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24. September 2020

'Schicksalspfad des Tempelritters - Band 2: Adelsintrigen' von Olivièr Declear

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Autorenseite
Anno Domini 1235 in Köln: Die Ländereien der verzweifelten Gräfin Ida von Zudendorp werden seit langem von schwarzgekleideten Reitern angegriffen. Sie und ihre Gefolgschaft ringen bereits mit dem Tode. In ihrer Not stehen nur noch der kampferfahrene Ritter Richard von Portus und der Orden der Tempelritter an ihrer Seite. Wer will der Gräfin schaden? Und warum?

Inmitten einer Welt voller Intrigen, adeliger Machtspiele und unzähliger Gefahren wollen die beiden die Wahrheit ergründen. Eine Reise beginnt, die sie unter größten Strapazen und unter Einsatz ihrer Leben sogar bis in das weitentfernte Rom führt.

Begeben Sie sich gemeinsam mit Ida und Richard auf ein Abenteuer und erleben Sie mit ihnen das Mittelalter in all seinen Facetten.

Anleser:
Fluch
Richard hörte das Peitschen der Zweige, spürte die Schläge durch das Polster seiner Rüstung. Der Weg vor ihm, ein wankendes Bild im ständigen Auf und Ab des wilden Ritts. Der dunkle Pfad des Waldweges nur schwach vom durchscheinenden Mondlicht erhellt. Die Last des ohnmächtigen Körpers vor ihm über dem Widerrist schien die vertraute Einheit zu seinem Tier genommen zu haben. Richard hielt sich kaum im Sattel, wenn sein Pferd über Hindernisse sprang, die er nicht im schwachen Licht erahnt hatte. Durch die dicke Polsterhaube unter seiner Kette vernahm er nur wenige Geräusche seiner Umgebung. Das Reiben und Schlagen der Kettenglieder übertönte beinahe die kräftigen Hufschläge seines Tieres. Bei dem hastigen Versuch, einem tiefhängenden Ast auszuweichen, spürte er, wie der vor ihm liegende Körper vom Pferd zu gleiten drohte. Mit einem raschen Griff erfasste er ihn und hielt ihn an seinem Platz. Es war mehr das Gefühl in seinem Bauch, das Trommelschlägen glich, weniger sein Gehör, das ihn spüren ließ, dass die Verfolger immer näher kamen. Wie feiner Sprühregen flog ihm der Speichel seines erschöpften Pferdes entgegen.
Richard trieb sein Tier, das an die Grenzen seiner Kraft gekommen war, immer aufs Neue an. Die wilde Jagd durfte nicht verloren werden. Sein Hengst fuhr mit dem Kopf herum, als könne er seinem Reiter damit zeigen, dass er diesen scharfen Ritt nicht mehr ertragen konnte. Aber Richard wusste, wie stark sein Pferd war. Seine ganze Hoffnung lag darin, dass die Pferde der Verfolger vor seinem Pferd zusammenbrechen würden. Er rief ihm zu: »Nur ein kurzes Stück, lass mich nicht im Stich!« Sein Pferd schien ihn verstanden zu haben. Nochmals beschleunigte es und flog mit seinem Herrn über den Weg.
Als sein Tier zu straucheln begann, wusste Richard, dass jetzt nur noch der Kampf blieb. Er ließ sein Pferd auslaufen und wandte sich den Verfolgern zu. Aber da war niemand. Er sah keine Reiter. Auch das Trommeln in seinem Bauch spürte er nicht mehr. Vorsichtig lenkte er sein Pferd zwischen die Büsche des Wegesrandes, um den Pfad aus dem Dickicht heraus zu beobachten. Kaum war er in seiner Deckung angekommen, spürte er erneut das Donnern der Hufen, noch bevor er sie hörte. Mehrere Reiter jagten in einer dichten Gruppe an ihm vorbei, ihre Schwerter erhoben. Richard klopfte den Hals seines Pferdes: »Das hast du gut gemacht, alter Freund.«
Kaum war er aus dem Sattel seines Tieres gestiegen, wandte sein Hengst den Kopf und stupste ihn mit seiner Nase, um die Belohnung für seinen treuen Dienst einzufordern. Richard schmunzelte und nahm ein Stück Rübe aus seiner Satteltasche. Mit flacher Hand hielt er es dem Freund hin. »Wenn wir in Sicherheit sind, sollst du besser belohnt werden. Du hast uns das Leben gerettet.«
Sein Blick fiel auf das Mädchen. Noch immer regte sich ihr Körper nicht. Richard nahm den ledernen Schlauch und goss ein wenig Wasser über ihren Kopf. Sie hob ihn erschrocken und sah ihn mit verängstigten Augen an. Richard legte einen Finger vor seinen Mund: »Keine Angst, ich werde dir nichts antun. Wir sind fürs Erste in Sicherheit«, flüsterte er. Das Mädchen sah ihn mit großen Augen an, aus denen die Furchtsamkeit noch nicht gewichen war. Stumm nickte sie und bemühte sich, vom Pferderücken zu gleiten. »Wie ist dein Name, Mädchen?« Leise antwortete sie: »Siena, edler Herr.« Richard betrachtete ihre schmutzige und zerlumpte Kleidung. »Warum haben diese Strauchdiebe dein Dorf überfallen?« Siena wusste auch nicht viel mehr, als er selbst beobachtet hatte. Sie war vom Lärm aus dem Haus gelockt worden und sah eine große Schar Reiter, die wahllos auf jeden einschlug, der ihren Weg kreuzte. Als sie fliehen wollte, spürte sie einen heftigen Schlag, der sie zu Boden stürzen ließ. Mehr konnte auch sie nicht sagen. Auch hatte sie keinen der Reiter erkannt. Richard erzählte ihr: »Wir sahen, wie du von einem Pferd zu Boden gestoßen wurdest. Aber es traf dich kein Huf. Der Schreck nahm dir die Sinne.« Siena sah ihn fragend an. »Ich sah Euch mit Euren Begleitern. Wo sind sie?« Richard schüttelte traurig das Haupt. »Für einfaches Diebesvolk kämpften diese Reiter zu gekonnt. Nur mir ist die Flucht gelungen.« Dann schwieg er, während er in seiner Erinnerung einen Anhaltspunkt suchte, wer für diesen Angriff verantwortlich gewesen sein könnte. Aber er fand nichts, was die Angreifer verraten hätte. »Wir waren auf dem Weg zu der Herrin deines Ortes. Du wirst mich erst einmal dorthin begleiten.« Als sie aufbegehren wollte, sagte er mit strengerer Stimme als gewollt: »Du wirst gehorchen und folgen, wie man es dir heißt. Hast du mich verstanden?« Als sie mit widerwilligem Blick nickte, setzte er milder hinzu: »Die Herrin wird dich sicherlich bald zu deinen Leuten schicken.«
