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16. Januar 2019

'Adelsintrigen: Schicksalspfad des Tempelritters 2' von Olivièr Declear

Kindle unlimited | Taschenbuch
Köln Anno Domini 1235: Die Ländereien der verzweifelten Gräfin Ida von Zudendorp werden seit langem von schwarzgekleideten Reitern angegriffen. Sie und ihre Gefolgschaft ringen bereits mit dem Tode. In ihrer Not stehen nur noch der kampferfahrene Ritter Richard von Portus und der Orden der Tempelritter an ihrer Seite. Wer will der Gräfin schaden? Und warum?

Inmitten einer Welt voller Intrigen, adeliger Machtspiele und unzähliger Gefahren wollen die beiden die Wahrheit ergründen. Eine Reise beginnt, die sie unter größten Strapazen und unter Einsatz ihrer Leben sogar bis in das weitentfernte Rom führt.

Begeben Sie sich gemeinsam mit Ida und Richard auf ein Abenteuer und erleben Sie mit ihnen das Mittelalter in all seinen Facetten.

Adelsintrigen ist der zweite Band der Reihe »Schicksalspfad des Tempelritters« von Olivièr Declear.

Leseprobe:
Fluch
Richard hörte das Peitschen der Zweige, spürte die Schläge durch das Polster seiner Rüstung. Der Weg vor ihm, ein wankendes Bild im ständigen Auf und Ab des wilden Ritts. Der dunkle Pfad des Waldweges nur schwach vom durchscheinenden Mondlicht erhellt. Die Last des ohnmächtigen Körpers vor ihm über dem Widerrist schien die vertraute Einheit zu seinem Tier genommen zu haben. Richard hielt sich kaum im Sattel, wenn sein Pferd über Hindernisse sprang, die er nicht im schwachen Licht erahnt hatte. Durch die dicke Polsterhaube unter seiner Kette vernahm er nur wenige Geräusche seiner Umgebung. Das Reiben und Schlagen der Kettenglieder übertönte beinahe die kräftigen Hufschläge seines Tieres. Bei dem hastigen Versuch, einem tiefhängenden Ast auszuweichen, spürte er, wie der vor ihm liegende Körper vom Pferd zu gleiten drohte. Mit einem raschen Griff erfasste er ihn und hielt ihn an seinem Platz. Es war mehr das Gefühl in seinem Bauch, das Trommelschlägen glich, weniger sein Gehör, das ihn spüren ließ, dass die Verfolger immer näher kamen. Wie feiner Sprühregen flog ihm der Speichel seines erschöpften Pferdes entgegen.
Richard trieb sein Tier, das an die Grenzen seiner Kraft gekommen war, immer aufs Neue an. Die wilde Jagd durfte nicht verloren werden. Sein Hengst fuhr mit dem Kopf herum, als könne er seinem Reiter damit zeigen, dass er diesen scharfen Ritt nicht mehr ertragen konnte. Aber Richard wusste, wie stark sein Pferd war. Seine ganze Hoffnung lag darin, dass die Pferde der Verfolger vor seinem Pferd zusammenbrechen würden. Er rief ihm zu: »Nur ein kurzes Stück, lass mich nicht im Stich!« Sein Pferd schien ihn verstanden zu haben. Nochmals beschleunigte es und flog mit seinem Herrn über den Weg.
Als sein Tier zu straucheln begann, wusste Richard, dass jetzt nur noch der Kampf blieb. Er ließ sein Pferd auslaufen und wandte sich den Verfolgern zu. Aber da war niemand. Er sah keine Reiter. Auch das Trommeln in seinem Bauch spürte er nicht mehr. Vorsichtig lenkte er sein Pferd zwischen die Büsche des Wegesrandes, um den Pfad aus dem Dickicht heraus zu beobachten. Kaum war er in seiner Deckung angekommen, spürte er erneut das Donnern der Hufen, noch bevor er sie hörte. Mehrere Reiter jagten in einer dichten Gruppe an ihm vorbei, ihre Schwerter erhoben. Richard klopfte den Hals seines Pferdes: »Das hast du gut gemacht, alter Freund.«
Kaum war er aus dem Sattel seines Tieres gestiegen, wandte sein Hengst den Kopf und stupste ihn mit seiner Nase, um die Belohnung für seinen treuen Dienst einzufordern. Richard schmunzelte und nahm ein Stück Rübe aus seiner Satteltasche. Mit flacher Hand hielt er es dem Freund hin. »Wenn wir in Sicherheit sind, sollst du besser belohnt werden. Du hast uns das Leben gerettet.«
Sein Blick fiel auf das Mädchen. Noch immer regte sich ihr Körper nicht. Richard nahm den ledernen Schlauch und goss ein wenig Wasser über ihren Kopf. Sie hob ihn erschrocken und sah ihn mit verängstigten Augen an. Richard legte einen Finger vor seinen Mund: »Keine Angst, ich werde dir nichts antun. Wir sind fürs Erste in Sicherheit«, flüsterte er. Das Mädchen sah ihn mit großen Augen an, aus denen die Furchtsamkeit noch nicht gewichen war. Stumm nickte sie und bemühte sich, vom Pferderücken zu gleiten. »Wie ist dein Name, Mädchen?« Leise antwortete sie: »Siena, edler Herr.« Richard betrachtete ihre schmutzige und zerlumpte Kleidung. »Warum haben diese Strauchdiebe dein Dorf überfallen?« Siena wusste auch nicht viel mehr, als er selbst beobachtet hatte. Sie war vom Lärm aus dem Haus gelockt worden und sah eine große Schar Reiter, die wahllos auf jeden einschlug, der ihren Weg kreuzte. Als sie fliehen wollte, spürte sie einen heftigen Schlag, der sie zu Boden stürzen ließ. Mehr konnte auch sie nicht sagen. Auch hatte sie keinen der Reiter erkannt. Richard erzählte ihr: »Wir sahen, wie du von einem Pferd zu Boden gestoßen wurdest. Aber es traf dich kein Huf. Der Schreck nahm dir die Sinne.« Siena sah ihn fragend an. »Ich sah Euch mit Euren Begleitern. Wo sind sie?« Richard schüttelte traurig das Haupt. »Für einfaches Diebesvolk kämpften diese Reiter zu gekonnt. Nur mir ist die Flucht gelungen.« Dann schwieg er, während er in seiner Erinnerung einen Anhaltspunkt suchte, wer für diesen Angriff verantwortlich gewesen sein könnte. Aber er fand nichts, was die Angreifer verraten hätte. »Wir waren auf dem Weg zu der Herrin deines Ortes. Du wirst mich erst einmal dorthin begleiten.« Als sie aufbegehren wollte, sagte er mit strengerer Stimme als gewollt: »Du wirst gehorchen und folgen, wie man es dir heißt. Hast du mich verstanden?« Als sie mit widerwilligem Blick nickte, setzte er milder hinzu: »Die Herrin wird dich sicherlich bald zu deinen Leuten schicken.«
Richard las in ihrem Gesicht, dass diese Hoffnung nur ein schwacher Trost für das Mädchen war. Er konnte verstehen, dass sie sich sorgte und schnell zurückkehren wollte. In diesem Moment galt es jedoch, erst einmal zu erfahren, woher der Angriff gekommen sein könnte und wie zu handeln sei. Der Ritter legte seinen Umhang ab und gab dem Bauernmädchen den Befehl, sich einen Schlafplatz zu suchen. Mit einem freundlichen Lächeln reichte er ihr den Mantel als Decke. Nachdenklich blickend versorgte er sein Pferd, so gut es an diesem Ort möglich war. Der Weg war zu gefährlich und es war zwecklos, in der Nacht durch den Wald zu streifen. Daher entschloss er sich, auf das Licht des beginnenden Tages warten. Mit finsterem Blick beobachtet er die Nacht, während er an den Stamm eines Baumes kauerte. Seine Sinne achteten auf jedes Geräusch des Waldes. Aber die Reiter schienen die Suche aufgegeben zu haben. Die Geräusche des nächtlichen Waldes wurden nur manchmal von dem leisen Schluchzen des Mädchens gestört.
Als er die Magd bei dem ersten Licht wecken wollte, fand er sie bereits wach. Er betrachtete ihre geröteten Augen und die Sorge in ihrem Gesicht. Ob sie überhaupt Schlaf gefunden hatte? Zu gern hätte er ihr tröstende Worte geschenkt. Aber er durfte sich dem Gesinde nicht offenbaren, als wären sie seinesgleichen. Richard brachte ihr Trockenfleisch und reichte ihr den Lederschlauch mit Wasser. Misstrauisch schnupperte Siena an dem Lederschlauch; »Ich soll kein Wasser trinken. Es macht krank.« Richard lachte leise; »Dieses kannst du trinken, es stammt aus meinem Brunnen und ist feinstes Quellwasser. Trink nur, Kind. Wir müssen bald aufbrechen.«
Obwohl er sicher war, dass die Reiter ihnen jetzt nicht mehr auf diesem Pfad entgegenkommen würden, zog er das Kettengeflecht mit der Haube in den Nacken und lauschte aufmerksam nach möglichem Hufschlag. Die Spuren, welche die schweren Pferde auf dem Weg hinterlassen hatten, ließen ihn erkennen, in welcher Eile sie unterwegs gewesen waren. Abrupt endete ihre Spur, als hätten sich die Reiter in Luft aufgelöst. Verwundert hielt Richard an. Er blickte sich um und suchte nach Zeichen, die ihren weiteren Weg verraten könnten. Aber da war nichts. Kein gebrochener Zweig. Keine Spur in den Wald hinein. Wo waren sie geblieben? Vor ihnen lag ein jungfräulicher Weg, auf dem kein Grashalm gebogen war. Kopfschüttelnd setzte er seinen Weg mit Siena fort.
Gegen Mitte des Tages erreichten sie die Ebene, auf der sich die Befestigung befand. Schon von Weitem sah er den Turmhügel aufragen. Die kleine Ansiedlung unter dem Turm war von einem gefluteten Graben umgeben. Diese Ansiedlung erschien jämmerlich gegen die prächtigen und trutzigen Burgen der höheren Lagen. Aber wo es keinen Steinbruch gab, mussten Gräben und Holz als Schutz gegen Diebe reichen. Als sie die Ansiedlung betraten, betrachtete er die arg verfallen Gebäude. Er war vor Jahren das letzte Mal zu Gast. Damals lebte der Herr des Gebietes noch. Der Graf von Zudendorp war ein ewig unzufriedener Mann, mit dem es häufig Grenzstreitigkeiten zu schlichten galt. Sein Herr, der alte Bischof zu Coeln, ließ ihm kaum mehr, als er zum Leben brauchte. Auch unter dem neuen Herrn war es nicht besser geworden. Seit dem der Bau des neuen Domes beschlossen worden war, presste die Kirche ihre Vasallen bis zum Blute.
Am Wohnturm verlangte er, die Gräfin zu sprechen. Es dauerte eine Weile, bis man ihn vorsprechen ließ. Die Gräfin war ebenso verfallen wie ihre Heimstatt. Tiefe Ringe lagen um ihre Augen. Zahlreiche Falten hatten sich in ihr Gesicht gegraben. Richard war erschrocken, wie sich diese einstmals hübsche Frau verändert hatte. »Nun, Graf Richard. Wenn ich mich recht entsinne, seid Ihr selten ein Mann, der frohe Botschaft bringt«, empfing sie ihn kühl. Er verbeugte sich leicht und sah sie einen Moment schweigend an. Dann erwiderte er: »So wird mir wohl weiterhin der Ruf als Bote schlechter Nachrichten bleiben.« Die Gräfin schwankte leicht, während ihre Hand Halt an der Lehne eines Stuhles suchte. »Dann heraus mit Eurer Botschaft. Schlimmer als es ist, kann es ohnehin nicht mehr werden.«
Die Frau tat ihm leid, aber es half nichts, er musste die Nachricht überbringen. »Euer Besitz, eine halbe Tagesreise von hier, wurde überfallen.« Die Gräfin sank kraftlos und bleich auf den Stuhl. Stumm, fast anklagend sah sie Richard an. »Ich weiß nicht mehr über den Umstand, als dass ich meine Begleiter dabei verloren habe und selbst kaum mit dem Leben davongekommen bin. Aber ich habe Euch ein Mädchen des Ortes mitgebracht, die den Überfall überstanden hat.« Dabei griff er hinter sich und führte die hinter ihm stehende Siena nach vorne. Ungelenk verbeugte sich das Bauernmädchen vor seiner Herrin.

