Blogticker

Bücherkarussell
Auswahl mit Klick auf ein Cover

22. Februar 2018

'Die Katze im Park' von Axel Berger

Als eines Tages drei merkwürdige Gestalten im Büro des heruntergekommenen Bremer Privatdetektives Hermann Beck auftauchen und ihm das Foto einer grauenvoll ermordeten Frau unter die Nase halten, ahnt er noch nicht, wie sehr dieses Aufeinandertreffen sein bisheriges Leben binnen weniger Stunden komplett auf den Kopf stellen wird.

Ehe er sich versieht, wird er in einen Strudel von Gewalt gezogen und in die politischen Wirren einer norddeutschen Landeshauptstadt verstrickt. Der altgediente Ermittler muss tief in seine detektivische Trickkiste greifen, um der Lage Herr zu werden. Als er nur knapp einem Anschlag entgeht, wird es brenzlig.

Wird er den Mörder finden - und das alles überleben?

Gleich lesen: Die Katze im Park: Kurzkrimi - Bremen

Leseprobe:
Beck wurde durch ein leises, gleichmäßiges immer wiederkehrendes Geräusch aus seinen unerfreulichen Träumen gerissen. Durch die verdreckten Lamellen einer altersschwachen, eher braunen als grauen Jalousie, fielen vereinzelte Sonnenstrahlen einer untergehenden Herbstsonne, die den ganzen Tag wie ein wütend glühendes Stück Kohle am Himmel gebrannt hatte, in sein Büro, das sich im dritten Stock einer ehemaligen Kaffeerösterei befand und tauchten die Welt um ihn herum in ein dunkles, von unheimlichen Schatten durchzogenes Orangerot.
Benommen kauerte er auf einem unbequemen alten Holzstuhl hinter seinem Schreibtisch, der ihm in dieser Nacht als Schlafplatz gedient hatte. Vor ihm stand eine fast vollständig geleerte Flasche mit billigem Fusel, der roch als ob er alle gesammelten Schlechtigkeiten des Teufels Alkohol in sich vereinte.
Verschlafen rieb er sich die verquollenen Augen, blinzelte ein paar Mal angestrengt und versuchte vergebens irgendetwas in seinem direkten Umfeld erkennen zu können.
Er konnte sich nicht einmal mehr erinnern wo er sich befand. Sein Kopf schmerzte, seine Hände zitterten, klebriger kalter Schweiß rann ihm über die Stirn hinab in die Augen und ließ ihn frösteln. Mit einem alten Taschentuch, das eher den Begriff Putzlappen verdient gehabt hätte, wischte er sich das Gesicht ab und blickte sich erneut um. Sein Blick blieb an der Flasche hängen. Allein bei dem Gedanken daran, jemals wieder einen Schluck daraus zu nehmen, drehte sich ihm der Magen um.
Er musste würgen und übergab sich, da er nichts besseres fand, in seinen Papierkorb. Sein Kopf fühlte sich an, als würde er jeden Moment zerplatzen, wie ein prall gefüllter Luftballon, in den jemand eine brennend heiße Nadel gestochen hatte. Er würgte und der Schmerz explodierte erneut hinter seiner Stirn.
Nachdem er sich einigermaßen wieder erholt hatte und einen halbwegs klaren Gedanken fassen konnte, schaute er sich weiter um. Das Geräusch, das ihn aus seinen Albträumen geholt hatte war immer noch da. Ein gleichmäßiges Pochen drang an sein Ohr. Konstant. Immer und immer wieder. Absolut gleichmäßig und nervtötend. Mit zusammengekniffenen Augen starrte er ins unbewegte Halbdunkel und versuchte etwas zu erkennen, doch noch immer versagten ihm seine Augen den Dienst. Lediglich die unscharfen Umrisse seines mittlerweile zur Bar degradierten Aktenschrankes waren zu erkennen.
Behutsam tastete er mit der linken Hand nach dem Schalter seiner Schreibtischlampe. Trotz seiner auf den Alkohol zurückzuführende Koordinationsschwäche, fand er ihn merkwürdigerweise bereits nach relativ kurzer Zeit und betätigte ihn. Der fahle Lichtschein, einer verzweifelt gegen die Dunkelheit ankämpfenden 40 Watt-Birne, ergoss sich träge über das kleine Büro. Er blinzelte. Etwas hatte sich in unmittelbarer Nähe direkt vor seinem Schreibtisch bewegt. Er erschrak und fuhr in seinem Stuhl zusammen. Keine fünf Schritte von ihm entfernt standen drei merkwürdige Gestalten wie Orgelpfeifen nebeneinander aufgereiht vor ihm und sahen ihn, mit einer Spur von Abscheu und Verachtung schweigend an.
