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Bücherkarussell
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23. Januar 2019

'Blickwinkel - Kurzgeschichten über den Tellerrand hinaus' von Florian Richter

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Ein tanzender Ninja in der Großstadt oder eine diabolische Fruchtfliege in geheimer Mission. Der Serienkiller oder der Reisende in fernen Ländern. Mit den unterschiedlichen Kurzgeschichten und Gedichten gehen Gedanken auf Reisen durch verschiedene Welten. Mal zum Schmunzeln oder Gruseln, mal nachdenklich oder verträumt! Die kurzen Geschichten nehmen verschiedene Perspektiven ein und verschaffen so eine teils überraschende Sicht und einen neuen BLICKWINKEL!

Leseprobe:
Verfolgt (aus dem Thema Spannungsbogen)
„LAUF!“
Dieser Gedanke schoss ihr durch den Kopf, als die Schritte immer näher kamen. Seit einer halben Stunde war sie sich bewusst, dass sie verfolgt wurde. Einige Male hatte sie sich während des Laufens umgedreht, war plötzlich abgebogen und von ihrer normalen Route abgewichen, tiefer hinein in den Wald. Immer war er da.
Ein paar Mal atmete sie auf, als sie die bedrohlichen Schritte nicht mehr vernahm, wurde langsamer, bis sie sie im gleichen Augenblick wieder hörte. Angst machte sich breit. Eine Angst, die tief aus ihrer Seele kam, nahm ihr fast den Atem, zwängte sie ein, so dass es ihr schwer fiel, gleichmäßig das hohe Tempo beizubehalten.
Wieder eine Abzweigung. Sie bog ohne zu überlegen nach links ab, um es danach direkt wieder zu bereuen. Der Weg war schmaler, matschiger, teils von großen, mit schlammigem Wasser gefüllten Pfützen übersät.
„Gib nicht auf! Du kommst hier heil raus!“
Sie versuchte, sich zu motivieren. Ein kurzer Blick zurück. PLATSCH!
Ihr Schuh versank in der Pfütze. Sie knickte weg. Ein Schmerz schoss in ihren Knöchel. Sie wollte stehen bleiben, doch im gleichen Moment hörte sie das saugend schmatzende Geräusch von Schuhen auf matschigem und rutschigem Boden in ihrem Nacken. Sie ignorierte die Schmerzen so gut es ging und lief weiter. Dunkle Gedanken schossen ihr in den Kopf. Überfall, Missbrauch, Vergewaltigung! Fast jeden Tag konnte man doch so etwas in der Zeitung lesen.
„Du wirst die nächste sein!“
Dieser Gedanke wurde von Schritt zu Schritt lauter. Sie beschleunigte ihren Lauf. Wie gut, dass sie fast täglich trainierte. Einfach wollte sie es ihrem Verfolger nicht machen. Doch die Angst lähmte sie. Sie spürte es bei jedem Atemzug.
SEITENSTECHEN!
Sie wusste, dass es so kommen musste. Dieses ungleichmäßige Atmen führte zwangsläufig dazu. Sie zwang sich, etwas langsamer zu laufen und versuchte, ihre Atmung wieder zu kontrollieren. Sie riskierte einen Blick über die Schultern. Da war er. Sie hatte es geschafft, den Abstand zwischen ihm und sich zu vergrößern. Aber er folgte ihr immer noch. Dieser Mann, der ihr nun schon seit 45 Minuten hinterherlief. Er war dunkel gekleidet. Dunkelgraue, kurze Hose, in der muskulöse Beine steckten, schwarze Laufschuhe, schwarzer Kapuzenpulli mit der Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Das Seitenstechen ließ nach. Sie beschleunigte ihre Schritte. Wieder eine Kreuzung. Kurz nahm sie sich Zeit. Licht! Ein breiter Waldweg führte in ca. einem Kilometer aus dem Wald. Sie beschleunigte ihre Schritte. Ihr trainierter Körper protestierte kurz, doch den Endspurt würde sie jetzt schaffen.
"Du schaffst es!"
Nach 200 Metern schaute sie noch einmal zurück. Er war näher gekommen. Ca. 150m von ihr entfernt lief er in seinem immer noch lockeren und leicht federnden Laufstil. Trotz ihres lädierten Knöchels und ihrer schmerzenden Lungen beschleunigte sie weiter. Sie würde es schaffen. Sie lauschte nach hinten. Kamen die Schritte näher? Sie riskierte noch einen Blick. Er kam näher …

Tagtraum (aus dem Thema Träume und Gedanken)
Früh morgens habe ich das kleine Ferienhaus hier in einem schmalen Tal in Ostisland verlassen. Die grau-weißen Wolken hängen bedrohlich tief über den zerklüfteten Bergen, dichter Nebel zwischen den schroffen Felsen. Ich schlage die Kapuze über den Kopf und binde die Wanderschuhe noch einmal fester zu. Leise höre ich das Meeresrauschen im Hintergrund. Ich atme noch einmal tief die feuchte, frische und salzige Morgenluft ein, orientiere mich kurz und setze mich in Bewegung.
Eine Zeit lang bleibe ich auf einer dieser für Island so typischen Schotterstraßen. Jetzt im Spätsommer ist sie ausgewaschen und mit Querrillen übersät. Nach einer Viertelstunde folge ich einem schmalen Pfad hinfort von der Straße. Wohin wird er mich wohl führen? Eins steht fest, weiter weg von der Zivilisation. Es geht bergauf. Langsam folge ich dem Weg tiefer in die Berge hinein. Eine schmale Schlucht taucht vor mir auf. An den Hängen liegen Schutthalden. Es sind Zeichen Millionen Jahre währender Erosion, hervorgerufen durch Wind, Wasser und eisige Kälte.
Das leise Meeresrauschen hat einem Plätschern Platz gemacht. Ein kleiner Wildbach sucht sich hier gurgelnd seinen Weg durch die Schlucht. An seinem flachen Ufer entlang wandere ich tiefer hinein in dieses chaotische Labyrinth aus Steinen und Erde. Weiter weg von der Zivilisation, weg von den Sorgen. Ich fühle mich frei. Da ist kein Mensch, dem ich Rechenschaft ablegen muss.
Über mir reißt langsam der Himmel auf. Die ersten zaghaften Sonnenstrahlen kämpfen sich durch das dunkle Grau, das hier und da nun erste helle Lücken aufweist. Nur hier in der Schlucht bleibt es dunkel, nass und kalt. Wo andere Menschen sich unwohl, sich von der Enge der Felsen erdrückt fühlen, fühle ich mich wohl. Wohlbehütet von tausenden Tonnen Jahrmillionen altem Gestein.
Plötzlich öffnet sich die Schlucht, gibt den Blick auf einen kleinen Kessel frei. Rundum von hohen Felsmauern umschlossen, fällt hier das eiskalte Wasser in Abermillionen schimmernden Tropfen gut zehn Meter in die Tiefe in ein kleines Becken, in dem sich das aufgewühlte Nass erst beruhigt, um dann seinen letzten Weg über ein steiniges Bachbett in den nahen Atlantik anzutreten. Tief atme ich ein. Genieße die Ruhe und Stille.

So atme ich noch ein paar Mal mit geschlossenen Augen tief durch, um mich dann wieder im Alltag des Büros zurückzufinden. Meine Seele lächelt.

Im Kindle-Shop: Blickwinkel - Kurzgeschichten über den Tellerrand hinaus.
Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Florian Richter auf seiner Facebook-Seite.



22. Januar 2019

'Erfolgreich abnehmen ohne Diät - mit der Kraft der 7 Emotionen' von Philip Mahlberg

Kindle (unlimited)
Abnehmen ohne Diät beginnt im Kopf!

Nicht der Cheeseburger oder die Sachertorte machen dich dick!
Abnehmen ist Kopfarbeit. Keine noch so spannende Diät, kein Wunderpulver und keine „Selbstkasteiung“ lassen dich abnehmen, wenn du nicht geistig damit einverstanden bist. Wenn du deine Gedanken und Gefühle findest, die zu deinem jetzigen Gewicht geführt haben, dann kannst du anfangen mühelos abzunehmen.

Hast du den Jojo-Effekt endlich satt?
Dann wird es Zeit zu lernen, wie du mit der Kraft deines Geistes entscheiden kannst, welche Ideen und demnach auch welche Emotionen du in deinem Körper lässt. Im Endeffekt entscheidet das dann über dein Handeln, und wie viel du abnehmen kannst. Denn wenn du dich schlecht fühlst, wirst du automatisch, ohne dass du es selbst möchtest, schlechtere Ess- und Lebensstilentscheidungen treffen.

