Zahlen auf, eine grobe Kostenaufstellung. Manpower, Material, Verbindungsleute zu Partnerdiensten, NN – Nützliche Nebenabgaben, besser gesagt Schmiergelder.
Er addierte die Beträge. Unmöglich. Dafür würde er niemals eine Genehmigung bekommen. Nicht, weil der Betrag zu hoch war, im Gegenteil. Das kaufte ihm die obere Etage niemals als ernst zunehmende CIA-Geheimoperation ab, das waren die Kosten für den Wochenendausflug einer Pfadfindergruppe. Zumindest, wenn man die Kosten der üblichen CIA-Operationen zum Vergleich heranzog. Er malte sorgfältig hinter jede Position eine Null, addierte erneut, wusste es vorher. Faktor zehn – immer noch viel zu wenig. Er malte hinter jede Position eine weitere Null.
Sollte es wirklich so einfach sein? Unruhe erfasste ihn. Mit so einer Operation legten sie die Öl und Gasförderung eines ganzen Landes innerhalb von Minuten lahm, und das so gründlich, dass über Monate, vielleicht Jahre, nicht mehr gefördert werden konnte.
Mit leisem Schmunzeln dachte er an den Mann, der 1982 im Weißen Haus die Operation im fernen Sibirien abgesegnet hatte. Als er ins Amt kam, sprach man herablassend von einem zweitklassigen Schauspieler und einem liebenswerten Hohlkopf, der sich auf den Präsidentenstuhl verirrt hätte. Als er aus dem Amt schied, waren sich alle einig, selbst seine schärfsten Kritiker, dass der Mann zehnmal schneller dachte, als seine engsten Berater. Auf ihn ist die Methode zurückzuführen, der man den Code-Namen gab – Reagan-Methode.
Drei A4-Seiten. Er las es wieder und wieder, aber es war so, damit war alles gesagt. Wenn er dafür das OK von oben bekam, dann war das der krönende Abschluss seiner Laufbahn. Eher Rutschpartie, nicht Laufbahn. Das würde ihn auf die Ahnentafel der CIA befördern.

Im Kindle-Shop: Embargo: Krieg im Schatten.
Mehr über und von D.W. Crusius auf seiner Website.



'60 - ERZÄHLUNG EINES MISTKERLS' von Paul Pan

Kindle Edition | Taschenbuch
Zieh die Schuhe aus und mach einen verrückten Spaziergang durch männliche Eitelkeit und Gemeinheit sowie weibliche Verletztheit und Raffinesse.

Der Mistkerl namens Ben erzählt wie es damals war mit Magda und den anderen; wie er Nietzsche, de Sade, Sokrates, Tolstoi u.a. mit deren eigenen Beziehungsdramen traf. Schicksalhaft trifft ihn, den eitlen Macho und König der Gockel, ausgerechnet an seinem Geburtstag die Höchststrafe. Ganz nebenbei lüftet er auch das letzte Geheimnis der deutschen Wiedervereinigung.

Ein etwas anderes Leseerlebnis, das zum Stirnrunzeln und vielleicht zum Nachdenken einlädt. Für alle, die wie Ben im Kampf von Mann und Frau gegen die Wand gelaufen sind und für die das eine gilt: Ändere dein Leben. Sonst steht die Wand wieder da.