Während er die drei Männer musterte und unterbewusst einzuschätzen versuchte, glitt seine rechte Hand instinktiv unter sein zerknautschtes Sakko und suchte nach seinem Revolver. Fehlanzeige. Dort, wo er das angenehm kühle Metall seiner 45er erwartet hatte, befand sich - nichts. Kein Schulterhalfter, kein Revolver. Beck drohte in Panik zu verfallen. Erneut begann ihm der Schweiß in Strömen von der Stirn zu rinnen.
Was war bloß mit ihm los? Er war bedeutend Schlimmeres gewohnt und auch sonst nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen. Warum verunsicherten ihn die drei Gestalten so?
Möglicherweise lag es an ihrer merkwürdigen Ausstrahlung. Er rief sich innerlich zur Ruhe, zog seine Hand langsam wieder unter dem Sakko hervor und unterzog die drei Eindringlinge nun seinerseits einer eingehenderen Musterung. Die drei Gestalten standen noch immer völlig bewegungslos da und schauten ruhig auf ihn herab.
Der Größte von ihnen war wohl auch der Älteste, zu mindestens den tiefen Falten in seinem Gesicht und seiner fast steingrau anmutenden Hautfarbe nach zu urteilen. Er trug, genau wie die anderen beiden, einen schon vor geraumer Zeit aus der Mode gekommenen, schwarzen Anzug, der schon bessere Tage gesehen hatte, aber dennoch sehr gepflegt wirkte und tadellos saß. Mit seiner Rechten stützte er sich auf einen Gehstock aus dunkelbraunem Edelholz.
Das Gesicht des Mannes neben ihm erinnerte Beck an eine Bulldogge oder einen Pit Bull: Massig, sein Kiefer kraftvoll, und einer unterschwelligen Aggressivität in seinem Mienenspiel ragte er vor ihm auf. Und, obwohl er ebenfalls leicht gebückt stand, konnte man bei genauerer Betrachtung erkennen, dass er sich für sein Alter noch in einer sehr guten Verfassung befand und über eine beträchtliche Muskulatur verfügte. Er schien topfit zu sein. Blickte man ihm jedoch in die dunklen tiefliegenden Augen, verschwand dieser Eindruck sofort. Es waren müde Augen, Augen die von einem harten und bewegten Leben erzählten.
Der letzte des merkwürdigen Trios wirkte wie ein leibhaftiger, in die Jahre gekommener Dandy. Er war dezent, aber erkennbar geschminkt, hatte seine Frisur mit Pomade oder Gel sorgfältig in Form gebracht und einen roten Seidenschal um den Hals geschwungen. Das Auffälligste an ihm aber war seine Nase. Einem Schnabel gleich ragte sie ihm, mit ihrer beträchtlichen Größe, mitten aus dem arrogant dreinblickenden Gesicht. Unbewusst musste Beck schmunzeln. Er konnte sich des Eindrucks nicht erwehren einem leibhaftigen Gockel in Menschengestalt gegenüber zu stehen. Als hätte er seine Gedanken erraten, richtete sein Gegenüber sich plötzlich zu seiner vollen Größe auf und stellte sich in Positur. Er musste gut und gerne zwei Meter groß sein.
Beck fühlte sich ertappt, schaute verlegen vor sich auf den Schreibtisch und versuchte verzweifelt seine Gedanken zu ordnen. Was war hier los? Was wollte dieses merkwürdige Trio von ihm? Wieso verunsicherte ihn die ganze Situation so dermaßen?
Eine unmittelbare Bedrohung schien von den dreien zumindest im Moment nicht auszugehen. Doch wie war es ihnen gelungen sich völlig unbemerkt in sein Büro zu schleichen? Er musste einfach zu betrunken gewesen sein, um sie zu bemerken. Anders war dieser Umstand nicht zu erklären. Er schalt sich innerlich, dass er, wie so oft in den letzten Wochen und Monaten, die Kontrolle über seinen Alkoholkonsum verloren hatte.
Der Detektiv wollte gerade die Initiative ergreifen als der erste, der älteste der Drei, plötzlich das Wort ergriff: „Schön Sie wieder unter den Lebenden zu sehen, Mr. Beck. Suchen Sie die?“ Der Detektiv zuckte merklich zusammen. Sein eigener Revolver war plötzlich auf ihn gerichtet. Zögerlich und sehr vorsichtig hob er langsam die Hände über den Kopf.
„Was zum Teufel ist hier los?“, krächzte er. Erschrocken über den Klang seiner eigenen Stimme räusperte er sich und fragte dann: „Was wollen Sie von mir?“

Im Kindle-Shop: Die Katze im Park: Kurzkrimi - Bremen

Mehr über und von Axel Berger auf seiner Website.



