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20. März 2019

'Adelsintrigen: Schicksalspfad des Tempelritters 2' von Olivièr Declear

Kindle unlimited | Taschenbuch
Köln Anno Domini 1235: Die Ländereien der verzweifelten Gräfin Ida von Zudendorp werden seit langem von schwarzgekleideten Reitern angegriffen. Sie und ihre Gefolgschaft ringen bereits mit dem Tode. In ihrer Not stehen nur noch der kampferfahrene Ritter Richard von Portus und der Orden der Tempelritter an ihrer Seite. Wer will der Gräfin schaden? Und warum?

Inmitten einer Welt voller Intrigen, adeliger Machtspiele und unzähliger Gefahren wollen die beiden die Wahrheit ergründen. Eine Reise beginnt, die sie unter größten Strapazen und unter Einsatz ihrer Leben sogar bis in das weitentfernte Rom führt.

Begeben Sie sich gemeinsam mit Ida und Richard auf ein Abenteuer und erleben Sie mit ihnen das Mittelalter in all seinen Facetten.

Adelsintrigen ist der zweite Band der Reihe »Schicksalspfad des Tempelritters« von Olivièr Declear.

Leseprobe:
Fluch
Richard hörte das Peitschen der Zweige, spürte die Schläge durch das Polster seiner Rüstung. Der Weg vor ihm, ein wankendes Bild im ständigen Auf und Ab des wilden Ritts. Der dunkle Pfad des Waldweges nur schwach vom durchscheinenden Mondlicht erhellt. Die Last des ohnmächtigen Körpers vor ihm über dem Widerrist schien die vertraute Einheit zu seinem Tier genommen zu haben. Richard hielt sich kaum im Sattel, wenn sein Pferd über Hindernisse sprang, die er nicht im schwachen Licht erahnt hatte. Durch die dicke Polsterhaube unter seiner Kette vernahm er nur wenige Geräusche seiner Umgebung. Das Reiben und Schlagen der Kettenglieder übertönte beinahe die kräftigen Hufschläge seines Tieres. Bei dem hastigen Versuch, einem tiefhängenden Ast auszuweichen, spürte er, wie der vor ihm liegende Körper vom Pferd zu gleiten drohte. Mit einem raschen Griff erfasste er ihn und hielt ihn an seinem Platz. Es war mehr das Gefühl in seinem Bauch, das Trommelschlägen glich, weniger sein Gehör, das ihn spüren ließ, dass die Verfolger immer näher kamen. Wie feiner Sprühregen flog ihm der Speichel seines erschöpften Pferdes entgegen.
Richard trieb sein Tier, das an die Grenzen seiner Kraft gekommen war, immer aufs Neue an. Die wilde Jagd durfte nicht verloren werden. Sein Hengst fuhr mit dem Kopf herum, als könne er seinem Reiter damit zeigen, dass er diesen scharfen Ritt nicht mehr ertragen konnte. Aber Richard wusste, wie stark sein Pferd war. Seine ganze Hoffnung lag darin, dass die Pferde der Verfolger vor seinem Pferd zusammenbrechen würden. Er rief ihm zu: »Nur ein kurzes Stück, lass mich nicht im Stich!« Sein Pferd schien ihn verstanden zu haben. Nochmals beschleunigte es und flog mit seinem Herrn über den Weg.
Als sein Tier zu straucheln begann, wusste Richard, dass jetzt nur noch der Kampf blieb. Er ließ sein Pferd auslaufen und wandte sich den Verfolgern zu. Aber da war niemand. Er sah keine Reiter. Auch das Trommeln in seinem Bauch spürte er nicht mehr. Vorsichtig lenkte er sein Pferd zwischen die Büsche des Wegesrandes, um den Pfad aus dem Dickicht heraus zu beobachten. Kaum war er in seiner Deckung angekommen, spürte er erneut das Donnern der Hufen, noch bevor er sie hörte. Mehrere Reiter jagten in einer dichten Gruppe an ihm vorbei, ihre Schwerter erhoben. Richard klopfte den Hals seines Pferdes: »Das hast du gut gemacht, alter Freund.«
Kaum war er aus dem Sattel seines Tieres gestiegen, wandte sein Hengst den Kopf und stupste ihn mit seiner Nase, um die Belohnung für seinen treuen Dienst einzufordern. Richard schmunzelte und nahm ein Stück Rübe aus seiner Satteltasche. Mit flacher Hand hielt er es dem Freund hin. »Wenn wir in Sicherheit sind, sollst du besser belohnt werden. Du hast uns das Leben gerettet.«
Sein Blick fiel auf das Mädchen. Noch immer regte sich ihr Körper nicht. Richard nahm den ledernen Schlauch und goss ein wenig Wasser über ihren Kopf. Sie hob ihn erschrocken und sah ihn mit verängstigten Augen an. Richard legte einen Finger vor seinen Mund: »Keine Angst, ich werde dir nichts antun. Wir sind fürs Erste in Sicherheit«, flüsterte er. Das Mädchen sah ihn mit großen Augen an, aus denen die Furchtsamkeit noch nicht gewichen war. Stumm nickte sie und bemühte sich, vom Pferderücken zu gleiten. »Wie ist dein Name, Mädchen?« Leise antwortete sie: »Siena, edler Herr.« Richard betrachtete ihre schmutzige und zerlumpte Kleidung. »Warum haben diese Strauchdiebe dein Dorf überfallen?« Siena wusste auch nicht viel mehr, als er selbst beobachtet hatte. Sie war vom Lärm aus dem Haus gelockt worden und sah eine große Schar Reiter, die wahllos auf jeden einschlug, der ihren Weg kreuzte. Als sie fliehen wollte, spürte sie einen heftigen Schlag, der sie zu Boden stürzen ließ. Mehr konnte auch sie nicht sagen. Auch hatte sie keinen der Reiter erkannt. Richard erzählte ihr: »Wir sahen, wie du von einem Pferd zu Boden gestoßen wurdest. Aber es traf dich kein Huf. Der Schreck nahm dir die Sinne.« Siena sah ihn fragend an. »Ich sah Euch mit Euren Begleitern. Wo sind sie?« Richard schüttelte traurig das Haupt. »Für einfaches Diebesvolk kämpften diese Reiter zu gekonnt. Nur mir ist die Flucht gelungen.« Dann schwieg er, während er in seiner Erinnerung einen Anhaltspunkt suchte, wer für diesen Angriff verantwortlich gewesen sein könnte. Aber er fand nichts, was die Angreifer verraten hätte. »Wir waren auf dem Weg zu der Herrin deines Ortes. Du wirst mich erst einmal dorthin begleiten.« Als sie aufbegehren wollte, sagte er mit strengerer Stimme als gewollt: »Du wirst gehorchen und folgen, wie man es dir heißt. Hast du mich verstanden?« Als sie mit widerwilligem Blick nickte, setzte er milder hinzu: »Die Herrin wird dich sicherlich bald zu deinen Leuten schicken.«
Richard las in ihrem Gesicht, dass diese Hoffnung nur ein schwacher Trost für das Mädchen war. Er konnte verstehen, dass sie sich sorgte und schnell zurückkehren wollte. In diesem Moment galt es jedoch, erst einmal zu erfahren, woher der Angriff gekommen sein könnte und wie zu handeln sei. Der Ritter legte seinen Umhang ab und gab dem Bauernmädchen den Befehl, sich einen Schlafplatz zu suchen. Mit einem freundlichen Lächeln reichte er ihr den Mantel als Decke. Nachdenklich blickend versorgte er sein Pferd, so gut es an diesem Ort möglich war. Der Weg war zu gefährlich und es war zwecklos, in der Nacht durch den Wald zu streifen. Daher entschloss er sich, auf das Licht des beginnenden Tages warten. Mit finsterem Blick beobachtet er die Nacht, während er an den Stamm eines Baumes kauerte. Seine Sinne achteten auf jedes Geräusch des Waldes. Aber die Reiter schienen die Suche aufgegeben zu haben. Die Geräusche des nächtlichen Waldes wurden nur manchmal von dem leisen Schluchzen des Mädchens gestört.
Als er die Magd bei dem ersten Licht wecken wollte, fand er sie bereits wach. Er betrachtete ihre geröteten Augen und die Sorge in ihrem Gesicht. Ob sie überhaupt Schlaf gefunden hatte? Zu gern hätte er ihr tröstende Worte geschenkt. Aber er durfte sich dem Gesinde nicht offenbaren, als wären sie seinesgleichen. Richard brachte ihr Trockenfleisch und reichte ihr den Lederschlauch mit Wasser. Misstrauisch schnupperte Siena an dem Lederschlauch; »Ich soll kein Wasser trinken. Es macht krank.« Richard lachte leise; »Dieses kannst du trinken, es stammt aus meinem Brunnen und ist feinstes Quellwasser. Trink nur, Kind. Wir müssen bald aufbrechen.«
Obwohl er sicher war, dass die Reiter ihnen jetzt nicht mehr auf diesem Pfad entgegenkommen würden, zog er das Kettengeflecht mit der Haube in den Nacken und lauschte aufmerksam nach möglichem Hufschlag. Die Spuren, welche die schweren Pferde auf dem Weg hinterlassen hatten, ließen ihn erkennen, in welcher Eile sie unterwegs gewesen waren. Abrupt endete ihre Spur, als hätten sich die Reiter in Luft aufgelöst. Verwundert hielt Richard an. Er blickte sich um und suchte nach Zeichen, die ihren weiteren Weg verraten könnten. Aber da war nichts. Kein gebrochener Zweig. Keine Spur in den Wald hinein. Wo waren sie geblieben? Vor ihnen lag ein jungfräulicher Weg, auf dem kein Grashalm gebogen war. Kopfschüttelnd setzte er seinen Weg mit Siena fort.
Gegen Mitte des Tages erreichten sie die Ebene, auf der sich die Befestigung befand. Schon von Weitem sah er den Turmhügel aufragen. Die kleine Ansiedlung unter dem Turm war von einem gefluteten Graben umgeben. Diese Ansiedlung erschien jämmerlich gegen die prächtigen und trutzigen Burgen der höheren Lagen. Aber wo es keinen Steinbruch gab, mussten Gräben und Holz als Schutz gegen Diebe reichen. Als sie die Ansiedlung betraten, betrachtete er die arg verfallen Gebäude. Er war vor Jahren das letzte Mal zu Gast. Damals lebte der Herr des Gebietes noch. Der Graf von Zudendorp war ein ewig unzufriedener Mann, mit dem es häufig Grenzstreitigkeiten zu schlichten galt. Sein Herr, der alte Bischof zu Coeln, ließ ihm kaum mehr, als er zum Leben brauchte. Auch unter dem neuen Herrn war es nicht besser geworden. Seit dem der Bau des neuen Domes beschlossen worden war, presste die Kirche ihre Vasallen bis zum Blute.
Am Wohnturm verlangte er, die Gräfin zu sprechen. Es dauerte eine Weile, bis man ihn vorsprechen ließ. Die Gräfin war ebenso verfallen wie ihre Heimstatt. Tiefe Ringe lagen um ihre Augen. Zahlreiche Falten hatten sich in ihr Gesicht gegraben. Richard war erschrocken, wie sich diese einstmals hübsche Frau verändert hatte. »Nun, Graf Richard. Wenn ich mich recht entsinne, seid Ihr selten ein Mann, der frohe Botschaft bringt«, empfing sie ihn kühl. Er verbeugte sich leicht und sah sie einen Moment schweigend an. Dann erwiderte er: »So wird mir wohl weiterhin der Ruf als Bote schlechter Nachrichten bleiben.« Die Gräfin schwankte leicht, während ihre Hand Halt an der Lehne eines Stuhles suchte. »Dann heraus mit Eurer Botschaft. Schlimmer als es ist, kann es ohnehin nicht mehr werden.«
Die Frau tat ihm leid, aber es half nichts, er musste die Nachricht überbringen. »Euer Besitz, eine halbe Tagesreise von hier, wurde überfallen.« Die Gräfin sank kraftlos und bleich auf den Stuhl. Stumm, fast anklagend sah sie Richard an. »Ich weiß nicht mehr über den Umstand, als dass ich meine Begleiter dabei verloren habe und selbst kaum mit dem Leben davongekommen bin. Aber ich habe Euch ein Mädchen des Ortes mitgebracht, die den Überfall überstanden hat.« Dabei griff er hinter sich und führte die hinter ihm stehende Siena nach vorne. Ungelenk verbeugte sich das Bauernmädchen vor seiner Herrin.

