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17. Januar 2020

'Mordsblues: Nordseekrimi' von Ulrike Busch

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website Ulrike Busch | Autorenseite im Blog
St. Peter-Ording im Herbst-Blues: Zum Abschluss der Saison veranstaltet Björn Rock, Inhaber einer Musikkneipe, das erste nordfriesische Blues-Festival an der Seebrücke des beliebten Nordseebades. Hark Nansen, der Star des Abends, legt einen furiosen Auftritt hin. Wenig später ist er tot – ermordet.

Der Kreis der Verdächtigen ist schnell definiert, doch die Indizienlage gestaltet sich kompliziert, denn der Fund einer weiteren Leiche gibt Rätsel auf. War Hark Nansen Täter und Opfer zugleich? Wurde ihm eine Dreiecksgeschichte zum Verhängnis? Und welche Rolle spielen die maritimen Szene-Drinks, die den Ermittlern auf Schritt und Tritt begegnen?

Die Öffentlichkeit erwartet eine baldige Lösung des Falls. Und auch Frido, der schrullige Onkel des Kommissars, macht Druck. Er war ein Fan von Hark Nansen.

Leseprobe:
Atemlos stand Hark Nansen auf der Außenbühne vom Dünen-Hus. Was für ein Auftritt! Es gab die üblichen Pfiffe und Buhrufe. Wie immer saßen Freunde und Feinde unter dem Publikum. Doch die Fans flippten aus. Sankt Peter-Ording war ein Heimspiel für ihn.
Er verneigte sich tief, und Gänsehaut überzog seinen Körper, als der Applaus zum Orkan wurde. Zwei Songs hatten seine Band und er noch auf der Setlist. Dann hatten sie es wieder einmal geschafft. Sie waren und blieben die Stars jedes norddeutschen Blues-Festivals.
Hark bückte sich und langte nach der Flasche ›Neptune’s Breeze‹, die er zu Beginn des Konzertes neben einer Verstärkerbox auf dem Boden abgestellt hatte.
»Auf euer Wohl«, raunte er mit seiner rauchigen Stimme ins Mikrofon und prostete dem Publikum zu. Aus einer Ecke gellten scharfe Pfiffe.
Er wusste, warum. Doch er ließ sich nicht einschüchtern. Bedächtig trank er einen Schluck. Seine Blicke glitten dabei langsam über die Tribüne. In der Dämmerung, die während seines Auftritts eingebrochen war, konnte er nur noch Konturen erkennen, keine Gesichter.
Er leckte sich über die Lippen und stellte das Getränk auf den Boden zurück.
Plötzlich flog eine Flasche auf die Bühne. Sie schlidderte an seinen Füßen vorbei. Sekunden später zerschellte nochmals Glas vor der Bühne.
Das Blut gefror Hark in den Adern. Die Bühne war kaum hüfthoch. Sie zu stürmen wäre ein Kinderspiel.
Er wandte sich nach Dora um. Ihr Blick suchte seinen.
Hark nickte ihr im stillen Einverständnis zu. Nur nicht beirren, nicht einschüchtern lassen!
Er kündigte dem Publikum den nächsten Song an. Der verhaltene Beifall signalisierte ihm, dass in diesem Moment nicht nur er verunsichert war.
Dora trat an seine Seite. Dora, die Frau mit der Bassgitarre. Die einzige Musikerin am heutigen Abend, die dieses Instrument beherrschte. Feuerzeuge wurden entflammt. Rufe nach Dora hallten durch die Dunkelheit.
Dann eine schrille Stimme, die rief: »Verräter!«
Hark blickte dorthin, wo er die Frau vermutete, der die Stimme gehörte. Er wusste, es war sinnlos, und doch suchte er die Reihen nach Sina ab. Unmöglich, dass sie unter den Zuschauern saß. An diesem Wochenende besuchte sie ihren Bruder in Dänemark.
Er sang die ersten Zeilen des Songs. Dora stimmte mit ein. Die Fans summten mit, die Lichter glühten. Es war ein Titel voller Leidenschaft. Am Ende lagen Dora und er sich für einen kurzen Moment in den Armen. Sie gaben das Bild ab, auf das das Publikum gewartet hatte.

[…]

Über den nur schwach beleuchteten Wall marschierte Hark Nansen in Richtung der Seebrücke. Mit gesenktem Blick hastete er am Rand des Vorplatzes entlang, passierte das Fischrestaurant und betrat die ersten Bohlen der Brücke.
Nach einigen Metern guckte er über die Schulter zurück. Niemand hatte ihn erkannt, niemand folgte ihm.
Er lief weiter, hob den Kopf und atmete tief ein. An einer der geschwungenen Holzbänke, die in größeren Abständen aufgestellt waren, machte er halt und setzte sich. Mit durchgedrücktem Rücken, die Hände auf den Knien, blickte er auf das Deichvorland.
In der Dunkelheit erschien ihm die sonst so vertraute Landschaft gespenstisch. Doch die würzige nachtfeuchte Luft legte sich wie ein schützender Nebel um seine Schultern und hüllte ihn ein.
Musikfetzen drangen an seine Ohren.
Eine Melodie fiel ihm ein, die Idee zu einem neuen Titel. Nachher, wenn er zu Hause war, würde er sie auf der Gitarre nachspielen und zu Papier bringen.
Unruhe überfiel ihn. Nach einem Konzert war sein Körper voller Adrenalin. Einsamkeit, frische Luft und Bewegung brauchte er dann. All das fand er am Strand.
Er erhob sich von der Bank. Aus dem Augenwinkel erblickte er einen hochgewachsenen Mann, der mit eiligen Schritten die Brücke betrat.
Noch einer, der dem Rummel des Festivals entfloh? Oder ein Fan, der mit ihm über Musik sprechen wollte? Das hoffentlich nicht. Hark war nicht zum Plaudern zumute.
Morgen war auch noch ein Tag. Am Sonntag konnte man mit ihm bei einem Drink über all seine Songs reden und darüber, dass die Musik früher viel ehrlicher war. Und Autogramme gab es dann auch.
Er wandte sich der See zu und marschierte weiter die Brücke entlang. Bald würde er die Plattform erreichen, die die halbe Strecke zwischen dem Seebrückenvorplatz und dem Strand markierte.
Etwas machte Hark nervös. Er wusste auch, was: Es waren die Schritte hinter ihm.
Der Mann lief zu schnell für einen nächtlichen Spaziergänger, der am Strand Ruhe und Erholung suchte. Seine Füße donnerten über die Bohlen wie Pferdehufe.
Unsicher geworden, drehte Hark sich im Gehen um.
Der Mann hob einen Arm. Er winkte ihm zu. Winkte mit einer Flasche.
Hark erstarrte innerlich.
Es war ein verdammter Fehler gewesen, sich in die Einsamkeit der Seebrücke bei Nacht zu begeben.

