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22. Oktober 2021

'Lynnwood Falls - Sommer der Liebe' von Helen Paris

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Website | Autorenseite
Wo die Liebe auf dich wartet ...

Hope ist erfolgreiche Tierärztin in New York und führt ein schönes Leben mit ihrem Freund Colin. Bis ein familiärer Notfall sie dazu zwingt, in ihre Heimatstadt zurückzukehren: Lynnwood Falls. Hope will vorübergehend in der Tierarztpraxis ihrer Eltern aushelfen, in der auch Ryan arbeitet - ihre erste große Liebe. Doch die Beziehung ist vor Jahren im Streit auseinandergebrochen. Viele Dinge stehen zwischen ihnen, weshalb sie immer wieder aneinandergeraten. Hope will so schnell wie möglich wieder zurück nach New York. Gleichzeitig fühlt sie sich in der beschaulichen Kleinstadt seit langem erstmals wieder geborgen. Und dann bringt ausgerechnet Ryan ihre Vorsätze zum Schmelzen ...

Der erste Band der romantischen Reihe rund um die kleine Stadt Lynnwood Falls in Maine, in der verlorene Herzen ein Zuhause finden.
eBooks von beHEARTBEAT (Bastei-Lübbe).


Anleser:
Hopes Blick fiel auf den dritten leeren Stuhl, über dem eine Lederjacke hing, die ihr vage bekannt vorkam. Plötzlich erinnerte ihr trockener Mund sie daran, dass sie heute noch kaum etwas getrunken hatte. War das …?
In dem Moment klopfte es an der Tür, und sie öffnete sich.
Da stand er. Höchstpersönlich. Ryan.
Für diese Jahreszeit war er ungewöhnlich braun gebrannt; vermutlich verbrachte er viel Zeit im Freien. Der Dreitagebart, den er früher nicht getragen hatte, stand ihm ausgezeichnet und machte ihn männlicher, als sie ihn in Erinnerung hatte.
Mit einem Blick nahm sie seine schlanke Gestalt in sich auf. Die verwaschene Jeans saß eng auf seinen Hüften, die Füße steckten in Boots, und das khakifarbene T-Shirt spannte über seinen Schultern, die auch breiter als früher zu sein schienen. Seine Größe wirkte fast einschüchternd, doch sicherlich lag es nicht daran, dass er gewachsen war. Colin war nur ein Stück größer als sie, während Ryan sie um beinahe einen Kopf überragte.
Ihr Pulsschlag hämmerte ihr so laut in den Ohren, dass sie meinte, jeder im Raum müsse ihn hören. Er übertönte auch das Piepen der medizinischen Gerätschaften ihres Vaters.
Ihre Glieder schienen sich in Beton verwandelt zu haben, und sie starrte Ryan einfach nur an, unfähig, sich zu bewegen oder etwas zu sagen.
Auch er war wie in der Bewegung eingefroren und musterte sie stumm. Den Blick aus seinen braunen Augen konnte sie nicht deuten. Lag etwa Wehmut in seinem verhaltenen Lächeln?
Ihre Trennung war nach vier Jahren Fernbeziehung, in denen sie sich nur in den Semesterferien gesehen hatten, aus der Distanz erfolgt. Es war das erste Mal, dass Hope ihm seitdem gegenüberstand. Die vergangenen sechs Jahre hatten seinem guten Aussehen nicht geschadet, im Gegenteil. Das Männliche stand ihm hervorragend. Hätte er nicht einfach dick und glatzköpfig werden können?
„Hallo, Hope“, sagte er schließlich heiser, ohne Anstalten zu machen, ihr die Hand zu reichen. „Wie geht es dir?“
Sie räusperte sich. „Hi. Es war ein Schock, das mit Pops.“
Er nickte bekümmert. Falten gruben sich in seine Wangen. Es schien auch ihn mitgenommen zu haben.
„Und, was ist passiert, Ryan?“, mischte sich ihre Mutter ein. „Wer hat angerufen?“
Er schüttelte sich, als müsste er sich in die Gegenwart zurückbringen. „Mrs Bloombergs Hund ist unglücklich in ein Loch getreten und hat sich vermutlich das Bein gebrochen. Ich sollte gleich los.“
„Kommst du allein klar?“
„Das schaffe ich schon.“ Er legte kurz die Hand auf den Arm ihres Vaters, murmelte etwas und schnappte sich die Lederjacke vom Stuhl. Kurz meinte Hope, seinen Duft nach Kiefern und Sandelholz wahrzunehmen, doch vielleicht hatte sie es sich auch nur eingebildet.
Das Leder der Jacke knirschte, als ihre Mutter ihn umarmte. „Richte Mrs Bloomberg liebe Grüße aus und alles Gute. Danke, dass du für uns da bist.“
Sanft tätschelte er ihren Rücken. „Da gibt es nichts zu danken, das ist selbstverständlich. Ich wäre gern geblieben und hätte die Ergebnisse gehört. Ich schaue, ob ich draußen noch einen Arzt erwische. Sag mir bitte gleich Bescheid, wenn ihr etwas Neues von Glenn wisst.“ Er umarmte auch Francy und nickte Hope zu. „Dann mach’s gut! Ich wünsche dir alles Gute!“ Mit der Andeutung eines Lächelns war er zur Tür hinaus.
Hope ließ sich auf den frei gewordenen Stuhl sinken, meinte, noch Ryans Körperwärme darauf zu spüren, und ergriff die Hand ihres Vaters, ohne die Kanüle zu berühren. Seine Finger waren kalt. Sie redete sich ein, dass das seltsame Gefühl in ihrem Bauch allein daher rührte, dass sie sich um ihren Vater sorgte.