Im Kindle-Shop: Adelsintrigen: Schicksalspfad des Tempelritters.
Mehr über und von Olivièr Declear auf seiner Amazon-Autorenseite.



'Orianas Vision: Joels Lieder 3' von Jutta Schönberg

Kindle (unlimited)
Oriana, die junge Hexe von Ossian, hat eine Vision. Sie sieht, wie sich eine große Dunkelheit aus alten Zeiten vom Meer her über das Land senkt und alle Menschen vernichtet. Sie prophezeit aber auch sieben Reiter, die gegen das Verhängnis kämpfen.

Auf einem Bankett des Königs wählt Oriana ihre sechs Mitstreiter. Der Geschichtenerzähler Joel und sein ehemaliger Schützling Erwenk sind dabei.

Einen Hinweis kann Oriana noch geben. Im Traum erscheint ihr drei Mal die Schlange Krah, die oberste Gottheit der Hexen von Ossian, und spricht: »Folgt der Spur des Einhorns!« Aber wie sollen die sieben Kämpfer dieses Fabeltier finden? Und was bedeuten die geheimnisvollen Zeichen, die ihnen auf ihrem Weg begegnen?

Es ist keine Kenntnis der ersten beiden Bände der Reihe erforderlich.
Hier die ersten beiden Bände von "Joels Lieder".

Leseprobe:
Herein traten zwei weibliche Gestalten in türkisfarbenen Umhängen, die bis zum Boden reichten. Die Kapuzen hatten sie tief ins Gesicht gezogen. Ein Ruck ging durch Joel und er richtete sich alarmiert auf, denn in einer der Gestalten erkannte er die Frau wieder, die er im Spiegel in der Schatzkammer des Königs erblickt hatte. Auch auf ihrer Kapuze, wie der ihrer Begleiterin, prangte eine gestickte, goldene Schlange.
»Zwei Hexen von Ossian«, rief Alek erstaunt aus. »Wo kommen die denn her? Ich dachte, die seien längst verschwunden.«
»Zwei Hexen von Ossian!« Der ältere Priester des Balialo quiekte fast vor Entsetzen. »Sie wollen uns verzaubern und durch ihre Schönheit verliebt machen und zur Sünde verführen. Schau nicht hin!« Er riss sich und seinem jüngeren Begleiter die Kapuzen über die Köpfe. Er faltete die Hände, senkte die Augen darauf und bewegte die Lippen. Wahrscheinlich betete er.
»Stellt euch nicht so an«, sagte Alek verärgert. »Sie sind völlig harmlos. Ein Großteil ihrer Zauberei beruht auf Täuschung und dem geschickten Ausnützen natürlicher Phänomene, wovon sie allerdings ein beachtliches Wissen haben. Nur eure Angst macht euch zugänglich für solches Hexenwerk.«
(…)

Die eine Frau schlug ihre Kapuze zurück. Sie enthüllte glänzendes kastanienbraunes Haar, das ihr glatt bis auf die Schultern fiel. Ihr Gesicht war schmal und oval, die Nase und das Kinn sprangen scharf hervor. Ihr Mund war breit, mit schmalen Lippen. Am bemerkenswertesten waren ihre Augen. Sie waren innen von einem hellen, durchscheinenden Grau, das gegen das Weiß von einem beinahe schwarzen Kranz begrenzt wurde. Joel konnte nicht sagen, ob es die schönsten oder die hässlichsten Augen waren, die er je gesehen hatte.
»Seid gegrüßt, König Teldek von den Mittleren Ländern«, sprach Elexia. »Und auch Ihr, hohe Gäste.« Elexia wies auf ihre Begleiterin, diejenige, die Joel im Spiegel gesehen hatte. »Und dies ist Oriana, die Perle unserer Gemeinschaft.« In Elexias Stimme war etwas, das die Spannung auf den Höhepunkt trieb. Oriana schlug ihre Kapuze zurück. Ein Raunen ging durch die Gästeschar. Es galt der unbestreitbaren Schönheit dieser jungen Frau, die gerade frisch dem Mädchenalter entwachsen war. Auf ihren makellosen Wangen waren die Rundungen der Kindheit noch zu ahnen. Die Flügel der fein geschnittenen Nase bebten wie in einem leisen Windhauch. Ihre großen Augen waren von einem tiefen Blau, beinahe violett. Ihre Haut strahlte einen leichten Schimmer aus wie die wertvollsten Perlen. All das wurde aber vollendet in dem goldenen Haar, das auf komplizierte Weise geflochten und zu einer Art Krone zusammengesteckt war. Sie müsste die Königin sein, schoss es Joel durch den Kopf. Nicht einmal Lene kam mit einer solchen Schönheit mit.
(…)