'Dru & Detective - Mordsfreunde' von Nikola-Marie Grims

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Ein tierischer Regional-Krimi aus Österreich

WER riecht, was niemand sieht?
WER versteht, was keiner hört?
WER kommt an Orte, die kein Mensch betritt?
DRU & DETECTIVE.
Zwei wie Hund und Katz.

Menschlich-moralische Abgründe im tiefverschneiten Mühlviertel: Als Detective, die Hündin eines eigenbrötlerischen, pensionierten Kriminalbeamten, vorübergehend bei der Schriftstellerin Selma Weingart einzieht, ist es mit dem bewährten Lebensrhythmus von Kater Dru vorbei. Kurz darauf wird im Eisstockteich ihrer kleinen Gemeinde Au die Leiche einer Frau gefunden. Jung, bildhübsch, nur mit einem dünnen Baumwollhemd bekleidet. Auf dem Weg in ein tschechisches Beautystudio war sie. Vor mehr als 14 Monaten. Seitdem galt sie als vermisst.

In fulminantem Tempo verlieren sich die Ermittlungen in einem Netz aus Eifersucht, Gier und Skrupellosigkeit. Dru & Detective, das Duo wider Willen, sieht sich gezwungen, einzugreifen. Denn: »DAS GEFÄHRLICHSTE TIER IST DER MENSCH.«

Der brandneue Mühlviertel-Krimi von Nikola-Marie Grims: spannend - humorvoll - fesselnd - winterlich. Für kurze Zeit zum Aktionspreis von nur 2,99 Euro.

Anleser:
Es ist dunkel.
Es stinkt.
Sein Kopf ist unter einer halbvollen Milchpackung begraben.
Er schreit, doch keiner hört ihn.
Er hat Angst, unbeschreibliche Angst.

Mit rasendem Herzen öffnet Dru die Augen. Finster. Aber, bei Garfields Bart!, alles in Ordnung. Auf ihm liegt nur sein rotsamtenes Schmuseherz. Er schüttelt es ab, schiebt es mit der Nase ein Stück von sich, um Platz für ein ausgiebiges Streckritual zu schaffen. Vorne, hinten. Nochmals, jedes Bein einzeln. Nach einem Kurzputzprogramm will Dru seinen Fensterplatz - auf dem er offensichtlich bei der Observierung der darunter liegenden Gasse eingeschlafen ist - verlassen und den schalen Nachgeschmack des Traumes mit etwas Knusprigem vertreiben, als sein Blick nach draußen fällt.
Vor dem Häuschen schräg vis-à-vis parkt ein blinkender Rettungswagen, die Türen stehen offen. Zwei junge Männer zwängen sich mit einer beladenen Bahre aus der engen Haustür. Die Köpfe eingezogen, stapfen sie durch die ungeräumte Einfahrt zurück zu ihrem Einsatzfahrzeug. Ihre Fracht ist Karl Wagner, das kann Dru trotz Sturm und dichtem Schneefall zweifelsfrei erkennen.
»Ojee, der alte Herr Wagner!«, stellt Selma, die sich ebenfalls am Küchenfenster eingefunden hat, leise fest. Zärtlich streicht sie dabei über Drus seidig schwarzen Kopf.
»Der Alte, der immer rumschnüffelt ... So nennst du ihn zumindest sonst«, antwortet Dru sarkastisch.
»Du hast leicht gurren, mein Großer. Ich gäbe wahrlich einiges dafür, wenn ich wüsste, was ihr Fellnasen so alles versteht.«
»Spar dir das besser. Du wärst schockiert, glaub mir!«
»Sieh nur! Dort am Fenster sitzt sein Hund. Armer Kleiner. Wer wird ihn jetzt betreuen?«
»Was kümmert uns das? Es ist ein Hund. Soll er sich den Riechkolben an der Scheibe platt drücken, bis sein Fell von den Knochen rieselt.«
»Hoffentlich ist es nichts Ernstes beim Wagner, obwohl in dem Alter – er kann vom Neunziger nicht weit entfernt sein«, murmelt Selma, während der Rettungswagen unter ihrem Fenster vorbeifährt. Kurz tippt sie mit dem Zeigefinger auf Drus Nase, dann wendet sie sich Richtung Kühlschrank. »Und Dru? Nach der Aufregung etwas Katzensaft gefällig?«
»Immer! Ich steh auf dieses Vitaminzeug, es schmeckt nach Schoko. Nein, nein, nicht den Messbecher! 30 Milliliter sind der reine Magenpflanzer!«
»Aber geh! Nicht so ungestüm. Gehört alles dir«, reagiert Selma auf Drus forsches Miauen und stellt ihm ein Schälchen hin.
»Alles? Du hast Nerven! Dreimal schlappern, weg ist die Chose.«
»Ich schreibe jetzt weiter, sonst wird dieses verflixte Kapitel nie fertig. Kuschel dich doch auf die Couch! Ist das Beste, was man bei so einem Wetter anfangen kann.«
»Schlafen? Nicht unbedingt. Ich schmeiß mich ein wenig vor die Glotze. Das Lokalprogramm, das heute im Vogelhaus vor dem Dielenfenster läuft, dürfte nicht übel sein.«

Blick ins Buch (Leseprobe)

15. Januar 2020

'Winterzorn' von Livia Pipes

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website Livia Pipes | Autorenseite im Blog
Überlege Dir genau, welches Päckchen Du öffnest. Du weißt nie, was sich darin befindet!

Warum? Warum haben sie dir dieses Leid zugefügt? Warum haben sie jahrzehntelang deine Seele gequält? Hätten wir eine Chance gehabt, wenn wir mehr Zeit gehabt hätten? Hätte ich dich retten können? Vielleicht nicht. Aber rächen kann ich dich.