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21. Oktober 2021

'Geni(t)aler Mord auf Ibiza' von Harry Robson

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Website Harry Robson
Das Zimmermädchen erschreckt sich fürchterlich, denn es findet am frühen Morgen einen toten Mann im Bett des Hotelzimmers. Ihm wurde mit einem scharfen Messer das Geschlechtsteil abgetrennt und in den Mund gesteckt. Der Tote und das Bett: Alles ist voller Blut, ein Schlachtfeld. Carlos Delgado, Chef der Mordkommission Ibiza, ermittelt und bittet seinen alten Freund Harry Robson um Mitarbeit.

Was ist passiert? Wer war der Tote? Wo liegt das Motiv? Es gibt keinerlei Spuren am Tatort! Ein spannender Ausflug in die Abgründe von SadoMaso.

Anleser:
Ich war wirklich froh darüber, dass ich vor einigen Jahren meine Zelte in Deutschland abgebrochen hatte, um hier auf Formentera meinen Ruhestand zu verbringen.

Mitten in diese Stille und Ruhe hinein meldete sich mein Smartphone mit der Melodie "Sound of Silence", gespielt von Hank Marvin. Ein Quell ewiger Freude.
»Hallo Harry, mein Freund, wo bist du gerade?«
Es war noch früher Morgen, und Carlos erreichte mich in bester Fahrradstimmung.
»Ich bin auf der Fähre nach Ibiza.«
»Ja was machst du denn da?«
»Ich hab dir doch erzählt, dass ich mir ein E-Bike angeschafft habe. Das wollte ich heute mal in den Bergen Ibizas ausprobieren.«
»Das trifft sich gut. Kannst du hier im Hotel "Sunny Beach" vorbeikommen? Das liegt doch auf dem Weg. Ich habe da eine Sache, die dich mächtig interessieren wird. Außerdem könnte ich dich hier sehr gut gebrauchen.«
»Und was ist das?«
»Bisschen schwierig am Telefon. Komm einfach her, dann zeig ich es dir. Zimmer 321. Ich sag meinen Leuten Bescheid, dann kannst du problemlos zum Tatort vordringen.«

Blick ins Buch (Leseprobe)

19. Oktober 2021

'Kreativer Gesellschaftsumbruch: Integration und Generationenschuld' von Daniela Muthreich

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website Daniela Muthreich
Eigene Lebenserfahrung – in Poesie und Prosa, Satire und Drama verpackt

Migration einmal anders: Daniela Muthreich machte sich auf in die Schweiz. In einem Mix aus Prosa, Poesie, etwas Satire und Theaterszenen verarbeitet die gebürtige Deutsche ihre Erfahrungen bei der Integration in den Alpenstaat. Die ungewöhnliche Textform beleuchtet auf amüsante Weise Aspekte zwischenmenschlichen Zusammenlebens und reflektiert diese mit scharfem Blick und Humor. Dabei schreckt Daniela Muthreich auch vor heiklen Themen wie der Generationenschuld nicht zurück und hält sich und ihrer Umwelt einen durchaus kritischen Spiegel vor.

Gesellschaftsbeobachtungen mit Intelligenz und einem Augenzwinkern.

Achtung: Finger weg, wenn Sie Mainstream-Literatur suchen! Nur für Leser, die zwischendurch ihr Kopfkino aktivieren möchten und etwas Poesie zu schätzen wissen.

