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Bücherkarussell
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26. April 2017

'Der Navajo-Code' von Ingo Lackerbauer

Wieso verschwinden immer wieder Mitarbeiter einer amerikanischen Behörde, die geheime Forschungsprojekte für die US-Streitkräfte durchführt? Was hat es mit der alten Rohrpostkartusche auf sich, die im Münchener U-Bahn-Netz gefunden wurde? Und besteht womöglich ein Zusammenhang mit dem brutal ermordeten Navajo-Indianer in den Isar-Auen?

Eine harte Nuss für Museums-Chefin Dr. Eva Graf und den Sicherheitsbeauftragten Kolja Blomberg. Der Spürsinn der beiden ist gefragter denn je, gilt es doch, ein Rätsel zu lösen, dessen Anfänge viele Jahrzehnte zurückliegen und das von seiner Brisanz bis heute nichts verloren hat. Eine Jagd beginnt, in deren Verlauf sich die beiden Helden einem Gespinst aus Intrigen, Lügen und Täuschungen ausgesetzt sehen – und am Ende ist doch alles anders als gedacht …

Gleich lesen:
Für Kindle: Der Navajo-Code: Eva Grafs zweiter Fall
Für Tolino: Buch bei Thalia

Leseprobe:
»Und?«
Kommissar Marek Poulsen war wie üblich über alle Maßen missmutig gelaunt – erst recht um diese unchristliche Uhrzeit. Prinzipiell pflegte er den ganzen Tag seine miese Laune, sie war elementarer Bestandteil der Persönlichkeit des Kriminalbeamten. Und es war nicht etwa ein sympathisches Granteln, sondern einfach nur ordinäre schlechte Übellaunigkeit, die er gern an Untergebenen oder Neulingen im Job ausließ. Der kurzatmige, kleine dicke Mann unterhielt keinerlei kollegiale Verbindungen, geschweige denn Freundschaften. Ihm haftete passenderweise der Ruf eines Kotzbrockens par excellence an. Niemand wollte mit ihm etwas zu tun haben – weder privat noch beruflich. Vor knapp einem Jahr hatte er das Ressort seines Ex-Kollegen und Vorgängers Kolja Blomberg als leitender Kriminalkommissar beim LKA übernommen. Mit der Stimmung ging es seither kontinuierlich bergab – und ein Ende der Talfahrt war keineswegs in Sicht. Schnell sah er ein, dass die vermeintliche Beförderung ein grandioses Eigentor war, das das Leben ungemein schwieriger und hektischer machte. Hatte Poulsen früher schon kaum Freizeit, geschweige denn einmal vierzehn Tage Urlaub am Stück, so kam er nun schon seit Monaten kaum unter dreizehn Stunden aus dem Büro – Wochenenden inklusive. Als der Kommissar noch unter Blomberg gearbeitet hatte, war die Welt irgendwie besser, geordneter und weniger stressig gewesen. Aber dieser Idiot Blomberg hatte vor knapp einem Jahr, nach einem sehr merkwürdigen Fall, der niemals so recht aufgeklärt wurde, plötzlich das Handtuch geschmissen. Seitdem war er wie vom Erdboden verschluckt.
Aus der Ferne nahm Poulsen die Stimme der leitenden Beamtin der Spurensicherung wahr, die ihn aus seinen Gedanken riss. Die Hamann – auch das noch. Er hasste diese vor Selbstsicherheit triefende Kampflesbe. Poulsen konzentrierte sich auf den Ort des Verbrechens. Der war einigermaßen unspektakulär. Die Isar reichte hier bis an die Uferböschung heran. Eine Vielzahl von Trauerweiden und Buschwerk machten den Tatort fast uneinsehbar. Ansonsten nix Besonderes. Na prima!
»Sag mal, hast du verlernt, in ganzen Sätzen zu reden, so im Sinne von Subjekt, Prädikat und Objekt?«, entgegnete Evelyn Hamann. Sie war die uneingeschränkte Herrscherin der Spurensicherung. Und das aus gutem Grund: Sie galt als Koryphäe auf ihrem Gebiet, und das wusste sie auch. Der Frau Doktor widersprach man auf gar keinen Fall. Geschweige denn stellte man deren Sachkunde in Frage. Die fachliche Kompetenz wurde zusätzlich durch eine einzigartige körperliche und mentale Präsenz ergänzt. Sie war die Chefin, und jeder hatte an einem Tatort nach ihrer Pfeife zu tanzen, ohne dass sie das extra erwähnen musste. Es verstand sich von selbst. Verstärkt wurde die Aura nicht zuletzt durch ein extrem hart geschnittenes Gesicht – spitze Nase, spitzes Kinn, durchdringende Augen und rabenschwarze Haare, die Evelyn heute zu einem Dutt gebunden hatte.
»Ja, du mich auch«, schnauzte er die Hamann an. Die schaute auf und funkelte Poulsen aus wütenden Augen an. Kaum hatte er die Worte gesprochen, wurde ihm klar, auf welch dünnem Eis er sich bewegte. Er lugte verstohlen zur Seite. Jetzt bloß keine Konfrontation mit diesem Miststück. Sie wäre in der Lage, ihm das Leben zur Hölle zu machen. Ärger mit der arroganten Schnepfe konnte er nicht gebrauchen.
»Nicht in einer Million Jahren, Blödmann. Träum weiter.«
Marek winkte ab.
»Also, verehrteste Spurenleserin, was haben wir denn hier Schönes?«, fragte er mit süffisantem Tonfall.
Evelyn reagiert nicht darauf. Sie hatte keinen Bock, sich mit diesem blöden Idioten ein Wortgefecht zu liefern, obwohl sie ein verbales Scharmützel haushoch gewonnen hätte. Poulsen war ein Trottel, mit dem niemand länger als notwendig Zeit verbringen wollte.
»Männliche Leiche jenseits der achtzig Jahre mit einer riesenhaften Schusswunde im Brustbereich«, erzählte sie auf dem Weg zum Leichnam. Der lag mit dem Gesicht nach unten im Matsch des Isar-Ufers. Am Rücken des Toten klaffte ein gewaltiges Loch, dessen Rand Knochenfragmente und verbranntes Gewebe aufwies. Der Kommissar schaute angewidert auf das Opfer am Boden.
»Was für eine Sauerei! Und was gibt's weiter?«
»Nichts«, konterte Evelyn.
»Wie, das war's? Mehr hast du nicht?«
»Sag mal, müssen wir dieses Spielchen jedes Mal spielen? Du weißt ganz genau, dass ich Näheres erst verkünden kann, wenn die Obduktion beendet ist. Aber ich will mal nicht so sein. Beim Kaliber tippe ich auf 7,62 Millimeter. Die gigantische Austrittswunde ist eher untypisch für ein derartiges Geschoss. Die Eintrittswunde hingegen schon. Eine Diskrepanz, die noch einer Klärung bedarf!«
»Also ein Gewehr?«
»Ich denke schon.«
»Und wie sieht's mit der Hülse und dem Projektil aus?«
»Tja, wenn wir Glück haben, steckt das Projektil noch irgendwo im Brustbereich. Von der Hülse fehlt allerdings jede Spur. Und viel Hoffnung mache ich dir da auch nicht. Wenn es tatsächlich ein Gewehr war, dann war das ein astreiner Distanzschuss, und die Hülse hat der Schütze garantiert mitgenommen.«
»Mist!«
»Wir grasen trotzdem das gegenüberliegende Ufer ab. Vielleicht haben wir ja Glück. Ich denke, dass der Mörder aus einem Auto heraus gefeuert hat. Alles andere wäre irgendwie unlogisch bei dem Verkehr am Isar-Ufer. Immer unter der Voraussetzung, dass der Schuss von hier aus abgefeuert wurde«, erklärte Evelyn.
Poulsen schaute sich um und hielt beide Hände gegen die hintere Hüfte, wobei er ein leichtes Stöhnen von sich gab. Der Hexenschuss von letzter Woche peinigte ihn immer noch, obwohl er eine Voltaren nach der anderen einschmiss. Die vertrieben zwar streckenweise den quälenden Schmerz, dafür streikte nun seit gestern der Magen – Übelkeit den ganzen Tag über. Evelyn bemerkte Poulsens Schmerz und wusste nicht genau, ob sie darauf einsteigen oder es einfach ignorieren sollte.