Richard las in ihrem Gesicht, dass diese Hoffnung nur ein schwacher Trost für das Mädchen war. Er konnte verstehen, dass sie sich sorgte und schnell zurückkehren wollte. In diesem Moment galt es jedoch, erst einmal zu erfahren, woher der Angriff gekommen sein könnte und wie zu handeln sei. Der Ritter legte seinen Umhang ab und gab dem Bauernmädchen den Befehl, sich einen Schlafplatz zu suchen. Mit einem freundlichen Lächeln reichte er ihr den Mantel als Decke. Nachdenklich blickend versorgte er sein Pferd, so gut es an diesem Ort möglich war. Der Weg war zu gefährlich und es war zwecklos, in der Nacht durch den Wald zu streifen. Daher entschloss er sich, auf das Licht des beginnenden Tages warten. Mit finsterem Blick beobachtet er die Nacht, während er an den Stamm eines Baumes kauerte. Seine Sinne achteten auf jedes Geräusch des Waldes. Aber die Reiter schienen die Suche aufgegeben zu haben. Die Geräusche des nächtlichen Waldes wurden nur manchmal von dem leisen Schluchzen des Mädchens gestört.
Als er die Magd bei dem ersten Licht wecken wollte, fand er sie bereits wach. Er betrachtete ihre geröteten Augen und die Sorge in ihrem Gesicht. Ob sie überhaupt Schlaf gefunden hatte? Zu gern hätte er ihr tröstende Worte geschenkt. Aber er durfte sich dem Gesinde nicht offenbaren, als wären sie seinesgleichen. Richard brachte ihr Trockenfleisch und reichte ihr den Lederschlauch mit Wasser. Misstrauisch schnupperte Siena an dem Lederschlauch; »Ich soll kein Wasser trinken. Es macht krank.« Richard lachte leise; »Dieses kannst du trinken, es stammt aus meinem Brunnen und ist feinstes Quellwasser. Trink nur, Kind. Wir müssen bald aufbrechen.«
Obwohl er sicher war, dass die Reiter ihnen jetzt nicht mehr auf diesem Pfad entgegenkommen würden, zog er das Kettengeflecht mit der Haube in den Nacken und lauschte aufmerksam nach möglichem Hufschlag. Die Spuren, welche die schweren Pferde auf dem Weg hinterlassen hatten, ließen ihn erkennen, in welcher Eile sie unterwegs gewesen waren. Abrupt endete ihre Spur, als hätten sich die Reiter in Luft aufgelöst. Verwundert hielt Richard an. Er blickte sich um und suchte nach Zeichen, die ihren weiteren Weg verraten könnten. Aber da war nichts. Kein gebrochener Zweig. Keine Spur in den Wald hinein. Wo waren sie geblieben? Vor ihnen lag ein jungfräulicher Weg, auf dem kein Grashalm gebogen war. Kopfschüttelnd setzte er seinen Weg mit Siena fort.
Gegen Mitte des Tages erreichten sie die Ebene, auf der sich die Befestigung befand. Schon von Weitem sah er den Turmhügel aufragen. Die kleine Ansiedlung unter dem Turm war von einem gefluteten Graben umgeben. Diese Ansiedlung erschien jämmerlich gegen die prächtigen und trutzigen Burgen der höheren Lagen. Aber wo es keinen Steinbruch gab, mussten Gräben und Holz als Schutz gegen Diebe reichen. Als sie die Ansiedlung betraten, betrachtete er die arg verfallen Gebäude. Er war vor Jahren das letzte Mal zu Gast. Damals lebte der Herr des Gebietes noch. Der Graf von Zudendorp war ein ewig unzufriedener Mann, mit dem es häufig Grenzstreitigkeiten zu schlichten galt. Sein Herr, der alte Bischof zu Coeln, ließ ihm kaum mehr, als er zum Leben brauchte. Auch unter dem neuen Herrn war es nicht besser geworden. Seit dem der Bau des neuen Domes beschlossen worden war, presste die Kirche ihre Vasallen bis zum Blute.
Am Wohnturm verlangte er, die Gräfin zu sprechen. Es dauerte eine Weile, bis man ihn vorsprechen ließ. Die Gräfin war ebenso verfallen wie ihre Heimstatt. Tiefe Ringe lagen um ihre Augen. Zahlreiche Falten hatten sich in ihr Gesicht gegraben. Richard war erschrocken, wie sich diese einstmals hübsche Frau verändert hatte. »Nun, Graf Richard. Wenn ich mich recht entsinne, seid Ihr selten ein Mann, der frohe Botschaft bringt«, empfing sie ihn kühl. Er verbeugte sich leicht und sah sie einen Moment schweigend an. Dann erwiderte er: »So wird mir wohl weiterhin der Ruf als Bote schlechter Nachrichten bleiben.« Die Gräfin schwankte leicht, während ihre Hand Halt an der Lehne eines Stuhles suchte. »Dann heraus mit Eurer Botschaft. Schlimmer als es ist, kann es ohnehin nicht mehr werden.«
Die Frau tat ihm leid, aber es half nichts, er musste die Nachricht überbringen. »Euer Besitz, eine halbe Tagesreise von hier, wurde überfallen.« Die Gräfin sank kraftlos und bleich auf den Stuhl. Stumm, fast anklagend sah sie Richard an. »Ich weiß nicht mehr über den Umstand, als dass ich meine Begleiter dabei verloren habe und selbst kaum mit dem Leben davongekommen bin. Aber ich habe Euch ein Mädchen des Ortes mitgebracht, die den Überfall überstanden hat.« Dabei griff er hinter sich und führte die hinter ihm stehende Siena nach vorne. Ungelenk verbeugte sich das Bauernmädchen vor seiner Herrin.

