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Bücherkarussell
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10. Dezember 2018

'Tilly und Mordusa' von Rosemarie Benke-Bursian

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Hexen, Tricks und Zaubereien - wer legt hier wohl wen herein ...

„Hexe, Hexe, Hexentanz, backe, backe Firlefanz, koche, koche Muckefuck und dann in die Suppe spuck."
Mit raffinierten Zutaten und einem noch raffinierterem Plan versucht Mordusa sich für eine Niederlage zu rächen, die Tilly ihr verpasst hat. Mordusa will Tilly als Scheinhexe entlarven, damit diese ein für alle Mal aus Hexenmondtal verjagt wird. Denn die schlaue Tilly ist ihr nicht geheuer. Sie könnte womöglich eines Tages sogar Mordusas Geheimnis lüften.

Um Tilly zuvor zu kommen, muss Mordusa einfach noch schlauer sein. Und das ist sie. Denn der Plan, den Mordusa entwickelt hat, kann gar nicht schief gehen. Oder?

Witzig, turbulent und spannend mit einigen überraschenden Wendungen wird die Geschichte zweier pfiffiger Hexen erzählt, die sich gegenseitig ausspielen wollen, bis sie zum Schluss beide einer ganz anderen Überraschung gegenüber stehen.

Leseprobe:
Tilly hext - oder auch nicht
Gerade als Tilly den Topf von der noch heißen Ofenplatte schubste, steckte Mordusa den Kopf durch die Tür.
„Ahh, ich sehe du kochst. Wie interessant", sagte sie und ehe Tilly sich´s versah, stand Mordusa schon hinter ihr und spähte in den Topf.
„Sieh mal an", schnarrte sie, „das ist dir wohl misslungen?"
„Wieso misslungen?", fragte Tilly verwundert und blickte Mordusa fest in die Augen.
„Na der Eintopf da, der ist ja total verkohlt."
Mordusa rieb sich frohlockend die Hände. Jetzt hatte sie Tilly erwischt. Diesmal war ihr eindeutig eine Zauberei missraten. Und eine Hexe, die dreimal innerhalb eines Mond-Umlaufs beim Hexen versagte, musste Hexenmondtal verlassen, ihr Dasein fort-an bei den Halb- und Scheinhexen fristen.
„Was heißt denn hier Eintopf?" Tilly schüttelte den Kopf. „Das ist Asche. Beste Asche für meine Blumen."
„Asche? Asche für deine Blumen?", geiferte Mordusa. „Willst du mich für dumm verkaufen? Das ist verbrannter Eintopf. Ein misslungener Zauberspruch. Eine verkorkste Hexerei und sonst nichts. Und dabei hast du dich erst letzte Woche verzaubert, als du Piponella diesen blauen Saft hingestellt hast, obwohl sie sich einen Zitronenprickel gewünscht hatte."
„Das war Zitronenprickel, meine Liebe. Zitronen-prickel aus blauer Zitrone." Tilly ließ sich von den Anschuldigungen offensichtlich nicht beeindrucken, was Mordusa erst recht wütend machte.

Tilly war die einzige Hexe in ganz Hexenmondtal, die Mordusa nicht mit dem Respekt behandelte, der einer Edelhexe gebührte. Schon Mordusas Mutter und sogar ihre Großmutter waren Edelhexen gewesen, Hexen mit besonderen magischen Fähigkeiten. Diese Fähigkeiten wurden für gewöhnlich weitervererbt, weshalb auch Mordusa als Edelhexe galt.
Allerdings hatte es bei ihr mit dem Weitervererben aus irgendeinem Grunde nicht geklappt. Doch das wusste niemand, denn Mordusa hatte immer alle in dem Glauben gelassen, sie sei eine Edelhexe. Das brachte ihr in der Hexen- und Magiergemeinschaft einen hohen Rang und viele Privilegien ein. So wohnte sie in einer großen Villa in einer besonders ruhigen und gepflegten Gegend von Hexenmondtal, in dem nur Edelhexen wohnten. Sie konnte in aus-gesuchten Geschäften besonders seltene Zauber-Gegenstände und Zubehör erwerben und sie hatte eine Stimme in der Magierversammlung, dass heißt sie wurde an wichtigen Entscheidungen, die ganz Hexenmondtal betrafen, mit beteiligt. Entsprechend stolz trug sie das Edelhexen-Zeichen, das allen Respekt einflößte: den Edelhexenstein.
Nur Tilly, diese verdammt vorlaute und freche Tilly, behandelte Mordusa wie ihresgleichen, fast so, als glaube sie nicht an ihren Edelhexen-Rang. Ausgerechnet diese nichtsnutzige Scheinhexe könnte ihr womöglich eines Tages zum Verhängnis werden. Dem wollte sie gerne zuvorkommen, indem sie Tilly deren Unfähigkeit nachwies, so dass diese aus Hexenmondtal verjagt werden musste. Diese Chance schien jetzt zum Greifen nahe.

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Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Rosemarie Benke-Bursian auf ihrer Website.



'Der Bär, die Ente und ein Bison: Wo geht es nach Kanada' von Barbara Zimmermann

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Der Bär lebt an einem Teich in einem Wald und liebt die Gesellschaft der lustigen Ente. Es kommt ein Bison vorbei, welcher den Weg nach Kanada sucht. Denn dort sind diese zotteligen Tiere zu Hause. Mit Hilfe von dem Bären und der Ente begibt sich der Bison auf die Reise. In einer Stadt, die niemals schläft, begegnet er lustigen Tieren und macht eine unerwartete Entdeckung.

Wird der Bison den Weg nach Kanada finden?

Eine Tiergeschichte für Kinder ab 4 Jahren.