Leseprobe:
Die ganze Chose begann mit dem Duft, der sich jeden Mittwoch durch die Straße zog. Ich liebte ihn. Und ich stand am Schaufenster des kleinen Geschäftes, in dem Kaffee geröstet wurde. Immer mittwochs, Woche um Woche, Jahr um Jahr streunte ich hier herum und sog tief ein. Arabica! Pur! Hochland! Ganz ohne Robusta. Flachland! Ich stand also in der Nähe des Eingangs und blickte auf die Straße. Und dann kam sie daher, ganz plötzlich, aus dem Nichts - eine auf die Erde gefallene Sternschnuppe. Dunkelblond und mit Gesichtszügen, wie ich sie nur von Skulpturen aus dem alten Rom kannte. In der Hand hielt sie ein zerfleddertes Buch. Ich bückte mich und erkannte einen Gedichtband von Rilke. Warum Rilke? Was hat sie mit dem Romantiker gemein? Immer verschlossen sich seine Gedichte vor mir. Die Seiten schienen mir mit Zuckerwasser und bitterem Honig bedruckt zu sein. Rilke war mir suspekt – ein Frauenversteher.
Sie stand vor mir. Seide floss über ihre Rundungen wie Öl, und der Spätsommer ließ mit einem Windhauch zwei Knospen blühen. Sie sah durch mich hindurch in das Fenster. Mir gefiel das Kleid. Ich glaube, man sagte „süßer Fummel“ dazu, wenn ich mich recht erinnerte. Nun ihr Kleid hatte den hübschen Ausblick, pardon, ich meinte einen hübschen Ausschnitt, der viel zeigte und alles verbarg, kurzum die Fantasie verwirrte. Sie trug keinen BH, so wie damals die Mädels in der Hippiezeit. Daher die ausgeprägten Knospen im kühlen Spätsommerwind. Ein D-Cup auf ihrer Haut hätte sich ebenso erfreut wie meine wärmenden Hände. Auch ihre Beine bewunderte ich; vielleicht eine Kreation von Michelangelo oder einem anderen begnadeten Bildhauer mit Namen Gott oder Rodin. Wie ist eigentlich der Vorname von Rodin? Richtig: Auguste. Und von Gott? Wie spreche ich ihn an, wenn ich mit ihm das fünfte Bier inklusive einigen Klaren trinke? Möglicherweise heißt er Carl oder Carlos. Vielleicht verschweigt er auch seinen Vornamen. Wohl aus gutem Grund. Weil er Chaos von den Engeln gerufen wird.
Pardon, ich schweife ab. Zurück zu ihr: Zierliche Fesseln reckten sich aus ..., na wie hießen die verdammten Dinger noch? Hochhöcker oder Hochstöcker? Ach ja, jetzt fällt es mir wieder ein: Highheels. Die machten die Waden noch strammer. Sie war ein Kunstwerk, ein Gesamtkunstwerk, dem erotischen Traum des Schöpfers entsprungen. So schön, dass ich liebend gerne ein Holzstäbchen genommen hätte, um Gebiss und Zähne zu untersuchen. Gleich dem Schuldoktor damals in der ersten Klasse. Ich hätte das Stäbchen auf die Zunge gedrückt und ihr ein „aaaahh“ entlockt, das mit feinen Vibrationen aus der Kehle dringen würde. „Aaaahh.“ Ein J hätte ich ihr dazu geschenkt und es als Einladung verstanden.
Lang waren ihre Beine. Lang, lang ist es her, dass dieser Anblick meinen Augen geschenkt wurde. Würden meine Fingerspitzen von den Füßen empor gleiten, so bräuchten sie sicher einen ganzen Tagtraum, um von Pore zu Pore bis zum Po zu gelangen. Meine Augen würden wandern durch Tal und Höhe - einen ganzen Vormittag von der Ferse bis zur Kniekehle. So bräuchte ich Stunde um Stunde, um zu den „Kugeln des Paradieses“ zu gelangen. Der Himmelsvater höchstselbst holte sie von der Bowlingbahn und verzauberte sie zu himmlischen Rundungen. Himmlisch? Passte dies Adjektiv für einen Po?
Ich murmelte: „Himmlisch!“
Sie hob die Augenbrauen.
Meine Hände steckten in den Jackentaschen. Eine Vorsichtsmaßnahme. Sie sollten ruhig bleiben. Es zuckte mir in den Fingern. Ich sah in ihre Augen, leuchtend und gütig waren sie. Sie besaßen das geheimnisvolle Funkeln der Jugend und einer noch geheimeren durchliebtenliebten Nacht. Noch immer waren ihre Wangen gerötet. Ganz leicht nur, hingehaucht von einem zarten Kuss, so sanft, wie es nicht einmal das raffinierteste Make-up erschaffen könnte. Dieses Wunderwerk blieb nur einer liebenden Frau vorbehalten. Verdammt, wie jung mochte sie sein? Fünfundzwanzig, einunddreißig?
Wie schade, sie liebte mich nie. Sie sah mich ja nicht einmal. Sie sah einfach durch mich hindurch. Doch in ihren Augen glänzte die Liebe. Ich trat auf sie zu. Und ich ahnte eine Allwissenheit. Weit, weit hinter der Liebe versteckt schimmerte sie. Doch wohin ging ihr Blick? Sie sah nicht einmal in das Schaufenster. Sie sah auch nicht durch das Fenster in den Laden. Sie träumte sich viel weiter. Durch jede Wand hindurch. Wohin? Zu ihm?
Ihn hingegen sah ich nicht. Neben ihr stand er, die Hand um ihre Hüfte gelegt, mit leichtem Druck den Körper an sich ziehend, besitzergreifend.
„Mein“, war ihm auf die Stirn tätowiert. Auf ihrer Stirn stand jedoch nicht das Wort „sein“. Es stand etwas anderes dort. Ich konnte es nicht lesen.
„Achtzehn Riesen hab ich gestern gemacht“, raunte er ihr ins Ohr. Sein Rücken streckte sich. Oh, Du stolzer Hahn, dachte ich. Auch ich war Gockel, krähte und scharrte mit den Krallen, bis die Hühner gurrten und bereitlagen. Ich war der König im Hühnerstall, der Herr der ungelegten Eier, der Wichtigste von wichtig. „Herr Wichtig“ wurde ich getauft, kikeriki.
„Achtzehn, wie schön für Dich“, sagte sie gelangweilt.
Er grinste, dies Grinsen, dies gewisse. Mein ganzes Leben staunte ich darüber, hasste es vielleicht, bewunderte es manches Mal. Dieses besitzende Grienen. Immer war es eingetunkt in einer Tasse Öl aus dem Reich Hohn und gewürzt mit einer Prise Chayenne-Pfeffer aus fernem Lande Übermut. Dazu: „mein“, herausgeschrien ohne Stimme. Ich ahnte nicht, dass meine Freunde und Geschäftspartner eben dieses, mein freundliches und gewinnendes Lächeln, mir zusprachen: „Arroganter Scheißkerl, wenn der schon seine Mundwinkel verzieht und einen dabei überheblich mustert“, hieß es hinter meinem Rücken. War der Kerl also ein Spiegel meiner Vergangenheit? Oder: Sollte ich ihn für die Angeberei bestrafen, an den Marterpfahl der Eitelkeiten fesseln, am besten gleich erschießen? Er hatte es sich redlich verdient. Vielleicht erlöse ich ihn von meiner Qual und seiner Freude am Besitz. Ich griff mit der rechten Hand in die Jackentasche, fühlte das kalte Metall; ich könnte ihn erledigen, sie befreien. Befreien?
Die kalten Münzen wanderten durch Daumen und Zeigefinger. Und dann hielt ich ihn in den Fingern: Eins-sechs! Noch heute höre ich den Zahnarzt zu seiner Assistentin sagen: “Eins-sechs ... Extraktion ... gleich ... bereiten sie alles vor.” Noch heute fühle ich die Gänsehaut. Das war gestern.
Der Mann war vergessen, nun sah ich durch ihn.

Im Kindle-Shop: 60 - ERZÄHLUNG EINES MISTKERLS.<



11. Juli 2018

'Erzieherin im Anerkennungsjahr: Eine Erzieherin redet Klartext' von Sofie Leonard

Kindle Edition | Taschenbuch
Das Buch unterstützt angehende Erzieherinnen und Erzieher bei ihrer täglichen Arbeit und gibt ihnen eine Orientierung aus der persönlichen Erfahrung einer Praktikantin.

