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17. August 2018

'Die Magie der Glanzlichter (Lichtertanz 1)' von Isabella Mey

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Wenn das Herz nicht will, wie es soll
und der Verstand von Gefühlen überrollt wird
dann wird es Zeit, in sich zu gehen, um das zu sehen, was wahr ist.


1912, Atlatica wird vom grausamen Lord Sorbat beherrscht. Abseits der großen Straßen, am Rande der Zone der Monster, kämpft sich Leanah als Tochter eines Schafbauern durch ihren harten Alltag. Sorbats Magier sind bei der einfachen Bevölkerung verhasst, nicht nur deshalb versucht Leanah, ihre magische Begabung, vor allen zu verbergen. Ihr Leben gerät jedoch vollkommen aus den Fugen, als sie auf die Burg des Lords gebracht wird, um dort zu dienen.

In Frankfurt am Main ahnt Silas, der Sohn eines Arztes, nichts von den Lords oder Atlatica. Erst nachdem seine Eltern entführt werden und er selbst ins Visier der Verfolger gerät, muss er sich nicht nur den Gefahren einer fremden Welt voller Magie stellen, sondern auch seinen Gefühlen für eine Frau, die nicht für ihn bestimmt ist. Wird das Schicksal die beiden letztendlich zusammenführen?

"Die Magie der Glanzlichter" ist der erste Teil der Lichtertanz-Trilogie. Die Geschichte spielt in der Welt des Flammentanzes, kann aber unabhängig davon gelesen werden.

Leseprobe:
Schweigen. Lediglich unsere Atemgeräusche durchdringen die Stille.
»Was muss ich tun?«, fragt er tonlos.
»Lass mich frei!«
»Wirst du mich lieben, wenn ich dich freilasse?«
»Nein, aber dann würdest du aus Liebe handeln und hättest meinen Respekt und meine Achtung. Liebe knüpft keine Bedingungen, sie ist oder sie ist nicht, ganz gleich, ob der andere sie erwidert.«
Abermals Schweigen.
»Ich kann nicht …«, sagt er.
Jetzt höre ich, wie er aufsteht. Zwei Schritte, dann folgt ein metallenes Geräusch, als ob ein Gitter geschlossen und ein Schlüssel umgedreht wird. Die Schritte verhallen, bis ich von absoluter Stille und Finsternis umgeben bin. Es ist kalt. Ich fröstele. Sowohl mein Geist als mein Körper fühlen sich taub an. Immerhin haben sich meine Fesseln mit der Zeit ein wenig gelockert. Vielleicht kann ich mich davon befreien ...

Im Kindle-Shop: Die Magie der Glanzlichter (Lichtertanz 1)

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16. August 2018

'Der Wert der Wahrheit' von D.W. Crusius

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Jean Delong arbeitet für die SRA in Amman. Sein Job - er beschafft Informationen aus dem Hexenkessel Nahost. Das Geschäftsmodell der SRA - Special Risk Analysis - ist simpel: Bei der aktuellen Inflationsrate ist Erpressung die einzige wertbeständige Valuta. Der Treibstoff des Geschäfts ist Korruption bis in höchste Regierungskreise.

Ihre wichtigste Quelle ist Sheikh Turki in Dschidda. Turki liefert wertvolle Informationen zu jedem Terroranschlag, jedem dreckigen Waffendeal. Ed Sullivan, CEO der SRA in New York, verkauft dann meistbietend an Regierungen und Rüstungsfirmen.

Jean Delong ist williger Akteur in diesem schmutzigen Spiel, bis er selbst nur knapp einem Anschlag entgeht, dem ein britischer Atomwissenschaftler zum Opfer fällt. Er taucht in Frankreich unter, aber seine Auftraggeber spüren ihn auf. Einen Deal soll er noch erledigen. Seine frustrierende Erkenntnis: Jobs dieser Art hängt man nicht einfach an den Nagel.

Leseprobe:
Damaskus
Der Zwischenfall in Damaskus war ein unglückliches Zusammentreffen zweier Ereignisse, die einfach nicht zusammenpassten.
»Ein Kurier ist ausgefallen, liegt im Krankenhaus«, hatte Akke Salander gesagt, »ich muss dich um diesen Gefallen bitten. Liegt nicht auf deiner Linie, ich weiß. Ist eine äußerst dringende Angelegenheit.«
Jean Delong sträubte sich nicht groß, im Gegenteil. Mal eine Abwechselung, dachte er. Hinter ihm auf der Ladefläche lagen fünf Holzkisten, jede zwei Meter lang, 40 mal 60 Zentimeter im Durchmesser. Sehr stabile Behälter. Die großflächigen schwarzen Logos auf den Kisten erweckten den Anschein einer humanitären Hilfslieferung. Auf den Seiten des Lieferwagens prangte der Schriftzug MEDICO, eine NGO in Stockholm. Damit sollte der Eindruck erweckt werden, der Fahrer wäre in einem humanitären Auftrag unterwegs.
Alles Bluff.
Die MEDICO in Stockholm hatte einen medizinischen Hintergrund, ähnlich wie Ärzte ohne Grenzen. Die SRA in Amman stand eher für das Gegenteil. Bei der MEDICO wusste man, dass die SRA ihren Namen als Deckmäntelchen benutzte und im Gegenzug revanchierte sich Ed Sullivan, der Boss der SRA in New York, mit großzügigen Spenden. Sollte jemand in Stockholm anrufen und fragen, ob der Fahrer des Wagens bei MEDICO auf der Gehaltsliste stand, dann wurde das bereitwillig bestätigt. Schon das Logo öffnete viele Türen, Grenzbäume schwenkten hoch, ohne genaue Pass- oder Fahrzeugkontrolle. Wie jetzt auch an der Grenze nach Syrien, als Jean dem Grenzbeamten seine Papiere zeigen wollte. Der winkte ab. Das Logo suggerierte, der Inhalt der Kisten habe etwas mit Medizin oder Pharmazie zu tun. Herzschrittmacher oder Abführpillen.
Jean wusste, was die Kisten enthielten. Wie Akke gesagt hatte, ein Sonderauftrag. Keine brisanten Informationen, Dokumente, Computerdateien auf CDs und USB-Sticks, wie sonst. Mal was anderes. Gut bezahlt wurde es auch. Außerdem – das kam als Anreiz noch oben drauf – war er schon lange nicht mehr in Damaskus, sicher fünf Jahre oder mehr. Eine wunderbare Stadt. Obwohl das, was einmal wunderbar an der Stadt war, was romantische Geister vielleicht noch immer an Tausendundeine Nacht erinnern mochte, im wahrsten Sinn des Wortes verraucht war. Inzwischen hörte man häufiger Explosionen, als Rufe des Muezzins von den Minaretts. Damals hatte nicht viel gefehlt, und er wäre geblieben. Die Frau, mit der er was hatte, wollte dann doch nicht dauerhaft mit ihm zusammenwohnen, ihm, einem Mann aus dem Abendland. Ihre Eltern waren erzkonservativ. Jetzt lebte er in Beirut, der Stadt, die man vor vielen Jahren Paris des Nahen Ostens genannt hatte. Auch nicht schlecht, obwohl vom Pariser Flair viel abgeblättert war.

Im Kindle-Shop: Der Wert der Wahrheit.
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'Dead Mountain' von Stefan Barth

Kindle (unlimited)
Du bist fünfzehn.
Doch statt Partys und erster Liebe kämpfst du ums Überleben.


Die Toten haben begonnen, die Lebenden zu fressen. Der einzige Mensch, den du noch hast, ist dein jüngerer Bruder.