Leseprobe:
Am nächsten Morgen kam das Bison wieder des Wegs. „Wisst ihr, wo es nach Kanada geht?“, fragte er.
„Woher soll ich das wissen, ich war noch nie dort“, schnatterte die Ente.
„Ich weiß es auch nicht“, brummte der Bär.
Das Bison trottete weiter und der Bär machte sich Gedanken.
„Ich glaube der Bison läuft im Kreis. Er kommt alle zwei Tage vorbei“, sagte der Bär zur Ente.
„Da hast du Recht. Wie können wir ihm denn helfen“, fragte die Ente.
„Kanada liegt im Norden. Wir müssen ihm einen Wegweiser aufstellen, damit er auf den rechten Weg kommt“, brummt der Bär.
„Gute Idee“, schnatterte die Ente.
Gesagt, getan. Aus einem alten Brett, auf dem sie mit Kohle Kanada schrieben, bastelten sie einen Wegweiser. Das Schild stellten sie in Richtung Norden auf und rammten es in die Erde. Auf ihre Idee und auf das Schild waren die Ente und der Bär sehr stolz. Die alte Frau kam vorbei, schaute sich das Schild an, schüttelte mit dem Kopf und ging weiter.

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9. Dezember 2018

'Die Todesküsserin' von Sandy Mercier

Kindle (unlimited)
„Wie du mir, so ich dir …“

Ein Mann wird tot aufgefunden. Er wurde brutal gefoltert, und auf seiner Stirn prangt der rote Lippenstiftabdruck eines Kusses.

Kommissarin Tanja Müller soll sich dem Fall der "Todesküsserin" annehmen, der sie schnell an die Grenzen ihrer Belastbarkeit bringt. Denn ins Visier der Medien gerät ausgerechnet ihre beste Freundin, und weitere Morde folgen.

Hat die psychisch kranke Emma tatsächlich etwas mit den grausamen Taten zu tun? Plötzlich steht Tanja vor einer tödlichen Entscheidung.

Leseprobe:
Prolog
„Weißt du noch, Daddy, damals?“, flüsterte sie ihm sanft ins Ohr. „Als du Mommy vergewaltigt hast?“
Mit weit aufgerissenen Augen starrte er sie an. Er versuchte wiederholt zu schreien, doch der Knebel in seinem Mund verhinderte es. Er saß auf einem alten Holzstuhl, unfähig, sich zu bewegen. Sie musste ihm etwas verabreicht haben, das ihn daran hinderte. Sein Kopf tat weh und er hatte das Gefühl, sich jeden Moment übergeben zu müssen. Was, verdammt noch mal, ist hier los?
„Du weißt, was als Nächstes kommt, Daddy.“ Sie grinste ihn an.
Angstschweiß rann über seine Stirn, lief in seine Augen, sie brannten.
Sie griff nach seinem Hals, würgte ihn fest. „Macht dich das immer noch an?“, fragte sie zart.
Er stöhnte heftig.
Sie drückte stärker zu.
Er bekam kaum noch Luft. Sein Kehlkopf schmerzte.
Zärtlich küsste sie ihn auf die Stirn.
Er fühlte ein Kribbeln in seinem Körper. Langsam begann er wieder etwas zu fühlen, spürte die harten Fesseln um seine Knöchel, Oberschenkel, seinen Bauch, die Arme. Die Seile schnitten in seine Haut ein.
Sie zückte ein Messer.
„Ich werde auch ganz sanft beginnen. Du brauchst keine Angst zu haben, Daddy.“
Sein Herz pochte panisch, als drohte es jeden Moment zu zerspringen.
Langsam schob sie ihr schwarzes Kleid hoch und zeigte in halterlosen Strümpfen steckende Beine.
„Das macht dich doch an, wenn ich mich richtig erinnere.“
Sie zog das Kleid aus, sodass sie gleich darauf in schwarzer Reizwäsche vor ihm stand.
Er verstand die Welt nicht mehr. Will die mich jetzt anmachen?
Sie setzte sich auf seinen Schoß, rieb ihre Brüste an ihm, wuschelte durch seine lockigen Haare und seufzte.
„Ist es so richtig? Gefalle ich dir?“
Was will die?!
Sie öffnete ihren BH und warf ihn zur Seite.
Seine Hände kribbelten, in seiner Shorts regte sich etwas. Sein Blick stets auf ihr Messer gerichtet, dass ihm nun gefährlich nah kam.
Unvermittelt riss sie sein Hemd auf. Es war immer wieder erstaunlich, wie leicht die Knöpfe in alle Richtungen sprangen. Darunter trug er ein weißes Unterhemd, es war klitschnass. Leicht ließ sie das Messer über seinen Oberkörper gleiten, bevor sie ihre linke Hand, noch immer auf ihm sitzend, wieder fest um seinen Hals legte. Das Messer in der anderen Hand kam dabei seinem Schwanz gefährlich nah.
Wann hat sie mir eigentlich die Hose ausgezogen? Er versuchte sich zu bewegen und keuchte.
„Du willst doch nicht etwa von mir weg?! Ich denke, du stehst darauf?! Oder habe ich etwas falsch gemacht?“ Sie sprang auf. „Ach ja, es macht dich mehr an, wenn ich es nicht will, stimmts?!“ Wütend schlug sie ihm mit der flachen Hand ins Gesicht.
„Also … versuchen wir es noch mal …“, raunte sie und zog ihr Höschen aus. Sie schloss die Augen. Atmete tief ein. Stille. Dann strömten Tränen über ihre Wangen.
„Nein, bitte nicht. Hör auf! Ich will das nicht. Nein!“, schrie sie laut.
Das Nein hallte in seinen Ohren. Wieso tut sie das?
„Nein, bitte nicht! Tu mir das nicht an!“, schrillte es durch den düsteren Raum. Nur ein paar Kerzen erleuchteten die Ecke, in der sie sich befanden.
„Ist es so besser?“, fragte sie und schlug ihm wieder ins Gesicht. „Weißt du noch, wie du es damals gemacht hast, Daddy?“

