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20. Juli 2018

'Mordsrevanche: Küstenkrimi' von Ulrike Busch

Kindle Edition | Taschenbuch | Tolino
Sie ist 40, beruflich erfolgreich, glücklich verheiratet und endlich schwanger. Da geschieht das Unfassbare: Franziska Hinrichs, Patenkind des Onkels von KHK Tammo Anders, wird ermordet aufgefunden. Der Kommissar und seine frisch angetraute Kollegin Fenna Stern stürzen sich in die Ermittlungen.

Bald werden Schatten auf dem Leben der vermeintlich mustergültigen Ehefrau und Geschäftsführerin einer Ferienhausvermietung sichtbar. Doch bevor die Kommissare weiter recherchieren können, wird ihnen der Fall entzogen. Frustriert ziehen sie sich in den Urlaub nach Nordfriesland zurück.

Dort erfahren sie von einem Mord, der Parallelen zu der Tat in Ostfriesland aufweist. Auf eigene Faust begeben Anders und Stern sich auf die Jagd nach dem Täter. – Ein Einsatz, der nicht ohne Folgen für sie bleibt …

Band 1 der Reihe ‚Anders und Stern ermitteln‘.

Leseprobe:
Petra stand auf den Treppenstufen vor der Eingangstür ihres Hauses unweit des Greetsieler Sieltiefs. Zum Abschied winkte sie Franziska verhalten zu. »Sollen wir dich nicht doch lieber mit dem Auto nach Pilsum bringen?«
»Nein, danke.«
»Du fährst aber bitte vorsichtig, ja?«
Franziska warf ihre Handtasche in den geflochtenen Fahrradkorb, der am Lenker befestigt war. »Nein, Petra. Sonst immer, aber heute ausnahmsweise mal nicht.« Sie zwinkerte ihrer besten Freundin zu und schob das Fahrrad durch den Vorgarten auf die Straße.
Der Duft von frisch gemähtem Gras stieg ihr in die Nase. Dirk hatte im Garten gearbeitet, während Petra und sie ihren monatlichen Tratschabend auf der Terrasse verbrachten. Hexentreffen nannten ihre Ehemänner die Zusammenkünfte, die sie seit dem Ende ihrer Schulzeit an jedem dritten Samstag eines Monats zelebrierten.
Franziska schwang sich in den Sattel und trat in die Pedale.
Warum taten die Menschen so, als müsste eine Frau, die ein Kind erwartet, über jede kleinste Aktivität dreimal nachdenken, bevor sie es wagen konnte, sie in Angriff zu nehmen? Als würde eine Schwangerschaft mit einem Schlag alles verändern und man müsste das Leben ganz neu denken.
Sie bog in den Pilsumer Weg ein. Kurz vor der Hauptstraße verlangsamte sie das Tempo und blickte aufmerksamer als sonst nach rechts und links. Kein Auto war unterwegs, keine Scheinwerfer brannten sich durch die Dämmerung. Trotzdem war Vorsicht geboten. Immerhin musste sie jetzt für zwei aufpassen.
Franziska schmunzelte über sich selbst. Also doch auf einmal alles anders, wenn man schwanger war?
Die Hälfte der Straße hatte sie überquert, als wie aus dem Nichts heraus ein Motor aufheulte und das Geräusch in Windeseile näherkam. Ein wildgewordener Harley-Fahrer preschte um die lang gezogene Kurve wie ein Höllenreiter mit einer Eilbotschaft für den Satan unterm Sitz.
Franzi kniff die Pobacken zusammen und zog den Kopf ein. Ihre Hände krallten sich am Lenker fest. Sie warf einen ängstlichen Blick über die Schulter.
In einer elegant geschwungenen Linie zog die Maschine hinter ihr vorbei. Das Dröhnen des Motors hallte nach wie ein akustischer Kometenschweif.
Franziska atmete auf. Das war noch einmal gut gegangen.
Sie radelte auf das Neue Greetsieler Sieltief zu. Auf der Brücke, die über den Kanal führte, hielt sie an. Das dunkelgrün schimmernde Wasser lag unbeweglich da. Mücken tanzten auf der Oberfläche wie winzig kleine Elfen. Aus den feuchten Wiesen der Umgebung stieg Dunst auf. Die ganze Welt roch an diesem Abend nach Erde, Gras und Feuchtigkeit. Ein verwunschenes Land. Ein Märchenland?
In der Abenddämmerung hatte die Stille etwas Unheimliches. Franziska horchte in sich hinein. In dieser Gegend war sie zu Hause. Unzählige Male war sie diesen Weg entlang gefahren, bei jedem Wetter, zu jeder Jahreszeit. Lag es an der Verantwortung für das ungeborene Kind, dass sie sich auf einmal so ungeschützt fühlte? Was nützte es, zu grübeln? Sie setzte ihren Weg fort.
Aus der Richtung, in die sie fuhr, kam ihr ein Radfahrer entgegen. Die Lampe zuckte in der Dämmerung nach rechts und links. Das Rad schlenkerte, der Fahrer war offensichtlich unsicher. Ein Betrunkener?
Instinktiv guckte Franziska sich um. Wie sinnlos! Eine Möglichkeit, dem Mann auszuweichen, existierte auf dieser Strecke nicht. Weit und breit gab es nur Wiesen und Felder. Keinen Weg, auf den sie hinüberwechseln konnte. Keine Menschenseele, die einen Abendspaziergang machte und ihr zu Hilfe hätte eilen können.
Das Fahrrad kam näher. Die Person, die es lenkte, war ein korpulenter Mann mittleren Alters, in schmuddelige Jeans und einen dunkelgrünen Pulli gekleidet. Mit tief ins Gesicht gezogenem Basecap und dunkler Brille, als ob die Sonne, die längst hinterm Horizont verschwunden war, ihn noch hätte blenden können. Was hatte er zu verbergen?
Sollte sie umkehren, so schnell wie möglich nach Greetsiel zurück? Franziska verwarf den Gedanken. Wenn der Mann vorhatte, ihr etwas anzutun, würde er sie spätestens am Sieltief einholen. Sie malte sich aus, wie er sie überwältigen und ins Wasser werfen würde, sie und das Kind.
Den halben Heimweg hatte sie bereits zurückgelegt. Besser war es, weiterzufahren. Keine Schwäche zeigen, nicht wie ein potenzielles Opfer wirken. Den Kopf heben, dem Mann ins Gesicht lächeln und energisch in die Pedale treten, das war der beste Schutz. Dann käme er erst gar nicht auf dumme Gedanken. Und wer sagte denn überhaupt, dass er gefährlich war? Ihre Fantasie spielte ihr heute wirklich einen Streich!
Die Umrisse des Hauses, das ihr Mann und sie vor vier Jahren gekauft hatten, konnte sie bereits erkennen. Womöglich stand Bodo im Vorgarten und hielt Ausschau nach ihr. Sie war heute später dran als sonst. Petra und sie hatten ein sensationelles Thema zu besprechen gehabt: ihre Schwangerschaft, ein lang gehegter Wunsch, der sich endlich erfüllt hatte.
Der Radler hielt genau auf sie zu. Die Fahrradleuchte schlenkerte nicht mehr. Die Gläser der Sonnenbrille waren auf ihr Gesicht gerichtet wie Scheinwerfer, die Strahlen der Dunkelheit statt des Lichts verströmten.
Franziska verringerte das Tempo. Ihr Herz klopfte laut und langsam, als wollte es ihr die drohende Gefahr ins Hirn schlagen. Sie bremste. Ihr wurde schwindelig. Sie verlor das Gleichgewicht und sprang vom Rad. In Panik ließ sie es fallen und hechtete auf den Wiesenrand, wo sie auf die Knie stürzte.
In letzter Sekunde, kurz bevor er über den Vorderreifen ihres Bikes gefahren wäre, riss der Radfahrer den Lenker herum. Er hob eine Hand, rief: »Schön gut’n Moin« und radelte unbeirrt an ihr vorbei.
Franziska schluckte. Ein besoffener Tourist, der sich offenbar in der Tageszeit vertan und obendrein nicht verstanden hatte, was Moin bedeutete.
Sie beobachtete, wie der Mann schwankend in Richtung Greetsiel weiterfuhr. Als er die Brücke, die über den Kanal führte, überquert und sich bis dahin kein einziges Mal nach ihr umgedreht hatte, erhob sie sich und legte eine Hand auf ihren Bauch. Alles ruhig da drinnen ... Keine Angst, mein Kind, gleich sind wir am Ziel.
Sie kehrte auf den Weg zurück und nahm ihr Fahrrad auf. Mit flatterndem Herzen und zittrigen Knien setzte sie den Heimweg fort. Nur noch wenige hundert Meter. Mittlerweile herrschte mehr Dunkelheit als Dämmerung.
Franziska erreichte die mannshohe Buchenhecke, die das lang gestreckte Grundstück umgab. Erleichtert atmete sie auf. Es mussten die Hormone gewesen sein, die ihr unterwegs Gefahren vorgegaukelt hatten, die nur in ihrer Vorstellung existierten. Was für ein gutes Gefühl, angekommen zu sein! In wenigen Augenblicken würde sie Geborgenheit in ihren vertrauten Räumen finden.
Während das Rad ausrollte, blickte Franzi zur oberen Etage des Hauses hoch. Bodo saß noch im Arbeitszimmer, das zur anderen Seite hin lag. Das Licht der Schreibtischlampe erhellte den Flur. Gleich würde er ihr einen alkoholfreien Longdrink mixen und dann würden sie gemeinsam von ihrem Leben zu dritt träumen.
Franziska stieg vom Rad. Etwas knackte hinter der Hecke. Eine streunende Katze wohl, die dort im Dunkeln Schutz suchte und sich vor ihr erschreckt hatte. Vorsichtig, um das Tier nicht noch mehr zu verängstigen, schlich sie an den sorgfältig geschnittenen Rotbuchen vorbei. Sie öffnete die Gartenpforte und schob das Rad auf den Fahrradständer zu, der bei den Mülltonnen in einer Ecke des Grundstücks aufgestellt war. Dieses kleine, nüchterne Areal hatten sie auf geschickte Weise vor Einblicken geschützt. Zur Straße und zu dem Trampelpfad hin, der davon abzweigte, war es von der Buchenhecke verdeckt; vom Haus aus betrachtet lag es hinter üppigen Rhododendronsträuchern verborgen.
Mit einem Mal schnellte ein dunkel gekleidetes Wesen hinter dem Container hervor. Es sprang auf Franzi zu.
Eiskaltes Grauen schoss durch ihren Körper. Sie öffnete den Mund und holte Luft.
Doch die Gestalt war schneller als sie. Sie hielt etwas in der Hand, der Arm holte aus und ...
Noch in der Kehle erstarb Franziskas Schrei.