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17. September 2020

'Schicksalspfad des Tempelritters - Band 1: Dedericus' von Olivièr Declear

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Autorenseite
Anno Domini 1225 liegen weite Gebiete Europas in Schutt und Asche, bluten aus im gnadenlosen Krieg um Macht und Religion. Inmitten der Schlachten und Ränkespiele kämpft der junge Tempelritter Dedericus de Loen seinen eigenen Kampf, hin- und hergerissen zwischen Ordenspflicht, Liebe, Glaube und Zweifeln ...

Anleser:
Nichts wies an diesem Tage im Jahre des Herrn 1225 auf das drohende Unheil hin. Sicher, vom Isenberg kommt nur der Teufel, sagte das Volk. Schon in seiner Kindheit lauschte Dedericus mit Schaudern den Geschichten über derer von Isenberg, die sich die Mägde in der Küche erzählten.
Der Teufel tanze des Nachts im Mondenschein um deren Burg. Werwölfe und Hexen raubten den Dörfern um diesen Schreckensort die Kinder und Mägde.
Die Geister der verlorenen Seelen hörte man des Nachts in den Wäldern heulen und jammern.
Aber nicht der Teufel, nicht Hexen und Werwölfe kamen mit dem Isenberg, er kam mit Feuer und Schwert über ihre Burg.
Ramus de Loen eilte auf den Turm und rief die wenigen Männer zur Verteidigung. Sein Sohn, Dedericus, bekam die Aufgabe, die Frauen und Kinder im Turm zu sammeln und zur Ruhe zu bewegen.
In kurzer Zeit stand alles in Flammen, auch der Turm konnte nicht vor den geworfenen Fackeln und den Brandpfeilen der Isenberger Mannen behütet werden.
Der Rauch biss unerträglich in den Augen und die Hitze der brennenden Bodenbohlen auf den Etagen kam immer näher. Das Bersten der Tragbalken und die einstürzenden Böden stoben Kaskaden von Funken immer tiefer in den Turm hinein.
Die Männer bemühten sich vergeblich, die brennenden Etagen zu löschen und zogen sich in ihrem Kampf immer weiter in die Tiefe des Turmes zurück.
Ein Balken des letzten Bodens stürzte brennend auf Dedericus Schwester. Mit einem Aufschrei des Entsetzens stürzte die Gräfin De Loen durch den beißenden Rauch und Funkenregen in die Flammen des brennenden Balkens, um ihr Kind zu retten.
Sie spürte nicht, wie die heiße Asche ihre Kleidung und Haut umfing. Ignorierte den Schmerz der Glut unter ihren Knien.
Dedericus sah die Männer seines Vaters den Balken von dem zerschmetterten Körper zerren, während sein Vater die brennenden Kleider seiner Mutter mit seinem Umhang zu löschen suchte.
Dieses unglaubliche Inferno um ihn herum, das Schreien, Weinen, die Gluthitze der Flammen, umgeben von Rauch und Funkenflug, ließ ihn erstarren. Das Geschehen schien ihm wie ein schrecklicher Traum, nicht wahrnehmend, dass dieser Albtraum in den Tag entsprungen war.
Der harte Griff eines Mannes erfasste seinen rechten Arm und zog Dedericus durch das Inferno. Er folgte ohne Willen und Verstehen. Dem Schock des Entsetzens ergeben.
Der junge De Loen sah, wie er in den schmalen Einstieg des Fluchtganges des Turmes gezerrt wurde, wie Knechte an ihm vorbei stürmten, um die schweren Eichenflügel des Durchganges zu versperren.
Immer tiefer wurde er in die Finsternis des Ganges gezogen. Dedericus vernahm, wie sein Vater den Befehl gab, die Stützpfeiler vor dem Gang einzubrechen. Sah Männer in der Dunkelheit verschwinden und hörte die dumpfen Schläge von Hämmern auf das schwere Holz des Gebälks.
Das Bersten der Stützen und das Geräusch des einstürzenden Ganges ließen den Boden unter seinen Füßen erbeben.
Als die Flüchtenden von dem Staub des eingestürzten Erdreiches erreicht wurden, kam erneut Leben in den Körper des jungen Mannes.
Mit einem heftigen Ruck befreite sich Dedericus von dem schmerzenden, eisernen Griff des Mannes, der ihn durch den Tunnel zog.
Mit raschem Schritt folgte er dem kaum vorhandenen Schein einer fast erloschenen Fackel. Es erschien Dedericus wie eine Unendlichkeit, bis sie zum Ausgang des Fluchtweges gelangten.
Einige der Männer hoben in schier übermenschlicher Anstrengung die schweren Bretter über ihren Köpfen, welche von dickem Erdreich bedeckt waren, aus ihren Fugen.
Von außen war der Ausgang nicht vom restlichen Waldboden zu unterscheiden.
Als die Abdeckung aufgestoßen war, stiegen die Fliehenden über die rutschigen, unebenen Stufen hinauf in den Wald, nahe dem Hellweg.