Oriana hob die Arme bis zu ihrer Mitte und machte mit ihnen eine wellenförmige Bewegung. Dann formte sie sie als hielte sie eine Schale. Ihr Blick wurde starr und abwesend.
»Ich sah ...« So verschleiert Orianas Augen auch waren, ihre Stimme war klar – und zauberhaft. »Ich sah, wie eine große Dunkelheit sich erhob. Sie kam von alten, fernen Zeiten. Vom Meer her erhob sie sich und verdüsterte den Himmel. Die Dunkelheit zog heran und erreichte das Land. Ich sah, wie das ganze Land sich verdunkelte. Und die Menschen sanken dahin und wanden sich in Schmerzen. Männer, Frauen, Kinder schrien auf, aber ihre Schreie konnten sie nicht retten. Alle Menschen starben unter der großen Dunkelheit.«
Oriana senkte den Kopf. Die Gäste des Königs hielten den Atem an. Das konnte, das durfte doch noch nicht alles gewesen sein. Die Blicke hefteten sich hoffnungsvoll auf Orianas Arme, die sich noch nicht gesenkt hatten. Und tatsächlich hob die junge Hexe den Kopf wieder und lenkte ihre Augen nach oben zur Decke.
»Ich sah ...«, fuhr Oriana fort »… ich sah erneut, wie sich die Dunkelheit über das Meer erhob und gegen das Land lenkte. Doch diesmal sah ich sieben Reiter über das Land heranpreschen.
Sie hoben ihre Fäuste. Ich sah sie, wie sie gegen die Dunkelheit vordrangen. Ich hörte eine Stimme sagen: Sieben werden gehen, sieben werden zurückkehren.«
Oriana hielt inne. Dann senkte sie langsam die Arme und schloss die Augen.
(…)

Wieder machte Oriana mit ihren Armen die wellenförmige Bewegung und ihre Augen verschleierten sich. »Mir träumte, die große Schlange Krah kam zu mir. Sie richtete ihren Körper auf und züngelte. Daraufhin hörte ich die Worte: ›Folgt der Spur des Einhorns!‹ Dreimal träumte mir so und dreimal sprach die Schlange Krah zu mir: ›Folgt der Spur des Einhorns!‹« Oriana ließ die Arme sinken und schloss erschöpft die Augen.
Joel staunte. Die Schlange Krah war ein Teil des Glaubens der Alten Zeit vom Ursprung der Welt und der Menschheit. Krah und ihr Gatte Brah erschufen in einem Wettkampf das All, die Erde, mit allem, was darauf kreuchte und fleuchte, und schließlich die Menschen, bis der eifersüchtige Brah die Schlange erschlug und sich in seiner Trauer in eine dunkle Höhle zurückzog. Noch heute drohte man unartigen Kindern, sie würden in Brahs Höhle enden. Sie galt als das Sinnbild der Dunkelheit, Kälte und Hoffnungslosigkeit schlechthin.

Im Kindle-Shop: Orianas Vision: Joels Lieder 3.
Mehr über und von Jutta Schönberg auf ihrer Website.



19. März 2019

'Forever Yours II - Verloren. Sein.' von Morgan Stern

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Ryan besitzt Mira. Sie gehört ihm – dafür hat er mit allen Mitteln gesorgt und ihr Leben damit in einen nicht enden wollenden, aussichtslosen Albtraum verwandelt.

Nachdem Mira es allen Drohungen zum Trotz dennoch geschafft hatte, Kontakt zu ihrer Mutter aufzunehmen, findet sie sich in dem ihr bereits bekannten Kellerverlies wieder. Ihre Tage sind voller Einsamkeit, Angst um ihre Familie und der großen Frage nach dem Warum. Auf der Suche nach Antworten beleuchtet und durchdenkt sie intensiv ihre gemeinsame Vergangenheit. Wie hatte das Ganze begonnen und wann und wieso konnte es so aus dem Ruder laufen?

Musiker Ryan quälen derweil andere Sorgen. Die Band braucht ihren Sänger für die bevorstehende Tour und zu allem Überfluss wächst sein Verlangen danach, Mira in jeglicher Hinsicht zu unterwerfen. Hin- und hergerissen zwischen Karriere, Freunden und seinem Doppelleben als Entführer lässt er seinen Launen, seiner Wut und seiner inneren Zerrissenheit freien Lauf. Wird er Mira brechen?

Hier ist der erste Band des Psychothrillers: 'Forever Yours - Gefangen. Sein.'

Leseprobe:
Mira
Mein Kopf war völlig leer, während mein Herz vor Kummer zu zerspringen schien. Ich konnte nicht mit dem Wissen existieren, dass ich den größten Fehler meines Lebens begangen hatte. Er würde mir nicht verzeihen, mir keine weitere Chance geben. Dieses Mal war es zu spät, ich war zu weit gegangen. Und dieser Killer, den er beauftragt hatte, nach meiner Familie zu sehen – er würde ihm sagen, dass es so weit war. Dass er nun tätig werden musste.
Die Worte rasten durch meinen Kopf, aber sie ergaben keinen Sinn. Ich hörte sie, verstand allerdings nichts davon. Vor einer Weile schon war mir die Sache über den Kopf gewachsen, einfach zu viel geworden und nun hatte ich den Moment erreicht, an dem ich nicht mehr klar denken konnte und es auch nicht wollte. Es war viel zu grausam. Kaum auszuhalten. Wie gerne hätte ich es ignoriert, so getan, als wäre nichts passiert, alles in bester Ordnung. Ich traute mich nicht, ihn anzusehen.
Aus dem Fenster blickte ich auch nicht, zumindest erinnerte ich mich an nichts, was ich gesehen hatte. Es war wohl eine relativ lange Autofahrt. Einmal hielt er an einer Tankstelle, kam mit einem Becher Kaffee für sich zurück.
Dann bemerkte ich die ersten Straßen von Dublin, erkannte die Schilder der Stadt. Ob ich froh darüber war? Ganz und gar nicht. Mir lief die Zeit davon und ich fühlte, dass etwas wirklich Schlimmes geschehen würde. Dabei hatte sich nichts verändert, alles war wie damals, in meinem Urlaub hier vor Jahren. Und so wie es bei unserer Abreise vor Tagen war.
Trotzdem würde nichts mehr so sein, wie es war. Ich hatte mit dem Leben meiner Familie gespielt und verloren. Hatte das Todesurteil unterschrieben, weil ich meine Finger nicht von dem verdammten Telefon hatte lassen können. Ich war schuld. Nur ich allein.

In dem Moment, in dem er den Wagen in der Garage geparkt hatte, wünschte ich mir nichts sehnlicher, als einfach nicht mehr zu existieren. Ich wollte nicht, dass es weiterging, dass die Dinge ihren Lauf nehmen würden. Aber natürlich half mir dieser Wunsch nicht, ohne jegliche Rücksicht zerrte er mich aus dem Auto, fesselte mir meine Hände auf dem Rücken und brachte mich ins Haus.
Seltsamerweise endete meine Reise nicht im Keller, sondern in dem kleinen Gästezimmer im ersten Stock, wo er mir, nachdem er mich kommentarlos auf den Boden gedrückt hatte, schließlich auch die Füße fesselte und mich mit einem Tuch knebelte. Es war mir egal, warum hätte es mich auch interessieren sollen? War doch ohnehin alles sinnlos.