Im Kindle-Shop: Der Navajo-Code: Eva Grafs zweiter Fall
Für Tolino: Buch bei Thalia

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25. April 2017

'Robins Welt' von Robin Li und Lhugion

Unsere illustrierten Kurzweilgeschichten laden ein zu einem Spaziergang durch blumige pseudo-biographische Erzählungen.

Anschließend randalieren sie auf diversen Spielplätzen, marodieren im wilden Garten der Thriller Familie und überspringen den recht niedrigen Zaun zur Krimi-Hochburg.

Letztendlich gipfelt ihre Flucht vor dem Vergessen in einem Höhenflug zur Science-Fiction, unterbrochen von einer kurzen Verschnaufpause, um auf den Hügeln der Fantasy die Aussicht auf das Tal des Horrors zu genießen.

Gleich lesen: Robins Welt: Kurzweilgeschichten von A bis Z



Leseprobe:
THERAPIE
Angst saß mir im Nacken. Gnadenlos schlug sie ihre Klauen in mein Fleisch. Mir reichte es. Entschlossen pflückte ich mir das Vieh vom Hals.

»Was für ein blöder Name für eine Katze!« schrie ich laut, damit Lex mich auch in der Küche hören konnte. Ein süffisantes Grinsen im Gesicht kehrte er mit zwei Bierflaschen zurück. Behutsam stellte er sie auf dem wackeligen Couchtisch ab und verscheuchte Angst, die sich begeistert auf ihn stürzen wollte.
»Die hatte noch Glück. Ihre Geschwister heißen Agrizoophobie, Doraphobie, und Zwangsstörung.«
»Echt jetzt?«
Lex nickte. »Die Katze ist von Lina. Therapie hat Babys bekommen und sie wusste nicht, wohin damit.
»Therapie?«
Lex seufzte. »Linas Mutter hat sie immer genervt, sie bräuchte dringend eine Therapie. Also ...«
» ... hat sie sich 'ne Katze angeschafft und sie Therapie genannt?« rief ich entsetzt. Angst floh panisch unter das Sofa.
Lex nickte. »Neulich ruft also ihre Mutter an. Lina geht ran und erzählt ihr, sie hätte jetzt Phobien und litte schrecklich unter dieser Zwangsstörung, aber immerhin sei sie die schreckliche Angst los geworden.«

Ich betrachtete zwei kleine Knopfaugen, die erschrocken unter dem Sofa hervor lugten. »Na, so schrecklich ist sie auch wieder nicht.« Zwei Flaschen später schnurrte sie auf meinem Schoß.
Auf dem Weg zu meiner Tochter dachte ich darüber nach, was für absurde Namen die Leute sich doch manchmal einfallen ließen. Wenn ich Freude-Marie davon erzählte, die würde sich bestimmt kugeln vor Lachen.

Im Kindle-Shop: Robins Welt: Kurzweilgeschichten von A bis Z

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24. April 2017

'Engelhorn: Die wunderbare Sinnlosigkeit der Jugend' von Stephan Rossmann

Die große Liebe, der erste Sex, ein kleiner Joint. Rossi erzählt nicht nur die Geschichte seines Lebens, sondern auch die der verruchten und begehrenswerten Lucia. Humorvoll berichtet er von einer legendären Feier im Tal der Gesetzlosen, einem verrückten Trip nach Amsterdam, von den Schicksalsschlägen des Erwachsenwerdens. Was er auch versucht, probiert oder sein lässt mit 17 ist er weiterhin Jungfrau. Rückendeckung erhält Rossi von seinem Freund Stoffel, der für seinen unersättlichen Appetit nach Leben Verständnis zeigt, einfach weil er noch verfressener ist. Schlitzohrige Rebellen, die geschickt zwischen unbändiger Abenteuerlust, furchtlosem Mut und unstillbarer Sehnsucht balancieren.

Ein Coming-of-Age-Roman für Träumerinnen, Freibeuter und Hippies - also diejenigen, die spielerisch ihre Jugend verschwenden, unerfüllten Phantasien hinterherjagen und ihr Herz an verrückte Geschichten verlieren.