Nach dem Lesen von diesem Buch wirst du:
- Die 7 positiven und negativen Emotionen kennen, die deinen Alltag bestimmen.
- Deine mentalen Fähigkeiten kennen, die dich in den Fahrersitz deines Lebens befördern.
- Endlich mit einem klaren Bild vor Augen mit deinem Körper und Geist zusammenarbeiten.

Hole dir das Buch noch heute mit nur einem Klick, damit du endlich ohne Diät abnehmen kannst. Mit der Kraft deiner Emotionen und deines Geistes wirst du endlich deine Traumfigur erreichen!

Leseprobe:
In meinem letzten Buch über das Hinzufügprinzip, habe ich darüber geschrieben, wie man anfangen kann abzunehmen, und das ganze ohne Diät, in dem man die Lebensmittel hinzufügt, die der Körper braucht. Mit diesem Werk möchte ich etwas Ähnliches tun, mich aber nur auf das Mentale und Emotionale konzentrieren. Während ich davor nur ganz kurz über Visualisierung und die Kraft der Gedanken geschrieben habe, möchte ich es hier vertiefen, um genau zu sein, ich möchte über Emotionen reden, aber nicht über irgendwelche, sondern über positive und negative. Positive, zu denen wir uns hinbewegen wollen, die wir mehr in unserem Leben brauchen, aber auch jene, von welchen wir Abstand gewinnen wollen, um ein glücklicheres Leben zu führen, und um das Gewicht zu bekommen, mit dem wir uns wohlfühlen.
Aber wie soll das funktionieren, und wer bin ich überhaupt, dass ich dir etwas über das Abnehmen erzählen kann? Ich heiße Philip Mahlberg, und habe es innerhalb von zwei Jahren geschafft über 50 Kilo abzunehmen, und das ohne Selbstkasteiung oder dem Zählen von Kohlenhydraten, Fetten oder Punkten.
Wie du mit der Kraft deiner Emotionen dein Gewicht beeinflussen kannst, funktioniert wie folgt: Eindrücke kommen durch deine Sinne in dein Bewusstsein, wo sie von dir bewertet werden. Daraufhin bildet sich eine Emotion oder ein Gefühl, welches sich durch das Unterbewusstsein im Körper ausdrückt. Aber was sind überhaupt Gefühle? Gefühl ist ein Wort, das wir erfunden haben, um unsere bewusste Wahrnehmung der Schwingung oder Vibration zu beschreiben.

Im Kindle-Shop: Erfolgreich abnehmen ohne Diät - mit der Kraft der 7 Emotionen.
Mehr über und von Philip Mahlberg auf seiner Website.



21. Januar 2019

Christiane Lind aka Cara Lindon

Christiane Lind hat sich immer schon Geschichten ausgedacht, die sie ihren Freundinnen erzählte, aber nur selten zu Papier brachte. Erst zur Jahrtausendwende erinnerte sie sich daran und begann Kurzgeschichten zu schreiben. Inzwischen hat sie unter verschiedenen Pseudonymen elf Romane veröffentlicht - seit 2016 nur noch im Selbstverlag, weil ihr die Freiheit und die Eigenverantwortung gefallen.

Beim Schreiben begibt sich Christiane Lind am liebsten auf die Spur von Familien und deren Geheimnissen, sei es im Mittelalter, dem 20. Jahrhundert oder auf anderen Kontinenten. Nach beruflichen Zwischenstationen in Göttingen, Gelsenkirchen und Bremen teilt sie heute in Kassel eine Wohnung mit Büchern, einem Ehemann und drei Katern. Die Samtpfoten erwarten von ihr, dass mindestens eine Katze in ihren Geschichten vorkommt, was gar nicht so einfach, inzwischen jedoch ihr Markenzeichen ist.

Unter dem Pseudonym Cara Lindon schreibt sie Liebesgeschichten, die in ihrem Sehnsuchtsland Cornwall spielen.

Weblink: www.christianelind.de


Bücher im Buch-Sonar:





'Zeit des Mutes' von Christiane Lind

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
»Jede von uns hat Angst«, sagte Lucy. »Aber dass wir den Mut finden, sie zu überwinden, das macht uns zu Kämpferinnen.«

Nur ihrem Tagebuch kann die junge Emma ihre rebellischen Gedanken anvertrauen. Nachdem sie es wagt, sich gegen die Wünsche ihrer Eltern aufzulehnen, senden diese ihre aufmüpfige Tochter zu Verwandten nach England. Dort, auf dem Landsitz Hazelwell Manor, soll sie einen passenden Ehemann finden. Der Plan gelingt, aber Emma wird nicht glücklich. Erst in London bietet sich ihr die Chance, ein freies und eigenständiges Leben zu führen. Aber ist sie wirklich bereit, Taten statt Worte sprechen zu lassen und aus ihrem gewohnten, sicheren Leben auszubrechen?

Auf Hazelwell Manor muss das Hausmädchen Lucy von früh morgens bis spät nachts arbeiten, um ihre Familie zu unterstützen. Als Lucy durch ein Missgeschick ihre Stelle verliert, flüchtet sie nach London und schlägt sich dort als unterbezahlte Arbeiterin durch. Die Begegnung mit Lady Eleanor Ingham, einer Suffragette, eröffnet ihr Chancen, von denen Lucy nie zu träumen wagte. Doch der Kampf für das Wahlrecht fordert einen hohen Preis ...

Ein emotionaler Roman um zwei starke Frauen aus unterschiedlichen Welten, die mutig ihren eigenen Weg gehen – vor dem Hintergrund der dramatischen Kämpfe um das Frauenstimmrecht.

Für kurze Zeit zum Aktionspreis von nur 99 Cent.

Leseprobe:
Braunschweig, 1913

Liebes Tagebuch,
nur dir kann ich mich anvertrauen. Niemand sonst wird verstehen, dass mein Herz gebrochen ist, dass mein Leben keinen Sinn mehr hat, dass ich ebenso gut bereits tot sein könnte.