***

Es war dunkel, sehr sogar, als er zurückkam. Gleichgültig zwang er mich auf die Beine, löste die Fesseln und drängte mich schließlich unsanft die Treppen hinab in den Keller. Einen Augenblick später hatte er mich in den kleinen Raum gestoßen und die Türe hinter mir verschlossen. Das war es also – ich war wieder in diesem kalten Grab.
Seufzend drehte ich mich um und suchte mit meinen Fingern nach dem Lichtschalter. Was ich sah, überraschte mich doch etwas und ich verstand, warum er mich ein paar Stunden über in dem anderen Zimmer eingeschlossen hatte. Er war hier am Arbeiten gewesen. Bett und Toilette waren natürlich nach wie vor an ihrem Platz, aber er hatte dazu alles so eingerichtet, dass er mich wirklich nie mehr hier herauslassen müsste.
Auf der anderen Seite des Raumes war eine Duschkabine aufgebaut, weder sonderlich schön noch stabil und vermutlich wohl einfach das, was man für wenig Geld möglichst schnell irgendwo errichten konnte. Gleich daneben stand ein offenes Regal, gefüllt mit den Sachen, die er im Laufe der letzten Wochen für mich gekauft hatte.
Er meinte es ernst, sonst hätte er nicht alles so ausgestattet. Natürlich hätte ich es wissen müssen, und wenn ich ehrlich war, so hatte ich auch mit nichts anderem gerechnet, aber es traf mich dennoch, gab mir ein sehr ungutes Gefühl, welches sich mit grenzenloser Angst vermischte. Der Raum wirkte wie eine Gefängniszelle und genau das war es ja für mich.
Ich war vollkommen alleine und würde es auch bleiben. Allein mit meinen Gedanken und der Gewissheit, dass ich wirklich alles nur Erdenkliche falsch gemacht hatte.

Es war verrückt, aber ich musste mich beruhigen. Er würde mich schon nicht hier verrotten lassen. Warum sollte er denn? Schließlich machte es ja überhaupt keinen Sinn, wenn ich während meiner Anwesenheit nur hier eingeschlossen war. Selbst wenn er wusste, wie sehr er mich damit quälte, so hätte er nichts davon, weil er mich weder sehen noch meine Versuche wahrnehmen und auch sonst seine Macht über mich nicht demonstrieren können würde.
Vielleicht wollte er nur herausfinden, wie ich reagierte unter diesen Umständen? Ob ich meinen Fehler ernsthaft bereuen würde, wenn er mich nur davon überzeugen könnte, dass er mein Leben sehr wohl noch unerträglicher machen könnte?

Im Kindle-Shop: Forever Yours II - Verloren. Sein..
Mehr über und von Morgan Stern auf ihrer Website.



18. März 2019

'Killerkind: Psychothriller' von Cornelia Harz

Kindle (unlimited)
»Wenn du jemals glücklich sein willst, Charlotte, musst du es nur schaffen, dass Charly nie wieder weint.«

Im Rahmen einer privaten Therapie lässt sich Charlotte ganz intensiv auf ihr ›inneres Kind‹ ein. Charly wird zum festen Bestandteil ihres Lebens. Beide lernen sich noch besser kennen, sie haben Spaß zusammen. Doch sobald sie in Situationen geraten, die sie an unerträgliche Momente ihrer Vergangenheit erinnern, weint Charly so heftig, dass es Charlotte das Herz bricht. Wie weit wird sie gehen, um die Tränen des Mädchens für immer zu trocknen? Führt der Weg zum Glück tatsächlich über Leichen?

›Killerkind‹ gehört zu der Art Psychothriller, die das Unbewusste der Menschen in eine Bildsprache kleiden. Es könnte also sein, dass sich während des Lesens auch Ihr eigenes ›inneres Kind‹ zu Wort meldet.

Für wenige Tage kostenlos zu haben.
Weitere Bücher von Cornelia Harz auf ihrer Autorenseite.

Leseprobe:
Meine Hände tun weh, eigentlich tut mir alles weh, ich zittere. Es ist Sommer, es müsste noch einigermaßen warm sein, aber ich kann dieses Zittern einfach nicht abstellen. Nichts ist mehr so, wie es früher gewesen ist, ich nicht, die Welt um mich herum nicht, gar nichts. Ich hämmere weiter gegen die riesigen Glasscheiben. »Ich hab sie umgebracht, hört ihr?« Doch diese Tür vor mir zuckt keinen Millimeter.
Vor ein paar Jahren habe ich im Gebäude nebenan meinen Bruder besucht, Blinddarm. Damals habe ich an dem Eingang, an dem ich nun stehe, das Schild Psychiatrie gelesen und mich gefragt, wie weit man sein müsse, damit man hier landen würde. Heute weiß ich das.
Hastig laufe ich in der Dunkelheit auf und ab. Es ist still. Obwohl sich so viele Leute in den Gebäuden um mich herum befinden müssten, ist es so unsagbar still. Ich habe mein Auto mitten auf dem Besucherparkplatz abgestellt, bestimmt steht die Tür immer noch offen, ich bin einfach rausgesprungen und hierher gerannt. Aus der Ferne zeigt sich der große Parkplatz nur schwach, die kleinen Lampen ziehen die Autos auf die Seite der Nacht. Ich kneife meine Augen zusammen, aber es ist alles verschwommen, überall sehe ich tanzende Flecken. Irgendwann werden sie mich reinlassen, sie müssen das tun, ich bin eine Mörderin. Kraftlos sacke ich auf den Boden. Es riecht nach Heu, frisch und gammelig gleichermaßen. Ich lehne mich mit dem Rücken an die kalte Glasschiebetür und lege meinen Kopf auf meinen Knien ab. Der Traum von einem schönen Leben, er ist tot, genau wie …
Mein Körper zittert immer stärker. Wenn meine Hände sich nicht ganz fest um meine Knie klammern könnten, wäre er längst in seine Einzelteile zerfallen. »Jetzt holt mich doch endlich!«, schreie ich. Meine Augen sind nass, ich schließe sie, aber die Bilder der letzten Wochen sind immer noch da, eingebrannt wie Tätowierungen meiner Seele.
Auf einmal höre ich, dass sich hinter mir etwas bewegt. Zwei Pfleger kommen heraus. »Sie wollen zu uns?«
Endlich. Ich springe auf. »Ja, Sie müssen mich wegsperren, ich bin eine Gefahr, ich …«
»Kommen Sie doch bitte erst mal mit.«
Ich betrete gemeinsam mit ihnen das Gebäude.
Einer der beiden setzt mich in einen Behandlungsraum. »Es wird sich gleich ein Arzt um Sie kümmern«, sagt er. »Haben Sie Ihre Versicherungskarte dabei?«
»Meine Karte? Verdammt, ich hab grad andere Sorgen!«, brülle ich. »Ich habe sie alle umgebracht«, füge ich leise hinzu.
Der Pfleger schaut mich stumm an. Er scheint froh zu sein, als ein etwa fünfzig Jahre alter Mann mit Glatze und weißem Kittel hereinkommt. »Sie sagt, sie habe jemanden getötet.«
Der Arzt nickt ihm kurz zu und wendet sich an mich. »Ich bin Dr. Holzwein.« Er schüttelt mir die Hand.
Plötzlich wird mir klar, welch folgenschweren Schritt ich gegangen bin. »Tramp-mann«, stottere ich. »Ich heiße Charlotte Trampmann.« Ist es dumm gewesen, herzukommen? Hört man doch ab und an, wie schnell man für immer in dieser Maschinerie gefangen bleibt.
Der Psychiater nimmt Platz. »Frau Trampmann, Sie glauben also, Sie wären für den Tod eines Menschen verantwortlich.«
»Das glaube ich nicht nur, das weiß ich.« Ich versuche, ihm selbstbewusst ins Gesicht zu sehen, aber mein Blick wendet sich ab, hinab auf die Tischplatte.
»Wen haben Sie denn getötet?« Dr. Holzwein mustert mich.
Ich weiß, dass er mir nicht glaubt. Du siehst zu brav aus. Mein ganzes Leben lang habe ich das gehört. »Charly«, sage ich nur.
»Und wer ist Charly?«, fragt er.
»Ein kleines Mädchen, ich hab sie überfahren.«
»Ein Unfall?« Der Psychiater reißt seine Augen weit auf. »Verdammt, warum sagen Sie das nicht gleich?«
Ich zucke mit den Schultern. »Sie ist tot«, flüstere ich.
»Wo genau ist der Unfall passiert?«
»Etwa fünf Autominuten von hier.« Ich starre in die Luft. »Auf der Landstraße Richtung Sportplatz.«
Der Arzt springt auf und lässt mich sitzen.
Ich sehe, dass eine Krankenschwester mit meiner Handtasche unter dem Arm in den Behandlungsraum kommt. »Ich nehme an, es ist Ihr Auto, das offen auf dem Besucherparkplatz steht?«
Ich nicke.
Sie legt meine Tasche auf den Tisch. »Darf ich?«
Ich nicke noch einmal.
Die Schwester kramt meinen Geldbeutel hervor und zieht meinen Ausweis heraus. »Charlotte Trampmann. Die Adresse stimmt noch?«
»Ja.«
»Sie sind achtunddreißig Jahre alt, richtig?«
»Richtig.«
»Und haben eine neue Frisur.«
Stimmt, auf dem Foto sind meine Haare noch lang. »Ja«, sage ich wieder und greife mit meiner rechten Hand zu meinen kurzen Stoppeln.
»Die Farbe ist echt?«, fragt sie.
»Naturbrünett«, antworte ich.
Sie zieht ihre Mundwinkel etwas nach oben, macht sich ein paar Notizen und geht zur Seite.
Dr. Holzwein ist zurückgekommen. Er setzt sich mir gegenüber hin. »Erzählen Sie mir doch bitte ganz genau, was passiert ist«, fordert er mich auf.
»Ich hab sie umgebracht. Ich habe Charly getötet.«
»Ist das Ihre Tochter?«
»Nein«, antworte ich.
»Eine Verwandte?«, fragt er.
Ich schüttele den Kopf.
»Vielleicht können Sie es mir ein wenig leichter machen.« Er lächelt. »Würden Sie mir verraten, wer Charly ist?«
»Ich war Charly.«
Der Arzt sieht mich stumm an. »Sie sind Charly«, wiederholt er. »Sie wollen mir erzählen, Sie hätten sich selbst überfahren?«
»Charly hat mich zum Monster gemacht.«