Anleser:
Sprache und Schicksal – Rückschau in die Vergangenheit
Da die Themen Sprache und Integration in eine Gesellschaft mich nicht losließen, erinnerte ich mich irgendwann an ein Ereignis aus meiner Vergangenheit: Es hatte mich ungefähr mit Mitte 20 aus beruflichen Gründen schon einmal in die Schweiz verschlagen. Damals arbeitete ich als Eventmanagerin und organisierte Tagungen, Motivations- und Belohnungsreisen für diverse Unternehmen. Bei einer Veranstaltung in der Schweiz sollte nach einer Tagung der Teamgedanke hervorgehoben werden: Motivation einer Gruppe, Intensivierung des »Wir-als-Team-Gefühls« in Form eines abschließenden Aktivprogramms – Rafting, weitere sportliche Teamspiele und Floßbau in kleineren Gruppen. Einhundert Menschen sollten hier ihre Teamfähigkeit unter Beweis stellen.
Letzte Vorbereitungen waren im Gange, als sich auf einer Wiese eine kleine, aber schicksalhafte Szene ereignete: Eine Frau bäuerlichen Standes und mittleren Alters stritt sich lautstark mit einem sehr viel älteren Herrn. Brüllend verließ sie das grüne Terrain – ich spurtete hinterher und fragte, was mit ihr los sei. Sie hob abwehrend die Hände und ließ mich ärgerlichresigniert wissen: »Der hat seinen Dickkopf. Den Mann kann man einfach nicht mehr ändern – und ich kann nun auch nichts mehr tun.«
Danach stob sie von dannen und ich starrte entsetzt auf das, was der sehr viel ältere Herr nun tat: Er riss wutentbrannt Begrenzungspfähle aus dem Grün der Wiese und warf sie achtlos zu Boden. Nein«, dachte ich, »das geht doch nicht! Die brauchen wir doch dort, sonst ist unser Feld für weitere Sportaktivitäten nicht mehr sichtbar!«
Inzwischen waren bereits Bistrotische aufgebaut worden und ganze Tischbahnen wölbten sich unter der Last von unzähligen landestypischen Leckereien, nett angeordnet im Wechsel mit kleinen Getränke-Inseln. Sonnenschirme waren hier ebenfalls schon aufgespannt und ein Mann im Kochkostüm hantierte geschäftig an einer Grillstelle.
Ein größerer Mann, den ich erst im letzten Moment als meinen damaligen Chef wahrnahm, steuerte blitzartig auf mich zu und teilte mir sehr gestresst mit: »Wir haben ein Problem. Hier kommen gleich hundert Leute und der Aufbau stockt! Gibt es eine Vereinbarung mit dem Eigentümer der Wiese?«
»Ja«, sagte ich. »Ich habe hier eine schriftliche Bestätigung inklusive Mietpreis für die Weide – und es wurde alles schon bezahlt! Außerdem habe ich eine Unterschrift.«
»Es ist immer das Gleiche in diesem Job«, sagte er, »man kann planen so gut und so viel man will, es kommt dennoch immer anders. Du musst das jetzt regeln – die Wiese ist dein Verantwortlichkeitsbereich.«
Meine letzten Worte an ihn in diesem Moment waren: »Unterschrift, Plan, Bestätigung oder Ähnliches – ich weiß es auch nicht mehr so genau …«
Zerknirscht blickte ich auf meinen Zettel – aber was nützte diese Unterschrift nun in dieser Situation? Sie war nichts mehr wert – und war sie überhaupt jemals etwas wert gewesen? »Wem ist denn hier überhaupt etwas wert?«, fragte ich mich.
Der eigentliche Besitzer der Wiese, der ältere Herr, hatte jedenfalls andere Wertvorstellungen: Weiterhin riss er kräftig einen Pfahl nach dem anderen aus seiner Wiese. Um seiner Laune Ausdruck zu verleihen, fuchtelte er dabei zwischendurch sehr unangenehm mit einem Stock herum, und ich dachte: »Sehr schön, nun bekommst du eine wertvolle Tracht Prügel für eine wertlose Unterschrift.«
Ich strebte dem uniformierten Koch an der Grillstelle entgegen und hatte das Wort Deeskalation im Kopf. Nach einem kurzen Gespräch, bei dem ich ihn um eine kühle Erfrischung in flüssiger Form und einige landestypische Leckereien bat, teilte er mir mit: »Die Schwiegertochter und der Sohn haben den Alten nicht gefragt und einfach das Geld für die Miete eingestrichen. Ihre Unterschrift ist aber nichts wert, weil der Alte der Eigentümer ist.«
»Und was kann ich da jetzt machen?«, fragte ich ihn. Kann ich mit diesem älteren Herrn nicht reden?«
»Reden?«, fragte er mich ungläubig. »Mit dem kann man nicht reden. Der spricht nur Rätoromanisch und er hat auch nur seine Kühe im Kopf. Die Pfähle machen seine Wiese kaputt: Da sind dann Löcher drin.«
»Schön«, dachte ich, »ein Mann, der seine Tiere liebt und auch die Natur – wir haben etwas gemeinsam!« Und langsam steuerte ich mit meinen Erfrischungen und Stärkungen auf ihn zu.
Sein Stock kam mir gefährlich nahe, aber ich wich nicht zurück, sondern bot ihm ein Glas Wasser an und deutete dabei mit meinem Arm auf eine Bank. Der Alte fixierte mich böse, aber dann ließ er sich doch mit mir auf dieser Bank nieder. Vorsichtig reichte ich ihm köstliche Gebäckstückchen und erkundigte mich nach seinen Kühen, die etwas höher auf einer anderen Wiese friedlich weideten. Es passierte eine ganze Weile gar nichts und ich reichte ihm weitere Gebäckstücke. Dann lobte ich die Schweizer Bergwelt und die eindrucksvollen Gipfel im Hintergrund des Tals, in dem wir saßen. Er betrachtete mich wieder eine Weile, dann sprachen wir lange über Berge und Natur, und er informierte mich über die Namen der Gebirgsspitzen im Hintergrund. Genussvoll schlürfte er dabei sein Wasser und ich reichte ihm weitere Gebäckstücke. Er sprach Rätoromanisch und ich Hochdeutsch.
Irgendwann während des Gesprächs stand ich auf und trat ein lieblos herausgerissenes Grasbüschel wieder fest, welches durch die Pfahlbegrenzung entwurzelt worden war. Dabei machte ich ein zweifelndes Gesicht und deutete auf die weiter stattfindenden Aufbauten auf seiner Wiese. Ich zeigte ihm den Zettel mit der Unterschrift, aber er sah ihn sich gar nicht an, sondern informierte mich weiter über die Umgebung. Ehrlich gesagt verstand ich nicht wirklich viel, denn ich kann kein Rätoromanisch, aber ich konnte mir aus seiner Gestik und Mimik erschließen, was er mir mitteilen wollte, und so deutete ich immer wieder auf andere Bergspitzen und erkundigte mich nach weiteren Namen. Ich wollte diese Namen wirklich wissen, weil mich das Gespräch faszinierte und die Natur sowieso.
Die Zeit, die ich ihm schenkte, war wertvoller als die Unterschrift auf diesem Zettel, und am Ende nahm er zum Abschied meine Hand in seine beiden Hände und hielt sie länger als üblich fest. Ein warmes Gefühl umschlang mein Herz, und winkend verschwand er zu seinen Kühen.
Es wurde kein Pfahl mehr herausgerissen und ich dachte eine Weile nach. Dann kam ich zu dem Schluss: »Sprache funktioniert offensichtlich auch, wenn man nicht jedes Wort versteht – man muss nur eine Basis finden. Also, mit anderen Worten: Wenn man wirklich will, dann klappt Verständigung – Kommunikation funktioniert auch ohne Worte.«