Im Kindle-Shop: Adelsintrigen: Schicksalspfad des Tempelritters.
Mehr über und von Olivièr Declear auf seiner Amazon-Autorenseite.



'Das wilde Herz des Westens' von Alexandra Fischer

Kindle (unlimited) | Thalia | Taschenbuch
Zwei Frauen, zwei Banditen und ihr langer Weg nach Montana

Baltimore, 1865: Die junge Phoebe Ann Harrington träumt seit ihrer Kindheit davon, einen Cowboy zu heiraten. Mit dem Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs sieht sie endlich ihre Chance gekommen und antwortet auf eine Heiratsannonce. Gemeinsam mit ihrer Freundin Briana Magee reist sie nach Missouri, um einen Fremden zu ehelichen.

Was sie nicht weiß, ist, dass ihr Bräutigam Silas Kennedy und sein Bruder Jesse gesuchte Banditen sind. Und so beginnt ein langer Weg quer durch die Prärie, auf dem alle Beteiligten nicht nur an ihre körperlichen Grenzen geraten, sondern auch ihren Geheimnissen auf die Spur kommen. Denn nicht nur die Kennedy-Brüder haben etwas zu verbergen, sondern auch Phoebes Freundin Briana, die von ihrer Vergangenheit verfolgt wird und damit alle in Gefahr bringt.