Gleich lesen: Engelhorn: Die wunderbare Sinnlosigkeit der Jugend

Leseprobe:
Mein Hausarzt, Nächstenliebe und giftspuckende Vorzimmerdrachen
Ich war entschlossen meinen Hausarzt zu konsultieren, den Weißen unter den Göttern. Ein kleiner Umweg, mehr auch nicht, parkte ich den Admiral direkt vorm Eingang seiner Praxis in der Fußgängerzone. So viel Fürst muss sein. Ich stolzierte in seine Kathedrale, ignorierte souverän die weißgekleidete Dienerschaft und marschierte zielstrebig in den reichverzierten Thronsaal. Ein kurzes „Servus!“ musste reichen.
„Das ist doch abnormal, dass ich unter der Liebe zu meinen Mitmenschen leide! Einer wie ich, der zu Höherem berufen ist!“, regte ich mich auf, machte staatsmännische Gesten und lief im Kreis. Mein Hausarzt blieb ruhig und sagte vorerst nichts. Geschickt wartete er ab.
„Wer ist denn jetzt verrückt? Ich oder die? Die oder ich?“, legte ich nach. Gierig nach einer Diagnose, mit anschließender Therapie. Ich brauchte das komplette Programm. Der weiße Gott glotze interessiert, eventuell wegen meiner Aufdringlichkeit, vielleicht weil er Arzt war und schlau genug, den Ernst der Lage zu erkennen. Souverän beruhigte der Herr Doktor die giftspuckenden Vorzimmerdrachen, die im Türrahmen Position bezogen. Verwöhnte Biester, die vor Wut kochten, bereit mir einen tödlichen Cocktail zu spritzen. Ruhig und sachlich beförderte er die Aufregung nach draußen.
„Alles in Ordnung!“, versicherte er dem aufgebrachten Personal mit beschwichtigenden Gesten. Nachdem dies geklärt war, widmete er seine Aufmerksamkeit der Beantwortung meiner Fragen.
„Rossi! Ich muss dir sagen, so was ist durchaus üblich.“
Mit genau der überheblichen Fresse, die ich so an ihm schätzte, begann er seinen Vortrag.
„Verdammt, die nutzen meine Liebe aus. Sowas ist doch pervers! Oder etwa nicht? Wer autorisiert so was?“, unterbrach ich den weißen Gott. Mein Arzt blieb ganz der Alte. Sobald die Lage kompliziert wurde, veranstaltete er nichtssagende Gesten und starrte zu einem imaginären Punkt, irgendwo hinter meinem Rücken.
„Nächstenliebe!“, kam aus seinem verfaulten Maul gefallen. Ein Schlagwort, ausnahmsweise nicht Latein und der Laie soll wissen, um was es geht. Musste ich mich mit Krankheiten auskennen?
„Was ist das jetzt wieder für ein Rotz – Nächstenliebe?“
Ich benötigte Hilfe und der kam mit seiner Ich-weiß-was-was-du-nicht-weißt-Fassade, die ihm irgendwann das Genick bricht. Einer der Mordwerkzeuge offen rumliegen lässt, sollte vorsichtiger hantieren und sich weniger in Selbstzufriedenheit suhlen. So oder so kostete mich sein Getue schier unmenschliche Überwindung. Liebend gern hätte ich ihm eine der Spitzen direkt ins Auge gejagt. Da hatte ich irgendwie Bock drauf.
„Du leidest unter Nächstenliebe!“, antwortete er, knapp vor der Hinrichtung.
„Aha“, sagte ich.
„Nächstenliebe wurde dir in die Wiege gelegt. Dafür gibt es kein Medikament, Therapie oder Kur, die ich verschreiben könnte. In diesem speziellen Fall musst du dir selbst helfen. Du glaubst … Nein! Du bist der festen Überzeugung, du hättest eine Verpflichtung gegenüber jedem, der sich in dein Leben drängt. Du hilfst diesen Menschen und tust alles für sie. Du opferst dich, so gut du kannst, bis sie dich verlassen, wenn sie selbst stark genug sind. Kraft saugend, leben sie von deiner Energie, bis nur noch ein ausgedrückter Schwamm übrigbleibt“, sagte der Onkel Doktor, mit einer ungewohnt besorgten und väterlichen Stimme. Der alte Mann glotzte mich an, als wäre er mein Vater.
„Du leidest an Nächstenliebe! Eine ernüchternde Diagnose, aber so verhält sich diese Krankheit. Anfangs versuchst du den Schwachen zu helfen, verschwendest irrsinnig viel Zeit und Energie, nur um festzustellen, dass du selbst zum Schwächling wurdest. Ein Teufelskreis, aus dem sich nur die wenigsten befreien.“
Schlimme Diagnose und wahrscheinlich meinte es der Mann nur gut mit mir.
„Verdammt nochmal! Was kann ich machen?“, bat ich um Rat, den er großzügig verteilte.
„Ruhe! Du brauchst Ruhe! Ich schreib dich vier Wochen krank.“

Im Kindle-Shop: Engelhorn: Die wunderbare Sinnlosigkeit der Jugend

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22. April 2017

'Undercover Millionär: Verbotene Liebe' von Alisha April

Long Island, New York: Mit Vollgas rast er in das Leben der fünfundzwanzigjährigen Jess. Dabei hat sie noch Glück im Unglück bei dieser ersten Begegnung.

Doch so übel scheint der gutaussehende Taylor bei näherer Betrachtung gar nicht zu sein. Im Gegenteil: Er entpuppt sich als wahrer Gentleman, doch mit einer geheimnisvollen Vergangenheit. Was hat er zu verbergen? Als Jess es herausfindet, droht sie daran zu zerbrechen, denn ganz plötzlich hat sie mehr mit Taylors Herkunft zu tun, als sie sich je vorstellen konnte. Wie wird sie mit dieser Herausforderung fertig?

Eine humorvolle und auch tiefgründige Liebesgeschichte mit einigen unerwarteten Wendungen ...
Für einen Sommer voll Romantik und Träume.

Für kurze Zeit zum Einführungspreis von 99 Cent.