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15. September 2020

'Bruna-Brunhilde' von Uschi Meinhold

E-Book | Taschenbuch | handsigniertes TB
Website
Bruna-Brunhilde: Westgotische Prinzessin - Merowingische Königin - Nibelungentochter

Eine vermeintlich zeitlich ferne Geschichte - die auch im spanischen Westgotenreich mit der Hauptstadt Toledo spielt - wird im Roman über Bruna-Brunhilde als Kind, Herangewachsene, Liebhaberin, Leidende, Mutter und Herrscherin erzählt. So steht eine Frau des 6. Jahrhunderts, eine westgotische Prinzessin, eine merowingische Königin, eine Nibelungentochter im Mittelpunkt. Das Leben Bruna-Brunhildes ist zwar zeitlich fern, in manchem uns aber ganz nah.

Warum? Das Buch findet Antworten.
Außer dieser westgotischen, gebildeten Prinzessin Bruna, die fern ihrer Heimat - die sie nie wiedersehen wird - im Frankenreich ihres merowingischen Mannes nach dessen Ermordung als Herrscher in seiner Nachfolge versucht, gerecht zu handeln, wird die politische Geschichte dieser Zeit erzählt. Dies am Beispiel handelnder Menschen, die, wie Bruna-Brunhilde, im Mittelpunkt im Roman stehen. Denn Menschen machen Geschichte.

Wir können von Ereignissen im spanischen Westgotenreich – in Toledo, in Valencia -,im Merowingerreich der Franken: in Renève sur Vingeanne, in Chalon, in Metz, in Worms und Lorsch lesen. Das Nibelungenlied basiert auf dem glücklich-unglücklichen Leben dieser mächtigen Frau. Ähnlichkeiten zwischen dieser fernen Welt und unserer heute lassen sich entdecken. Aber auch das Andere, das Ferne, macht das Lesen ebenfalls interessant.

Über Frauen in der Geschichte sprechen - jetzt den Newsletter abonnieren - und einen Kurz-Krimi aus römischer Zeit als Geschenk erhalten.

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14. September 2020

'Allegras Fluch' von Kerstin McNichol

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Website Autorin | Traum³ Verlag
Allegra lässt nichts unversucht, um ihren Vater vor einer Torheit zu bewahren. Die verzweifelte Tochter schreckt noch nicht einmal vor Hexerei zurück, damit die Verlobte aus ihrer Leben verschwindet. Allerdings läuft der Zauber schief und beide verschlägt es in eine andere Zeit.

Um eine Chance auf Rückkehr zu haben, müssen die beiden zusammenarbeiten und sich Verbündete suchen. Doch was tun, wenn auch die Helfer untereinander zerstritten sind?