Emma legte den Füllfederhalter zur Seite und stieß einen Seufzer aus. Das Blatt ihres in rotes Leder gebundenen Buches verschwamm vor ihren Augen, weil ihr wieder die Tränen kamen. Dabei hatte sie in den vergangenen Tagen so viel geweint, dass sie ausgetrocknet sein müsste. Sie suchte in der Schublade der Frisierkommode, die ihr als Schreibtisch diente, nach einem Taschentuch und schnäuzte sich ausgiebig. Es war ja niemand hier, der Anstoß daran nehmen konnte.
Nachdem sie ihre Fassung wiedergewonnen hatte, las sie durch, was sie geschrieben hatte.
»Das verdient er nicht«, murmelte sie und stieß ein Schnauben aus. »Außerdem klingt es furchtbar pathetisch. Später werde ich mich dafür schämen, so etwas formuliert zu haben.«
Sie griff nach dem Blatt, zögerte aber. Sollte sie es wirklich herausreißen? Sollte sie ihre tiefen Gefühle verraten, nur weil diese ihr später – wann immer das auch sein mochte – peinlich sein könnten? Man führte ein Tagebuch, um sich der Wahrheit zu stellen. Also nahm sie den Füllfederhalter wieder auf, holte tief Luft und setzte an.
»Gnädiges Fräulein. Sie wollen bestimmt nicht zu spät zu Tisch kommen.« Meta, das Erste Hausmädchen, das auch als Zofe für Emma arbeitete, trat ins Zimmer. »Die Köchin hat sich heute besonders viel Mühe gegeben.«
»Ich habe keinen Hunger.« Das war nicht gelogen. Seit Tagen verspürte sie keinen Appetit mehr und zwang sich bei Tisch dazu, ein paar winzige Happen zu essen, um nicht den Argwohn ihrer Mutter zu erwecken. Dabei wollte die, dass Emma schlanker wurde, um dem gängigen Ideal einer schönen Frau zu entsprechen.
»Wenn ein Mann mich liebt, dann muss er mich so lieben, wie ich bin«, war stets Emmas Antwort, was ihre Mutter mit einem »Papperlapapp« zur Seite wischte.
»Wenn Sie nicht zum Abendessen kommen, verärgern Sie Ihre Eltern.« Meta, äußerst vorlaut für ein Dienstmädchen, verdrehte die Augen. »Das sollten Sie jetzt wohl besser nicht, oder?«
Selbst die Dienstboten zerrissen sich die Münder über ihre Schande. Am liebsten hätte Emma geschrien oder wäre geflohen, ganz weit weg, doch sie war gefangen. Hier in der hochherrschaftlichen Braunschweiger Villa, gemeinsam mit ihren Eltern und ihrem Bruder. Die einzige Chance auf Freiheit hatte man ihr genommen.
»Sag unten Bescheid, ich bin gleich da.«
»Soll ich Ihre Frisur richten?«
»Nein.« Emma schaute sich im Spiegel an. Ihre dunkelbraunen Haare hatten sich aus der Hochsteckfrisur gelöst, als sie wieder und wieder mit den Fingern hindurchgefahren war, getrieben von bitteren Erinnerungen. »Oder besser doch.«
Während sie im Spiegel beobachtete, wie geschickt Meta die Strähnen zu einer eleganten Haartracht knüpfte, wollten ihre Gedanken erneut wandern, aber Emma verbat es ihnen. Sie hatte schon viel zu viel Zeit und Überlegungen verschwendet. Sie wollte nicht trauern, sondern leben, denn das wäre die beste Rache. Eine neue Liebe finden und glücklich werden. Oder einem weißen Hasen in ein Wunderland folgen. Wer sollte sie schon lieben?
»Bitte schön.«
»Danke. Geh voraus und gib Bescheid, ich habe noch zu tun.«
Sie konnte sie förmlich auf Metas Gesicht ablesen, die Frage, was ein junges Fräulein wie sie schon zu arbeiten hätte, aber das Dienstmädchen schwieg und ging.
Emma hielt eine Brosche an ihr Kleid, entschied sich dagegen, nahm eine Gemme, die ihr auch nicht gefiel. Sie trödelte, obwohl sie wusste, wie sehr ihre Eltern es hassten, wenn sie sich zum Abendessen verspätete. Doch sie ertrug dieses familiäre Beisammensein kaum. Ihre Kehle fühlte sich an wie zugeschnürt und der Appetit war ihr vergangen, wenn sie daran dachte, was sie erwartete. Vielleicht sollte sie vorgeben, krank zu sein, um wenigstens einen Abend Ruhe zu haben.
»Dafür bin ich zu feige. Wie für so vieles.« Sie schaute in den Spiegel, kniff sich in ihre runden Wangen, damit diese Farbe bekamen, und begab sich auf den Weg zum Speisezimmer.
Was wäre heute Abend wohl das Thema, zu dem ihr Vater seine Meinung zum Besten geben würde? Manchmal konnte Emma es nicht mehr aushalten, ihn schwadronieren zu hören. Immer wieder stellte sie sich vor, wie sie aufsprang und schrie: »Ich ertrage das nicht mehr! Halte einfach den Mund!«
Oft malte sie sich vor dem Einschlafen diese Szene in den buntesten Farben aus. Sie sah es vor sich, wie ihr Vater erst stutzte, dann die Augen aufsperrte, während sein rundes Gesicht hinter dem gewaltigen Schnurrbart rot anlief. Aus seinem aufgerissenen Mund kam kein Ton, sodass er sie an einen der Karpfen erinnerte, die es jedes Jahr zu Weihnachten gab. Der arme Fisch lebte drei Tage in einem Zuber in der Küche, bevor Ida, die Köchin, ihm Heiligabend den Garaus machte.
Doch in der Wirklichkeit fehlte Emma der Mut, genau wie ihrem drei Jahre jüngeren Bruder und ihrer Mutter. Stumm hörten sie sich an, was der Vater zu sagen hatte, und dachten sich ihren Teil. Obwohl sie sich bei Franz nicht sicher war, ob der überhaupt etwas dachte.
»Unglaublich, was in London geschieht.« Der spitze Zeigefinger ihres Vaters durchstach die Luft. »Wilde Weiber, die Bomben legen.«
Auf der Anrichte lag die »Braunschweigische Tageszeitung«, in der er wohl etwas entdeckt hatte, was seinen Zorn erregte. Das konnte vieles sein: Arbeiter, die mehr Rechte forderten; etwas, das Heinrich Jasper, Mitglied der Braunschweiger Stadtverordnetenversammlung und – schlimmer noch – SPD-Mitglied, gesagt hatte; überhaupt alles, was Veränderungen bedeuten konnte. Für ihren Vater war die Welt gut, so wie sie war.
»Das Wahlrecht wollen sie. Was ist dann das Nächste?« Ihr Vater stieß ein Schnauben aus, mit der er stets ihm abwegig erscheinende Ideen begleitete. »Eine Frau gehört in die Familie. Das ist gottgewollt.«
»Arthur, bitte. Gibt es heute kein passenderes Thema?«
Was hatte das zu bedeuten? Warum griff ihre Mutter ein und versuchte, den Vater von seinem Monolog abzubringen? Sollte sie etwa für das Wahlrecht sein? Emma kniff die Lippen zusammen, damit sie nicht kicherte. Diese Vorstellung war gar zu abwegig.

Im Kindle-Shop: Zeit des Mutes.
Mehr über und von Christiane Lind auf ihrer Website.



'Kursverlust: Szenen einer Krise' von Marlen Albertini

Kindle | Tolino | Taschenbuch
«Der Blick fällt auf seine Schuhspitzen, die wie immer frisch poliert glänzen und mit dem scheinbar neu verlegten Linoleumbelag der riesigen Wartehalle um die Wette spiegeln. Ein seltsamer Geruch von Bohnerwachs, Schweiß und Misserfolg schwebt über den Wartenden, die wie angewurzelt auf den an der Wand befestigten Klappstühlen verharren. Eine überwältigende Stimmung der Resignation schnürt ihm fast die Kehle zu, als sein Blick die LED-Anzeige der Nummernanlage streift. »763 bitte in Raum 16!«, fordert eine blechern klingende Stimme eindringlich und bestimmend auf …«

Georg von Lakin – Romanfigur und Hauptdarsteller dieser szenisch aufbereiteten Persiflage – lässt nichts anbrennen. Inmitten der wohl größten Finanz- und Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg kämpft er mit allen Mitteln und unlauteren Praktiken um den ersten Platz auf der Karriereleiter.

Halsbrecherische Finanztransaktionen begleiten seinen Weg in ein politisch herausragendes Amt ebenso wie Betrügereien, Veruntreuungen, undurchsichtige Beziehungsgeflechte und illegale Machenschaften. Lakin setzt aufs Ganze und verliert doch alles: Macht, Ansehen, Geld und Ruhm. Der steinige Weg zurück in ein Leben, das ein wenig Anerkennung, Ansehen und Status zurückbringen soll, gestaltet sich abenteuerlich und äußerst schwierig. Kann ihm der Kraftakt gelingen?

Marlen Albertini kratzt mit ihrem neuen Roman an den gesellschaftlichen Fassaden und bietet vor dem Hintergrund der weltweiten Wirtschaftskrise seit 2008 szenische Einblicke in die Welt der Zocker, Blender, Verlierer und Gescheiterten ...

Leseprobe:
[...]
Auf der Treppe nimmt Lakin gleich drei Stufen auf einmal. Er fühlt sich beschwingt und erholt, und freut sich darauf, in wenigen Minuten wieder die große Welt des Aktienhandels zu bewegen. Längst ist er nicht mehr nur Stadtrat und aufstrebender Elite-Politiker, sondern auch Vermögensberater. Besser gesagt hält er sich für einen genialen Broker und verfügt inzwischen über 30 finanzstarke Kunden, die täglich seine Tipps erwarten.

Wie es sich für einen gestandenen Börsenhändler gehört, ist sein Schreibtisch mit vier nagelneuen 24-Zoll-Flachbildschirmen ausstaffiert. So hat er die Aktienlage jederzeit bestens im Blick. Allzu viel benötigt er nicht, um seinen zusätzlichen, äußerst lukrativen Job zu machen. Neben den PCs verfügt er über einen schnellen Internet-Anschluss. Ein Vertrag mit seiner Hausbank ist auch unter Dach und Fach. Das genügt vollkommen, um an glücklichen Tagen gigantische Gewinne zu generieren. Zusätzlich fluten aus den Beratertätigkeiten nur so die dicken Provisionen herein. Bisher hat Lakin mit seinen Vorhersagen stets großes Glück. Fortuna ist auf seiner Seite.
Ausgesucht elitäre und äußerst finanzkräftige Kunden profitieren derzeit besonders von seinen Wetten auf den Fall des amerikanischen Dollars. Lakin hat diesen Tipp aus tiefster Überzeugung breit gestreut. So sind aktuell unvorstellbar hohe Summen im Spiel. Auch er selbst hat das halbe Vermögen auf diesen Trend gesetzt. Getreu dem Motto: Barfuß oder Lackschuh, alles oder nichts! Auch Billie, sein hübsches Gspusi, hat ihm Hab und Gut anvertraut, hängt tief mit drin im Wettgeschäft auf den US-amerikanischen Dollar. Wie alle hofft sie nun auf den satten Profit.

