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22. Juli 2019

'Memorabilia' von Manuel Schulte

Kindle | Blutwut-Shop | Taschenbuch
In einer Welt ohne Regeln was für ein Mensch wärst du?
Geschlechtskrankheiten? Kein Problem. Überdosis? Egal. Mord? Immer wieder gern.


Fred ist ein Auftragskiller mit hundertprozentiger Erfolgsquote. Warum? Er kann sich besser als jeder andere auf seinen Job vorbereiten, denn Fred erlebt seit fünf Jahren immer wieder denselben Tag, ohne Grenzen, ohne Sorgen. Allerdings bringt diese Zeitschleife nicht nur Vorteile mit sich. Das Leben wird für Fred unerträglich langweilig.

Selbst div erse Nahtoderfahrungen, sadistische Spielchen oder zwanglose Orgien bringen kaum noch den gewünschten Kick. Fred will ausbrechen aus diesem Hamsterrad, doch sein Auftraggeber, der in diesem Zeitschleifenkonstrukt die Fäden zieht, droht ihm mit Höllenqualen. Außerdem ist da ein geheimnisvoller Unruhestifter und Zoe, die Freds Welt komplett auf den Kopf stellt. Das vermeintliche Paradies hat plötzlich Risse. Kann er entkommen? Und wenn, was kommt danach?

Für kurze Zeit als E-Book zum Einführungspreis von nur 2,49 Euro (statt 4,99 Euro).

Leseprobe:
Alles auf Anfang: Das Dach eines Hochhauses. Bei sämtlicher Komplexität, die diese Welt bietet, ist es doch ein unerwartet übersichtlicher Ort. Eine jämmerliche Metalltür, die hier hinaufführt, der Boden ausgelegt mit Kieselsteinen, die mit jedem Schritt einen widerlich knirschenden Ton erzeugen. Des Weiteren eine Umrandung von hüfthohem Beton – als Sichtschutz für die arroganten Bürohengste, die sich hier auf einen Joint treffen. Punkt 12:37 Uhr, direkt nach dem abscheulichen Kantinenessen im zweiten Stock. Auch wenn es wahrscheinlich einer der trostlosesten Ecken auf der Welt ist, bin ich über den klaren Himmel, die sanfte Sonne und die warmen, aber nicht heißen Temperaturen erstaunt. Selbst nach fünf Jahren genieße ich immer noch, wie angenehm das Wetter ist.

16:28:44 Uhr
Wird Zeit, die Vorbereitungen zu treffen. Ich nehme die vergoldete Quarzuhr vom Handgelenk. Sie sieht zwar ziemlich verbraucht aus, dennoch ist sie der genaueste Gegenstand, den es in meiner Welt gibt - mehr noch, sie ist mein Helfer, der mich vor Verletzungen und Peinlichkeiten schützt. Eines der seltenen Werkzeuge, die für mich beständig sind. Da dieses ranzige Ding auf die eine oder andere Weise auch ein Kumpel wurde, gab ich ihm einen Namen. Es war keine Marke darauf zu erkennen, so musste ich mir etwas einfallen lassen und nun heißt sie James. James, mein treuer Butler und Freund. Aber jetzt genug davon, James muss arbeiten. Ich lege sie vor mir auf die Dachkante, damit ich sie immer im Blick habe. Jetzt ist das Bluetooth-Headset dran. Handy konfigurieren und ... es funktioniert. Was für eine schöne neue Welt. Genau wie James versuche ich, wie ein Uhrwerk zu funktionieren. Ich ziehe einen zerknickten Aktenumschlag aus meiner rechten Manteltasche, in dem alle nötigen Unterlagen gesammelt sind. Darunter viel Unnützes, wie einen Lebenslauf und mehrere Notizen von einem sehr detaillierten Tagesplan. Ich brauche nur seine Telefonnummer. Mehr nicht. Schnell den gelben Zettel aus dem Umschlag heraussuchen und die Ziffern in das Handy tippen. Das grün-leuchtende Feld mit dem Telefonpiktogramm ist nun der Auslöser, der Startknopf. Streng genommen müsste ich die Nummer bereits auswendig kennen, so oft wie ich diese schon gewählt habe. Aber man sollte sich schließlich nicht jeden Scheiß merken. So! Uhrzeit: gecheckt. Telefon: gecheckt. Fehlt nur noch mein geliebtes Stahlrohr. Das habe ich unter meinem Mantel platziert. Es ist ungefähr einen Meter lang und am Ende abgebrochen. Sieht wirklich gruselig aus, das Ding. Wahrscheinlich, weil es mit Rost überzogen ist, dass man schon bei der winzigsten Berührung Angst vor einer Infektion bekommt. Lang, dunkelbraun und widerlich rau. Drauf geschissen! Ich lege es neben meine Uhr und gut ist. Nun ist alles auf das Feinste drapiert. Ein Blick auf James.

16:30:17 Uhr
Ich sehe noch einen Augenblick zu, wie die Sekunden verrinnen, bis es langweilig wird. Die übrige Zeit sollte ich für meine Konzentration nutzen. Also stehe ich einfach nur da und versuche, an nichts zu denken. Konzentriere mich auf die wundervolle Aussicht. Schön. Sehr schön. Aber langweilig. Mein Blick wandert hoffnungsvoll auf meine Uhr.

16:30:45 Uhr
46, 47, 48 ... Ich beobachte den Sekundenzeiger, beuge mich über die Dachkante und schaue nach unten. Hm, warum liegt auf solchen Dächern eigentlich immer der gleiche Kies herum und warum sehen alle gleich aus? Verdammt! Ich mache mir wieder Gedanken über irgendeinen Schwachsinn, dabei habe ich Wichtigeres zu tun.

16:31:05 Uhr
Vielleicht verteilen sie den Kies, damit Leute wie ich hier nicht unbemerkt bleiben. Das könnte man schon fast als böswillig bezeichnen. Oh Mann, bleib aufmerksam! Vor einem Auftrag sollte ich weniger koksen. Beruhige dich! Du hast es schon tausend Mal durchgeplant. Egal, es wird hundertprozentig funktionieren. Aber ich will es perfekt haben. Schade, dass ich es nicht filmen kann. Shit! Die Uhrzeit?