Anleser:
„Wir sind verlobt“, quietschte Jasmin vergnügt während sie Allegra die Hand entgegenstreckte.
Den Ringfinger zierte ein zartes Band mit einem funkelnden Stein in der Mitte. Offensichtlich hatte sich ihr Vater nicht lumpen lassen. Allegra wusste nicht, was sie mehr verärgerte. Die Tatsache, dass er so viel Geld für eine Torheit ausgab, oder dass diese Hochstaplerin nun ihre Stiefmutter-in-Spee war.
„Gratuliere“, gab sie möglichst neutral von sich und blickte dabei Jasmin in die Augen. Jasmin sollte erkennen, dass sie ihr Spiel durchschaute. Die erhoffte Gegenreaktion blieb aus. Allegra hatte darauf gezählt, dass Jasmin die Beherrschung verlieren würde und sie anschrie. So hätte ihr Vater ihren wahren Charakter erkennen müssen. Doch stattdessen schmiegte sich Jasmin eng an Alexander und blickte ihn nicht nur verliebt an, sondern streichelte mit der linken Hand über seinen Brustkorb, sodass der Ring im Licht wie eine Trophäe glitzerte.
Selbstverständlich erwiderte er die Geste und zog seine junge Gefährtin noch enger an sich heran. Die jugendliche Verliebtheit, welche die beiden zur Schau stellten ärgerte Allegra maßlos. Es war ihr nicht nur unangenehm, dass ihr Vater von Jasmin nicht genug zu bekommen schien, sondern sie fand auch, dass er sich permanent wie ein dummer Schuljunge benahm und nicht wie der neunundvierzigjährige erfolgreiche Geschäftsmann, der er war. Angewidert wendete sie den Blick ab, wenn sich die beiden küssten. Allegra konnte und wollte sich einfach nicht daran gewöhnen, dass ihr Vater diese Frau liebte. Zum einen war er mehr als doppelt so alt wie sie, und zum anderen war Jasmin mit ihren vierundzwanzig Jahren lediglich neun Jahre älter als sie selbst.
Seit Anbeginn dieser unheilvollen Beziehung hatte für Allegra festgestanden, dass Jasmin ihren Vater lediglich ausnutzte. Außer dem Studium eines unbedeutenden Faches an der Uni, hatte sie nichts weiter vorzuweisen. Jasmin war pleite und das, was sie als Liebe darstellte, war nichts weiter als ein uralter Trick mit dem sich Weiber wie sie das Vermögen von verblendeten Männern in der Midlife Crisis aneigneten. Dieser Ring untermauerte Allegras Vorbehalte, zumal vor kurzem noch die Rede davon war, dass Jasmin das Studium aufgeben und sich von Alexander ein kleines Ladenlokal in der Stadt finanzieren lassen wollte.
Für Allegra war die Sache glasklar. Hier ging es nicht um Liebe, sondern lediglich darum, für die eigene Zukunft auszusorgen. Und dies schien Jasmin während des romantischen Wochenendes in den Bergen endgültig gelungen zu sein. Der Verlobungsring war der untrügliche Beweis dafür, dass Jasmin den Aufstieg von der Freundin zur Verlobten geschafft und sich dadurch den Platz in der Familienhierarchie gesichert hatte.
Dennoch war dies kein Grund, dass Allegra ihre Anstrengungen Jasmin loszuwerden einstellen würde. Im Gegenteil, sie würde ihre Bemühungen verdoppeln; Jasmin durfte nicht ihre Stiefmutter werden. Da Alexander altmodisch war würde er Jasmin so schnell wie möglich heiraten wollen. Allegra war der Meinung, die Verliebtheit ihres Vaters wäre nur der törichte Versuch, an seiner Jugend festzuhalten und sich so über die Scheidung hinwegzutrösten.
Jasmins albernes Gekicher riss sie aus den Gedanken und Allegra blickte zu den beiden herüber. Es machte sie wütend zu sehen, wie ihr Vater sanft den Hals seiner Verlobten küsste und sie sich dabei noch enger an ihn drückte.
Allegra platzte der Kragen.
„Verdammt noch mal, spart euch diese Liebelei für ein Publikum auf, das euch den Nonsens abnimmt“, keifte sie.
„Was erlaubst du dir?“, rief der Vater ebenso verwundert wie empört.
In seinem Blick lag eine Mischung aus Unglauben und Zorn.
Unwillkürlich senkte Allegra unter dem strengen Blick den Kopf. Seine heftige Reaktion hatte sie erschreckt. Sie hatte ihn auch nicht so anblaffen wollen und schaute ihn schüchtern an, um sich zu entschuldigen. Doch als Jasmin den Arm um seine Taille legte und sie vorwurfsvoll ansah, konnte sich Allegra nicht mehr beherrschen.
„Wie konntest du eine derartige Torheit begehen? Wieso begreifst du nicht, dass sie sich nur ins gemachte Nest setzen will?“, schleuderte sie ihm wütend entgegen.
„Ich warne dich, treib es nicht zu weit“, forderte er und hob mahnend den Zeigefinger, während er einen Schritt auf seine Tochter zuging.
„Papa, bist du echt so naiv zu glauben, dass diese Beziehung funktionieren würde? Für sie bist du nur ein alter Idiot, den sie ausnehmen kann“, rief Allegra und sah ihn mit fiebrigen Augen an.
„Allegra, das reicht! Du entschuldigst dich sofort bei Jasmin“, verlangte er streng.
Allegras Herz klopfte vor Aufregung als sie in die entschlossenen Augen ihres Vaters blickte, doch anstatt einzulenken kniff sie die Lippen zusammen und starrte ihn mit leicht nach vorn gesenktem Kopf angriffslustig an. Er hatte einen Nerv getroffen.
„Diese Verlobung ist lächerlich. Du steckst doch nur in der Midlife-Crises.“
„Das reicht, Allegra“, fuhr er ihr über den Mund. „Du gehst augenblicklich auf dein Zimmer, bevor ich mich vergesse.“
„Gewalt ist alles, was dir dazu einfällt? Die hat dich bereits auf ihr Niveau heruntergezogen?“ Allegras Mienenspiel sprach Bände.
„Verschwinde auf dein Zimmer“, kam es gepresst von Alexander.
Allegra glaubte zu sehen, wie sehr er unter dieser Auseinandersetzung litt und wertete dies als einen Schlachtsieg.

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11. September 2020

'Du sollst nicht töten' von Alexander Kühl

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Blutwut-Verlag
Die Kommissare Kurt Stolze und Paula Reichmann treffen bei einer Tatortuntersuchung in einem Berliner Kellergewölbe auf zwei Leichen, die zu Tode gefoltert wurden. Ein Chirurg schuf in den Katakomben der Hauptstadt eine Parallelwelt, um an alleinstehenden Frauen Gesichtstransplantationen zu testen.

Die beiden Ermittler finden unzählige Polaroid-Bilder, mit denen der Arzt seine Arbeiten dokumentierte. Der Fall scheint klar und gilt als abgeschlossen, doch dann geht die Mordserie weiter und die beiden Ermittler finden ein Geheimnis, das ihre Vorstellungen sprengt ...

Buchtrailer:




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'Marias Sehnsucht: Die Reise einer Jüdin' von Uschi Meinhold

Kindle | Weitere Shops
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Marias Sehnsucht? Welche Maria ist gemeint? Der Leser begegnet einer wohlhabenden und gebildeten Jüdin, die als junge Frau ihren Heimatort Magdala in Galiläa nach dem Tod der Mutter und dem Verschwinden des Vaters verlässt, um zu reisen. Die Sehnsucht nach Veränderung führt Maria zu Verwandten nach Zypern, anschließend in die Hauptstadt des alles beherrschenden Römischen Reiches, Rom, und auf die Insel Capri.