Im Kindle-Shop: Killerkind: Psychothriller.
Mehr über und von Cornelia Harz auf ihrer Autorenseite.



15. März 2019

'Bird in Custody: Gefangene des Militärs 1' von Rachel Vang

Kindle (unlimited)
»Während er mich betrachtet, weiß ich mit drückender Sicherheit, dass er gefährlich ist. Das Unbekannte, das ich im Bird in seinen Augen gesehen habe, ist nichts anderes als dunkles Verlangen.«

Juniper Rin kennt die Männer der Militärregierung nur als Gäste in der Bar, in der sie arbeitet. In der einzigen Stadt auf einem verwahrlosten Wüstenplaneten hält sie den Kopf unten, während sie darauf hinarbeitet, eines Tages genügend Geld für ein Ticket zu einem besseren Ort gespart zu haben. Auch mit den Rebellen, die sich gegen die neue Regierung wehren, hat sie nichts zu tun. Doch dann wird sie anstelle ihres Bruders für einen versuchten Anschlag auf einen Außenposten des Militärs festgenommen.

Zunächst glaubt sie, bald wieder in ihr altes Leben zurückzukehren. Doch Kael Cormez, der Militär, dem sie in die Hände fällt, hat nicht vor, seine Gefangene wieder gehen zu lassen. Er will sie in seinem Besitz, und seine Dominanz und Zärtlichkeit legen bald auch Fesseln um ihr Herz …

Leseprobe:
»Juniper«, ruft Bryant. »Hilf beim Servieren, die Mädchen kommen nicht hinterher.«
»Mach ich«, antworte ich ihm schnell. Ich nehme mir das Tablett für einen der hinteren Tische, auf das Bryant volle Biergläser gestellt hat. Während ich es sicher vom Tresen hebe, denke ich über seine Formulierung nach. Er spricht von seinen Mädchen, als würde ich nicht dazu gehören. Vielleicht wird es noch ein paar Wochen dauern, bis er mich dazuzählt. Es erinnert mich daran, dass ich mich ihm noch beweisen muss, und dass er mir den Job nicht gegeben hat, weil er mich unbedingt wollte. Entweder habe ich ihm leidgetan, oder er weiß, dass mein Bruder ein guter Kunde ist, weil er sich hier so oft betrinkt, wie sein mageres Gehalt in der Fabrik es zulässt. Fest steht jedenfalls, dass ich mich anstrengen muss. Ich brauche diese Arbeit.
Ich achte auf meinem Weg durch den Raum besonders darauf, nichts zu verschütten und niemanden anzustoßen, und spüre Bryants Blick noch in meinem Rücken, als ich den Tisch mit den Militärs erreiche. Sie sehen vor allem das Bier, das wie von allein den Weg von meinem Tablett in ihre Hände findet.
»Bist du nicht ein bisschen jung für diese Arbeit?«, will einer von ihnen wissen.
Er grinst breit, und nimmt seinen Worten damit jede Fürsorge.
Tatsächlich darf ich gerade erst in einer Bar arbeiten, das ist in Nexa Generis genau ab einundzwanzig erlaubt. Aber ich bin nicht besonders groß, und dass ich nicht so dürftig gekleidet bin, wie einige andere Kellnerinnen, lässt mich jünger aussehen. Einige tragen die Tops so tief, dass der Spitzenstoff ihrer BHs herausguckt, und die meisten von ihnen sind kurviger als ich. Ich müsste mit meinem schlichten dunklen Oberteil neben ihnen eigentlich uninteressant aussehen, aber das hält den Mann nicht davon ab, mir auf die Rundungen meiner Brüste zu starren.
»Keine Sorge, ich bin alt genug«, versichere ich ihm.
»Ich glaube, ich kann sehen, wie dein Implantat rot anläuft«, witzelt er, und während er seine Finger locker um mein Handgelenk legt, stimmen einige der anderen in das Gelächter ein. Ich muss mich zusammenreißen, um meinen Arm nicht wegzudrehen, in dem mein digitaler Ausweis steckt.
»Kann ich euch noch etwas anderes bringen?«, frage ich freundlich. Diesmal antwortet mir jemand anderes.
»Wir brauchen nichts weiter.«
Ich erschaudere, als ich diese Stimme höre, und schaffe es nur eine Sekunde lang, den Mann anzusehen, dem sie gehört. Ich weiß, dass er Cormez heißt, jemand von den anderen hat ihn in meiner Nähe mit seinem Nachnamen angesprochen. Er kann höchstens Ende zwanzig sein, aber etwas in seinem Blick lässt ihn gefährlicher wirken, als alle Männer, die ich in dieser Bar je gesehen habe. Seine Augen sind wie eine dunkle Nacht, in der sich etwas Unbekanntes bewegt. Sie sind nicht braun, wie meine, sie sind onyxschwarz.
Ich habe ihn schon vor einer Woche hier gesehen, und genau wie beim letzten Mal reagiere ich auf eine Weise auf ihn, die mir hoffentlich niemand ansehen kann. Er ist noch nass vom Regen, ein paar letzte Tropfen hängen in seinem dunklen Haar. Vielleicht ist das der Grund, warum ich ihn so stark wahrnehme, der vom Regen intensivierte Geruch, der an ihm haftet. Der Duft ist angenehm männlich, und vielleicht ist es seine schwarze Militärkleidung, die diese gefährliche Note hineinmischt, die zu seinen Augen passt. Seine Haut sieht im dämmrigen Barlicht und den bunten Neonlichtern im Fenster gebräunt aus. Seine Hände sind kräftig. Als ich ihn das erste Mal gesehen habe, musste ich mir unwillkürlich vorstellen, wie es wäre, wenn sie meine Haut berührten.
Dieses Mal kann ich nicht anders, als seine weichen Lippen zu bemerken.
»Sie wird schlecht gehen können, wenn du dich an ihr festhälst«, fügt er mit einem harten Blick zu seinem Kollegen hinzu, der nach meinem Handgelenk gegriffen hat. An der Reaktion der anderen merke ich, dass Cormez ihnen übergeordnet ist. Selbst ich reagiere auf seinen Befehlston. Ich spüre, wie meine Wangen rot werden, während der andere Mann mein Handgelenk loslässt. Er grinst, setzt dazu an, etwas zu sagen, und streckt dabei die andere Hand aus, um nach meiner Hüfte zu greifen. Im nächsten Moment liegt er mit verdrehtem Arm mit dem Oberkörper auf dem Tisch und atmet geräuschvoll aus.
Erst nach zwei Atemzügen verstehe ich, was passiert ist.
Cormez hat ihn am Arm gepackt und zu sich gezogen, um ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen, und hat ihm dann das Handgelenk nach oben gedreht, sodass er jetzt mit dem Oberkörper auf den Tisch gedrückt wird. Am Gesicht des Bezwungenen sehe ich, wie der Griff in seinem Schultergelenk schmerzen muss.
Ich treffe Cormez’ Blick, der sich anfühlt, als würde er für einen Moment viel zu tief in mich eindringen. Er lässt mich den Atem anhalten.
»Verzeihung«, sagt er ruhig zu mir. Er macht eine kleine Pause, in der ich nicht fähig bin, mich zu rühren oder über eine Antwort nachzudenken. »Du kannst jetzt gehen.«
Wie ferngesteuert tue ich, was er befohlen hat. Mein Gesicht ist immer noch heiß, während ich den erhöhten Bereich verlasse und mich wieder in die Sicherheit des Tresens flüchte.