Im Kindle-Shop: Mordsrevanche: Küstenkrimi (Anders und Stern ermitteln 1).
Für Tolino: Buch bei Weltbild
Mehr über und von Ulrike Busch auf ihrer Website.



'Trick & Trap: Operation Liebesfalle' von Lisa Torberg

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Gemeinsam haben sie den Wunsch, die „Operation MM“ erfolgreich zu Ende zu bringen – und die Tatsache, dass ihre Namen selbst Comicfiguren in den Schatten stellen. Sonst nichts.

Trisha Trap, Agentin des MI5, Deckname Miss Smith, hat das Limit des Erträglichen erreicht. Sie ist das eingefärbte Vogelnest auf ihrem Kopf, die klebrige Mascara, den schwarzen Lippenstift, vor allem aber die Tonne Metall leid, die sie tagtäglich von den Ohrläppchen bis zu den Boots mit sich herumschleppt. Und ihren schmierigen Vermieter Schrägstrich Zielobjekt, der seine Griffel nicht bei sich behält. Sie explodiert, setzt die Undercover-Mission im East End in den Sand und landet unweit der Billionaire’s Ave bei dem Mann, dessen Bruder vor ihren Augen ermordet wurde – und der eine pelzige Matratze im Gesicht hat. Und sie hasst Vollbärte!

Troy Trick, Anwalt und Privatermittler, traut seinen Augen nicht. Blackshaw, der das MI5-Team leitet, das dem Killer seines Bruders auf den Fersen ist, schickt ihm dieses Gothic-Biest, um seine schwangere Assistentin zu ersetzen? Eine Frau, die er nicht einmal mit der Kneifzange anfassen würde – wenngleich sie fantastisch riecht, ein heißes Fahrgestell hat und ihm 100.000 Volt durch den Körper jagt, als sich ihre Finger berühren ...

Bree, Troys beste Freundin und Noch-Assistentin, fasst ihr Aufeinandertreffen in Worte: Trisha Trap & Troy Trick. Das kann ja heiter werden.

"Trick & Trap: Operation Liebesfalle" ist der neue in sich abgeschlossene Liebesroman der Amazon-Bestseller-Autorin Lisa Torberg – mit sinnlichen, prickelnden Liebesszenen, dramatischen Augenblicken und einer mit Humor gewürzten romantischen Handlung. Kein Cliffhanger.