Montag, 5. Februar 2018
Nackt und verschwitzt lagen sie eng umschlugen auf dem Hotelbett und küssten sich leidenschaftlich. Tanja wusste, dass er jeden Moment gehen musste. Sie bemerkte, wie ihre Verzweiflung und ihre Sehnsucht nach ihm schon jetzt größer wurden. Er streichelte ihren Rücken und sie wuschelte durch sein goldenes, lockiges Haar.
„Ich liebe dich“, hauchte sie, was er mit einem hitzigen Kuss beantwortete. Tanja blickte ihm in die blauen Augen und es kribbelte in ihrem ganzen Körper. Sie hatte dieses Kribbeln noch nie zuvor erlebt – bis sie ihn kennenlernte.
„Du bist so wunderwunderschön“, flüsterte er ihr ins Ohr und knabberte daran.
Es piepte – sein Handy. Sie wusste, nun musste er sie verlassen. Doch sie wollte ihn nicht schon wieder gehen lassen. Sie setzte sich auf ihn und bewegte die Hüften.
„Tanjaaaa“, sagte er gequält. „Du weißt, dass ich losmuss. Mach es uns doch nicht immer so schwer.“
Tränen stiegen in ihre Augen. Sie stand auf und ging ins Bad, bevor er es sehen konnte. Er mochte es nicht, wenn sie weinte. Sie hasste es, zu weinen. Tanja legte ihren Schutzpanzer an, wurde wieder kühl und sprang unter die Dusche. Kurz darauf kam er zu ihr unter das heiße Wasser. „Jetzt sei nicht so. Du weißt, dass ich das nicht mag. Ich komm doch wieder.“
Als wäre das mein Problem, dachte sie traurig. Doch sie versuchte, sich zusammenzureißen.
„Tut mir leid. Es ist eben schwer für mich,“ gab sie zurück.
„Für mich ist es auch nicht leicht … Hm? Und jetzt schenk mir ein Lächeln. Das steht dir viel besser.“ Zwanzig Minuten später verließen sie das Hotel. Sie fuhr aufs Revier, er zu seiner Ehefrau.

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8. Dezember 2018

'Karmageister' von Simone Gütte

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Mitteldeutschland, anno 1525. Die 13-jährige Kaufmannstochter Brunhilda verliert durch den Landsknecht Dederich von Lohe ihre Mutter. Der abergläubische Raubritter fürchtet sich vor Hexen, Flüchen und Weissagungen. Als ihm die Hebamme Berthe in die Hände fällt und diese ihr Leben mit einer Prophezeiung retten will, überlegt Brunhilda, wie sie die Worte nutzen könnte, um ihn mit seinen eigenen Ängsten zu vernichten.

Siebzehn Jahre später: Der Schöpfer schickt ihr die Karmageister zu Hilfe. Sie haben sich damals in Brunhildas Schicksal eingemischt und einiges wiedergutzumachen. Nun erhalten sie ihre zweite Chance, um der jungen Frau zu helfen. Fragt sich nur, ob sie jetzt dafür bereit sind.

Für kurze Zeit zum Aktionspreis von nur 2,99 Euro.

Leseprobe:
Die Prophezeiung
≈ 1 ≈
Berthe schürte das Feuer unter dem Kupferkessel.
»Nimm Frauenmantelkraut, füge es dem Sud hinzu, dann rührst du alles um, bis sich eine zähflüssige Masse bildet«, erklärte sie ihrer Tochter Gesine, als die Tür zur Holzhütte aufgerissen wurde und eine Magd hineinstürmte.
Erschrocken drehten sich die beiden um.
»Beeil dich, Wehmutter! Die Wehen unserer Herrin kommen bereits jede Stunde!« Die Magd war vom Laufen völlig außer Atem und japste nach Luft.
»Beruhige dich«, sagte Berthe. »Wir werden es rechtzeitig schaffen.«
»Es ist etwas geschehen. Er ist wieder da«, berichtete die Magd.
»Wen meinst du?«, fragte Berthe.
Die Magd nahm Berthe ein Stück beiseite. Mit einem Blick auf das Mädchen flüsterte sie: »Drei Eichenblätter über einer blauen Welle, das ist sein Wappen.«
Berthe überlegte eine Weile. Dann lachte sie auf. »Du meinst das Wappen des Verschmähten.«
»Nenne ihn nicht so. Wir müssen uns vorsehen!«
»Ängstige meine Tochter nicht«, sagte Berthe, als sie sah, wie Gesine die Ohren spitzte.
Aufmerksam sah das Mädchen seine Mutter an.
»Lass das Feuer nicht ausgehen, Gesine. Wenn alles fertig ist, kannst du den Kessel vom Haken nehmen, um den Sud abkühlen zu lassen. Hab keine Angst, ich bin bald zurück.«
Das Mädchen nickte und sah seiner Mutter zu, die sich eilig ihr blaues Leinentuch um die Schultern legte. Sie steckte die blonden Locken zurück, die widerspenstig unter ihrer Haube hervorlugten.
Als die Tür hinter Berthe zufiel, stellte Gesine sich auf die Zehenspitzen und warf eine Handvoll getrocknete Blätter Frauenmantelkraut in den Kessel. Gespannt verfolgte sie, wie sich diese mit dem ausgelassenen Schweineschmalz vermengten und hoch schäumten. Mit beiden Händen griff sie sich einen Holzlöffel und rührte das sämige Gemisch um.
Dies ergab eine besonders große Menge an Salbe. Sie wurde den schwangeren Frauen auf den Bauch gestrichen, damit sie weniger Schmerzen hatten, wusste sie.
Ein feiner würziger Duft stieg aus dem Kessel empor. Er breitete sich in der Holzhütte aus, die aus einem einzelnen Raum mit einer Feuerstelle bestand. Direkt daneben stand ein Tisch mit zwei Stühlen und zwei Schemeln. Unter dem einzigen Fenster der Hütte befanden sich eine große Truhe und eine Bank. Nur ein Vorhang unterteilte das Zimmer in eine Arbeitsstube mit Schlafecke.
Gesine hatte sich daran gewöhnt, dass ihre Mutter die schwangeren Frauen auf der Ebnisburg oder im südlich gelegenen Löhnsfelde besuchte. Seit ihr Vater vor wenigen Monaten unter mysteriösen Umständen zu Tode gekommen war, lebten sie allein mitten im Larawald. Zwischen den hohen Bäumen, die mit ihren Blätterdächern das Häuschen abschirmten, fanden sie alles, was sie zum Leben und Herstellen ihrer Salben und Tinkturen brauchten.
Gesine begann ein Lied zu singen, als sie an ihren Vater dachte.