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17. Oktober 2021

'Das Reich der Sieren' von Katrin Lachmann

Kindle | E-Book (ePub) | Taschenbuch
Katrin Lachmann auf Twitter
Das Schuljahr geht zu Ende und Agathe befürchtet, dass ihr wieder unendlich langweilige Ferien bevorstehen.

Das Blatt wendet sich für Agathe, als sie auf Ral trifft. Zum ersten Mal in ihrem Leben fühlt sie sich bedeutend und geliebt. Allerdings umgibt Rals Familie ein großes Geheimnis und mittendrin findet sich Agathe wieder. Zusammen mit Ral versucht sie das Geheimnis zu lüften und geht damit ein großes Wagnis ein. Wird ihre Suche von Erfolg gekrönt sein? Mit welchen Widrigkeiten müssen sie kämpfen?

Begleite die beiden auf ihrem Abenteuer.

Anleser:
„Kann ich dir wirklich nicht helfen?“, fragte Agathe noch einmal eindringlich entgegen ihrer eigenen Schüchternheit.
„Wenn du Salbe von der Pflandele dabei hast, dann vielleicht.“ Sein Gesicht verzog sich schmerzhaft.
„Wozu brauchst du die?“, fragte Agathe, ohne zu wissen, um was für eine Salbe es sich handelt.
„Ich hab mir den Fuß verstaucht. So kann ich nicht weiter gehen. Jedenfalls nicht sehr lange.“
Mit einer kreisenden Handbewegung massierte er seinen Knöchel. Bei den Schuhen und dem unebenen Waldboden wunderte es Agathe nicht, dass er umgeknickt war.
„Salben sind nicht deine Stärke, oder?“, fragte er mit einem leichten Unterton.
„Die Fadelesalbe kenn ich nicht, aber wenn du willst, dann bringe ich dich zum Arzt.“
Der Junge verdrehte die Augen und stöhnte laut auf. „Das heißt nicht Fadelesalbe, sondern PFLANDELESALBE. Pflanze des Lebens, um genau zu sein.“
„Auch die kenne ich nicht. … Du willst nicht, dass ich dir helfe, oder?“ Wie konnte sie nur glauben, dass ein Junge, der auch noch so verdammt gut aussah, in seiner Not ihre Hilfe annehmen würde?
„Es ist wirklich besser, wenn du gehst“, quetschte er zwischen seinen Zähnen hervor.
Verlegen fingerte sie an dem Pilzkorb, nur um ihn nicht anschauen zu müssen.
„Verstehe!“, sagte sie kurz.
In der Ferne hörte Agathe, wie ihr Namen gerufen wurde.
„Das ist meine Familie. Sie suchen mich. Ich muss ihnen antworten, sonst gibt es Ärger.“
Der Junge griff nach seinen Schuhen, drehte sich abrupt um und humpelte in Richtung Schlucht.
„Warte, da geht’s zur Schlucht“, rief Agathe.
„Ich weiß! Vergiss das alles hier einfach!“
„Wieso? Wer bist du?“
Der Junge blieb stehen und drehte sich um. Ihre Blicke verschmolzen für einen winzigen Moment. Über seine Lippen huschte ein Lächeln.
„Ich bin Ral. Mehr musst du nicht wissen. Geh zu deiner Familie und verschweige einfach, dass du mich gesehen hast, ja?“, sagte er sanfter.
Mit einem Auge zwinkerte er. Agathe merkte, wie ihre Wangen heiß wurden.
„Sehen wir uns wieder?“, fragte sie hastig und im selben Moment sah sie, wie er sich eine kleine Fliege aus dem Auge wischte. Er hatte ihr gar nicht zugezwinkert. Es war bloß eine blöde Fliege.