Im Kindle-Shop: Bird in Custody: Gefangene des Militärs 1.
Mehr über und von Rachel Vang auf Instagram.



'Aschefluch' von Maya Thule

Kindle (unlimited)
Joesins Leben ist verwirkt.
Als er sich vor zwei Jahren gegen den Tyrannen Caruss stellte, wurde er gefangen genommen und von ihm verflucht. Es gelingt ihm zu fliehen, doch nun ist er ein Gejagter und heimatlos.

Als er von Prinzessin Moas Verlobung mit Caruss Sohn hört, schmiedet er einen folgeschweren Plan: Er entführt die Prinzessin, um das Bündnis der beiden Reiche zu verhindern und Moa als Druckmittel gegen Caruss einzusetzen. Alles ändert sich jedoch, als Moa längst totgeglaubte Gefühle und Hoffnungen in ihm weckt und er erkennt, dass er sich Caruss nicht alleine stellen muss.

Prinzessin Moa verbringt ihr Leben behütet wie eine Porzellanpuppe hinter Glas im Königreich der Tausend Flüsse. An ihrem sechzehnten Geburtstag soll sie Alawas heiraten. Die Verbindung sichert König Caruss die Zufuhr der Staubdiamanten, die er für die Erschaffung seiner furchtbaren Aschewesen benötigt. Am Vortag ihrer Hochzeit wird Moa von Joesin entführt, doch mit der Zeit begreift sie, dass ihn mehr antreibt als Rache. Auf der Flucht wird ihr wortkarger Entführer zu ihrem Beschützer und sie kann nicht verhindern, dass sie sich mehr und mehr von ihm angezogen fühlt.

Schon bald muss Moa eine Entscheidung treffen: Denn nur, wenn sie ihr eigenes Leben riskiert, hat sie die Chance, Joesins Leben zu retten und einen Tyrannen zu stürzen.

Dies ist die überarbeitete Neuauflage des Titels „Der Fluch des Königs“. Sie enthält außerdem neue Kapitel.

Leseprobe:
Als Moa zu sich kam, war sie sofort hellwach. Sie lag auf feuchtem Boden, inmitten hoher Schilfhalme. Ein leichter Wind trieb durch die gelben und grünen Stängel und ließ sie hin- und herschwingen.
Ihr Herz schlug wie wild, der bittere Geschmack von Angst breitete sich auf ihrer Zunge aus, doch sie blieb reglos liegen.
Bestürzt stellte sie fest, dass sie keinerlei Fähigkeiten besaß, die ihr in dieser Lage von Nutzen gewesen wären. Sie konnte stricken, malen, mehrere Instrumente spielen und tanzen. Sie sprach mehrere Sprachen und war belesen in der Philosophie und Geschichte ihres Landes, aber … bei allen Wellen, sie konnte nicht einmal reiten oder ein Boot steuern.
Ihre Zofen hatten ihr immer wieder vorgeschlagen, ihr im Geheimen das Bogenschießen beizubringen, hatten versucht, ihr den Umgang mit Dolchen nahezubringen oder wenigstens zeigen wollen wie man Schlösser mit einer Haarnadel knackte, doch sie hatte all das entschieden abgelehnt. Es war ihr zu gefährlich vorgekommen.
Denn ihr Onkel hätte getobt, wenn er davon erfahren hätte. Nach dem gewaltsamen Tod ihrer Eltern hatte Mahn ihr einen goldenen Käfig gebaut und sie hatte sich darin niedergelassen wie der nutzlose, ängstliche Schmetterling, der sie war, und ihren Käfig für eine weite Welt gehalten.
Wie dumm sie gewesen war, wie naiv.
Ihr Entführer hockte mit dem Rücken zu ihr im Schilf und stöberte in einem Bündel. Er hatte sein Narrenkostüm gegen eine einfache, lederne Hose und ein braunes Hemd getauscht, über dem er eine Jacke aus Hirschleder trug. Um seine Hüften war ein Schwert gegürtet und neben seinem linken Fuß lag ein Dolch.
Vorsichtig streckte Moa eine Hand danach aus.
Der Fremde fuhr herum und packte ihr Handgelenk. Dunkelgrüne Augen blitzten vor Zorn. „Niemals“, zischte er, „wirst du mein Schwert oder diesen Dolch berühren! Verstanden?“
Moa nickte erschrocken.
Er ließ sie los und sie drückte ihre Hand an den Körper. Sein Griff war schmerzhaft fest gewesen.
„Wo sind wir?“, fragte sie. Ihre Kehle war wie ausgedörrt und in ihrem Kopf pulste ein hartnäckiger Schmerz.
„Außerhalb des Tals, Prinzessin. Dies ist der Anfang der Schilfebenen.“
Moa setzte sich auf und rückte von ihm ab. Misstrauisch beäugte sie die hohen Schilfstängel und das wogende Gras. Ihr Blick blieb an der massiven Felswand hängen, die über ihnen aufragte und ihre Augen wurden groß. Wenn es stimmte, was der Fremde behauptete, dann waren dies die letzten Ausläufer der Berge, die das Tal der tausend Flüsse umschlossen. Sie befand sich fünf Bootstagesreisen vom Schloss entfernt.
„Aber wie …? Was ... was hast du getan?“, hauchte sie fassungslos. „Wie kannst du nur du … du …“ Sie raffte ihre Gewänder um sich und rutschte noch weiter von ihm weg.
„Joesin“, half er ihr aus.
„Was?!“
Seine grünen Augen funkelten. „Joesin. Das ist mein Name.“ Er wandte sich wieder seinem Bündel zu.
Moa biss sich vor hilfloser Wut in die Unterlippe und musterte ihren Entführer. Sein Haar war dunkel und von einem aschfarbenen Glanz überzogen, wie die Farbe von nassem Felsgestein, und seine Haut war so bleich, dass sie beinahe grau wirkte.
„Du bist von den Klippen“, stellte sie fest. Sein Aussehen verriet ihn, doch auch sein Name klang wie einer von den Klippen. Moa musste schlucken, ehe sie die Frage stellen konnte: „Was hast du mit mir vor?“
Mit pochendem Herzen wartete sie, doch Joesin ignorierte sie. Er zog ein braunes Hemd und eine wollene Hose aus dem Bündel und hielt es ihr vor die Nase.
„Das wirst du anziehen“, sagte er. „Mach schnell.“
Moa starrte von ihm auf die Kleidung und wieder zurück zu ihm. Er konnte unmöglich meinen, was er sagte.
Die Ungeduld auf seinem Gesicht drohte in Zorn umzuschlagen. „Na los“, befahl er grob und warf ihr die Kleidungsstücke vor die Füße. „Oder willst du in deinen Festtagsgewändern durchs Schilf spazieren?“
Moa suchte in seinem Gesicht nach einem Anzeichen dafür, dass er nur Scherze machte, fand jedoch nichts als steinerne Härte. Joesin stand auf und drehte ihr den Rücken zu. „Beeil dich, Prinzessin“, sagte er über die Schulter. „Wir wollen in Bewegung sein, bevor die Sonne gänzlich am Himmel steht.“
Mühsam kam Moa auf die Beine und blickte auf den braunen Haufen Stoff zu ihren Füßen. Selbst die ärmsten Bauern mussten bessere Kleidung besitzen.
Sie entfernte sich einen Schritt von dem Haufen und spähte ins Schilf. Es war so dicht, dass sie keine Armlänge weit sehen konnte. Wenn sie einfach loslief und es weit genug schaffte, hätte dieser … Joesin keine Chance sie wiederzufinden. Moa raffte ihre Gewänder und schob sich Stück für Stück rückwärts durch die Stängel.
Sie konnte sehen, wie sein Körper sich anspannte. „Denk nicht einmal dran“, grollte er mit tiefer Stimme.

Im Kindle-Shop: Aschefluch.
Mehr über und von Maya Thule auf ihrer Website.



14. März 2019

'schwarz - rot - tot' von Eddy Zack

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Spannend - brisant - erotisch - aktuell.