Leseprobe:
Heute, irgendwo im Londoner East End
Fassungslos starrt Trish auf den Bildschirm, kneift die Augen zusammen und liest die Mail noch einmal. Als ob sich die paar Zeilen nicht schon in ihr Hirn eingeprägt hätten wie das Brandzeichen auf dem Hintern eines Zuchtbullen. Dieses verdammte Arschloch setzt sie tatsächlich vor die Tür! Klar, sie hat letzten Freitag, als er seine schweißnassen Griffel auf ihren Oberarmen platzierte, um sie an sich heranzuziehen, das Knie angehoben. Na ja, vielleicht hat sie es mit schlecht dosiertem Schwung in seine Weichteile gerammt. Seinem stöhnenden Laut nach zu schließen, der in ein eunuchenhaftes Quietschen überging, hat sie ihre Kraftreserven nicht richtig eingeschätzt. Aber welche Frau hätte an ihrer Stelle nicht so gehandelt, wo er ihr doch unbeirrt nachstellt, als ob sie der Hauptpreis in der beschissenen Weihnachtslotterie wäre.
Jeder andere hätte längst kapiert, wie der Hase läuft. Immerhin kennt er sie seit mehr als einem Jahr – um exakt zu sein, seit dreizehn Monaten. Und ebenso oft hat sie ihn abblitzen lassen – an jedem Monatsersten. Wie gesagt hätte jeder x-beliebige Mann bereits spätestens beim zweiten Mal kapiert, dass hier nicht nur kein Hase, sondern schlichtweg gar nichts laufen konnte. Er hätte den Schwanz – sofern vorhanden – eingezogen und wäre mir von da an aus dem Weg gegangen. Nicht Oliver Odd! Von allen – hinter seinem Rücken – nur Odd Ollie genannt, macht er seinem Namen alle Ehre: Er ist ein sonderbarer Typ. Dass seine schwarzen, pomadisierten Haare gefärbt sind, steht außer Zweifel, auch wenn nur selten jemand den Blick hebt, um sich davon zu überzeugen. Die meisten trauen sich ja nicht einmal, ihm ins Gesicht zu sehen, was nicht an der riesigen, dunklen Warze liegt, die einer Fleischfliege gleich unter seinem rechten Nasenloch knapp oberhalb der Oberlippe thront. Auch nicht an den Schweinsäuglein, die von einem Babyblau sind, das perfekt zu seiner Stimme und dem androgynen Körper passt. Nein, denn obschon Mr Odd nichts von einem echten Kerl hat, nehmen alle Habtachtstellung ein, sobald er den Mund öffnet und mit seinem Falsett nur wenige Worte von sich gibt. Spricht er länger, ähneln die Bewohner des Hauses, des Stadtviertels – höchstwahrscheinlich des gesamten metropolitanen Gebiets – der Terrakotta-Arme des ersten chinesischen Kaisers.
Der Mann mit der hohen Stimme erweckt nach außen hin den Eindruck einer Witzfigur. Tatsache ist, dass er Mr Bean aus der gleichnamigen Fernsehserie ähnelt und sich wie dieser im Normalfall auf Mimik und Gestik verlässt, um sich auszudrücken. Mit körperlichem Ausdruck stand Trisha ihm jedoch letzten Freitag um nichts nach, als sie ihm zuerst das Knie zwischen seine Beine rammte und anschließend reflexartig nach der Karaffe mit dem Eiswasser griff und sie an der Stelle entleerte, über die der Fiesling – immer noch quietschend – schützend seine Hände hielt. Ersteres tat sie aus Reflex, mit der zweiten Aktion wollte sie vermeiden, die Hausbewohner kurz vor sieben zu wecken.
Bald nachdem Mr Odd ihr nicht nur die Wohnung seiner Großtante, die wenige Wochen zuvor in eine Seniorenresidenz gezogen war, sondern auch den Laden im Erdgeschoss mitsamt Lizenz vermietete, wurde sie von allen mehr oder minder wohlwollend akzeptiert. Die anfängliche Skepsis aufgrund ihres Gothic-Looks legte sich rasch. Alle Mieter wissen, dass sie stets zur gleichen Uhrzeit nach unten in den Laden geht und eine halbe Stunde später der Duft von Kaffee das Treppenhaus erfüllt – und sonst nichts. Trisha Trap braucht keine laute Musik, um in die Gänge zu kommen. Im Gegenteil. Sie liebt es, in absoluter Ruhe den Tag zu beginnen, und bevor nicht die ersten Kunden eintreffen, hört man keinen Laut – und schon gar kein Stöhnen und Kreischen. Sie hatte am letzten Freitag also einen triftigen Grund, Odd Ollie, der durch den Hintereingang hereingeschlichen war – angeblich um die Miete zu kassieren –, zum Schweigen zu bringen. Dass er wieder einmal seine schmierigen Finger nach ihr ausstrecken würde, hätte sie absehen und ihre Reaktion wie immer unterdrücken müssen. Aber vor der ersten Ration ihrer pechschwarzen Droge laufen ihre geistigen Kapazitäten auf Sparmodus. Daher sah sie in dem Moment einfach nur rot und hat vergessen, dass der Typ ihr Vermieter ist und sie in diesem Haus ihre Einkommensquelle und das Dach über ihrem Kopf hat. Jetzt ist sie auf einen Schlag beide los, denn der verdammte Scheißkerl beruft sich auf einen der siebenundvierzig Paragrafen des zehnseitigen Mietvertrags, den Trisha nicht einmal nachlesen muss, um zu wissen, dass er dort ein Schlupfloch eingebaut hat.
Ihre Kehle wird eng und die Mail auf dem Bildschirm verschwimmt vor ihren Augen. Shit! Hier ist sie in Sicherheit und kann ihre Wunden lecken, die sie ihrer selbst verschuldeten Unachtsamkeit, derentwegen sie damals knapp am Tod vorbeigeschrammt ist, verdankt. Niemand vermutet sie im East End. Hinter der Theke des unverfänglichen Tante-Emma-Ladens kann sie den Ball flach halten und darüber sinnieren, wann sie ihren inneren Schweinehund überwinden und dem Drängen Blackshaws nachgeben wird. Falls überhaupt ... denn an und für sich ist sie der Sache ja hier auch nützlich. Immerhin observiert sie eine der Schlüsselfiguren aus unmittelbarer Nähe.
»Du hattest Glück im Unglück«, fasste es ihr Boss nach dem Zwischenfall in der Bar, bei dem sechs Schüsse aus einer einzigen Pistole abgefeuert wurden, zusammen. Danach verpasste er ihr eine neue Identität, und die alte Mrs Odd ist mit einer großzügigen Summe davon überzeugt worden, dass sie nie etwas anderes wollte, als ihren Lebensabend anstatt in Londons East End in einer luxuriösen Seniorenresidenz in Cheshire zu verbringen. Weit weg von ihrem unsäglichen Neffen, dessen Hände tief im Sumpf der Illegalität stecken. Oliver Odd, der seine kriminelle Intelligenz hervorragend hinter seinem eunuchenhaften Aspekt versteckt und dem Trisha seit dreizehn Monaten im Nacken sitzt. Eine lange Zeit, in der sie zwar so manches in Erfahrung bringen konnte, was uns bis dahin unbekannt war, aber noch nicht genug, um diesem Arschloch die entscheidende Querverbindung nachzuweisen, die ihm – und seinen Geschäftspartnern gleich mit – das Genick brechen wird. Sie war so nah dran, dass sie das sprichwörtliche Licht am Horizont bereits erahnen konnte – und jetzt ...
Ein Ruck geht durch ihren Körper.
Nein! Ich lasse mich nicht unterkriegen! Nicht von so einem Arsch wie Odd Ollie!

Im Kindle-Shop: Trick & Trap: Operation Liebesfalle.
Mehr über und von Lisa Torberg auf ihrer Website.



19. Juli 2018

'Kaltgestellt: der Mann aus Beirut' von D.W. Crusius

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Das BKA hört mehrere Handygespräche zwischen Deutschland, Damaskus, Bagdad und Grosny ab. In den Gesprächen geht es um Terroranschläge in Westeuropa und um Drogen. In aller Eile installieren das BKA und der Verfassungsschutz in einem kleinen Ort am Niederrhein eine behelfsmäßige Kommandozentrale. Aus dieser Gegend kamen die Gespräche.

Der Nahost Experte Walther Sembach, strafversetzt von Damaskus nach Deutschland, bekommt die undankbare Aufgabe, die Urheber der Telefonate zu ermitteln. Als er der Wahrheit zu nahe kommt, steht er selbst auf der Abschussliste.

Leseprobe:
Er ist noch nicht lange hier, vier Wochen. Oder fünf? In der Enge einer Gefängniszelle verliert man die Zeit. Er darf mit niemandem reden. Beim Hofgang brüllen die anderen Gefangenen anzügliche Bemerkungen. Kinderficker ist noch harmlos. Unter den Augen von sechzig oder achtzig Männern wie auf dem Präsentierteller alleine um den Gefängnishof zu laufen, ist erniedrigend. Er setzt sich lieber auf eine Bank hinten an der Mauer. Oder verzichtet auf den Hofgang.
Jeden Freitag dröhnt der Ruf – Häftlinge antreten zum Duschen – durch das Hafthaus. Ein Beamter öffnet die Zellen und in Gruppen von acht bis zehn Gefangenen gehen sie duschen. Für ihn gilt das nicht, er duscht getrennt von den Anderen.
»Ist zu Ihrem Schutz«, sagt der Schließer mürrisch, als er wissen will, warum das so ist. Justizbeamte in einer JVA werden Schließer genannt, weil sie am Gürtel viele Schlüssel tragen.
Das vergitterte Fenster seiner Zelle ist klein, vierzig mal sechzig Zentimeter, wie eine Dachluke. Mitternacht ist vorbei, der Mond steht hoch am Himmel. Er weiß nicht, wie spät es ist, sie haben ihm bei der Festnahme die Uhr abgenommen.
In der Zelle herrscht Halbdunkel und ohne die Gitter zum Gang und am Fenster hätte er es als angenehm empfunden. Er liebt die Dunkelheit. Als er sieben oder acht Jahre alt war, ist er nachts oft von zu Hause ausgerissen und alleine durch den Wald gestromert. Da war kein Vater, nur die Nachttiere. Mäuse raschelten im Unterholz und gelegentlich hörte er eine Eule, die sich laut protestierend in die Luft schwang. Der Wald war von Gräben durchzogen, die im Frühling und Herbst voll Wasser standen. Wenn er spät nachmittags, nach den Schularbeiten, mit seinen Freunden durch den Wald stromerte, schreckten sie im dichten Unterholz Rehe auf.
Die Deckenbeleuchtung im Gang brennt nur schwach. Ungewöhnlich, sonst sind Gang und seine Zelle hell beleuchtet. Er blickt zur Kamera an der Zellendecke. Die Decke ist sehr hoch, vier Meter, keine Chance hinaufzuklettern und die Linse abzudecken. Warum auch, er hat nichts zu verbergen. Den Lebensabschnitt, in dem er brisante Geheimnisse mit sich herumtrug, hat er hinter sich.
Schlafen kann er nicht, er döst vor sich hin, denkt über sein Leben nach. Er hat nicht protestiert, als man ihn festnahm. Es war die logische Folge der Ereignisse. Wie die Nacht auf den Tag folgt.
Etwas ist anders. In dieser kurzen Zeit hat er sich an die Geräusche der Justizvollzugsanstalt gewöhnt, Änderungen fallen ihm sofort auf. Da ist ein Schleifen auf dem Zementboden. Er steht auf und tritt an das eiserne Gitter zum Gang, drückt den Kopf dagegen. Überrascht bemerkt er, dass die Gittertür nicht verschlossen ist. Einen Moment ist er in Versuchung, sie ganz aufzustoßen. Er unterlässt es, es bringt nichts. Bis zur Freiheit gibt es zu viele verschlossene Gitter. Auch die Tür der Nachbarzelle steht etwas auf.
Er legt sich wieder auf die schmale Pritsche und taucht in seine Erinnerungen. Zwei oder drei Uhr morgens muss es sein. Um diese Zeit kommt sein Vater zu ihm. Das ist Jahrzehnte her, es läuft ab wie ein Film in seinem Kopf.
»Darf ich mich zu dir setzen?«, flüstert sein Vater. »Ich habe dir etwas mitgebracht, Zimtschokolade, die isst du doch so gerne. Kannst du essen, Mama weiß nichts davon, das ist unser Geheimnis.«
Sein Vater setzt sich auf die Bettkante und reißt die Verpackung auf, pult das Silberpapier ab.
»Möchtest du?«
Er bricht ein Stück Schokolade ab und schiebt es dem Jungen zwischen die widerstrebenden Lippen.
Ein ungewöhnliches Geräusch aus der Nachbarzelle reißt ihn aus seinen quälenden Gedanken und er ist dankbar dafür. Jemand geht hin und her. Nicht in Filzschuhen, wie die Gefangenen sie tragen müssen, sondern in Straßenschuhen mit harten Ledersohlen. Er horcht und plötzlich weiß er, weshalb ihn das irritiert. Zwei Personen sind es. Unverständliches Geflüster. Das Licht im Gang erlischt, nur schwaches Mondlicht erhellt die Zelle. Die Schritte verstummen.
Vor seiner Zellentür sieht er den Lichtkegel einer Taschenlampe, mehrere Schatten. Die Tür seiner Zelle schwingt knarrend auf und sie kommen herein, drücken ihn auf die Liege, pressen ein stinkendes Tuch auf seinen Mund. Er spürt einen harten Gegenstand am Hals, ein elektrischer Schlag durchzuckt ihn und er kann sich nicht bewegen. Sie reißen ihn von der Pritsche und schleifen ihn über den Boden. Er spürt, wie sich seine Blase entleert.

