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22. Mai 2018

'Lauf, wenn der Moorwolf heult' von Gabriele Popma

Kindle Edition | Tolino | Taschenbuch
Ein Schrei riss sie herum. Atemlos sah sie, wie Patrick einige Meter hinter ihr ins Gras stürzte. Dann streifte sie ein eiskalter Windhauch, der sie erzittern ließ. Wieder hörte sie das unheimliche Heulen und dieses Mal klang es triumphierend.

Die schüchterne, 16-jährige Nela verbringt die Ferien bei ihrer Tante auf dem Land und befürchtet, vor Langeweile zu sterben. Die Aussichten bessern sich, als sie auf den attraktiven Patrick trifft. Der aber hat mit ganz eigenen Schwierigkeiten zu kämpfen, mit denen Nela zu Beginn nicht ganz klar kommt. Doch dann jagt eine geisterhafte Erscheinung ihr eine Heidenangst ein. Kann sie ergründen, was es mit dem unheimlichen Phänomen, von dem sie unerbittlich verfolgt wird, auf sich hat?

Eine Geschichte über Ängste und Probleme, über Mut, Hoffnung und die erste Liebe.

Leseprobe:
»Pass gut auf dich auf«, ermahnte Frau Merkert sie noch. »Bei einem solchen Wetter kann es in dieser Gegend gefährlich sein.«
Nela nickte nur und fuhr los. Sie konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, was die Frau gemeint hatte. Gefährlich war es auf diesem kurzen Stück Weg gewiss nicht. Trotzdem ging ihr Frau Merkerts besorgter Blick nicht aus dem Sinn.
Sie ließ sich Zeit. Der Himmel bot ein faszinierendes Schauspiel, wie sie es noch nie gesehen hatte. Oder sich noch nie die Zeit genommen hatte, zu beobachten. Zwischen vielschichtigen grauen und schwarzen Wolkenbergen schimmerten hellgrüne Streifen Tageslicht hindurch und erhellten die schnell vorbeiziehenden Wolken wie von innen heraus. Nela genoss die Fahrt und die klare Luft und konnte wirklich nichts Beunruhigendes dabei finden.
Doch plötzlich hörte sie ein Geräusch. Zuerst dachte sie, es käme von ihrem Fahrrad. Aber als sie anhielt und abstieg, vernahm sie es immer noch. Es klang wie das laute Hecheln eines Hundes. Sie sah sich um, konnte aber nichts Ungewöhnliches erkennen. Wo war dieser Hund? Etwas mulmig war ihr schon, so allein auf der Landstraße bei diesem seltsamen, diffusen Licht. Es war allerdings hell genug, um zu sehen, dass sie wirklich allein war. Ganze zwei Autos hatten sie während der Fahrt überholt.
Das Hecheln wurde lauter. Nela hatte das Gefühl, als würde sich ein großer Hund in ihrer unmittelbaren Nähe befinden. Sie ging zur anderen Straßenseite hinüber und sah über die Böschung. Etwa fünfzig Meter entfernt lief unterhalb der Straße ein Feldweg parallel, aber auch dort war niemand unterwegs. Bei diesem Wetter führte doch keiner seinen Hund spazieren. Sie suchte mit den Augen die angrenzenden Wiesen ab, aber es war alles friedlich. Trotzdem hörte sie immer noch das Hecheln. Es musste etwas anderes sein. Aber was? Nichts in der Umgebung konnte ein solches Geräusch hervorbringen. Während sie wieder zu ihrem Fahrrad lief, sah sie sich aufmerksam um. Es musste ein Hundehecheln sein, doch wo war der Hund dazu? Duckte er sich vielleicht ins Gras und war so klein, dass sie ihn nicht sah? Aber so hörte es sich nicht an. Es war ein lautes Geräusch, das irgendwie deplatziert wirkte. Plötzlich war das Hecheln genau vor ihr, als würde ein unsichtbarer Hund direkt neben ihrem Vorderrad stehen. Eine Gänsehaut kroch über Nelas Rücken, als sie hastig auf ihr Fahrrad stieg. Das war ihr nun doch einen Tick zu unheimlich. Sie wollte nur noch weg von hier. Aber so schnell sie auch fuhr, das Hecheln blieb bei ihr. Es wurde sogar noch lauter. Und dann durchdrang ein Heulen den düsteren Nachmittag. Ein schauriges, gespenstisches Heulen, das sie bis ins Mark erschreckte. So mussten sich Wölfe anhören, bevor sie ihre Opfer anfielen. Aber hier gab es doch keine Wölfe. Oder etwa doch? Sie schluckte trocken. Es konnte ja wohl nicht sein, dass sie hier zwischen zwei Ortschaften von einem Wolf angegriffen wurde.
»Nela, du fängst an zu spinnen«, sagte sie laut. Der Klang ihrer Stimme beruhigte sie etwas. Dennoch klopfte ihr Herz wie rasend. Nach dem Heulen hörte sie wieder das Hecheln und nun erneut genau hinter sich. Gehetzt warf sie einen Blick zurück und wäre fast gestürzt, als sie dabei den Lenker verriss. Nur mit Mühe konnte sie sich auf der Straße halten. Der scharfe Wind trieb ihr Tränen in die Augen, als sie so schnell in die Pedale trat, dass ihr Herz zu zerspringen drohte. Etwas war hinter ihr her. Ganz deutlich hatte sie zwei gelbe Lichter gesehen. In der Form von Augen. Augen, die wild glühten. Sonst nichts. Da war kein Körper, nur Glutpunkte in der Luft, die sie zu verfolgen schienen. Es war unheimlich. Und immer wieder ein Heulen wie von einem großen Hund. Ihr Verstand sagte ihr, dass das alles nicht sein konnte, dass Geräusche nicht aus dem Nichts entstehen konnten und Augen ohne Körper unmöglich waren, doch ihr Instinkt ließ sie panisch reagieren. Nun hörte sie auch noch das Tappen von Pfoten auf der nassen Straße, das hohl und schaurig widerhallte. Auch sehr große Hundepfoten machten keinen solchen Krach. Das Tappen klang, als würde der Hund durch tiefe Pfützen auf der Straße platschen. Nela traute sich nicht mehr, sich umzudrehen. Keuchend vor Anstrengung spornte sie ihre Beine zu noch schnellerem Treten an. Sie versuchte, sich zu beruhigen, indem sie sich laut vorsagte, dass ihr nichts passieren konnte, doch ihre Panik ließ sich durch keinen noch so vernünftigen Grund beschwichtigen. Egal, was das hinter ihr war, es war einfach nur unheimlich. Warum kamen denn keine Autos mehr? Warum war hier kein einziger Mensch unterwegs? Nela fühlte sich mutterseelenallein. Allein mit diesen geisterhaften Geräuschen, die immer näher kamen. Sie wollte sich die Ohren zuhalten, um das schaurige Heulen nicht mehr hören zu müssen, doch sie wagte es nicht, den Lenker loszulassen. In wahnsinniger Fahrt raste sie die leicht abschüssige Straße hinunter und doch schien es Ewigkeiten zu dauern, bis sie das Ortsschild von Langenfelden erreichte. Und in diesem Moment hörte der Spuk auf. Das Hecheln verstummte und das nervenzerfetzende Tappen der Pfoten verschwand. Totenstill war es plötzlich. Unheimlich still. Nela hielt an, nahm ihren ganzen Mut zusammen und drehte sich um. Beinahe erwartete sie, dass ein wildes Tier genau hinter ihr stand, bereit, sie zu fressen, wie sie es schon oft im Fernsehen in diversen Thrillern gesehen hatte. Doch da war nichts außer der verlassenen Straße und grünen, idyllischen Wiesen. Nirgendwo war auch nur die Spur einer Bewegung, geschweige denn eines Tieres zu sehen. Zitternd atmete sie tief durch und versuchte vergeblich, ein Frösteln zu unterdrücken. Sie hätte schwören können, dass sie die ganze Zeit von einem großen Hund verfolgt worden war. Von einem Hund ohne Körper, aber mit zwei bedrohlich glimmenden Augen.
Sie hatte nicht mehr die Kraft, auf das Fahrrad zu steigen. Langsam schob sie es neben sich her, während sich ihr Herz und ihre Atmung wieder beruhigten. Auch ihre Gedanken wurden wieder rationaler. Es konnte ja schlecht ein Geist gewesen sein. Vielleicht hatten sich Jugendliche einen Spaß erlaubt. Mit der heutigen Technik dürfte es nicht schwer sein, Abspielgeräte so in der Wiese am Straßenrand zu deponieren, dass Fußgänger und Radfahrer meinten, von einem wilden Tier verfolgt zu werden. Wahrscheinlich lagen irgendwo in sicherer Entfernung ein paar Halbwüchsige im Gras und lachten sich über ihre Panik halb tot. Nela nickte bekräftigend. Genau so musste es sein. Deshalb hatte das Hecheln und Heulen auch so hohl und dumpf geklungen. Weil es von einem Abspielgerät kam, vielleicht von einem alten Kassettenrekorder. Auch die tanzenden Lichtpunkte ließen sich sicher irgendwie erklären. Bestimmt gab es entsprechende Apps für Smartphones. Nela kam sich plötzlich unglaublich dumm vor, dass sie so bereitwillig in die Falle getappt war. Am liebsten wäre sie umgedreht, um die Übeltäter zu suchen. Doch dafür hatte sie keine Zeit. Sagte sie sich zumindest, denn es bestand ja immerhin eine geringfügige Chance, dass es doch ein Geist gewesen war.