An einem verschneiten Winterabend werden Kati Lindberg und ihre Kollegen zu dem Bungalow der Immobilienmaklerin Marie von Beesten gerufen. Sie ist nicht aufzufinden, doch in der Küche finden sie eine weiße Schachtel und der blutige Inhalt schockiert. In der Box befindet sich eine abgehackte Hand und darin liegt eine mysteriöse Schneekugel, die ihnen Rätsel aufgibt.

Ein Tag später steht fest: Die Hand gehört zu einer vermissten Frau, die seit dem Nikolaustag vor einem Jahr verschwunden ist. Es ist derselbe Tag an dem auch Marie von Beestens Ehemann Tibor bei einem Autounfall verbrannte … Die Ereignisse eskalieren, doch Marie von Beesten bleibt verschwunden. Kati muss sich wieder einmal ungeahnten Herausforderungen stellen, um sich dem skrupellosen Täter zu nähern. Doch die Zeit rennt ihr davon …

Ohne eine Atempause entführt Sie Livia Pipes‘ neuer Thriller in eine Welt, in der der Gedanke an Rache, alles andere in den Hintergrund rücken lässt.

Anleser:
»Tim? Ich bin mal kurz bei Frau Waldmann.«
Tim lag im Bett, spielte ein Spiel auf seinem Nintendo und war gerade dabei, einem Monster den Garaus zu machen. »Okay«, antwortete er gedehnt und nieste laut.
»Bin gleich zurück. Ich lasse die Tür offen.«
»Hm«, murmelte der Junge und spielte weiter.
Drei Minuten später klingelte es an der Haustür. Tim sah auf und stöhnte laut. »Die Tür ist doch offen, Oma!«, rief er und spielte weiter.
Es klingelte erneut. »Oh Mann! Kann man nicht einmal seine Ruhe haben, wenn man krank ist!«, ahmte er seine Oma nach und legte genervt seine Nintendo DS auf den Nachttisch.
Langsam trottete er zur Tür, nur mit einem Schlafanzug bekleidet. Sie stand offen. Tim runzelte die Stirn, als er sich dem Türspalt näherte. Es stand dort niemand, aber er entdeckte auf dem Abtreter eine weiße Schachtel mit einem roten Geschenkband. Er öffnete die Tür weiter und sah auf die Box. Seine Augen weiteten sich. »Wow! Ein Geschenk!«, sagte er und kniete sich auf den Boden.
»Das ist für dich«, sagte plötzlich eine tiefe Stimme aus einiger Entfernung. Tim sah auf und entdeckte den Nikolaus auf dem Treppenabsatz nach unten.
Tim strahlte über das ganze Gesicht. »Für mich? Echt? Aber Nikolaustag ist doch erst morgen. Du bist einen Tag zu früh!«
Der Nikolaus lachte. »Ich weiß, ich habe so wahnsinnig viel zu tun und muss dieses Jahr früher mit dem Verteilen anfangen. Mach es ruhig auf. Es ist für dich und deine Oma, eine Überraschung.«
Tim kaute mit seinen Zähnen auf der Unterlippe, dann winkte er dem Nikolaus zu, der die Stufen hinunterging und langsam aus seinem Sichtfeld verschwand. »Danke, lieber Nikolaus!«
Zwanzig Sekunden später durchbrach ein markerschütternder Schrei die Mauern des Hauses.

Eine dreiviertel Stunde später parkten Kati und Lenny hinter einem Polizeifahrzeug. Kati schloss die Tür des BMW und sah hinauf zum vierten Stock. Ein eisiger Wind fuhr durch ihre blonden Haare und auf dem Weg zur Haustür schützte sie ihren Kopf mit ihrem Schal.
Sie wiesen sich bei der Polizistin aus, die den Eingang im Auge behielt, und liefen im Treppenhaus nach oben.
Ein widerlich säuerlicher Geruch drang an Katis Nase, bevor sie den obersten Absatz erreicht hatte. Jemand hatte sich erbrochen.
Sie zeigten ihre Ausweise noch einmal vor. Der ältere Polizist mit Schnauzer war blass um die Nase und nickte ihnen stumm zu.
Kati und Lenny näherten sich der Eingangstür von Frau Müller und ihrem Enkel. Neben der Schachtel, die nur halb von dem Deckel bedeckt war, sahen sie den Grund für den ekelhaften Geruch, der in der Luft lag. Zwei Flecken mit Erbrochenem, einer links und einer rechts der Box, zierten den schwarz-weiß gesprenkelten Boden und einen Teil des Abtreters.
Kati sah sich zu Lenny um und wies mit dem Kinn in Richtung Geschenkbox. »Willst du?«
Er zuckte mit den Schultern. »Also, ich reiß mich nicht drum.«
Kati seufzte und zog ein paar Einmalhandschuhe aus ihrer Manteltasche. »Ich mach schon.«
Sie ging vor der Schachtel in die Hocke. Der Gestank des Erbrochenen wurde stärker. Kati schloss die Augen, als sie merkte, dass gleich ein dritter Flatschen dazukommen würde, wenn sie sich nicht zusammenriss. Was unangenehme Gerüche betraf, war sie sehr empfindlich.
Sie nahm den linken Arm hoch und bedeckte damit ihre Nase, dann tippte sie vorsichtig mit dem rechten Zeigefinger den Deckel zur Seite.
»Uaah«, entfuhr es ihr. Sie nahm abrupt den Arm vom Gesicht, stützte sich damit auf dem Boden ab, stand torkelnd auf und taumelte einen Schritt zurück, direkt in Lennys Arme. »Oh Gott«, rief sie und hielt sich die Hand vor den Mund.
Man hatte ihnen zwar am Telefon von dem Inhalt des Geschenks berichtet, aber den Kopf und eine weitere Hand von Tanja Müller direkt vor sich in dem Karton zu sehen, war grausam. Auf so einen Anblick konnte man sich mental nicht wirklich vorbereiten. Kati gelang es jedenfalls nicht.
Aus einem Meter Entfernung sahen Kati und Lenny zu dem Schädel im Karton. Mehrere circa einen Zentimeter lange weiße Maden krochen über das Gesicht, das eine weißgelbe Farbe aufwies und erste Zersetzungszeichen zeigte. Aus der Nase kroch eine weitere Made ans Tageslicht.
Um den Kopf herum lagen außer der Hand sechs gelbe Wunderbäume, die den süßlichen Leichengeruch noch verstärkten.
»Der Mund wurde zugenäht und es liegt auch wieder eine Schneekugel dabei«, keuchte Kati, kaum fähig, den Blick aufrecht zu halten. »Wieder mit diesem Glitzergel! Man erkennt gar nichts!«
»Hm«, brachte Lenny hervor, der sich wegdrehte und trocken würgte.
Kati gab ihm eine halbe Minute, dann trat sie zu ihm. »Geht's wieder?«
Lenny nickte. »Mein Magen ist gerade nicht so stabil. Und bei dir?«
Kati wehrte die Entschuldigung ab. »Ja … ja, es geht. Es ist ja nicht das erste Mal, dass ich einen abgetrennten Kopf sehe, aber trotzdem … Es ist einfach furchtbar.«
Lenny nickte. »Wenn es uns schon so mitnimmt, was hat dann erst der Junge empfunden.«
Kati schloss für eine Sekunde die Augen. Tim würde diesen Anblick wohl sein Leben lang nicht vergessen. Selbst wenn es ihm mit Hilfe von Therapeuten gelingen sollte, die Bilder im täglichen Leben zu verdrängen, in seinen Albträumen würden sie ihn verfolgen. Genau wie ihre Albträume sie verfolgten.
Lenny nahm eine kleine Flasche mit japanischem Pfefferminzöl aus der Innentasche seiner Daunenjacke und hielt es Kati hin. »Hier, streich dir davon etwas drauf.«
Kati strich sich das Öl direkt unter die Nase und atmete tief ein. »Danke. Das ist gut.«
Lenny nickte, tat es ihr gleich und reichte das Fläschchen an den Polizisten weiter, der das Öl dankbar entgegennahm.
»Zweiter Versuch«, sagte Kati, deutete ein schwaches Lächeln an und ging neben der Schachtel in die Hocke …