Zürich. Eine behäbige, beinahe spießige Stadt. Aber hinter der Fassade der heilen Bürgerlichkeit brodelt es. Immer wieder verschwinden Frauen. Alle waren jung, niemand vermisst sie, denn sie sind Ausländerinnen und Huren. Die Polizei steht vor einem Rätsel.

Weitere Bücher von Eddy Zack (D.W. Crusius) auf seiner Autorenseite.

Leseprobe:
Psychiatrie ist Scheiße. Wenn Sie da hineingeraten, egal aus welchen Gründen, werden Sie erst einmal entmündigt. Ich meine nicht im juristischen Sinn, sondern so ganz praktisch. Sie entscheiden nichts mehr selbst. Wäre es möglich, würden Ihnen die Ärzte vorschreiben, wann Sie pissen und kacken. Es mag ja sein, dass manch einer dort gut aufgehoben ist, sich vielleicht auch ganz wohl fühlt, weil er den Unterschied zwischen drinnen und draußen nicht mehr erkennt. Ich habe hinter den Gittern diverser Klappsmühlen gelernt, dass viele dort hineingeraten, obwohl sie völlig normal sind, es zumindest vorher waren. Vielleicht hatten sie einen leichten Sprung in der Schüssel, benahmen sich manchmal eigenartig, trugen schrill gemusterte Krawatten und Unterhosen mit Röschen am Schlitz oder pinkelten in aller Öffentlichkeit an Laternenpfähle. Durch das große eiserne Tor gelangten sie, weil Familienmitglieder, Ehefrauen, Kinder oder die Justiz sie für verrückt erklären ließen. Ist man erst einmal drin, braucht es eine gehörige Portion Glück, die Anstalt wieder verlassen zu dürfen. Wenn die amtsärztlichen Fehlentscheidungen lange genug weggesperrt sind, schnappen sie in der Regel tatsächlich über. Die Ärzte haben lediglich Ursache und Wirkung vertauscht.
Es ist dort wie im Knast – alle werden zusammengesperrt. Im Knast sitzt der Handtaschendieb mit dem Serienkiller in einer Doppelzelle, in der Klappsmühle läuft auch alles durcheinander. Man kann lange rätseln, wer da von wem lernt, im Knast wie in der Psychiatrie. Beide Einrichtungen sind so eine Art staatlich geförderter Workshop, um es mal auf Neu-Deutsch auszudrücken.
Ich kam in die Psychiatrie, weil ich zu viel trank. Ich habe immer getrunken. Von meinem fünfzehnten Geburtstag an durfte ich in den großen Ferien als Getränkeboy auf den Fernschnellzügen zwischen Rom und Zürich fahren, und diese Züge waren so was wie rollende Akademien für Sauereien aller Art. Meine Mutter wohnte in einem kleinen Nest an der Strecke auf italienischer Seite, deshalb bin ich halber Italiener. Mein Vater war Franzose, so steht es in meiner Geburtsurkunde. Kennengelernt habe ich ihn nie und ich vermute, auch meine Mutter kannte ihn nur flüchtig. Gerade die paar Minuten für einen Fick oder mehrere. Das Ergebnis war ich.
Ich fuhr also von Ende Juni bis Anfang September als Getränkeboy auf den Fernzügen und das prägte mich für mein späteres Leben. Mein Bruder, er war ein Jahr älter, war ebenfalls Getränkeboy. Wir waren Halbbrüder. Er war wie ich das Ergebnis eines Gelegenheitsficks unserer Mutter.
Die Eisenbahngesellschaft hatte uns schicke Uniformen verpasst, dunkelblaue Hosen, rote, eng sitzende Jacken mit Goldknöpfen und ein fesches Käppi. Die Männer, denen wir die Getränke brachten, waren großzügig und füllten uns oft so gründlich mit Schnaps ab, dass wir den Zielbahnhof, Rom oder Zürich, nicht auf eigenen Beinen erreichten. Die Frauen hatten andere Bedürfnisse und ich für meinen Teil habe auf diesen Reisen viel gelernt. Ich vergaß zu sagen, die Züge hatten Schlafwagenabteile. Mein Bruder war der Favorit der männlichen Reisenden, ich der weiblichen. Ein Mann hat es einmal mit mir versucht, ich glaube, er hat mich in der Dunkelheit mit meinem Bruder verwechselt. Wir trugen identische Uniformen.
Als ich 18 wurde und mein Bruder 19, verließen wir die Schule, gingen normalen Berufen nach, hatten keine langen Sommerferien mehr und mit den Reisen war es vorbei, dem kostenlosen Schnaps und den gierigen Frauen.
Ich kann wirklich nicht sagen, nicht einmal schätzen, wie viele Frauen mich damals vernascht haben oder umgekehrt, wie viele ich in den engen Schlafwagenabteilen flachgelegt habe. Wenigstens war mir später auf den Matratzen nichts fremd. So ganz nebenbei hatte ich mir das Saufen angewöhnt.
Ich blieb in Zürich hängen. Mit meinem Bruder hatte ich später nie wieder Kontakt, und ich weiß auch nicht, wie es ihm im Leben ergangen ist. Ich trank zu viel, hatte oft keinen Job und kein Geld, landete in Asylen und psychiatrischen Einrichtungen. Es waren zumeist nur kurze Aufenthalte, ein oder zwei Wochen, manchmal einen Monat. Ich schaffte es auch, zwischen meinen Abstürzen einen Beruf zu erlernen, ich wurde Schriftsetzer in einer Buchdruckerei. Das war eine feine Sache, denn es brachte mich zur Literatur. Wir druckten alles zwischen Goethe, Schiller und Dürrenmatt auf der einen Seite und Groschenheften, Reklame und Porno auf der anderen, alles, was sich auf Papier drucken lässt. Ich druckte nicht nur, ich las auch, und es dauerte nicht lange, da schrieb ich drei Kurzgeschichten und schickte sie einem Verlag. Ich saß ja an der Quelle. Der Verlag nahm meine Geschichten an, schickte mir Geld, gerade soviel, dass ich motiviert war, weiterzuschreiben. So wurde ich Schriftsteller. Vielleicht kein richtiger, nur für Kurzgeschichten. Aber vergessen Sie nicht, auch Hemingway hat mit Kurzgeschichten angefangen und am besten gefällt mir sein Buch '49 Depeschen'. Das ist eine Sammlung seiner Reportagen. Von Hemingway habe ich viel gelernt. Der Verlag sagte mir, wie viele Seiten ich schreiben durfte. Die Zeitungen, für die Hemingway als Kriegsberichterstatter die Krisengebiete dieser Welt bereiste, räumten ihm Spalten für seine Meldungen ein. So wie Hemingway den Verlauf einer Schlacht in zwei Spalten unterbringen musste, schrieb ich das, was ich sagen wollte, auf drei oder wenn ich durfte, auch auf fünf Seiten. Einen Unterschied gab es noch – er schrieb über Kriege, ich über Frauen und Schnaps.
Soweit ließ sich das alles ganz gut an. Wenn mir nur nicht so oft der Schnaps in die Quere gekommen wäre.
Bei meinem letzten Alkoholabsturz, da war ich Ende dreißig, hatte ich, ohne es anfangs zu ahnen, Glück. Ich geriet an einen Arzt, der mich nicht nur entmündigte. Er wollte mir helfen, von dem Zeug loszukommen, und überredete mich, freiwillig in der Psychiatrie zu bleiben und mich einer gezielten Behandlung zu unterwerfen. Unterwerfung, das ist genau das richtige Wort für das, was sie dort mit mir machten.
Danach war ich einige Jahre trocken. Bis ich meine Freundin mit einem anderen Mann im Bett erwischte. Einen Moment stand ich in der offenen Schlafzimmertür und sah dem Gewusel auf der Matratze zu, hörte ihr Gestöhne. Ich drehte mich um, ging in die Küche, holte die beinahe volle Flasche Cognac für Besucher aus dem Schrank, setzte sie an den Hals und trank sie halb leer. Nach ein paar Minuten wirkte der Schnaps und ich trank den Rest. Einen Moment überlegte ich, dann fiel mir das Beil ein, mit dem wir sonst die Hühner tranchierten. Ich griff mir das Fleischerbeil vom Haken in der Küche und ging zurück ins Schlafzimmer. Ich wollte den Kerl nicht umbringen, ihm nur die Eier abhacken. Inzwischen hatte er seine Hosen wieder an und ich verletzte ihn nur an der Schulter, nichts Schlimmes, ich war zu besoffen. In meinem Suff hätte ich mich eher selbst kastriert.
Es war nicht so sehr der Betrug oder dass ich die beiden in flagranti erwischt hatte. Dass da was neben mir lief, ahnte ich schon lange. Nein, stimmt nicht. Ich wusste es, wollte es mir selbst nur nicht eingestehen. Bis ich unplanmäßig in der Schlafzimmertür stand und sah, wie sie einem Kerl den Schwanz bearbeitete. Da konnte ich es nicht länger verdrängen. Sie hörte nicht etwa auf mit ihrer Lutscherei, war entsetzt oder schuldbewusst. Im Kino sagt die Heldin an dieser Stelle – es ist nicht so, wie es aussieht oder ähnlichen Blödsinn. Nein, sie sah mich an seinem Gehänge vorbei an, grinste und lutschte weiter, grinste zu mir hoch und lutschte auf Teufel komm raus. Als wollte sie mir irgendetwas beweisen.