»Mein Vater war ein Köhlersmann,
schichtete Holz für Kohle an.
Wachte Tag um Tag, Nacht um Nacht,
hat den Menschen Wärme und Freude gebracht.
Ruht nun tief im Larawald,
umgeben von Buchen, Eichen, sehr alt.
Verbirgt den Blick auf unser Haus
durch Äste und Zweige voller Laub.
Dass er uns behütet, ist unser Glück,
so bleiben wir beschützt zurück.«

Der Reim zauberte ihr ein Lächeln ins Gesicht, während sie die Masse umrührte.

≈ 2 ≈
Marie lief den dunklen Gang hinauf. Er führte direkt aus dem kuppelförmigen Rondell zum Ausgang des Mauselochs. Einzelne Wurzelenden hingen von der Decke herab und kitzelten sie an der Nase.
Am Ende des Ganges hielt sie inne und streckte den Kopf hinaus. Hier öffnete sich ein zweiter größerer Hohlraum, bevor man die Kuhle verlassen konnte. Marie befand sich in der Eingangshalle.
Getreideähren stapelten sich an den Wänden der Kuhle. Stück für Stück pflückte Jo, der Pförtner, die Körner von den Halmen und sortierte sie auf einzelne Haufen. Er unterbrach seine Arbeit, als er Maries Atem im Rücken spürte.
Mit schwarzen runden Kulleraugen schaute er sie an und faltete die Pfoten. »Was ist denn vorgefallen, Marie Laruu?«, fragte er.
»Na, was wohl?«, gab Marie patzig zur Antwort. »Hiero mal wieder. Wir hatten schon weit bessere Loherren als ihn.«
Jo schüttelte den Kopf. Er betrachtete die braune Waldmaus vor sich. In seinen Augen war sie wunderhübsch. Sie war etwas kleiner als er selbst, hatte ein haselnussbraunes Fell und einen weißen Unterbauch, blitzende schwarze Knopfaugen und einen zarten Flaum weicher Kopfhärchen, die vor dem Hintergrund des Mauselochs fast durchsichtig schimmerten.
Er seufzte. Wie konnte eine so hübsche Maus nur so streitlustig sein?
Marie sah zum Ausgang und schnaufte. »Ich bin eine Waldmaus«, sagte sie, und Jo bereitete sich auf einen Vortrag vor, als er den ärgerlichen Unterton vernahm. »Die Laruu-Mäuse haben sich dem Loherrn Hiero untergeordnet, aber das heißt nicht, dass wir uns alles von ihm gefallen lassen müssen!«
Sie drehte ihren Kopf zu Jo und sah ihn herausfordernd an.

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7. Dezember 2018

'Romantasy' von Isabella Mey

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Ihr glaubt, Romantasy sei ein Mix aus Romantic und Fantasy?
Weit gefehlt!


Romantasy ist ein Königreich, in dem Fabelwesen zum Alltag gehören, Frauen zu geschickten Kämpfern ausgebildet werden und Romy als Tochter des Jagdfürsten den Prinzen Jaron heiraten soll. Laut der Prophezeiung kann nur durch diese Hochzeit großes Unheil abgewendet werden.

Das klingt wie ein Märchen?

Vielleicht hätte es eines werden können, wenn das Nebeltor die zukünftige Prinzessin direkt vor den Traualtar befördert hätte, statt ins Klassenzimmer einer Frankfurter Gesamtschule. Aber es kommt noch schlimmer, denn auch Romys Gefühlswelt wird heftig durcheinanderwirbelt. Wie die Sache ausgeht? Lest es selbst …

Ein abgeschlossenes Einzelbuch für Jugendliche, jung gebliebene Erwachsene und alle, die sich gerne in fantastische Welten hineinträumen.