21. Februar 2018

'Tante Fritzi - forever clever' von Brigitte Teufl-Heimhilcher

Ob Chorwettbewerb, Weihnachtsbazar oder Faschingsfest – in Tante Fritzis Pensionistenheim ist immer was los. Außerdem ist da noch Konstantin, der ehemalige Anwalt, mit dem sie sich ganz hervorragend versteht und dessen Sohn Michael. Der wäre genau der Richtige für ihre Nichte Babette, die dummer Weise diesen Stinkstiefel von einem Architekten heiraten will.

Aber noch ist das letzte Wort nicht gesprochen, denn der Architekt scheint Frieda – die von ihrer Nichte liebevoll „Tante Fritzi“ genannt wird - ganz und gar nicht vertrauenswürdig.

Mit Konstantins Hilfe heftet sie sich an seine Fersen …

Gleich lesen: Tante Fritzi - forever clever

Leseprobe:
Frieda nimmt Abschied
Die Herbstsonne tat ihr Möglichstes und ließ Friedas Haus im besten Licht erscheinen. Es war ein mächtiges Stockhaus im Stil der Sechzigerjahre, mit einem großen Blumenfenster und einer noch größeren Terrasse, und es war nicht zu übersehen, dass es schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel hatte. Auch der Garten hatte schon bessere Zeiten gesehen.
Der Teich, in dem früher die Seerosen üppig geblüht hatten, war leer, und zwischen den Steinplatten wuchs Unkraut. Aber der Rasen war kurz geschnitten und die Äpfel auf den Bäumen leuchteten rot und gelb. Auf der südseitigen Terrasse war der Kaffeetisch gedeckt.
Frieda Engel hatte Mühe, die wenigen Stufen zur Terrasse emporzusteigen, ohne vor Schmerzen zu stöhnen. Doch das kam natürlich nicht in Frage. Mit einer eleganten Handbewegung bat sie die Maklerin Platz zu nehmen.
„Sie haben gesehen, was es zu sehen gibt. Wie hoch schätzen Sie den Verkaufspreis?“
Die Maklerin wiegte den Kopf und sah in ihre Notizen. Vermutlich, um Zeit zu gewinnen, dachte Frieda. Endlich antwortete sie: „Eine schöne Lage, aber am Haus ist natürlich einiges zu machen. Warum wollen Sie es verkaufen?“
„Eigentlich will ich es gar nicht verkaufen, aber mein Arzt meint, für meine alten Knochen hätte es zu viele Stufen. Also habe ich mich, schweren Herzens, für ein Seniorenheim entschieden, ganz in der Nähe. Darf ich Ihnen Kaffee einschenken?“
„Gerne, aber Sie hätten sich doch keine Mühe machen müssen.“
„Natürlich nicht, aber ich freue mich, wenn mir jemand beim Kaffeetrinken Gesellschaft leistet. Seit mein Mann tot ist, bin ich viel allein. Meine Haushaltshilfe hat übrigens einen Apfelkuchen gebacken. Ich kann ihn sehr empfehlen.“
Etwa eine Stunde später hatte man sich über Kaufpreis und Vermittlungsauftrag geeinigt.
„Wir werden Ihr Objekt umgehend anbieten“, versprach die Maklerin eifrig. „Möchten Sie bei den Besichtigungen anwesend sein?“
„Nein, das möchte ich keinesfalls und ich kann es auch gar nicht, denn ich werde mich in den nächsten Wochen einer Hüftoperation unterziehen. Danach muss ich zur Kur und nach der Kur werde ich mein Appartement im Seniorenheim beziehen. Lassen Sie mir noch zwei Wochen, um meine Sachen zu packen, dann haben Sie freie Bahn.“
Nachdem die Maklerin gegangen war, räumte Frieda langsam den Kaffeetisch ab, dann setzte sie sich an ihren Schreibtisch und begann, eine Liste jener Gegenstände aufzustellen, die sie ins Seniorenheim mitnehmen wollte.
Haus Sonnenschein – so ein Schwachsinn. Sonnenschein für den Winter des Lebens.
Nun, sie hatte in ihrem Leben Sonnenschein kennengelernt, mehr noch, sie hatte auf der Sonnenseite gelebt. Aber seit Gerds Tod war es aus mit dem Sonnenschein, seither herrschte hoffnungslose Kälte, zumindest in ihrem Inneren. Daran konnten weder Frau Fischer mit ihrem Apfelkuchen noch ihre Nichte Babette etwas ändern., auch nicht, wenn sie sie jetzt wieder Tante Fritzi nannte, so wie damals.
Nun gut, sie hatte ihren Teil gehabt, sie würde den Rest ertragen, so gut es eben ging.
Doktor Weiß hatte ja recht, das Haus war nicht nur viel zu groß für sie allein, es war vor allem viel zu unpraktisch. Fünfzehn Stufen mussten allein bis zum Eingang überwunden werden. Aber dafür hatte man einen herrlichen Ausblick auf die Weinberge. Oft würde sie ihn nicht mehr genießen können. Als sie das Haus gebaut hatten, war sie kaum dreißig gewesen, und zu Gerds vierzigstem Geburtstag hatten sie es eingeweiht. Ans Altsein hatten sie dabei nicht gedacht. Damals schien alles möglich und das Leben noch so unendlich lang. Und dann war alles viel zu schnell vergangen.
Das ist der Preis des glücklichen Lebens, hatte Doktor Weiß neulich gesagt. Nur dem Unglücklichen scheint die Zeit stillzustehen. Wie recht er doch hatte. Seit ihr Mann tot war, schienen Tage und Nächte oft kein Ende zu nehmen. Ächtzend erhob sie sich, um den Fernseher einzuschalten.