Leseprobe:
Blut, überall war Blut. Briana Magee starrte in die toten Augen ihres Onkels Caiden, der mit einem Loch in der Brust vor ihr auf dem Holzfußboden lag. Sein Blick wirkte überrascht, so als ob er nicht glauben könnte, was mit ihm geschehen war. Briana bekam kaum Luft. Sie roch den Tod. Das metallische Aroma des Blutes legte sich auf ihre Schleimhäute und sie würgte trocken.
»Geh Pilze sammeln«, hatte Caiden zu ihr gesagt. Sie war nur eine Stunde fort gewesen.
Langsam öffnete Briana die Haustür ein Sckchen weiter. Sie ahnte bereits, was sie als Nächstes sehen würde. Der Korb mit den Pilzen fiel zu Boden und die Champignons und Lacktrichterlinge rollten in die Blutlache zu ihren Füßen. Ein heiserer Schrei entrang sich ihrer Kehle. Biddy!
Ihre Tante saß in dem Schaukelstuhl, den sie so geliebt hatte, aber sie lächelte nicht dabei. Vielmehr hing ihr Kopf in einem eigenartigen Winkel zur Seite und die bleichen Lippen enthüllten ihre Zunge. Ihre Brust war ebenfalls zerfetzt, das Blut hinter ihr an der Wand verteilt. Briana ging zu ihr. Fassungslos berührte sie die roten Locken ihrer Tante und strich ihr über die schmalen Schultern. Biddys Herz schlug nicht mehr, und für eine Sekunde setzte auch Brianas aus. Sie krallte sich in Biddys grünes Leinenkleid. »Wach auf!«
Der Kopf ihrer Tante rollte herum und Briana sprang zurück. Panik erfasste sie. Biddy und Caiden hatten ihr versprochen, sie niemals zu verlassen. Sie hatten Briana versichert, dass in Amerika ein neues, besseres Leben auf sie wartete. Doch nach nur einem Jahr war dieses Leben vorbei. Ausgelöscht. Das Versprechen versickerte mit ihrem Blut im Holzfußboden und ließ sie einsam zurück. Briana zitterte. Sie zerrte an ihren Haaren, keuchte und spürte heiße Tränen auf ihren Wangen. Obwohl sie es nicht wollte, konnte sie nicht anders als auf ihre toten Verwandten zu starren. Heute Morgen waren sie noch alle gemeinsam am Frühstückstisch gesessen. Tante Biddy hatte Pfannkuchen gemacht und Onkel Caiden geschimpft, weil er unanständige irische Lieder gesungen hatte. Briana lachte und weinte gleichzeitig bei der Erinnerung daran. Ihr Schluchzen wurde immer hysterischer. Sie schlug sich ins Gesicht und wusste nicht, warum sie das tat. Vielleicht, weil sie sich von dem tauben Gefühl in ihrem Inneren ablenken wollte, vielleicht aber auch nur, um etwas zu tun. Irgendetwas.
Ihre Wangen glühten von ihren eigenen Schlägen, als sie mit einem Mal Stimmen hörte.
»Warum hast du das getan?«, fragte eine aufgebrachte Männerstimme.
»Ich schwöre, dass er etwas mit den Überfällen auf die Züge zu tun hat. Er hat’s geleugnet, aber ich wusste, dass er lügt. Diese verdammten irischen Katholiken nehmen uns nicht nur unsere Jobs weg, sondern bestehlen auch noch unseren Arbeitgeber! Du bist der Bahnhofsvorsteher, Elkanah, du musst verstehen, dass mir keine Wahl blieb. Der Vorarbeiter hat ihn mit diesem blauäugigen Iren aus Boston gesehen, diesem Henricks. Der holt seine Landsleute schiffeweise hierher und setzt sie für seine Zwecke ein!«
Briana lugte aus dem rückwärtigen Fenster mit der gesprungenen Scheibe. Sie sah zwei Männer, die die Gleise entlanggingen und auf ihre Hütte zuhielten. Einer war klein und stämmig, sein Gesicht wirkte zornig. Der andere überragte seinen Kameraden um mindestens zwei Köpfe. Er rieb sich aufgebracht sein bärtiges Kinn.
»Und wenn schon!« Briana hörte die Besorgnis in der Stimme des größeren Mannes. »Das ist Selbstjustiz!«
»Genau das ist es!« Der Kleinere ballte seine Hände zu Fäusten. »Liest du keine Zeitung? New York leidet unter dem irischen Mob! Sie tyrannisieren die Bevölkerung. Raubüberfälle, Taschendiebstähle, Schlägereien mit rivalisierenden Gangs. All das geht auf das Konto der verfluchten Iren. Wir brauchen dieses Gesindel hier nicht, Elkanah. Wir wissen doch alle selbst kaum, wie wir in Ellicott’s Mills überleben sollen! Eine Sägemühle nach der anderen stellt ihren Betrieb ein.«
»Seit wir die Bahnstation haben, geht es uns besser.«
Der Riss in der Scheibe zog sich durch die zwei sich nähernden Männer. Er schien sie zu trennen und ihre unterschiedlichen Ansichten zu untermalen. Ängstlich trat Briana einen Schritt zurück.
»Es ging uns gut, bis die B&O Railroad damit begann, Iren einzustellen. Dieser Henricks bringt einen stinkenden Paddy nach dem anderen in den Verladestationen unter. Ich sage dir, Elkanah, der Mob wird diese Stadt eines Tages überrennen, und dann gnade uns Gott!«
Der Angesprochene blieb stehen und packte seinen Kameraden am Hemdkragen. »Und deshalb bringst du eine Einwandererfamilie um? Sie haben uns nichts getan! Die Frau war Wäscherin im Patapsco Hotel.«
»Sie war eine dreckige Irin! Und ihr feiner Ehemann trug die Anstecknadel des Mobs.« Angewidert hielt der Kleine seinem Begleiter etwas unter die Nase. »Die teuflischen Kartoffelfresser machen bei allem gemeinsame Sache. Glaubst du etwa, sie hätten nur eine Sekunde gezögert, uns dasselbe anzutun? Dieser Henricks ist eine hinterhältige Ratte. Ich schwöre dir, dass er Stokes und Vaughn auf dem Gewissen hat.«
»Niemand kann beweisen, dass Henricks etwas mit den verschwundenen Kohlelieferungen zu tun hat.«
»Unsere Kollegen wurden hinterhältig erschlagen! Wann begreifst du das endlich? Denkst du, es ist Zufall, dass nur die Züge überfallen werden, die von den Iren beladen wurden? Die verschließen die Türen nicht richtig. Ich schwöre dir, Elkanah, da ist etwas im Gange, und ich werde mir das nicht länger mitansehen!«
Der groß gewachsene Mann schüttelte unwirsch den Kopf. Er betrachtete den Gegenstand, der ihm vors Gesicht gehalten wurde, und erwiderte: »All das rechtfertigt keinen Mord, Dave!«
»Es war kein Mord! Ich habe unsere Stadt beschützt. Und unsere Familien.«
»Willst du das jetzt mit jedem Iren in Ellicott’s Mills tun?«
»Wenn’s sein muss.« Der Mann namens Dave spuckte aus und warf den Gegenstand ins Gras. »Und du wirst mir dabei helfen, Elkanah! Du bist mein Schwager, und ich erwarte, dass du alles daransetzt, um meine Schwester und das Kind zu beschützen, das ihr noch geblieben ist. Iren haben in Ellicott’s Mills nichts verloren. Ebenso wenig wie Nigger.«
Elkanah blickte zur Hütte und Briana duckte sich instinktiv. »Sie hatten eine Tochter, weißt du das?«, hörte sie seine Stimme.
»Ich habe kein Kind gesehen. Und jetzt hilf mir, die Leichen der Kartoffelfresser wegzuschaffen.« Die Schritte kamen näher.
Briana sah sich um. Würden die beiden ihr dasselbe antun wie Biddy und Caiden?

Im Kindle-Shop: Das wilde Herz des Westens: Pionierzeit-Saga.
Im Thalia-Onlineshop: Buch bei Thalia
Mehr über und von Alexandra Fischer auf ihrer Website.



15. Januar 2019

'Schlanker Body 40+ Abnehmen und Haut straffen ohne OP' von Lisa Faustbrandt

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Sie sind 40+, übergewichtig und Ihre Haut sah auch schon straffer aus? Dann geht es Ihnen wie vielen Frauen in diesem Alter auch. Dieses Buch könnte vielleicht die Lösung Ihrer Probleme werden. Dies ist kein klassischer Ratgeber. Es gibt keine Abhandlung über Hitzewallungen, Kalorien-Berechnungen oder komplizierte Rezepte.

Die Autorin kommt schnell auf den Punkt. Konkret und praxisnah gibt sie Antworten auf Fragen wie z.B. diese hier:
- Kann man die Elastizität der Haut mit 40+ noch signifikant erhöhen und wenn ja, wie geht das?
- Wie wird das Gesicht wieder glatter und zwar ohne Spezialcreme, Botox oder Skalpell?
- Was kann man selbst tun, damit die Beine wieder traumhaft schön werden?
- Gibt es einen konkreten Tipp, damit der Bauch wieder sichtbar flacher wird?
- Wie schnell kann man mit 40+ sichtbare Resultate erzielen?
- Wie kann man das Bindegewebe wirklich stärken?
- Können die Innenseiten der Oberschenkel wieder an Form gewinnen und wenn ja wie?
- Worauf muss man achten, um bis zum Erfolg am Ball zu bleiben?
- Was muss man mit 40+ anders machen, um erfolgreich abzunehmen und das Gewicht dann auch zu halten?
- Warum ist die Anzahl der Mahlzeiten beim Abnehmen nicht wichtig?
- Welche 12 Ernährungstipps helfen dabei, abzunehmen und gleichzeitig die Haut zu straffen?
- Wie können Heißhungerattacken minimiert werden?
- Was ist der Unterschied zwischen dem „Ständig-Esser“ und dem „Selten-Esser“?
- Ist es möglich, die Fettverbrennung in nur 2 Schritten so richtig auf Trab zu bringen?

Es geht in konkreten Schritten um die Lösung der beiden sichtbaren Probleme: Übergewicht und schlaffe Haut. Das hier vorgestellte Konzept ist nicht allgemein gehalten. Konkrete Schritte begleiten Sie auf dem Weg zum schlankeren und strafferen ICH. Anhand der Informationen wird das Konzept an die jeweils ganz persönliche Ausgangslage angepasst und genau dieser Aspekt macht es erfolgreich. Bekanntes und Neues werden hier zu einem funktionierenden Ganzen kombiniert.

Starten Sie Ihre ganz persönliche Body-Reise zu einem schlankeren und strafferen ICH. Sie werden sich wieder so richtig wohlfühlen in Ihrem Körper.

Leseprobe:
Erinnern Sie sich noch an früher, unbeschwerte Sommer, ärmellose Blusen? Tolles Gefühl, nicht wahr? Tja, so ab 40+ oder vielleicht erst 50+ ist das Gefühl nicht mehr ganz so toll.