Sie ist sehr eng befreundet mit Claudia, der Tochter des Princeps Tiberius. Aus dem anfangs unbeschwerten Romaufenthalt Marias wird durch die Nähe zur Tochter des Herrschers, inzwischen Ehefrau des Pilatus, ein Eintauchen in menschliches Leid. Aber auch glückliche Momente erlebt die Reisende durch die Zuneigung zum Römer Lupus. Sie begegnet Personen, die die Geschichte der Zeit bestimmen: Princeps Tiberius, Pilatus, Herodes.

Eingebunden in die politische Geschichte sind private Schicksale. Maria kehrt nach Magdala in Galiläa zurück. Wie auf der Reise erlebt sie in ihrer Heimat neben Glück auch Leid, begegnet diesen Erfahrungen gestärkt, weiß, wie sie leben will und mit wem: mit ihrer gehörlosen Tochter Lea und dem Römer Lupus. Er ist ihr nach Magdala nachgereist.

Die Autorin erzählt die Geschichte der vielbeschriebenen Maria Magdalena auf andere Weise, als sie bisher verbreitet worden ist. Was der Autorin in ihrem Roman 'Bruna-Brunhilde' (Bruna-Brunhilde: Westgotische Prinzessin - Merowingische Königin - Nibelungentochter) gelungen ist - die Leser durch lebendig und spannend erzählte Geschichte zu unterhalten und zu berühren -, kann auch in diesem Roman erwartet werden.

Über Frauen in der Geschichte sprechen - jetzt den Newsletter abonnieren - und einen Kurz-Krimi aus römischer Zeit als Geschenk erhalten.

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10. September 2020

'Explosive Vibes: Julian & Marie' von Monica Bellini

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website | Autorenseite
Prinzen gibt es nur im Märchen und Traumfrauen verwandeln sich immer in Hexen. Oder doch nicht?

Mit vierzehn wurde Marie wegen ihres Übergewichts gemobbt. Der einzige Lichtblick in ihrem Dasein war ihr arabischer Märchenprinz, der ein paar Klassen über ihr war. Als sie endlich ihren Babyspeck loswird, hat er die Schule längst beendet. Viele Jahre später findet sie ihren Traumjob – und ausgerechnet er ist einer ihrer neuen Chefs.

Julian pfeift auf sein Bad-Boy-Aussehen, das er seinen saudi-arabischen Genen verdankt, und auf seinen beruflichen Erfolg, denn privat hat er einfach kein Glück. Mit den Frauen erlebt er nur Märchen, die verkehrt herum ablaufen: Innerhalb kürzester Zeit werden aus den vermeintlichen Prinzessinnen hässliche Kröten.

Am Tiefpunkt angelangt, stellt sein Partner eine neue Architektin ein. Ihre blitzblauen Augen ziehen ihn an. Ihre Wahnsinnsfigur erregt ihn. Ihr launenhaftes Verhalten bringt ihn zur Weißglut. Aber das ist erst die Ruhe vor dem Sturm …

Abgeschlossener Liebesroman mit heißen Szenen und Happy End. „Explosive Vibes: Julian & Marie“ ist der fünfte Roman der „LoveVibes“-Reihe. Alle Bücher können ohne Vorkenntnisse gelesen werden.