16:31:21 Uhr Die magische Zeit. Jetzt noch schnell das abgebrochene Stahlrohr fest in die Hand nehmen und über den Rand des Daches halten. Verdammt schwer das Ding. Komisches Gefühl auf der Handfläche. Dieser Rost scheint jedes Nervenende meiner Handfläche zu reizen. Irgendwie unangenehm, aber trotzdem vertraut. Jetzt erst einmal die Position prüfen. Ich schaue wieder auf den verfluchten Kiesboden. Direkt an der Spitze meines rechten Lederschuhs, liegt ein ovaler braun getönter Stein und gleich daneben ein recht unförmiger grauer. Ich stehe also perfekt. Liste komplett. Jetzt fängt die Entspannungsphase an und der Puls geht in den Keller. Ich scheine still zu stehen. Als wäre ich die Zeit. Oder James. Nicht nur mein Geist steht still, sondern auch mein Körper und alles, was darin ist. Nur noch mein Mantel bewegt sich im sanften Wind. Die Sekunden verstreichen, ich stehe still, bis ich total entspannt zu mir komme und der Realität gegenüberstehe.
Diesem respekteinflößenden Blick über den Betonrand. Ein Hochhaus mit fünfzig Stockwerken, aber man gewöhnt sich daran. Verdammte Gewohnheit! Fuck, bin ich high! Bin zu unkonzentriert. Schluss jetzt! Tippe zweimal auf den Anrufknopf. Ich liebe die Wahlwiederholung. Es klingelt ...
»Hi!«
Dieser Idiot Martin Scheittmann. Fett, Halbglatze und mit einer Brille, die so groß ist, dass man daraus zwei machen könnte. Sitzt da gemütlich auf einer Holzbank, mit seinem missgebildeten Käsebrot und ist super ätzend angezogen. Trägt eine Hose, die genauso grau ist wie sein Leben und versucht, diese Tristesse mit einem rot-grün-blau gestreiften Poloshirt wettzumachen. Wahrscheinlich haben sich die Fasern schon mit seiner Körperbehaarung verwoben, die er ganz ungeniert aus seiner Spießerkleidung platzen lässt. Besonders eklig sind seine Unterarme. Der hat einen verschissenen Urwald oberhalb des Handrückens. Man stelle sich diesen Nerd vor, und dann meldet er sich mit einem hippen »Hi!«? Dazu noch mit diesem schwuchteligen Unterton, der absolut zu seinem scheußlichen Poloshirt passt.
Ich versuche nicht, über sein nicht verdientes Selbstbewusstsein zu kotzen, sondern antworte mit einem unterkühlten: »Hallo!« Gott, ich will alles tun, um nicht so lächerlich zu klingen wie er.
»Wer spricht?«
Oh, höre ich da ein wenig Aufmüpfigkeit heraus? Nun ja, ich lass ihm den Spaß und antworte monoton.Das lässt mich ein wenig kaltblütiger wirken. Glaube ich zumindest.
»Fred ist mein Name.«
Am Anfang hatte ich noch Probleme damit, meinen wahren Namen zu nennen, bis mir bewusst wurde, dass es egal ist. Der Name ist in ein paar Stunden sowieso Geschichte.
»Wer bist du?«
Jetzt fängt der Spaß an, denn das ist nun der Wendepunkt, an dem es für ihn unheimlich wird.
»Ach, Martin. Du kennst mich nicht, und das ist echt schade. Wenn du wüsstest, wie viel Zeit wir miteinander verbracht haben und wie oft wir uns immer wieder frisch kennenlernten. Und damit meine ich auf einer nicht homoerotischen Ebene. Wenn du nur so verstehen könntest ...«
»Was?«
Fuck you! Niemand unterbricht mich! Erst recht nicht, wenn ich mal so etwas Tiefsinniges sage.
»Jetzt kommt das Schlimmste. Heute ist unser Tag. Unser letzter Tag! Verstehst du? Ein einzigartiger Tag. Zumindest für mich. Ich habe ihn geplant, geplant, geplant, aber heute werde ich es schaffen. Es wird ein Meisterstück für meine Vita. Beispiellos. Leider weiß ich, dass es sich verhält wie beim Vögeln. Man bereitet sich vor, nutzt all seine Energie und Kraft, aber wenn der Höhepunkt erreicht ist, fühlt man sich schlapp. Und man weiß, dass es lange dauern wird, es wieder so intensiv zu spüren. Unfair, oder? Vögeln kann man immer mal wieder, aber, wenn ich hier fertig bin, wirst du weg sein. Es ist nicht reproduzierbar, weil du weg bist. Für immer! Und das ist schade. Zumindest für dich, du ekelhafter Bastard. Deshalb werde ich einen Regenbogen kotzen, wenn ich dich erledige.«
Soviel habe ich noch nie mit ihm geredet. Bin auf seine Antwort gespannt. Die lässt aber eine Weile auf sich warten.
»Ich weiß ja nicht, was für ein Gestörter du bist, Fred. Aber ich glaube, du solltest mich nicht mehr anrufen, denn ich habe gefährliche und einflussreiche Freunde. Und eins sag ich dir: Die lieben es, solche psychotischen Arschlöcher wie dich zu foltern. Das würden die sogar kostenlos machen. Also leg lieber auf, sonst hat dein Hals bald keine Abdeckung mehr.«
Ich liebe so was. Versucht er doch tatsächlich, mit coolen Drohungen seinen Penis zu vergrößern.
»Kann ja sein, Martin. Aber ich denke, du hast eher noch gefährlichere und einflussreichere Feinde. Die wollen nämlich, dass du stirbst. Und das in den nächsten paar Sekunden. Cool, oder?«
Verdammt. Darf die Uhr nicht aus dem Blick verlieren.

Im Kindle-Shop: Memorabilia.
Beim Verlag: Blutwut-Shop
Mehr über und von Manuel Schulte beim Blutwut-Verlag.



'Bittersüßes Meer: Ostseeliebesroman' von Emily Frederiksson

Kindle (unlimited)
Achtzehn Monate ist es her, seit Maya Hals über Kopf ihr bisheriges Leben hinter sich gelassen hat. Aber weder Zeit noch Entfernung zum Ort der Katastrophe haben dabei geholfen, dass die riesige Welle der Enttäuschung abgeebbt ist. Verbotene Gefühle, unterdrückte Leidenschaft und die überstürzte Flucht in eine andere Stadt – Maya verkriecht sich vor der Realität. Doch traurige Umstände zwingen sie dazu, sich der Vergangenheit zu stellen und an die Ostsee zurückzukehren.

Hannes’ Leben scheint perfekt. Das Studium hat er erfolgreich abgeschlossen, der erste Job wartet und er begegnet der Frau, die vom ersten Moment an sein Herz berührt. Maya. Ihre gemeinsame Traumblase platzt allerdings, als sie sich unerwartet gegenüberstehen – denn er ist der neue Lehrer und sie seine Schülerin.

Sich von ihr fernzuhalten fordert all seine Energie. Hannes ist verzweifelt. Mit einer unüberlegten Aktion zerstört er Mayas Vertrauen binnen weniger Minuten und reißt beide in einen Strudel aus Niedergeschlagenheit und Resignation.

Aber was geschieht, wenn die rote Linie der Moral nicht mehr existiert? Kann Maya verzeihen und bekommt Hannes eine zweite Chance?

Leseprobe:
Als sie realisierte, dass er es war, der ihren Weg in die Abgeschiedenheit eines leeren Klassenzimmers lenkte, brach sie vollends zusammen und ergab sich einem Heulkrampf, wie er im Buche stand. Er sollte ihre Tränen nicht sehen, sollte nicht merken, wie sehr es sie quälte, ihre Gefühle unterdrücken zu müssen. Er sollte verschwinden. Es war nur seine Schuld, dass sie sich in diesem Dilemma befand. Warum hatte er nicht gesagt, dass er Lehrer war? Warum hatte er dieses wichtige Detail vergessen zu erwähnen?
„Geht es dir gut?“, fragte er mit ruhiger, aber besorgter Stimme.
„Sehe ich so aus?!“, herrschte sie ihn an und ignorierte das vertrauliche Du, in das er gewechselt war. Sie wischte sich mit dem Handrücken über das Gesicht. „Ich brauche einen Moment für mich.“ Die geflüsterten Worte waren selbst in ihren Ohren nur schwach zu verstehen. Vielleicht blieb er deswegen stumm. „Es ist so schon peinlich genug. Du musst mir nicht auch noch dabei zusehen, wie ich mich zum Affen mache.“ Sie schniefte noch einmal und hob dann ihren Kopf, um ihn anzusehen, obwohl sie letztlich vielmehr auf seine Brust starrte, die sich schneller hob und senkte, als normal gewesen wäre. Augenscheinlich ließ ihn die Situation nicht kalt. Gut so. Warum sollte sie allein leiden?
„Verdammter Mist“, fluchte er ungehalten und legte einen Finger unter ihr Kinn, um ihren Kopf anzuheben. „Maya.“ Seine Stimme klang rau, gequält.
Aufs Neue stiegen ihr Tränen in die Augen. Und dann tat Hannes etwas, mit dem sie nie gerechnet hätte: Er zog sie in eine feste Umarmung. Hielt sie. Hier. In dieser verdammten Schule. Mit dem Wissen, dass jede Sekunde die Tür auffliegen und jemand in den Raum kommen konnte. Es war eine so beschützende Geste, dass Maya sich allmählich beruhigte und sich an seinem Hemd festklammerte, weil die Angst, doch noch den Halt zu verlieren, nicht abklang.