Gleich lesen: Undercover Millionär: Verbotene Liebe

Leseprobe:
Die untergehende Sonne warf fantasievolle Schatten und Muster in warmen Farben an Wände und Boden. Die beiden standen bereits eine Weile vor einem Bild, das erst am Morgen aufgehängt worden war. Jayden Harper, ein elegant gekleideter durchschnittlich aussehender Mittdreißiger mit blonden, halblangen Haaren, die er zu einem Zopf gebunden trug und grünen Augen, betrachtete das Gemälde eingehend von allen Seiten, während Jess ihn hoffnungsvoll anblickte. Jessica Blair wirkte in ihren Jeans und dem lässigen T-Shirt wesentlich jünger und kaum jemand hätte sie auf fünfundzwanzig geschätzt. Sie nahm ihre Sonnenbrille, die in ihren dunkelblonden, offenen Haaren steckte ab und begann, auf dem Bügel herumzukauen.
„Du sagst ja gar nichts?“, fragte sie schließlich und sah ihn aus ihren großen, ozeanblauen Augen ungeduldig an. „Sei bitte ehrlich, Jayden. Wenn es dir nicht gefällt, kann ich auch damit leben.“ Es klang selbstbewusst und Jayden bedachte sie mit einem schiefen Lächeln. Er erhöhte die Spannung noch etwas, indem er eine weitere kleine Pause einlegte. Dann meinte er lässig: „Tja, also, wenn du es wirklich wissen willst, … es ist dein bestes Bild ever!“ Jess blieb der Mund offen stehen.
„Jedenfalls von denen, die ich kenne“, fügte er schmunzelnd hinzu. Er wusste, dass sie noch einige weitere auf dem Speicher liegen hatte, die er noch nie zu Gesicht bekommen hatte und womöglich auch nie sehen würde. Er musste sie unbedingt ermuntern, weiterzumachen. In Jess schlummerte ein unvergleichliches Talent, das er selten so gesehen hatte. Die besondere Leichtigkeit, die in ihren Bildern zum Ausdruck kam, stach einem förmlich ins Auge und ihre Art, die Skyline von Manhattan zu malen, beeindruckte ihn tief.
Jess fiel ihm um den Hals. „Das rührt mich, Jayden! Du weißt, ich möchte immer ehrliche Kritiken und wenn du sagst, dass es gut ist, dann weiß ich, es ist gut!“ Sie wischte sich verstohlen eine Träne aus dem Augenwinkel und atmete tief durch. Die Malerei war zwar nicht ihr Brotjob, aber sie nahm es zumindest genauso ernst. Auch wenn sie gerne mehr Zeit dafür gehabt hätte.
Jayden war die impulsive Szene ein wenig unangenehm, er war trotz seines jungen Alters ein etwas verkrusteter Typ. Vorsichtig blickte er sich um. Außer ihnen war niemand mehr im Kunsthaus. In zwanzig Minuten würden sie ohnehin schließen. Jayden war Galerist und ihm gehörte dieser Ausstellungsraum, in dem er regelmäßig Vernissagen und Künstlertreffen veranstaltete. Er bewohnte mit seiner Frau Abigail das Obergeschoss des Gebäudes, das nicht weit vom Strand und vom Lighthouse, dem Leuchtturm entfernt war, der das Wahrzeichen von Montauk auf der Insel Long Island darstellt.
Jess sah ihn eine Weile mit zurückgekehrter Skepsis an: „Meinst du, dass mein Bild sich verkaufen lässt?“
„Keine Sorge, beruhigte er sie mit seinem ausgeprägt schnarrenden Ostküsten-Akzent. „Übernächste Woche findet das Memorial Day Weekend statt, dann beginnt die Saison und du wirst dich vor Interessenten kaum retten können. Die meisten Gäste kommen ja aus der City, da sind die Leute scharf auf so etwas, glaub‘ mir, Süße!“ Jayden machte eine Pause und schürzte die Lippen. „Was mir aber eher den Kopf zermartert ist, wie ich dich dazu bringe, noch mehr dieser Traumstücke zu produzieren. Ich weiß, dass sie großen Anklang finden würden.“
Jess war erleichtert über seine Worte, nur befand sie sich in einem zeitlichen Dilemma. Sie nickte zustimmend, erklärte ihm aber gleichzeitig: „Wenn das so einfach wäre, Jayden! Du weißt, ich arbeite halbtags im Sea Crest Hotel, dann habe ich momentan einige Aufträge für E-Book-Cover zu machen und überdies gibt es auch noch Onkel James, um den ich mich kümmere. Da bleibt nicht mehr viel Zeit.“ Jess sah ihn mit hängenden Mundwinkeln an.

Im Kindle-Shop: Undercover Millionär: Verbotene Liebe

Mehr über und von Alisha April (Martina Schmid) auf ihrer Website.



21. April 2017

'Als ich verschwinden wollte: Meine Hungerjahre' von Carina Lechner

"Was im Kopf eines Mädchens vorgeht, das jahrelang mit unmenschlichem Nahrungsverzicht, Bulimie und Magersucht gelebt hat, will ich in diesem Buch offen bekennen. Du wirst verstehen, wie sich magersüchtige Mädchen fühlen. Und du wirst erfahren, wie mir meine Familie, meine Freunde und vor allem der Glaube geholfen haben, meine Mauer aus Angst Stück für Stück niederzureißen."

Über eine halbe Million Frauen in Deutschland sind magersüchtig. So wie Carina, die schon als Teenager verrückt war nach Essen und Erbrechen – bis sie mit 1,72 Metern Körpergröße nur noch 41 Kilo wog und beinahe gestorben wäre. In dieser schonungslosen Lebensbeichte schildert die heute 22-Jährige, wie sie den Kampf gegen die Magersucht gewann.

„Ich bin spindeldürr, alle Knochen stechen durch die Haut. Meine Augen wirken noch größer, da sie tief in die Höhlen gesunken sind. Im Spiegel sehe ich aus, wie ein erschrockenes Skelett. Aber ich hungere weiter...“

Gleich lesen: Als ich verschwinden wollte: Meine Hungerjahre

Leseprobe:
Ich bin im Einkaufzentrum, schlurfe von Geschäft zu Geschäft. Um mich herum hippe Klamotten, duftende Bodycremes, Schminke, Schmuck, Bücher, DVDs und anderes Zeug. Viele Leute sehen mich an, einige tuscheln verstohlen. Fast bin ich ein bisschen stolz. Vielleicht falle ich auf, weil ich so groß und schlank bin?

Ich beobachte eine Gruppe Gleichaltriger, die beschwingt an mir vorbei zieht. Sie freuen sich über ihre vollen Einkaufstüten, haben Spaß und quatschen angeregt. Mein Blick wandert zu den athletischen und braungebrannten Beinen der Mädchen. Dann sehe ich in ein Schaufenster und erschrecke: In der Scheibe spiegeln sich meine eigenen Beine und ich merke, wie schmal sie sind. Sie haben nur etwa die Hälfte, wenn nicht sogar weniger an Fülle als die Beine der sportlichen Mädchen mit den Einkaufstüten. „Das kann nicht sein“, denke ich, „so groß ist der Unterschied gar nicht. Ich bilde mir das nur ein.“

Doch so viel ich mich auch umsehe, keine der jungen Frauen in meinem Alter hat solche Streichholzbeine wie ich. Gibt es denn niemanden mit einer Figur, die meiner gleicht?

Nach einiger Zeit geht tatsächlich so ein Mädchen an mir vorbei. Sie trägt einen Coffee-to-go. Ihr Gesicht ist eingefallen, ihre Haut ist trocken und ihre Haare sind kaputt. Sie ist dürr. Das Mädchen ist hundertprozentig magersüchtig. Oder todkrank. Ich schnappe nach Luft, so erdrückend ist diese Erkenntnis. Das Mädchen fällt auf. Die Leute sehen ihr nach. Ich vergleiche sie mit meinem Spiegelbild, das anzusehen ich lange vermieden habe.