Der Aufbau des Buches besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil finden die Leser den Erfahrungsbericht der Autorin nach Ereignissen im Laufe des Jahres. Es wird deutlich, wie die Rolle des Erziehers eingenommen wird und welche Hürden zu überwinden sind. Den selbstkritischen Blick der Autorin spüren die Leser sowohl bei der Schilderung des Alltags, als auch über das System der Auszubildenden.

Im zweiten Teil des Buches finden die Leser nützliche Tipps, wie man dieses Praktikumsjahr leicht überstehen kann. Diese Tipps entstanden aus der Lebenserfahrung der Autorin, welche die Leser selbst ausprobieren und erweitern können.

„Ich wollte so ein Buch lesen, bevor ich mein Anerkennungsjahr gemacht habe.“ Stefanie /Erzieherin
„Es ist ein nützlicher Ratgeber, den mehr Auszubildende lesen können.“ Ute Müller /Dozentin

Weitere Titel sind erschienen: "Externe Prüfung für Erzieherinnen - Kind mit Taube von Pablo Picasso: Betrachtung des Bildes 'Kind mit Taube' von Pablo Picasso“, "Paulo Freire und sein pädagogischer Handlungsansatz“, "Paulo Freire“

Leseprobe:
Alles, was ich hier geschrieben habe, beruht auf Tatsachen und ist in literarische Form gebracht. Die Erinnerung, dass ich Bücher gesucht habe, die mir helfen könnten, mein Anerkennungsjahr leichter zu gestalten, ist noch wach.
Solche Bücher habe ich nicht gefunden. Vielleicht gibt es welche. Vielleicht denkt jeder, es ist nur ein Jahr, es geht schnell vorbei, warum sollte ich so etwas schreiben. Das ist auch richtig, wenn man das Anerkennungsjahrs nur von dieser Seite betrachtet - die Zeit vergeht sehr schnell.
Als ich die andere Seite gesehen habe, wurde mir klar, ein solches Buch würde nicht nur mir helfen meine Erfahrung zu verarbeiten, sondern es würde auch den Lesern, die ein solches Jahr vor sich haben, eine Orientierungshilfe bieten.
Weil wir ohne Orientierung und Kompass im großen Meer des Lebens statt nach Spanien auf dem Schiff nach Brasilien segeln werden.
Einen neutralen Blick zu bewahren, realistisch zu bleiben und Menschen und Situationen sachlich zu betrachten, war mein Ziel, als ich das Buch geschrieben habe.
Ab und zu finden Leser kritische Bemerkungen zu mir und meinen Handlungen, was ihnen helfen könnte, ihren eigenen Kompass richtig einzustellen.
Unsere Arbeitswelt ist kein Zuckerschlecken. Dazu gehört die Aus- und Weiterbildung.
Praktikumsjahr - was ist das?
Für die angehenden Erzieher/innen wird es noch Anerkennungsjahr genannt.
In verschiedenen Aus- und Weiterbildungsformen in den Sozialberufen läuft das Praktikum parallel zu der Theorie in der Fachschule. Manche PIAs oder normale Schüler arbeiten zwei Tage pro Woche und jede Ferien in der Einrichtung. Manche machen wochenweise ihre Praktikumserfahrung in der Einrichtung.
Manche, wie ich, haben ein ganzes Jahr, um sich in der Praxis zu behaupten. Es ist unterschiedlich in Deutschland, je nach Bundesland.
In einem Bundesland gibt es z.B. fünf Fachschulen für Sozialpädagogik, die berechtigt sind, diese staatliche Weiterbildung durchzuführen.
Das Fach nennt sich BFQ (Berufliche Fachqualifikation) und ist berufsbegleitend. Es ist als Weiterbildungsform für Kinderpfleger, Mütter im Mutterschutz oder Berufseinsteiger konzipiert.
Die Schüler besuchen während zwei Jahren zweimal in der Woche die Fachschule. Nach erfolgreicher praktischer Prüfung und Prüfungen in Theorie werden die Schüler zum Anerkennungsjahr zugelassen.
Sie haben ein Zeugnis in der Tasche, mit dem sie schon in den Einrichtungen arbeiten können und haben die Bezeichnung „staatlich geprüfte/r Erzieher/in“.
Diejenigen, die ihre staatliche Anerkennung anstreben, müssen ein Anerkennungsjahr in irgendeiner Einrichtung nachweisen.
Die Fachschulen sind berechtigt zu entscheiden, wer, wo und wie lange sein Anerkennungsjahr absolvieren kann.
Nach Erwerb der Bezeichnung „staatlich geprüfte Erzieherin“ musste ich selbst eine Stelle finden, wo ich mein Anerkennungsjahr absolvieren durfte.
Die Suche und die Bewerbungen haben bei mir gute sechs Monate gedauert, bis ich eine Stelle hatte. Für Menschen wie ich, die über 50 sind, läuft die Zeit langsamer und die Planung muss einige Monate voraus berücksichtigt werden.
Im Juni 2016 hatte ich immer noch keine Stelle. Viele Einrichtungen waren interessiert, ich habe zwei Tagen hospitiert, aber eine Stelle hatte ich nicht.

Im Kindle-Shop: Erzieherin im Anerkennungsjahr: Eine Erzieherin redet Klartext.



10. Juli 2018

'Psychoterrorist' von Bella Muray

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Sehnsucht nach Liebe.
Ist es nicht das, was uns alle bewegt?

Immerhin treibt diese Sehnsucht Lena dazu, eine Kontaktanzeige ins Internet zu setzen. Schon nach dem ersten Date mit Julio glaubt sie, den perfekten Mann fürs Leben gefunden zu haben. Doch hinter seiner glänzenden Fassade verbergen sich Abgründe, die sie in ihrer Verliebtheit nicht einmal erahnt.