Im Kindle-Shop: Bittersüßes Meer: Ostseeliebesroman.
Mehr über und von Emily Frederiksson auf ihrer Autorenseite bei Amazon.



20. Juli 2019

'Jaxson (River Pack Wolves, Buch 1)' von Alisa Woods

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Drei Brüder. Drei Geheimnisse. Eine letzte Hoffnung, die Shifter von Seattle zu retten.

Der ehemalige Navy SEAL Jaxson River würde sein Leben für seine Brüder und sein Rudel geben, aber wenn er nicht bald eine geeignete Partnerin findet, wird er gezwungen sein, als ihr Alpha zurückzutreten. Doch niemand weiß, dass Jaxson ein dunkles Geheimnis in sich trägt, das jede Wolfsshifterin beim Paarungsritual sofort töten würde. Und da gerade immer mehr Shifter auf offener Straße entführt werden – und nur Jaxson und seine Brüder Jace und Jared dies verhindern können – ist jetzt definitiv nicht der richtige Zeitpunkt, um irgendjemanden einzuweihen.

Die kurvige Olivia Lilyfield hat sich ihre halbe Kindheit durch miese Pflegefamilien geschlagen – dass sie eine Halbhexe und für den Tod ihrer Eltern verantwortlich ist, hat sie dabei die ganze Zeit geheim gehalten. Jetzt, wo sie auf eigenen Füßen steht, will sie Buße für ihre Vergangenheit tun, indem sie ihrem Leben einen Sinn gibt und Gutes bewirkt. Als sie also einen Wolf entdeckt, der in einer Gasse gefoltert wird, eilt sie ihm ohne zu zögern zu Hilfe … obwohl Wölfe und Hexen so gut zusammenpassen wie Streichhölzer und Sprengstoff.

Die gefährliche Magie, die in Olivia schlummert, hält sie davon ab, irgendwen zu nahe an sich heranzulassen – doch Jaxson fühlt sich unbändig zu ihr hingezogen und sie kann seinen Küssen nicht widerstehen. Während die beiden alles dafür tun, Seattles verschwundene Shifter zu retten, liegt die wahre Gefahr darin, dass sie sich ineinander verlieben. Sie spielen mit magischem Feuer… und ihre Geheimnisse könnten sie am Ende beide zerstören.

'Jaxson' ist ein vollständiges und in sich abgeschlossenes Buch, das erste in der River Pack Wolves Trilogie.

Leseprobe:
Ihre Beine zitterten, aber sie schaffte es, sie in Bewegung zu setzen. Sie schob sich vorwärts, bis sie an die Ecke der dunklen Gasse gelangte. Das Knistern erklang immer noch und verursachte ein Gefühl in ihr, als wäre ihr Magen mit hunderten elektrischer Schmetterlinge gefüllt. Aber sie zwang sich aus ihrer Deckung hervor, sodass sie die lange, schattige Gasse hinunter sehen konnte.
Was sie dort sah, ließ Eis durch ihre Adern fließen.
Am Ende der Gasse befanden sich zwei Männer in schwarzen Arbeitsuniformen und schweren Stiefeln, die lange Metallstäbe mit blauen elektrischen Lichtbögen an den Enden hielten – mit denen sie ein Tier quälten. Es wandte sich wimmernd auf dem schmutzigen Boden vor einem zugeketteten Maschendrahttor, halb durch einen überquellenden Müllcontainer verborgen. Immer wieder machten die Männer Ausfallschritte, stachen auf das Tier ein, und wichen dann zurück, wenn es nach ihnen schnappte.
Es war ein Wolf.
Sie erstarrte. Das war kein gewöhnlicher Wolf, wenn so ein Ding es überhaupt in die Innenstadt von Seattle schaffen würde. Er war gewaltig und hatte locker die Größe eines Menschen, mit schwarz glänzendem Fell, das sich wild sträubte, und Reißzähnen, die größer als ihre Finger waren. Es musste ein Shifter sein – und die Männer folterten ihn mit ihren Viehtreiberstöcken.
Olivia schluckte ihre Angst hinunter, schob sich weiter in die Gasse und fummelte ihr Handy aus ihrer Rocktasche. Shifter waren gefährlich – sie gehörten zu einer Reihe magischer Kreaturen, die sich in den Schatten von Seattle verbargen, und Olivia wusste genau, wie tödlich übernatürliche Wesen sein konnten. Aber egal wie furchteinflößend Shifter auch waren, ihr war trotzdem bewusst, dass sich ein Mensch darunter verbarg. Und jeder, der einen Shifter in einer dunklen Gasse folterte, war wahrscheinlich schlimmer als der Shifter selbst.
Außerdem konnte sie nicht einfach herumstehen und dabei zusehen, wie sie ihn vor ihren Augen umbrachten.
Mit zitternder Hand schaffte sie es, ihr Handy zu entsperren und ein Video aufzunehmen. Doch irgendwie bemerkten die Männer das Klicken der Videoaufnahme, trotz der funkensprühenden Folterstäbe und des Knurrens der Bestie. Ihre Köpfe wirbelten zu ihr herum und beide sahen erst sie und dann einander an.
Das Herz sprang ihr beinahe aus der Brust und dennoch brachte sie eine feste Stimme hervor: „Ich habe die Polizei gerufen“, log sie. „Und ich habe Sie gefilmt. Legen Sie einfach die Stäbe weg, dann haben die Beamten vielleicht ein Nachsehen.“ Gott, was machte sie da nur?
Die Angreifer schienen dasselbe zu denken. Aber während sie abgelenkt waren, machte der Shifter einen Satz nach vorne und biss nach einem von ihnen. Der kräftigere der beiden Männer schlug dem Shifter mit seinem Stab ins Gesicht, während der schlankere sich ihr zuwandte und mit seiner Waffe in der Hand durch die Gasse auf sie zu gesprintet kam.
Ach, du Scheiße.
Doch Olivia blieb tapfer stehen. „Ich nehme das auf!“, quietschte ihre Stimme, was den Mann aber nicht langsamer werden ließ. Sie sollte wegrennen, wollte wegrennen, aber ihre Beine waren unter ihr zu Gelee geworden. Gerade als der Mann eine Hand nach ihrem Smartphone ausstreckte, das sie immer noch vor sich hielt, tauchte ein Schatten aus Fell und schnappenden Kiefern zwischen ihnen auf. Mann und Wolf krachten beide gegen die Ziegelsteinwand und prallten davon ab. Der Mann schrie auf, als der Wolf seine Zähne in ihm vergrub. Olivia hastete aus dem Weg, als das kämpfende und kratzende Bündel aus Mann und Bestie an ihr vorbei rollte. Sie drückte sich an die kühle Steinwand, um aus der Gefechtszone zu bleiben.
Es war schnell vorbei – der Shifter drückte den Mann zu Boden und nahm dessen Kehle zwischen seine Kiefer. Der Arm des Mannes war blutverschmiert, sein Hals aber nicht. Der zweite Kerl, der kräftigere, kam durch die Gasse geeilt, um seinem Partner zu helfen, aber der Shifter stieß ein Knurren aus, bei dem sich Olivias Nackenhaare aufstellten... und bei dessen Klang der Mann augenblicklich stehenblieb. Der Shifter hätte die Kehle des Typen am Boden mit einem Bissen durchtrennen können. Doch stattdessen knurrte er eine zweite Warnung. Der Mann, der noch stand, kapierte endlich, ließ seinen Folterstab fallen und hob die Hände. Der Shifter ließ langsam von der Kehle des anderen Mannes ab. Dann stieß er ein weiteres markerschütterndes Knurren direkt in dessen Gesicht aus, bei dem Speichel und Schaum auf seine vor Entsetzen blassen Wangen tropften. Er rührte keinen Muskel, bis der Shifter langsam zurückwich. Dann flüchteten beide Männer panisch aus der Gasse. Als sie weg waren, zog sich der Wolf zum Müllcontainer zurück und verschwand dahinter.
Olivias Herz hämmerte in ihrer Brust und sie umklammerte immer noch ihr Handy. Sie tippte darauf, um die Aufnahme zu beenden, und versuchte, ihren abgehackten Atem zu beruhigen. Sie sollte abhauen und ihren dummen Hintern so schnell wie möglich aus dieser Gasse befördern, aber sie vertraute ihren Beinen nicht. Sie zitterte von Kopf bis Fuß und schaffte es bloß, aufrecht stehen zu bleiben, weil sie immer noch an der Wand lehnte. Gerade als ihr keuchender Atem wieder etwas abflachte, lenkte der Klang rascher Schritte ihre Aufmerksamkeit zurück in die Gasse.
Der umwerfendste Mann, den sie je gesehen hatte, eilte auf sie zu.