Schnell schiebt sich Lakin ein Stück Pizza in den Mund, die Lydia, seine Angetraute, ihm liebevoll zubereitet hat. Dann setzt er sich vor die Monitore und checkt simultan diverse Aktienkurse. Vor vielen Jahren einmal hat er an einem Equity Graduate Programm teilgenommen und später sogar noch ein Global Equities draufgelegt. Seither fühlt er sich in den Bereichen Handel, Research und Sales so sicher wie ein Akrobat auf dem Hochseil im Zirkus. Lakin liebt vor allem das Risiko. Darauf ist sein gesamtes Leben aufgebaut. Wenn er vor den Monitoren sitzt und »seine« Aktienwerte klettern, steigt gleichzeitig auch sein Adrenalin-Spiegel an. Ein sagenhaft wohliges Gefühl hüllt ihn dann in eine Stimulation aus Macht und Siegeslust. Im Grunde betrifft dies alle Bereiche. Sein ganzes Leben ist eine Börse, bisher stets auf Erfolg gepolt. Seit Beginn dieser Tätigkeit empfindet sich Lakin im Börsenmetier als Voll-Profi. Auch wenn er seine Brokertätigkeit via Home-Office managt, führt er dennoch alle relevanten Optionen, die für diesen Job erforderlich sind, professionell aus. Pausenlos analysiert er wirtschaftliche Faktoren und fügt sie wie ein Puzzle zu einem Gesamtbild zusammen. Wirtschaft und psychologische Einflüsse spielen die Rolle schlechthin am Aktienmarkt, und deren Trends frühzeitig zu erkennen ist Lakins Geschäft.

Der Aktienmarkt mit seinen maßlosen Spekulationen hat die Realwirtschaft inzwischen deutlich überlagert. Wie die Mehrheit der Finanzakteure vergisst Lakin, dass letztlich reale Ergebnisse der Wirtschaft zählen. Noch aber gehen seine absurden und ungezügelten Strategien auf. Getrieben von grenzenloser Gier stürzen sich Investoren zur Freude Lakins reihenweise auf die von ihm heiß empfohlenen Finanzprodukte. So unverständlich diese auch sein mögen, gehen sie doch trotzdem weg wie warme Semmeln, ja sie werden ihm förmlich aus der Hand gerissen. Wer den Trend setzt, frühzeitig auf- und rechtzeitig wieder abspringt, erzielt die meisten Gewinne.

Lakin ist Initiator und Trendsetter zugleich, bekannt für sein Spürnäschen. Den Kulminationspunkt seiner Wahnsinnsgeschäfte, ab dem ein plötzlicher Abstieg überraschend schnell einsetzt, kennt natürlich weder Lakin noch irgendein anderer Anlageberater. Lakin denkt auch nicht so weit, denn das Geschäft brummt augenblicklich prächtig. Wie auch jetzt, denn inzwischen klingelt das Telefon beinahe pausenlos. Seine Tipps sind gefragt. Er bestimmt, wann sich eine Beteiligung lohnt und an welcher Stelle nicht. Der Rest besteht aus der Hoffnung, dass er am Ende Recht behält. Lakin führt einen erfolgreichen Bullenmarkt. Da stehen die Sterne auf Hausse. Mit Landwirtschaft hat das natürlich nichts zu tun. Der Bulle ist das Wahrzeichen der Börse und steht für Optimismus. Es wird gekauft in der Hoffnung auf einen rasanten Aufschwung am Aktienmarkt. Was einmal passiert, wenn sich der anhaltende Boom in einen Crash verwandelt, bedenkt Lakin erst, wenn es so weit ist. Bis dahin wird gescheffelt, dass sich die Balken biegen. Gewinne werden sofort reinvestiert. Und zwar in vermeintlich todsichere Aktien. Die nämlich hält jede Menge Blueman & Sun-Pakete bereit und gibt diese an ihre Kunden weiter. Das sind Fonds einer großen, weltweit agierenden und hoch anerkannten US-amerikanischen Bank, und die gelten als überaus gewinnbringende Anlage.

Kürzlich hat sich Lakin entschlossen, auch den Bärenmarkt zu erschließen. Eine gezielte Baisse sozusagen, denn der Bär steht für fallende Kurse am Aktienmarkt. Das war auch der Moment, als er allen Geschäftspartnern, Freunden und Verwandten die Wettgeschäfte auf den fallenden amerikanischen Dollar empfahl. Und weil Lakin aus seiner höchst eigenen Sicht ein besonders cleverer Anlageberater ist, zählt er das Kombinationsgeschäft der Wette auf den fallenden Dollar zusammen mit den angepriesenen Blueman & Sun-Aktien geradezu für einen extraordinären Genie-Streich. Alle 30 Geschäftspartner sind auf den schwankenden Zug aufgesprungen. Auch Verwandte, Freunde und Bekannte zählen zum Trupp der hoffnungsvollen Spekulanten. Lakin träumt einen Moment und sieht in Gedanken haushoch gestapelte Euroscheine, die sich dekorativ auf seinem Bürotisch türmen. Er ist sich seiner Sache so sicher, dass er sogar die eigene Haushälterin und seine Putzfrau dazu angehalten hat, ein ganzes Gehalt in diesen Tipp zu investieren. Auch der getreue Gärtner ist seiner Empfehlung gefolgt, und der Chauffeur ist überzeugt, in seinem Chef den Mann gefunden zu haben, der ihm die Sterne vom Finanzhimmel holt.

Schnell erwacht Lakin aus seinem Sekundentraum von der sagenhaften Geldanhäufung und krempelt hastig die sorgsam gebügelten Ärmel seines Designerhemdes hoch. Warm ist es in den Büroräumen unter dem Dach geworden. Eine drückende Schwüle beherrscht den Raum. Er muss sich auf seine ungedeckten Leerverkäufe konzentrieren. Die setzt er gerade im ganz großen Stil auf den sinkenden Kurs von Wertpapieren, die er überhaupt nicht besitzt. Die dahingehende Gesetzgebung ist äußerst liberal ausgelegt. Investoren können sich in Hinblick auf mögliche Zahlungsausfälle versichern lassen. Dafür müssen sie nicht einmal im Besitz einer Forderung sein. Solch erfreuliche Rahmenbedingungen heizen den spekulativen Derivate-Markt kräftig an und führen nicht selten zu Pleiten ganzer Volkswirtschaften. Lakin sieht augenblicklich jedoch nur die Vorteile. Er und die Anhänger seiner Thesen sollen ordentlich von den interessanten Cross Currency Swaps profitieren, welche Lakin aktuell besonders empfiehlt. Diese speziellen Derivate werden gezielt für Spekulationen auf die Bonität von Staaten eingesetzt. Die Hoffnung zielt auf steigende Ängste vor einem Staatsbankrott. Dann nämlich, wenn diese Vorhersage eintrifft, fällt der Gewinn umso höher aus. Glücklicherweise sind die Verträge auf fünf Jahre ausgelegt. Denn jetzt, im ersten Jahr, zeichnen sich herbe Verluste ab. Die aber werden in den kommenden Jahren sicher aufgefangen, beruhigt sich Lakin und kommt sich nun doch ein wenig leichtfüßig vor.