Ohne dass sich Lena dessen bewusst ist, entwickelt sich die Beziehung immer mehr zur Seelenfolter. Wird sie je wieder heil aus dem Geflecht subtiler Manipulationen herauskommen?

»… was ich in diesem Roman erzähle, ist nicht meine Geschichte und doch gründet sie auf eigenen Erfahrungen. Es sind Gefühle, die ich selbst erlebt habe, Gefühle der Selbstzweifel, Beklemmung, Hilflosigkeit und Angst. Denn das Fatale an der subtilen Gewalt ist die Hinterhältigkeit, mit der sie sich schleichend langsam immer weiter entfaltet, bis sie einem gänzlich die Luft zum Atmen raubt. Lange habe ich dieses Projekt hinausgezögert, doch nun ist es an der Zeit, Licht auf die Schatten zu werfen.
Als Romantasy-Autorin möchte ich vorneweg schicken, dass das reale Leben manchmal fantastischere, groteskere und unwirklichere Geschichten hervorbringt als jede Fantasie. Dieser Roman taucht ein in Abgründe der menschlichen Psyche, die Sie kaum für möglich halten und doch steckt mehr Realität darin, als Sie glauben werden.
Ihre Bella Muray«


Leseprobe:
Ein unheimliches Geschenk
Innere Leere lässt sich nur scheinbar durch einen Partner füllen.

Weiße Engel des Todes, dachte Lena beim Blick aus dem Fenster.
Sie stand in ihrem Zimmer im zweiten Stock des Studentenwohnheims. Draußen hatten die Bäume bereits ihre Blüten entfaltet, doch vom Himmel schwebten dicke Schneeflocken und legten sich auf die noch jungen Triebe, hüllten das hervorsprießende Leben in einen zarten Mantel aus Eiskristallen.
Sobald das Plasma gefriert, platzen die Zellwände und das Gewebe stirbt ab – für Lena als Biologiestudentin eine naheliegende Betrachtungsweise, die jedoch keineswegs so nüchtern war, wie es den Anschein haben mochte. Es war, als ob die Szene vor dem Fenster ein verborgenes Gefühl spiegelte. Vom Anblick dieser fragilen Schönheit gefangen, beobachtete sie, wie sich allmählich ein weißer Flaum um die zarten Blätter und Blüten legte. Eiskalt. Dabei sehnte sie sich doch so sehr nach der Wärme einer Liebesbeziehung. Da war so eine undefinierbare Leere in ihr, obwohl rein äußerlich alles perfekt zu sein schien.
Ein leises Pling riss Lena aus der Starre. Ihre Aufmerksamkeit wanderte zu den leuchtenden Ziffern auf dem Bildschirm. Eine neue Nachricht blinkte im E-Mail-Postfach. Es waren viele Rückmeldungen auf ihre Kontaktanzeige hingekommen – von unbekannten Männern, deren wahres Wesen sich übers Netz lediglich erahnen ließ. Natürlich war ihr klar, dass sie vorsichtig sein musste – allzu oft hörte man Schauergeschichten über Frauen, die nach einem Date mit einem Verehrer nicht wiederkehrten, von Perverslingen, die Opfer für abstruse Sexpraktiken suchten oder über Männer, die lediglich auf ein schnelles Abenteuer aus waren. Sicherlich bot das Internet nicht die optimalen Voraussetzungen, um einen Partner fürs Leben zu finden, doch rein zufällig war ihr die große Liebe bisher leider nicht über den Weg gelaufen. Mit dem knappen Budget einer Studentin konnte sie das Geld für ein seröses Datingportal nicht aufbringen. Aber wie so viele junge Frauen träumte auch Lena von der großen, einzigartigen Liebe, um ihrem Leben einen Sinn zu geben, um die einsame Leere in ihrem Inneren auszufüllen. Dafür ging sie auch schon mal riskante Wege. Sicher gab es im Wohnheim einige Studenten, denen sie gefallen würde, denn Lena war eine attraktive junge Frau; doch hier hatte sich bislang niemand gefunden, der ihre Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit hätte stillen können, niemand, mit dem sie sowohl ihr Bett als auch ihr Leben teilen wollte.
Ein Date hatte Lena bereits wahrgenommen: Der Kandidat schien vielversprechend, fast schon ein Seelenverwandter zu sein – ihre Gespräche im Chat, sein Foto und seine Art – Lena hatte sich verliebt. Aber als sie den jungen Mann dann persönlich getroffen hatte, waren die Schmetterlinge ziemlich schnell wieder fortgeflogen. Es gehört eben mehr zu einem Menschen als seine Gedanken und seine Fähigkeit, schöne Worte zu formulieren. Weder seine Ausstrahlung noch die Art, wie er sich gab, ließen die Funken zwischen ihnen sprühen. Er sah anders aus als auf dem Bild, das er ihr geschickt, und erst recht auf dem, das sie sich in ihrem Kopf zusammengezimmert hatte. Das Foto zeigte zwar eindeutig ihn, allerdings hatte der Fotograf ihn sehr vorteilhaft in Szene gesetzt.
Aber wer konnte ihm das verübeln? Im Grunde versuchte jeder, sich von seiner besten Seite zu präsentieren, oder nicht?
Die neue E-Mail stammte von einem Unbekannten und trug den Titel »Eine besondere Überraschung für einen besonderen Menschen.«
Klingt fast wie ein Werbeslogan. Wer schreibt denn so was?, wunderte sich Lena.
Als sie die Nachricht öffnete, fand sie nichts als das Foto eines kunstvoll dekorierten Pakets. Ihre Neugier war geweckt, dass hatte dieser Mann zumindest schon einmal geschafft.
»Hallo Unbekannter, was finde ich, wenn ich das Paket öffne?«
Die Antwort ließ auf sich warten. Als am Abend noch immer keine Nachricht von Mister Unbekannt eingegangen war, glaubte Lena tatsächlich schon an einen Werbegag, was aber unwahrscheinlich war, denn diese E-Mail-Adresse nutzte sie ausschließlich für die Kontakte der Anzeige.
Aber vielleicht hat sich jemand einen blöden Scherz erlaubt, überlegte sie.
Plötzlich klopfte es an der Tür und als Lena öffnete, strahlte ihr Tom, einer der zwölf Mitbewohner vom Stockwerk D3, mit breitem Grinsen entgegen.
»Das hat ein Bote unten für dich abgegeben«, erklärte er, wobei seine Augen vor Neugier glühten.
In den Händen hielt er ein Paket, das exakt so aussah, wie das auf dem Foto des Unbekannten und darauf prangte obendrein ein Schild mit ihrem Namen: »Lena Sommer«.
Sie zuckte erschrocken zusammen. Sprachlos starrte sie das Päckchen an. Innerlich wirbelte ein ganzer Cocktail an Gefühlen.
Die Idee ist ja extrem originell, aber andererseits verdammt gruselig. Woher kennt dieser Typ meine Adresse?
Lenas Herz raste und kleine Schweißperlen sammelten sich auf ihrer Stirn.
»Was ist los, Lena? Ein bisschen mehr Freude hätte ich schon erwartet«, wunderte sich Tom über ihre Reaktion.
Ihren Mitbewohner hatte sie vor lauter Schreck beinahe vergessen.
»Äh, d-danke, Tom«, stammelte sie und griff hastig nach dem Geschenk.
Doch er zog das Paket rasch zurück und hielt es unerreichbar hoch über seinen Kopf. Das war zu viel.
»Lass das, Tom!«
In ihrer Stimme lag ein Hauch von Hysterie, sodass er das Paket wieder sinken ließ. Seine belustigte Miene wandelte sich in eine besorgte.
»Stimmt etwas nicht mit dem Paket? Was ist los?«
Sie wich seinem Blick aus, entriss ihm hastig das Geschenk und drückte eilig die Tür zu. Im letzten Moment griff Tom nach der Klinke und hielt dagegen.
»Lena, wenn du Hilfe brauchst, gib mir Bescheid, okay?«, rief er durch den Spalt.
»Ja, ja, danke!«, antwortete sie hastig, während sie die Tür ins Schloss schob.
Als sie endlich allein war, stellte sie das Geschenk auf ihren Schreibtisch und setzte sich auf den Bürostuhl, um es eingehend zu betrachten, als handele es sich um ein Tier von einem fremden Planeten.
Ob ich es wirklich öffnen soll? Was, wenn da ein Irrer eine Bombe drin versteckt hat oder Gift oder irgendetwas Perverses?
Das Handy klingelte und Lena zuckte vor Schreck zusammen. Genervt kontrollierte sie das Display: Mama. Ihre Mutter war mit der besonderen Begabung gesegnet, in den unpassendsten Momenten anzurufen. Vielleicht lag es daran, dass sie nach der Scheidung allein in einem großen Haus lebte – mehrere hundert Kilometer entfernt von Frankfurt – und in der Stille ihrer vier Wände einen siebten Sinn das falsche Timing entwickelt hatte. Doch Brigitte würde sich jetzt gedulden müssen; vor lauter Aufregung wäre Lena kaum in der Lage, ein vernünftiges Telefongespräch mit ihrer Mutter zu führen. Sie schaltete das Handy stumm und widmete sich wieder dem Paket.