Im Kindle-Shop: Jaxson (River Pack Wolves, Buch 1).
Mehr über und von Alisa Woods auf ihrer Website.



18. Juli 2019

'Der Tod wird dich vermissen' von Mark Franley

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Es ist sein Keller und es sind seine Regeln. Füge dich oder sie wird leiden.

Jacob lebt in seiner eigenen verstörenden Welt, unauffällig und unbemerkt. Doch einmal im Jahr holt er sich zurück, was ihm genommen wurde.

Als ihm bewusst wird, dass er mit Kommissarin Sabrina Faust eine schlechte Wahl getroffen hat, macht er das Beste daraus – er verwertet sie. Im Glauben, nun seinen eigentlichen Plan durchführen zu können, hat er die Rechnung ohne Sabrinas frühere Kollegen gemacht. Während der Ermittlungen wird eine weitere Frau als vermisst gemeldet. Nun wird klar, es geht um mehr, als nur um den Ruf der Kommissarin.

Halten die alten, aber schwer belasteten Freundschaften diesem Druck stand?

Für wenige Tage zum Aktionspreis von 1,49 Euro (statt 3,99 Euro).
Weitere Bücher von Mark Franley auf seiner Autorenseite.

Leseprobe:
Kai war nicht unbedingt ihr Typ, und sie hatte nicht vor, ihm wirklich näherzukommen. Es war schlicht und einfach schön, endlich jemanden kennenzulernen, dem es so ging wie ihr selbst. Frisch getrennt bestand die Welt gleichermaßen aus alten, schmerzhaften Erinnerungen und der Hoffnung auf neue Erfahrungen.
Sie redeten, tranken und beschlossen irgendwann, das Hotel gegen eine der kleinen Bars einzutauschen. Es war eine traumhaft warme Sommernacht, und der Anblick des im Mondlicht glitzernden Meeres erzeugte ein Gefühl der Freiheit. Beschwingt schlenderten sie die Uferpromenade entlang. Bald setzten sie sich in eine Strandbar und redeten über Gott und die Welt. Unschlüssig, was sie danach tun sollten, wurden sie wenig später von rhythmischer Musik in eine kleine Disco gelockt. Nach ein paar weiteren Drinks schaffte es Sabrina, endlich einmal wieder aus sich herauszugehen.

Kai übertrieb nichts, und doch schmolz die anfängliche Distanz zwischen ihnen unmerklich dahin. Aus flüchtigen Berührungen wurde ein Flirt, und aus dem Flirt erwachte eine neue Lebenslust. Wie in Trance folgten sie den Klängen der Musik, die den emotionalen Stau der letzten Wochen in Luft auflöste.
Vom Alkohol beschwingt half Sabrina ihrer Urlaubsbekanntschaft dabei, die schüchterne Zurückhaltung aufzugeben. Ein kleiner Tanzschritt nach hinten genügte, um seinen Körper an ihrem Rücken zu spüren. Kai nahm die Aufforderung an, legte seine Hände an ihre Hüften und stellte sich auf ihren Takt ein. Die bewusste Berührung mit den Händen stellte eine neue Stufe der Intimität her. Was bis jetzt nur flüchtig erschien, wurde zu einem Gefühl der Verbundenheit und der Lust auf mehr. Sabrina spürte die Hitze seines Körpers, der sich nun dicht an sie drängte. Im Rausch der Bässe und des Lichts wurde die Umgebung unwichtig. Für einen langen Augenblick gab es nur noch diese beiden Körper mit dem unbedingten Wunsch, sich noch näher zu kommen.