Im Kindle-Shop: Lauf, wenn der Moorwolf heult.
Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Gabriele Popma auf ihrer Website.



'Das Koma: Mein größtes Glück' von Reinhard Belser

Kindle Edition | tredition | Taschenbuch
Nach einer Überdosis Heroin fiel Reinhard Belser in der Silvesternacht 2006 ins Koma. Die Ärzte sahen ihn bereits tot – aber er überlebte.

Doch niederschmetternde Diagnosen und Prognosen wie gelähmte Beine, geistige Verwirrung, versagende Organe und anderes mehr, machten ihn zum hoffnungslosen Fall. Therapien wurden nicht vorgesehen, er kam zum Sterben in ein staatliches Pflegeheim.

Dies wollte Reinhard Belser jedoch nicht akzeptieren. Mit Willenskraft, Geduld und Zuversicht kämpfte er sich Schritt für Schritt ins Leben zurück. Inzwischen ist er vollständig geheilt.

Leseprobe:
2007
Der lange Weg zurück ins Leben

Als ich zu Bewusstsein kam und die Augen öffnete, war da nur Leere. Wo ich war, woher ich kam, wie viel Zeit vergangen war – keine Ahnung. Es war seltsam, aber ich war mir mit dem Erwachen meiner Existenz im wirklichen wie auch im metaphysischen Sinne bewusst, aber viele Erinnerungen an die Vergangenheit fehlten. Selbst meinen Namen wusste ich nicht mehr.
Schleichend formte sich aus vermeintlicher Leere eine weiße Wand, die ich wahrnahm. Auch machten sich erste Schmerzen im Rücken bemerkbar, die zunehmend stärker wurden. Noch hatte ich keine Möglichkeit, etwas dagegen zu unternehmen, um sie wenigstens ein bisschen zu lindern, denn ich konnte weder sprechen noch meine Glieder auch nur im Geringsten bewegen.
Seltsame Geräusche ließen mich meine Schmerzen vergessen. Ich versuchte, diese Geräusche zu orten, was allerdings nicht gelang. Immerhin vermochte ich, zwischen Dunklem und Hellem zu unterscheiden. Ob die Helligkeit von Sonne oder elektrischem Licht herrührte, konnte ich nicht erkennen.
Im Laufe der nächsten Tage erkannte ich dann sogar die Stimme meiner Ehefrau Sandy, die mich regelmäßig in der Klinik besuchte. Ich glaubte, mit einem Lächeln darauf reagiert zu haben. Später erzählte mir Sandy, dass ich sogar versucht hätte, mit ihr zu reden.