Blick ins Buch (Leseprobe)

'Too good to be true: Woodland Academy I' von Marcella Fracchiolla

Kindle (unlimited) | Amazon | Thalia
Website Marcella Fracchiolla
Seitdem sie denken kann, ist das Internat Allies Zuhause. Und mindestens genauso lange steht sie auch schon im Schatten ihrer selbstbewussten Zwillingsschwester Leah. Doch jetzt, zu Beginn ihres letzten High-School-Jahres, wird sich alles verändern. Allie muss lernen, für das zu kämpfen, was sie will. Auch wenn das genau das Gegenteil von dem ist, was gut für sie wäre ...

Ethan ist ein typischer Bad Boy. Er ist in einem Trailer Park auf der falschen Seite der Stadt aufgewachsen und erhält nun eine einmalige Chance: ein Stipendium an einer der renommiertesten Eliteschulen der Staaten. Er muss sich nur ein Jahr lang voll und ganz auf den Unterrichtsstoff konzentrieren, und sein Leben wird sich zum Besseren wenden ...

Ethan und Allie: zwei Welten, die kollidieren. Alles steht plötzlich Kopf. Und dann ist da noch Ethans dunkle Vergangenheit, die droht, ans Licht zu kommen und alles zu zerstören, wofür er so hart gearbeitet hat. Die Karten werden neu gemischt, und plötzlich ist nichts mehr so, wie es einmal war.

Anleser:
Wieder stehe ich vor dem großen, schweren Eingangstor des Internates. Wieder in zerrissenen Jeans und meiner alten Lederjacke, die mich über die Jahre hinweg durch dick und dünn begleitet hat. Hinter diesem Tor verbirgt sich meine Zukunft. Sie ist zum Greifen nah. Die Dämmerung bricht an und es regnet. Alles wie am ersten Tag. Die Regentropfen perlen von meinen kurzrasierten Haaren ab und rollen kühl mein Gesicht hinunter. Ein paar besonders dicke nehmen mir die Sicht. Ich stecke meine Hände tief in die Hosentaschen und atme die klare Luft ein. Ich blicke zum großen, gewölbten Fenster des herrschaftlichen Hauptgebäudes hinauf, durch das ein warmes Licht sickert. Da steht sie, wie am ersten Tag. Schon damals hat ihr Anblick mir die Sprache verschlagen, auch wenn sie mich neben all den Neuankömmlingen noch nicht bemerkt hatte. Dieses Mädchen bedeutet mir einfach alles. Und diesmal schaut sie nur mich an. Doch trotz der beschlagenen Fensterscheiben kann ich sehen, dass ihre Augen nicht mehr leuchten, wie sie es sonst immer bei meinem Anblick getan haben. Kein Lächeln umspielt ihre Lippen. Ich weiß, mit diesem Mädchen an meiner Seite könnte ich einfach alles schaffen. Aber ich bin mir nicht sicher, ob es noch Hoffnung für uns gibt, oder ob ich sie für immer verloren habe.

Blick ins Buch (Leseprobe)

14. Januar 2020

'Reinigungsaufgaben' von Aileen O'Grian

Kindle
Blog Aileen O'Grian
Die Meere sind längst zu Klärgruben verkommen. In Müllklärwerken werden Gefangene gezwungen, unter unmenschlichen Bedingungen die Ozeane zu reinigen. Erst als sie die lebensbedrohlichen Folgen dieser Reinigungsarbeiten erkennen, wehren sie sich und kämpfen ums nackte Überleben.

Gegen den Widerstand der Erwachsenen setzen sich das weiße Mädchen Jessica und die Farbige Amal dafür ein, Afrika wieder bewohnbar zu machen. Sie wollen nicht länger die moderne Sklaverei in Europa dulden.

Helen entdeckt gefährliche Viren, die so virulent sind, dass sie sich im gesamten Weltraum ausbreiten und alles Leben vernichten würden. Verzweifelt versucht sie, das Schlimmste zu verhindern.

Cathy lebt in einem Turmbau, wie sie überall in der Nordsee entstanden sind, nachdem große Teile Europas vom Meer verschlungen wurden. Die Menschen wohnen dicht gedrängt, Nahrungsmittel sind knapp und müssen mühsam gewonnen werden. Oft bedrohen schwere Hurrikans die Bewohner der Siedlung, unter denen sich auch viele afrikanische und asiatische Flüchtlinge befinden. Hinzu kommen die Altlasten des 20. Jahrhunderts: Giftige Schadstoffe, gefährliche Munitionsreste und atomarer Müll verseuchen die Meere.