Im Kindle-Shop: Kaltgestellt: der Mann aus Beirut
Mehr über und von D.W. Crusius auf seiner Website.



'Tod in Alepochori' von Claudia Konrad

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Eigentlich will der aus dem Ländle stammende, kürzlich pensionierte Sonderermittler Wellendorf-Renz einen gemütlichen Urlaub in Griechenland verbringen und endlich seine Zeit als Kommissar hinter sich lassen, da geht es auch schon wieder los: Denn kaum in Alepochori angekommen, spürt die feine Nase seines Hundes „Trollinger“ einen toten Taucher in einem verbrannten Waldstück auf.

„Welles“ guter Ruf als Polizist eilt ihm voraus und die griechischen Behörden bitten ihn um Unterstützung bei der Aufklärung des Falles. Fortan begleitet er die griechischen Kollegen und begibt sich mit ihnen auf die Suche nach dem Mörder. Die griechischen Ermittler tappsen rum und Welle in die Arme einer charmanten Griechin. Was anfangs wie ein merkwürdiger Badeunfall aussieht, tut sich auf als Fall von Korruption und Intrige – bis in die höchsten Kreise von Staat und Kirche. Die finden sich nicht etwa in Athen. Nein, Welle macht Wellen im Vatikan.

Das Buch bietet eine wunderbare Mischung aus Leichtigkeit, Spannung und griechischen Impressionen. Wellendorf-Renz ist eine ausgereifte Figur, ein wenig schrullig-eigenbrödlerisch, man liest mit Spannung und Vergnügen.

Leseprobe:
Prolog
Geisterwald. Knarrende Baumstämme, vom warmen Wind umspielt. Ein Heer bizarrer Pinien, verbrannt bis in die Wipfel. Rußgeschwärzte Hänge, Verwesungsgeruch.
Welle sah die Feuersbrunst vor sich. Hörte das gellende Todesblöken der Schafe, deren Stall von Flammen umzüngelt war. Hubschrauberlärm mischte sich unter das Feuer-Gefauche. Gierig sogen die Flammen erste Wasserbretter auf, die tonnen-schwer auf den Wald prasselten – und doch nur wie Tropfen auf dem heißen Stein wirkten. Klägliche Versuche, das Inferno unter Kontrolle zu bekom-men. Ein weiterer Lösch-Hubschrauber näherte sich. Der Kampf gegen die Naturgewalt hatte begonnen.
Nichts für Zartbesaitete, wenn das Kopfkino des Pforzheimers ansprang. Trollingers aufdringliches Gebell durchbrach seine Vorstellungen und holte ihn in das Jetzt zurück. Der Unterton im Bellen gefiel dem pensionierten Hauptkommissar gar nicht. Er versuchte, seinen Vierbeiner auszumachen. »Trollinger!«, schrie er. »Bei Fuß!«
Der Rüde erschien kurz, knurrte seinen Herrn an, um gleich wieder im Schwarz zu verschwinden.
»Sack Zement, was ist jetzt wieder?« Grantig stiefelte er hinterher. Nach ein paar Metern hatte er ihn eingeholt.
»Beruhig dich, was ist denn los mit dir?«
Welle schaute sich um, sah aber nichts.
»Hör doch mit der blöden Kläfferei auf. Aus jetzt!«
Mit gefletschten Zähnen rannte Trollinger hin und her, verharrte dann und schaute gen Himmel. Der Pensionär folgte dem Blick seines Hundes.
»Deifel nomol … Ha noi, so ebbes gebts jo gar ned. I glab, i spinn. En Daucher. Da hangt en Daucher im Bom!«

Kapitel Eins
»Wann war i sletschmol so besoffe?« Trollinger musste das wissen. Der saß neben ihm … nein, der lag …
»Trollinger!« Es wuffte matt. Unter der Bank. Bank? Bushäuschen. Ahhhh, Bushäuschen. Er saß auf der Bank, es nieselte, daher Bushäuschen. Warum nieselte es immer an seinem Geburtstag, wo es doch in Pforzheim nie nieselte. Er musste grinsen. Nie nieseln, komisch.
»Trollinger, findest du nie nieseln auch komisch?« Trollinger wuffte. Alles gut.
»Also, Trollinger, wann war ich das letzte Mal so betrunken?«
Warum saß er hier? Wo war Erika?
»Trollinger, wie alt bin ich jetzt, und wo ist Frauchen?«
Und was, Himmel-Schdugert-Sackzement!, hatten die ihm da geschenkt? Die von seinem Club. Die Alten Hasen. Fünfundsechzig, das war es. Fünfundsechzig Kerzen hatte er ausblasen müssen. Heidenei! Und dann der Wein, zehn Schoppen? Ramazzotti, vier? Grappa? Auch egal.
»Wieso sprang mir jetzt Griechenland ins Hirn? Wir waren doch im ›Al Bacio‹, eindeutig Italien.«
Er griff in die Tasche des Trenchcoats, streifte über Reste von Tiramisu auf seinem Jackett, Trollinger musste ablecken. Ein Umschlag, DIN-A4-Blatt, ein Bild von einem Schiff, noch ein Bild, Markusplatz, Venedig.
»Trollinger, soll ich das mal vorlesen, willst du es hören, oder sollen wir warten, bis Frauchen ...«
Jetzt spürte er Tränen. Ist ja nicht mehr, die Erika. Scheiß LKW! Seit mehr als acht Jahren nicht mehr. Fünfundfünfzig Jahre waren sie ... Zum die Wänd hochgrabble!
»Ich les es dir vor, Trollinger. Also … Lieber Welle, damit du mal wieder richtig Welle machen kannst … Trollinger, das ist doch ein mieser Scherz, oder? Also, damit du Welle machen kannst, schenken wir dir ein Fährticket von Venedig nach Griechenland auf der Anke Lines … Wer ist denn jetzt Anke? Trollinger, wollen die, dass ich mit der Anke … ach so, die Reederei heißt so … Kabine mit Sondergenehmigung für Trollinger in allen Bordbereichen. Wahlweise Igoumenitsa, Korfu oder Patras.«
Jetzt kam die Erinnerung zurück.
»Wer hat sich das denn ausgedacht?«
»Ist doch egal«, hatte Holger Kuhlmann gesagt. »Du wolltest dir alte Steine anschauen und da eignen sich die der alten Griechen am besten. Genieße deinen Urlaub, schließlich hast du dich seit Erikas Tod nicht mehr aus Pforzheim herausbewegt. Außer vielleicht mal bis zum Titisee und in die Schweiz zu deinem Kumpel. Wir freuen uns jedenfalls auf deinen Urlaubsbericht.«
»Aber ich habe gar keinen runden Geburtstag! Das kann ich nicht annehmen«, hatte er gesagt.
»Ha so ebbes!« Hans Häberles Bassstimme dröhnte im tiefsten Badisch. »Mir hen des älle gwellt, und jetzt hälsd dei Gosch. Proschd!«
»Ja, dann bleibt mir wohl nichts anderes übrig. Nochmals vielen, vielen Dank!«