Im Kindle-Shop: "schwarz - rot - tot" Thriller

Mehr über und von Eddy Zack auf seiner Website.



'Crazy Passion: Nur ein Hauch von dir' von Monica Bellini

Kindle | BookRix
Sie stehen mit beiden Beinen mitten im Leben. Ihre kleinen Geheimnisse verbergen sie hinter den Mauern, die sie aus Selbstschutz errichtet haben - bis aus ihrer Zusammenarbeit Freundschaft und noch ein wenig mehr wird …

Desmond ist ein charismatischer und vom Erfolg verwöhnter Mann. Die unabhängige und auf Distanz bedachte Gwendolyn fasziniert ihn. Er setzt alles daran, sie zu verführen. Sie lässt sich auf ein prickelndes Spiel aus Begehren und Zärtlichkeit, Hingabe und Ekstase ein. Doch ein unerwartetes Geständnis Desmonds wirft dunkle Schatten auf die Leidenschaft, die sie miteinander teilen. Gwendolyn weiß plötzlich nicht mehr, wer der Mann ist, den sie so gut zu kennen glaubte …

Dieser Roman erschien 2015 unter dem Titel "Gwendolyn". Das vorliegende Buch wurde neu überarbeitet.
Weitere Bücher von Monica Bellini (Lisa Torberg) auf ihrer Autorenseite.

Leseprobe:
Mein sechster Sinn schlug Alarm, noch bevor ich den leisen Luftzug auf meinem Körper spürte, den die sich öffnende Duschtür verursachte. Ich hob die Hände, stützte mich nach Halt suchend an der Wand ab. Seine starken Arme umfassten mich von hinten, hielten mich unterhalb der Brust umschlungen. Er beugte sich vor, sein Mund verweilte kurz in meinem Nacken. Er küsste mich zart mit seinen weichen Lippen, bis hinauf zum Ohr.
»Lauf nicht davon, Gwen. Lass dich fallen.«
Seine Zunge fuhr sanft den Rand des Ohres entlang, drang in die Mitte vor, verhielt kurz, begann zu kreisen. Ich stöhnte auf. Er zog meinen Oberkörper an sich, seine Brust lag an meinem Rücken. Langsam schob er seine Hüften vor, sein harter Schwanz drängte gegen meinen Po, zwischen die Pobacken, und das warme Wasser prasselte unablässig auf uns ein. Ich legte den Kopf zurück auf seine Schulter und schloss die Augen.
Seine Lippen liebkosten die Kuhle oberhalb des Schlüsselbeins, glitten zum Hals. Die Berührung seiner Zunge auf der sensiblen Haut war so sinnlich, dass ich leise wimmerte. Seine Hände fuhren hoch, legten sich schützend um die sanfte untere Rundung meiner Brüste, fuhren langsam nach oben. Mit Daumen und Zeigefingern griff er nach meinen Nippeln, drückte, massierte, zog daran. Seine Erektion wurde härter, größer.
Ich wollte mich nur noch fallen lassen, ihn spüren, in mich aufnehmen, an nichts mehr denken.
»Gwen, warte! Das Kondom.« Seine Stimme klang heiser, als er sich von mir lösen wollte. Ich hob die Arme und schlang sie um seinen Hals.
»Vergiss es! Ich will dich! Jetzt!«
Meine Beine spreizten sich ohne mein Zutun, sein hartes Glied drängte vor. Mit einer Hand hielt er weiterhin meine Brust, die andere glitt über meinen Bauch nach unten, zärtlich, langsam. Seine Finger strichen über meine Lustperle, umkreisten sie, glitten hinab und teilten meine Schamlippen.
Desmonds Mittelfinger glitt hinein in die pulsierende, heiße Öffnung, fand meinen Lustpunkt, massierte so gekonnt, dass sich die Muskeln meiner Vagina um ihn schlossen. Ich hielt die Luft an, kämpfte gegen die Schwäche meiner Beine an, stemmte die Handflächen gegen die Duschwand und mein Becken begann zu kreisen. Aus einem Finger wurden zwei, glitten in mir auf und ab, die andere Hand ließ meine Brust los. Er packte seinen Schwanz, die Finger zogen sich zurück und massierten meine Klitoris, als er in mich eindrang.
Hart füllte er mich aus, ich drängte mich ihm entgegen, nahm ihn in seiner vollen Länge auf, spürte den süßen Schmerz, als er am Muttermund anstieß. Er stöhnte, glitt ein Stück zurück, wieder tiefer hinein, immer rascher im Wechsel, während er mit seinem Finger meine harte Perle rieb. Plötzlich war mein Hirn leer, alle Gedanken wie fortgeweht. Eine unheimliche Leichtigkeit überkam mich gemeinsam mit der Lustwelle, die mich forttrug in einem ersten Orgasmus, tief in mir. Meine Muskeln schlossen sich um den harten Schaft, reizten und massierte ihn, bis sich der erste Schwall seines Spermas den Weg in meine Tiefe suchte. Er ejakulierte in wilden Stößen, immer wieder, schrie meinen Namen und massierte meine Klitoris noch fester, bis sie pulsierend explodierte.
Ein Feuerwerk traf meinen Sehnerv, als der zweite Orgasmus mir den Atem raubte, der sich wie eine Flutwelle ausbreitete. Ich stöhnte, keuchte, weinte vor Lust. Die leidenschaftliche Welle ging von außen nach innen, erneut umschlossen meine Muskeln krampfhaft das Glied, das immer noch den dickflüssigen Saft ausstieß.
Das warme Wasser rann weiterhin über unsere Körper, die nun vereint waren, sich nicht voneinander lösen wollten, auch nicht, als sie sich beruhigten. Desmond hielt mich fest umschlungen, mein Kopf lag immer noch auf seiner Schulter. Er beugte sich vor, küsste sanft und unheimlich zärtlich meinen Hals, dann das Kinn, als mein Verstand wieder einsetzte.
Bevor er meinen Mund erreichte, hob ich den Kopf, wich ihm aus und sein Penis glitt aus mir heraus. Ich griff nach dem edlen Flakon mit dem Duschgel. Energisch betätigte ich den Seifenspender und verteilte das Gel auf meinem Körper, nahm noch mehr von der wohlduftend-herben Flüssigkeit und drehte mich zu ihm um. Mit meinen seifigen Fingern fuhr ich über seinen Körper. Sanft, vom Nacken über die Brust nach unten. Sein Körper bewegte sich nicht. Es schien, als ob er meine Berührungen einfach nur ertrug, sie ihm keine Freude bereiteten.
Meine Augen suchten seinen Blick.
Er war ernst, fast traurig.
Doch als sich meine Finger um seinen Schwanz schlossen, die Hoden massierten, einseiften, schließlich über die Hüfte nach hinten fuhren und auf seinem Po liegen blieben, weiteten sich seine Pupillen vor Begierde. Er beugte sich vor und küsste mich zärtlich auf die Stirn. Dabei hielt er mich an den Oberarmen und drückte mich sanft von sich, bevor er nach dem Shampoo griff. Ich konnte die Enttäuschung spüren, die er fühlte. Es war ihm wohl leichter gefallen, meine Bedingung in der Theorie zu akzeptieren, als in der Realität.
»Sex ja, Küsse nein«, hatte ich mehr als einmal wiederholt, bevor ich seine Einladung angenommen und somit einem Sex-Abenteuer zugestimmt hatte.
Denn genau das war es.
Nicht mehr und nicht weniger.

Im Kindle-Shop: Crazy Passion: Nur ein Hauch von dir.
Weitere Shops: Buch bei BookRix
Mehr über und von Monica Bellini auf ihrer Website.