Ihr habt den Winter in der Sicherheit der Alpen verbracht. Aber jetzt kommt der Frühling, und mit der Schneeschmelze erscheinen die Toten in den Bergen. Wie lange könnt ihr hier oben allein noch durchhalten?

Dann trefft ihr Ralf. Ein Mann. Einer, der wie ihr miterleben musste, wie die Welt in Blut und Eingeweiden versank. Endlich wieder ein Erwachsener in eurem Leben.

Jetzt wird alles besser.
Oder?


Leseprobe:
Sie hören ihn, bevor sie ihn sehen.
Oder riechen.
Henni bleibt stehen und blickt zu Fabio.
Die Hand des Jungen umklammert den mattschwarzen Sportbogen so fest, dass die Knöchel weiß hervortreten. Seine braunen Augen sind weit aufgerissen.
Sie lauschen.
Der Wind rauscht in den Bäumen, an deren Ästen die Blätter erst vor wenigen Tagen in voller Pracht zu sprießen begonnen haben.
Da ist es wieder.
Das Klingeln.
Ein Glöckchen.
Fabio runzelt die Stirn und Henni sieht, dass er etwas sagen will. Sie hebt eine Hand und schüttelt den Kopf.
Er schluckt die unausgesprochenen Worte wieder runter.
Das Klingeln wird lauter.
Für einen kurzen Moment schlägt ihr Herz nicht nur aus Angst, sondern auch aus Hoffnung schneller. Doch dann hört sie die schweren, schlurfenden Schritte, die das klingelnde Glöckchen begleiten.
Das Fünkchen Hoffnung verglüht.
Sie überlegt, ob sie nicht einfach abhauen sollen, aber sie verwirft den Gedanken gleich wieder. Wenn sich einer von denen hier oben rumtreibt, nützt es nichts, dem Problem aus dem Weg zu gehen.
Henni zeigt nach rechts.
Zwischen den Bäumen, etwa zwanzig Meter weiter, ist der Wanderpfad zu erkennen.
Fabio nickt. Er zieht einen der zwölf Fiberglas-Pfeile aus dem Köcher auf seinem Rücken und legt ihn auf den Bogen. Er hat täglich mit dem Ding geübt, seit sie den Bogen, mitsamt Pfeilen, Köcher und einer Strohzielscheibe, vor einem halben Jahr in der Graudingerhütte gefunden haben.
Sieht aus, als wird sich gleich zeigen, ob sich das Üben gelohnt hat.
Henni umklammert den Griff der langstieligen Axt fester und blickt noch einmal zu Fabio.
Er nickt.
Henni setzt sich in Bewegung. Pirscht sich Schritt für Schritt durchs Unterholz, darauf bedacht, so wenig Geräusche wie möglich zu machen. Aus den Augenwinkeln registriert sie Fabio, der sich, ein Stück versetzt, neben ihr bewegt.
Ein Ast bricht unter den Sohlen ihrer ausgelatschten Converse und das Geräusch kommt ihr vor wie eine Explosion. Sie bleibt abrupt stehen. Dreht den Kopf, sieht zu Fabio.
Er beißt sich auf die Lippen.
Weiter.
Das, was Henni durch die Bäume hindurch vom Wanderpfad erkennen kann, ist leer. Bis auf die Gräser und blühenden Wildblumen, die sich ihren Weg durch das Erdreich bahnen. So muss es jetzt überall sein. Die Natur holt sich zurück, was der Mensch ihr genommen hat. Noch ein oder zwei Jahre, dann wird der Pfad nicht mehr zu erkennen sein.
Das Klingeln des Glöckchens wird lauter.
Die schlurfenden Schritte auch.
Die Kinder bleiben wieder abrupt stehen.
Denn jetzt sehen sie den Wanderer.
Er kommt um eine Biegung, seine Schritte abgehackt und ungelenk, die Arme baumeln leblos hin und her. Er schlurft und wankt wie ein Betrunkener, aber das vollkommen geräuschlos, kein Atmen oder Schnaufen ist zu hören. Die Lederschuhe sind ausgelatscht und schmutzig, genau wie die fast schwarzen Socken und die verwesende, faulige Haut der Waden und Oberschenkel.
Das wettergegerbte Leder der Trachtenhose, an deren Brusttasche das kleine Glöckchen hängt, ist von hellen Rissen durchzogen. Das Hemd darunter war wohl mal weiß, jetzt ist es schmutzig grau. Vorne und oben am Kragen ist der Stoff noch dunkler: getrocknetes, schwarz verkrustetes Blut, das aus einem grässlichen Loch im Hals gelaufen ist.
Aber Blut kommt schon lange nicht mehr aus der Wunde, stattdessen scheint das faulige Fleisch des Loches in seiner Kehle in ständiger Bewegung. Doch das sind nur Fliegen und Maden, die sich darin tummeln. Leblose weiße Augen starren aus einem eingefallenen Gesicht, dessen Mund halb offen steht, drinnen die verrotteten Reste eines Gebisses.
Henni und Fabio starren den Wanderer an. Er ist nicht der erste seiner Art, den sie sehen, aber der letzte ist lange her und der Anblick fast genauso schockierend wie beim allerersten Mal.
Henni spürt ein kaltes Kribbeln, das in ihrem Nacken startet und sich dann über ihren ganzen Körper ausbreitet. Sie tauscht einen Blick mit Fabio und in diesem Moment verstummt das Glöckchen.

Im Kindle-Shop: Dead Mountain.
Mehr über und von Stefan Barth auf seiner Website.



15. August 2018

'Schicksalspfad des Tempelritters: Flammende Himmel' von Olivièr Declear

Kindle Edition | Tolino
Flammende Himmel, der dritte Band der Reihe »Schicksalspfad des Tempelritters« von Olivièr Declear.

Im Spätherbst 1290 verzehren lodernde Flammen das Marktviertel von Accon. Söldner verwüsten die Stadt. Erst das beherzte Eingreifen der Ritterorden beendet das Massaker unter der Bevölkerung.

Der Tempelritter Gernòd de Loen gerät mit seinen Freunden in Gefangenschaft. Auf einem Sklavenmarkt werden sie an den mächtigen Schriftgelehrten des Sultans, Abu I-Fada, verkauft und nur ihr unbeugsamer Wille, die Stadt Accon vor der erneut drohenden Gefahr zu warnen, lässt sie überleben. Als sie endlich die Mauern von Accon erreichen, bereiten sie sich mit den Bewohnern der Stadt auf den herannahenden Krieg vor.