Ein erneutes, eindringliches Telefonklingeln schreckt ihn aus seinen Gedanken hoch. Schnell nimmt er das Gespräch an. Es ist Billie. Sie erkundigt sich nach dem Stand der Dinge. Für Lakin scheint der im Moment geradezu perfekt, was er zum Ausdruck bringt.
»Billie-Maus, ich bin schwer beschäftigt, aber es sieht alles bestens aus«, teilt er aufgedreht und halbwegs überzeugt mit.
»Warum werde ich dann von der Bank aufgefordert, unverzüglich 100.000 Euro Eigenkapital nachzuschießen, andernfalls wird der gesamte Vertrag gekündigt, und das investierte Geld ist weg?« Billies ansonsten samtweiche Stimme kommt schrill und eindringlich, ja fast ein wenig hysterisch daher. Das kennt Lakin so nicht von ihr und bekommt es nun doch mit der Angst zu tun.
»Nun beruhige dich, Billie-Maus. Ein Verlust im ersten Jahr ist ganz normal. Den holst du in der noch folgenden Vertragslaufzeit locker wieder herein. Die Bank will nur auf der sicheren Seite sein. Du solltest das Geld schnellstens einzahlen. Der Gewinn kommt schon noch.«
Lakins sündhaft teures Designerhemd hat zwischenzeitlich die ursprünglich elegante Passform und den seidigen Glanz verloren und klebt nun wie eine Wurstpelle an seinem verschwitzten Körper. Die Hitze im Dachgeschoss wird unerträglich, und Lakin ist schlagartig bewusst, dass auch er in Kürze nachzahlen muss. So, wie seine 30 Beratungskunden, Verwandten, Bekannten und Freunde. Nicht zu vergessen die Haushälterin, die Putzfrau, der Gärtner und der Chauffeur. Er spürt, wie sich kleine Schweißperlen auf der Stirn bilden, und ihm wird flau in der Magengegend.
»Du glaubst doch nicht allen Ernstes, dass ich da noch etwas reinstecken kann? Ich habe doch bereits alles investiert. Wo soll ich denn 100.000 Euro herholen, Georg? Aus dem Nichts? Es gibt keine Reserven mehr. Du hast von todsicheren Wetten gesprochen.« Billie ist außer sich vor Wut, und Lakin sucht nach handfesten Erklärungen.
»Billie-Maus, so hör doch! Im ersten Anlagejahr kann das passieren. Das lässt sich in den nächsten Intervallen easy wieder reinholen. Der Vertrag ist doch auf fünf Jahre ausgelegt. « Georg von Lakin tupft sich mit einem edel bestickten und Monogramm versehenen Taschentuch die Stirn. Seine Hände zittern, und dem ansonsten so abgeklärten Politik- und Finanzjongleur ist reichlich mulmig zumute.
»Wie konnte das passieren? Wieso hast du mich nicht richtig aufgeklärt, Georg? Ich bin sozusagen pleite und muss mein Haus verkaufen, wenn ich über die Runden kommen will. Sag endlich etwas dazu, Georg!« Der Stimme nach zu urteilen scheint Dr. Sybille Aingsbacher einem Nervenzusammenbruch nahe. Lakin sieht sich genötigt, nähere Erklärungen abzugeben und versucht, Licht in Billies Dunkel zu bringen.
»Also, Billie, wenn es zu Kurseinbußen kommt, wie jetzt bereits im ersten Jahr deiner Investition, dann werden diese Verluste mit der Restlaufzeit in Jahren multipliziert. Die Fachwelt nennt das hebeln. In deinem Fall bedeutet dies konkret, dass der Verlust von 20.000 Euro, den du gerade im ersten Jahr gemacht hast, mit fünf multipliziert wird. Die Bank darf zur Absicherung des Verlustes nun frisches Eigenkapital von dir verlangen. Ansonsten kann sie deinen Vertrag einseitig und vorzeitig beenden.«
Lakin lässt sich in seinen hochmodernen Bürostuhl fallen, der sich einen Moment lang um sich selbst dreht. Am anderen Ende der Leitung wird es gefährlich still. Nach einer Pause, die Lakin wie eine Ewigkeit erscheint, meldet sich Billie zurück. Ihre buchstäbliche Contenance und kühle Besonnenheit, die sie auf dem politischen Parkett zu einer geschätzten Beraterin macht, hat sie schnell zurückgewonnen.
»Diese Fakten hast du mir verschwiegen, Georg. Mit anderen Worten habe ich es jetzt nicht nur mit einem Kursverlust zu tun, sondern dem Risiko des Totalverlustes, wenn ich nicht unverzüglich zahle. Und wo das im nächsten, übernächsten und allen weiteren Jahren noch hinführt, steht auch in den Sternen. All dies hast du gewusst!«
Dr. Sybille Aingsbacher erwartet eigentlich keine Antwort mehr. Als kühl operierende Persönlichkeit ist ihr klar, dass sie schlichtweg auf den smarten, sehr attraktiven Lakin hereingefallen ist. Das muss ausgerechnet ihr passieren, die ansonsten als personifizierte Korrektheit von Politik und Gesellschaft höchstes Ansehen genießt. Billie ist allerdings nicht umsonst die bekannte Dr. Sybille Aingsbacher. Sie hat sich komplett im Griff und verfügt über die Fähigkeit disziplinierter Selbstbeherrschung. Zudem kann sie Fehler und eigenes Versagen eingestehen sowie in rasender Geschwindigkeit Konsequenzen ziehen. Etwas, woran es Lakin in höchstem Maße mangelt.
»Hör gut zu, was ich dir sage, Lakin. Und ich sage es nur einmal und unwiderruflich.« Sie nennt ihn nun abschätzig beim Nachnamen und fährt mit eisiger Stimme fort: »Wir sind ab sofort getrennte Leute. Eine Anzeige ist dir sicher, und ich werde alles in meiner Macht stehende tun, um dich beruflich zu vernichten«.
Billies Stimme klingt bestimmend und kompromisslos. Lakin weiß, dass er dieses Spiel verloren hat. Ein Spiel ist so viel wie kein Spiel, denkt er selbstgefällig und wendet sich wieder den Monitoren zu. Es rollt eine Lawine auf ihn zu. Dass es ein Tsunami sein wird, ahnt er in diesem Moment noch nicht ...

Im Kindle-Shop: Kursverlust: Szenen einer Krise.
Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Marlen Albertini auf ihrer Website.



18. Januar 2019

'Mordsverrat: Nordseekrimi' von Ulrike Busch

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Aufruhr in St. Peter-Ording: In den Bewertungsportalen des dubiosen Geschäftsmanns Lukas Harzog werden die Hoteliers des beliebten nordfriesischen Urlaubsortes gezielt mit Schmäh-Kommentaren überzogen. Für deren Entfernung müssen sie teuer bezahlen.

Eines Morgens wird Harzogs Freundin, die Hotelbesitzerin Jessica Leverenz, tot in ihrer Wohnung gefunden. Selbstmord oder ein Versehen, vermutet Clarissa, die Schwester der Toten. Jessica war tablettensüchtig, und ihre Beziehung mit Harzog drohte zu scheitern.

Die Obduktion ergibt jedoch: Jessica wurde ermordet. Hat sich einer der zu Unrecht diffamierten Hoteliers an ihr für Harzogs Machenschaften gerächt? Tammo Anders und Fenna Stern ermitteln im Umfeld von Bewertungswahn, Fake-Accounts und Rufmord via Internet.

Band 2 der Reihe ‚Anders und Stern ermitteln‘ (Band 1: ‚Mordsrevanche‘).