Er stand auf. Es hatte aufgehört zu nieseln. Welle hielt sich an der Strebe des Bushäuschens fest, schob Manschette und Trenchcoat-Ärmel zurück, griff mit der anderen Hand in die immer noch beschmierte Jacketttasche und setzte sich erneut die Lesebrille auf.
»Herrschaft, Trollinger, halber drei gleich. Schaffen wir den Berg noch?« Wieder so ein kurzer Moment, in dem Welle es bereute, hoch über Pforzheim zu wohnen.
Der Staffordshire blickte nach oben, als wollte er sagen: Stell dich nicht so an, Alter, du auf zwei, ich auf vier Beinen. Ich will in den Korb, und wenn du bitte noch einen Klecks Tiramisu ...
»Ja, braver Hund, hörst mir immer zu. Dir armen Teufel bleibt auch nichts anderes übrig.« Welle bückte sich, streichelte ihn und lächelte.
Er torkelte sich auf den Heimweg ein.
Ein weiteres Stück Erinnerung kam zurück, gerade mal neun Stunden war das her.
Er war mit Trollinger die Bahnhofstraße hinuntergelaufen, vorbei am Polizeirevier. Holger Kuhlmann und Igmar Keller waren herausgekommen.
»Da ist ja unser Geburtstagskind.« Das war Kuhlmann.
»Kind? ›Alter Sack‹ wolltest du wohl sagen. Wo geht’s hin?«
»Na, deinen Geburtstag feiern, wohin denn sonst?«
»Damit hast du nicht gerechnet, gell?« Keller war den ganzen Abend über bester Laune gewesen. »Kommt, wir müssen uns beeilen, die anderen werden sicher schon warten. Schau nicht so belämmert, du wirst heute noch einige Überraschungen erleben.«
Wirt Andreas hatte gerade ein Tablett mit Sektgläsern hinter der Theke hervorbalanciert, als die drei eintraten. Und jetzt war der Film wieder da, Echtzeit, live und in Farbe mit Ton. Als sei es gestern ... nein, war ja eben erst alles, vor der Sache mit der Anke … nein, mit dem Schiff. Hatte er das richtig verstanden, eine eigene Kabine für Trollinger?

Im Kindle-Shop: Tod in Alepochori.
Mehr über und von Claudia Konrad beim pinguletta Verlag.



18. Juli 2018

'Die Welt verstehen und wahrnehmen' von Danka Todorova

Taschenbuch
Das Buch ist eine Gesamtausgabe von „111 Tipps“ und „Harmonie und Balance“.

Hiermit lade ich dich ein, deine eigene Reise zu unternehmen, um zu dir selbst, zu den anderen und der Welt zu verstehen, dein Leben in die Hand zu nehmen, den Alltag bewusst zu gestalten und wahrzunehmen. Nur so kannst du innere Harmonie und Balance in voller Zufriedenheit und Freiheit finden und genießen.

Leseprobe:
Tipp 9
Ich beobachte Menschen bei der Arbeit.
Ich beobachte in meiner Arbeit auch andere Menschen. Wie sie mit den Problemen umgehen, wie sie mit verschiedenen Situationen umgehen und versuche die Kernaussage des Menschen zu entdecken. Was bewegt einen Menschen? Welche Glaubenssätze oder Muster kommen zum Erscheinen. Es ist nicht immer leicht, eigener Konzentration und eigenem Gespür zu folgen, da die Störfaktoren da sind.

Tipp 10
Ich übe ständig Konzentration.
Sie ist auch da, ich schule in allen möglichen Situationen meine Konzentration: Bild betrachten, Mensch betrachten, Natur betrachten, Vögel betrachten. Einfach da sein und den Bewegungen folgen. In sich hinein hören, ob man etwas entdecken kann ... Bilder, Erinnerungen, Symbole.

Tipp 11
Ich setze Prioritäten.
Jeden Tag brauchen wir verschiedene Aktivitäten, die wir zu erledigen haben. Ich überlege am Morgen, bevor der Tag beginnt, in der Stille, was ich am Tag zu erledigen habe. Ärgere mich nicht, wenn ich nur die Hälfte geschafft habe. Es ist bewiesen, dass wir nur 50% der geplanten Aktivitäten erledigen können. Deswegen setze ich eine oder zwei Sachen, die mir wichtig am Tag sind, je nach meinem Ziel.

Tipp 12
Ich mache Planung.
Wenn ich eine reale Vorstellung habe, was ich am Tag erledigen muss, dann entsteht auch kein Stress. Ich lasse mir die Zeit und erledige das Nötigste am Tag. Wenn ich sehe, es läuft nicht, wie ich es geplant habe, lasse ich es. Es gibt Rhythmus in der Natur und in unserem Leben, um die Dinge fließen zu lassen.

Tipp 13
Ich nutze die Pausen um Wasser zu trinken.
Wenn ich müde bin, mache ich Pause, trinke zuerst ein Glas stilles Wasser, um zu erfahren, ob ich Durst oder Hunger habe. Unser Körper besteht aus 70% Wasser und unsere Zellen brauchen es, um sich regenerieren zu können.

Im Amazon-Shop: Die Welt verstehen und wahrnehmen.
Mehr über und von Danka Todorova auf ihrer Website.



17. Juli 2018

'Hör mir auf mit Glück' von Helena Baum

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Portland/Oregon
Dr. David Tenner, 58, renommierter Psychotherapeut, ist auf allen Ebenen über dem Zenit. Beruflich, privat, energetisch. Die Luft ist raus. Sein Frau Kathy sieht er nur noch selten im gemeinsamen Leben. Wenn sie zu Hause ist, senden ihm ihre weißen Kopfhörer die unmissverständliche Botschaft: Lass mich in Ruhe!

Emily und Cooper dagegen sind jung, voller Lebenslust und strotzen vor Energie. Der Zenit ist noch nicht mal in Sicht. Alles ist möglich. Alles ist lösbar. Zwischen Surfen, VW Bus, Job und ihrer Liebe findet das Leben statt. Emilys ungewollte Schwangerschaft stellt alles auf den Kopf. Sie will das Kind auf keinen Fall, Cooper will es unbedingt. Sie stecken fest. Drehen sich im Kreis und kommen keinen Millimeter weiter.

Cooper besteht auf einer gemeinsamen Beratung. Sie landen in der Praxis von Dr. David Tenner, der ihnen einen unkonventionellen Vorschlag unterbreitet. Danach ist nichts mehr, wie es war. Weder bei den Tenners, noch bei Cooper und Emily.