Leseprobe:
Aufruhr
Neugierig spähte Gernòd über die Dächer des Marktviertels der Stadt. Er betrachtete die Rauchsäulen, welche sich dunkel in den klaren Himmel erhoben. Die Glocken der Stadt sandten ihren mahnenden Klang bis zu ihm auf dem äußersten Winkel des Wehrwalls. Eine Gruppe Wachsoldaten eilte über das grobe Steinpflaster der Straße und warf ihm fragende Blicke zu. Gernòds Augen streiften sie, während sich sein linker Arm in Richtung Rauchsäulen erhob. »Im Marktviertel!«, rief er hinunter. Ohne ihn weiter zu beachten, hasteten sie durch die enge Gasse. Der Klang ihrer Schilde auf der schweren Rüstung, der bei jedem ihrer Schritte ertönte, verlor sich mit ihnen hinter der nächsten Wegbiegung. Sorgenvoll richteten sich seine Augen erneut auf die Rauchsäulen.
Das Marktviertel mit seinen zahlreichen Holzverschlägen bot einer Feuersbrunst ein fruchtbares Ziel. Erste Flammen stiegen bereits züngelnd an einem Dach empor, als dienten ihnen die Lehmziegel als Nahrung. Accon, die letzte befestigte Stadt des einstmals mächtigen Kreuzfahrerheeres, war in größter Gefahr. Gernòds Herz schlug heftig in seiner Brust. Nicht durch die Hand der verhassten Sarazenen, sondern durch die Unachtsamkeit eines Händlers, vermutete er, sei dieser Brand entstanden.
Erneut kam ein Trupp Männer in seine Sicht. Schon von weitem erkannte er die weißen und braunen Mäntel seiner Brüder mit dem blutroten Kreuz des Templerordens über den Herzen. Ihr Anführer, Bruder Durmonte, wies mit wenigen, herrischen Armbewegungen drei dienende Brüder auf den Wehrwall hinauf und Gernòd zu sich herab. »Aufruhr im Marktviertel!«, rief er ihm entgegen und eilte mit wehendem Mantel an der Spitze seiner Männer in Richtung des Marktes. Gernòd hastete über den schmalen Stieg des Walls hinunter und eilte seinen Brüdern nach. »Aufruhr«, dachte er. Vermutlich waren es wieder einmal Söldner, denen der hohe Preis der Händler nicht gefiel, oder die keinen weiteren Kredit erhielten.
Gernòd spürte das unebene Pflaster der Straße unter den dünnen Ledersohlen, während er seinem Trupp hinterherhetzte. Einige Türen der Häuser öffneten sich einen Spalt breit, um neugierigen Augenpaaren den Blick auf die lärmenden Brüder zu bieten. Kaum hatte Gernòd seine Kameraden eingeholt, bog der Trupp in einen der Hauptwege ein. Vor ihnen strömten Soldaten der anderen Wachen aus den Seitengassen. Hospitaliter, Deutschritter und Söldnertruppen stürmten auf die Straße. Die Glocken aller Kirchen und Wachen erhoben sich über dem Lärm, drangen von allen Seiten auf die Soldaten ein und mahnten sie zur Eile. Verständigende Blicke trafen sich auf ihrem Weg, ernste Gesichter nickten sich grüßend zu. In jedem Antlitz las man die Spannung auf die vor ihnen liegende Bedrohung.
Ohne den hastigen Schritt aufzugeben, löste Gernòd den Schildgurt und führte seine Faust durch die Armriemen. Mit der freien Hand tastete er sich am Waffengurt entlang, bis er den Kopf seiner Axt spürte. Er schob die Schlaufe über dem Axtkopf mit dem Daumen beiseite und zog die Waffe aus dem Gurt. Mit einer Aufwärtsbewegung ließ er den Griff in seine Hand gleiten. Er war für den Kampf bereit.
Vor ihnen erhob sich das Holztor des Marktviertels. Es stand weit geöffnet und die Wachen wiesen mit ausladenden Bewegungen den Weg. »Die Lombarden und Toskaner!«, scholl es ihnen entgegen. Brandgeruch lag in den engen Gassen und Rauchschwaden minderten die Sicht. Gellende Schreie und Kampfeslärm drang aus den Seitenwegen. Um sie herum lagen die Leichen einheimischer Händler auf dem Weg – zwischen ihnen ihre Frauen und Kinder. Gernòds Weg führte durch breite Blutlachen. Er war gezwungen über umherliegende Körper zu springen. Laut klagende Menschen hockten bei den reglosen Körpern und hoben ihre verzweifelten, tränenüberströmten Gesichter den herbeieilenden Truppen entgegen.
Eine Hand ergriff Gernòds Rock und hinderte seinen Lauf. Er blickte in das Gesicht einer Sarazennin, die ihn in gebrochenem Fränkisch anflehte, ihr Kind zu retten, das mit zertrümmertem Schädel in ihrem Arm lag. Er löste ihren Griff und eilte den Kameraden hinterher. Hier konnte er nichts mehr bewirken, aber vielleicht gab es noch Überlebende in den verwinkelten Gassen, die ihrer Hilfe harrten.
Lauter Kampfeslärm drang aus einer der Seitengassen. Bruder Durmonte zeigte seinen Leuten den Weg. Schweren Atems folgten sie der Weisung. Mit erhobenen Schilden und Waffen stürmten sie auf eine Gruppe genuesischer Söldner zu, welche raubschatzend durch die Gasse zog. Gernòd drängte einen der Angreifer mit seinem Schild von einer Frau, der dieser gerade das Gewand herabreißen wollte. »Was macht ihr hier?«, schleuderte er dem Genuesen mit blitzenden Augen seine Frage entgegen. »Scher dich um deinen Kram, Templer. Das Volk hat uns lange genug betrogen. Nun zahlen sie ihre Zeche«, erwiderte der Genuese mit wildem Zorn in den mordlustigen Augen. Sein Schwert erhob sich zum Schlag. Gernòd ließ seine Axt in die Höhe fahren, während er die Schneide nach hinten führte. Mit all dem Grauen der gesehenen Bilder traf sein Hieb den Schädel des Söldners. Der stämmige Mann starrte ihm ungläubig in die Augen, während er in sich zusammensank.
Die Frau zerrte an Gernòds Waffenrock und redete wild gestikulierend auf ihn ein. Er solle ihr in das Haus folgen. Dort bedürfe ihr Mann seiner Hilfe. Er sandte den Kameraden einen unsicheren Blick zu, ob sie eher der Hilfe bedurften, bevor er ihr zögernd in das Gebäude folgte.
Seine Augen brauchten einen Moment, um sich an die Dämmerung zu gewöhnen. Er sah sich in dem verwüsteten Raum um. An einer der Wände erblickte er einen Mann. Er stand dort mit eingeknickten Beinen, das Gewand blutüberströmt, und ausdruckslos starrenden Augen, die zu Boden gerichtet waren. Gernòd schritt etwas näher an ihn heran, bevor der Templer erkannte, was geschehen war. Aus dem Hals des Händlers ragte der prächtig verzierte Griff eines Dolches -das Messer eines Sarazenen. Seine suchenden Augen glitten an dem Mann hinunter und blieben an der leeren Messerscheide haften. Gernòd trat an den Mann heran und zog den Dolch mit einem kräftigen Ruck aus Mauerwerk und Hals des Unglücklichen. Sanft ließ er den toten Körper zu Boden gleiten, eine breite Blutspur auf der Wand hinterlassend. Unsicher wandte er sich der Frau zu. Ein herzzerreißender Schrei der Verzweiflung entrang sich ihrer Kehle, als sie die Wahrheit in den Augen des Tempelritters las. Weinend warf sie sich vor ihm zu Boden und erfasste erneut den Saum seines Waffenrocks. Mit tränenüberflutetem Antlitz flehte sie ihn an, ihrem Mann zu helfen, als hoffte sie, es wäre ihm möglich, ein Wunder zu bewirken. Mit traurigem Gesicht schüttelte Gernòd sein Haupt und löste ihren Griff. Seine Beine schienen schwer wie Blei, als sie ihren Weg zur Tür suchten. Längst hatte er sich an das Grauen der Schlacht gewöhnt. Aber dort traten sich Bewaffnete entgegen. Dieses Blutbad an Wehrlosen erfasste sein Herz mit glühender Hand und ließ das Feuer des Zorns in der Brust des Ritters toben. Der Genueser vor der Tür hatte sich halb aufgerichtet und hielt seinen blutenden Kopf mit beiden Händen. Im Vorübergehen drosch ihm Gernòd den Rücken der Axt ins Gesicht. Der Söldner schleuderte von der Wucht des Schlages getrieben nach hinten und stürzte mit erhobenen Armen zu Boden. Wenn er denn noch lebte, sollte ihm diese Lektion genügen, um ihm die Lust auf sinnloses Morden auszutreiben, dachte Gernòd grimmig. Die Grausamkeit dieser Söldner ließ jede Barmherzigkeit in seinem Herzen schwinden.
Vor ihm auf dem Pflaster der Gasse erblickte er Francois, ein Ritter des kaiserlichen Heeres. Die beiden verband schon viele Jahre eine herzliche Männerfreundschaft. Francois trug keine Rüstung. Offensichtlich hielt er sich bereits vor dem Tumult in dem Viertel auf. Mehrere Söldner bedrängten ihn. Im Laufschritt eilte ihm Gernòd zu Hilfe. Mit einem Schrei drängte er sich mit erhobenem Schild zwischen die Männer. Ohne zu zögern, schlug er mit der Rückseite seiner Axt auf die Köpfe, Arme und Schultern der Angreifer ein. Blutüberströmt sanken mehrere von ihnen zu Boden. Die letzten beiden Verbliebenden suchten ihr Heil in der Flucht. »Gut, dass Ihr da seid«, stieß Francois mit fliehendem Atem hervor. Obwohl er kein ängstlicher Mann war, sah man ihm den Schrecken an. Zerfetzt hing seine Kleidung an ihm herab und an dem rechten Oberarm klaffte eine tiefe Wunde. »Was ist hier eigentlich los?«, wollte Gernòd wissen. »Weiß auch nicht genau. Ich habe heute Morgen Yasemin und ihren Vater besucht. Da torkelten schon einige betrunkene Lombarden und Toskaner durch das Viertel. Sie pöbelten die Händler und Frauen an. Als einer der Kaufleute seine Tochter schützen wollte, begann der Tumult.«
Eine bildhübsche Frau, mit edlen Gesichtszügen und sinnlichen Lippen, erschien an der Seite eines alten Mannes im Türrahmen. Sie sandte dem Alten einen flehenden, glutäugigen Blick.
Als dieser schmunzelnd nickte, eilte sie zu Francois und untersuchte dessen Wunde sorgenvoll. Gernòd zog sein Schwert aus der Scheide und reichte es dem Freund. Francois wollte abwehren: »Wenn das der Orden erfährt, darfst du einen Monat Buße tun.« Gernòd betrachtete Yasemin: »Möchtest du mir lieber mit ihr an der Seite in den Kampf folgen oder sie zurücklassen?« Francois Faust schloss sich um den Griff des Schwertes. »Danke, mein Freund.« Die beiden Männer nickten sich zu und Gernòd setzte seinen Weg fort.