Leseprobe:
Unter der weißen Kapuze des Schutzoveralls erkannte Fenna das Gesicht von Eike Hoböken, dem Leiter der Kriminaltechniker. Sie winkte ihm unauffällig zu.
Auf Ella gestützt, wandte Clarissa sich wieder der Gruppe aus Kripobeamten und Hotelmitarbeitern zu. Ihr Gesicht drückte Schmerz und Leid aus. »Wonach suchen Sie eigentlich am Fenster?«
»Wir machen unseren Job«, antwortete Hoböken. »Nichts weiter. Aber den machen wir gründlich.«
»Durch dieses Fenster kann aber doch niemand eingestiegen sein. Oder hat es etwa offen gestanden?« Clarissa wandte sich an ihre Assistentin. »Ella, war das Fenster offen?«
Ella schüttelte zaghaft den Kopf.
Fenna entging nicht, dass Clarissas Assistentin für den Bruchteil einer Sekunde zu Carina hinüberschielte, die die gespenstisch anmutende Szenerie vom Türrahmen des Schlafzimmers aus beobachtete.
Welche stumme Botschaft hatten die beiden Frauen in diesem Moment untereinander ausgetauscht?
Die Kommissarin wurde misstrauisch. »Stimmt das? Frau Kluck und Frau – wie war Ihr Name bitte?«
»Carina da Silva«, hauchte das Zimmermädchen.
»Danke. Frau Kluck, Frau da Silva, Sie waren doch beide vor Frau Leverenz hier. War das Fenster geschlossen, als Sie den Raum betreten haben?«
Ella sah erst zu dem Fenster hinüber, dann zu Clarissa und schließlich zu der Kommissarin. »Ja.«
Ihre Stimme klang brüchig. Sie bekräftigte ihre Antwort mit einem Nicken, als wollte sie die Zweifel ausräumen, die Fennas Frage ausgedrückt hatte.
»Frau da Silva, was sagen Sie dazu?«, fragte Fenna.
Carina zuckte mit den Schultern. »Weiß nicht. So weit bin ich nicht ins Schlafzimmer reingegangen.« Sie drehte sich um und zeigte auf eine Stelle im Wohnzimmer. »Ich bin da vorne stehen geblieben. Von da aus konnte ich das Fenster nicht sehen.«
Die Stelle, auf die sie gezeigt hatte, war ungefähr die, an der Fenna vorhin verharrt hatte, während Tammo im Türrahmen stand. Von dort aus konnte man tatsächlich nicht so weit in den Raum hineinblicken, dass man das Fenster sah. Trotzdem blieben Fenna Zweifel.
Die Spannung, die im Raum lag, ließ die Luft knistern. Die Augen von Fenna, Tammo, Gerhild und den Kriminaltechnikern, aber auch die von Clarissa richteten sich auf die beiden jüngeren Frauen, vor allem auf Ella.
Clarissa ging einen Schritt auf Fenna zu. »Sie hören doch, was meine Assistentin sagt.«
»Ich bitte Sie, Frau Leverenz«, sagte Tammo. »Bei einer so wichtigen Frage müssen wir nachhaken. Dafür sollten Sie Verständnis haben.«
Die Hotelchefin strafte ihn mit einem beleidigten Augenaufschlag. Dann sprach sie weiter zu Fenna. »Ei¬gentlich ist es auch logisch, dass es so war. Ich selbst habe Jessica gestern Abend ausdrücklich gebeten, in dieser Nacht nicht bei offenem Fenster zu schlafen.« Sie seufzte und griff sich ans Kinn. »Wobei ich natürlich nicht ausschließen konnte«, fuhr sie leise fort, »dass sie es trotzdem öffnen würde. Sie war so ein Gewohnheitstier. Und bei all den Medikamenten hätte sie meine Bitte vergessen können. Aber wenn Ella sagt, das Fenster war geschlossen, dann war es so«
»Hat Ihre Schwester denn normalerweise bei offenem Fenster geschlafen?«, fragte Fenna.
»Ja, natürlich. Wir lieben die frische Nordseeluft über alles. Gerade bei Nacht riecht sie so würzig.«
»War das nicht leichtsinnig für eine Frau, die im Erdgeschoss wohnt?«, fragte Tammo. »Dann auch noch auf einem so einsam gelegenen Grundstück? Es gibt keinen Rollladen, nicht mal eine Jalousie oder Vorhänge. Von außen hat zwar niemand Einblick auf diese Seite des Hauses. Aber wer will, kann ganz gemütlich einsteigen, ohne dabei beobachtet zu werden.«
Clarissa nahm eine Verteidigungshaltung an. »Jessica wollte den freien Blick in den Himmel, auch nachts. Wenn sie wach wurde, wollte sie die Sterne sehen. Wollen Sie ihr das jetzt zum Vorwurf machen?«
»Nein«, sagte die Kommissarin. »Das wollen wir ganz bestimmt nicht. Aber sagen Sie, warum sollte Ihre Schwester ausgerechnet in der vergangenen Nacht das Fenster schließen? Ich nehme an, dafür gab es einen konkreten Anlass.«
Aus Gründen, die Fenna nicht verstand, bedachte Clarissa Lukas Harzog mit einem scharfen Blick.
Harzog fing ihn auf und ließ ihn an sich abprallen.
»Ja, es gab einen Anlass«, erwiderte Clarissa. »Wir haben im Dunkeln Leute auf dem Grundstück gesehen.« Sie ging zu der Tür, die ins Wohnzimmer führte, schob Carina zur Seite und streckte den Arm aus. »Dahinten, zwischen den Kiefern hindurch, sind sie weggelaufen.«
Fenna drückte sich an Carina vorbei, stellte sich an der Terrassentür auf die Zehenspitzen und verschaffte sich einen Überblick über das Gelände. »Was für Leute waren das? Haben Sie sich konkret bedroht gefühlt?«
Ella baute sich neben Fenna auf. »Wie würden Sie sich denn fühlen, wenn Sie zwei dunkle Gestalten sehen würden, die am späten Abend über Ihr Grundstück huschen? Hätten Sie in dem Fall nicht auch das Gefühl, es wäre besser, die Fenster geschlossen zu halten?«
Fenna Stern wäre nicht Kriminalhauptkommissarin geworden, wenn eine vorlaute, besserwisserische Frau wie diese Ella Kluck sie von ihrer Linie der Befragung hätte abbringen können. »Ich habe nach einer konkreten Bedrohung gefragt«, sagte sie in ruhigem, festem Ton. »Lag die vor?«
»N-nein.« Clarissa zuckte mit den Schultern. »Es war nur so ein Gefühl.«
»Was haben Sie gemacht, als Sie die Leute entdeckt haben?«, fragte Tammo, der ebenfalls wieder ins Wohnzimmer gegangen war.
»Zwei meiner Angestellten, beides junge, durchtrainierte Männer, sind rausgegangen und haben nachgesehen. Mit dem Schein ihrer Taschenlampen haben sie die Eindringlinge vertrieben.«
»Haben Sie danach noch einmal jemanden auf dem Grundstück bemerkt?«
»Nein. Wir waren müde. Ich bin nach oben in meine Wohnung und Jessica ...« Clarissas Stimme brach.
Fenna kehrte noch einmal ins Schlafzimmer zurück. Das Bett, in dem das Opfer lag, war ein französisches Bett, einen Meter vierzig oder einen Meter fünfzig breit.
»Ihre Schwester lebte allein in dieser Wohnung?«, rief sie Clarissa zu, während sie Lukas Harzog aus dem Augenwinkel beobachtete.
Harzogs Miene blieb kühl und ausdruckslos. Unmöglich, zu erraten, was in ihm vorging.

Im Kindle-Shop: Mordsverrat: Nordseekrimi (Anders und Stern ermitteln 2).
Mehr über und von Ulrike Busch auf ihrer Website.



17. Januar 2019

'Zeiten ändern Dich: Undercover' von D.W. Crusius

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Nichts ist gefährlicher als die Wahrheit ...

Alexander, gerade aus dem Gefängnis entlassen, wird vom Verfassungsschutz erpresst. Gegen seinen Willen schleust man ihn in eine Nazi-Gruppierung ein. Sein Auftrag - er soll die Wahrheit herausfinden. Bald merkt er, dass er alles finden soll, nur nicht die Wahrheit. Allen Widerständen zum Trotz macht er sich auf die Suche.