Der lang gezogene Schrei einer Seemöwe kündigte den Morgen an, denn nur um diese Zeit stiegen die Vögel bis zu den kargen Gipfeln unweit der Küste hinauf. Sabrina versuchte, an den süßen Erinnerungen festzuhalten, doch der Traum ging, und damit erwachte das Grauen. Ihr trockener Mund zeugte von zu viel Alkohol und der steife Rücken von einer unbequemen Schlafstätte.
Sie versuchte, sich an den Ausgang des Abends zu erinnern, doch irgendetwas schien ihre Gedanken zu blockieren. Ihr Hirn arbeitete quälend langsam. Mühsam folgte eine Erinnerung der nächsten, und selbst das Erwachen schien sich Zeit zu nehmen.
Im ersten Moment schob sie ihre Bewegungsunfähigkeit auf diesen Zustand der Lethargie, bis sie endlich die Augen aufschlug und plötzlich überhaupt nichts mehr verstand. Dass sie sich in einem Auto befand, war dabei noch die harmloseste Feststellung. Warum direkt über ihrem Gesicht eine kleine Kamera sowie ein durchsichtiger Plastikschlauch hingen, konnte sie sich dagegen erst erklären, als sie versuchte, ihre Hände zu bewegen. Die Handschellen gewährten ihr nur wenige Zentimeter Bewegungsspielraum und klimperten bei jeder Bewegung. Eine Hand links oben neben ihrem Kopf, die andere rechts, lag sie da, wie Jesus ans Kreuz geschlagen wurde. Sie versuchte, ihre Beine anzuziehen, doch im Grunde ahnte sie es bereits: Die Fesseln ließen eine leichte Drehung ihres Körpers zu, mehr aber auch nicht.
Sie spürte die aufkeimende Panik, die schließlich ihr Nervensystem erreichte. Angst, Beklemmung und das Gefühl völliger Hilflosigkeit vermischten sich zu einem gefährlichen Cocktail. Ihr Puls begann zu rasen, und gleichzeitig verweigerten ihre Lungen, das Blut mit genügend Sauerstoff anzureichern. Schwindel und Weinkrämpfe brachten sie an den Rand einer erneuten Ohnmacht. Ihre Arme und Beine rissen und zerrten an den Fesseln, doch die Gepäcksicherungsösen des Autos hielten diesen Kräften mühelos stand.
Der Anfall endete mit einem kraftlosen Schrei und dem kurzen Aussetzen ihres Verstandes. Sekunden vergingen, reihten sich zu Minuten, in denen sie versuchte, eine Erklärung zu finden.
Was war geschehen, was war heute Nacht nur passiert, sie wusste es einfach nicht.
»Alles gut … Ich lebe, also ist alles gut«, flüsterte sie irgendwann leise in die Stille ihres Gefängnisses. Nach der dritten Wiederholung dieses Satzes öffnete sie erneut die Augen und versuchte, ihre Situation analytisch anzugehen. Sie war nicht irgendwer, sie war Polizistin und hatte gelernt, mit Stress umzugehen. Das redete sie sich so lange ein, bis es tatsächlich wirkte.

Sabrina atmete so ruhig wie möglich und erfasste zunächst das, was sie aus dieser Position erkennen konnte. Sie blickte auf das Dach eines Autos, der Größe nach vermutlich eine Art Minibus oder Transporter, denn für einen Kombi war das Dach zu hoch. Die Deckenverkleidung war schmutzig und wies einige Kratzspuren auf. Direkt über ihrem Kopf hing ein durchsichtiger Schlauch von der Decke, den sie eventuell mit dem Mund erreichen konnte. Dreißig Zentimeter weiter zum Heck hin, in Höhe ihrer nackten Brust, klebte ein Kameraauge, dessen Linse auf ihren Kopf gerichtet war. Die Innenraumbeleuchtung war ausgeschaltet und das Fenster auf der linken Seite einen kleinen Spalt weit geöffnet. Das Licht, das von außen hereinschien, wurde immer heller und war natürlichen Ursprungs, folglich stand der Wagen im Freien. Nun drehte sie den Kopf in Richtung des offenen Fensters und glaubte, einen kühlen Luftstrom wahrzunehmen, der ein wenig nach Lavendel roch.

Die Welt hinter der Scheibe war wenig aufschlussreich. Da waren die obersten Zweige eines dieser dürren Bäume, wie es sie hier in Südspanien überall gab. Dahinter das milchige Blau des Himmels, das den Beginn eines neuen Tages ankündigte.
Das Geräusch kam so unvermittelt, dass Sabrina einen leisen Schrei ausstieß. Steif vor Angst lag sie einfach nur da, hielt den Atem an und lauschte. Klack, klack, es schien direkt über ihr zu sein. Nach einem kurzen Augenblick der Stille, dieser absoluten Stille, ertönte es wieder, dieses leise Klack-klack-klack.
»Wer ist da?«, fragte sie leise und mit kehliger Stimme.
Keine Antwort.
»Hallo?«, fragte sie in Richtung des offenen Fensters und fügte hinzu: »Bitte, ich brauche Ihre Hilfe.«
Nichts geschah.
Das plötzliche Kreischen. ging ihr durch Mark und Bein. In einem neuen Anfall von Panik schnitten sich die Handschellen noch tiefer in ihre Haut. Verzweifelt brüllte sie: »Nein, nein, nein … Hören Sie auf damit!« Dann sah sie den Grund für die Geräusche und brach in Tränen aus.
Die Seemöwe stieß sich ab, breitete ihre großen weißen Schwingen aus und erhob sich anmutig und frei in die Luft. Dort drehte sie noch eine Runde über dem Baum und verschwand schließlich aus ihrem Blickfeld. Sabrina blieb alleine zurück, und das Gefühl absoluter Einsamkeit durchströmte sie wie eiskaltes Wasser.

Im Kindle-Shop: Der Tod wird dich vermissen.
Mehr über und von Mark Franley auf seiner Website.



17. Juli 2019

'Thyra - Entflammtes Herz' von Cat Taylor

Kindle (unlimited)
Eine leidenschaftliche Liebesnacht mit einem Wikinger …

… davon träumt die schöne Thyra seit langem. Als der geheimnisvolle Erik Silberdrache auftaucht, ist sie deshalb Feuer und Flamme. Werden mit ihm all ihre sinnlichen Träume in Erfüllung gehen?

Kurzentschlossen schleicht sich Thyra ins Bett des schönen Nordmanns. Doch dort erlebt sie eine Überraschung … denn Silberdrache beginnt ein ebenso prickelndes wie verwirrendes Spiel mit ihr.