Diese und sechs weitere spannende Geschichten handeln von Zukunftsvisionen, die hoffentlich nie eintreten werden.

Leseprobe:
Mörderische Reinigungsaufgaben

Der Richter schaute mich streng an. Selbst mein Geständnis schien ihn nicht milder zu stimmen. Dabei: Was war schon groß daran, etwas schmutziges Wasser ins Meer zu leiten? Bei der großen Menge im Ozean fielen doch so ein paar Kubikmeter gar nicht auf. Unruhig knetete ich meine Hände unter seinem Blick.
„Im Namen des Gesetzes verurteile ich Sie hiermit zu fünf Jahren Zwangsarbeit im Meeresklärwerk“, verkündete er.
Meine Beine gaben nach, vor meinen Augen verschwamm der Gerichtssaal, haltsuchend griff ich an den Tisch. Die Höchststrafe! Er hatte mich zur Höchststrafe verurteilt! Wegen so einer Bagatelle!

„Herr Burow, verstehen Sie mich?“, fragte mein Anwalt.
Wie durch Watte hörte ich ihn. Benommen nickte ich.
„Geht es Ihnen nicht gut?“
„Bei so einer Strafe …?“, flüsterte ich fassungslos.
„Wir gehen in Berufung. Beim nächsten Gericht haben Sie einen anderen Richter, einen milderen. Herr Lautbeißer ist für seine Strenge bekannt.“

Leider riet mir mein Anwalt eine Woche später davon ab. Inzwischen war ein neues Gesetz erlassen worden und Umweltvergehen wurden noch strenger als vorher bestraft.
„Herr Burow, sobald Sie entlassen werden, melden Sie sich bei mir. Ich helfe Ihnen bei der Resozialisierung und Arbeitssuche“, versprach er mir. Dann ging er, und ich blieb zurück - im Gefängnis. Morgen sollte ich in das Klärwerk Nord-Atlantik gebracht werden. Es liegt auf dem 10. Längen- und dem 70. Breitengrad im Atlantik und ist nur mit einem Schiff zu erreichen. Meine Frau und meine Kinder würde ich fünf Jahre lang nicht mehr sehen. Dabei hatte ich nur ihretwegen das Bilgewasser ins Meer abgepumpt! Hätte ich es nicht getan, hätte mein Reeder mich entlassen. Bei jungen Offizieren duldeten sie das kostenintensive Abpumpen im Hafen in Reinigungstanks, aber die älteren Kapitäne, die nicht mehr als so leistungsfähig gelten, müssen die Kosten auf ihren Schiffen ins Unmögliche senken, um nicht arbeitslos zu werden.

Von der Zelle des Transportschiffes wurde ich durch eine Gangway in das mehrstöckige Gebäude des Klärwerks gebracht. Von dort ging es, begleitet von zwei Gefängniswärtern, mit dem Aufzug abwärts. Immer weiter, immer tiefer. Als die Aufzugtür aufging, stießen mich die beiden wortlos hinaus und weiter durch endlos lange, dunkle Gänge.
In einem Waschraum musste ich duschen, dann schor ein Gefangener in einem blauen Kittel und gleichfarbiger Hose meinen Kopf und gesamten Körper kahl. Noch nie hatte ich mich so erniedrigt und gedemütigt gefühlt. Ein anderer drückte mir blaue Gefängniskleidung und Badelatschen in die Hand.
„Na, wird’s bald. Dalli, dalli“, trieb der eine Wärter an.
Sobald ich angezogen war, stieß er mich weiter bis in eine Kajüte. Pardon!, eine Zelle. An jeder Wand befanden sich zwei Pritschen hintereinander, je drei übereinander.
„Dort hinten“, sagte ein Aufseher und zeigte auf die linke Ecke. Die Koje war also für mich bestimmt. Eine dünne Wolldecke lag auf ihr.
Handtuch, Seife und Zahnbürste legte ich auf das Brett über dem Bett, dann musste ich meinen Arbeitstrupp aufsuchen.
„Kalle, dein Neuzugang, Kapitän Burow“, rief ein Wärter in den Raum und zu mir gewandt: „Kalle leitet den Trupp. Er kennt sich bestens aus, er ist seit zwanzig Jahren hier.“ Damit übergaben mich die Wärter jenem Kalle und verschwanden.
„Was soll ich mit so einem Alten hier? Immer schicken sie uns die ollen Knacker“, meckerte Kalle laut hinter den Wärtern her.
„Kalle war Leichtmatrose und musste auf Geheiß seines Kapitäns die Tanks auf See reinigen“, raunte mir ein Uralter zu.
„Hast du wenigstens Muckis?“ Kalle griff prüfend an meine Oberarme. Ich versuchte, die Muskeln so locker wie möglich zu halten. Sollte mich Kalle ruhig unterschätzen.
„Wieder so ein Schlappschwanz“, war sein Kommentar. „Peter, nimm den Käpten mit“, befahl er gleich darauf.
Peter hieß also der Uralte. Ich folgte ihm kriechend durch einen schmalen Schacht.
„Die Reißanlage ist verstopft, wir müssen wie bei einem Rasenmäher die Verstopfung beseitigen“, erklärte er mir.
Am Ende des Schachtes öffnete er eine Klappe und kroch hindurch. Wir befanden uns zwischen rasiermesserscharfen Messern. Voller Sorge schob ich mich hinter Peter her. Meine Anspannung wuchs mit jedem Zentimeter.
„Verletz dich bloß nicht“, warnte er mich.
Wir krochen vorbei an den Häckselmessern, bis wir die Ursache des Staus fanden. Mit Harken lösten wir den Müll. Schließlich griff Peter, durch Lederhandschuhe geschützt, in die Klingen und bewegte sie hin und her, bis sie leichtgängig waren.
„Schnell zurück“, rief er und beeilte sich, die Luke zu erreichen. Ich hetzte auf allen vieren hinterher.
Wir hatten die Tür noch nicht verriegelt, als die Maschinen wieder zu rotieren begannen. Mir lief ein Schauer über den Rücken. Hier fünf Jahre heil zu überstehen, würde schwierig werden.
„Du musst sehr aufpassen und ganz schnell zurück sein, sonst zerhacken die dich. Die warten nicht, ob die Arbeitskräfte wieder in Sicherheit sind. Es gibt genug Gefangene, ein paar mehr oder weniger machen nichts aus, Käpten.“
„Ich heiße Robert. Hier habe ich keinen Rang“, stellte ich klar.
Peter grinste mich an. „Die Offiziere sind bei uns in der Überzahl.“
„Kein Wunder, die tragen auch die Verantwortung und werden zur Rechenschaft gezogen.“
„Ich bin Peter Christiansen, war früher leitender Ingenieur auf einem Handelsschiff und bin seit drei Jahren hier.“
„Warum ist Kalle schon so lange gefangen?“
„Na ja, zu den Umweltsünden kam noch eine Schlägerei mit Todesfolge und hier hat er auch schon einen Aufstand angezettelt und einen Aufseher umgebracht.“
„Oh nein“, entfuhr es mir.
„Doch, und Offiziere mag er nicht, die schindet er besonders.“
Das waren schöne Aussichten. Später erfuhr ich, dass Peter erst Ende vierzig war, sechs Jahre jünger als ich. Dabei sah er aus wie siebzig. Alterten hier alle so schnell?