Leseprobe:
Arena
1212 Majan 2
Romantasy, Anwesen des Jagdfürsten


»Oh, sind die süß!«, quiekt Mirabelle begeistert. Dabei deutet sie auf zwei muskelbepackte Krieger, die in der Arena gerade vergeblich versuchen, ein Fegodon zu bändigen.
Ich werfe meiner Freundin einen verständnislosen Blick zu, kann absolut nicht erkennen, was an denen süß sein soll. Der nackte Oberkörper der Kämpfer gibt einen guten Blick auf die leicht gebräunte Haut frei. Von der Hüfte abwärts stecken die Jäger, wie die Krieger des Jagdfürsten auch genannt werden, in halblangen Hosen, die mit Kurzmessern bestückt sind.
»Süß? Meinst du das im Ernst? Was genau findest du an zwei Kriegern süß?«
Mirabelle kichert belustigt in ihre vorgehaltene Hand, was ich mit aufkeimender Sorge beobachte, denn wir dürfen uns nicht verraten. Ich mag die fröhliche Art meiner besten Freundin sehr, doch gerade kommt sie mir denkbar ungelegen. Schließlich habe ich Arenaverbot und es könnte furchtbaren Ärger geben, wenn uns die beiden Krieger in unserem Baumversteck entdecken würden. Aufgrund der dunklen Bedrohung bin ich insbesondere so kurz vor meiner Hochzeit dazu verdammt, viel zu oft und viel zu lange in meinem Zimmer dahinzuvegetieren, was sich beinahe schon wie Folter anfühlt. Ich brauche Raum, Bewegung und Abenteuer wie die Luft zum Atmen.
»Mensch Romy, ich-ich meine doch nicht die Krieger …«
Nach Mirabelles verzerrter Mimik zu urteilen, ist sie kurz davor, laut loszuprusten. Mir dagegen wird mulmig zumute. Am liebsten würde ich ihr vorsorglich den Mund zuhalten. Stattdessen lege ich eine bedrohliche Miene auf und presse zischend den Finger auf die Lippen, was meine Freundin mit einem schuldbewussten Nicken beantwortet. Sie atmet das aufkeimende Gelächter hechelnd fort, dann deutet sie in Richtung des heruntergelassenen Gitters des Raubtierzugangs und wispert durch die zusammengepressten Zähne:
»Schau mal dort! Siehst du die jungen Fegodons?«
»Ach so, die meinst du«, flüstere ich und muss nun doch grinsen wegen des Missverständnisses.
Aus der Entfernung sind sie zwar nur recht undeutlich zu erkennen, aber da ich schon oft Jungtiere gesehen habe, weiß ich, dass es kaum etwas Putzigeres gibt, als Fegodon-Nachwuchs.
»Schau doch mal, das ist sooo goldig, wie sie mit ihren Patschefüßen umhertapsen. Ach, und die schwarzen Kugelaugen …«, quiekt Mirabelle verzückt. »Und erst die Stummelflügelchen! Wie sie damit gerade mal kleine Flughüpfer fertigbringen …«
»Schschsch, nicht so laut!«, muss ich sie schon wieder ermahnen. »Bestimmt wollen sie zu ihrer Mami.«
Aber auch ich finde die Kleinen goldig. Als ich noch ein junges Mädchen war, habe ich mal ein Fegodonbaby geklaut und mit auf mein Zimmer genommen, weil ich es so süß fand, dass ich es den ganzen Tag lang knuddeln und kraulen wollte. Mittlerweile habe ich aber schon so viele von ihnen aufwachsen sehen, dass die Begeisterung ein wenig nachgelassen hat.
»Meinst du, wir können uns nachher hinschleichen? Ich würde so gerne mal sehen, wie sie mit dem Rüsselchen eine Kerzenflamme einsaugen.«<
»Ja, vielleicht können wir es nachher versuchen. Aber erst, wenn die Jäger weg sind«, antworte ich.
»Ich kann gar nicht verstehen, wieso manche meinen, Fegodons würden den Drachen ähnlichsehen«, sagt Mirabelle nach einer Weile.
»Ach, die Leute schauen einfach nicht richtig hin. Bloß weil sie einen langen geschuppten Schwanz mit Stachelkugel am Ende und drachenähnliche Flügel haben, übersehen sie, dass Fegodons ja nicht mal Reptilien sind und auch keine Eier legen.«
In Wahrheit ist der Körper, bis auf den Schwanz und die vier Krallenfüße, von einem stoppeligen, silbrig glänzenden Fell bedeckt, das die Farellastrahlen bricht und je nach Einfallswinkel in allen Regenbogenfarben schillert. Außerdem gebären sie ihre Jungen lebend. Der auffälligste Unterschied besteht aber darin, dass Fegodons kein Feuer spucken, sondern es mit ihrem Trichterrüssel absaugen. Für die Fütterung werden deshalb jeden Morgen und Abend kleine Lagerfeuer angezündet.
Ich liebe diese Tiere. Auf ihrem Rücken kann man durch die Lüfte rauschen und sich unendlich frei fühlen und hat man erst einmal ihr Vertrauen gewonnen, werden sie zu treuen Freunden. Riana war mein erstes und letztes Fegodon. Sie ist gestorben, als ich neun Jahre alt war. Nach ihr wollte ich kein eigenes mehr haben, denn ich hatte sie so sehr ins Herz geschlossen, dass ich nach ihrem Tod noch wochenlang unter Heulanfällen litt. Seither nehme ich mir einfach irgendein Flugtier aus dem Stall, wenn ich eines benötige. Die meisten auf dem Anwesen gehören meinem Vater und ich mag sie alle. Eine tiefe Liebe wie zu Riana lasse ich aber erst gar nicht wieder aufkommen.
Wie man sich denken kann, sind Fegodons äußerst nützliche Tiere, nicht nur für den Transport, sondern auch zur Brandbekämpfung. Aus diesem Grund, aber auch für den Schutz vor gefährlichen Fabelwesen, muss in jedem Dorf mit mehr als zehn Häusern mindestens ein Fegodon samt Jäger Stellung beziehen. Die Bezeichnung Jäger ist eigentlich irreführend, weil es bei ihrer Aufgabe vor allem um den Schutz der Bevölkerung geht, dabei werden aber manchmal auch Tiere erlegt, die dann meist auf den Tellern der Leute landen, die mit Hunger zu kämpfen haben. Die Fegodons sind nicht nur für die Brandbekämpfung wichtig, sie unterstützen die Jäger im Kampf, dienen aber vor allem dem Flugtransport. Zu kämpfen gibt es auf dem Planeten Fabolon jedenfalls immer genug.
Man sollte meinen, Drachen und Fegodons müssten sich wunderbar ergänzen, von Seiten der Fegodons gäbe es da wahrscheinlich keinerlei Vorbehalte, doch Drachen können es überhaupt nicht ausstehen, wenn ihr zerstörerisches Feuer einfach weggefuttert wird. Während in Romantasy sehr viele Fegodons domestiziert wurden, leben die Drachen mehrheitlich auf Fabenia.
Ich erinnere mich daran, dass das Fegodonweibchen, welches die Krieger in der Arena nun zu bändigen versuchen, sehr früh trächtig wurde. Da Weibchen nicht vor dem ersten Wurf zugeritten werden dürfen, weil sich das sonst schlecht auf ihre Fruchtbarkeit auswirken würde, können die Tiere erst relativ spät an einen Sattel gewöhnt werden. Und dementsprechend widerspenstig wehrt sich das Weibchen nun gegen die ungewohnte Last auf dem Rücken.

Im Kindle-Shop: Romantasy.
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'Mordsverrat: Nordseekrimi' von Ulrike Busch

Kindle (unlimited)
Aufruhr in St. Peter-Ording: In den Bewertungsportalen des dubiosen Geschäftsmanns Lukas Harzog werden die Hoteliers des beliebten nordfriesischen Urlaubsortes gezielt mit Schmäh-Kommentaren überzogen. Für deren Entfernung müssen sie teuer bezahlen.

Eines Morgens wird Harzogs Freundin, die Hotelbesitzerin Jessica Leverenz, tot in ihrer Wohnung gefunden. Selbstmord oder ein Versehen, vermutet Clarissa, die Schwester der Toten. Jessica war tablettensüchtig, und ihre Beziehung mit Harzog drohte zu scheitern.