Im Kindle-Shop: Flammende Himmel: Schicksalspfad des Tempelritters.
Für Tolino: Buch bei Thalia
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'Amarylion: Zauber der Liebe' von Andrea Selina Hilken

Kindle | Twentysix | Taschenbuch
Im Amarylion, einem spirituellen Heilungszentrum ticken die Uhren anders. Emily Edwards und Stephanie Cunningham, zwei ungewöhnliche Frauen, gehen ihren ureigenen Weg von Leben, Lieben und Leidenschaft.

Emily Edwards, eine junge Frau aus Prairie Village, führt gemeinsam mit ihrer besten Freundin Stephanie Cunningham das Heilungszentrum Amarylion in der Vorstadt von Kansas City. Ihr Herz schlägt für alternative Heilweisen, Kartenlegen, Jenseitskontakte und die bedingungslose Freude daran, anderen Menschen helfen zu dürfen. Mit der Liebe in ihrem Leben hat Emily bisher kein Glück gehabt. Sie glaubt nicht mehr daran, den einzigen und wahren Mr. Right zu treffen. Unerwartet tritt der junge Herzchirurg Jayden Coleman in Emilys Leben und bring ihr den Glauben an die große Liebe zurück.

Die Amarylion Saga ist ein großes Lexikon der Spiritualität. Eingebunden in eine wundervolle Geschichte, erfährt man hier, was ein Geistführer ist, wie Jenseitskontakte funktionieren, was eine Seele ist, wie man Wünsche real werden lässt und noch einiges mehr an spirituellen Themen. Durch die Vorträge, die Emily in dem Buch hält, werden dem Leser Techniken an die Hand gegeben, um Ängste zu besiegen, das Selbstbewusstsein zu stärken und noch einiges mehr an Selbsthilfe-Tipps. Der Zauber dieses Buches offenbart sich jedem Leser, der mit offenen Herzen seine Botschaft empfängt.