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15. Oktober 2021

'Diana & Julius und das Buch der Katastrophen - Band 1: Die Wasserhexe' von Daniela Muthreich

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website Daniela Muthreich
Diana konnte nicht ahnen, dass sie die Geschichte, die sie heimlich im Buch ihrer Freundin gelesen hatte, selbst erleben würde. Auch war ihr nicht klar, dass sie in diesem Moment den Zugang zu einer geheimen Verbindung in die Zwischenwelt öffnete und damit die Geister der Katastrophen weckte. Ihr bisheriges Leben veränderte sich vollkommen.

Bei der Suche nach den Ursachen für ein Unglück, welches ihr Dorf heimsuchte, erlebt sie mit ihrem Freund Julius eine unglaubliche Geschichte, welche die beiden ins Mittelalter zurückführt. Sie treffen auf magische Wesen, kämpfen gegen Verbündete des Bösen und schließen Freundschaften mit fabelhaften Geistern. Ihre Aufgabe ist es, mithilfe von Zauber-Rätseln eine längst vergangene Katastrophe zu verhindern, um das gegenwärtige Schicksal ihres Dorfes umzukehren. Doch können sie es schaffen, sich und ihre Freunde und Verwandten zu retten?

Für Leser ab 10 Jahren – spannend und gruselig ohne grausam zu sein.

Anleser:
Eine Nacht im Kloster
[…] »Nebelsee. Was soll das sein?« Als die Klosteruhr zehnmal schlug, öffnete Diana vorsichtig ihre Tür und schlich die Treppe hinunter. Der Weg in den Garten war ihr inzwischen bekannt. Sie atmete auf, als sie vor den Kräuterbeeten stand, die vom Mondlicht schwach angestrahlt wurden. Wo war denn jetzt Julius? Suchend blickte sich Diana um und vernahm schon in einiger Entfernung Schritte. Bevor sie ihren Freund beim Namen rufen konnte, zischte jemand von hinten: »Du bist nicht allein! Sei leise!«
»Wer ist denn bei mir?«, fragte das Mädchen und zitterte am ganzen Körper.
»Die haben hier Wachen! Du musst aufpassen!« Diana drehte sich mit einem Ruck um, aber das Einzige, was sie im Mondschein sehen konnte, waren die Umrisse eines Besens […] schnell versteckte sie sich hinter einem Gebüsch, als auch schon zwei Personen in Umhängen durch den Kräutergarten liefen. Sie verschwanden beim verborgenen Eingang in der Klostermauer.

Blick ins Buch (Leseprobe)

14. Oktober 2021

'Dein letztes Stündlein' von Janette John

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website | Autorenseite
»Wer stehen bleibt, wird sich nicht verändern. Und wer sich nicht verändert, bleibt stehen.« Janette John

Es gibt immer einen Weg zur Umkehr.
Entscheide DICH!


Er ist ein Einzelgänger und lebt gut damit. Wozu braucht er eine Frau, die ihm Scherereien bereitet und ständig am Meckern ist? Besser ist es alleine, wäre da nicht die Gier nach Nähe, fremder Haut und Zärtlichkeit. Doch aus Zuneigung wird Hass und aus Lust wird Qual, welche er jenen zuteilwerden lässt, die bei ihm ein neues Zuhause suchen. Die Kripo Bodensee sieht sich einem menschlichen Abgrund gegenüberstehen, der ihr bislang nur aus Horrorfilmen bekannt war.

Dein letztes Stündlein – Wer suchet, der stirbt!
Der 16. Fall der Kripo Bodensee.