Weich, schwingend und irgendwie aus der Form geraten - Winkearme. Und wer Gewicht reduzieren konnte …. hat das „weiche und mitschwingende“ Problem noch deutlicher vor Augen.

Wenn man mit 40+ sein Gewicht reduzieren möchte und gleichzeitig die Haut straffen muss, sollte man das „Body-Projekt“ als Ganzes und nicht in einzelne Problemzonen aufgeteilt ansehen.

Die Sache mit dem „Abnehmen ab 40+“ wird nämlich sonst für viele zum Desaster. Frustrierend.

Oft nimmt man ab. Was dann folgt, sind neue Probleme. Entweder schlaffe Haut, die bei jeder Bewegung mitschwingt, oder der berühmte „Jo-Jo-Effekt“ als Folge einer falschen Diät.

Fakt ist: Sie müssen nicht hungern, um Gewicht zu verlieren. Im Gegenteil!

Regelmäßige Mahlzeiten sind das A und O einer erfolgreichen Ernährungsumstellung. Ziele werden so viel schneller erreicht.

Sie halten Ihren Hunger unter Kontrolle und nehmen einfacher ab. Sie werden Pfunde verlieren und dabei die Haut deutlich straffen.

Also Leinen los! Lassen Sie uns gemeinsam das Abenteuer „Abnehmen mit 40+“ beginnen.

Lassen Sie uns den Wechsel zu einem schlankeren und strafferen Body starten.

Abnehmen mit 40+ ist wie eine Abenteuerreise! Sie müssen Ihre Ziele festlegen, Ihre Route planen und dann abheben!

Wir wissen alle, wie es ist, wenn wir eine Reise planen.

Wir machen eine Bestandsaufnahme, planen die Reiseroute, nehmen einen Kompass mit, um von der Route nicht abzuweichen und lassen uns gespannt auf das Abenteuer ein.

Vor allem aber freuen wir uns riesig!! Also, wo ist das Lächeln auf Ihren Lippen?

Ok, legen wir mit der Bestandsaufnahme los. Das ist die beste Methode, um Ihr Problem sofort zu erkennen.

Eine moderne Frau?

Sie ist toll! Attraktiv. Mitten im Leben und 40+. Engagiert sich meist im Beruf. Managt das Familienleben.

Sie achtet auf Ihr Äußeres. Freie Zeit ist Luxus für sie. Wenn es ums Aussehen geht, so möchte sie vor allem sich selbst gefallen. Sich einfach wohlfühlen.

Im Kindle-Shop: Schlanker Body 40+ Abnehmen und Haut straffen ohne OP.



13. Januar 2019

'SOLIJON' von Giuseppe Alfé

Amazon | Tolino | Taschenbuch
Ulysses Magnus, ein alter Wissenschaftler und Kriegsheld, befreit auf einem entlegenen Planeten einen namenlosen Jungen aus den Fängen von Menschenhändlern. Dem Jungen fehlt jegliche Erinnerung an seine eigene Vergangenheit. Gemeinsam bereisen sie die Welten des Hexagons, eines intergalaktischen Staatenbundes, das von Menschen und verbündeten Alien-Völkern bewohnt wird.

Ulysses, der in den lange zurückliegenden Maschinenkriegen maßgeblich zum Sieg der Menschen beigetragen hatte, verweigert dem Militär sein Wissen über den alten Feind und fällt in Ungnade, sodass ihm ständig nachgestellt wird und er sich gezwungen sieht, nie zu lange an einem Ort zu verweilen. Auf Almaranah, einer Felseninsel, die Ulysses als Refugium dient, trifft er auf den Deserteur Brent Carpico und seine Familie. Gemeinsam brechen sie zur Verbotenen Zone auf, um Hinweisen über die mysteriöse Herkunft des Jungen nachzugehen, der sie begleitet.

Am anderen Ende der Sechs Welten erhält Matthew Miles, Captain der Astroflotte, vom Hexagon den Auftrag, im Grenzgebiet der Verbotenen Zone das verschollene Kriegsschiff Tide aufzuspüren. Sehr bald wird klar, dass eine technisch überlegene, unbekannte Macht für das Verschwinden der Tide verantwortlich sein muss. Ulysses und seine Freunde geraten ins Visier des Captains, als beide Gruppen kurz vor der Verbotenen Zone aufeinandertreffen. Die Begegnung ist von gegenseitigem Misstrauen geprägt. Ihre Lage spitzt sich zu, als der unbekannte Feind seinen ersten offenen Angriff startet …

Mit seinem neuen Roman erweitert der Autor Giuseppe Alfé den Einblick in das Universum, das man bereits im Vorgänger-Roman HOVOKK kennenlernen durfte. Kritiker loben die ungewöhnliche Mischung aus Space Opera und Fantasy und die detailreichen Welten in seinen Geschichten.

Für kurze Zeit zum Aktionspreis von nur 1,99 Euro.

Leseprobe:
DER MANN MIT DEN TOTEN AUGEN
Womöglich war Persaniole die Rettung, sofern das Schicksal Ulysses Magnus gnädig gestimmt blieb. Vielleicht war der entlegene Planet, den Ulysses um jeden Preis zu erreichen gedachte, eine sichere Zufluchtsstätte. Alle Kräfte des alten Raumfahrers waren nur noch darauf ausgerichtet, Persaniole lebend zu erreichen. Vielleicht konnte er in den dichten, größtenteils noch unerforschten, dampfenden Dschungeln jener Welt dem letzten Verfolger entkommen, der ihm bis auf den Liner gefolgt war. Seit Stunden schlich Ulysses im Unterdeck des Passagierschiffs, fernab der Wohnunterkünfte durch verwaiste Korridore.
Ulysses hatte es schon lange kommen sehen. Er, der alternde Kriegsheld, der den verheerenden Maschinenkriegen durch den entscheidenden Sieg ein Ende bereitet hatte, war nun ein gejagter Mann. Wer auch immer der Initiator dieser Hetzjagd war, hatte einen ganzen Trupp auf ihn angesetzt. Ulysses hatte sie alle erfolgreich abhängen können. Nur ein einzelner Mann war ihm nach wie vor dicht auf den Fersen.
»Ich muss Persaniole erreichen; koste es, was es wolle!«, dachte Ulysses verbissen.
Sein Verfolger war nicht leicht zu täuschen. Er ließ sich auch nicht davon abschrecken, dass Ulysses zuvor auf der Sternenbasis Nova einem seiner Komplizen den Arm ausgekugelt hatte. Dass ein Mann seines Alters noch dazu fähig war, hätte bei seinen Jägern mächtig Eindruck machen müssen. Niemand konnte schließlich beim ersten Hinsehen damit rechnen, dass Ulysses für sein Alter immer noch erstaunlich kräftig und flink war. Er hatte die entsprechenden Merkmale, die in der Regel dazu führten, dass ihn seine Gegner unterschätzten: Schlohweißes Haar, das früher einmal kräftig und gewellt gewesen war, runzlige Haut und eine gemächliche Art, die Dinge anzugehen. Doch wehe, wenn man Ulysses Magnus reizte oder in die Ecke drängte.
Von all dem ahnte sein Verfolger nichts. Er konnte auch nicht wissen, dass Ulysses seine Präsenz ganz deutlich spüren konnte. Der alte Raumfahrer eilte durch einen spärlich beleuchteten Versorgungskorridor der Frachträume. Sein Verfolger glich einem lautlosen Schatten, den Ulysses nicht abzuschütteln vermochte.
Es war klar, dass Ulysses sich geschwind etwas einfallen lassen musste, um ihn auszuschalten.
Dies musste er bewerkstelligen, bevor sie Persaniole erreichten.
Auf jenem Planeten waren die echsenähnlichen Perssa beheimatet. Gemeinsam mit den Menschen und zwei weiteren Spezies zählten sie zu den Mitbegründern des interstellaren Staatenbunds - dem Hexagon. Die Perssa waren friedliche, hochentwickelte Zeitgenossen. Ulysses besuchte ihre Welt nicht zum ersten Mal. Doch es war rund vierzig Jahre her, seit er den Planeten zum letzten Mal besucht hatte. Seitdem war vieles geschehen.