Leseprobe:
Das Kerzenlicht flackert und taucht die Küche in ein warmes angenehmes Licht, es wirkt urgemütlich hier mit Steph zu sitzen und meine Neugierde wächst. Was mich wohl gleich erwartet, frage ich mich immer wieder. Doch Steph denkt gar nicht daran, sofort loszulegen, sondern nimmt sich erst einmal ein Brot und streicht voller Hingabe den Dip darauf, um dann genüsslich und mit einem herzhaften Seufzer hineinzubeißen.
»Ein Traum … ! Lecker! Ich könnte diesen Dip jeden Tag essen und bräuchte nichts anderes mehr dazu.«, als sie das sagt, beißt sie noch einmal demonstrativ in ihr Brot.
Gedankenverloren nehme ich eine Scheibe Baguette und streiche mir den Dip darauf.
Steph sieht mir dabei zu und lacht plötzlich herzhaft los.
»Was habe ich denn nun gemacht?«, frage ich sie: »Warum lachst du?«
Sie schaut mich an: »Ach nur so.«
»Wie … ? Ach nur so?«, ich sehe sie an und beiße dabei von meinem Brot ab.
»Wie hingebungsvoll du dein Brot gerade bestrichen hast, hat meine Fantasie etwas beflügelt. Das Brot stellt dich als weiblichen Teil dar und sobald du es mit dem Dip bestrichen hast, was den männlichen Teil darstellt, ergibt es eine Einheit. Ein wahrer Genuss für die Sinne, oder? Die Mischung von beiden führt zur Explosion der Geschmacksnerven«, sagt sie lachend und wischt sich ihre Tränen aus den Augenwinkeln, die ihr vor Lachen schon die Wangen herunterlaufen.
»Ich verstehe dich nicht! Was meinst du? Das ist doch schon wieder eines deiner Rätsel für mich, oder?«, dabei sehe ich sie vorwurfsvoll an.
Lachend wischt sie sich mit der Serviette die Tränen aus dem Gesicht: »Das Brot steht als Symbol für dich! Ohne Belag völlig neutral, oder? Der Dip steht für einen Mann, er bringt das Feuer in dir zum Glühen. Die Vereinigung Brot und Dip, du und Mr. Right, sorgen dann für eine Explosion deiner Sinne. Jetzt müssen wir nur noch einen Mann kreieren, der wie der Dip, die Würze in dein Leben bringt und dich gleichzeitig zum Glühen.«, während sie das sagt, sehe ich sie völlig entgeistert an.
»Du kannst doch nicht einen Mann mit einem Dip vergleichen!«, sage ich kopfschüttelnd und sehe mein Brot mit dem Dip darauf an, als könnte es mir eine Antwort geben.
Steph kann sich vor Lachen kaum auf dem Stuhl halten, die Tränen laufen ihr über das Gesicht als sie mich ansieht: »Warum nicht? Es geht hier um die Würze, die deinem Leben fehlt und nun werden wir gemeinsam die Zutaten dafür zusammenstellen.
Die Hexenküche ist eröffnet!«, während sie das sagt, sehe ich sie noch immer völlig entgeistert an.
»Ok! Wenn du es meinst, dann leg mal los und erzähle mir etwas über die Zutaten, die ich dafür brauche.« Ich sehe sie lachend an und beiße demonstrativ in mein Brot mit dem Dip darauf: »Aber vergiss nicht, dass ich seit ein paar Jahren keine Würze mehr gewohnt bin, also schön sinnig dosieren in deiner Hexenküche«, sage ich und zwinkere ihr zu.
Steph nimmt sich eine Peperoni, betrachtet sie ganz genau, ich schaue ihr dabei zu und frage mich, was jetzt wohl gleich über ihre Lippen kommt.
»Diese Peperoni zum Beispiel«, sagt sie und dreht die Peperoni dabei zwischen ihren Fingern: »Man sieht es ihr nicht an, dass sie innen feurig ist. Von außen wirkt sie völlig harmlos, aber von innen glüht sie!«
Ich verstehe immer weniger von dem, was Steph mir damit sagen will. »Nun mach das doch nicht so spannend!«, sage ich zu ihr und greife zu meinem Glas Wasser, während ich sie dabei nicht aus den Augen lasse.
»Du sollst verstehen worauf du achten sollst, also hör zu, was ich dir sage und unterbrich mich nicht immer!«, dabei zwinkert sie mir zu.
Ich verspreche ihr jetzt still zu sein.
»Wenn du einen Mann triffst, sinnbildlich die Peperoni, dann weißt du noch nicht, was in ihm drinnen schlummert. Es kann sogar sein, dass du diesen Menschen langweilig findest oder ihn gar nicht erst beachtest und somit an deinem Glück sogar vorbeiläufst. Wir Menschen haben verlernt, auf die inneren Werte eines Menschen unseren Blick auszurichten. Wir achten nur auf das, was wir mit den Augen wahrnehmen. Dabei müssen wir lernen mit unserem Herzen zu sehen, zu fühlen, ob dieser Mensch etwas in uns berührt. Denn, dass er plötzlich da ist, in unser Leben getreten ist, dafür haben wir selbst gesorgt. Wir haben uns diesen Menschen mit unseren Gedanken in unser Leben geholt. Jeden Tag erschaffen wir uns unsere Realität, nichts von allem was geschieht, ist Zufall. Alles kommt zur richtigen Zeit in unser Leben, auch der optimale Partner. Dass du erst auf Maik gestoßen bist, ist kein Zufall, er hat dir gezeigt, dass du an dir arbeiten musst, dass du noch unsicher bist, dass du noch gar keine genaue Vorstellung davon hast, was für einen Partner du möchtest. Durch ihn solltest du lernen nicht immer »Ja« zu sagen, sondern auch mal ein klares »Nein« auszusprechen, was du aber erst bei der Trennung getan hast. Du hast bis jetzt noch nicht mit diesen Energien abgeschlossen. Folglich wirst du wieder einen Partner in dein Leben ziehen, der dir gnadenlos aufzeigen wird, woran du noch an dir arbeiten solltest. Was dir hilft, ist eine klare Vorstellung von deinem Traummann, so als wäre er schon Realität. So holst du ihn dir in DEINE Realität.«, zufrieden schaut sie mich an.
»Was muss ich tun, um diesen Kreis zu durchbrechen? Noch so einen Mann, wie Maik, will ich nicht ein zweites Mal ertragen müssen!«, ich sehe Steph dabei hilflos an.
»Dann werden wir jetzt erst einmal daran arbeiten, Mr. Right zu basteln, um ihn dann später real werden zu lassen, einverstanden?«, sie sieht mich liebevoll an, während sie das sagt und spielt mit den Krümeln auf ihrem Teller herum.

Im Kindle-Shop: Amarylion: Zauber der Liebe (Amarylion Saga).
Mehr über und von Andrea Selina Hilken auf ihrer Website.



14. August 2018

'Die Hände meiner Eltern' von Winibald Willmeer

Kindle (unlimited)
Eine deutsche Kleinstadt 1969:
Der 16-jährige Schüler Lukas Reinhardt wird im Namen des Herrn hinter einer heilen Fassade brutal misshandelt. Seine vom Krieg und von Flucht traumatisierten Eltern erziehen ihn gemäß den radikalen Vorgaben ihrer Gemeinde Gottes. Diese fordert vollständige Unterordnung unter ihre Glaubensgrundsätze bis hin zur Selbstaufgabe. Lukas wird von Angst und Schuldgefühlen begleitet, wenn er das tägliche Bibelstudium auslässt oder ihm angeblich lasterhafte Gedanken in den Sinn kommen. Die Konsequenzen sind Misshandlungen durch seine Eltern in Form von Schlägen und sexuellen Übergriffen.

Eines Tages lernt Lukas Marie kennen, die an Mukoviszidose leidet. Er verliebt sich in sie, obwohl er weiß, dass sie bald sterben muss. Zum ersten Mal spürt er wahre Lebensfreude. Es kommt zu ernsthaften Konflikten mit seinen religiösen Eltern. Sie verbieten ihm jeden Kontakt mit dem Mädchen. Immer stärker beginnt er gegen sie und die Gemeinde zu rebellieren. Schließlich geben die Eltern ihren verlorenen Sohn auf und stürzen ihn in ein emotionales Chaos. Auf der einen Seite möchte er seinen Eltern nicht verlieren, auf der anderen Seite kann und will er Marie nicht aufgeben. Mit fatalen Folgen.