Wenn wir nicht Stillstände der Maschinen beseitigten, sortierten wir den Müll mit der Hand vor. Peter vertraute mir an, dass das gar nicht nötig wäre, aber irgendwie mussten die Gefangenen beschäftigt werden. Mir wurde der Tag lang und die Glieder schwer. Immer wieder dachte ich an meine Frau Kaja und meine Kinder und sehnte mich nach ihnen. Ihretwegen musste ich überleben!
Nach einer Woche durften wir endlich duschen. Natürlich nur lauwarm. Hinterher wuschen wir noch unsere Anzüge mit der Hand und hängten sie für den nächsten Tag auf. Wir besaßen zwei Sträflingsanzüge zum Wechseln.
Abends gab es für jeden zwei Schwarzbrote mit Fett, dazu schales Wasser. Danach saßen wir noch etwas zusammen und unterhielten uns. Einige Männer sangen. Ich war zu müde zum Sprechen und versuchte zuzuhören. Aber mir fielen fast die Augen zu.
Peter klopfte mir auf die Schulter.
„Schließstunde, wir müssen in unsere Zelle.“ Er merkte, wie müde ich war. „Mit der Zeit wird es einfacher, du bekommst eine bessere Kondition.“
„Bei dem Essen?“
„Pst.“ Er nickte kaum sichtbar zur Ecke, in der zwei Wärter standen und uns beobachteten.

13. Januar 2020

'Sheliese Savior's Ghostwar: und das Vermächtnis von Ewig-Eis / Teil 2' von Jessylynn Sidney Winter

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Website J.S. Winter
Sheliese Savior's Ghostwar - Teil 1
Ewig-Eis: Die mysteriöse Insel und deren Bewohner haben eine tragische Vergangenheit und hüten ein dunkles Geheimnis. Sie bilden Sheliese weiter aus, die nicht ahnt, wie hoch der Preis dafür sein wird. Ewig-Eis prägt das Mädchen in vielerlei Hinsicht. Als sie nach Ghostwar zurückkehrt, heilt auch die Zeit nicht alle Wunden, sondern hinterlässt tiefe Spuren. Auch die ihr einst so vertraute Welt hat sich verändert …

Ihr Auftrag … die Prophezeiung.

Geht der Plan von Merten Didericus auf? Wird Sheliese tun, was man von ihr erwartet?