Anleser:
"Was glauben Sie wohl, wie schwierig es ist, in Konstanz eine bezahlbare Wohnung zu finden?
Wie bitte?
Was? Nein!
Ich sagte Ihnen doch, dass ich eine Wohnungsanzeige aufgegeben habe, woraufhin dieser Mann anrief. Ich inseriere schon seit Wochen. Ohne Erfolg, bis … Entschuldigen Sie bitte, dürfte ich ein Glas Wasser haben?
Danke!
Ich suche eine Wohnung im Grünen, möglichst in Uninähe.
Wie bitte? Das können Sie mir nicht vorwerfen. Viele inserieren mit persönlichem Foto. Die Wohnungseigentümer möchten doch wissen, mit wem sie es zu tun bekommen.
Was dann geschah? Nun, nach dem Anruf fuhr ich zu einer Bushaltestelle. Ja, Sie haben recht, ich war arglos. Aber wir kamen am Telefon sofort ins Gespräch. Als ich hörte, dass er selbst Lehrer ist, war das Eis gebrochen. Dazu vernahm ich im Hintergrund Kindergeschrei, woraufhin er mir von seinen Enkeln vorschwärmte. Hätten Sie da an ein Monster gedacht? Ich nicht. Ich habe schlaflose Nächte seither. Angstschübe. Und ständig dieses Zittern.
Wo soll ich beginnen? Nach dem Anruf fuhr ich zu der Haltestelle. Ein Pkw hielt und ich stieg in den Wagen.
Wie er aussah, wollen Sie wissen?
Er war vermutlich nicht besonders groß. Ein Großvatertyp würde ich sagen. Halbrunde Glatze, Jeans, Hemd, darüber einen Pulli. Das war einer, den keiner wirklich wahrnimmt. Weder ein Frauenschwarm noch einer, den man zweimal anschaut.
Moment, lassen Sie mich einen Schluck trinken, meine Kehle ist trocken.
Das Haus lag etwas abseits, was mir gut gefiel, zudem in der Nähe meiner Arbeitsstätte. Das Anwesen war etwas schmuddelig, doch es besaß einen Garten. Ich fühlte mich sofort heimisch.
Jetzt drängeln Sie nicht so. Ich muss nachdenken. Das meiste hab ich verdrängt. Im Haus sah ich Familienfotos. Als ich ihn nach seiner Gattin fragte, sagte er, dass sie mit den Enkeln in die Stadt gefahren sei, damit er mir in Ruhe alles zeigen könne.
Eigentlich wollte das Ehepaar nicht mehr vermieten. Zu viele schlechte Erfahrungen mit Mietern, meinte er. Aber bei mir machten sie wohl eine Ausnahme. Die Wohnung lag unter dem Dach. Hübsch, mit Schrägen, neuem Bad, kleiner Küche und zwei Zimmern. Ein Traum. Ich sagte sofort zu, woraufhin wir in sein Wohnzimmer gingen, um den Mietvertrag zu unterschreiben.
Bedenken? Nein, die hatte ich nicht. 500 Euro warm für 60 Quadratmeter waren einfach nicht zu toppen. Ich unterschrieb, was wir mit einem Handschlag besiegelten. Kurz vor dem Verlassen seines Hauses wollte er mir noch den Garten zeigen. Er wies mir eine Tür.
Ich öffnete sie. Es war dunkel, also suchte ich nach dem Lichtschalter und fühlte plötzlich eine Pranke auf meiner Schulter, die mich packte. Ich fiel hin und rutschte in die Tiefe. Es waren Sekunden, in den ich nicht wusste, ob ich das nur träumte. Als ich stoppte, sah ich die Hand vor Augen nicht. Ich hörte ihn lachen. Danach vernahm ich ein Türeschlagen und es wurde still.
Können wir eine Pause machen? Ja, ein Kaffee wäre jetzt nicht schlecht. Danke!
Eine Weile lange dachte ich, sterben zu müssen.
Nach dem Sturz bin ich eingeschlafen. Wieso? Darüber habe ich mir auch schon den Kopf zerbrochen. Ich nehme an, er hat mir irgendetwas in den Kaffee getan, den er mir angeboten hatte. Auf alle Fälle muss ich ein paar Stunden geschlafen haben. Als ich erwachte, sah ich mich in einem Keller liegen, noch dazu auf einem breiten Bett mit Gitterstäben an den Enden. Ich spürte in mich, dachte an sexuellen Missbrauch. Aber nichts dergleichen scheint passiert zu sein. Zumindest fühlte ich mich körperlich unbeschadet. Trotz allem wusste ich, dass das nicht der Normalität entsprach. Ich suchte nach einem Ausweg. Nur ohne Handy?
Ob jemand davon Kenntnis hatte, wollen Sie wissen?
Nein, ich sprach mit niemandem über die Wohnungsbesichtigung.
Und dann?
Dann begann er, mit mir über ein Mikrofon zu kommunizieren. Er machte sich über meine Dummheit lustig und darüber, wie ich glauben konnte, eine derart günstige Wohnung in Konstanz zu finden. Er verlangte, dass ich mich auf das Bett lege, Arme und Beine spreize, was ich ablehnte, woraufhin er mir Essen und Trinken verweigerte. Ich hielt das nicht lange aus, irgendwann kam ich seinem Wunsch nach. Was blieb mir anderes übrig?
Im Anschluss ging der Horror erst richtig los.
Über meinem Kopf befanden sich Handschellen, die ich um meine Gelenke legen sollte. Erst danach bekäme ich etwas zu essen, hat er gesagt. Anfangs haderte ich noch.
Ja ich weiß, er hätte lügen können. Hatte ich eine Wahl? Nein!
Ich schloss die Handfesseln. Daraufhin hörte ich, wie sich eine Tür öffnete, die seitlich von mir lag. Plötzlich stand er vor mir.
Er sah zu mir, erst auf die Hände, wohl um zu prüfen, ob sie angeschnallt waren, anschließend auf meine Brüste und weiter hinab. Was später kam, lässt mich immer noch erstarren. Er spreizte mir die Beine und legte meine Fußgelenke in Ketten. Danach gab er mir zu trinken, fütterte mich, was er seinerseits mit einem Streicheln auf die Wange lobte. Dazu lächelte er immerzu.
Langsam, drängeln Sie nicht so!
Er setzte sich auf die Bettkante und umfasste meine Brüste, knetete sie, ließ los und begann von Neuem, während ich die Augen schloss und den Kopf beiseite drehte. Ich hörte ihn schnaufen. Es erregte ihn und es war grauenvoll."

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13. Oktober 2021

'Schicksalspfad des Tempelritters 3 - Flammende Himmel' von Olivièr Declear

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Buchreihe | Autorenseite
Im Spätherbst 1290 verzehren lodernde Flammen das Marktviertel von Accon. Unzufriedene Söldner verwüsten die Stadt. Brände bedrohen das Marktviertel. Erst das beherzte Eingreifen der Ritterorden beendet das Massaker unter der Bevölkerung.