Während der langen Schlafperioden haben mich fürchterliche Albträume heimgesucht, von denen etliche haften geblieben sind, wie zum Beispiel dieser:
Verschwommen – wie durch schmutzige Brillengläser – erblickte ich eine Wiesenlandschaft mit einem sich dahinter erstreckenden dunklen Waldstrich, in dessen Innerem sich ein Gebäude erhob. Ich ging auf das Gebäude zu und betrat es durch eine breite Tür. Das Innere erinnerte an eine Musikkneipe, in der eine Party stattfand. Unter den Gästen erkannte ich einige mir bekannter Menschen, die ich als ehemalige Kollegen meiner letzten Arbeitsstelle identifizierte. Plötzlich saß ich mit ihnen um einen Tisch: Wir plauderten miteinander, hörten gemeinsam Musik und tranken dazu. Jäh wurde die heitere Stimmung der Gruppe durch das Erscheinen meines ungeliebten Vorgesetzten gestört. Wie aus dem Nichts kam er mit erhobener Pistole in der Rechten. Er trat stumm auf mich zu, hielt die Waffe gegen meine Schläfe und sagte: »Jetzt knall ich dich ab!« Und dann drückte er tatsächlich eiskalt ab. So verwirrt wie ich war, hielt ich es für real, nicht für einen Traum, und rechnete mit dem Schlimmsten. Ich war geschockt, die Zeit stand still und ich wusste nicht, ob ich noch lebte oder bereits tot war. Es herrschte unheimliche Stille; da war nichts mehr. Es dauerte eine Weile bis ich mich von diesem furchtbaren Schock erholt hatte und realisierte, dass ich noch lebte. Diese mir ungeheure angsteinflößende Szene wiederholte sich noch öfter. Und jedes Mal, nachdem mein Vorgesetzter den Abzug der Pistole gedrückt hatte, war ich wiederholt in dem Zustand, dass mir für wenige Augenblicke nicht klar war, ob ich noch lebte oder schon tot war – eine äußerst befremdende Situation. Aber dann ließen der unglaublich hohe Druck und die extreme Anstrengung, die dieser Albtraum in meinem Kopf verursacht hatte, nach und ich wurde innerlich ruhiger, konnte weiterschlafen. Eines wurde mir jedenfalls bei diesem Traum bewusst: dass ich zwischen Leben und Tod zu unterscheiden vermochte. Und ich fühlte mich froh, noch am Leben zu sein.
Rückblickend bezieht sich dieser Albtraum auf eine wahre Begebenheit: Vor meinem Zusammenbruch übte ich tatsächlich einen Bürojob in einer amerikanischen Firma aus. Ich hasste sowohl die Firma als auch meinen Job. Zu allem Überfluss traf ich auch noch auf einen Vorgesetzten, der Mobbing perfekt beherrschte und es liebte, Intrigen in die Welt zu setzen. Man konnte ihm die Freude förmlich ansehen, die er verspürte, wenn er seine Mitmenschen quälte und leiden sah. Sein Führungsstil zeichnete sich durch maßlose Arroganz und Ignoranz in ganz besonderer Weise aus. Es ist leicht nachzuvollziehen, dass ich zu ihm ein gestörtes Verhältnis pflegte und ihn nicht ausstehen konnte. Im Laufe der Zeit entwickelte sich eine regelrechte Aversion gegen ihn, die Firma und den Job, eine Aversion, die wohl tiefer in mein Unterbewusstsein eingedrungen war, als ich mir das je hätte vorstellen können.

Zunächst setzte sich meine Welt jedoch nur langsam und Stück für Stück zusammen. Als ich dann irgendwann eine sanfte Stimme neben mir hörte, vermochte ich auf einmal meinen Kopf ein klein wenig zu drehen und blickte in ein Gesicht, welches mir völlig fremd war. Leicht irritiert versuchte ich zu verstehen, was vor sich ging. Es dauerte, bis ich das weibliche Gesicht zuordnen konnte. Wahrscheinlich zeigte ich eine Reaktion, denn die Frau begann zu lächeln und wirkte dabei sehr freundlich. Mit einfühlsamer Stimme sprach sie zu mir, doch was sie sagte, weiß ich nicht mehr. Mir wurde unbehaglich, als sie mit einer Hand an meinen Hals griff. Ich spürte, wie sie ein Pflaster wegriss. Im nächsten Augenblick beobachtete ich, wie sie mit einem Plastikröhrchen hantierte und damit an meinem Hals herumstocherte. Ich wusste nicht, wie mir geschah. Darauf hörte ich zischelnde Geräusche, die sich anhörten, als würde Flüssigkeit abgesaugt – es tat weh. Ich hatte keine Ahnung, was das zu bedeuten hatte. Ich wollte etwas dazu sagen und stellte fest, dass ich kaum einen Ton herausbrachte, aber ich konnte nicht nachvollziehen, warum das so war. Die gesamte Prozedur war mir äußerst lästig und ich war froh, als die Frau damit fertig war und ging. Danach lag ich wieder teilnahmslos da, in der unendlichen Leere.

Während eines weiteren lichten Moments nahm ich dieselbe Frau erneut neben meinem Bett wahr, hörte ihre beruhigende Stimme und sah ihr Lächeln. Dabei fiel mir auf, dass sie grüne Kleidung anhatte, die ich irgendwo schon einmal gesehen hatte, aber wo? Wiederholt beugte sie sich über mich, riss mir ein Pflaster vom Hals und saugte Flüssigkeit mithilfe eines Plastikröhrchens ab. Als sie damit fertig war, beobachtete ich, wie sie das Plastikröhrchen, welches an einem Schlauch befestigt war, in einen Apparat steckte. Endlich begriff ich, dass ich in einem Krankenhausbett lag und die Frau eine Krankenschwester war. Vielleicht assoziierte ich mit den zischelnden Geräuschen und dem Plastikröhrchen Erinnerungen an vergangene Zahnarztbesuche. Diese ernüchternde Erkenntnis drang jedoch nur langsam zu mir durch und verunsicherte mich. Das alles wurde mir zu viel, ich schaltete ab und starrte die weiße Wand an.

Bei einem der täglichen Besuche meiner Ehefrau Sandy erkannte ich dann irgendwann nicht nur ihre Stimme, sondern nahm sie auch visuell wahr und bewegte dabei ein klein wenig meine Arme und Hände, verbunden mit einem zaghaften Lächeln. Fast gleichzeitig kam mir auch noch unsere kleine Tochter Evelin in den Sinn und ich sah sie bildlich vor mir – wunderbar. Beide, Sandy und Evelin, kamen mir vertraut und bekannt vor, mehr allerdings nicht. Mit einigen Fragen versuchte Sandy einen Kontakt zu mir herzustellen und ich antwortete darauf – ein gewaltiger Fortschritt. Dennoch standen meine Antworten und ihre Fragen in keinerlei Zusammenhang.