Leseprobe:
David lüftete den Praxisraum in seinem Haus. Es müffelte. Zu viele Alltagsdramen, Ängste und Frustrationen stanken hier zum Himmel. Um seinen Lungenflügeln eine Prise Frischluft zu gönnen, floh er in den Garten, als wäre der Leibhaftige hinter ihm her. Batman, sein schwarzer Mischlingshund, folgte ihm freudig. Manchmal rief David ihn Batty und hoffte, dass der Rüde ihm das Weibliche im Namen nicht übel nahm.
Er verbrachte den ganzen Vormittag mit Einzelsitzungen in seiner Praxis und empfing ein paar Klienten, die ihn inzwischen mehr langweilten, als er zugab.
Zuerst kam Mrs. Dullington, neunundfünfzig Jahre alt. Sie litt seit Ewigkeiten an wiederkehrenden depressiven Schüben und sah auch in den Phasen dazwischen todtraurig aus. Danach war die zweiundsechzigjährige Mrs. Bramidge dran. Sie versuchte seit Jahren, ihre totgelaufene Ehe zu retten, und schleppte dann und wann ihren völlig desinteressierten Ehemann mit in die Therapie. Wie zwei graue Nilpferde, die nicht mehr im selben Sumpf spielen wollten, saßen sie in den für ihr Volumen zu engen Sesseln und schmollten sich an. Keiner wollte zuerst den stinkenden Sumpf verlassen. Zuletzt kam Ken Brandon, ein dünner Mittvierziger, der zwar jünger war als der Durchschnitt von Davids Klienten, jedoch aussah wie Anfang sechzig. Er saß stets nur mit einer halben Arschbacke auf der Vorderkante des bequemen Sessels, als müsse er jederzeit fliehen. Die ausgefransten Lippen, abgekauten Fingernägel und nervös hin und her huschenden Augen sprachen Bände über das Drama seiner Hypernervosität. David machte drei Kreuze, als er endlich dieTür hinter ihm schließen konnte. Kens Angespanntheit war in der letzten Stunde auf David übergegangen und er spürte, wie er die Hände zu Fäusten ballte, was er sonst nie tat. Er schüttelte sich, ging schnurstracks zum Fenster und riss es erneut auf.
»Zu viele Dramen«, murmelte er, »zu viele Dramen.«
Im Garten rannte Batman direkt zum Zaun, wedelte hektisch mit seinem Schwanz und bellte den Nachbarsjungen herbei. Der Kleine rannte flugs Richtung Batman, stellte sich auf die andere Seite des Zaunes und bellte in seiner Kindersprache zurück. Hörte der eine auf, fing der andere an. Sofort lugte auch das kleine Mädchen um die Ecke und wollte ebenfalls bellen. Sam, der Vater der beiden Knirpse, hatte alle Hände voll zu tun, sie in Richtung Auto zu bugsieren.
»Batty, komm! Fuß! Komm hierher!« Der Hund hörte kein bisschen. Erst beim fünften Rufen, als David seine Stimme bedrohlich senkte, trottete er provokant langsam heran und setzte sich neben sein Herrchen.
»Hi, Sam. Wie geht‛s?« Er winkte dem freundlichen Nachbarn zu. »Ich bring den Hund mal lieber rein, sonst kommt ihr nicht weg.«
»Danke, David. Sie lieben Batman und würden wahrscheinlich ewig hier stehen und sich gegenseitig anbellen. Bis später.«
»Bis später.«
Die junge Familie wohnte erst ein paar Monate im Nachbar- haus und David freute sich, dass das Haus nicht mehr leer stand.
»Komm, Mittagspause, Batty.« Batman ließ sich ohne das übliche Gerangel an die Leine nehmen. Bevor sie loszogen, warf David einen Blick in den Nachbargarten. Jetzt saß Klara, die Mutter der beiden Kleinen, mit einem Kaffee am Tisch und hielt ihr jugendliches Gesicht in die Sonne. Ihre Augen waren geschlossen und die langen Haare noch nass vom Duschen. Sicher lag eine Nachtschicht im Krankenhaus hinter ihr. Er wollte sie nicht stören und ging leise vorüber.
Ganz gemütlich spazierte er zur Division Street und legte, wie jeden Mittag, einen Stopp bei den Foodtrucks ein. Er liebte den Platz voller junger Leute, die in ihren bunten Wagen Essen verkauften. Jeder Wagen war ein kleines individuelles Meisterwerk. Bemalt, besprüht oder mit selbst gebastelten Vordächern und kleinen Sitzgelegenheiten versehen.
An manchen Tagen hatte David das Gefühl, das sein Leben aus diesen zwei Welten bestand. Parallelwelten. Die eine sein stilles Haus, die dumpfen, passiven, manchmal schon halbtoten Klienten, die kaum Schritte in die Veränderung wagten, jeden Vorschlag Davids negierten und sich von ihren Ängsten leiten ließen. Dazu seine mehr abwesende als anwesende Frau Kathy. Die andere der Food Market an der Division Street, nur fünfzehn Gehminuten von seinem Haus entfernt: Ein Ort voller Musik und Geräusche, dem Duft von frisch zubereiteten Mahlzeiten, gesunden Drinks in allen Farben und Menschen, die lebendig waren. Sie lachten, redeten, gestikulierten, stritten oder saßen einfach so in der Sonne. Ein dynamischer Platz.
Schon von Weitem lächelte ihn die junge Frau mit den langen braunen Haaren an. Sie hatte sich heute ein knallgelbes Tuch in ihre wilden Locken gebunden, sodass ihr Gesicht frei lag. Dadurch wirkte sie noch frischer als sonst. Noch jünger. Ihre braunen Augen strahlten ihn an. »Hi, Mister David. Hi, Bat- man. Mittagspause?«
»Ja, wohlverdiente Mittagspause.« Um sein Hungergefühl zu untermalen, rieb sich David den Bauch. Batman zog an der Lei- ne. Er wusste genau, dass es für ihn hier ein Leckerchen gab. David gab sich endlich einen Ruck und fragte: »Darf ich nach deinem Namen fragen? Du kennst meinen und die Vornamen fast all deiner Kunden und ich würde dich auch gern irgendwie ansprechen. Immerhin komme ich seit Monaten täglich an deinen Stand.«
»Klar, Mister David. Ich heiße Emily. Meine Freunde sagen auch Emmi zu mir. Einen Bangkok-Crêpe, wie immer?« Ohne ihre Arbeit zu unterbrechen, unterhielt sie sich mit ihm.
Geschäftstüchtig, notierte David in Gedanken. Kundenbindung mittels Ansprache per Vornamen. Sie wird es mal zu was bringen.
»Wie bitte?«, fragte Emily.
Oh, hatte er die Gedanken ausgesprochen? »Einen Bangkok, süßsauer, wie immer«, schob er schnell hinterher.
»Also, wie immer«, wiederholte sie. »Alles klar.«
Er setzte sich auf die kleine Holzbank gegenüber von Emilys Wagen und wartete, bis er aufgerufen wurde. So schief, wie die Bank zusammengezimmert war, hoffte er, dass sie sein nicht allzu großes Übergewicht mit Fassung tragen würde. Batman hatte sich bereits gemütlich zu seinen Füßen niedergelassen und den Kopf mit den zu großen Ohren auf die Pfoten gelegt.
»Mister David, Ihr Bangkok, bitte. Guten Appetit.« »Sag ruhig David zu mir, ohne Mister.« »Ich mag dich gerne Mister David nennen. Das passt zu dir.« »Wie du magst, gerne auch Mister David.« Etwas umständlich stand er auf, verfing sich in der Leine, sodass Batman sichtlich glaubte, es gehe los, und seinem Herrchen vor die Füße sprang. Mit einem galanten Hopser hüpfte David unfreiwillig komisch zum Wagen. Emily amüsierte sich und war mit ihrer Aufmerksamkeit schon bei der nächsten Kundin.
Zurück in seiner Praxis lüftete er zum wiederholten Male an diesem Tag und ärgerte sich, dass er den Gestank nicht vertreiben konnte. Manchmal dachte er, er selbst würde zu riechen anfangen. Kurz entschlossen nahm er eine Dusche und sparte nicht mit Duschgel, Shampoo, Rasierwasser und Deodorant. Als er aus der Dusche kam, stand ihm plötzlich Kathy gegenüber. Keck wanderten ihre Augen über seinen Körper.
»Hi Schatz, das ist ja mal eine nackte Überraschung. Lange nicht gesehen.«
Ihre Zweideutigkeit brachte ihn kurz aus dem Konzept. Wen meinte sie mit ›lange nicht gesehen‹? Ihn oder seinen kleinen Freund unterhalb des Bauches? Er musste sogar kurz überlegen, ob sie es zweideutig meinte oder ob sein Wunsch der Vater des Gedankens war.
Kathy küsste ihn flüchtig und schlug mit der flachen Hand auf seinen Hintern. »Guck an. Er federt noch zurück«, sagte seine Frau frech und kam ihm so nahe, als würde sie ihn küssen wollen. Ihr Atem roch nach Zigarette, was er verabscheute. »Das wollte ich schon lange mal wieder machen!« Kathy lachte und der Moment der greifbar möglichen Nähe war vorbei.
Überrascht und etwas beschämt hielt David sein großes Badehandtuch vor den Bauch. Das sehr große Badehandtuch, das sie ihm letztes Weihnachten geschenkt hatte. Er wunderte sich, dass sie so gut gelaunt war. Kathy war oft neutral, falls es das gab. Weder gut noch schlecht gelaunt. Neutral gelaunt. Ein ewig vor sich hin plätscherndes Klavierstück, was die Höhen und Tiefen konsequent negierte.
»Kathy ... äh, du bist ja schon zurück? Ich hatte erst morgen mit dir gerechnet.« Er rubbelte sich vor ihren Augen trocken, ließ das übergroße Badehandtuch fallen und drehte sich von ihr weg zum Waschbecken, um die Zähne zu putzen. Nackt. Wennschon, denn schon. Sein Hintern war in Ordnung, sein Rücken sowieso.
»Ja, Schatz. Ich bin zurück.«
Er sah sie im Spiegel, seine schöne Frau mit der Ausstrahlung eines Eiswürfels. Kühl, schön, glatt. Er schaffte es schon länger nicht mehr, sie zum Schmelzen zu bringen. Sie lehnte gelassen, mit verschränkten Armen an der Tür und machte keine Anstalten wegzugehen. Irgendetwas war anders. Er kam nicht drauf.
»David, verheimlichst du mir etwas? Duschen, Zähne putzen und Nacktheit mitten am Tag. Welche Klientin hat dich verführt. Die Sechzigjährige oder die Siebzigjährige?«
»Mach dich nur lustig. Manch Sechzigjährige hat noch Feuer im Hintern! Und vergiss nicht, in zwei Jahren bin ich auch sechzig und du in fünf Jahren! Wer im Glashaus sitzt ... du weißt ja. Keine Steine schmeißen.« Er grinste.
»Schon gut, schon gut. Es riecht übrigens lecker im ganzen Haus. Oder warte ... du, du bist das. Du riechst lecker. So männlich-herb. Frisch. Hast du ein neues Duschgel?« Sie folgte ihrem Mann ins Schlafzimmer. Ihre Präsenz irritierte ihn, dennoch erfreute ihn Kathys Lob.
»Schatz, ich dufte immer so. Du bist nur viel zu oft weg, um es riechen zu können. Dich zieht es offensichtlich mehr zu deiner Schwester aufs Land oder sonst wohin. Aber hier ist unser Leben. Hier bin ich.« Nackt, wie er war, wendete er sich mit geöffneten Armen zu ihr um. Erinnerte sich, dass er diese Geste noch nie gemocht hatte, und nahm die Arme wieder runter.
Kathy verdrehte die Augen und verschwand schnurstracks in ihrem Zimmer. Er hätte es besser wissen müssen. Der Vorwurf, Gesprächskiller Nummer eins, er hatte ihn aus Versehen punktgenau eingesetzt. David ärgerte sich.