Hinter sich vernahm Ulysses plötzlich kräftig auftretende Schritte. Der Verfolger ließ jegliche Vorsicht und Zurückhaltung fahren und setzte zum offenen Angriff an. Die letzte Etappe der Jagd begann. Ulysses rannte los, schwenkte um die nächste Ecke, in den nächsten Korridor. Er erblickte einen verwaisten Seitengang, der wesentlich heller ausgeleuchtet war. Die Laufschritte des Verfolgers kamen näher und näher. Beinahe hätte die Verzweiflung Ulysses‘ eigenen Lauf ausgebremst. Er rannte schnurstracks in eine Sackgasse. Ulysses saß in der Falle.
»Verfluchter Mist!«, jagte es ihm durch den Kopf. Ulysses verlangsamte seinen Tritt, drehte sich um. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals. Keuchend beäugte er den Kerl, der ebenso sein Lauftempo drosselte und augenblicklich eine Pistole zückte. Der Verfolger war einer von der diskreten Sorte. Auf dem Lauf der Pistole war ein Schalldämpfer aufgeschraubt.
Wutentbrannt starrte Ulysses auf den Mann, der einen schwarzen Overall und schwarze Stiefel trug. Bis auf einen schmalen Schlitz in der Augenpartie war sein Gesicht komplett in schwarzes Tuch gehüllt.
Die Klangfarbe seiner Stimme, die abgedämpft durch den schwarzen Stoff drang, passte zu seiner Erscheinung. Ohne Umschweife kam der Mann zur Sache: »Entweder kommst du freiwillig mit oder ich betäube dich an Ort und Stelle.«
»Wer schickt dich, Dreckskerl?«, fragte Ulysses trotzig. Ihm war völlig klar, wie hoffnungslos seine Lage war. Er trug keine Waffe, noch nicht einmal ein Messer bei sich.
Der Mann antwortete nicht, sondern machte Anstalten, seine Waffe abzufeuern. Dass der Mann offensichtlich ein Betäubungsmittel und keine todbringende Kugel zu verschießen gedachte, minderte die Bedrohlichkeit keineswegs.
»Wie du willst!«, knurrte Ulysses. Er sah sich gezwungen, seine biokinetischen Kräfte einzusetzen. Noch bevor der schwarze Kerl schießen konnte, schnürte Ulysses ihm mit bloßer Gedankenkraft die Kehle zu. Der Mann erstarrte. Hinter dem schmalen Sehschlitz seiner Maskierung trat das Weiß seiner Augen, vor Überraschung weit aufgerissen, deutlich hervor. Er konnte sich nicht mehr vom Fleck rühren. Sein ausgestreckter Arm verkrampfte. Hilflos rang er nach Luft. Mit triumphierendem Lächeln wiederholte Ulysses seine Frage: »Also? Wer schickt dich? Antworte!«
Immer noch stieß der Mann würgende Geräusche aus. In seinen dunklen Augen war nicht das geringste Anzeichen von Furcht zu erkennen. Er schien vielmehr immer wütender zu werden.
Ulysses sah sich gewarnt. Er hatte es mit einem schweren Brocken zu tun.
»Du beantwortest meine Frage lieber wahrheitsgemäß. Andernfalls töte ich dich.«
Sein Gegner erwies sich als verdammt zäher Bursche. Anstatt Ulysses' Frage zu beantworten, presste er mühsam hervor: »Fahr zur Hölle, du Feigling! Ich plaudere nie!«
Das war beileibe nicht das, was Ulysses hören wollte. Fieberhaft begann er zu überlegen. Er konnte ihn auf der Stelle töten und damit sein Problem vorerst lösen. Aber wenn man ihm bis auf das Schiff gefolgt war, konnte es nicht lange dauern, bis man die nächsten Verfolger auf ihn hetzte. Seine Flucht würde nie ein Ende finden; es sei denn, Ulysses fand heraus, wer der Auftraggeber war. Dieser ganz in schwarz gekleidete Typ, dessen Augen ihn durch den Sehschlitz hindurch widerspenstig ansahen, war der Schlüssel dazu.
Ulysses hatte noch andere, bemerkenswerte Fähigkeiten. Er war in der Lage, die Gedanken eines Menschen zu lesen. Aber dazu musste er diesen Kerl erst einmal mit Medikamenten ruhigstellen, da er offenkundig eine große Willensstärke besaß. So etwas mitten im Gang eines großen Liners durchzuführen, wo in jedem Augenblick andere Leute auftauchen konnten, war keine sonderlich gute Option. Es war nicht der richtige Ort dafür. Also musste Ulysses ihn vorläufig am Leben lassen.
»Lass die Pistole fallen. Sofort!«
Trotz seiner misslichen Lage brachte der Mann es fertig, zu grummeln. Immerhin gehorchte er. Polternd schlug die Pistole auf dem Boden auf.
Ulysses lockerte den Würgegriff um eine winzige Nuance. Den Rest des gegnerischen Körpers hielt Ulysses weiter unter Spannung. Ulysses trat nahe an ihn heran. Doch er musste keinen Angriff fürchten. Der Mann blieb unter seinem Bann. Hastig durchsuchte er die Hosentaschen und die Innenseite der enganliegenden Jacke des Mannes. Ulysses ertastete mehrere, kalte Gegenstände aus Metall, die er nach und nach hervorholte. Am Rücken trug der Kerl ein Kurzgewehr. Zwei weitere Pistolen und zwei Messer staken an den Wadenpartien seiner hohen Stiefel. Aus den Schenkeltaschen zog Ulysses ein Stilett und einen Wurfstern hervor. Er legte die Waffen der Reihe nach auf dem Boden außerhalb der möglichen Reichweite seines Gegners ab.
Nur mit Mühe verbarg Ulysses sein Entsetzen. Er hatte einen mustergültigen Auftragsmörder vor sich.

Im Kindle-Shop: SOLIJON.
Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Giuseppe Alfé auf seiner Website.



12. Januar 2019

'Gut und Böse: Im Bann der Erinnerung' von Vivian M. Heesch

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Chione Vans glaubt, ein ganz normales Mädchen zu sein. Doch an ihrem achtzehnten Geburtstag beginnt sie, sich zu verändern. Erinnerungen an ihr altes Ich tauchen auf und stellen ihr bisher gekanntes Leben auf den Kopf. Auf ihr lastet eine große Verantwortung, der sie Gerecht werden muss. Zusammen mit ihren Geschwistern und Freunden muss sie in der Zeit zurückreisen, um die Welt, wie wir sie kennen, vor dem Untergang zu bewahren.

Mit dem ersten Band beginnt eine spannende Geschichte voller Verschwörungen und Intrigen, Dunkelheit und Licht. Tauche ein in eine fremde Welt voller Mysterien und Abenteuer!