Leseprobe:
Mein sechzehnter Geburtstag
»Papa, die Anstecknadel an deinem Anzug, hast du die zum achtzehnten Geburtstag geschenkt bekommen?«
»Wieso?«
»Weil da eine 18 draufsteht.«
Er zuckte zusammen und wäre fast vom Stuhl gefallen. Er nahm sie vom Revers und ließ sie auf der Stelle in einer Schublade verschwinden.
»Wofür steht die 18 denn?«
»Das ist ein Andenken an früher.«
»Und warum hast du sie jetzt abgenommen?«
Papa blickte mich verstört an und wurde kreidebleich, ohne auf meine Frage einzugehen.
Es war der 14. März 1969 in einer Kleinstadt im Rheinland. Im engsten Familienkreis feierten wir meinen sechzehnten Geburtstag. Papa und Mama, meine Großeltern und jüngeren Schwestern, Ruth und Daniela, saßen gemütlich am Wohnzimmertisch. In der Mitte stand der mit einer 16 und meinem Namen verzierte Käsekuchen, den Mama gebacken hatte.
Zur Feier des Tages hatten wir uns alle zurechtgemacht. Mama hatte ihre langen schwarzen Haare hochgesteckt. Meine Schwestern trugen ihre blonden Pferdeschwänze. Ihre Kleidung war schlicht; lange Röcke und hochgeschlossene Blusen. Oma hatte ein elegantes, dunkelblaues Samtkleid angezogen. Wir Männer steckten in dunklen Anzügen. Meine Hosen waren etwas zu lang, aber das störte meine Eltern nicht. Mama sagte immer: »Da wächst du noch rein.«
»Reich mir mal bitte die Nüsse rüber«, bat mich Ruth, meine ein Jahr jüngere Lieblingsschwester. Mit ihr kam ich besser zurecht als mit der dreizehnjährigen Daniela. Die war mehr die Petzliese und konnte nichts für sich behalten. Alle drei gingen wir auf dieselbe Realschule.
Ich reichte Ruth die Schale und schaute Papa an.
»Erzähl doch noch einmal eine Geschichte aus eurer Heimat.«
Ich kannte zwar schon viele Episoden aus der Zeit in Westpreußen, konnte sie aber nicht oft genug hören. So spannend waren sie.
»Warte, bis wir gebetet haben«, sagte er und faltete die Hände:
»Komm Herr Jesus, sei unser Gast und segne, was du uns bescheret hast. Amen.«
Während Mama jedem ein Stückchen Kuchen auf den Teller legte, lehnte sich Papa zurück. Seine Augen leuchteten.
»Ja Junge, das waren schöne Zeiten. Das kannst du dir gar nicht vorstellen. Wir hatten ein wunderschönes Anwesen mit riesigen Ländereien, vier Knechte, drei Mägde und viele Tiere.«
Meine Großeltern schienen den Tränen nahe.
»Jungchen, das war eine andere Welt,« ergänzte Oma. »Als angesehene Leute verkehrten wir in den besten Kreisen. Wir Deutsche waren zwar nur eine Minderheit in Westpreußen, aber unser Verhältnis zu den Polen war problemlos. Wenn bloß dieser verfluchte Krieg und die Nazis nicht gekommen wären.«
Papa, Mama und meine Großeltern warfen sich fragende Blicke zu.
»Wenn der Hitler den Krieg gewonnen hätte, sähe es in Deutschland jetzt anders aus«, sagte Papa.
»Aber ihr habt doch alles durch ihn verloren, oder?«, fragte ich nach.
Ich merkte, wie Papa unruhig wurde.
»Er hatte auch gute Seiten. Er hat die Autobahn gebaut und vielen einen Arbeitsplatz gegeben. Was glaubst du, wie es vor Hitlers Machtergreifung in Deutschland aussah? Millionen waren arbeitslos. Er hätte den Krieg nur vorher beenden sollen.«
»Lass gut sein, Waldemar«, versuchte Mama ihn zu beruhigen.
Ich schaute Papa an.
»Warst du auch ein Nazi?«
Er zögerte. Meine Großeltern tauschten seltsame Blicke aus.
»Nicht so richtig. Ich war nur in der Hitlerjugend.«
»Aber im Krieg bist du doch gewesen und sogar verwundet worden. Du hast mir deine Narben im Oberschenkel gezeigt.«
Ich streckte meine Hand aus und berührte mit den Fingerkuppen seinen Nasenrücken. »Und hier hast du eine Narbe von einem Streifschuss.«
Mit einer schroffen Handbewegung stieß er mich zurück.
»Gegen Ende des Krieges musste ich noch ein paar Monate an die Front«, sagte er gereizt.
»Ja, ja, dein Vater war ein guter, tapferer Soldat. Er hat bis zum Schluss gekämpft«, bemerkte Oma mit einem ironischen Unterton.
»Hast du denn auch auf Menschen geschossen?« Eine Frage, die mich immer wieder mal beschäftigte und die ich mich bisher, nicht zu fragen getraut hatte.
Schweigend starrte er ins Leere.
»Lass uns mal das Thema wechseln«, sagte Mama.
»Das ist ja wieder einmal typisch, Esther. Du möchtest am liebsten die Vergangenheit aus deinem Gedächtnis streichen«, bemerkte Oma.
Mir war schon häufiger aufgefallen, dass die beiden nicht das beste Verhältnis zu haben schienen. Oma machte immer wieder vage Andeutungen, aber konkret wurde sie nie.
»Schade, dass Hitler den Krieg nicht gewonnen hat. Dann wäre ich jetzt Gutsherr auf unserem Hof«, lamentierte Papa.
»Und ich Gutsherrin«, unterbrach Mama.
»Erzähl weiter, Papa«.
»Doch plötzlich kam alles anders. Als im Herbst 1944 die Rote Armee einen großen Teil Ostpreußens eingenommen hatte, blieb uns nur noch die Flucht. Ich weiß es noch ganz genau. An einem Dienstag im Januar 1945 erhielten wir den Räumungsbefehl. Kannst du dich daran noch erinnern«, fragte Papa wehmütig und schaute Opa an.
Der nickte und ergänzte: »Ja, Marek legte zwei Kastenwagen mit Stroh aus und montierte über jeden eine Plane. Die Hausmädchen packten die nötigsten Dinge ein, warme Kleidung und Verpflegung.«
»Und dann ging es los?«, fragte ich neugierig.
»Ja«, antwortete Papa. »In den frühen Morgenstunden des nächsten Tages. Es war höchste Zeit. In der Ferne hörten wir bereits den Kanonendonner der Russen. Marek holte vier Trakehner aus dem Stall und spannte jeweils zwei vor die Wagen. Die Temperatur lag bei minus fünfundzwanzig Grad und unser Atem gefror an den Nasenlöchern.«
Meine Großeltern nickten zustimmend.
»Ich lenkte den ersten, Marek den zweiten Planwagen mit zwei Mägden«, ergänzte Opa. »Die anderen Bediensteten wollten den Hof nicht verlassen und blieben zurück.«. Seine Augen glänzten vor zurückgehaltenen Tränen.
»Ob die wohl überlebt haben?«, fragte meine Oma nachdenklich.
»Und wie ging es dann weiter?«, wollte ich von Papa wissen.
»Schon am ersten Tage warfen russische Schlachtflieger Bomben mitten in die Ansammlung der Fuhrwerke, bevor wir die Weichsel überqueren konnten. Als sie alle Bomben abgeworfen hatten, stürzten sie sich mit Bordkanonen und MG-Feuer auf uns wehrlose Flüchtlinge, Welle um Welle.»
Er machte eine Pause.
»Erzähl schon weiter«, Papa.
»Nachdem die Attacke zu Ende war, hörten wir die getroffenen Pferde wiehern und die verwundeten Menschen schreien. Es gab unzählige Tote. Es war ein Bild des Grauens,« Papa schaute auf den Boden.
»Und wo habt ihr geschlafen?«, wollte ich wissen.
»Manchmal in Scheunen, leer stehenden Häusern oder Schulen und häufig unter freiem Himmel. Wir kamen nur langsam vorwärts. Eisige Ostwinde und furchtbare Schneestürme machten das Vorwärtskommen zur Qual. Zeitweise konnten wir kaum noch die Wagen vor und hinter uns sehen.«
Papa holte tief Luft. »Und an einem Tag war der zweite Wagen mit Marek und dem größten Teil unseres Proviants verschwunden«, sagte er leise.
Ich bemerkte, wie seine Unterlippe zitterte.
»Und wir wissen bis heute nicht, was passiert ist«.
Einen Moment lang herrschte betretenes Schweigen, eine fast unheimliche Stille. Papa, Mama und meine Großeltern wischten sich die Tränen fort.
»Und ihr hattet nichts mehr zu essen?«, fragte ich.
»Nur noch trockenes, gefrorenes Brot«, sagte Papa. »Einmal bekamen wir auf einem Bauernhof eine warme Steckrübensuppe.«
Er steckte den Kopf in die Hände und fuhr mit zittriger Stimme fort.
»Immer wieder diese fürchterlichen Bilder am Straßenrand: Tote Soldaten, Zivilisten, Pferde und in Schneewehen stecken gebliebene Wagen. Und dann die Scheune …«
»Nein Waldemar, nicht vor den Kindern«, unterbrach Mama.
Sie lief rot an.
»Lass ihn doch, die Kinder sollen wissen, was wir alles durchgemacht haben«, widersprach Oma.
Papa zögerte, blickte Mama an und sagte: »Esther, ich glaube, meine Mutter hat recht.«
In diesem Augenblick stand Mama auf. »Das wird ein Nachspiel haben, das sage ich euch!«
Wutschnaubend verließ sie das Zimmer. Papa schaute ihr schweigend hinterher. Ich war ungeduldig. Schließlich räusperte er sich und begann mit seiner Geschichte.
»Einmal fuhren wir, um den näher heranrückenden Russen zu entkommen, zwei Tage und Nächte hintereinander, ohne auszuspannen. Endlich entdeckten wir eine Scheune und hielten an. Wir sprangen vom Wagen und öffneten das Scheunentor.