Leseprobe:
»Machen Sie sich fertig und kommen Sie nach vorne«, sagte der Schließer. Ich steckte meine wenigen Sachen in eine Plastiktüte. Zahnbürste, das bis auf einen dünnen Rest benutzte Stück Seife, meine Wäsche. Ein grünes Handtuch der JVA ließ ich als Andenken mitgehen. In der Zellentür drehte ich mich noch einmal um, betrachtete die Wand mit den Kalenderblättern, sah zum vergitterten Fenster, blickte in den Hof. Gerade war Freistunde. Ein paar Häftlinge umrundeten den spärlichen Rasen. Ich ließ die Tür auf und ging zur Kanzel. Ein Beamter wartete ungeduldig.
»Fertig?«
Ich nickte.
Wir kamen durch mehrere Gänge, die ich bisher nicht kannte. Dann öffnete der Schließer eine Tür und deutete den Gang hinunter.
»Bis zum Ende«, sagte er mürrisch.
Ich ging über den langen, spärlich beleuchteten Gang. Heute ging ich alleine, war beinahe so etwas wie frei. Kurz vor der Tür stand mitten im Weg ein Putzeimer. Es roch aggressiv nach chemischen Reinigungsmitteln. Warum reinigen sie in Gefängnissen und Krankenhäusern mit Putzmitteln, die übler stinken, als der Dreck, den sie beseitigen wollen?
Der Mann, der zu dem Eimer gehörte, lehnte an der Wand und drehte sich eine Zigarette, zündete sie an. Ein Joint, eine süßliche Wolke hing im Gang. Mit starrem Blick sah er mir entgegen, seine Augen wanderten zu meiner Plastiktüte, saugten sich daran fest. Der wird entlassen – signalisierte ihm die Tüte. Häftlinge mit Tüten in der Hand kommen oder gehen, Insassen brauchen keine. Ich kannte den Mann flüchtig vom Hof. Schwere Körperverletzung und eine Unzahl anderer Delikte. Irgendwelche Scheußlichkeiten mit Kindern.
»Psychopath. Rückfalltäter, lange Haftstrafe«, hatte warnend ein Schließer gesagt. »Halte dich von dem fern, das ist eine Hyäne in Menschengestalt.«
Ohne ein Wort zu sagen, den Mann auch nur anzusehen, schlug ich einen Bogen um ihn und den Eimer und steuerte auf die Tür zu. Ich hörte, wie der Mann plätschernd den Schrubber in den Eimer tauchte und dann gleichmäßige, sehr langsame Wischgeräusche.
Ich sah nach oben in die Kamera an der Decke. Ein Summer ertönte und quietschend sprang die vergitterte Tür auf. In dem kleinen Vorraum gab es nur einen Schalter. Pforte in die Freiheit , oder kurz die Pforte nannten die Häftlinge den Raum.
»Na? Ist es endlich soweit?«, sagte der Mann hinter dem Schalter. Gönnerhaft klang es, als wollte er sagen – du bist bald wieder hier. Vielleicht auch – du kannst gehen, ich muss bleiben. Ich gab keine Antwort und der Mann erwartete auch keine. Vermutlich hatte er noch nie eine bekommen. Einen gesellschaftlich hohen Stellenwert haben Beamte des Strafvollzugs nicht.
»Ihr rangiert noch hinter der Müllabfuhr«, hatte ein Häftling mal zu einem Schließer gesagt. »Das stimmt«, hatte der geantwortet. »Das hier ist ja auch eine Kloake, du mieser Scheißhaufen.« Der Beamte stapelte die Sachen auf den Tresen, die man mir bei meiner Verhaftung abgenommen hatte. Meine goldene Armbanduhr, Wintermantel, Winterschuhe, meinen Pass. »Eine Tüte?« Ich nickte und er schob mir eine Einkaufstüte mit dem Reklameaufdruck eines Supermarktes über den Tresen. Einen Stuhl gab es nicht. Im Stehen zog ich mir die festen Schuhe an und schlüpfte in den Wintermantel. Aus der Seitentasche des Mantels zog ich meinen dicken Schal. Die ausgelatschten Schuhe, die ich täglich im Knast getragen hatte, steckte ich in die Tüte. Ich streckte meine Hand aus. »Fehlt noch was? Ach so, ja.« Er griff unter den Tresen, zog einen Pappkarton heraus, kramte darin herum, es klirrte. Er hielt einen Ehering hoch, ein Zettel hing dran. »Der hier?« »Wenn Irina drin steht.« Wofür hängt denn der Zettel dran oder ist das nur Dekoration? Ruhig Blut – sagte ich mir dann. Du bist nur nervös und das macht dich aggressiv. Der Beamte sah in den inneren Rand, drehte den Ring hin und her. »Russin?« Ich blickte ihn nur starr an. Der Mann sah mich weiter fragend an, als hing von meiner Antwort ab, was er mit dem Ring machen werde. Widerstrebend gab er ihn mir, schnaufte herablassend durch die Nase.
Ich brauchte den Ring nicht mehr, das ging aber niemanden etwas an. Mit missmutigem Blick streckte der Beamte die Hand aus.
»Zellenkarte.«
Ich zog die Karte aus der Tasche, wenig größer als eine Visitenkarte, zerknittert und abgegriffen. Wegen der permanenten Kontrollen auf den Gängen und auf dem Hof musste man sie ständig bei sich tragen. Der Beamte holte ein stark zerfleddertes Buch vom Schreibtisch, blätterte darin.
»Unterschreiben Sie. 53 Euro und 67 Cent«, sagte er und schob mir das Buch zu, tippte mit dem Stift auf eine Zeile. Ich unterschrieb und der Beamte zählte aus einer Kassette zwei 20-ziger, einen 10-ner und 3,67 in kleinen Münzen auf den Tresen. Das Geld, das ich bei meiner Festnahme in der Tasche hatte.
»Moment.«
Er schob das Fenster zu, kam heraus und öffnete die Tür zum Hof. Nebeneinander gingen wir quer über den Hof auf das große eiserne Tor zu. Aus einem Zellenfenster hinter mir rief jemand: »Lass dir Zeit, ich bin noch eine Weile hier.«
Ich wusste nicht, wer da rief, drehte mich auch nicht um. Ein anderer trommelte mit seinem Blechnapf gegen die Gitterstäbe des Fensters, ein weiterer fiel in das Stakkato ein, dann hämmerte der ganze Zellentrakt gegen die Gitter. Ehrensalut der besonderen Art.
Der Beamte schloss eine kleine Tür in dem großen Eisentor auf und ich ging hindurch auf die Straße.
»Ich will Sie hier nicht mehr sehen.«
Ich gab ihm keine Antwort.
Justitia, das rachsüchtige Weib, hatte mich in die Freiheit gekotzt.

Im Kindle-Shop: Zeiten ändern Dich: Undercover

Mehr über und von D.W. Crusius auf seiner Website.

16. Januar 2019

'Adelsintrigen: Schicksalspfad des Tempelritters 2' von Olivièr Declear

Kindle unlimited | Taschenbuch
Köln Anno Domini 1235: Die Ländereien der verzweifelten Gräfin Ida von Zudendorp werden seit langem von schwarzgekleideten Reitern angegriffen. Sie und ihre Gefolgschaft ringen bereits mit dem Tode. In ihrer Not stehen nur noch der kampferfahrene Ritter Richard von Portus und der Orden der Tempelritter an ihrer Seite. Wer will der Gräfin schaden? Und warum?

Inmitten einer Welt voller Intrigen, adeliger Machtspiele und unzähliger Gefahren wollen die beiden die Wahrheit ergründen. Eine Reise beginnt, die sie unter größten Strapazen und unter Einsatz ihrer Leben sogar bis in das weitentfernte Rom führt.

Begeben Sie sich gemeinsam mit Ida und Richard auf ein Abenteuer und erleben Sie mit ihnen das Mittelalter in all seinen Facetten.

Adelsintrigen ist der zweite Band der Reihe »Schicksalspfad des Tempelritters« von Olivièr Declear.