Im Kindle-Shop: Hör mir auf mit Glück.
Mehr über und von Helena Baum auf ihrer Website.



16. Juli 2018

'Teuflisch gut: Herz aus Blut' von Stephanie Wittern

Kindle Edition | Taschenbuch
Wenn sich alles, was du glaubst zu wissen, in Luft auflöst und du erfährst, dass du die Böse in der Geschichte bist – was würdest du tun um deinem Schicksal zu entgehen?

Luzi van Halen steht vor dieser Entscheidung, denn der Dämon Loki stellt ihr Leben auf den Kopf. Plötzlich muss sie gegen dunkle Mächte kämpfen, die ihr nicht nur nach dem Leben trachten. Zusätzlich spielt ihr Herz verrückt, als sie zwischen zwei Jungs steht. Da ist ihre verhasste Familie noch das kleinste Übel.

Wird sie das Herz aus Blut finden um sich und ihre Lieben zu retten?

Leseprobe:
Es war eine stürmische Nacht im Spätsommer des Jahres 2000. Den ganzen Abend hatte es schon gewittert und es war so dunkel, dass sich Sabine und Peter van Halen eng zusammen kuschelten. Sie waren erst seit einigen Monaten wieder ein Paar und ihre beiden Mädchen schliefen im ersten Stock des Einfamilienhauses, dass sie sich vor kurzen in einem vornehmen Stadtteil der Stadt gekauft hatten. Sabine war Ärztin und arbeitete als Chirurgin, während Peter als Anwalt seine eigene Kanzlei hatte. Im Fernsehen lief ein Bericht über eine Demonstration.
»Wenn die nicht aufpassen, dann werden diese Demonstrationen noch in Gewalt enden«, sagte Peter.
Sabine stand auf und ging zum Fenster. »Vielleicht haben die damit Erfolg und es wird endlich etwas geändert«, sagte sie und blickte in den Regen hinaus.
»Ja, vielleicht nicht bis dreiundsechzig arbeiten, sondern bis siebzig.« Er lachte immer noch, als plötzlich der Strom ausfiel. »Verdammt, was ist denn das jetzt?«, fragte er und stand auf.
»In der ganzen Nachbarschaft ist der Strom ausgefallen«, sagte Sabine. Sie fuhr sich mit der Hand durch ihre sanften braunen Locken. Sie hasste die Dunkelheit und wenn man hinaus sah, dann war es fast so dunkel wie im tiefsten Winter, dabei war es erst neun.
Peter trat neben sie und nahm sie in den Arm. Auch er wusste, dass sie die Dunkelheit hasste.
»Hol bitte ein paar Kerzen und ich werde in den Keller gehen um den Stromkasten zu überprüfen, vielleicht kann ich was machen.«
Sabine sah ihn ungläubig an. »Ein Blitz wird sicherlich irgendwo eingeschlagen sein, da kannst du nichts machen. Bitte lass mich jetzt nicht allein.« Sie wusste auch nicht, warum sie auf einmal ein komisches Gefühl hatte, aber irgendetwas würde passieren, das wusste sie genau.
»Nun stell dich nicht so an, sonst bekomme ich auch noch Angst«, sagte Peter scherzhaft. »Ich bin gleich wieder da.« Er gab ihr einen Kuss auf den Scheitel und nahm die Taschenlampe aus dem Apothekerschrank im Flur. Sein Haus war groß, mit großem Eingangsbereich, und Fußbodenheizung. Im oberen Bereich waren drei Schlafzimmer, von denen zwei den Kindern gehörten und das Elternschlafzimmer, mit separatem Bad und Balkon. Im Erdgeschoss gab es zwei Arbeitszimmer, ein großes Wohnzimmer, indem Sabine immer noch am Fenster stand und eine großzügige Küche mit Essbereich. Natürlich hatte er dafür gesorgt, dass es auch einen Kamin gab, denn er liebte es im Winter vor dem Feuer sitzen zu können. »Hol bitte die Kerzen Liebling«, rief er noch seiner Frau zu, bevor er die Tür zum Keller unter der Treppe öffnete. Er schaltete, die Taschenlampe eine Maglite an, denn man konnte die Hand vor Augen nicht sehen. Langsam tastete er sich vorwärts. Er kannte das Haus noch nicht gut genug um den Sicherungskasten gleich zu finden. Irgendwie wirkte der Keller heute besonders gruselig, natürlich war er noch nicht aufgeräumt und so standen überall Kisten herum mit irgendwelchem Krims-Krams, aber das war nicht der Grund, warum sich die Haare auf seinen Armen aufstellten. Bloß schnell den Kasten finden, ihn überprüfen und dann so schnell wie möglich wieder nach oben in die Arme seiner Frau.
»Verdammt, jetzt stell dich nicht so an«, rügte er sich selbst. Er holte tief durch die Nase Luft. Was war das nur für ein seltsamer Geruch?, fragte er sich. Irgendwie schwefelig. Da traf sein Licht den Kasten. Na endlich, leider waren alle Sicherungen in Ordnung und er kannte sich wirklich nicht gut genug mit Elektrik aus um irgendetwas unternehmen zu können. Also mussten es wieder die Stromkonzerne richten.
Das Licht seiner Taschenlampe fing an zu flackern. »Oh nein, bitte nicht ausgehen? Warum habe ich bloß die Batterien nicht überprüft?«, fragte er sich. Er schlug zwei Mal gegen die Lampe und schon war sie komplett dunkel, sie flackerte nicht mal mehr. Er erkannte, dass er den Weg ohne Hilfe zurückfinden musste, aber es war so finster, dass er schon beim ersten Schritt gegen eine Kiste stieß. Ein Blitz flackerte und er konnte wenigstens zwei Schritte gehen, ohne irgendetwas umzustoßen und womöglich die Kinder zu wecken. Der schwefelige Geruch wurde stärker und es lief ihm eiskalt den Rücken herunter, wann kommt endlich der nächste Blitz?, fragte er sich, als er sich wegen des Donners erschreckte. Ein hysterisches Kichern entfuhr ihm. Er war doch der Mann und nun machte er sich fast in die Hose nur, weil er im Dunkeln im Keller war. Seine Frau war doch diejenige, die Angst vor der Dunkelheit hatte. Wahrscheinlich hatte sie ihn mit ihrer Hysterie einfach nur angesteckt, dass er nun wirklich hier im Keller stand und das Gefühl hatte, er wäre nicht allein. Gerade als der nächste Blitz den Raum erhellte, sah er diesen schwarzen Rauch auf sich zukommen, sein Schrei wurde im Keim erstickt, als das Wesen in seinen Mund eindrang und etwas anderes die Kontrolle übernahm. Es war, als würde er einschlafen, so fühlten sich die Bewegungen an, wie Zuckungen nachts im Bett. Sein Verstand war da, irgendwie. Später würde er sich an diese Nacht nicht mehr erinnern, aber er würde wissen, dass etwas mit ihm passiert war, aber mit niemanden drüber sprechen.