Leseprobe:
Auf dem Weg nach Hause war sie so sehr in ihre Gedanken versunken, dass sie überhaupt nicht bemerkte, wie eine vermummte Gestalt über die Straße langsam auf sie zukam. Sie bemerkte ihren Verfolger erst, als dieser schon angriff. Sie erstarrte für einen Moment. Was passierte hier? Einen kurzen Moment war es, als würde die Zeit stehen bleiben, ihr Puls wurde wieder langsamer und eine unheimliche Ruhe überkam sie. In der Hand des Angreifers blitzte ein Messer auf, doch Chione reagierte instinktiv und packte den Arm des vermummten Fremden. Die Kapuze rutschte vom Gesicht und Chione erkannte, dass es ein Mann war. Er roch nach Schmutz und Schweiß, seine Zähne waren gelblich. Sie wusste genau, was zu tun war, ergriff den Arm des Mannes und schaute ihm fest in seine Augen. Dann stieß sie ihn mit übermenschlicher Kraft von sich. Es gelang Chione, sich dabei das Messer aus der Hand des Angreifers zu schnappen. Er krachte hart gegen die nächste Hauswand. Chione ging auf ihn zu, sie hatte keine Angst, Adrenalin schoss durch ihre Adern. Sie stand nun direkt vor dem Mann und schaute ihn immer noch fest an. Ihre Augen blitzten auf, der Fremde erwiderte ihren Blick beinahe ängstlich.
„Was wollen Sie von mir?“, fragte sie ruhig mit fester Stimme, die sie gar nicht so von sich kannte.
„Das weißt du doch bestimmt ganz genau, du dreckige kleine-“
„Wage es ja nicht diesen Satz zu beenden“, schnitt sie ihm das Wort ab. Sie kniete sich nun ganz dicht vor den Mann, das Messer immer noch in der Hand. Der Unbekannte hatte sich wieder gefasst und sah nun nicht mehr ganz so ängstlich aus.
„Wer bist du? Und was willst du von mir?“ Dieses Mal ließ sie die Höflichkeitsformel weg.
„Ich will dich vernichten. Ich wurde hergeschickt, um dich zu beseitigen.“ Seine Stimme klang gehässig und er grinste böse. Dann fing er an zu lachen. Ein verrücktes, hohes Lachen, wobei er seine verfaulten Zähne entblößte.
Chione holte aus und schlug dem Mann hart ins Gesicht. Sein Kopf flog beiseite und Blut spritzte aus seinem Mund. Er war bewusstlos. Sie hätte ihm auch die Kehle durchschneiden können, aber dafür war er ihr nicht gefährlich genug vorgekommen. Also stand sie auf und steckte sich das Messer in die Tasche. „Das behalte ich.“ Sie wandte sich von dem bewusstlosen Mann ab und setzte ihren Weg fort. In ihrem Kopf ließ sie die letzten Minuten revue passieren. Chione hatte sich selbst nicht erkannt. Woher hatte sie diese Kraft und woher hatte sie vor allem diesen Mut, diese Macht? Dieser Kerl wollte sie umbringen! Und sie hatte keine Skrupel gehabt ihn bewusstlos zu schlagen, das ließ sie vollkommen kalt. All das war neu für sie. Vorsichtig zog sie das Messer aus ihrer Tasche und erkannte, dass es gar kein Messer war, sondern ein Dolch. Chione hatte sich das Ding nicht so genau angesehen. Aber sie war sich sicher, dass irgendwelche Kleinkriminellen, Auftragskiller oder sonst irgendwelche zwielichtigen Leute nicht einen solchen wertvollen, altertümlichen Dolch verwenden würden.

*

Chiones Mutter hatte den Kaffeetisch gedeckt. Es gab den Zitronenkuchen vom Frühstück und noch einen Butterkuchen, für den ihre Mutter bekannt war. Auf einem Teller in der Mitte des Tisches lagen ein paar Kekse, daneben stand eine Karaffe gefüllt mit Kakao, eine Kaffeekanne und eine Teekanne. Luca hatte sich auf den Kakao gestürzt, Mia trank Kaffee und Chione trank Tee.
„Wir müssen dir noch unser Geschenk geben!“, meinte Luca zwischen zwei Bissen Kuchen. Er war schon bei seiner dritten Tasse Kakao.
„Pass auf Luca, sonst bekommst du Bauchschmerzen“, sagte Mia mit einem abfälligen Blick auf seine fast leere Tasse.
„Ach, Quatsch!“ Er schüttelte den Kopf und wandte sich an Chiones Mutter, die soeben das Esszimmer betrat und den drei Freunden zulächelte. „Emilia, der Kakao und der Kuchen sind echt super lecker!“
„Oh, vielen Dank Luca“, Chiones Mutter fühlte sich geschmeichelt.
Mia verdrehte die Augen. „Genau, dein Geschenk!“, erinnerte sie ihren besten Freund, der noch immer genüsslich kaute. „Warte eben, ich hole es kurz. Es ist in meiner Tasche.“ Sie flitzte aus dem Raum, so schnell, dass ihre roten Locken hinter ihr her wehten. Einen Moment später kam sie auch schon mit einem großen Päckchen im Arm zurück und legte es vor Chione auf den Tisch.
„Bitteschön! Dein Geschenk. Packe es aus.“ Sie blickte ihre Freundin fröhlich und erwartungsvoll an.
Das ließ Chione sich nicht zweimal sagen. Im Bruchteil einer Sekunde war das golden schimmernde Geschenkpapier aufgerissen und lag zerknüllt auf dem Boden. Zum Vorschein kam eine selbstgebastelte Minipyramide. Verdutzt schaute Chione die kleine Pyramide an. Sie fragte sich, was das sollte und ob das ihr Geschenk war. Sie wollte schon übermäßige Freude vortäuschen und sich bei Ihren Freunden für so ein kreatives Geschenk bedanken, doch dann erkannte sie, dass der Eingang offen war und man dort mit der Hand hineinfassen konnte. „Ist das ungefährlich?“, fragte sie etwas skeptisch.
„Na klar!“, erwiderte Luca ehrlich.
„Probier es doch aus!“ kam von Mia. Chione steckte die Hand in die Öffnung und tastete ein wenig umher. Ihre Finger berührten den Boden und die Wände der kleinen Pyramide. Dann ertastete sie ein festes, dünnes Etwas aus Papier. Sie zog es hinaus und erkannte, dass es ein Umschlag war. Sie öffnete ihn und las:

Liebe Chione,
alles, alles Liebe zu deinem achtzehnten Geburtstag. Das ist etwas ganz Besonderes und deshalb haben wir beschlossen, dir etwas Besonderes zu schenken. Also haben wir uns mit deinen Eltern besprochen und erfahren, dass du eine Reise nach Ägypten geschenkt bekommst. Da dachten wir, alleine willst du da bestimmt nicht hin. Deswegen werden wir dich begleiten! Die Pyramide ist nur eine sinnbildliche Verpackung.
Wir freuen uns, auf einen gemeinsamen Urlaub mit dir!
Deine beiden Freunde
Mia und Luca


Chione war sprachlos. Ihre Eltern und ihre Freunde waren ja total verrückt geworden! So eine Reise war schließlich nicht billig! Da mussten sie wohl ein super Angebot gefunden haben! Das war das größte Geschenk, das sie jemals von ihnen bekommen hatte.

Im Kindle-Shop: Gut und Böse: Im Bann der Erinnerung.
Mehr über und von Vivian M. Heesch auf ihrer Website.



11. Januar 2019

'Immer wieder im Juni: Allgäuliebe 1' von Frida Luise Sommerkorn

Kindle | Tolino
Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum!

Theresia ist sich sicher, dass sich diese Weisheit nur ein Träumer ausgedacht haben kann. Denn als einzige von drei Geschwistern tritt sie das Erbe des Vaters an und muss sich um Hof und Käserei kümmern, obwohl sie viel lieber ihre Kreativität ausleben würde. Dabei ist ausgerechnet Mutter Traudl ein Klotz am Bein. Und auch Ehemann Quirin verzieht sich lieber auf die Alpe, als in ihrer Nähe zu sein. Um dem Alltagsstress zu entkommen, flüchtet sie in das Zimmer ihres Vaters und macht dabei eine verhängnisvolle Entdeckung.

Wer war die Frau, die ihrem Vater so wunderschöne Liebesbriefe geschrieben hat? Und welche Beziehung hatte sie zu ihrer Familie? Denn Fotos beweisen, dass sie hier auf dem Hof gelebt haben muss.

Um ihre Gedanken zu entwirren, steigt Theresia auf ihren Hausberg, den Grünten. Doch auch das erweist sich als keine gute Idee, denn schon wartet der nächste Albtraum auf sie ...

"Immer wieder im Juni" ist der erste Teil der Allgäuliebe-Trilogie, faszinierend wie die Besteigung der Berge und wildromantisch wie der Duft einer Heublumenwiese.