Im Kindle-Shop: Die Hände meiner Eltern: Ein Eltern-Kind Drama.



'Hovokk' von Giuseppe Alfé

Kindle | Tolino | Taschenbuch
So lange Brent Carpico zurückdenken kann, plagt ihn eine undefinierbare Furcht, die tief in seinem Bewusstsein verankert ist. Selbst als kampferprobter Lieutenant der Astrotroops, der Bodenarmee der Streitkräfte des interstellaren Völkerbundes „Hexagon“, erschüttern ihn wiederkehrende Albträume, die aus seiner Jugend zu rühren scheinen.

Was der Grund hierfür sein könnte, schwant ihm erst, als er bei einer Mission zum ersten Mal paranormale Fertigkeiten entdeckt, über die er verfügt. Woher stammen die Kräfte, die das starke Interesse seiner Vorgesetzten wecken? Und was ist ihm als Waisenkind in den Wirren der Maschinenkriege widerfahren?

Von seinem Oberkommando in dieser Frage bedrängt, sieht Brent sich gezwungen, nach einem chaotisch ablaufenden Kampfeinsatz zu desertieren. Bei diesem Vorhaben unterstützt ihn die Truppenärztin Polianna Reed. Begleitet werden sie von dem Mädchen Rona, deren Eltern auf dem Planeten Markkis I, der Heimatwelt der kriegerischen „Markkya“, als Siedler lebten und bei dem Kampfeinsatz ums Leben kamen. Ihre gemeinsame Flucht verschlägt sie in die Wildnis von Markkis I, wo sie von den Einheimischen aufgenommen werden und eine völlig neue Welt kennenlernen. Die Idylle ihres neuen Zuhauses gerät in Gefahr, als Brents Vergangenheit ihn wieder einholt …

Leseprobe:
November im Jahr 2201, auf der Aidon–Markkis–Achse
7506 Tage ohne Zwischenfall. Diese Zeitspanne entsprach knapp 21 Standard-Jahren. Diese Information war den Randnotizen der Hyperflow-Meldung zu entnehmen, die vor wenigen Stunden an Bord der Eco eingetroffen war. Noch einen Tag zuvor, am 7505. Tag seit der letzten kriegerischen Handlung auf der Aidon-Markkis-Achse, war vieles einfacher für Major Felix Ilomavis gewesen. Er hatte lediglich die Aufgabe verantwortet, von seiner intrastellaren Militärbasis aus Patrouillen zu koordinieren, die Sektoren zwischen dem Planeten Tarvia und der Sternenbasis Nativia zu überwachen und die meiste Zeit bloß mit dankbar stimmender Routine auszufüllen. Dies war nun vorbei.
Lock 1701, der Stützpunkt von Ilomavis‘ Bataillon, lag auf halber Strecke zwischen Tarvia und der Basis Nativia. Auf eben jener Basis war ein Zwischenfall eingetreten, der die makellose Friedensbilanz dieses Gebiets mit einem Schlag wieder zunichte gemacht hatte. Nativia war von einem Aggressor überfallen worden. Die Kunde von dem Überfall auf die Sternenbasis verfehlte nicht ihre Wirkung und sorgte für großes Entsetzen im Territorium des Hexagons.
Die anwesenden Soldaten, denen Major Ilomavis in einer eilig einberufenen Einsatzbesprechung jene Kunde vortrug, waren hartgesottene Zeitgenossen. Entsprechend gefasst verarbeiteten sie das soeben Gehörte. Die Angreifer waren bei ihrem schnellen Angriff rücksichtslos und gewaltsam vorgegangen. Die Verteidigung des wichtigsten Außenpostens im Terranischen Gürtel hatte viele Opfer gefordert. Am Ende hatten sie nicht verhindern können, dass die Basis fiel.
Der Verdacht, dass Aufständische von Markkis I etwas mit dem Angriff zu tun hatten, hatte sich weiter erhärtet. Späher der Astroflotte und der Geheimdienste hatten in den Sektoren des Roten Gürtels drei Kriegsschiffe der markkisianischen Republik Temarkk gesichtet. Des Weiteren erreichte eine Notmeldung des Frachters Sibawan den Flottenstützpunkt der interplanetaren Raumstation Nova, die besagte, dass ein Schiff des Temarkk–Geschwaders das Feuer auf sie eröffnet hatte. Was dort weiter geschehen war, wusste man nicht. Von der Sibawan gingen seitdem weder weitere Meldungen ein, noch reagierte sie auf Funksprüche von Nova.
In der jüngsten Meldung aus Nova hieß es, dass die Botschaften von Temarkk auf den Planeten Tarvia und Markkis V geschlossen worden waren. Die Botschafter waren in der vorherigen Nacht nach Markkis I aufgebrochen. Offiziell hieß es, dass sie zwecks dringender Konsultationen in die Heimat bestellt worden waren. Doch inoffiziell galt dieses Vorgehen als eindeutiger Beleg für die schon länger gehegte Vermutung des Hexagon-Oberkommandos, dass die markkisianische Teilrepublik einen offenen Krieg zu führen gedachte. Ihre Bewohner waren eine radikale Gruppierung, die sich von den Bashkerr, der markkisianischen Kriegerkaste, abgespaltet hatte. Bereits vor Jahrzehnten hatte Temarkk endgültig mit seinem restlichen Volk gebrochen und im Nordosten des Südkontinents auf Markkis I eine eigene Republik gegründet. Seitdem war es immer wieder zu Konflikten zwischen Temarkk und der markkisianischen Republik gekommen. Seit jeher hatte sich Temarkk durch die Präsenz der Menschen auf ihrem Heimatplaneten bedroht und bevormundet gefühlt. Die von der traditionellen Kriegerkaste der Bashkerr losgelöste Gruppe erkannte die Menschen als Verbündete nicht an, vielmehr waren sie davon überzeugt, die einzigen, echten Krieger ihrer Spezies zu sein. Sie bezeichneten sich selbst als Kertekk. In die Sprache der Menschen übersetzt bedeutete das Wort „Todesverächter“. Allmählich wurde klar, dass die Kertekk das Hexagon und somit das Bündnis herauszufordern gedachten, dem eigentlich auch ganz Markkis I angehörte.