Balthasar reckte und streckte sich. Der Körper war angenehm zu tragen und mal wieder eine richtige Abwechslung zu dem ständig gleichen Höllentreiben.
»Lilith bist du da mein Schatz.«, fragte er.
Wie aus dem Nichts tauchte der schwarze Rauch neben ihm auf und schlängelte sich um sein Gesicht. Er lächelte. Gekonnt und ohne ein Geräusch zu machen, ging er den Weg, den der Trottel, dessen Körper er sich geliehen hatte, nur mit Hilfe einer Taschenlampe bewältigen konnte, zurück zur Kellertür. Der Strom war immer noch nicht wieder eingeschaltet und er wusste, dass es so bleiben würde, bis er und Lilith das getan hatten, weswegen sie hier waren. Der Rauch folgte ihm, während er dem menschlichen Geruch ins Wohnzimmer nach ging. Die Frau, in die Lilith sich einnisten würde, hatte gerade ein paar Kerzen aufgestellt.
»Da bist du ja endlich. Irgendwie riecht es hier so nach Schwefel und ich dachte schon, das kommt vom Keller«, sagte sie.
Balthasar sah ihre Angst. »Ja, da hast du recht Süße, das war ich und natürlich meine Frau Lilith.« Er machte eine einladende Handbewegung und trat zur Seite. Er fand, dass der Blick der Frau unbedingt dokumentiert werden musste, denn sie sah ihn an, als wäre er ein Geist, was natürlich nicht stimmte. Erst als Lilith als Rauchsäule den Raum betrat, wurde der ungläubige Blick ersetzt durch einen panischen und zu Tode geängstigten Ausdruck. Wie jeder Mensch, der den schwarzen Rauch sah, riss auch die Frau den Mund auf, um zu schreien. Das machte es Lilith leicht in ihren Körper einzudringen und so verschlang auch sie den Schrei, bevor, die beiden Menschen, die Balthasar noch in dem Haus roch überhaupt mitbekamen, was hier vor sich ging. Liliths reckte und streckte sich genauso wie er zuvor, auch sie war lange nicht mehr in einem menschlichen Körper gewesen.
»Oh Darling, das fühlt sich richtig gut an. Zu schade, dass wir die Körper nicht behalten dürfen«, sagte sie und strich sich über den Arm.
»Du weißt, was der Boss gesagt hat, nur so lange das Ritual dauert und er kennt keinen Spaß, was das angeht.« Auch Balthasar fand den Körper gut, ist er doch seit Jahrhunderten nur eine Rauchsäule gewesen. Es tat gut mal wieder zu Atmen und zu sprechen, sich in einem Körper zu bewegen, aber er würde die Befehle seines Chefs befolgen, denn der konnte sehr unangenehm werden, wenn man dies nicht tat.
»Baby, dann lass uns das tun, wofür wir hier sind.« Lilith kam langsam und katzenhaft auf ihn zu. Ihre Hände fühlten sich gut an, als sie ihn an sich zogen. Zu lange hatte er das nicht mehr gespürt. Er hatte sie schon immer begehrt, nicht die Hüllen, die sie hatte, sondern einfach das, was sie ausmachte. Okay, der Körper war auch nicht schlecht, aber es war Lilith, die er berühren durfte. Ob sein Boss von seinen Gefühlen wusste?
»Du bekommst ja eine Sorgenfalte auf der Stirn, mein Lieber«, sagte sie sanft und strich mit dem Zeigefinger die Falte glatt.
»Es ist nur so lange her, dass ich das getan habe«, log Balthasar.
»Dann werde ich dir zeigen, was du versäumt hast.«
Und sie zog ihn an sich um ihn zu küssen ...

Im Kindle-Shop: Teuflisch gut: Herz aus Blut.
Mehr über und von Stephanie Wittern auf ihrer Website.



13. Juli 2018

'Die Mütter-WG' von Marit Bernson

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Sabrina wird ohne Vorwarnung von ihrem Mann Erik sitzen gelassen. Um das Haus für sich und ihre zwei Kinder zu halten, beschließt sie, eine WG zu gründen, die nur aus alleinerziehenden Müttern besteht, Arbeitsteilung inklusive. Die junge Katja betreut die Kinder, Lisa kümmert sich um den Haushalt, Sabrina und die Schreinerin Inge verdienen das Geld. Oberste Regel: Männer dürfen nicht über Nacht bleiben!

Doch Sabrina lernt den Architekten Stefan kennen, und bald schon geraten die Grundsätze der Mütter-WG ins Wanken.

Leseprobe:
„Fragen?“, sagte ich schließlich.
Inge schüttelte den Kopf. „Wo soll ich unterschreiben?“
Ich hielt ihr mein Exemplar hin. „Hast du keine Fragen?“
„Ich denke, das Wichtigste geht daraus hervor“, erwiderte sie. „Das ist das, was wir wollten. Und wenn jemand querschießt, wird ihn so ein Vertrag sowieso nicht davon abhalten. Ich glaube, wir sind uns einig.“
Lisa und Katja nickten, während Inge unterschrieb. Dann nahm Lisa Stift und Vertrag und unterzeichnete, danach Katja, und schließlich war ich dran.
„Bin gespannt, ob wir das alles so hinkriegen“, sagte ich lächelnd in die Runde. „Jetzt trinken wir erst mal darauf.“ Aus der Küche holte ich eine vorgekühlte Sektflasche und vier Gläser.
Lisa öffnete die Flasche – ich wäre ohnehin viel zu nervös gewesen – goss ein, und wir stießen an.
„Auf die Mütter-WG!“, sagte ich.
„Auf die Mütter-WG!“, erwiderten die anderen.

Im Kindle-Shop: Die Mütter-WG: Liebesroman.
Mehr über und von Marit Bernson auf ihrer Website.