Unverhofft wurde mir eines Tages bewusst, dass ich an einem Fenster lag. Draußen schien die Sonne und die Sonnenstrahlen durchfluteten das Zimmer förmlich. Neben meinem Bett erblickte ich mehrere Infusionsflaschen, die an einem Metallständer hingen. Dann hörte ich die Geräusche von Monitoren, drehte meinen Kopf und erkannte einige technische Geräte. Jetzt dämmerte es mir allmählich, dass ich auf der Intensivstation lag und mir wurde unheimlich zumute. Ich drehte den Kopf zur anderen Seite und sah ein weiteres Krankenbett, ebenfalls mit technischer Apparatur.
Mein Kopfende war in erhöhter Position, sodass ich an der gegenüberliegenden Wand des Zimmers drei weitere Krankenbetten wahrnehmen konnte, die ebenso von Hightech-Geräten umgeben waren. Bei genauerem Hinsehen stellte ich fest, dass in jedem Bett ein Patient lag. Mir fiel auf, dass außer den Geräuschen der Geräte vollkommene Stille im Raum herrschte und sich auch niemand rührte. Die Atmosphäre kam mir unwirklich vor, kalt, unmenschlich, nur Technik. Es schauderte mich.
Das war wohl ganz schön knapp, kam es mir in den Sinn. Meine Gedanken drifteten ab und ich kam mir vor wie in einem Horrorfilm. In dieser skurrilen Umgebung schossen mir morbide Fantasien durch den Schädel, die ich nicht mehr kontrollieren konnte. Ich dachte an die Menschen, die in den Betten lagen und deren lebensnotwendigen Organe nur noch mithilfe von Geräten funktionierten. Für mich befanden sie sich in einer Art Schattenreich zwischen Leben und Tod. Dann ging die Fantasie endgültig mit mir durch und ich dachte, wenn die Maschinen abgeschaltet würden, stünden hier fünf Särge bereit, für den letzten Transport auf den Friedhof; mir blieb die Spucke weg. In jenem Moment kam ich mir bereits selbst vor wie eine Leiche, die aber immerhin das Gefühl verspürte, noch zu leben.
Als ich wieder bei Sinnen war, stellte ich mir Fragen: Was war passiert? Wie kam ich hierher? Wie viel Zeit war vergangen? Wo war ich? Auf keine einzige dieser Fragen hatte ich eine passende Antwort, geschweige denn eine vernünftige Erklärung und fühlte mich hilflos.

Im Kindle-Shop: Das Koma: Mein größtes Glück.
Verlags-Shop: Buch bei tredition
Mehr über und von Reinhard Belser auf seiner Website.



18. Mai 2018

'Mordsfinale. Ostfrieslandkrimi' von Ulrike Busch

Kindle Edition | Tolino | Taschenbuch
Ein mysteriöser Todesfall sorgt im idyllischen Greetsiel für Schlagzeilen. In der Seniorenresidenz „Haus Friesenglück“ wird eine ältere Dame leblos in der Badewanne aufgefunden. Ein Föhn lag im Wasser, und schnell diagnostiziert der Arzt des Hauses Selbstmord. Doch es gibt viele Unstimmigkeiten, Fenna Stern und Tammo Anders von der Kripo Greetsiel ermitteln.

Schon bald finden sie heraus: Es war nicht der erste rätselhafte Tod im „Friesenglück“. Immer mehr Indizien deuten auf Mord, doch wer hat ein Motiv? Spielt eine der Seniorenbegleiterinnen Schicksal? Oder steckt gar Seniorenheim-Besitzer Pinkas von Finkenstein dahinter? Das neuere und luxuriösere „Friesenglück“ ist eine unerwünschte Konkurrenz für seine „Residenz Frisia“. Die Kommissare haben keine Zeit zu verlieren, denn niemand weiß, wann der nächste Mord geschieht.