Leseprobe:
Früher ...
Wehmütig saß sie auf der alten Bank des zugigen Bahnsteigs und hielt ihre Tasche fest umschlungen. Das war jetzt also aus ihr geworden. Eine junge Frau auf der Flucht. Jedenfalls fühlte es sich so für sie an.
Eigentlich war sie voller Euphorie in ihre Heimat zurückgekehrt, wollte im Schoß der Familie Kraft tanken. Ein bisschen auf dem Hof arbeiten, Freunde treffen, eben das Leben ihrer Jugend genießen. Aber nun war schon wieder alles vorbei. So schnell hatte sie nicht wieder Abschied nehmen wollen.
Natürlich wollte sie auch nicht ewig hierbleiben. Noch war ihre Abenteuer- und Entdeckerlust nicht gestillt. Aber das Schicksal hatte andere Pläne mit ihr gehabt. Wer konnte schon ahnen, dass sie ausgerechnet hier ihre große Liebe finden würde. Und nicht nur die, es gab jetzt auch ein kleines Wesen, so zerbrechlich und doch mit einem starken Blick, für das sie hätte da sein müssen.
Wieder überkam sie das tiefe Schluchzen. Sie musste sich jetzt zusammenreißen, wollte nicht auffallen. Auch wenn so früh am Morgen erst wenige Leute unterwegs waren, keiner durfte davon erfahren, dass sie heimlich und widerstrebend aufgebrochen war.
SIE hatte ihr eindringlich dazu geraten, hatte das neue Leben in den schönsten Farben gemalt und ihr dann aufmunternd auf die Schulter geklopft. So, als wären sie beste Kumpel. Aber das waren sie nicht. Sie waren mehr als das. Nur dass sie SIE enttäuscht hatte und nun dafür büßen musste.
Aber vielleicht hatte SIE recht. Wahrscheinlich war es für alle am besten, wenn sie nicht mehr dazwischenstand. Und so mittellos wie sie war, hätte sie niemals auch noch für ein Kind sorgen können.
Ja, sie wollte die Welt entdecken und frei sein, jedenfalls hatte SIE ihr das eingeredet. Immer und immer wieder, bis sie es selbst glaubte.
Und dann der Abschiedsbrief. Auch den hatte SIE für sie vorgeschrieben. Sie musste ihn nur Wort für Wort übernehmen. Die Schmerzen, die sie dabei empfand, hatte sie verdrängt. So wie alles andere auch.
Warum hatte er sich auch nicht für sie entschieden? Warum konnte er nicht zu ihr stehen und ein gemeinsames Leben mit ihr beginnen? Sie hatten doch so viel zusammen erlebt! Sie hätten eine wunderschöne Zeit miteinander haben können! Sie hätten reden und eine Lösung finden müssen. Aber Reden war noch nie seine Stärke gewesen. Lieber zog er sich zurück und ließ die Dinge auf sich zukommen.
Schluchzend legte sie die Hände vor das Gesicht. Nein, sie wollte diesen Schritt nicht gehen und tat es doch. Sie war genauso wie er, hatte auch zu wenig Mut.
Mit quietschenden Bremsen hielt der Zug an. Automatisch stand sie auf, strich sich ihre Kleidung glatt, nahm die Tasche und bestieg den Zug.
Sie sah nicht ein einziges Mal zurück.

Im Kindle-Shop: Immer wieder im Juni: Allgäuliebe 1.
Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Frida Luise Sommerkorn auf ihrer Website.



10. Januar 2019

'Geliebte Mörderin: Schatten der Vergangenheit' von D.W. Crusius

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Valencia - spanische Metropole am Mittelmeer. Wer ist die junge Frau, die an einem sonnigen Herbsttag tot am Strand liegt? Der Journalist Pierre Schneider kannte die Tote. Er weiß, dass es Mord war und kein Unfall, wie die Polizei behauptet. Die Frau musste sterben, weil sie einem gefährlichen Geheimnis auf die Spur gekommen war.

Ein russischer Astrophysiker hat sich auf ein gewagtes Spiel eingelassen. Er verfügt über Informationen, die er gegen ein hohes Gut eintauschen will – Freiheit für sich und seine Familie.

Seine Spurensuche führt Pierre weit in die Vergangenheit, bis in den spanischen Bürgerkrieg und den Exodus spanischer Kinder in die Sowjetunion der Stalin-Ära. Bald wünscht er sich, er hätte die Suche nie begonnen.

Leseprobe:
Valencia, Herbst 2003
Ich bearbeitete handschriftliche Notizen, schrieb Kurzgeschichten, manchmal auch Kolumnen für eine französische Zeitung, für die ich früher schon gearbeitet hatte. Ich verdiente nicht viel, aber ich lebte einigermaßen sorgenfrei. Wenigstens immer so bis zum 25. des Monats, die restlichen Tage waren stressig, auch deshalb, weil weder die Zeitung noch der Verlag pünktlich zahlten. Meistens kam das Geld erst am 3. bis 5. des folgenden Monats und an den Tagen gab's dann keinen Vino tinto.
Es ging in den Spätherbst und abends wurde es spürbar früher dunkel. Der Weg zum Strand war ein gemütlicher Spaziergang von einer viertel Stunde. Ich ging bis zur Mole, wo der Hafen anfängt. Dort setzte ich mich auf einen großen Stein, zündete mir eine Zigarette an und sah zufrieden in den abendlichen Himmel. Das Leben war gar nicht so schlecht, wie ich es mir eingerichtet hatte.
Ein Mädchen kam den Strand entlang, direkt auf mich zu. Sie hüpfte und tänzelte spielerisch in der Gischt, den die Wellen im Sand hinterlassen, wenn sie zurückfließen. Höchstens vierzehn, dachte ich, als sie vor mir stehen blieb. Sie schien im Wasser gewesen zu sein, das bunte Baumwollkleid klebte an ihrem nassen Körper. Die langen blonden Haare waren nass und hingen ihr wirr um den Kopf. Sie bemerkte meinen Blick und fuhr sich mit den Fingern durch die strähnigen Haare.
»Hast du eine Zigarette?«, fragte sie.
»Dafür bist du noch zu jung«, sagte ich.
»Wie alt muss ich dafür sein?«
»Ich weiß nicht. Sechzehn?«
Sie kicherte. »Das ist gut. Ich bin sechzehneinhalb.«
Ich musste lachen. »Das glaube ich dir nicht. Wenn ich dich reden höre, scheinst du achtzehn oder zwanzig zu sein, aber du siehst aus wie vierzehn.«
»Kann man das irgendwie feststellen?«, fragte sie.
»Natürlich. An deinen Titten. Das kann ich fühlen.«
Sie trat dicht vor mich hin und sagte: »Dann fühle. Fürs Anfassen bekomme ich aber eine Zigarette.«
»Wie heißt du?«, fragte ich.
»Immer schön der Reihe nach. Meinen Namen sage ich dir für eine zweite Zigarette.«
Ich stand auf und legte meine Hände auf ihre Brüste. Sie waren hart und fest, ich fühlte ihre Knospen. Ich bewegte langsam meine Finger und ihre Knospen wurden fester.
»Setz dich neben mich«, sagte ich, zog die Packung Zigaretten und Streichhölzer aus der Tasche und gab ihr eine Zigarette.
»Ich bekomme zwei Zigaretten. Du hast beide Brüste angefasst. Wie alt bin ich nun?«
»Achtzehn oder zwanzig. So fühlen sich deine Titten an.«
Ich gab ihr eine zweite Zigarette und wir saßen auf den warmen Steinen und rauchten. Nach einer Weile sagte sie: »Ich heiße Carmen und wie heiß du?«
»Muss ich dir eine Zigarette für deinen Namen geben?«
»Wenn du mir deinen sagst, nicht. Dann ist es ein Tausch.«
»Ich heiße Pierre.«
»Klingt französisch.«
»Mein Vater war Franzose. Ich bin Deutscher. Dein Name ist viel schöner. Carmen, das ist Flamenco und Tanz, heiße Sonne und Rotwein.«
»Ich kann Flamenco tanzen«, sagte sie, stand auf, stemmte die Arme in die Seite und machte ein paar stampfende Schritte.
»Hier auf dem Sand geht das nicht. Zum Tanzen brauche ich harten Boden. Wenn du mich zu einer Tasse Kaffee einlädst, tanze ich für dich.«
»Ich weiß nicht recht. Vielleicht bist du ja doch erst vierzehn. Ich müsste dich ohne Kleid sehen.«
Sie stand auf, hüpfte ein paar Tanzschritte von mir fort und drehte sich um.
»Aber nicht gucken. Du darfst mich nackend sehen, aber nicht, wie ich mich ausziehe.«
»In Ordnung.«
Ich wandte mich zum immer dunkler werdenden Himmel und hielt mir die Hände vor das Gesicht.«
»Jetzt darfst du mich ansehen.«
Sie reckte die Arme hoch über den Kopf und drehte sich in tänzelnden Pirouetten. Sie hatte die Figur einer Tänzerin, nicht ganz so jung, wie ich gedacht hatte, aber viel zu jung.
»Es ist gut«, sagte ich. »Ziehe dein Kleid wieder an. Wir trinken Kaffee und vielleicht möchtest du auch ein Brötchen.«
Über den breiten Sandstrand gingen wir zur Promenade, und Carmen tänzelte mit spielerischen Flamenco-Schritten neben mir her. Touristen kamen im Spätherbst nicht mehr in die Stadt, und die meisten Lokale hatten um diese Tageszeit geschlossen. Nur die Cafeteria neben dem Hotel Neptuno hatte noch geöffnet.