Sie sieht mir ähnlich. Sie ist wie ich.

Im Kindle-Shop: Als ich verschwinden wollte: Meine Hungerjahre

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20. April 2017

'Berlin in Love: Tease Me' von Loona Larsson

Was sich neckt, das liebt sich ...

Das meint zumindest Nelly, die beste Freundin von Regieassistentin Cara. Und tatsächlich ist Cara hin und weg, als sie dem aufstrebenden Theaterstar Gregory Schönberg zum ersten Mal begegnet. Wenn der Typ nur nicht so ein verdammt eingebildeter, schnöseliger Macho wäre!

Obwohl Cara sich geschworen hat, nie wieder etwas mit einem Schauspieler anzufangen, kommen die beiden sich über hitzigen Wortgefechten und den Proben zu Shakespeares "Viel Lärm um nichts" näher. Doch Greg scheint noch ein bisschen zu sehr an seiner Ex-Verlobten zu hängen und auch Cara wird von der Vergangenheit eingeholt ...

"Berlin in Love - Tease Me" ist eine leichte, romantische Liebeskomödie mit viel Humor und einigen expliziten Szenen.

Gleich lesen: Berlin in Love: Tease Me

Leseprobe:
Als ich kurz darauf durchnässt, frierend und humpelnd vor dem Theater ankam, war meine Laune auf dem Nullpunkt.
Was für ein beschissener Tag! Und ich war noch nicht einmal bei der Arbeit angekommen.
Während ich überlegte, ob es nun eigentlich nur besser oder womöglich noch schlimmer werden konnte, erblickte ich auf der gegenüberliegenden Straßenseite etwas, das mir gerade recht kam: die dämliche weiße Angeberkarre.
Und der dazugehörige Idiot stieg gerade aus. Er hatte ein Handy am Ohr und eine Sonnenbrille auf der Nase. Bei Regenwetter. Typisch!
Na warte!
Kurz entschlossen stürmte ich über die Straße – soweit es sich in meinen unbequemen High Heels eben stürmen ließ – wild entschlossen, den Pfützenrüpel zur Rede zu stellen.
Münchner Kennzeichen. Das war ja zu erwarten gewesen. Diese Schicki-Micki-Typen kannte ich aus meiner Studienzeit in München zur Genüge.
»He, Arschloch!«, rief ich erbost. »Hast du keine Augen im Kopf oder macht es dir Spaß, unschuldige Passantinnen nass zu spritzen?«
Auch die Klamotten waren typisch. Weißes Hemd, teure Destroyed Jeans und schnöselige Chelsea Boots. Und ein Designer Jackett gewollt lässig über der Schulter.
Wow. Der Hintern konnte sich allerdings sehen lassen ... Nicht ablenken lassen, Cara ...
Ich war fast bei ihm angekommen, als er sich umdrehte und mich spöttisch anlächelte.
»Wie meinen?«
Hm? Dieses Lächeln kam mir doch bekannt vor ...
Egal. Wann hatte man schon mal die Gelegenheit seine Wut an der richtigen Adresse loszuwerden?
»Wozu brauchst du eigentlich so eine Protzkarre?«, schimpfte ich unbeirrt weiter. »Wahrscheinlich kriegst du keinen hoch, oder dein Schwanz ist zu klein, oder ...«
»Alexa, ich muss aufhören«, sagte er in das Handy. »Ich habe hier ein kleines Problem. Wir reden später.«
Er drückte das Gespräch weg, dann nahm er die Sonnenbrille ab und seine stahlgrauen Augen blitzten mich belustigt an.
»Möchtest du deine Theorie nachprüfen?«
Shit!
Mein Unterkiefer klappte herunter und mir wurde abwechselnd heiß und kalt. Vor mir stand kein Geringerer als Gregory Schönberg höchstpersönlich.
»Oh.«, sagte ich, was die einzige Reaktion war, die mir angemessen erschien. »Sie sind Gregory Schönberg.«
Er hob fragend die Augenbraue, anscheinend wunderte er sich ein wenig, dass er erkannt worden war.
Meine Güte, diese Augen! Dafür brauchte er beinahe einen Waffenschein, so durchdringend wie sie mich ansahen.
»Richtig.«, erwiderte er schließlich. »Aber wir waren ja schon beim Du, also kannst du mich Greg nennen. Und mit wem habe ich das Vergnügen?«
Gute Frage. Ich versuchte krampfhaft, mich an meinen Namen zu erinnern.
»Cara.«, stammelte ich schließlich und hielt ihm zögerlich meine Hand hin. »Cara Bachmann. Ich bin die Regieassistentin.«
»So?« Er musterte mich kurz von oben bis unten, dann nahm er meine Hand und ich fühlte mich wie vom Blitz getroffen, ich glaube, mir wurde kurz schwarz vor Augen.
»Schön, dich kennenzulernen, Cara.« Er lächelte wieder und ich schmolz förmlich dahin. Meine Wut war vollkommen verraucht.
»Es tut mir leid, dass ich Sie ...«
»Dich.«
»Dass ich DICH so angepöbelt habe ...«
Plötzlich merkte ich, dass er mir völlig unverhohlen auf meine Oberweite starrte.
Verdammt! Was dachte sich der Typ nur? Hektisch raffte ich meinen Strickmantel über der Brust zusammen. Schluss mit der Peepshow! Warum hatte ich mich nur derart freizügig angezogen?
»Dann sehen wir uns ja jetzt öfter.«, sagte er, während sein Blick wieder zu meinem Gesicht wanderte, und es war unklar, ob sich das auf mich oder meine Brüste bezog.
»Ja ... Sieht so aus.«, murmelte ich, und mir dämmerte langsam, dass die nächsten Monate alles andere als einfach werden würden.
»Dann kann ich dich ja vielleicht irgendwann vom Gegenteil überzeugen.«, sagte er und grinste.
»Was?«, fragte ich verwirrt. »Welches Gegenteil?«
»Ich meine, was deine Theorie über mein bestes Stück betrifft.« Er zwinkerte mir anzüglich zu. Dann drehte er sich um und ging einfach weg.
Ich schnappte schockiert nach Luft, während mir die Röte ins Gesicht stieg.
»Als würde ich mich für Ihren Schwanz interessieren!«, rief ich empört hinterher. »Und was ist eigentlich mit meinen Klamotten? Bestimmt müssen die in die Reinigung!«
Er wandte sich noch einmal zu mir um. »Wir waren beim Du. Schon wieder vergessen? Und was deine Kleider angeht: In meiner Garderobe gibt es bestimmt eine Heizung, über der du sie trocknen kannst.« Dann verschwand er im Bühneneingang.
Ich starrte ihm sprachlos hinterher. Das fiel unter sexuelle Belästigung, oder? Was für eine Frechheit! Und doch spürte ich ein wohliges Kribbeln im Unterleib, eines von der Sorte, das ich lange nicht mehr gespürt hatte.
Dieser Mann war noch viel gefährlicher, als ich befürchtet hatte.