Band 5 der Ostfriesland-Krimireihe ‚Kriop Greetsiel ermittelt‘

Leseprobe:
Hilke wurde in einem Nebenraum bewacht, während Eggo Katt im Verhörzimmer Platz nahm. Der Bericht von Gerhild Linnenbrügger war inzwischen in der Mailbox beider Ermittler eingetroffen. Sie überflogen ihn, dann gingen sie in den Verhörraum. Ein anderer Kollege hatte bereits mit Katt die Formalitäten erledigt, sodass sie gleich mit der Befragung beginnen konnten.
»Herr Doktor Katt.« Fenna nahm den Verdächtigen ins Visier. »Sie haben zweimal eine Todesursache attestiert, die so weit von der Wahrheit entfernt ist wie die Amöbe vom Homo sapiens. Wie erklären Sie sich selbst und wie erklären Sie uns, wie das passieren konnte?«
Katt gab sich völlig verblüfft. »Wieso zweimal? Bei Frau Niemeyer sind Sie zu einem anderen Schluss gekommen als ich. Die Frau Kollegin aus der Rechtsmedizin hatte aber auch eindeutig bessere Chancen als ich, sich über die Todesursache Gewissheit zu verschaffen.«
Der feuchte Film auf der Oberlippe des Arztes signalisierte der Kommissarin, dass der Mann sich durchaus seiner heiklen Situation bewusst war. Sie durfte jetzt nicht lockerlassen. Es war vorauszusehen, dass sie mit ihm ein leichtes Spiel haben würden. Ohne Zweifel war Katt einer Konfrontation mit der Kripo nicht gewachsen. »Ich weise Sie nochmals darauf hin, dass Sie einen vermeintlichen Suizid, den Sie für einen echten hielten, gegen die Vorschriften nicht bei der Polizei gemeldet haben.«
Katt wand sich. »Ich habe Ihnen doch schon erklärt, was ein Selbstmord für den Ruf des Hauses bedeutet hätte.«
»Was glauben Sie«, mischte Tammo sich ein, »was es für den Ruf des Hauses bedeuten wird, wenn die Tageszeitungen demnächst bundesweit von zwei Fällen berichten werden, bei denen Sie natürliche Todesursachen attestiert haben, die aber schlicht und ergreifend unter die Rubrik Mord fallen?«
»Da wird sich so manch ein Leser und manch ein potenzieller Interessent der Wohnanlage dieselbe Frage stellen, wie wir: Welche Rolle spielte der Arzt vom Haus Friesenglück bei diesen Morden?«
»Hören Sie.« Katt wand sich auf seinem Stuhl. Endlich knickte er ein. »Mir ist kürzlich etwas passiert, was niemals hätte passieren dürfen.« Seine Miene wirkte zerknirscht.
Fenna schenkte Wasser in ein Glas und reichte es ihm. »Dann erzählen Sie mal.«
Katt berichtete von dem Medikamentenschrank, den er offengelassen hatte, als er zu der Notfallpatientin gerufen wurde. »Leider hatte ich auch die Terrassentür nicht verschlossen und als ich zurückkam ...« Er sah Fenna flehentlich an, doch sie erlöste ihn nicht.
»Nun?«, drängelte Tammo. »Was war, als Sie zurückkamen?«
»Es fehlte ein Medikament. Eine Packung mit hundert Insulintabletten.«
»Wem haben Sie das gemeldet?«, fragte die Kommissarin.
»Gemeldet?« Katt guckte sie an, als hätte sie gerade von ihm erwartet, dass er den Verlust eines Täfelchens Traubenzucker bei der Kriminalpolizei angezeigt hätte. »Niemandem.«
»Sind sie nicht auf die Idee gekommen, dass mit dem Medikament Missbrauch getrieben werden könnte?«
Katt zuckte mit den Schultern.
Fenna nagelte ihn mit ihren Blicken fest. »In welcher Beziehung stehen Sie zu Frau Ukena?«
Die Hände des Arztes suchten nach irgendetwas, womit sie sich beschäftigen konnten. Sie umklammerten schließlich das Wasserglas.
»Es ist besser, Sie sagen uns gleich die Wahrheit«, warf Tammo ihm zu. »Wir finden sie sowieso heraus.«
Katt guckte ihn verstohlen an. »Sie ahnen es doch schon.« Er rutschte auf seinem Stuhl herum. »Hilke ... Frau Ukena und ich, wir sind ein Paar.«
»Seit wann?«
»Seit sie das erste Mal zu einem Gespräch in meine Praxis kam. Sie hat sich in ihrer Eigenschaft als Seniorenbegleiterin bei mir vorgestellt. Da ja zu erwarten war, dass sie im Rahmen dieser Tätigkeit gelegentlich Bewohner unseres Hauses zur Sprechstunde begleiten würde, wollte sie mich einmal unter vier Augen sprechen, um ein Vertrauensverhältnis zwischen uns aufzubauen.«
»Das mit dem Vertrauensverhältnis ist Ihnen dann offensichtlich perfekt gelungen«, meinte Tammo.
Katt zuckte mit den Schultern. »Wo die Liebe hinfällt ...«
»Hat Frau Ukena freien Zugang zu Ihrer Praxis?«
Eggo Katts Gesicht verschloss sich. »Ich habe es Ihnen doch bereits erzählt: Meine Praxis ist immer verschlossen. Nur ich habe den Schlüssel. Ohne mich kommt niemand hinein.«
Tammo lehnte sich weit über den Tisch. »Wie man gesehen hat, als die Packung Insulintabletten verschwand.«
Katt verbarg sein Gesicht in den Händen.
»Herr Doktor Katt.« Fenna versuchte es in mütterlichem Ton. »Kann es sein, dass Frau Ukena die Packung entwendet hat?«
Der Arzt wich ihrem Blick aus. Er bewegte den Kopf in alle Richtungen. Ob es ein Nicken oder ein Kopfschütteln sein sollte, war nicht zu erkennen. Vermutlich war es einfach nur ein Ausdruck der Verzweiflung und Hilflosigkeit. »Sie war an dem Abend bei mir, aber sie hat meine Praxis verlassen, als ich zu dem Notfall gerufen wurde.«
»Kann sie zurückgekommen sein?«
»Ich weiß es nicht. Wirklich nicht.«
»Halten Sie Hilke Ukena für fähig, Ilse Büttner und Marga Niemeyer getötet zu haben?«
Erschrocken blickte Katt die Kommissarin an. »Sie ist meine Lebensgefährtin!«
Fenna atmete durch und schaltete das Aufnahmegerät aus. »Wir beenden das Gespräch für heute. Wir werden uns jetzt noch mit Frau Ukena unterhalten.«
Ein uniformierter Kollege führte Katt in einen anderen Raum und brachte anschließend Hilke Ukena ins Verhörzimmer. Die Ermittler klärten sie über ihre Rechte auf und Fenna sagte ihr ihre Vermutung auf den Kopf zu.
»Frau Ukena, Sie stehen im Verdacht, aus dem Medikamentenschrank in Doktor Katts Praxis eine Packung mit hundert Insulintabletten entwendet zu haben.«
Hilke reagierte unerwartet aggressiv. »Hat Eggo das etwa behauptet? Dann soll er es mir ins Gesicht sagen.«
»Sie bestreiten, dass Sie das Medikament an sich genommen haben?«
Hilkes Lippen wurden schmal und Fenna merkte, dass die Seniorenbegleiterin den Tränen nah war. »Wenn ich das geahnt hätte«, presste sie hervor, »hätte ich mich niemals, niemals im Leben bereit erklärt, mich für Senioren zu engagieren.«
Fenna schwieg und beobachtete ihr Gegenüber. Wäre Hilke fähig, ältere Menschen heimtückisch mit Medikamenten zu töten? Wäre sie dazu in der Lage, eine hilflose Frau in der Badewanne zu ertränken? War sie ein barmherziger Engel, eine Mutter Theresa, oder war sie eine Blenderin, die sich als Herrscherin über Leben und Tod aufspielte?
Hilke hatte während der Gesprächspause, die sich eingestellt hatte, wieder zu sich gefunden. »Wissen Sie, wenn Sie mich verhaften wollen, dann tun Sie das. Aber wundern Sie sich nicht, wenn es weitere Tote gibt.«
War Hilke Ukenas Gelassenheit Ausdruck ihrer inneren Sicherheit, die auf dem Wissen basierte, dass sie schuldlos war, oder war es ein Beweis ihrer Eiseskälte und Erbarmungslosigkeit?
Fenna warf Tammo einen verstohlenen Blick zu. An seiner skeptischen Miene erkannte sie, dass er genauso zwischen den Extremen schwankte wie sie.
»Mehr sage ich nicht. Nicht ohne Anwalt«, schob Hilke hinterher.
Fenna sah keine andere Möglichkeit. Im stummen Einverständnis mit Tammo beendete sie die Befragung. »Sie können jetzt nach Hause fahren. Aber bis auf Weiteres verlassen Sie die Krummhörn bitte nicht, ohne uns darüber zu informieren, wohin Sie gehen. Und, Frau Ukena ...« Fenna stockte.
»Ja?« Hilke sah sie herausfordernd an.
»Bitte halten Sie sich in der nächsten Zeit vom Haus Friesenglück fern. Lassen Sie Ihre Tätigkeit als Seniorenbegleiterin ruhen, bis wir den Fall Marga Niemeyer aufgeklärt haben. In Ihrem eigenen Interesse.«

Im Kindle-Shop: Mordsfinale. Ostfrieslandkrimi (Kripo Greetsiel ermittelt 5).
Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Ulrike Busch auf ihrer Website.



17. Mai 2018

'Wenn Hoffnung stirbt' von Janette John

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
»Wer liebt, verzeiht. Wer es nicht tut, wird es ein Leben lang bedauern.«
Janette John

Als am 14. Februar in Konstanz eine junge Frau unerwartet stirbt, geraten die Bewohner der Stadt in Panik, weil ihr Tod in einem der sozialen Netzwerke angekündigt worden ist. Schon wenig später liest man von einem weiteren Opfer.