Die Obduktion ergibt jedoch: Jessica wurde ermordet. Hat sich einer der zu Unrecht diffamierten Hoteliers an ihr für Harzogs Machenschaften gerächt? Tammo Anders und Fenna Stern ermitteln im Umfeld von Bewertungswahn, Fake-Accounts und Rufmord via Internet.

Band 2 der Reihe ‚Anders und Stern ermitteln‘ (Band 1: ‚Mordsrevanche‘).

Leseprobe:
Unter der weißen Kapuze des Schutzoveralls erkannte Fenna das Gesicht von Eike Hoböken, dem Leiter der Kriminaltechniker. Sie winkte ihm unauffällig zu.
Auf Ella gestützt, wandte Clarissa sich wieder der Gruppe aus Kripobeamten und Hotelmitarbeitern zu. Ihr Gesicht drückte Schmerz und Leid aus. »Wonach suchen Sie eigentlich am Fenster?«
»Wir machen unseren Job«, antwortete Hoböken. »Nichts weiter. Aber den machen wir gründlich.«
»Durch dieses Fenster kann aber doch niemand eingestiegen sein. Oder hat es etwa offen gestanden?« Clarissa wandte sich an ihre Assistentin. »Ella, war das Fenster offen?«
Ella schüttelte zaghaft den Kopf.
Fenna entging nicht, dass Clarissas Assistentin für den Bruchteil einer Sekunde zu Carina hinüberschielte, die die gespenstisch anmutende Szenerie vom Türrahmen des Schlafzimmers aus beobachtete.
Welche stumme Botschaft hatten die beiden Frauen in diesem Moment untereinander ausgetauscht?
Die Kommissarin wurde misstrauisch. »Stimmt das? Frau Kluck und Frau – wie war Ihr Name bitte?«
»Carina da Silva«, hauchte das Zimmermädchen.
»Danke. Frau Kluck, Frau da Silva, Sie waren doch beide vor Frau Leverenz hier. War das Fenster geschlossen, als Sie den Raum betreten haben?«
Ella sah erst zu dem Fenster hinüber, dann zu Clarissa und schließlich zu der Kommissarin. »Ja.«
Ihre Stimme klang brüchig. Sie bekräftigte ihre Antwort mit einem Nicken, als wollte sie die Zweifel ausräumen, die Fennas Frage ausgedrückt hatte.
»Frau da Silva, was sagen Sie dazu?«, fragte Fenna.
Carina zuckte mit den Schultern. »Weiß nicht. So weit bin ich nicht ins Schlafzimmer reingegangen.« Sie drehte sich um und zeigte auf eine Stelle im Wohnzimmer. »Ich bin da vorne stehen geblieben. Von da aus konnte ich das Fenster nicht sehen.«
Die Stelle, auf die sie gezeigt hatte, war ungefähr die, an der Fenna vorhin verharrt hatte, während Tammo im Türrahmen stand. Von dort aus konnte man tatsächlich nicht so weit in den Raum hineinblicken, dass man das Fenster sah. Trotzdem blieben Fenna Zweifel.
Die Spannung, die im Raum lag, ließ die Luft knistern. Die Augen von Fenna, Tammo, Gerhild und den Kriminaltechnikern, aber auch die von Clarissa richteten sich auf die beiden jüngeren Frauen, vor allem auf Ella.
Clarissa ging einen Schritt auf Fenna zu. »Sie hören doch, was meine Assistentin sagt.«
»Ich bitte Sie, Frau Leverenz«, sagte Tammo. »Bei einer so wichtigen Frage müssen wir nachhaken. Dafür sollten Sie Verständnis haben.«
Die Hotelchefin strafte ihn mit einem beleidigten Augenaufschlag. Dann sprach sie weiter zu Fenna. »Ei¬gentlich ist es auch logisch, dass es so war. Ich selbst habe Jessica gestern Abend ausdrücklich gebeten, in dieser Nacht nicht bei offenem Fenster zu schlafen.« Sie seufzte und griff sich ans Kinn. »Wobei ich natürlich nicht ausschließen konnte«, fuhr sie leise fort, »dass sie es trotzdem öffnen würde. Sie war so ein Gewohnheitstier. Und bei all den Medikamenten hätte sie meine Bitte vergessen können. Aber wenn Ella sagt, das Fenster war geschlossen, dann war es so«
»Hat Ihre Schwester denn normalerweise bei offenem Fenster geschlafen?«, fragte Fenna.
»Ja, natürlich. Wir lieben die frische Nordseeluft über alles. Gerade bei Nacht riecht sie so würzig.«
»War das nicht leichtsinnig für eine Frau, die im Erdgeschoss wohnt?«, fragte Tammo. »Dann auch noch auf einem so einsam gelegenen Grundstück? Es gibt keinen Rollladen, nicht mal eine Jalousie oder Vorhänge. Von außen hat zwar niemand Einblick auf diese Seite des Hauses. Aber wer will, kann ganz gemütlich einsteigen, ohne dabei beobachtet zu werden.«
Clarissa nahm eine Verteidigungshaltung an. »Jessica wollte den freien Blick in den Himmel, auch nachts. Wenn sie wach wurde, wollte sie die Sterne sehen. Wollen Sie ihr das jetzt zum Vorwurf machen?«
»Nein«, sagte die Kommissarin. »Das wollen wir ganz bestimmt nicht. Aber sagen Sie, warum sollte Ihre Schwester ausgerechnet in der vergangenen Nacht das Fenster schließen? Ich nehme an, dafür gab es einen konkreten Anlass.«
Aus Gründen, die Fenna nicht verstand, bedachte Clarissa Lukas Harzog mit einem scharfen Blick.
Harzog fing ihn auf und ließ ihn an sich abprallen.
»Ja, es gab einen Anlass«, erwiderte Clarissa. »Wir haben im Dunkeln Leute auf dem Grundstück gesehen.« Sie ging zu der Tür, die ins Wohnzimmer führte, schob Carina zur Seite und streckte den Arm aus. »Dahinten, zwischen den Kiefern hindurch, sind sie weggelaufen.«
Fenna drückte sich an Carina vorbei, stellte sich an der Terrassentür auf die Zehenspitzen und verschaffte sich einen Überblick über das Gelände. »Was für Leute waren das? Haben Sie sich konkret bedroht gefühlt?«
Ella baute sich neben Fenna auf. »Wie würden Sie sich denn fühlen, wenn Sie zwei dunkle Gestalten sehen würden, die am späten Abend über Ihr Grundstück huschen? Hätten Sie in dem Fall nicht auch das Gefühl, es wäre besser, die Fenster geschlossen zu halten?«
Fenna Stern wäre nicht Kriminalhauptkommissarin geworden, wenn eine vorlaute, besserwisserische Frau wie diese Ella Kluck sie von ihrer Linie der Befragung hätte abbringen können. »Ich habe nach einer konkreten Bedrohung gefragt«, sagte sie in ruhigem, festem Ton. »Lag die vor?«
»N-nein.« Clarissa zuckte mit den Schultern. »Es war nur so ein Gefühl.«
»Was haben Sie gemacht, als Sie die Leute entdeckt haben?«, fragte Tammo, der ebenfalls wieder ins Wohnzimmer gegangen war.
»Zwei meiner Angestellten, beides junge, durchtrainierte Männer, sind rausgegangen und haben nachgesehen. Mit dem Schein ihrer Taschenlampen haben sie die Eindringlinge vertrieben.«
»Haben Sie danach noch einmal jemanden auf dem Grundstück bemerkt?«
»Nein. Wir waren müde. Ich bin nach oben in meine Wohnung und Jessica ...« Clarissas Stimme brach.
Fenna kehrte noch einmal ins Schlafzimmer zurück. Das Bett, in dem das Opfer lag, war ein französisches Bett, einen Meter vierzig oder einen Meter fünfzig breit.
»Ihre Schwester lebte allein in dieser Wohnung?«, rief sie Clarissa zu, während sie Lukas Harzog aus dem Augenwinkel beobachtete.
Harzogs Miene blieb kühl und ausdruckslos. Unmöglich, zu erraten, was in ihm vorging.