Im Kindle-Shop: Geliebte Mörderin: Schatten der Vergangenheit

Mehr über und von D.W. Crusius auf seiner Website.

'Gleiche Wellenlänge (Meereszeiten)' von Sylvia Filz und Sigrid Konopatzki

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Gezeiten und Gefühle

»Komm besser sofort. Ich gehe heute noch von Bord«, hatte ihr Vater, Kreuzfahrtkapitän Jens Jakobsen, am Telefon gesagt. In Sorge um ihren erkrankten Großvater und mit schlechtem Gewissen, den Weg fast zwei Jahre lang nicht mehr zurück in ihre Heimatstadt gefunden zu haben, reist Insa überstürzt nach Cuxhaven.

Völlig unerwartet findet sie veränderte Verhältnisse vor. Die Wohnung, die Insa bisher im alten Kapitänshaus ihres Großvaters nutzte, ist an eine schwangere, junge Frau vermietet. Zudem gibt es überraschend einen großen Hund im Haus.

Sie freundet sich mit der werdenden Mama Annie an und lernt den attraktiven Notfallsanitäter Björn sowie den sympathischen Hotelbesitzer Arne kennen. Beide Männer treffen voll Insas Beuteschema, wäre da nicht ihr Freund Martin, der im Rheinland auf sie wartet.

Doch zuerst verschenkt Insa ihr Herz an einen anderen liebenswerten Kerl – Kolumbus, die gelungene Mischung aus Labrador und Golden Retriever.

Für kurze Zeit zum Aktionspreis von nur 99 Cent.

Leseprobe:
Insas Telefon klingelte. Och nö, die Chefin! Nur ungern riss sie sich von ihrem gerade begonnenen Konzept los.
Sie hatte den Auftrag erhalten, das abendliche Sommerfest eines großen Düsseldorfer Unternehmens in einem parkähnlichen Garten zu planen.
So schwelgte sie gedanklich in sonniger Wohlfühlatmosphäre. Luftige weiße Baumwollvorhänge bauschen sich im leichten Sommerwind, während in den Bäumen platzierte, hübsche Lampionketten warme Farbakzente in den dunkler werdenden Abendhimmel schicken. Flackernde Windlichter und Vasen mit bunt gemischten Blumensträußen schmücken die weiß eingedeckten Tische, man hört fröhliches Lachen der sommerlich-leicht gekleideten Gesellschaft. Alles wird durch leise Musik untermalt.
Insa rieb sich kurz über die Augen, hob nach dem dritten Klingeln ab und schaute dabei durch das Fenster ihres Büros, an dem die Regentropfen in kleinen Schlangenlinien hinunterliefen. Der Himmel im Düsseldorfer MedienHafen präsentierte sich mit einer undurchdringlich grauen Wolkendecke, wie so oft im Februar.
»Linda hier«, hörte Insa. »Kommst du rüber in mein Büro? Und bring bitte Anke mit.«
»Alles klar.«
Schnell stand Insa auf, schnappte ihr Handy und steckte es in ihre Jeans, um dann ins Nachbarbüro zu eilen.
»Hey, Anke, die Chefin ruft.«
»Jetzt? Ach Mensch, ich bin ... aber hilft ja nichts.« Auch sie griff ihr Handy und beide machten sich gemeinsam auf den Weg zum Ende des Flures.
Dort lag das große Eckbüro der Geschäftsleitung, das den Blick auf die beeindruckenden Gehry-Bauten mit den schiefen Türmen und scheinbar kippenden Wänden freigab. Insa mochte dieses Büro, zumal man von hier aus ebenfalls aufs Wasser schauen konnte. Der alte Rheinhafen hatte sich, allerdings schon lange vor ihrer beruflichen Zeit in Düsseldorf, in ein modernes Viertel verwandelt, wo sich angesagte Gastronomie tummelte und schicke Boote dümpelten.
Die Nähe des Wassers tat ihr immer gut – kein Wunder, sie war ein norddeutsches Küstenkind, aufgewachsen in Cuxhaven.

Die Tür des Büros stand offen, deshalb traten sie mit einem einfachen »Hallo« ein.
Linda saß hinter ihrem Schreibtisch und deutete mit dem Zeigefinger auf das komfortable Leder-Ecksofa. »Nehmt bitte Platz. Bin sofort bei euch. Kaffee?«
Insa und Anke nickten.
Linda griff zum Hörer, bat ihre Assistentin um Kaffee und Gebäck, raffte einige Unterlagen zusammen, schnappte ihr Tablet und gesellte sich zu ihnen.
Insa betrachtete sie fasziniert. Ihre Chefin war das typische Bild einer Düsseldorfer Karrierefrau. Designer-Outfits, High Heels, perfektes Make-up und stets eine Hochsteckfrisur. Noch nie hatte man sie mit offenen Haaren gesehen. Ihr Alter von sechsundvierzig sah man ihr keineswegs an. Vielleicht lag es aber mit daran, dass sie sich in ihrer knapp bemessenen Freizeit einen Personal Trainer gönnte, der sie top in Form hielt. Eine Nageldesignerin sorgte regelmäßig für die Schönheit ihrer Fingernägel und auch ihre Wimpern wurden stets neu verlängert und aufgefüllt. Aber sie hatte noch etwas, das nicht ihr schönes Äußeres betraf: Charisma. Linda konnte Menschen durch ihr sympathisches Wesen wie der Blitz für sich einnehmen.
»Es geht um die Messebekleidung«, erläuterte die Chefin. »Wir sollten sie gemeinsam aussuchen. Ich brauche jetzt euer Feedback und eure aktuellen Größen. Ich will den Auftrag diese Woche rausschicken. Deshalb bitte demnächst nicht mehr so viel futtern, damit alles passt«, feixte sie.
»Ach herrje!«, stöhnte Anke. »Bei mir ist der Adventsspeck noch dran! Das macht eine Größe, wenn es nicht kneifen soll. Aber bis zur Messe ist ja nicht mehr lange, ich weiß nicht, ob ich das hinbekomme.«
»Dann nimm die Nummer größer, falls du es nicht schaffst, die Kilos runterzuhungern.«
»Natürlich schaffe ich das!«, empörte sich Anke, die ständig mit den elenden Jojo-Effekten von verschiedenen Diäten kämpfte, die sie stets hoffnungsvoll ausprobierte. »Ich will neben euch nicht aussehen wie eine Kegelrobbe.«
»Kegelrobben haben schöne Augen und einen lieben Gesichtsausdruck.« Insa kicherte.
»Na toll! Für einen hinreißenden Messeauftritt und das Abfischen von Erfolg verheißenden Aufträgen wird das nicht reichen.«
»Kegelrobben können übrigens prächtig fischen«, neckte Insa.
Assistentin Gaby jonglierte ein volles Tablett herein. »Ich habe euch Schokokekse mitgebracht. Eine brandneue Sorte, vorgestern beim Einkauf entdeckt. Unheimlich lecker!«
»Genau das Passende für Anke«, kommentierte Linda trocken.
»Nimm sie am besten gleich wieder mit«, tönte Anke, schielte aber dennoch mit einen interessierten Blick auf den Teller. »Oh mmh ...«, ihre Augen wurden prompt größer, »da sind ja richtige Schokotropfen drauf.«
»Sag ich doch, echt gut.« Gaby verließ das Büro und ließ Anke mit einer Mischung aus hungrigem und verzweifeltem Gesichtsausdruck zurück.
Insa nahm einen Keks und biss hinein. Absichtlich theatralisch stöhnte sie auf. »Göttlich!«
Da konnte sich Anke nicht mehr beherrschen, mopste blitzschnell den größten der Schokokekse, schloss für einen genussvollen Moment die Augen, als sie ihn anknabberte und begann sofort, sich zu rechtfertigen. »Nur einen. Als Test. Um mitreden zu können oder um zu wissen, was ich nicht kaufe. Nur deshalb.«

Im Kindle-Shop: Gleiche Wellenlänge (Meereszeiten 1).
Mehr über und von Sylvia Filz und Sigrid Konopatzki auf ihrer Website.