Anleser:
MARIE
»Eigentlich wären Sie die perfekte Wahl für den Posten, Frau Winter.«
Von den beiden Grübchen neben den Mundwinkeln meines Gegenübers, die sich vertiefen, sobald er lächelt, ist nichts mehr zu sehen. Doch nicht das ist es, was meinen Magen zusammenballt und mir das Gefühl gibt, dass all die darin enthaltene Säure durch meine Kehle nach oben dringt. Nein, es ist dieses Wort, mit dem er den letzten Satz eingeleitet hat.
Das unausgesprochene »Aber« liegt in der Luft.
Und das »Uneigentlich«, mit dem ich meine Gegenfrage einleiten will, auf meiner Zunge.
Verdammt, verdammt, verdammt!
Jahrelang habe ich darauf gewartet, endlich zeigen zu können, was ich kann. Bis heute war ich chancenlos, habe es in Bewerbungsgesprächen für einen verantwortungsvollen Posten nie über die erste Hürde hinweggeschafft. Stets bin ich von irgendeinem in den Rollenbildern der Gesellschaft festgefahrenen Geschäftsführer oder Personalchef bereits beim ersten Vorstellungsgespräch – sofern es überhaupt dazu kam – abgekanzelt worden. Für sie war ich jung, blond und dumm. Wobei von diesen klischeehaften Attributen mittlerweile nur noch das zweite stimmt und das letzte schlichtweg eine haltlose Behauptung ist. Als ob die Haarfarbe irgendetwas über den Zustand des Gehirns einer Person aussagen würde. Wäre dem so, in welche Schublade gehören dann Männer mit Glatze?
Keine Ahnung, woher dieser Gedanke jetzt kommt.
Mein Gegenüber ist alles andere als haarlos. Seine dunkelblonden Haare strahlen im durch das Fenster einfallenden Sonnenlicht mit seinen kornblumenblauen Augen um die Wette. Aber das Lächeln, das die ersten zwanzig Minuten unseres Gesprächs begleitet hat, fehlt jetzt. So wie ihm offenbar nach dem letzten Satz der gesamte Wortschatz abhandengekommen ist. Mir nicht.
»Und uneigentlich?«, schleudere ich ihm entgegen.
Du solltest das Hirn einschalten, bevor du sprichst, Marie, sagt mein Bruder immer. Den Spruch hat er mitsamt der Beschützerrolle von unserem Vater übernommen. Als ob ich es mit zweiunddreißig nötig hätte, von irgendjemandem beschützt zu werden! Aber Peter geht in dieser Rolle auf. Seitdem unsere Eltern beide in Pension und nahezu ständig auf Reisen sind, noch mehr als früher – und das, obwohl ich schon seit Jahren allein und in Wien lebe.
Das dunkle Lachen, mit dem mein Gegenüber meine trockene und unüberhörbar schnippische Frage kommentiert, holt mich aus den Untiefen meiner unsinnigen Überlegungen zurück in das Besprechungszimmer, das mit seiner eleganten modernen Einrichtung all das widerspiegelt, was der Mann an der anderen Tischseite vertritt. Guten Geschmack, exzellente Ausführung der Projekte und die führende Marktposition seines Unternehmens nicht nur in Wien, sondern in ganz Österreich. Nicht zu vergessen, dass er dem alten Adel unseres Landes angehört, jedoch keiner der verarmten Sprösslinge irgendwelcher Snobs mit wohltönenden Namen ist, die ihre Herkunft vor sich hertragen wie eine Krone und sich bewegen, als ob sie einen goldbestickten Mantel aus rotem Samt mit Hermelinbesatz trügen. Im Gegenteil. Er ist bodenständig, spricht ohne diesen hochgestochenen näselnden Unterton und hat von dem Moment an, an dem wir uns mit Handschlag begrüßt haben, keine Mauer zwischen uns hochgezogen. Max Kaunitz ist nicht nur extrem sympathisch, höllisch attraktiv und offenbar humorvoll, vor allem ist er jung. Nicht viel älter als ich vermute ich, denn sein Geburtsjahr ist in seiner Biografie auf der Firmenwebsite nicht angegeben.
»Auch uneigentlich, Frau Winter«, antwortet er jetzt mit unüberhörbar heiterem Unterton.
Meine Augenlider verselbstständigen sich und flattern. Mehrmals. Was hat er gesagt? Ich vergrabe die Fingernägel in meinen Oberschenkeln und bin froh, dass der Stoff der Hose meines eleganten Tailleurs verhindert, dass ich mich blutig kratzen kann.
»Wie meinen Sie das, Herr Kaunitz?«
Er lächelt, und ich starre fasziniert auf die beiden Grübchen, die sich neben seinen Mundwinkeln vertiefen.
»Ich hätte Sie gern in meinem Team, Frau Winter, aber nicht als Projektleiterin, sondern in der Direktion. Sie werden uns in allen Projekten unterstützen. Wann können Sie anfangen?«
Mein Puls beschleunigt, das Blut rast im Galopp durch meinen Körper. Ich spüre, wie es in meinen Kopf schießt und meine Wangen zu glühen beginnen.
»Sie meinen ...?«
»Genau das, was ich gesagt habe.« Er zwinkert mir zu. »Über die Vertragsdetails sprechen wir dann später gemeinsam mit Hans Brunner, dem Personaldirektor der Kaunitz GmbH, und meine Frau freut sich schon darauf, Sie kennenzulernen. Allerdings ist sie heute nicht im Haus. Sie wird Sie morgen durch die Abteilungen führen und überall vorstellen.«
Max Kaunitz spricht und lächelt mir zu, aber ich begreife nur, dass ich den Job habe, und ein Wort bleibt hängen. Ich wiederhole es fragend. »Morgen?«
»Ist Ihnen das zu früh, Frau Winter? Ich hoffe nicht. Sie haben doch in Ihren Bewerbungsunterlagen geschrieben, dass ...«
»Nein, es ist nicht zu früh!«, rufe ich aus. »Im Gegenteil!«
Mein Gegenüber atmet erleichtert aus. »Das ist gut. Sehr gut. Wir haben zwar sofort nach dem Lockdown wegen des Coronavirus wieder voll unsere Arbeit aufgenommen, aber mit den neuen Projekten können wir erst jetzt so richtig durchstarten. Gemeinsam mit Ihnen, Frau Winter. Details zu den Projekten erfahren Sie dann morgen, doch zuallererst müssen Sie jetzt meinen Schwager kennenlernen, mit dem Sie eng zusammenarbeiten werden.«
Mir fehlen die Worte. Ich bin fassungslos. Es ist ... Unglaublich! Wie ein Urschrei erklingt das Echo in meinem Kopf und bringt mich an den Rand eines Tinnitus. Es klingelt und quietscht so laut, dass ich zwar sehe, wie Max Kaunitz mit einer Handbewegung das Intercom in der Mitte des Tisches aktiviert und seine Lippen bewegt, jedoch nicht höre, was er sagt, bevor er wieder zu mir schaut. Ich sehe, wie sich sein Mund bewegt, und endlich wird die Kakophonie in meinem Kopf leiser.
»... sind wahrlich außerordentlich, Frau Winter.«
»Wie bitte?«, frage ich mit einem Hauch von Stimme.
»Ihre Projekte.« Er deutet auf meine Bewerbungsmappe.
»Die, an denen ich mitgearbeitet habe«, stelle ich eilig klar.
Max Kaunitz wirft mir einen nachdenklichen Blick zu. »Genau so habe ich Sie eingeschätzt.«
Mit einem Stirnrunzeln versuche ich zu begreifen, wo der Haken in seiner Aussage liegt.