Im Kindle-Shop: Berlin in Love: Tease Me

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19. April 2017

'Verirrte Liebe' von Lisa Torberg

Schon bei der ersten Begegnung sprühen zwischen Dede und Ettore die Funken. Weder gesellschaftliche Schranken noch der Altersunterschied können ihnen etwas anhaben. Sie leben ihre Liebe, ihr Sohn macht ihr Glück komplett. Doch plötzlich gibt es Gerüchte, man sieht die beiden nur noch selten zusammen in der Öffentlichkeit.

Dede scheint unglücklich, zieht sich immer mehr in sich zurück. Ettore ist verzweifelt, er vermisst ihr Lachen, ihre gemeinsamen Gespräche, kann nicht verstehen, was mit ihrer Liebe geschehen ist. Er versucht alles, um ihr Schweigen zu durchbrechen. Und dann schleicht sich der Zweifel ein. Hat Dede Geheimnisse vor ihm? Gibt es einen anderen Mann?

Eine Liebesgeschichte vor der atemberaubenden Kulisse Roms – emotional, leidenschaftlich, prickelnd.

Gleich lesen: Verirrte Liebe

Leseprobe:
Er griff nach ihrem Arm und zog sie hoch. Seine Finger brannten wie Feuer auf ihrer Haut. Doch anstatt sich ihm zu entziehen, ließ sie es zu, dass er ihre Taille umfasste. »Damit Sie mir nicht noch einmal umkippen«, sagte er und hielt sie fest, als er mit ihr auf den Ausgang zustrebte. Wenige Minuten später saß sie ihm in einer kleinen Pizzeria unweit der Fakultät gegenüber. Das irritierende Gefühl, das sie bei seiner Berührung empfunden hatte, fehlte ihr. Sie, die den körperlichen Kontakt zu ihren Mitmenschen vermied, die zu lange die überbordenden elterlichen Zärtlichkeiten ertragen hatte, sehnte sich plötzlich nach den Händen dieses Mannes. Er bestellte für beide, ohne sie nach ihren Wünschen zu fragen, und sie nahm es hin. Bei jedem anderen, auch Mario, hätte sie ihrer Entrüstung Luft gemacht. Doch in dem Moment, in dem der Professore diese erste, banale Entscheidung an ihrer Stelle traf, unterwarf sie sich ihm willenlos. Und nicht nur, als sie die Quattro Stagioni aß, wo ihr Pizza in jedweder Variation zuwider war, seit sie mit ihrem Pizzaiolo zusammen war.
Sie schob einen Bissen nach dem anderen in sich hinein, ohne den Blick zu senken. Dass sie dabei jedes Mal ihren Mund traf, lag wohl daran, dass sie die Nahrungsaufnahme rasch hinter sich bringen wollte. Er beobachtete sie, doch er sagte nichts. Nur seine Mundwinkel zuckten hin und wieder amüsiert nach oben. Dede fühlte, dass noch mehr auf sie wartete als dieses verspätete Mittagessen, auch wenn sie nicht wusste, was, auch nicht, weshalb sie die Idee elektrisierte. Sie hatte kein Interesse an Sex, und Calogero Gallo war um vieles älter als sie und zudem kein schöner Mann. Sicherlich keiner, nach dem sich Frauen des Gesichts oder der Figur wegen umdrehten. Seine Schultern waren eine Spur zu schmal, die Gesichtszüge zu hart und die Augenbrauen buschig. Sein Körper war ihm offensichtlich nicht allzu wichtig, hatte er bereits mit siebenunddreißig einen leichten Bauchansatz und keinen klar erkennbaren Muskel. Doch machte er all das mit dem stechenden Blick und dem unergründlichen Lächeln wett, mit dem er sie ansah. Dede legte Gabel und Messer nieder und wischte sich mit der Serviette über die Lippen. Als ob er darauf gewartet hätte, zog er seine Brieftasche hervor und warf einen Geldschein auf den Tisch. Er stand auf, reichte ihr die Hand und zog sie hoch. Später konnte sie sich nur noch daran erinnern, dass er ein Taxi herangewinkt und sie in den Fond des Fahrzeugs geschoben hatte.
Wie ein Kind dem Rattenfänger von Hameln folgte sie ihm in ein mehrstöckiges Haus, in den Lift, in eine Wohnung. Ohne ein Wort zu sprechen, nahm er ihr die Tasche ab und zog sie mit sich in ein Schlafzimmer. Er drehte sie um, drückte sie an den Schultern nach unten, sodass sie auf dem Bettrand zu sitzen kam. Dann hockte er sich vor sie hin und zog ihr die Schuhe von den Füßen. Behutsam strich er mit beiden Händen ihre Schienbeine nach oben, verweilte kurz auf den Knien und sah sie an. Sein Blick drückte pure Gier aus, als er die Fingerspitzen unter den Rocksaum schob und an der Innenseite ihrer Schenkel hinauf glitt. Dede bebte. Er schob den Stoff ihres Höschens zur Seite und glitt zwischen ihre Schamlippen. Erstaunt nahm sie die Nässe wahr, durch die er sich einen Weg in ihr Innerstes bahnte. Ihre Muskeln schlossen sich um seine Finger. Noch nie hatte sie Ähnliches verspürt. Endlich begriff sie den Sinn des Wortes Lust, verstand die verklärten Blicke ihrer Freundinnen, wenn sie davon sprachen.
Sie sehnte sich nach seinen Berührungen, seinen Lippen, spürte das Verlangen ihres Körpers nach diesem Mann. Mit zitternden Händen öffnete sie den ersten Knopf seines Hemdes. Er riss es auf, erhob sich und entledigte sich seiner Kleidung. Als er nackt vor ihr stand und sein erigierter Penis auf sie zeigte, beugte sie sich vor und nahm ihn in den Mund. Niemals hatte sie Marios schüchterne Bitten erhört, ihn oral zu befriedigen, sondern sich vehement dagegen gewehrt. Der Ekel, den ihr bisher nur allein der Gedanke daran bereitet hatte, war verflogen. Gierig nahm sie den harten Schwanz auf, leckte und massierte ihn mit ihren Lippen, glitt auf und nieder, bis er sich ihr entzog. »Leg dich hin«, keuchte er, und sie ließ sich auf den Rücken fallen und rutschte zur Bettmitte. Calogero kniete sich auf die Matratze, schob den Saum ihres Kleides nach oben und zerrte den nassen Slip über ihre Beine hinunter. Mit festem Griff drückte er ihre Schenkel auseinander und rammte sein Glied in sie. Brutal und tief. Sie schrie auf, er zog sich zurück, jedoch nur, um noch tiefer in sie zu stoßen. Sie wimmerte und keuchte. Er nahm sie rücksichtslos und sie genoss es. Schmerz und Begierde wechselten sich ab. Ihr Becken reagierte losgelöst von ihrem Geist, hob sich ihm entgegen. Gierig nahm sie ihn in sich auf. Er füllte sie aus, wuchs in ihr, rieb sie wund, doch sie vergrub ihre Fingernägel in seinen Pobacken und zog ihn noch näher. Heiß und unbändig trieb sie auf der Welle der Lust bis zur Klippe und stürzte ins Uferlose. Er ergoss sich in ihr, pumpte seinen Samen in sie hinein, schenkte ihr den ersten und unvergesslichen Orgasmus ihres Lebens. Schwer atmend und mit geschlossenen Augen lag sie unter ihm. Seine Lippen berührten sie sanft zum allerersten Mal, seine Hand streifte ihr die schweißnassen Haare aus der Stirn. »Verhütest du?«, fragte er leise, gefolgt von einem »Gott sei Dank«, als sie nickte. Erst dann schälte er sie aus Kleid und Büstenhalter, umfasste ihre Brüste mit beiden Händen und begann mit der süßesten aller Torturen, um sie erneut an die Grenzen der Lust zu treiben.
Eine Woche später verließ Dede ihren Pizzaiolo ohne Erklärung.