Der Tempelritter Gernòd de Loen gerät mit seinen Freunden in Gefangenschaft. Auf einem Sklavenmarkt werden sie an den mächtigen Schriftgelehrten des Sultans, Abu I-Fada, verkauft und nur ihr unbeugsamer Wille, die Stadt Accon vor der erneut drohenden Gefahr zu warnen, lässt sie überleben. Als sie endlich die Mauern von Accon erreichen, bereiten sie sich mit den Bewohnern der Stadt auf den herannahenden Krieg vor.

Lesermeinung: "Ein sehr gelungenes Buch. Der Autor lässt einen an der Gefühlswelt der Menschen jener Zeit, ihrer Lebensweise, Gebräuche, Urteile und Vorurteile teilhaben."

Anleser:
Neugierig spähte Gernòd über die Dächer des Marktviertels der Stadt. Er betrachtete die Rauchsäulen, welche sich dunkel in den klaren Himmel erhoben. Die Glocken der Stadt sandten ihren mahnenden Klang bis zu ihm auf dem äußersten Winkel des Wehrwalls. Eine Gruppe Wachsoldaten eilte über das grobe Steinpflaster der Straße und warf ihm fragende Blicke zu. Gernòds Augen streiften sie, während sich sein linker Arm in Richtung Rauchsäulen erhob. »Im Marktviertel!«, rief er hinunter. Ohne ihn weiter zu beachten, hasteten sie durch die enge Gasse. Der Klang ihrer Schilde auf der schweren Rüstung, der bei jedem ihrer Schritte ertönte, verlor sich mit ihnen hinter der nächsten Wegbiegung. Sorgenvoll richteten sich seine Augen erneut auf die Rauchsäulen.
Das Marktviertel mit seinen zahlreichen Holzverschlägen bot einer Feuersbrunst ein fruchtbares Ziel. Erste Flammen stiegen bereits züngelnd an einem Dach empor, als dienten ihnen die Lehmziegel als Nahrung. Accon, die letzte befestigte Stadt des einstmals mächtigen Kreuzfahrerheeres, war in größter Gefahr. Gernòds Herz schlug heftig in seiner Brust. Nicht durch die Hand der verhassten Sarazenen, sondern durch die Unachtsamkeit eines Händlers, vermutete er, sei dieser Brand entstanden.
Erneut kam ein Trupp Männer in seine Sicht. Schon von weitem erkannte er die weißen und braunen Mäntel seiner Brüder mit dem blutroten Kreuz des Templerordens über den Herzen. Ihr Anführer, Bruder Durmonte, wies mit wenigen, herrischen Armbewegungen drei dienende Brüder auf den Wehrwall hinauf und Gernòd zu sich herab. »Aufruhr im Marktviertel!«, rief er ihm entgegen und eilte mit wehendem Mantel an der Spitze seiner Männer in Richtung des Marktes. Gernòd hastete über den schmalen Stieg des Walls hinunter und eilte seinen Brüdern nach. »Aufruhr«, dachte er. Vermutlich waren es wieder einmal Söldner, denen der hohe Preis der Händler nicht gefiel, oder die keinen weiteren Kredit erhielten.
Gernòd spürte das unebene Pflaster der Straße unter den dünnen Ledersohlen, während er seinem Trupp hinterherhetzte. Einige Türen der Häuser öffneten sich einen Spalt breit, um neugierigen Augenpaaren den Blick auf die lärmenden Brüder zu bieten. Kaum hatte Gernòd seine Kameraden eingeholt, bog der Trupp in einen der Hauptwege ein. Vor ihnen strömten Soldaten der anderen Wachen aus den Seitengassen. Hospitaliter, Deutschritter und Söldnertruppen stürmten auf die Straße. Die Glocken aller Kirchen und Wachen erhoben sich über dem Lärm, drangen von allen Seiten auf die Soldaten ein und mahnten sie zur Eile. Verständigende Blicke trafen sich auf ihrem Weg, ernste Gesichter nickten sich grüßend zu. In jedem Antlitz las man die Spannung auf die vor ihnen liegende Bedrohung.
Ohne den hastigen Schritt aufzugeben, löste Gernòd den Schildgurt und führte seine Faust durch die Armriemen. Mit der freien Hand tastete er sich am Waffengurt entlang, bis er den Kopf seiner Axt spürte. Er schob die Schlaufe über dem Axtkopf mit dem Daumen beiseite und zog die Waffe aus dem Gurt. Mit einer Aufwärtsbewegung ließ er den Griff in seine Hand gleiten. Er war für den Kampf bereit.
Vor ihnen erhob sich das Holztor des Marktviertels. Es stand weit geöffnet und die Wachen wiesen mit ausladenden Bewegungen den Weg. »Die Lombarden und Toskaner!«, scholl es ihnen entgegen. Brandgeruch lag in den engen Gassen und Rauchschwaden minderten die Sicht. Gellende Schreie und Kampfeslärm drang aus den Seitenwegen. Um sie herum lagen die Leichen einheimischer Händler auf dem Weg – zwischen ihnen ihre Frauen und Kinder. Gernòds Weg führte durch breite Blutlachen. Er war gezwungen über umherliegende Körper zu springen. Laut klagende Menschen hockten bei den reglosen Körpern und hoben ihre verzweifelten, tränenüberströmten Gesichter den herbeieilenden Truppen entgegen.