Im Kindle-Shop: Mordsverrat: Nordseekrimi (Anders und Stern ermitteln 2).
Mehr über und von Ulrike Busch auf ihrer Website.



6. Dezember 2018

'Der Maulwurf aus Moskau' von D.W. Crusius

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Martin arbeitet in der streng geheimen Entwicklungsabteilung der Air-Sliver in Wien, die in das lukrative Drohnen und Lenkwaffengeschäft einsteigen will. Sein richtiger Name ist Vladimir, er ist Russe und er arbeitet für den russischen Geheimdienst.

Doch wer sind tatsächlich seine Auftraggeber? Immer tiefer gerät Martin alias Vladimir in einen gefährlichen Sog aus Spionage und Gegenspionage, und bald weiß er selbst nicht mehr, für wen er arbeitet.

Lesermeinung: Ein hochkomplexer Agentenroman, der regelrecht nach Verfilmung schreit. In Zeichen von Wikileaks und NSA eine hochpolitische, absolut zeitgemäße Geschichte, die vermutlich nur noch von der Wirklichkeit überholt werden kann.

Leseprobe:
Der Gefangene P37 sitzt zusammengekauert auf einem Holzschemel. Er ist unbekleidet. Es ist nicht wichtig. Nichts ist wichtig, nicht einmal der Tod.
Ein kleiner Raum, etwa zwei Mal zwei Meter. Kahle, schmutzig-graue Betonwände, sehr hoch, vier Meter. Es stinkt nach Abwasser und Fäkalien. Durch ein vergittertes Loch weit oben dringt diffuses Licht. Der hölzerne Schemel ist mit breiten, eisernen Winkeln am Boden befestigt.
Totenstille.
Wie lange sitzt er dort? Minuten, Stunden, Tage? Es gibt keine Zeit mehr. Er zittert am ganzen Körper, seine Finger sind von Kälte blau verfärbt. Er klemmt die Hände unter die Achseln, um sie zu wärmen. Er muss pinkeln. Der Urin läuft warm an seinen Beinen hinunter, tropft auf den Zementboden.
Nicht grübeln, den Kopf abschalten wie ein zu lautes Radio. An etwas Schönes denken, an Moskau, den winterlichen Gorki-Park, fröhliche Menschen. Zwischen den Büschen und Bäumen türmen sich hoch aufgeschüttete Berge aus Schnee. Auf den zugefrorenen Teichen drehen mit dicken Pelzmützen und Handschuhen vermummte Schlittschuhläufer kunstvolle Pirouetten.
Seine Gedanken verselbstständigen sich und er ist im sommerlichen Alexandergarten, nicht weit vom Kreml. Auf den Bänken sitzen alte Leute, reden, scherzen miteinander.
Neben ihm geht eine Frau. Er erkennt sie am Parfüm, Tatjana. Die Moskowiterinnen benutzen es großzügig, schweben auf Duftwolken. Er sieht die schmusenden Paare auf dem Rasen und legt einen Arm um Tatjana. Glücksgefühl erfasst ihn, er lächelt, will sie an sich ziehen, ihr ins Haar greifen.
Eine Stimme reißt ihn zurück in die Wirklichkeit; eine tote Stimme, geschlechtslos.
»P37, wie oft haben Sie Ihre Kontaktperson getroffen?«
»Einmal in der Woche ... das habe ich doch schon so oft gesagt«, flüstert er.
Keine Antwort. Diese wie alle Fragen hat er unzählige Male beantwortet. Wie oft sie ihn verhört haben, weiß er nicht, auch nicht, wie lange er jetzt im Untersuchungsgefängnis sitzt. Hätte man ihm gesagt, es wäre ein Monat - er hätte es geglaubt. Auch ein Jahr. Erst verliert man seine Würde, dann die Zeit.
»War es ein Mann oder eine Frau?«
Immer wieder dieselben Fragen.
»Meistens eine Frau.«
»Deutsche, Amerikaner? Sprachen die Personen mit Akzent?«
»Deutsche ... glaube ich.«
»Aus Dresden?«
»Ich weiß nicht. Sächsischer Akzent.«
Es kommen keine weiteren Fragen und er versucht, zu seinen Tagträumen im sommerlichen Park zurückzukehren, zu Tatjana. Es gelingt ihm nicht. Er faltet seine Hände und legt die Zeigefinger aneinander, will an Moskau denken. Die Zeigefinger sind für Moskau, die Mittelfinger für Sankt Petersburg, Ringfinger für die Reise mit Tatjana auf die Krim ans Schwarze Meer. Damals, während seines ersten Lebens, vor dem Gefängnis. Seine Finger sind so etwas wie Erinnerungsstützen, Krücken, mit denen er sich von einem Universum in ein anderes versetzt.
Die Daumen sind für seine Mutter. Wenn er sie fest aneinanderdrückt, denkt er an sie. Wenn er dabei die Augen schließt, erinnert er sich so deutlich an sie, als stände sie neben ihm. Er glaubt, ihre Hand zu spüren, wie sie ihm über den Kopf streicht, und er ist ein kleiner Junge. Er sieht sie vor sich mit ihren dicken Filzstiefeln, die sie im Winter auch in der Wohnung trägt. Die Heizung funktioniert nicht gut, der Fußboden ist sehr kalt.
Er sieht ihren bunten, knöchellangen Rock, das Kopftuch in die Stirn gezogen mit einem dicken Knoten unter dem Kinn, eine wattierte Jacke um die Schultern. Sie klopft an die Tür der Nachbarin. In den Wald wollen sie fahren, Pilze sammeln. Lange Strecken müssen sie in Trambahn und Bus sitzen, zigmal umsteigen. Oder sie fahren auf einen weit entfernten Schwarzmarkt außerhalb Moskaus, von dem man sich erzählt, es hätte gestern dort Hühner, Tomaten, Kartoffeln oder sonst etwas Gutes gegeben.
Seiner Mutter und der Nachbarin hat er eine schmale Ecke im Gemeinschaftskeller abgezweigt, wo sie Holzfässer mit Sauerkraut aufbewahren, die hölzernen Deckel mit einem Stein beschwert. Im Keller stehen viele solcher Fässer und die blubbernden Gase des Gärprozesses dringen über die Kellertreppe in den Flur, ziehen bis unter das Dach. Drückt er die Daumen gegeneinander, riecht er Sauerkraut.