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'Schicksalspfad des Tempelritters - Band 3: Flammende Himmel' von Olivièr Declear

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
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Im Spätherbst 1290 verzehren lodernde Flammen das Marktviertel von Accon. Söldner verwüsten die Stadt. Erst das beherzte Eingreifen der Ritterorden beendet das Massaker unter der Bevölkerung.

Der Tempelritter Gernòd de Loen gerät mit seinen Freunden in Gefangenschaft. Auf einem Sklavenmarkt werden sie an den mächtigen Schriftgelehrten des Sultans, Abu I-Fada, verkauft und nur ihr unbeugsamer Wille, die Stadt Accon vor der erneut drohenden Gefahr zu warnen, lässt sie überleben. Als sie endlich die Mauern von Accon erreichen, bereiten sie sich mit den Bewohnern der Stadt auf den herannahenden Krieg vor.

Anleser:
Aufruhr
Neugierig spähte Gernòd über die Dächer des Marktviertels der Stadt. Er betrachtete die Rauchsäulen, welche sich dunkel in den klaren Himmel erhoben. Die Glocken der Stadt sandten ihren mahnenden Klang bis zu ihm auf dem äußersten Winkel des Wehrwalls. Eine Gruppe Wachsoldaten eilte über das grobe Steinpflaster der Straße und warf ihm fragende Blicke zu. Gernòds Augen streiften sie, während sich sein linker Arm in Richtung Rauchsäulen erhob. »Im Marktviertel!«, rief er hinunter. Ohne ihn weiter zu beachten, hasteten sie durch die enge Gasse. Der Klang ihrer Schilde auf der schweren Rüstung, der bei jedem ihrer Schritte ertönte, verlor sich mit ihnen hinter der nächsten Wegbiegung. Sorgenvoll richteten sich seine Augen erneut auf die Rauchsäulen.
Das Marktviertel mit seinen zahlreichen Holzverschlägen bot einer Feuersbrunst ein fruchtbares Ziel. Erste Flammen stiegen bereits züngelnd an einem Dach empor, als dienten ihnen die Lehmziegel als Nahrung. Accon, die letzte befestigte Stadt des einstmals mächtigen Kreuzfahrerheeres, war in größter Gefahr. Gernòds Herz schlug heftig in seiner Brust. Nicht durch die Hand der verhassten Sarazenen, sondern durch die Unachtsamkeit eines Händlers, vermutete er, sei dieser Brand entstanden.
Erneut kam ein Trupp Männer in seine Sicht. Schon von weitem erkannte er die weißen und braunen Mäntel seiner Brüder mit dem blutroten Kreuz des Templerordens über den Herzen. Ihr Anführer, Bruder Durmonte, wies mit wenigen, herrischen Armbewegungen drei dienende Brüder auf den Wehrwall hinauf und Gernòd zu sich herab. »Aufruhr im Marktviertel!«, rief er ihm entgegen und eilte mit wehendem Mantel an der Spitze seiner Männer in Richtung des Marktes. Gernòd hastete über den schmalen Stieg des Walls hinunter und eilte seinen Brüdern nach. »Aufruhr«, dachte er. Vermutlich waren es wieder einmal Söldner, denen der hohe Preis der Händler nicht gefiel, oder die keinen weiteren Kredit erhielten.
Gernòd spürte das unebene Pflaster der Straße unter den dünnen Ledersohlen, während er seinem Trupp hinterherhetzte. Einige Türen der Häuser öffneten sich einen Spalt breit, um neugierigen Augenpaaren den Blick auf die lärmenden Brüder zu bieten. Kaum hatte Gernòd seine Kameraden eingeholt, bog der Trupp in einen der Hauptwege ein. Vor ihnen strömten Soldaten der anderen Wachen aus den Seitengassen. Hospitaliter, Deutschritter und Söldnertruppen stürmten auf die Straße. Die Glocken aller Kirchen und Wachen erhoben sich über dem Lärm, drangen von allen Seiten auf die Soldaten ein und mahnten sie zur Eile. Verständigende Blicke trafen sich auf ihrem Weg, ernste Gesichter nickten sich grüßend zu. In jedem Antlitz las man die Spannung auf die vor ihnen liegende Bedrohung.
Ohne den hastigen Schritt aufzugeben, löste Gernòd den Schildgurt und führte seine Faust durch die Armriemen. Mit der freien Hand tastete er sich am Waffengurt entlang, bis er den Kopf seiner Axt spürte. Er schob die Schlaufe über dem Axtkopf mit dem Daumen beiseite und zog die Waffe aus dem Gurt. Mit einer Aufwärtsbewegung ließ er den Griff in seine Hand gleiten. Er war für den Kampf bereit.
Vor ihnen erhob sich das Holztor des Marktviertels. Es stand weit geöffnet und die Wachen wiesen mit ausladenden Bewegungen den Weg. »Die Lombarden und Toskaner!«, scholl es ihnen entgegen. Brandgeruch lag in den engen Gassen und Rauchschwaden minderten die Sicht. Gellende Schreie und Kampfeslärm drang aus den Seitenwegen. Um sie herum lagen die Leichen einheimischer Händler auf dem Weg – zwischen ihnen ihre Frauen und Kinder. Gernòds Weg führte durch breite Blutlachen. Er war gezwungen über umherliegende Körper zu springen. Laut klagende Menschen hockten bei den reglosen Körpern und hoben ihre verzweifelten, tränenüberströmten Gesichter den herbeieilenden Truppen entgegen.

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