Leseprobe:
Ein eisiger Wind peitschte Sheliese so stark ins Gesicht, dass ihre Augen tränten und es ihr kaum möglich war, sie offen zu halten. Sie zog sich ihren Schal bis über die Nase, denn die Luft, die sie atmete, erwärmte sich kaum und die kleinen gefrorenen Schneekristalle stachen wie Nadeln in ihrer Lunge und auf ihrer Haut. Schützend hielt sie eine Hand in Augenhöhe und stellte dankbar fest, dass die dicken Fellhandschuhe zusammen mit dem Umhang und den Stiefeln ihren Zweck erfüllten. Der Schulleiter von Ghostwar, Merten Didericus, hatte wie so oft Recht gehabt. Sie sah sich um.
Sie standen am Rande einer Klippe aus Schnee und Eis und tief unter ihnen brachen sich hohe schwarze Wellen in schäumender Gischt an der Steilküste. Der Schneesturm färbte den Himmel in ein tristes Grau, und wenn man vielleicht fünfzig Meter weit sehen konnte, dann war das schon übertrieben.
Sheliese hatte ihren Arm noch in den des Schulleiters eingehakt, der genau wie sie einen Moment brauchte, um sich zu akklimatisieren.
»Hier, damit wird es besser gehen.« Seine Stimme wurde fast vollständig vom Wind verschluckt. Er reichte Sheliese eine Brille mit großem Sichtfenster. Eilig befolgte sie seinen Rat und es schaffte ihr sofort Erleichterung. Noch nie in ihrem Leben hatte sie eine solch trostlose Gegend gesehen. Etwas daran erinnerte sie an die Ebene, die sie in ihrer Vision unter der Höhlendecke gesehen hatte, und bereitete ihr ein beklemmendes Gefühl.
»Wenn du so weit bist?« Didericus musste schreien. »Wir sollten keine Zeit verlieren! Je länger wir stehenbleiben, umso schneller kühlen wir aus.« Kaum hatte er den Satz beendet, ging er auch schon los. Sheliese wollte ihm folgen, doch bereits beim ersten Schritt versank sie knietief im Neuschnee.
»Oh nein, bitte nicht! Das fängt ja gut an ...«, keuchte Sheliese und erinnerte sich daran, was ihr der Schulleiter über die Besonderheiten der Insel erzählt hatte, als er ihr offenbarte, dass sie ihre Ausbildung keineswegs wie die anderen Schüler in Ghostwar, sondern auf einer Insel im ewigen Eis — in der Obhut eines mysteriösen Volkes — beenden würde:
»Wir können zwar auf die Insel teleportieren, aber nur in einen fünfhundert Meter breiten Streifen, der sie entlang der Küste umgibt. Es gibt dort eine Teleportationsgrenze. Von da an müssen wir den ersten Teil der Reise mit einem Schlitten zurücklegen und später zu Fuß weiter gehen. Wenn alles gut geht, müssten wir in drei Tagen unser Ziel erreicht haben … Mit dem Überschreiten der Teleportationsgrenze legt man ein Schweigegelübde ab, was bedeutet, dass man während der Reise keinen Laut mehr von sich geben darf, egal, was unterwegs passiert. Bricht man das Schweigen, so verlängert sich der Anreiseweg für jedes gesprochene Wort um einen ganzen Tag.«
»Drei Tage, wenn alles gut geht«, hatte er gesagt. Die ersten Schritte waren schon eine Katastrophe, wie sollte sie das drei Tage lang durchhalten? Und wo war überhaupt der Schlitten, von dem er gesprochen hatte?
Sie marschierten gebeugt gegen den Wind und bei jedem Schritt schwand das bisschen Hoffnung, das sie hatte, immer mehr.
»Worauf hast du dich da eingelassen, Sheliese, du bist tot, bevor du einen von denen zu Gesicht bekommen hast«, schimpfte sie in sich hinein.
Wie lange waren sie überhaupt schon unterwegs? Die Son-ne schien hier nicht zu existieren und folglich hatte Sheliese jegliches Zeitgefühl verloren. Didericus sprach kein Wort mehr und sie hielt es für klug, es ihm gleich zu tun. Wahrscheinlich hatten sie diese Teleportationsgrenze, an die das Schweigegelübde gebunden war, schon lange überschritten.
»Nur kurz stehen bleiben und durchatmen«, dachte sie müde. Es war, wie Didericus gesagt hatte, der Weg war alles andere als leicht, aber so hatte sie ihn sich dann doch nicht vorgestellt.
»Wir haben es gleich geschafft!«, rief Didericus ihr zu. Er sprach noch, und damit war ihre Vermutung hinfällig. Sie hatten die Grenze noch nicht überschritten, was erschreckenderweise bedeutet, dass sie in der Marschzeit, die Sheliese jetzt schon wie eine kleine Ewigkeit vorkam, noch keine fünfhundert Meter zurückgelegt hatten!
Sie konnte es kaum glauben. Ärgerlich stapfte sie weiter, als sie merkte, dass der Schulleiter keine Anstalten machte, auf sie zu warten.
»Ewig-Eis. Zutreffender kann die Bezeichnung für diesen Ort nicht sein. Wie kann man hier nur leben? Unvorstellbar, dass sich jemand freiwillig dazu entschieden hat«, murmelte Sheliese und gab sich keine Mühe mehr, denn so sehr sie sich auch anstrengte, sie holte Didericus nicht ein.
»Was soll‘s, du musst dir deine Kräfte einteilen und solange er in Sichtweite ist ... Wie macht der das nur und das in seinem Alter?«, fragte sie sich.
Plötzlich blieb er stehen und Sheliese schloss keuchend zu ihm auf.
»Professor ... sagten sie nicht etwas von einem Schlitten?«
Er nickte und strecke vorsichtig seine Hand aus.
»Hier muss sie sein, die Teleportationsgrenze. Beim letzten Mal habe ich ungefähr auch so lange gebraucht.«
Ein hellblaues Licht flackerte um seine Fingerspitzen.
»Warum sind wir nicht direkt bis an die Grenze teleportiert!«, rief Sheliese.
»Du solltest ein Gefühl dafür bekommen, was uns hier erwartet. Wenn wir Glück haben, ist der Sturm gleich vorbei.

12. Januar 2020

'Love Servant: Gegen den Strom' von Zenobia Volcatio

Kindle (unlimited) | BoD Buchshop | Taschenbuch
Website Zenobia Volcatio | Die 'Love Servant'-Reihe
Ein Staat in dem die Frauen herrschen.
Ein Staat in dem die Männer dienen.


Valentin sieht aus wie ein Engel und ist bei den Ladys begehrt. Doch im Nordamerika der Frauen leidet er unter dieser Aufmerksamkeit. Wie alle Männer des Landes ist er ein Diener der Damenwelt. Nachdem er die schreckliche Zeit in einem Nachtclub überstanden hat, traut er sich kaum noch in die Öffentlichkeit.

Mit einem Urlaub in Los Angeles will seine Herrin Alexandra ihn wieder auf andere Gedanken bringen. Die beiden genießen ihr junges Liebesglück in einem Hotel speziell für Hosts und ihre Herrinnen. Durch Zufall treffen sie auf Mitglieder des Untergrunds, die sich für die Rechte der unterdrückten Männer einsetzen. Alex teilt deren Ansichten und möchte mit Valentin ebenfalls eine gleichberechtigte Partnerschaft führen.

So wird aus dem Strandurlaub in Santa Monica ein Trip quer durch mehrere Staaten, um die Kolonie der Rebellen zu finden. Dort soll ein freies Leben möglich sein.

Was sind die beiden bereit für ihre große Liebe zu opfern?