Im Kindle-Shop: Psychoterrorist.



9. Juli 2018

'Tod auf Texel: Der 1. Fall für Jan de Vries' von Axel Berger

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Am Strand der niederländischen Ferieninsel Texel wird eine Leiche aufgefunden. Der Mann wurde brutal erschlagen. Doch von wem? Vom Täter fehlt zunächst jede Spur, Hoofdinspecteur Jan de Vries und der Wijkagent Theo van Duivenbode tappen im Dunkeln. Fest steht, hinter dieser Tat steckt mehr als zunächst vermutet. Eine alte Schuld muss beglichen werden, Vergeltung geübt werden?! Die Lage scheint hoffnungslos. Als sie gar nicht mehr weiterwissen, erhalten die Ermittler plötzlich Hilfe aus der Vergangenheit. Doch, nachdem sie de Hondenzoon schließlich doch schnappen, tuen sich schnell Zweifel auf, die Fragen nach wahrer Gerechtigkeit, Vergebung und Sühne stellen sich – und, ob sie nicht vielleicht doch den Falschen verhaftet haben.

Den Leser erwartet ein spannender Inselkrimi mit viel Nordseeflair und Lokalkolorit. Tod auf Texel ist der erste Teil einer neuen Reihe um den Insel-Polizisten und Spezialermittler Jan de Vries. Wer Nordsee- & Ostfrieslandkrimis liebt, wird auch diesen Krimi mögen.

TIPP aus dem Buchuniversum von Axel Berger und Marlies König: Wer mehr über die Wurzeln von Jan de Vries erfahren will, dem sei der Kurzkrimi Tod auf Ameland empfohlen. Mehr über Anke Frerichs, seine deutsche Kollegin erfährt, wer mit 'Der Fallensteller' in die Reihe um die drei norddeutschen Ermittler Werner Vollmers, Anke Frerichs und Enno Melchert einsteigt. Wer Annie de Vries, die Schwester des Ermittlers näher kennenlernen möchte, dem sei das Buch 'Annie, so schreibt das Leben!' von Marlies König empfohlen.

Leseprobe:
PROLOG

Ein gellender Schrei wurde vom Tosen des Meeres und dem noch immer heftig wehenden Wind, den Nachwehen eines Gewitters, verschluckt und in die Unendlichkeit verbannt. Stumme, davoneilende Schritte im Sand. Lautloses Flüchten.

Gerd Janssen starb einsam.