Allzu schnell ist ein Verdächtiger gefasst. Doch ein Motiv lässt sich nicht finden. Nachdem sich die Nachricht bewahrheitet und man seltsame Zeichnungen an den vorausgesagten Toten findet, beginnt die Jagd nach einem Phantom.

Die Konstanzer Polizei steht vor einem Rätsel. Wer steckt hinter den Morden, die scheinbar miteinander verflochten sind?

Der 8. Fall der Kripo Bodensee.

Leseprobe:
Voller Ungeduld und im Glauben, die Bilder sofort in ihrem E-Mail-Account zu wissen, rutschte Nadine unruhig auf ihrem Stuhl umher. Der Tag war lang genug gewesen und sie wollte noch vor Feierabend die Kollegen darüber informieren. Beleidigt verzog sie das Gesicht und murmelte: »Mann, wie lange braucht der denn?« Zudem vernahm sie Hufnagels Stimme, der sich lauthals verabschiedete, weil er noch etwas Wichtiges zu erledigen hatte.
»Was ist los?«, fragte Selzer, dem ihr Verhalten nicht entgangen war. »Was wollte Schröder so Dringendes von dir?«
Nadine, die nervös auf den Schreibtisch trommelte, sagte: »Genau das möchte ich euch zeigen. Aber dieser ...«, sie verkniff sich den Ausdruck, der ihr im Kopf herumschwirrte, und gab stattdessen zur Antwort: »Schröder lässt sich mal wieder Zeit.« Unentwegt starrte sie auf den Bildschirm, in der Hoffnung, eine Nachricht zu finden. Als sie dann kam, schnaufte sie hörbar durch.
Selzer ging an ihren Tisch und schaute auf die eingegangene Mail. Ein paar Sekunden verstrichen, bis der Anhang sich öffnete und diverse Fotos zeigte. »Also das wollte er dir zeigen.«
Nadine brummte zustimmend.
»Weiß man, wer der andere ist?«, fragte Selzer interessiert nach und erkannte Matuschek.
Die Kollegin nickte, vermutete in dem Mann, der mit dem Rücken zum Fenster stand, Kurt Nissen, den sie gewillt war, nun damit zu konfrontieren.
»Und du meinst, er gibt bereitwillig zu, dass er ein Verhältnis mit diesem Matuschek hatte, gerade jetzt, wo er tot ist?« Selzer presste die Lippen aufeinander und schüttelte ungläubig den Kopf. »Vergiss es!«
»Mensch, Daniel, irgendwo müssen wir ansetzen. Wenn er bei seiner Gattin nicht mit uns kooperieren wollte, dann vielleicht bei seinem Geliebten. Wenn das stimmt«, sie wies mit dem Kopf auf die Fotos, »waren die beiden ein Paar. Er muss doch daran interessiert sein, den Täter zu finden.«

Im Kindle-Shop: Wenn Hoffnung stirbt (Kripo Bodensee 8).
Mehr über und von Janette John auf ihrer Website.



'Jolene: Zauber des Westens' von Katie S. Farrell

Kindle (unlimited) | EyeDoo Publishing | Taschenbuch
Die attraktive Jolene leitet eine Ferienranch, was ihr nicht leicht gemacht wird: Ein ungeklärter Mordfall, die unerwiderte Liebe zu dem schweigsamen Raine und eine Gruppe traumatisierter Jugendlicher stellen ihr Leben auf den Kopf.

»Jolene« ist der Auftakt zur Reihe über die Dawson-Geschwister und ihre Freunde, deren Bücher unabhängig voneinander gelesen werden könnten, verspürte man nicht Lust darauf, die Geschichten der anderen Hauptpersonen zu erfahren. Die Stories im Stil von Nora Roberts sind in der Nähe von Boulder, Colorado angesiedelt.

Leseprobe:
Der Abend war nicht allzu lang geworden, da alle müde von der ungewohnten, frischen Bergluft waren und früh zu Bett gingen.
Erin und ich saßen aber noch ein Weilchen zusammen, da Rosie Dawson netterweise in der Zwischenzeit Teddy heimgebracht und ins Bett gesteckt hatte. Sie passte noch ein Weilchen auf ihn auf, um Erin ein wenig Freizeit zu gönnen.
Erin nahm einen letzten Schluck Rotwein, bevor sie Wasser in ihr Glas nachfüllte. Ihre schmale Hand spielte mit dem Kelch, während sie mich angrinste und neugierig befragte:
»Wie findest du denn die Neuen, Jo?«
Ich zuckte die Achseln und antwortete in Gedanken versunken:
»Kann ich so schnell nicht sagen, Erin. Gib mir ein bisschen Zeit.«
»Tststs! Erzähl mir nicht, dass du noch keine Meinung zu dem hübschen Doktor hast, der dir die ganze Zeit interessierte Blicke zuwirft.«
Ich setzte mich ein bisschen gerader hin und beugte mich zu ihr hinüber und fragte leise:
»Ich habe es mir also nicht eingebildet?«
Erin kicherte, dann hickste sie.
»Nein, hast du nicht. Also, wie findest du ihn?«
Ich musste lachen.
»Erin, jeder Fünfjährige verträgt Wein besser als du. Bleib doch beim Wasser!«
Sie drohte mir immer noch grinsend mit dem Zeigefinger.
»Ich vertrage ihn ganz sicher besser als mein Sohn. Nur weil ich einen Schluckauf bekomme …«
»Nein, weil du dann Unsinn quatschst, Erin!«
»Deine Meinung über den Doc. Komm schon! Ich muss dann rein, Rosie muss ja noch heimfahren.«
Ich seufzte theatralisch.
»Na gut. Ein gutaussehender Mann, vielleicht ein bisschen zu schmal für meinen Geschmack, aber viel höflicher als der Rest der Männer, mit denen ich Umgang pflege.«
Sie beugte sich vor, legte ihre Hand auf meine und versuchte mir im Halbdunkel der Kerze tief in die Augen zu blicken, worauf ich wieder zu prusten begann.
»Jolene, sei mal ernst. Du musst aufhören, jeden an Raine zu messen. Raine ist klasse, aber so wie er sich verhält, hat er nicht verdient, dass du immer noch auf ihn wartest. Such dir einen Loverboy und hab Spaß. Vielleicht wacht Raine dann auch mal auf«, fügte sie mit einem bösen Knurren in der Stimme hinzu, was mich wunderte.
Eigentlich mag Erin Raine wie alle Menschen, die ich kenne. Aber sie weiß nur zu gut, wie sich meine Herzschmerzen anfühlen und darf nichts zu ihm sagen, weil ich sie zum Schweigen verpflichtet habe.
Wenn Raine mich nicht will, dann werde ich mich ihm sicher nicht an den Hals werfen. Vor allem nicht, wenn sich ständig die zickige Apothekersgattin an diesen kräftigen, attraktiven Hals hängt.
Apropos, Savannah und Sarina haben mich gebeten morgen früh mit ihnen kurz nach Boulder zu fahren: zur Apotheke!
Kann ein Tag besser anfangen?