Leseprobe:
Alex berichtete, wie sie im Internet in einem Forum auf Frauen gestoßen war, die so dachten wie sie. Dass Liebesdiener in der Öffentlichkeit akzeptiert werden und mehr Rechte bekommen sollten. Das überraschte Valentin nicht. Er wusste, dass Alex anders war als die meisten Herrinnen, und nun hatte sie sogar Kontakt zu gleichgesinnten Damen.
»Weißt du, keine gibt es offen zu, wenn sie sich in ihren Diener verliebt. Das wird belächelt und nicht ernst genommen oder gilt als verpönt. Deswegen weiß ich oft nicht, wie eine andere dazu steht. Jetzt bei Sharon war es klar. Sie ist voll für das Regime. Vivian ist fast wie ich, aber ihr macht es nichts aus, dass sie Rick nur daheim wie einen Partner behandeln kann.«
Valentin dachte an Christine. Sollte er Alex verraten, was er auf seiner letzten Party erfahren hatte? Konnte sie es für sich behalten? Er wollte auf keinen Fall entlarvt werden. Daher tastete er sich behutsam vor.
»Auf meiner letzten Party, da habe ich zufällig etwas belauscht. Aber ich hatte Angst, dass es rauskommt, und habe es komplett für mich behalten.« Er sah Alex skeptisch an. »Würdest du dichthalten? Auch gegenüber Vivian?«
Sie hörte ihm aufmerksam zu. »Du machst es spannend.«
»Ich weiß, wer den geflüchteten Männern hilft.«
Alex riss verwundert die Augen auf. »Echt? War diejenige auf dieser Party, wo du das letzte Mal dabei warst?«
Valentin nickte. »Ja, und sie hat bestimmt viel Einfluss. Sie könnte mir sicher schaden, wenn sie es erfährt.«
»Darling, du kannst es mir sagen. Ich würde nicht riskieren, dass dir erneut ein Leid geschieht. Du hast schon genug durchgemacht.« Sie strich über seine Wange. »Du vertraust mir doch?!«
Er bejahte und rückte raus mit der Sprache. »Ich habe mitbekommen, wie Christine mit einer anderen über die toten Diener in diesem Lkw geredet hat. Was wohl schiefgelaufen sei und dass es nicht wieder vorkommen darf.«
Alex reagierte ungläubig. »Christine? Bist du dir sicher? Das kann ich mir kaum vorstellen. Sie leitet das Breeding-Center und hat mehrere Hosts. Sie macht nicht den Eindruck, als unterstütze sie den Untergrund.«
Valentin rieb sich unsicher die Hände. »Ja, es war eindeutig sie. Mich hat es auch sehr gewundert.« Dann überlegte er, ob er Sandros Flucht ansprechen sollte. »Als ich das mit dem Transport in den Nachrichten gesehen habe, musste ich an meinen Vorgänger denken. Ob er so geflohen war und ob er dort angekommen ist. Wo leben die Rebellen? Alle sagen nur im Norden, in den Wäldern.«
Alex nahm seine Hand in ihre. »Ich muss ihm im Nachhinein sogar dankbar dafür sein, denn sonst wärst du nie zu mir gekommen. Das war Schicksal! Mit ihm wäre es nie so geworden wie mit dir. Mit Norden sind die Wälder im Staat Kanada gemeint. Früher war das ein eigenes Land. Ich war noch nie da, aber wie ich im Fernsehen gesehen habe, gibt es riesige Waldgebiete. Da sind auch regelmäßig Suchtrupps unterwegs, um die Entflohenen wieder einzufangen.«

Blick ins Buch

11. Januar 2020

'Beziehungsglücklich: 27 Tipps für eine erfüllende Partnerschaft' von Wieland Stolzenburg

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website Wieland Stolzenburg
Ein Beziehungsratgeber eines Paartherapeuten: Beziehung führen, verbessern oder retten

»Dieses Beziehungs-Buch ist für alle, die sich von wertvollen Tipps und Übungen für eine glückliche Partnerschaft oder Ehe inspirieren lassen möchten. Kompakt und leicht verständlich von Paartherapeut Wieland Stolzenburg zusammengefasst.«

Wir alle möchten eine glückliche und harmonische Partnerschaft führen. Doch in jeder Beziehung gibt es Krisen und herausfordernde Phasen, die anstrengen und frustrieren. In diesen Momenten wissen wir oft nicht, was wir tun sollen. Zudem verstehen wir häufig nicht, warum es dazu gekommen ist.

Dieser Beziehungsratgeber hilft, diese Herausforderungen zu verstehen und Lösungen zu finden. Mit 27 Aspekten einer glücklichen Beziehung nimmt dich der Beziehungspsychologe Wieland Stolzenburg an die Hand und begleitet dich zurück in eine glückliche, zugewandte und harmonische Beziehung. Mit psychologischem Hintergrundwissen, wertvollen Frage- und Hilfestellungen, Erkenntnissen aus der Wissenschaft und bewährten Übungen aus der Praxis.

Anhand von Beispielen seiner Klienten zeigt er auf, wie Paarkonflikte gelöst werden und Paare wieder zueinander finden können.

Leseprobe:
Wir verlieben uns in einen Menschen, und zu Beginn ist er nahezu perfekt. Er hat keine großen Macken – und noch viel wichtiger: Er nimmt uns so an, wie wir sind. Keine Kritik, keine Ablehnung, keine Verletzungen. Ein wahrer Traum. Doch dann sinkt nach einigen Monaten der Hormonspiegel und die Verliebtheit tritt mehr und mehr in den Hintergrund. Langsam, aber unaufhaltsam zeigen sich neue Seiten an unserem Partner: Er hat Eigenschaften und Verhaltensweisen, die wir nicht mögen. Auch bewundert, akzeptiert und wertschätzt er uns selbst nicht mehr so sehr wie zu Beginn. Folglich werden unsere Vorstellungen, Träume und Erwartungen auch nicht mehr so umfassend erfüllt.
»Wir haben meist eine genaue Vorstellung, was wir uns von einer Partnerschaft wünschen. Viel seltener machen wir uns dagegen Gedanken, was wir bereit sind zu geben.«
Was ansteigt, sind Veränderungswünsche und Erwartungen an den anderen. In vielen Beziehungen überfrachten sich beide Partner im Laufe der Zeit mit Forderungen und Wünschen. Die Erfüllung liegt jedoch nicht in der Verantwortung des anderen. Bei der einen Beziehung beginnt das früher, bei der anderen später, bei einer ist es ausgeprägter, bei der anderen weniger. Jedenfalls erwarten wir, dass uns unser Partner glücklich macht und er für unsere Zufriedenheit verantwortlich ist. Diese unbewusste Haltung haben wir alle – in unterschiedlicher Ausprägung.
Unbewusst läuft es meist so ab: Bereits Mama und Papa haben mir nicht das gegeben, was ich gebraucht hätte, der Ex-Freund oder die Ex-Freundin ebenso, und jetzt bin ich endlich mal dran, das zu bekommen, was mir zusteht. Wir alle haben Dinge in unserem Leben erfahren, die uns verletzt haben und die wir uns anders gewünscht hätten. Doch jetzt ist ja ein Mensch da – unser Partner, der uns freiwillig gewählt hat. Wenn er uns schon freiwillig gewählt hat, wird er uns lieben, wie wir sind, und für uns sorgen.
So rutschen wir in einer Liebesbeziehung unbewusst in eine andere Haltung – eine Anspruchshaltung. Obwohl wir in der Theorie alle wissen, dass in einer Beziehung jeder Einzelne für sein eigenes Glück verantwortlich ist, geschieht automatisch oftmals etwas anderes.

Blick ins Buch