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'Balmsund - Fegefeuer' von Christian Wagnon

Kindle (unlimited)
Website Christian Wagnon
Ein junges Mädchen tot in einem Kanalschacht – ein Fischerdorf in Aufruhr – eine Provinzpolizistin, die an ihre Grenzen kommt – ein Kommissar, der mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird – und die grandiose Kulisse einer Klippenlandschaft, in der Meer und Naturgewalten das Leben der Menschen bestimmen ...

Distriktkommissar Adam Canetti ist gerade außerhalb, als ihn die Nachricht ereilt, dass in Balmsund die Leiche eines jungen Mädchens in einem stillgelegten Kanalschacht entdeckt wurde. Genau wie Lisbeth Wolf, die Polizistin von Balmsund, steht er vor einem Rätsel. Wer ist das Mädchen? Und wer hat es in diesen Küstenort gebracht?

Im Fischerdorf Balmsund, fest im Griff von Schnee, Eis und Kälte, einem Schneesturm und durch die Sperrung der Küstenstraße nur noch per Schiff und Hubschrauber zu erreichen, droht Panik auszubrechen. Und als sich herausstellt, wer das Mädchen ist und eine Verhaftung vorgenommen wird, steht der Ort vollends Kopf. Ein Abgrund tut sich auf, in den sich Lisbeth Wolf persönlich verstrickt, Adam Canetti mit jemanden aus seiner Vergangenheit konfrontiert wird, den er lieber vergessen hätte, und ein junger Mann fast an den Rand des Wahnsinns gerät ...

Anleser:
Adam Canetti sehnte sich nach einer heißen Dusche, einem heißen Tee und danach in seinen Schlafsack zu kriechen und alles auszublenden, was an diesem Tag passiert war. Dabei war es gar nicht so schlecht gelaufen. Wenn alles gut ging, konnte er übermorgen seinen Bericht schreiben und nach Balmsund zurückkehren. Aber es hatte bereits morgens damit angefangen, dass er verschlafen hatte, dann zu spät am Hafen gewesen war und das Boot der Küstenwache noch mal hatte anfordern müssen, um auf diesen Kutter zu kommen. Und dann war Wasser so unglücklich unter seine an sich wasserfeste Montur gekommen, als er in das halb unter Wasser liegende Unterdeck des havarierten Kutters gestiegen war, dass er befürchtete, sich eine Lungenentzündung zuzuziehen, während sein Körper mühsam versuchte, den Kälteschock auszugleichen. Der Nachmittag war mit endlosen Debatten in der Polizeistation angefüllt gewesen, alles Dinge, die mit dem Unglück, das zu untersuchen er gekommen war, gar nichts zu tun hatten, ihn aber so genervt hatten, dass er sich fragte, ob er urlaubsreif war. Nicht, dass das Letztere große Bedeutung gehabt hätte, nicht bei dieser momentanen Urlaubssperre.
Er ahnte nichts Gutes, als er auf dem Display die Nummer seines Chefs sah, und es war auch nichts Gutes.
»Lassen Sie alles stehen und liegen«, sagte der Polizeichef. »In Balmsund hat man eine Leiche gefunden. Ein junges Mädchen. Fahren Sie morgen früh –«
»Ich nehme das Postschiff«, sagte Adam. Es kam ihm ganz recht, Aloja verlassen zu können, den Rest dieser unerquicklichen Sache konnte auch die Polizeistation dort erledigen.
»Lisbeth dreht am Rad«, sagte der andere. Ach, was, dachte Adam. Ich möchte dich sehen, wenn du plötzlich ganz allein mit einer Leiche da stehst. Also, so gut wie allein, denn natürlich gab es da noch Gunni. Der mochte ganz clever sein, wenn es um Schafdiebe ging oder darum, Schlägereien zu schlichten, aber Mord, das war eine ganz andere Liga.
»Ich habe versucht, ein paar Leute von der Spurensicherung für euch zu bekommen«, sagte Henneberg. »Aber momentan –«
»Schon gut«, sagte Adam. Schließlich konnte Henneberg nichts für die Situation, dass ungefähr die Hälfte aller Polizisten in den Norden abgezogen worden war, weil die Politiker den Leuten versprochen hatten, diese drei Terroristen zu finden, die der Polizei in der Hauptstadt vor dem ersten Zugriff durch die Lappen gegangen waren und sich seitdem in den endlosen Wäldern im Norden versteckt hatten und die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzten. Und es war nicht so, als hätte man davor schon einfach aus dem Vollen schöpfen können, das hatten sich manche nur eingebildet. »Ich ruf sie gleich an.«
Es überschnitt sich, denn gerade als er Lisbeths Nummer aufrufen wollte, sah er, dass sie bereits aufleuchtete.
»Gott sei Dank«, sagte Lisbeth. »Ich dachte schon, du wärst draußen auf diesem abgesoffenen Kutter.«
»Was ist passiert? Henneberg hat mich gerade angerufen.«
»Wir haben eine Leiche gefunden«, sagte sie. »In dem Kanalschacht auf dem alten Kirchengelände. Heute Morgen kam ein Handwerker, um ihn zu inspizieren, und fand sie darin. Ein junges Mädchen.«

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