Am nächsten Morgen saßen die beiden Mädchen schon am Frühstückstisch, als ich vom morgendlichen Pferdefüttern zurückkehrte.
Da hörte ich, wie Ethan gerade durch die Zähne pfiff und erschüttert sagte:
»Meine Güte, und so etwas passiert in einem Kaff wie unserem. Und wer braucht bei uns schon einen Privatdetektiv?«
Diese letzte Frage meines Pferdewirts, was die moderne Bezeichnung für Stallbursche mit fundierten Pferdekenntnissen ist, ließ mich stehen bleiben und auf den Fernseher starren, da ich zum Beispiel jemand war, der einen Privatdetektiv beschäftigte.
Dies wäre für Ethan wahrscheinlich noch unglaubhafter, als wenn ich mich für den Posten eines Senators beworben hätte, aber dennoch wahr.
Und ich sah mit Entsetzen, was ich befürchtet hatte:
Das Foto, das soeben auf dem Fernsehmonitor erschien, zeigte tatsächlich das Konterfei meines Detektivs, Avery Lennox.
»Was ist mit ihm passiert?«, fragte ich hastig und trat näher.
Die beiden starrten weiter fassungslos auf den Fernseher und Ben antwortete geistig abwesend:
»Ist ermordet worden, der arme Kerl. Bei dem wär ich auch nie auf diesen Beruf gekommen, sieht ja total unscheinbar und ungefährlich aus. Wer bringt denn so einen um?«

Meine Gedanken hätten seine Frage beantworten können:
Jemand, der gemerkt hat, dass diese Unscheinbarkeit Voraussetzung für den Job ist und der möglicherweise etwas zu verbergen hat, vielleicht sogar das, nach dem Lennox für mich gesucht hat: Eine Spur meiner Mutter!

Im Kindle-Shop: Jolene: Zauber des Westens (Die Dawsons 1).
Beim Verlag: EyeDoo Publishing
Mehr über und von Katie S. Farrell auf ihrer Website.



16. Mai 2018

'Omega - Der Engel Gottes' von Mark Bannstorm

Kindle Edition | Tolino | Taschenbuch
Während 50.000 Wesen aus einer anderen Dimension den Zugang zur Welt der Menschen suchen, bricht zwischen dem Inselstaat Samica und dem Dschungelreich Carthe Krieg aus.

Drei junge Erwachsene geraten in den Strudel der Ereignisse um den Engel Gottes und einem uralten Amulett. In einer Gesellschaft, die Samicaner hasst und Frauen unterdrückt, muss eine junge Samicanerin beweisen, wer der wahre Engel Gottes ist.

Der erste Band der Omega-Chroniken beginnt in einer mittelalterlichen Welt vor dem Hintergrund eines Konflikts zweier unterschiedlicher Gesellschaften und der Gefahr fremder Wesen aus einer anderen Dimension.

Leseprobe:
Es kann nicht mehr weit sein. Ich spüre das Blut deutlich.Der Boden stieg zuerst sanft, dann immer steiler an. Sie erlebte einen nie gekannten Kräfteverfall. Keuchend musste sie ihr Tempo zu einem Gehen drosseln. Der dichte Bewuchs und Lavabrocken zwangen sie zu höchster Konzentration. Ihr anfangs vorhandener instinktiver Umgebungssinn schien verschwunden.
Geblendet vom Mondlicht trat sie aus dem Wald. Sie stand vor einem riesigen erstarrten Lavafeld, das in einem Kilometer Entfernung zu einem erloschenen Vulkankegel anstieg. Auf dem zerklüfteten Lavaboden veränderte sich die weiße Farbe ihrer Uniform und die grüne Tarnfarbe kam zum Vorschein.
Ich bin im Reich der Schwarzen. Gott beschütze mich vor dem Bösen. Nach Luft schnappend kämpfte sie sich Schritt für Schritt voran. Teilweise kletterte sie mit Händen und Füßen über die Geröllbrocken.
Ich muss es schaffen. Ein dumpfer Schmerz fraß in ihren Eingeweiden. Sie hielt inne und ließ ihren Blick über die trostlose Mondlandschaft schweifen. In der Ferne schien ein hüpfender Schatten über der Lava zu schweben. Er kam aus der Richtung, in der sie ihren Dolch fühlte, und hielt auf den Waldrand zu. Von einem Moment zum anderen verschwand er.
Sie schleppte sich mühsam weiter, angetrieben von dem Willen, ihr Ziel zu erreichen. Was dann geschehen sollte, wusste sie nicht. In ihrem Zustand würde sie kaum Laras Mörder gegenübertreten können. Sie musste auf Gott vertrauen. Er würde seinen Engel beschützen. Sie begann auf allen vieren zu krabbeln. Da spürte sie eine Gegenwart und hob ihren Kopf.
Eine pechschwarze Silhouette blockierte den Nachthimmel. Die Hosenbeine und Ärmel flatterten im Wind. Die raue Oberfläche der Kleidung verschluckte das Mondlicht. Ein schwarzes Tuch verbarg das Gesicht unterhalb der kalten blauen Augen. Sie erstarrte. Zehn endlose Sekunden musterten sie die Augen.
„Kur'sa elena har'thu“, mit diesen Worten holte die Gestalt drei etwa fünfzehn Zentimeter lange Riegel aus der Jackentasche und warf sie vor ihr auf den Boden. „Du hast Hunger. Du musst essen“, sprach der Unbekannte mit einem fremdländischen Akzent.
Bei dem Gedanken an Essen fing sie an zu zittern. Das war der Schmerz in ihren Eingeweiden! Die Erschöpfung und der bohrende Hunger ließen sie alle Vorsicht vergessen. Sie hob die Riegel auf. Ein köstlicher Geruch von Nüssen und Honig stieg in ihre Nase. Ihr Verstand schaltete ab.
„Danke.“ Nach dem ersten Bissen gab es kein Halten. Gierig verschlang sie die drei Riegel. Das Gefühl von Nahrung in ihrem leeren Magen tat so gut. Der Fremde beobachte sie dabei unentwegt. Er schien auf etwas zu warten. Erst als sie den letzten Rest des dritten Riegels heruntergeschluckt hatte, wandte er sich wortlos ab. Leichtfüßig schritt er über die Lavabrocken auf den Waldrand zu.
Auch wenn ihr schlimmster Hunger gestillt war, blieb die Gier nach Essen. Sie trank aus der Feldflasche und holte die Notration aus ihrer Gürteltasche. Das in Minzblättern eingewickelte getrocknete Fleisch war zäh. Sie riss mit den Zähnen Stücke ab und schluckte sie ohne zu Kauen herunter. Allein das wohlige Völlegefühl im Bauch zählte.
Angenehme Wärme und der Wunsch auszuruhen erfüllten sie. Sie setzte sich auf einen Lavafelsen, zog die Knie an und stützte ihren Kopf darauf. Nur einen Moment, damit ich zu Kräften komme.
Am Rande des Schlafs spürte sie ein Brennen überall im Körper. Der Schmerz wuchs, jeder Zentimeter der Haut stand in Flammen. Sie ächzte. Ein Blitz fuhr in ihren Schädel. Sie schrie. Mit jedem Pochen ihres Herzens pulsierten Haut und Muskeln in unerträglichen Schmerzen. Jemand schlug mit einem Hammer auf ihren Hinterkopf. Sie wimmerte, schrie und wälzte sich auf dem Boden. Gott, was habe ich getan? Bitte hilf mir. Lass mich nicht sterben.
Am Waldrand hielt der schwarz gekleidete Fremde neben seinem zurückgelassenen Pferd inne und lauschte den Schreien. Die schwollen erst an, gingen in ein Wimmern über und verstummten. Kurz überlegte er, ob er sich vom Tod der Frau überzeugen sollte, aber das wäre Zeitverschwendung. Niemand überlebte drei Sarka Riegel nach einem Kurthuan. Alles was er vorfinden würde, wäre eine blutige Masse. Er hatte den Traditionen genüge getan. Jeder Jäger bekam nach seinem Kurthuan drei Sarka Riegel. Den dritten Riegel nicht zu essen war die Prüfung des Willens und natürlich konnte eine Frau diese Prüfung nicht bestehen.