Leseprobe:
(…)
»Ihr törichten Dinger!«, platzte es wütend aus Thyra. »Ihr seid eine einzige …«
Ehe sie zu Ende fluchen konnte, verlor sie plötzlich das Gleichgewicht. Das Holz, an dem sie sich so stur festgeklammert hatte, verschwand auf unerklärliche Weise. Stattdessen stürzte sie geradewegs in einen blendend hellen Raum. Die gierigen Hände an ihrer Taille zogen sich erschrocken zurück. Hilflos ruderte Thyra mit den Armen, suchte vergeblich nach Halt.
»… Plage!«, vollendete sie ihren Fluch und sah sich bereits mit der Nase voran auf den Fliesenboden der Großen Halle krachen.
Stattdessen sank sie in zwei starke Männerarme.
Arme, die sie mühelos auffingen und sich dann unerhört geschmeidig um ihre Hüfte schlangen. Ihre Nasenspitze fand sich im samtigen Stoff einer Tunika wieder, die – ebenfalls unerhört – gut roch. Und als sie sich jetzt hilfesuchend an der breiten Männerbrust unter dieser Tunika festklammerte, fühlte sie – unerhört, mehr als unerhört – starke Muskeln, deren Festigkeit ihr den Atem raubte.
Oder waren es die silbergrauen Augen, die sich in ihr Blickfeld schoben und ihr den Atem nahmen? Zumindest zogen sie ihre eigenen Augen wie magisch an, Thyra hatte das Gefühl, dass ihr Sturz gar kein Ende nehmen wollte. Dass sie stürzte und stürzte, hinein in dieses endlose Silber. Und doch lag sie sicher in einer starken, warmen, herrlich duftenden Umarmung.
»Für eine Plage hältst du mich, Mädchen?«, raunte eine Stimme an ihrem Ohr.
Unüberhörbar belustigt und gleichzeitig tadelnd. Rau wie der Salzwind auf hoher See und süß wie goldener Honig.
Jetzt endete ihr Sturz in die Silberaugen, und Thyra erblickte das Gesicht ihres Retters. Das ist Sigurd Drachentöter, erkannte sie. Nein, es muss der Gott Balder sein. So schön … so unerhört schön kann nur Balder sein!
»Ich …«, stammelte sie völlig überrumpelt. »Meine Schwestern … ich … Ihr seid …«
Sie starrte sein goldenes Haar an, die widerspenstigen Strähnen, die sich aus seinem Zopf gelöst hatten. Starrte seine schön geschwungenen Lippen an, viel zu sinnlich für einen Mann. Und im nächsten Augenblick glaubte sie wieder zu stürzen, denn diese schönen Lippen verzogen sich zu einem Lächeln. Ein wohliges Kribbeln strömte in Thyras Magen, als der Mann seine Arme noch ein weniger enger um ihre Hüften schlang, sodass seine Finger sachte die Wölbung ihres Pos streiften.
Genauso wie in meinen Träumen, seufzte sie und wünschte, dass diese Arme sie nie wieder losließen.
»Thyra!«, zischte es da hinter ihr. Synne, die im Dunkel des Korridors lauerte, mit Elisif und der kleinen Idun. Und schlagartig wusste Thyra wieder, wo sie war.
»Ich … oh je …« Sie schüttelte den Kopf und zwang sich, den Blick von den Silberaugen und den Lippen und den goldenen Haarsträhnen zu lösen und über die Schulter ihres Retters zu spähen. Bei Thors Hammer, sie war geradewegs in die Große Halle gepoltert, ihr Vater und alle seine Gäste mussten es mitbekommen haben.
Stubenarrest! Das heißt eine weitere Woche Stubenarrest! Und dieses Mal ist es meine Schuld!
Aber weder entdeckte sie ihren Vater, noch schien irgendjemand in der Halle etwas von ihrem Eindringen bemerkt zu haben. Ausgelassen zechten die fremden Männer, und aus einer grölenden Gruppe ertönte das unverwechselbare Lachen des Grafen.
»Da habe ich wohl eine kleine Spionin gefangen«, lenkte ihr Retter ihre Aufmerksamkeit wieder auf sich. Und schon drohte Thyra von Neuem in die Silberaugen zu stürzen, in denen es unverkennbar spöttisch glitzerte. »Eine Spionin, die flucht und sich in dunklen Nischen versteckt.«
»Ich bin keine Spionin«, widersprach sie schnell – und errötete, weil sie ja genau das getan hatte, fluchen und in dunklen Nischen spionieren. »Ich bin … ich war …«
»Laut!«, erklärte der schöne Nordmann. Er sprach ein ausgezeichnetes Französisch, nur sein rauer, überaus charmanter Akzent verriet, dass seine Muttersprache die dansk tunga, das Altnordische, sein musste. »Ich habe ein einziges Gegacker und Gezeter hinter dieser Tür gehört. Ich dachte bereits, es hätten sich Feinde von Graf Robert in die Burg geschlichen, um uns zu überfallen. Aber siehe da, ich öffne die Tür, und es ist nur ein zerrupftes Mädchen …« Seine Silberaugen spähten in den Korridor, und sein Lächeln wurde breiter, so als könnte sein Blick die Dunkelheit mühelos durchdringen. »Ach nein, es sind sogar vier zerrupfte Mädchen.«
»Bitte«, flüsterte Thyra und konnte nicht anders, als mit ihren Händen schutzsuchend über die breite Männerbrust zu fahren. Es fühlte sich sehr gut an, der weiche Samt und die kraftvollen Konturen darunter. Ihre Finger blieben an einer Brosche hängen, flüchtig musterte Thyra sie. Es war ein silberner Drache, der sich zu einem kunstvollen Ring geschlängelt hatte. »Bitte, verratet dem Grafen nichts.«
Immer noch lächelte der schöne Fremde, seine Finger glitten ein Stück ihren Rücken hinauf, beinahe wie ein zärtliches Versprechen. Aber der Spott in seinen Augen glomm umso heller. »Mein Schweigen ist nicht billig. Wie gedenkst du mich für diesen Gefallen zu entlohnen, Mädchen?«
Thyra errötete noch heftiger. Was für eine Art von Entlohnung hatte er im Sinn? Das Kribbeln in ihrem Bauch pulsierte und wanderte tiefer. Sie fühlte seine Finger warm in der Kuhle zwischen ihrer Taille und ihrem Po liegen. War das nicht ein forderndes Streicheln, was er da mit seinen Fingern anstellte?
»Ich möchte … ich könnte …«, seufzte sie.
Oh, ich könnte vor Wonne schnurren. Ich möchte, dass seine Finger mich immer so weiter streicheln … überall …
»Also?«, murmelte er, und die Silberaugen sprühten regelrecht Funken.
Thyra starrte auf seine schönen Lippen. Ein Kuss, beschloss sie, seltsam benommen. Ja, ich werde ihn küssen. Welche Frau würde diesen Mann nicht küssen wollen …
Als durchschaute er ihre Absicht, verzog er seinen Mund zu einem noch breiteren Lächeln und presste gleichzeitig ihren Körper ein wenig enger an sich. Thyra stellte sich auf die Zehenspitzen, ihr Busen schmiegte sich köstlich an seine breite Brust. Ein wenig schwindelte ihr, als er seine Lippen zu den ihren hinabsenkte. Sie roch den süßen Duft von Honigwein in seinem Atem, der ihr warm übers Kinn strich. Viel zu viel Zeit war vergangen, seit sie zum letzten Mal von einem Mann geküsst worden war – doch in diesem Moment wusste sie, dass das Warten sich gelohnt hatte. Ein wenig weiter reckte sie sich in die Höhe. Gleich. Gleich würde sie seine süßen Lippen schmecken …
Da spürte sie einen energischen Griff um ihren Gürtel, jemand zog sie unbarmherzig aus seiner warmen Umarmung und zurück in den dunklen, kalten Schlund des Korridors.
»Thyra! Lass uns verschwinden!«, ertönte Synnes Zischen. Verwirrt schüttelte Thyra den Kopf. Sah das spöttische Lächeln des Fremden auf seinen wunderschönen Lippen, die gerade noch über den ihren geschwebt hatten, aber jetzt in schier unerreichbare Ferne gerückt waren. »Nein«, wollte sie protestieren, aber klebrige Händchen zerrten an ihren Röcken und ein zierlicher Schatten mit rotgoldenem Haar drängte sie immer tiefer in den finsteren Korridor.
Im nächsten Moment wurde die alte Tür zugeschlagen, das Licht verschwand und mit ihm der schöne Nordmann. Thyra war wieder umgeben von Moder und Düsternis.
Und ihren Plagen von kleinen Schwestern.
(…)

Im Kindle-Shop: Thyra - Entflammtes Herz.
Mehr über und von Cat Taylor auf ihrer Website.



16. Juli 2019

'Tom Dugan Box Set: Drei Thriller in voller Länge' von R.E. McDermott

Kindle (unlimited)
Sichern Sie sich die Romanserie, die Leser mit den Büchern von Clive Cussler und dem Stil eines Tom Clancys vergleichen – drei Bücher zu einem niedrigen Preis!

Spannung pur und ein außergewöhnlicher Preis machen dies zu einem unschlagbaren Angebot:

Wenn ich vorstellen darf: TOM DUGAN. Als ein um die Welt reisender Berater mehrerer Reedereien und sehr gelegentlicher Mitarbeiter des CIA hatte sich Dugan allein damit einverstanden erklärt, gelegentlich unter dem Deckmantel seiner regulären Geschäfte einige Fotos von chinesischen Schiffswerften zu machen. Als das CIA dann aber einen Sündenbock brauchte, lief alles aus dem Ruder.