Die Sonne schickte sich an, über dem Horizont aufzusteigen, dem Meer zu entfliehen, den Strand von Texel in Licht und Wärme zu tauchen. Doch dort, wo Leben sein sollte, begrüßte nun der Tod den neuen Tag mit seiner hässlichen Fratze. Blut quoll zwischen seinen Lippen hervor und tropfte träge in den Sand, weigerte sich einzusickern, blieb trotzig an der Oberfläche, wie zum letzten Beweis seiner flüchtigen Existenz. Tödliche Spuren im Sand.

Rot verschleierte seinen Blick. Der Geruch von salziger Luft vermischte sich mit dem Geschmack von Eisen in seinem Mund. So würde es nun also zu Ende gehen. Seine Gedanken wanderten für einen kurzen Moment zurück in seine Kindheit, er sah seine Mutter vor sich, winkte seinem Vater zum Abschied zu. Stationen seines Lebens: Abitur, der erste Kuss, der erste Job, Hochzeit, die Geburt seines Sohnes, ein silbergrauer Opel Kadett, Rom, Schüsse, der Tod, das Erlöschen von Leben in sterbenden Augen, Blut … was würde von ihm bleiben? Hatte er sein Leben so gelebt, wie er es sich als junger Mann vorgestellt hatte? Er konnte es nicht sagen. Zu viel hatte er noch vorgehabt, zu viel zu sagen gehabt, Bedauern und Entschuldigungen würden unausgesprochen bleiben. Schulden ungetilgt bleiben. Seine Frau. Sein Sohn. Sie würden ihn nicht vermissen …

Er starb. Sein letzter Blick, bevor das Licht in seinen Augen für immer erlosch, erfasste eine Möwe, die versuchte, irgendwas, das aussah wie eine Brotbox für Kinder, aus einem der schwarzen Mülleimer zu zerren. Ihr wütendes Gezeter, das Rauschen der See, die letzten Geräusche, die er vernehmen, sein schwindender Verstand registrieren und mitnehmen sollte, in die alles verzehrende Ewigkeit.

Gerd Janssen war kalt, unendlich kalt, aber Schmerzen hatte er keine. Gott sei Dank. Er zwinkerte – langsam, fast wie in Zeitlupe. Eine bleierne Schwere legte sich auf seine Augenlider und drückte sie unerbittlich zusammen. Er kämpfte nicht mehr; hatte den Kampf verloren. Er hatte …

Dunkelheit!

Gerd Janssen starb einsam …

… am Strand von Texel - mit einem klaffenden Loch im Kopf.

Im Kindle-Shop: Tod auf Texel: Der 1. Fall für Jan de Vries (Nord und Totschlag 6).
Mehr über und von Axel Berger auf seiner Website.



5. Juli 2018

'Glücksfaserrisse' von Gabriele Popma

Kindle Edtion | Tolino | Taschenbuch
Nach langen Umwegen haben Corinna und Sandie ihr Glück gefunden. Doch plötzlich wird es bedroht. Sandie, der seit einem Unfall im Rollstuhl sitzt, wird das Ziel perfider Anschläge, doch er kann seinen Feind nicht lokalisieren. Immer öfter vertraut er sich in dieser Situation einer neuen Kollegin an, während Corinna einen attraktiven Mann kennenlernt, der eindeutiges Interesse an ihr signalisiert.

Unterdessen verliebt sich ihr Sohn Gerry mitten im Abiturstress in eine Mitschülerin. Die Beziehung erweist sich jedoch als ungeahnt problematisch. Große Sorgen macht er sich zudem um einen Freund, der seit einem einschneidenden Erlebnis keinen Sinn mehr im Leben sieht. Als Gerry die komplette Tragweite seiner Geschichte erfasst, ahnt er, dass Hilfe für ihn zu einem Wettlauf gegen die Zeit wird.

Und dann taucht auch noch Corinnas Ex-Ehemann wieder auf ...