Im Kindle-Shop: Verirrte Liebe

Mehr über und von Lisa Torberg auf ihrer Website.



18. April 2017

'Sirenennacht' von Stephanie Wittern

Was würdest du tun, wenn dein Leben eine einzige Lüge wäre? Wenn du niemandem vertrauen könntest und alle hinter dir her wären?

Diese Frage stellt sich Steff McArthur. Sie ist Polizistin in einer Kleinstadt in Lousiana, hat zwei Kinder und ist verheiratet. Als ihr Mann nach New York eingeladen wird, freut sie sich, endlich dem Kleinstadtleben entfliehen zu können. Doch warum ist Alaric Smith aufgetaucht? Wer ist dieser Mann, dessen Anziehungskraft sie sich kaum entziehen kann und warum meint sie ihn zu kennen?

Sie rechnet nicht damit, dass sowohl Alaric als auch der Aufenthalt in New York ihr Leben für immer verändern werden. Ein Geheimnis, eine Entführung, Hexen, Werwölfe, Elfen und Vampire. Das alles sorgt dafür, dass Steff McArthur stirbt und Gravity Anderson geboren wird.

»Sirenennacht« ist der erste Band der Buchreihe »Die Chroniken der Gravity Anderson«.

Gleich lesen:
Für Kindle: Sirenennacht (Die Chroniken der Gravity Anderson)
Für Tolino: Buch bei Thalia