Leseprobe:
Fluch
Richard hörte das Peitschen der Zweige, spürte die Schläge durch das Polster seiner Rüstung. Der Weg vor ihm, ein wankendes Bild im ständigen Auf und Ab des wilden Ritts. Der dunkle Pfad des Waldweges nur schwach vom durchscheinenden Mondlicht erhellt. Die Last des ohnmächtigen Körpers vor ihm über dem Widerrist schien die vertraute Einheit zu seinem Tier genommen zu haben. Richard hielt sich kaum im Sattel, wenn sein Pferd über Hindernisse sprang, die er nicht im schwachen Licht erahnt hatte. Durch die dicke Polsterhaube unter seiner Kette vernahm er nur wenige Geräusche seiner Umgebung. Das Reiben und Schlagen der Kettenglieder übertönte beinahe die kräftigen Hufschläge seines Tieres. Bei dem hastigen Versuch, einem tiefhängenden Ast auszuweichen, spürte er, wie der vor ihm liegende Körper vom Pferd zu gleiten drohte. Mit einem raschen Griff erfasste er ihn und hielt ihn an seinem Platz. Es war mehr das Gefühl in seinem Bauch, das Trommelschlägen glich, weniger sein Gehör, das ihn spüren ließ, dass die Verfolger immer näher kamen. Wie feiner Sprühregen flog ihm der Speichel seines erschöpften Pferdes entgegen.
Richard trieb sein Tier, das an die Grenzen seiner Kraft gekommen war, immer aufs Neue an. Die wilde Jagd durfte nicht verloren werden. Sein Hengst fuhr mit dem Kopf herum, als könne er seinem Reiter damit zeigen, dass er diesen scharfen Ritt nicht mehr ertragen konnte. Aber Richard wusste, wie stark sein Pferd war. Seine ganze Hoffnung lag darin, dass die Pferde der Verfolger vor seinem Pferd zusammenbrechen würden. Er rief ihm zu: »Nur ein kurzes Stück, lass mich nicht im Stich!« Sein Pferd schien ihn verstanden zu haben. Nochmals beschleunigte es und flog mit seinem Herrn über den Weg.
Als sein Tier zu straucheln begann, wusste Richard, dass jetzt nur noch der Kampf blieb. Er ließ sein Pferd auslaufen und wandte sich den Verfolgern zu. Aber da war niemand. Er sah keine Reiter. Auch das Trommeln in seinem Bauch spürte er nicht mehr. Vorsichtig lenkte er sein Pferd zwischen die Büsche des Wegesrandes, um den Pfad aus dem Dickicht heraus zu beobachten. Kaum war er in seiner Deckung angekommen, spürte er erneut das Donnern der Hufen, noch bevor er sie hörte. Mehrere Reiter jagten in einer dichten Gruppe an ihm vorbei, ihre Schwerter erhoben. Richard klopfte den Hals seines Pferdes: »Das hast du gut gemacht, alter Freund.«
Kaum war er aus dem Sattel seines Tieres gestiegen, wandte sein Hengst den Kopf und stupste ihn mit seiner Nase, um die Belohnung für seinen treuen Dienst einzufordern. Richard schmunzelte und nahm ein Stück Rübe aus seiner Satteltasche. Mit flacher Hand hielt er es dem Freund hin. »Wenn wir in Sicherheit sind, sollst du besser belohnt werden. Du hast uns das Leben gerettet.«
Sein Blick fiel auf das Mädchen. Noch immer regte sich ihr Körper nicht. Richard nahm den ledernen Schlauch und goss ein wenig Wasser über ihren Kopf. Sie hob ihn erschrocken und sah ihn mit verängstigten Augen an. Richard legte einen Finger vor seinen Mund: »Keine Angst, ich werde dir nichts antun. Wir sind fürs Erste in Sicherheit«, flüsterte er. Das Mädchen sah ihn mit großen Augen an, aus denen die Furchtsamkeit noch nicht gewichen war. Stumm nickte sie und bemühte sich, vom Pferderücken zu gleiten. »Wie ist dein Name, Mädchen?« Leise antwortete sie: »Siena, edler Herr.« Richard betrachtete ihre schmutzige und zerlumpte Kleidung. »Warum haben diese Strauchdiebe dein Dorf überfallen?« Siena wusste auch nicht viel mehr, als er selbst beobachtet hatte. Sie war vom Lärm aus dem Haus gelockt worden und sah eine große Schar Reiter, die wahllos auf jeden einschlug, der ihren Weg kreuzte. Als sie fliehen wollte, spürte sie einen heftigen Schlag, der sie zu Boden stürzen ließ. Mehr konnte auch sie nicht sagen. Auch hatte sie keinen der Reiter erkannt. Richard erzählte ihr: »Wir sahen, wie du von einem Pferd zu Boden gestoßen wurdest. Aber es traf dich kein Huf. Der Schreck nahm dir die Sinne.« Siena sah ihn fragend an. »Ich sah Euch mit Euren Begleitern. Wo sind sie?« Richard schüttelte traurig das Haupt. »Für einfaches Diebesvolk kämpften diese Reiter zu gekonnt. Nur mir ist die Flucht gelungen.« Dann schwieg er, während er in seiner Erinnerung einen Anhaltspunkt suchte, wer für diesen Angriff verantwortlich gewesen sein könnte. Aber er fand nichts, was die Angreifer verraten hätte. »Wir waren auf dem Weg zu der Herrin deines Ortes. Du wirst mich erst einmal dorthin begleiten.« Als sie aufbegehren wollte, sagte er mit strengerer Stimme als gewollt: »Du wirst gehorchen und folgen, wie man es dir heißt. Hast du mich verstanden?« Als sie mit widerwilligem Blick nickte, setzte er milder hinzu: »Die Herrin wird dich sicherlich bald zu deinen Leuten schicken.«
Richard las in ihrem Gesicht, dass diese Hoffnung nur ein schwacher Trost für das Mädchen war. Er konnte verstehen, dass sie sich sorgte und schnell zurückkehren wollte. In diesem Moment galt es jedoch, erst einmal zu erfahren, woher der Angriff gekommen sein könnte und wie zu handeln sei. Der Ritter legte seinen Umhang ab und gab dem Bauernmädchen den Befehl, sich einen Schlafplatz zu suchen. Mit einem freundlichen Lächeln reichte er ihr den Mantel als Decke. Nachdenklich blickend versorgte er sein Pferd, so gut es an diesem Ort möglich war. Der Weg war zu gefährlich und es war zwecklos, in der Nacht durch den Wald zu streifen. Daher entschloss er sich, auf das Licht des beginnenden Tages warten. Mit finsterem Blick beobachtet er die Nacht, während er an den Stamm eines Baumes kauerte. Seine Sinne achteten auf jedes Geräusch des Waldes. Aber die Reiter schienen die Suche aufgegeben zu haben. Die Geräusche des nächtlichen Waldes wurden nur manchmal von dem leisen Schluchzen des Mädchens gestört.
Als er die Magd bei dem ersten Licht wecken wollte, fand er sie bereits wach. Er betrachtete ihre geröteten Augen und die Sorge in ihrem Gesicht. Ob sie überhaupt Schlaf gefunden hatte? Zu gern hätte er ihr tröstende Worte geschenkt. Aber er durfte sich dem Gesinde nicht offenbaren, als wären sie seinesgleichen. Richard brachte ihr Trockenfleisch und reichte ihr den Lederschlauch mit Wasser. Misstrauisch schnupperte Siena an dem Lederschlauch; »Ich soll kein Wasser trinken. Es macht krank.« Richard lachte leise; »Dieses kannst du trinken, es stammt aus meinem Brunnen und ist feinstes Quellwasser. Trink nur, Kind. Wir müssen bald aufbrechen.«
Obwohl er sicher war, dass die Reiter ihnen jetzt nicht mehr auf diesem Pfad entgegenkommen würden, zog er das Kettengeflecht mit der Haube in den Nacken und lauschte aufmerksam nach möglichem Hufschlag. Die Spuren, welche die schweren Pferde auf dem Weg hinterlassen hatten, ließen ihn erkennen, in welcher Eile sie unterwegs gewesen waren. Abrupt endete ihre Spur, als hätten sich die Reiter in Luft aufgelöst. Verwundert hielt Richard an. Er blickte sich um und suchte nach Zeichen, die ihren weiteren Weg verraten könnten. Aber da war nichts. Kein gebrochener Zweig. Keine Spur in den Wald hinein. Wo waren sie geblieben? Vor ihnen lag ein jungfräulicher Weg, auf dem kein Grashalm gebogen war. Kopfschüttelnd setzte er seinen Weg mit Siena fort.
Gegen Mitte des Tages erreichten sie die Ebene, auf der sich die Befestigung befand. Schon von Weitem sah er den Turmhügel aufragen. Die kleine Ansiedlung unter dem Turm war von einem gefluteten Graben umgeben. Diese Ansiedlung erschien jämmerlich gegen die prächtigen und trutzigen Burgen der höheren Lagen. Aber wo es keinen Steinbruch gab, mussten Gräben und Holz als Schutz gegen Diebe reichen. Als sie die Ansiedlung betraten, betrachtete er die arg verfallen Gebäude. Er war vor Jahren das letzte Mal zu Gast. Damals lebte der Herr des Gebietes noch. Der Graf von Zudendorp war ein ewig unzufriedener Mann, mit dem es häufig Grenzstreitigkeiten zu schlichten galt. Sein Herr, der alte Bischof zu Coeln, ließ ihm kaum mehr, als er zum Leben brauchte. Auch unter dem neuen Herrn war es nicht besser geworden. Seit dem der Bau des neuen Domes beschlossen worden war, presste die Kirche ihre Vasallen bis zum Blute.
Am Wohnturm verlangte er, die Gräfin zu sprechen. Es dauerte eine Weile, bis man ihn vorsprechen ließ. Die Gräfin war ebenso verfallen wie ihre Heimstatt. Tiefe Ringe lagen um ihre Augen. Zahlreiche Falten hatten sich in ihr Gesicht gegraben. Richard war erschrocken, wie sich diese einstmals hübsche Frau verändert hatte. »Nun, Graf Richard. Wenn ich mich recht entsinne, seid Ihr selten ein Mann, der frohe Botschaft bringt«, empfing sie ihn kühl. Er verbeugte sich leicht und sah sie einen Moment schweigend an. Dann erwiderte er: »So wird mir wohl weiterhin der Ruf als Bote schlechter Nachrichten bleiben.« Die Gräfin schwankte leicht, während ihre Hand Halt an der Lehne eines Stuhles suchte. »Dann heraus mit Eurer Botschaft. Schlimmer als es ist, kann es ohnehin nicht mehr werden.«
Die Frau tat ihm leid, aber es half nichts, er musste die Nachricht überbringen. »Euer Besitz, eine halbe Tagesreise von hier, wurde überfallen.« Die Gräfin sank kraftlos und bleich auf den Stuhl. Stumm, fast anklagend sah sie Richard an. »Ich weiß nicht mehr über den Umstand, als dass ich meine Begleiter dabei verloren habe und selbst kaum mit dem Leben davongekommen bin. Aber ich habe Euch ein Mädchen des Ortes mitgebracht, die den Überfall überstanden hat.« Dabei griff er hinter sich und führte die hinter ihm stehende Siena nach vorne. Ungelenk verbeugte sich das Bauernmädchen vor seiner Herrin.

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