Im Kindle-Shop: Der Maulwurf aus Moskau
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'Im dunklen Nebel' von Jürgen Ehlers

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Liebe und Verrat in den besetzten Niederlanden 1942-43

Die Flucht des Fallschirmagenten Gerhard Prange mit seiner jüdischen Freundin und der sechsjährigen Sara ist gescheitert. Prange muss weiter für die Deutschen arbeiten. Richard Christmann von der Spionageabwehr sorgt dafür, dass alle drei unentbehrlich scheinen. Er verwickelt sie in ein gefährliches Spiel. Allen ist klar: Darauf steht die Todesstrafe.

»Nur wenn man erwischt wird«, sagt Richard. Aber genau das ist sein Plan.

Als eBook für kurze Zeit zum Aktionspreis von nur 99 Cent.

Leseprobe:
„Das ist eine reine Routinesache“, sagte Schreieder. Er räkelte sich in seinem Sessel. „Ihre Festnahme dient nur zu Ihrem eigenen Schutz.“
Das war jedenfalls gelogen. Sofieke reagierte nicht. Sie sah dem SS-Mann direkt ins Gesicht und verzog keine Miene.
„Anton und Sie haben großartige Arbeit geleistet. Dabei ist mir natürlich bewusst, dass Sie sozusagen unfreiwillig mitgewirkt haben. Ich hoffe, Anton hat sich Ihnen gegenüber jedenfalls anständig benommen.“
Anton ist eine widerliche Ratte, dachte Sofieke. Genau wie du.
„Er schießt manchmal etwas über das Ziel hinaus“, gab Schreieder zu. „Aber die Ergebnisse seiner Arbeit sind hervorragend. Und wenn Sie darüber nachdenken, werden Sie zugeben müssen, dass unser großangelegtes Täuschungsmanöver dazu beigetragen hat, dass die Niederlande sicherer geworden sind.“
Sicherer? Wahrscheinlich hielt dieser eitle Fatzke es für am sichersten, wenn alle im Gefängnis saßen. Außer der SS natürlich. Aber sie behielt diese Gedanken für sich. Es machte keinen Sinn, sich mit diesem Mann anzulegen. Nicht jetzt, wo er glaubte, alle Trümpfe in der Hand zu halten. Aber die Gelegenheit würde kommen. Der Funker Wolters hatte die Informationen weitergeleitet an Pieter Six, den neuen Vorsitzenden des Ordedienst. Und der war für die Herstellung und Verteilung von Flugblättern verantwortlich.
Schreieder redete und redete. Sofieke hörte nicht mehr zu. Sie konzentrierte sich auf die Fliege, die den Kopf des kleinen Mannes umkreiste, und die schließlich auf seiner Glatze landete. Schreieder wischte sie mit einer Handbewegung weg.
„Kann ich jetzt gehen?“, unterbrach Sofieke seinen Redefluss.
Schreieder hielt inne und sah sie überrascht an. Er war es nicht gewohnt, dass jemand ihn in dieser Weise behandelte. „Ja, Sie können jetzt gehen“, sagte er.
Sofieke verließ Schreieders Büro mit hoch erhobenem Haupt. Aber als sie hinaustrat auf die Straße, war das Gefühl des Triumphes verflogen, und an Stelle ihrer Wut trat jetzt die Angst. Sie hatte sich mit den deutschen Besatzern angelegt. Mit der SS, mit der Gestapo und ihren Handlangern. Sie wünschte, dass wenigstens Gerhard da wäre, um sie in den Arm zu nehmen und ihr zu versichern, dass alles gut wäre. Aber Gerhard war noch immer in Frankreich.

Im Kindle-Shop: Im dunklen Nebel: Liebe und Verrat in den besetzten Niederlanden 1942-43.
Für Tolino: Buch bei Thalia
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