Leseprobe:
„Jetzt komm schon in die Hufe, Junge. Das Layout muss heute noch raus. Wenn du dich nicht beeilst, schaffen wir es nie rechtzeitig zur Feier.“
Sandie sah von seinem Computer auf, um seinem Kollegen Dieter einen kurzen Blick zuzuwerfen. Er war noch müde von dem langen Abend zuvor und hätte den Empfang nach der Arbeit am liebsten geschwänzt. Doch Frau Hahn hatte alle Mitarbeiter persönlich eingeladen und er fand keinen plausiblen Grund, um jetzt noch abzusagen.
„Ich hätte nichts dagegen, wenn ich hier noch so lange beschäftigt wäre, dass ich das ganze Getue verpasse“, grunzte er unwillig.
„So ein Unsinn“, widersprach Dieter. „Ich habe vorhin gesehen, welche Köstlichkeiten dafür angekarrt wurden. Das gibt ein Festessen, sage ich dir.“ Er leckte sich genüsslich über die Lippen.
Sandie grinste. Dieter hatte sich besonders fein gemacht. Er trug eine graue Hose und ein schickes Sakko. Am Morgen war er sogar mit Krawatte erschienen, die er jedoch abgelegt hatte, als Sandie bei seinem Anblick laut herausgeprustet war. Er selbst hatte widerwillig Corinnas Drängen nachgegeben, wenigstens ein weißes Hemd anzuziehen. Die Leinenhose, die sie ihm herausgelegt hatte, hatte er allerdings verschmäht und sich stattdessen für eine schwarze Jeans entschieden. Es waren nun mal seine Lieblingshosen und bei der Arbeit am praktischsten. Er musste schon höllisch auf das weiße Hemd aufpassen. Feixend dachte er an Corinnas Gesichtsausdruck, als sie entdeckt hatte, dass er ein rotes T-Shirt darunter angezogen hatte. Er konnte von Glück sagen, dass sie ihm seine Klamotten nicht um die Ohren geschlagen hatte. Aber sie hatte keine Ruhe gegeben, bis er wenigstens das T-Shirt gegen ein weißes eingetauscht hatte.
Er schob sich von der Tischkante zurück. „Wir haben ja noch fast zwei Stunden Zeit“, beschwichtigte er seinen Kollegen. „Das reicht locker für das Layout. Ich hole mir erst mal einen Kaffee, sonst schlafe ich hier noch ein.“
Sandie machte sich auf den Weg zur Kantine, in der ständig frischer Kaffee für die Mitarbeiter bereitstand. Wie immer umfasste er die Ecksäule vor dem Eingang in den großen Raum mit der Hand und drehte sich mit Schwung um sie herum. Allerdings kam ihm dieses Mal jemand entgegen. Sandie sah nur einen vagen Schatten, war jedoch geistesgegenwärtig genug, seinen Rollstuhl mit einem schnellen Griff in die Greifräder zu stoppen. Trotzdem konnte er nicht verhindern, dass eine schlanke, ihm unbekannte Frau fast auf seinem Schoß landete. Sie bewahrte in letzter Sekunde ihr Gleichgewicht, doch den Becher Kaffee, den sie in der Hand gehalten hatte, leerte sie dabei über seiner Brust aus. Er zuckte zurück, als der heiße Kaffee ihn traf und sah dann fassungslos auf sein so gehegtes, ehemals weißes Hemd.
„Können Sie nicht aufpassen?“, fuhr er die Frau an, die ihm gegenüberstand, obwohl er genau wusste, dass es seine Schuld gewesen war.
„Entschuldigung“, murmelte sie. Sie hatte eine Hand vor den Mund geschlagen, als wolle sie ihr Entsetzen verbergen, doch die Laute, die Sandie hörte, klangen eher wie ein Kichern. Plötzlich hielt sie es nicht mehr aus, und sie platzte laut heraus.
„Sehr witzig“, knurrte Sandie und drehte sich um.
„Warten Sie, rennen Sie nicht davon.“ Die Frau, die nach Sandies Meinung etwa in seinem Alter sein musste, lief um ihn herum und stellte sich ihm in den Weg. „Es tut mir leid, dass ich lachen musste“, entschuldigte sie sich. „Aber Ihr Gesichtsausdruck war einfach zu komisch.“ Sie wurde ernst. „Sie gehören doch hoffentlich nicht zu der Sorte Mensch, die schnell beleidigt ist, oder?“
Gegen seinen Willen musste Sandie lachen und sein Ärger verflog. Das freundliche, offene Gesicht der Frau war ihm sympathisch. Außerdem gab es nicht viele Leute, die sich trauten, im Zusammenhang mit ihm das Wort rennen zu benutzen. Das allein imponierte ihm schon. „Nicht wirklich“, gab er zu.
„Hervorragend.“ Eine schmale Hand streckte sich ihm entgegen. „Ulla Hanke. Ich fange morgen hier offiziell als Sekretärin an.“
„Hanke?“, hakte Sandie nach, als er die gepflegte Hand schüttelte.
„Ja.“ Sie lächelte. „Um die Frage vorwegzunehmen, die man mir inzwischen etwa zwanzig Mal gestellt hat, ja, ich bin mit Ihrem Chef verwandt. Er ist mein Schwager.“
Also doch Vetternwirtschaft, dachte Sandie, doch er konnte sein anzügliches Grinsen gerade noch zu einem freundlichen Lächeln umwandeln.
„Aha“, sagte er nur, als ihm einfiel, dass er sich ebenfalls vorstellen sollte. „Mein Name ist Alexander Wegener.“
„Ich freue mich, Sie kennenzulernen.“ Frau Hanke erwiderte das Lächeln. „Was haben Sie denn jetzt vor?“
„Wie meinen Sie das?“
„Na, in dem Hemd können Sie doch nicht zu Frau Hahns Abschiedsfeier gehen.“
„Ein guter Grund, dem Fest fernzubleiben.“
„Kommt nicht in Frage.“ Frau Hanke schüttelte energisch den Kopf. „Kommen Sie mit. Für mich ist ein kleines vorläufiges Büro eingerichtet worden. Ich wasche ihnen die Flecken schnell heraus, dann lassen wir das Hemd auf der Heizung trocknen und wenn ich mich nicht irre, hat Frau Hahn in ihrem unerschöpflichen Bestand sogar ein Bügeleisen.“
„Wundert mich nicht“, murmelte Sandie.
„Eine Chefsekretärin muss auf alles vorbereitet sein. Kommen Sie.“
Er folgte der Frau in einen Raum in der Nähe des Vorstandszimmers.
„Also, runter mit dem Hemd.“
Sandie gehorchte. Während er sein Hemd aufknöpfte, betrachtete er verstohlen die neue Chefsekretärin. Sie war sehr attraktiv. Das kurze dunkelbraune Haar trug sie in einer eleganten Dauerwelle, was ihr ein würdiges Aussehen verlieh, das allerdings durch ihre joviale und freundliche Art wieder zunichte gemacht wurde. Sie war mittelgroß, schlank und modisch gekleidet. An der rechten Hand trug sie einen Ehering und einen Vorsteckring mit zwei kleinen Saphiren, sowie ein zartes Goldkettchen.
„Sie sind also Alexander der Große.“
„Wer bin ich?“ Sandie hielt in der Bewegung inne und sah die neue Kollegin erstaunt an. Wer um alles in der Welt hatte ihr gegenüber diesen uralten Spitznamen ausgegraben?
„Wissen Sie denn nicht, wie man Sie nennt? Ihr Ruf ist Ihnen schon voraus geeilt.“ Frau Hanke streckte die Hand nach dem Hemd aus und Sandie reichte es ihr gehorsam.
„Doch“, gab er zu. „Allerdings ist das schon eine Ewigkeit her.“ Er hoffte, dass die neue Sekretärin den Namen tatsächlich seiner Größe von 1,90 Metern zuordnete, die man ihm sogar im Rollstuhl ansah und ihr die wahren Hintergründe dieser Bezeichnung verborgen geblieben waren.
Sie sah ihn prüfend an. „Ihr T-Shirt hat ebenfalls etwas abbekommen. Soll ich das auch mitnehmen?“
„Nein, danke. Die Flecken sieht man ja unter dem Hemd nicht.“ Es wäre ihm einfach zu peinlich gewesen, mit nacktem Oberkörper vor dieser attraktiven und resoluten Frau zu sitzen.
„Okay.“ Sie nickte, während sie ein Papiertaschentuch aus ihrer Rocktasche zog. „Hier sind auch noch ein paar Spritzer. Darf ich?“ Mit einer Selbstverständlichkeit, die Sandie erstaunte, wischte sie seinen Rollstuhl ab. „So, jetzt dürften alle Spuren unseres ersten Treffens beseitigt sein.“ Sie lächelte. „Ab morgen habe ich eine Kaffeemaschine zur Verfügung. Darf ich Sie mal zu einer Tasse einladen? Als Ausgleich für den, mit dem ich Sie getauft habe.“
„Es war ja eigentlich meine Schuld“, gab Sandie zu. „Aber ich komme gern. Allerdings muss ich jetzt noch etwas arbeiten. Sonst bin ich zur Feier nicht fertig.“
„Das wäre schade.“
„Ja, das wäre es wirklich.“ Sandie stellte fest, dass er sich plötzlich auf die Betriebsfeier freute. Vielleicht ergab sich dabei die Möglichkeit, diese Bekanntschaft zu vertiefen. Als Frau Hanke ihm die Hand reichte, elektrisierte ihn die Berührung. Tief verwirrt drückte er fester zu, als er beabsichtigt hatte und fühlte deutlich, wie zwischen ihnen ein Funke der Sympathie übersprang.