Für kurze Zeit zum Aktionspreis von nur 2,99 Euro erhältlich.
Die Bücher:
Tödliche Passage (Buch 1)

Wir sind von Massenvernichtungswaffen umgeben. Sie sind überall, solange man nur weiß, wo man hinsehen muss. Eine Waffe am richtigen Ort kann die Welt in die Knie zwingen. Als eine Gruppe internationaler Terroristen die Durchführung nicht nur eines, sondern gleich dreier Terrorakte plant, erkennt allein Tom Dugan, ehemaliger Teilzeitspion und mittlerweile CIA-Sündenbock, die Gefahr.
Aber niemand hört ihm zu. Alle sind zu sehr mit dem Versuch beschäftigt, ihn aus dem Weg zu räumen.
Tödliche Passage verspricht ununterbrochene Spannung von den Straßen Londons über die Docks von Singapur hinweg auf die Decks der Tanker, die den Durst der Welt nach Öl löschen - mit Zwischenstationen in Panama, Langley, Virginia und Teheran. Gespickt mit reichen Details aus der dreißigjährigen Berufserfahrung, die sich der Autor weltweit im Segeln, Bauen und Reparieren von Schiffen angeeignet hat, ist dieser Roman in den Worten einer Leserrezension: „Atemberaubend, mehrschichtig und fesselnd“.

Tödliche Küste (Buch 2)

Kaum hat Tom Dugan sein Leben wieder unter Kontrolle und sich zu einer Partnerschaft im Unternehmen seines Freundes Alex Kairouz bereiterklärt, als eines ihrer Schiffe von mordgierigen somalischen Piraten entführt wird.
Aufgrund einer möglichen Verbindung zwischen Akten der Piraterie und dem Terrorismus, brechen sowohl die Regierung Großbritanniens als auch die amerikanische Regierung die Verhandlungen um die Freilassung der Geiseln ab. Ein frustrierter Dugan weigert sich, den Richtlinien der Behörden zu folgen und nimmt die Sache selbst in die Hand. Aber seine schnell zusammengeschusterte Rettungsoperation stolpert über einen über die reine Piraterie hinausgehenden, weit bösartigeren Plan – die geheime Bergungsaktion einer längst verloren geglaubten Massenvernichtungswaffe. Mit einem Mal stellen Dugan und seine kleine Gruppe bunt zusammengewürfelter Freiwilliger die letzte Linie der Verteidigung zwischen der Welt, wie wir sie kennen, und einer furchterregenden Biowaffe dar.
In Tödliche Küste transferiert die Einbindung historischer Tatsachen in die spekulative Fantasie des Autors den Leser über die Chefetage eines Londoner Unternehmens hinaus in die realistisch existierende Welt der modernen Piraterie – und der ihrer Opfer.

Tödliche Überfahrt (Buch 3)

Den Handel mit Menschen gibt es überall. Sobald aber die, die Tom Dugan nahestehen, betroffen sind, teilen er und seine Freunde ihr eigenes Maß an Gerechtigkeit aus.
Monate sind vergangen und das Leben ist in jeder Hinsicht lebenswert, als Dugan zusammen mit der Frau, die er liebt, die Straßen Londons in einem Taxi durchfährt. Dann aber alarmiert ihn das Klingeln des Telefons vom Eintreffen seiner beiden russischen Freunde, die ein enormes Problem haben.
Dugans Versuche, seinen Freunden bei der Befreiung eines russischen Mädchens aus den Klauen der russischen Mafia zu helfen, stürzt ihn in eine Welt, die er sich so kaum vorstellen konnte, und die sowohl ihn selbst, als auch alle, an denen ihm etwas liegt, in Gefahr bringt. Es ist eine Welt moderner Sklaverei voll unaussprechlicher Grausamkeit – es sei denn, Dugan meistert eine Tödliche Überfahrt.

Im Kindle-Shop: Tom Dugan Box Set: Drei Thriller in voller Länge.
Mehr über und von R.E. McDermott auf der Website seiner Übersetzerin.



'NORD UND TOTSCHLAG 2: Sammelband - 5 Nordseekrimis' von Axel Berger

Kindle (unlimited)
In diesem Sammelband "NORD und TOTSCHLAG 2" finden Sie nun fünf Krimis von Axel Berger:

DER FALLENSTELLER, DER GRABRÄUBER, DER EINDRINGLING, DER TODESBOTE und DER FEUERTEUFEL. Sie sind Teil einer auf mehrere Teile angelegten Serie über die Oldenburger Ermittler Werner Vollmers, Anke Frerichs und Enno Melchert. Im Anhang finden Sie eine extralange Leseprobe vom sechsten Teil DER KOPFSCHLÄCHTER.

Wer Nordsee- oder Ostfrieslandkrimis liebt, wird auch diese Krimireihe verschlingen.

Weitere Bücher von Axel Berger auf seiner Autorenseite.

Die enthaltenen Krimis:
BAND 1: DER FALLENSTELLER
Ein skrupelloser Mörder hält die norddeutsche Stadt Oldenburg in Atem. Innerhalb kürzester Zeit sind ihm bereits drei Menschen zum Opfer gefallen. Das Team um Hauptkommissar Werner Vollmers tappt zunächst im Dunkeln. Was treibt den Täter an? Ein Motiv lässt sich nicht finden, noch weniger ein Verdächtiger. Dann nimmt der Mörder Kontakt zu ihnen auf – und die Ermittler erkennen, dass sie und die ganze Stadt Teil eines tödlichen Spiels geworden sind.
Werden Sie den Fallensteller schnappen? Fest steht, er wird wieder töten.

BAND 2: DER GRABRÄUBER
Grabschänder verwüsten Oldenburgs Friedhöfe. Leichen werden aus ihren Gräbern ans Tageslicht gezerrt, Asche aus Urnen verstreut. Erste Ermittlungen führen in die Gothic-Szene, doch verlaufen im Sande. Welches Motiv steckt hinter den Taten? Hauptkommissar Werner Vollmers und sein Team stehen vor einem Rätsel. Nachdem dann ein Friedhofsgärtner ermordet aufgefunden wird, wird es ernst. Die norddeutschen Ermittler werden in eine Welt von Tod, Teufel und Leichengeruch gezogen. Als dann auch noch die Lebensgefährtin von Kommissarin Anke Frerichs entführt wird, droht die Situation zu eskalieren. Können die drei Kommissare Tanja Bremer retten oder wird auch sie dem Grabräuber zum Opfer fallen?

BAND 3: DER EINDRINGLING
Im norddeutschen Oldenburg ereignet sich ein schrecklicher Todesfall: Eine Frau stirbt an Verätzungen in Speise- und Luftröhre. Ihrem Müsli wurde eine tödliche Portion Abflussreiniger beigefügt. Als dann ein zweiter Fall auftritt, bei dem das Opfer durch Säure in einer Pflegespülung schwer verletzt wird, ist klar, dass dies keine Zufälle sind, sondern von langer Hand geplante Anschläge. Werner Vollmers, Anke Frerichs und Enno Melchert tappen im Dunkeln. Der Versuch, den Täter und dessen Motive zu verstehen, läuft ins Leere. Was treibt den Eindringling an, der unbemerkt in die Häuser seiner Opfer einbricht und deren Leben bedroht?