Im Kindle-Shop: Omega - Der Engel Gottes (Omega-Chroniken 1).
Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Mark Bannstorm auf seiner Website.



15. Mai 2018

Detlef Krischak

Detlef Krischak wurde 1954 geboren, ist verheiratet, Vater von drei erwachsenen Kindern und mittlerweile Großvater. Nach Schule und Lehre wurde er 1974 zur Bundeswehr eingezogen. Dort wurde wurde er Fahrlehrer und später Berufsoffizier. Nach der Pensionierung arbeitete er beim TÜV-Nord als Führerscheinprüfer.

Im Jahr 2010 begann Detlef Krischak mit dem Schreiben. Auf Anraten vieler heimischer Leser schuf er die Reihe Emsland-Krimi. Der erste Roman mit dem Titel "Brautmorde" wurde 2012 veröffentlicht. Schon im Folgejahr erschien der zweite Emsland-Krimi "Fahrstunde in den Tod". In diesem Roman lässt er seine Erlebnisse aus der Zeit als Fahrprüfer einfließen.

Inzwischen hat er sich mit seiner Reihe nicht nur im Emsland als Krimi-Autor etabliert. Für seinen neuesten Regionalkrimi "Falsche Brut" siedelte er die Handlung im Tecklenburger-Land an.

Weblink: detlef.krischak.de


Bücher im eBook-Sonar:




'Seelensplitter: Zwischen Schuld und Begehren' von Stephanie Pinkowsky

Kindle (unlimited)
Welche Wege sucht sich ein Herz, wenn die Seele zu Eis gefriert?

Die erfolgreiche Schauspielerin Helene, die zugunsten des Ruhmes in eine selbstzerstörerische Rolle gedrängt wurde, erstarrt innerlich immer mehr. Vor dem Mann, den sie liebte, verbirgt sie ein tragisches Geheimnis. Nur in den Armen einer besonderen Frau fühlt sie sich noch lebendig.

Getrieben von Sehnsucht und Schmerz beginnt eine schicksalhafte Affäre. Gestohlenes Glück, das von der Last der Schuld überschattet wird und jederzeit enden kann. Helene und ihre Geliebte sind untrennbar miteinander verbunden, nicht nur durch ihre Leidenschaft. Eine quälende Wahrheit, deren Verleugnung unmöglich ist.

Leseprobe:
„Was habe ich nur getan?“ Helene betrachtete ihre schlafende Geliebte und versuchte, ein Schluchzen zu unterdrücken. Wie war sie bloß in diesen Strudel aus Schuld, Geheimnissen und verbotenem Begehren geraten? „Mein Liebstes.“ Sie strich ihr sanft mit dem Handrücken über die Wange. Die junge Frau atmete leise und gleichmäßig, noch immer umspielte ein glückliches Lächeln die kirschroten Lippen. Helene gab ihr einen zärtlichen Kuss, von dem sie nicht aufwachte. „Bitte verzeih mir.“ Ihre Kehle schnürte sich zu, die Last ihres Gewissens zwang sie mit einer Brachialgewalt in die Knie. „Ich liebe dich so sehr.“ Die Stimme klang wie ein gehauchter Schwur. „Doch gerade darum hätte ich das niemals zulassen dürfen.“
Die Geliebte schlug plötzlich die Augen auf, ein Schleier der Traurigkeit legte sich über ihr Gesicht. „Diese Nacht mit dir war aber alles, was ich mir je gewünscht habe.“
„Ich weiß“, seufzte Helene und blinzelte die Tränen fort. „Und trotzdem werde ich mir das nie vergeben können.“
„Diese Nacht und die Erinnerungen werden immer nur uns gehören. Nur dir und mir. Es gibt weder Kläger noch Richter.“
Die junge Frau hatte sich mittlerweile aufgesetzt und nach den Händen der weinenden Geliebten gegriffen. Diese blickte sie nun ernst aus ihren saphirblauen Augen an.
„Vielleicht wirst du eines Tages bereuen, was zwischen uns geschehen ist.“ Der Kloß in ihrem Hals schnürte Helene nun beinahe den Atem ab, sie presste die Worte stoßweise hervor. „Aber nun ist es zu spät. Auch du wirst jetzt damit leben müssen. Für immer.“

Im Kindle-Shop: Seelensplitter: Zwischen Schuld und Begehren.
Mehr über und von Stephanie Pinkowsky auf ihrer Website.