Leseprobe:
»Was zum...«, sagte ich und sprang auf. Neben dem Revier hatten wir einen Hubschrauberlandeplatz der noch nie benutzt wurde, zumindest nicht so lange ich hier arbeitete. Ernie und Lisa folgten mir nach draußen. Während die beiden mit offenem Mund dem Hubschrauber beim Landen zusahen, verschränkte ich genervt die Arme vor der Brust. Niemand hatte eine Hubschrauberlandung angekündigt und wer auch immer das war, hatte einiges zu erklären. Nachdem unser Besucher den Motor ausgestellt hatte und die Tür öffnete, fiel Lisa die Kinnlade herunter. Es stieg ein ein Meter neunzig großer, blonder Hüne aus dem Hubschrauber. Er hatte einen Seesack dabei und eine Sonnenbrille aufgesetzt. Auf seltsame Art und Weise kam er mir bekannt vor, aber ich musste mich irren, denn zumindest vom Sehen her kannte ich alle Bewohner von Liberty Falls und woanders war ich noch nie gewesen.
Da sich meine Kollegen nicht trauten den Neuankömmling zu begrüßen, übernahm ich es. »Was verdammt nochmal soll das?«, fragte ich. »Sie können nicht einfach hier landen. Wer sind sie und was wollen sie hier?«
Er nahm seine Brille ab und lächelte mich etwas verkrampft an. Verdammt, hatte der blaue Augen.
»Also welche Frage soll ich zuerst beantworten?«, fragte er mich.
Oh, wie ich es hasste, wenn jemand mit einer Gegenfrage antwortete. »Sie können damit anfangen wer sie sind?«
»Mein Name ist Alaric...«, er überlegte, »...Smith.« Ich glaubte ihm kein Wort.
»Mr. Smith, dann können sie sich sicherlich auch ausweisen«, konterte ich.
Es schien ihn zu überraschen und er griff tatsächlich in seine Hosentasche. Verdammt, saßen die Jeans eng. »Tut mir leid, den muss ich zu Hause liegen gelassen haben«, gab er zurück.
»Sie wissen aber, dass ich sie in Gewahrsam nehmen könnte, bis sie sich ausweisen können.« Lisa und Ernie sahen zwischen Mr. Supermodel und mir hin und her. Smith trat dichter und verdammt, der war mindesten eineinhalb Köpfe größer als ich, was mich nicht einschüchterte, denn ich hatte in meinem Holster eine geladene Glock. Er sah mich mit seinen blauen Augen an. Irrte ich mich oder waren seine Nasenflügel aufgebläht?
»Ich würde es bevorzugen, wenn sie das nicht täten, Officer«, sagte er und seine Stimme schnurrte förmlich, so dass sich mir die Brustwarzen aufrichteten. Dieser Mann war purer Sex und ich hatte schon seit Wochen keinen mehr mit John gehabt. Beruhige dich, seinem schmutzigen Lächeln nach zu urteilen, wusste er genau wie er auf Frauen wirkte.
»Ich muss sie bitten, kurz mit mir zu kommen. Natürlich muss ich aufnehmen, dass sie hier unangekündigt gelandet sind und den Grund ihres Aufenthaltes erfahren. Reine Formalität«, sagte ich, was natürlich gelogen war. Dieser Mann strahlte Gefahr aus und ich wollte ihn so schnell wie möglich wieder los werden.
»Einen Moment, ich muss noch ein Telefonat führen, werde gleich bei ihnen sein, Officer.« Er holte ein Handy aus der Hosentasche.
Ich griff Lisas Arm und wir gingen in Richtung Eingang. Zu Ernie sagte ich: »Behalte ihn im Auge, er soll wirklich gleich rein kommen.«
»Hast du diesen Knackarsch gesehen?«, fragte mich Lisa. »Sicherlich könnte man darauf ein Spiegelei braten, so heiß ist er.« Sie sah in den Spiegel der neben der Tür hing und überprüfte ihr Haar. Bei meinen Locken war es unmöglich zu sagen, wann sie richtig saßen, denn das taten sie eigentlich nie. Also machte ich mir nicht die Mühe in den Spiegel zu sehen, außerdem wollte ich von dem Typen ernst genommen werden. Ich hatte die Erfahrung gesammelt, dass hübsche Frauen selten von Männern ernst genommen wurden, weswegen ich mich auch nie für die Arbeit schminkte.
Ich trat an meinen Schreibtisch und fuhr den PC hoch, als schon der Neuankömmling durch die Tür kam. Nein, das war falsch ausgedrückt, er dominierte die Tür. Ich glaube, dass ich noch nie jemanden gesehen hatte, der einen Raum so klein werden ließ. Sicherlich waren alle Augen auf ihn gerichtet, egal wohin er kommen würde. Verdammt, wurde mir heiß. Reiß dich zusammen, befahl ich mir innerlich. Er sah mich und setzte sich auf den winzigen Stuhl, der vor meinem Schreibtisch stand. Ich konnte nicht anders und musste grinsen. Er zog eine Augenbraue hoch.
»Sie sehen nur unglaublich komisch aus, wie sie hier so auf diesen mickrigen Stuhl sitzen, der unter ihren Gewicht droht zusammenzubrechen«, sagte ich wahrheitsgemäß.
»Zeit sich mal wieder auf die Waage zu stellen«, scherzte er. Ich öffnete einen neuen Ordner auf den PC und nannte ihn Smith, wobei ich nicht glaubte, dass es sein richtiger Name war.
»Bevor sie mit ihrer reizenden Befragung weiter machen, würde ich sie bitten in ihr E-Mail Postfach zu gucken. Ich denke, dort wird meine Ankunft angekündigt«, sagte er selbstgefällig.
Ich sah ihn kalt an. »Ganz sicher nicht, denn meine beiden Kollegen haben heute die E-Mails gecheckt und sie hätten mir als Wachhabenden gesagt, wenn wir eine Hubschrauberlandung zu erwarten hätten.«
Er stützte sich auf meinem Schreibtisch ab und lächelte. »Tun sie mir bitte den Gefallen«, schnurrte er.
»Bitte«, sagte ich wütend und tat wie er gesagt hatte. Es war tatsächlich eine E-Mail in dem Postfach fürs Revier. Ich öffnete sie und las sie quer. Es wurde die Landung eines Hubschraubers angekündigt und von einem Privatdetektiv namens Alaric Smith war die Rede, der auf der Suche nach jemandem war. Einzelheiten wurden nicht genannt. Ich schloss die Nachricht verärgert und warf Ernie, der gerade mit einem Donut beschäftigt war, einen bitterbösen Blick zu und dann Lisa, die auf ihre Fingernägel sah.
»Und?«, fragte Smith.
»Es tut mir leid«, entschuldigte ich mich. »Da habe ich wohl die Mail übersehen.« Ich knirschte mit den Zähnen.
»Sie sind also hinter jemanden her. Warum vermuten sie gerade, dass sich diese Person in Liberty Falls aufhält?«, fragte ich. Ich schloss auf den Rechner den Ordner, löschte ihn aber nicht.
»Ich denke ich könnte hier fündig werden, allerdings kann ich ihnen keine Details nennen, denn mein Klient wünscht Diskretion«, sagte er, damit ich auch ja nicht nachfragen konnte.
Ich lächelte süffisant. »Das ist ja in Ordnung, aber lassen sie sich gesagt sein: Das hier ist meine Stadt und ich will keinen Unruhestifter. Bisher ist hier nie etwas passiert außer ein paar Kneipenschlägereien. Ich wünsche, dass das so bleibt, Mr. Smith. Ich hoffe sie finden was sie suchen und verschwinden dann wieder.« Ich stand auf und sah auf ihn herunter, was nicht sehr weit war, da er mir im Sitzen fast in die Augen sehen konnte.
»Die Gastfreundschaft in dieser Stadt ist bemerkenswert«, sagte er und stand auf. Ich machte mir nicht die Mühe zu ihm hoch zusehen, sondern nahm meine Mütze und ging nach draußen. Vor Wut schlug ich gegen meinen Streifenwagen. Was für ein arroganter Mistkerl. Ich hatte nicht gemerkt, dass jemand hinter mich getreten war.
»Hat ihnen das Auto etwas getan?«, fragte Smith spöttisch und ich ärgerte mich noch mehr, dass er meinen Wutausbruch gesehen hatte. Ich wusste, dass ich rot im Gesicht war, was mich aber nicht daran hinderte mich um zudrehen.
»Gibt es noch was?«, platzte ich unfreundlich heraus.
Er lächelte wieder und ich wusste nicht ob das ein spöttisches Grinsen war oder freundlich sein sollte. »Ich wäre ihnen sehr dankbar, wenn sie mich zu einem Hotel mitnehmen würden. Ich kenne mich hier nicht aus. Es muss aber ein Apartment mit Kühlschrank sein.«
»Oh, auch hier in Liberty Falls haben wir Minibars in den Hotels. Ich denke, dass wird ihren Ansprüchen genügen.« Ich öffnete die Fahrertür und sah ihn an, als er keine Anstalten machte auf die Beifahrerseite zu gehen. »Brauchen sie eine Extraeinladung?«, fragte ich und deutete auf die andere Seite. Lächelnd ging er um Auto herum und ich stieg ein. Es war nicht weit zu Mollis Hotel und wir schwiegen bis wir da waren. Ich, weil ich wütend war und mich von ihm beobachtet fühlte und er, weil er scheinbar Schmerzen hatte.
Als ich es nicht mehr aushielt und wir gerade vor Mollis Hotel angehalten hatten, fragte ich ihn: »Geht es ihnen nicht gut?«
Er sah mich an und seine Augen waren noch blauer geworden oder war es schwarz und er schien zu überlegen, was er mir sagen sollte. »Geht schon«, sagte er durch zusammengepressten Zähnen und stieg so schnell wie möglich aus dem Auto aus. So als wäre das Auto ihm zu eng geworden.

Im Kindle-Shop: Sirenennacht (Die Chroniken der Gravity Anderson)
Für Tolino: Buch bei Thalia

Mehr über und von Stephanie Wittern auf ihrer Website.