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'Die Saat des weißen Drachen: Fantasy-Epos' von Uwe Eckardt

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Hast du dich schon mal gefragt, woher die Märchen und Legenden über Drachen, Trolle und all die anderen sagenhaften Geschöpfe eigentlich kommen? Was wäre, wenn sie nicht nur der Fantasie der Geschichtenerzähler vergangener Zeiten entsprungen sind? Was, wenn uns nur ein dünner Schleier von einer magischen Welt voller wundersamer Wesen trennt?

Hättest du den Mut, ihn zu zerreißen?

Um sein Leben zu retten, bleibt Finn keine Wahl. Er muss den Sprung durch den Schleier wagen und stolpert sogleich in ein turbulentes Abenteuer, von dessen Ausgang nicht weniger als die Zukunft einer ganzen Welt abhängt. Und als ob das nicht schon genug wäre, muss er sich auch noch mit den magischen Kräften auseinandersetzen, die überraschend in seinem Inneren erwachen. Ganz zu schweigen von dem weißen Drachen, der für seine Hilfe eine sonderbare Gegenleistung erwartet ...

Leseprobe:
Sie schmiegte sich an seine Schulter, als sie durch das bis auf eine Wache verwaiste Hafentor spazierten. Am Wasser angekommen, beobachteten beide schweigend die im Mondlicht schaukelnden Schiffe.
Finn schlang seine Arme um Schey, sah ihr tief in ihre smaragdgrünen Augen und wollten sie gerade küssen, als ein markerschütterndes Brüllen aus Richtung des nahegelegenen Luftschiffs die Ruhe zerriss.
Erschrocken wirbelten sie herum. Ein Teil der Backbordseite der Drachenhaut verwandelte sich mit einem knirschenden Krachen in einen Schauer aus splitternden Holztrümmern, die wie Geschosse auf die umliegenden Schiffe prasselten. Finn und Schey hechteten in letzter Sekunde hinter einen Stapel Kisten in Deckung.
In der klaffenden Öffnung erschien das Haupt des weißen Drachen. Die eiserne Maske war verschwunden und zwischen den gewaltigen Kiefern hing eine schlaffe Gestalt.
»Ken!«, brüllte Finn verzweifelt und machte Anstalten, auf den Drachen zuzustürmen, aber Schey hielt ihn mit Mühe zurück.
Die Bestie ließ die leblose Hülle achtlos fallen und spie ein derart markerschütterndes Brüllen in die Nacht, dass die beiden ihre Hände auf die Ohren pressen mussten. Dann bahnte sich das furchteinflößende Wesen mit den klauenbewehrten Flügeln einen Weg durch die zertrümmerte Schiffswand. Dabei legte es die Schwingen eng an den schlanken Körper, um durch das klaffende Loch zu passen. Mit einer letzten Anstrengung schob der Drache seinen weißen Leib ins Freie.
Er streckte die gewaltigen Schwingen aus und bewegte sie zögerlich, aber er flog nicht davon. Offenbar war er nach Jahren der Gefangenschaft nicht mehr in der Lage dazu. Einen Moment schaute er sich suchend um, den langen Hals in alle Richtungen reckend. Schließlich stieß er sich vom Luftschiff ab und tauchte wie ein riesiger Eisvogel ins dunkle Wasser, wo er in der Tiefe verschwand. Gewaltige Wellen schlugen auf die Anlegestelle und durchnässten Finn und Schey bis auf die Knochen.
Den Wachposten auf der Mauer war die spektakuläre Flucht des Drachen natürlich nicht entgangen. Die hektischen Alarmschläge des großen Gongs hallten durch die nächtliche Stadt, kaum dass die Wogen sich geglättet hatten.
Finn sprang auf die Füße und rannte die Kaimauer entlang, auf der das Luftschiff ruhte. Ken konnte, nein, er durfte nicht tot sein! Schlitternd kam er vor den Trümmern der Schiffswand zum Stehen. Auf dem schmalen Streifen unter dem klaffenden Loch lag eine leblose, teilweise zerfetzte Gestalt in einem See aus Blut.
Es war Lomar, der Drachenmeister.

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