All das war den anwesenden Soldaten bekannt. Jeder Bürger der Sechs Welten kannte die Geschichten aus der goldenen Ära der Planetenbesiedlung durch das Menschengeschlecht. In jener Epoche waren die ersten Vertreter der Menschen auf die markkisianische Spezies und ihre Heimatwelt gestoßen.
In dem abgedunkelten Besprechungsraum trug Major Felix Ilomavis seinem Bataillon der Tarvia–Division weiteres Hintergrundwissen vor, das wichtig für den bevorstehenden Einsatz war: „Wie Sie alle wissen, geht der aktuelle Konflikt mit Temarkk auf das Ende der Maschinenkriege zurück. Damals äußerten die Kertekk erstmals ihren Herrschaftsanspruch über ganz Markkis I. Am Anfang waren sie zuversichtlich, dieses Ziel ohne große Hürden zu verwirklichen, da sie im Verlauf des Krieges enorm an Ansehen in der Bevölkerung gewonnen hatten. Aber es kam anders. Markkis I trat nach Kriegsende dem neugegründeten Hexagon bei und wollte die Kertekk-Bewegung nicht länger dulden. Und so kam es seitdem immer wieder zu politischen Debatten mit den Anführern der Kertekk. Dies sorgte für Unruhe im Grenzgebiet zu den übrigen Staaten der Markkisianer. Eines Tages erklärten die Kertekk ihr Herrschaftsgebiet zur freien Republik. Daraufhin kam es vermehrt zu Übergriffen auf die in den Bashkerr-Kolonien lebenden Menschen seitens von Anhängern der Kertekk-Bewegung. Ihrer Ansicht nach haben die Maschinen die Markkya nur wegen ihrer unglückseligen Verbindung zu den Menschen angegriffen. Eine Schulddebatte, die seit Ende dieses Krieges immer hitziger geführt wurde, eskalierte. Die meisten Bashkerr, die Seite an Seite mit den Menschen gekämpft haben, lehnen diese Haltung bis zum heutigen Tage ab. Die fanatischen Kertekk verleumden ihre Artgenossen seit diesen Tagen als Verräter.“
Major Ilomavis ließ seinen Blick durch die Reihen der anwesenden Soldaten schweifen. Im ernsten Ton fuhr er fort: „Die Zahl der Übergriffe auf menschliche Siedler nimmt auf Markkis I stetig zu. Ich muss Sie wohl nicht an die Lynchmorde erinnern, die dort an Menschen begangen wurden. Danach reagierte unsere Regierung endlich. Tarvia entsandte zwei Kriegsschiffe nach Markkis I; auch, um Druck auf die markkisianische Staatsmacht auszuüben. Die Initiatoren der aufständischen Bewegung wurden daraufhin verhaftet. Es kam zu Prozessen und Verurteilungen. Allein vierundzwanzig Kertekk-Führer verbüßen mittlerweile ihre Haftstrafen auf Douis. Die Lage hat sich seitdem schon etwas beruhigt. Doch im Untergrund hat der Schwelbrand offenkundig nie gänzlich aufgehört. Der vorübergehende Rückzug der Kertekk hat darüber hinweggetäuscht, dass die Bewegung allem Anschein nach heimlich wiedererstarkt ist. Aus der neuesten Meldung unserer Nachrichtendienste geht eindeutig hervor, dass die Kertekk den Angriff auf Nativia verantworten. Aus diesem Grund sind Sie hier, ehrenwerte Soldaten und Offiziere: Wir werden uns Nativia zurückholen.“

Major Felix Ilomavis beendete seinen Vortrag. Im nur schwach beleuchteten Saal hatten alle Anwesenden seinen Ausführungen aufmerksam zugehört. Nun schwoll in der versammelten Menge das obligatorische Gemurmel an, das nach einer solch geballten Fülle an Informationen zu erwarten gewesen war. Der Major ließ sie geduldig gewähren. Nachdenklich betrachtete er sein Bataillon. Es bestand aus rund fünfhundert Mann. Hone-Krieger bildeten das Gros der einfachen Soldaten. Der Rang eines Sergeant war das Höchste, was man einem Hone zu gewähren bereit war. Sie ähnelten nur entfernt einem Menschen: Im Durchschnitt zwei Meter groß, bullig und mit ausgeprägter Muskulatur versehen. Die gänzlich haarlose Haut war schneeweiß und verstärkte die Andersartigkeit dieser künstlich erschaffenen Supersoldaten. Die blassblauen Augäpfel, stets ausdruckslos und unergründlich, schimmerten schwach im Zwielicht des dämmrigen Raums. Hones wurden zu einem einzigen Zweck gezüchtet: Um im Dienste der Menschen in den Krieg zu ziehen und selbstlos bis zum Tode zu kämpfen.

Wegen der Vorfälle auf Nativia war die Truppe des Majors von Lock 1701 abgezogen worden und an Bord des Troop Carriers Eco unterwegs zur überrannten Sternenbasis. Dieser Schiffstyp war wie geschaffen dafür. Wie der Begriff es schon andeutete, bestand der Hauptzweck der Troop Carrier im Transport großer Astrotroop–Verbände durch den Weltraum. Ihr Aufbau war daher vorrangig darauf ausgerichtet, möglichst viele Soldaten befördern zu können. Aus diesem Grund waren die Quartiere an Bord möglichst klein gehalten, das Interieur und sonstiger Komfort waren recht spartanisch. Scherzhaft bezeichneten Soldaten das Innenleben eines Carriers als „Bienenstock“. All die möglichen Vorzüge und Anlagen, die den Passagieren beispielsweise auf Kriegsschiffen zur Verfügung standen, ordneten sich auf einem Troop Carrier dem Ziel des Massentransports unter.

Im Kindle-Shop: Hovokk.
Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Giuseppe Alfé auf seiner Website.



13. August 2018

'Flammentanz I - Funken' von Isabella Mey

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Inea sieht Dinge, die andere nicht sehen können, und hält sich deshalb für verrückt. Alles ändert sich jedoch, als zwei rätselhafte Männer auftauchen und ihr bisheriges Leben damit komplett auf den Kopf stellen.

Gefühlvoller Fantasy-Liebesroman von Isabella Mey.

Leseprobe:
Starke Finger packen meine Handgelenke und ziehen mich mit übermenschlicher Kraft und einem solchen Schwung in die Höhe, dass ich regelrecht auf meinen Retter zu fliege. Er fängt mich auf, hält mich fest. Ich liege in seinen Armen, spüre seinen Körper dicht an meinem und sofort durchflutet mich eine Wärme, wie ich sie nie zuvor gefühlt habe. Meine Knie verwandeln sich in Wackelpudding, was mich unwillkürlich dazu bringt, mich an ihm festzuklammern, meine Arme um ihn zu schlingen. Verwirrt und benebelt von diesem unbekannten Gefühl, verharre ich in völliger Unfähigkeit, mich zu bewegen. Mein Herz hämmert gegen meine Brust, im Gleichklang zu seinem, dessen Wummern ich ebenfalls spüren kann.
Weshalb nur fühlt sich die Umarmung eines völlig Fremden dermaßen himmlisch an?
Im nächsten Augenblick jedoch löst sich der Mann von mir, hält mich an den Armen fest und mustert kritisch mein Gesicht. In seinen Pupillen lodert das dunkle Feuer eines schwarzen Turmalins.
Oh Gott, es ist der gruselige Typ, der mich vor dem Schiff angestarrt hatte!
Mir wird schwindelig.
«Wer bist du?», will er wissen.
Seine Stimme vibriert in meinem Inneren, der Ton seiner Worte bringt eine Melodie in mir zum Klingen.
Was ist das? Um Gottes Willen, wer ist dieser Mensch und was macht er mit mir?
Seine Erscheinung sollte mich ängstigen, aber da ist keinerlei Furcht, im Gegenteil, noch nie habe ich mich so geborgen gefühlt, wie in seiner Nähe. Völlig überwältigt von diesen Emotionen, versagt meine Stimme. Ich starre ihn nur an, wie einen Alien. Der Fremde mustert meinen Hals, schüttelt dann ungläubig den Kopf.
«Verdammt, wer bist du?»

Im Kindle-Shop: Flammentanz I - Funken

Mehr über und von Isabella Mey auf ihrer Autorenseite bei Amazon.