BAND 4: DER TODESBOTE
Eine Leiche wird gefunden. Die Todesursache: ein Schuss in den Hinterkopf. Der einzige Hinweis auf den Täter: eine Tätowierung im Nacken des Opfers, mit einem Datum – dem Todesdatum. Erste Spuren führen die Ermittler in Oldenburgs Rotlichtmilieu und die Rockerszene, doch ansonsten fehlt jede Spur von dem Mörder. Dann erschüttert ein weiterer Mord an einem Anwalt die Stadt an der Hunte. Als Nächstes wird ein Steuerberater verschleppt – und mit einem tätowierten Datum im Nacken wieder freigelassen. Die Ermittler haben 24 Stunden, um ihn zu retten. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt. Werden sie den eiskalten Killer zur Strecke bringen und den Mann retten, oder wird der Todesbote ihnen auch diesmal zuvorkommen?

BAND 5: DER FEUERTEUFEL (Staffelfinale)
Ein Feuerteufel versetzt Oldenburg in Angst und Schrecken. Die beschauliche Stadt an der Hunte brennt. Was zunächst mit Mülltonnen und Containern begann, weitete sich plötzlich auf Autos und schließlich Gebäude aus. Als schließlich ein ehemaliger Gasthof in Flammen aufgeht, finden die Feuerwehrleute in den Trümmern das schier Unglaubliche: einen Berg aus Leichen. Vollmers und sein Team werden alarmiert und müsse sich ihrer bisher wahrscheinlich größten Herausforderung stellen.

Im Kindle-Shop: NORD UND TOTSCHLAG 2: Sammelband - 5 Nordseekrimis.
Mehr über und von Axel Berger auf seiner Website.



12. Juli 2019

'Lost Life' von Sebastian Dobitsch

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Bei einem Kampfeinsatz wird der Scharfschütze Viktor lebensbedrohlich verletzt und erwacht ein Jahr später als Gefangener in einem Versuchslabor. Nach seiner Flucht quälen ihn Gefühlskälte, Alpträume und wirre Erinnerungen.

Viktor findet heraus, dass alle Hinweise auf seine Existenz ausgelöscht wurden und auch die Menschen, die er kannte, verschwunden sind. Vom Geheimdienst gejagt, macht er sich auf die Suche nach seiner Verlobten und stößt auf ein schreckliches Geheimnis.

Leseprobe:
Ganz langsam erwachte Viktor aus seiner Besinnungslosigkeit. Um ihn herum herrschte Stille. Er lag auf dem Rücken, die zitternden Augenlider fest zusammengepresst. Der Schleier, der seine Sinne vernebelt hatte, lichtete sich langsam und an seine Stelle trat ein pulsierendes Stechen in seinem Kopf. Noch nie in seinem Leben hatte ihn ein Schmerz so erleichtert. Er war nicht tot. Sein dröhnender Schädel bewies es ihm eindrucksvoll.
Eine Mischung aus Freude, Müdigkeit und vor allem Verwirrung ergriff ihn. Was war passiert? Er lebte noch, also war er offensichtlich von seinen Leuten gefunden worden. Galt das auch für Oleg? Hatte auch er überlebt? Trotz der lähmenden Erschöpfung schlug Viktor seine Augen auf. Im ersten Moment konnte er außer verschwommenen Lichtpunkten nichts erkennen. Auch nachdem er sich mehrere Male die Augen gerieben hatte, besserte es sich kaum. Mit einem gedehnten Seufzer wälzte er sich auf der überraschend harten Liegefläche und vertraute stattdessen auf seine anderen Sinne. Er hörte ein kontinuierliches Geräusch, wie von einem Tropf. Außerdem roch er den scharfen Geruch von medizinischem Alkohol. Er befand sich also in einem Krankenhaus.
Viktor streckte seine Hand nach dem Patientenruf aus, um eine Schwester kommen zu lassen, als seine Finger den Rand der Liege streiften. Erst jetzt wurde ihm bewusst, dass er nicht in einem Bett lag, sondern auf einer Edelstahlbahre. Was hatte das zu bedeuten? Immer noch blind tastete er sich weiter. Auf dem Beistelltisch standen keine Blumen, kein Wasser und keine Lampe. Seine anfängliche Erleichterung schlug in Unbehagen um. Vielleicht hatte er sich getäuscht. Womöglich war er hier weniger Patient als ein Kriegsgefangener?
Wie elektrisiert schoss Viktors Oberkörper in die Höhe. Was bis eben nur ein Verdacht gewesen war, mutierte in einen realen Alptraum. Viktor kämpfte gegen den Schwindel an und versuchte seine Beine von der Bahre zu schwingen, doch etwas hielt seine Füße fest. Völlig entgeistert rieb er sich wieder über die vernebelten Augen. Erst jetzt kehrte die Sehkraft zurück. Sein Blick fiel auf seine Füße, die in zwei an der Bahre festgeschweißten Fesseln steckten. Er war tatsächlich gefangen.
Mit beiden Händen packte er die Fesseln und zerrte an ihnen. Unerwartet öffneten sich die Metallschellen. Perplex starrte Viktor an seinen befreiten Beinen hinab. Dort, an seinem rechten großen Zeh, hing ein Zettel. Mit bebenden Fingern beugte er sich nach vorne und ergriff das Stück Papier. Nr. 199 stand dort säuberlich geschrieben. Augenblicklich stellten sich Viktors Nackenhaare auf.
»Ich wurde nummeriert? Wo zur Hölle bin ich hier?«
Das aufwallende Adrenalin ließ seine Kräfte zurückkehren und er schwang seinen Körper von der Metallbahre. Der Katheter an seiner Vene riss ab und der Schlauch des Infusionsbeutels baumelte tropfend in der Luft. Kaum hatten seine Füße auf dem Fliesenboden aufgesetzt, da bemerkte er, dass er keine Schmerzen spürte. Seine Beine, die in einer weißen Hose steckten, fühlten sich kräftig und gesund an. Mit dem Daumen zog er das Hosenbein in die Höhe. Dort sah er keine Verletzungen, nur verheilte Narben. Er musste längere Zeit an diesem Ort verbracht haben als vermutet. Viktor schauderte und sah sich die Umgebung genauer an. Der Raum war eingerichtet wie eine Mischung aus Pathologie und Labor. Neben zahlreichen medizinischen Gerätschaften entdeckte er auch eine Reihe mit Formaldehyd gefüllter Glaszylinder. In der gelblichen Flüssigkeit schwammen die verschiedensten Organe. Der Anblick versetzte Viktor einen solchen Schreck, dass er mit dem Rücken gegen die Wand prallte. Wo war er hier gelandet? Instinktiv suchten seine Augen nach einem Ausweg. Er war gefangen, wie eine Ratte in der Falle. Der einzige Weg aus diesem Horrorkabinett schien durch eine Tür gegenüber der metallenen Bahre zu führen. Auf Zehenspitzen schlich sich Viktor heran und spähte durch ein niedriges Sichtfenster in den dahinterliegenden Gang. Zu beiden Seiten konnte er nichts außer nackten Wänden und gespenstischer Leere erkennen. Gerade als er den Blick abwenden wollte, bog ein Mann in einem weißen Kittel scharf um die Ecke.
Viktor erschrak und duckte sich unter das Fenster. Durch den Spalt unter der Tür konnte er den Schatten des Mannes sehen.

Im Kindle-Shop: Lost Life.
Mehr über und von Sebastian Dobitsch auf seiner Website.