Im Kindle-Shop: Tante Fritzi - forever clever

Mehr über und von Brigitte Teufl-Heimhilcher auf ihrer Website.



'Der 14. Februar: Kurzkrimi' von Janette John

Kindle (unlimited)
»Wo die Liebe wohnt, ist auch das Glück nicht fern.«
Janette John

Wie würdest DU handeln,
wenn DIR dein Liebstes genommen wird
und DU daran fast zugrunde gehst?

Als am 14. Februar in Konstanz eine junge Frau unerwartet stirbt, geraten die Bewohner der Stadt in Panik, weil eine seltsame Nachricht in den sozialen Medien die Runde macht. Wenig später kündigt der Verfasser eine weitere Tote an, die vom süßen Duft seiner Rose gekostet hat. Anfangs hält man ihn noch für einen Spinner und die Zeilen für eine Fake News. Doch nachdem sich die Meldungen überschlagen, entwickelt sich der Tag der Liebe zum Fiasko. Hunderte von Blumensträußen wurden gekauft und unzählige Frauen haben daran gerochen.

Als dann in den Nachmittagsstunden eine weitere Tote beklagt wird, nimmt das Unheil seinen Lauf.

Daniel Selzer, von der Konstanzer Kripo, hat ebenfalls eine Rose gekauft. Bei dem Gedanken an die merkwürdigen Ereignisse wird selbst ihm angst und bange. Gehört etwa auch seine Rose zu den todbringenden Blumen?

Der 7. Fall der Kripo Bodensee - für kurze Zeit zum Einführungspreis von nur 99 Cent zu haben.

Leseprobe:
Bei Nadine fiel der Groschen.
»Dreht es sich um den Valentinstag?«, gab sie zweifelnd zurück. »Leute, das ist der Tag der Verliebten. Also wem habe ich den Strauß zu verdanken?«, setzte sie schmunzelnd nach. Blumen hatte ihr lange keiner mehr geschenkt. Und wenn sie nun schon einmal da waren, warum sollte sie sich daran nicht erfreuen? Zögerlich näherte sie sich der Vase, um am Grün zu riechen, als unerwartet Selzers Telefon klingelte. Doch die Neugier auf das Gespräch war größer als der Wunsch, den Duft der Blumen zu empfangen. Sie spitzte die Ohren.
»Interessant … Es gibt genügend Spinner, die alles Mögliche in den sozialen Netzwerken posten.« Jemand schien Selzer zu unterbrechen, bis er ihm das Wort abschnitt. »Vergiss die Nachricht. Ist bestimmt nur eine Fake News. Ein Wichtigtuer, der sich nach Anerkennung sehnt … Eine von den Falschmeldungen, die Tag für Tag über unsere Seiten tickern … Internetmeldungen, die keiner prüft. Leider glauben es die Leute.« Selzer verabschiedete sich und versprach, der Sache nachzugehen. Gleichfalls legte er auf und wirkte nachdenklich.
»Was ist los?«, wollte Nadine wissen.
»Warum tut jemand so etwas?« Er gab sich selbst eine Antwort. »Um Aufsehen zu erregen, sich der Öffentlichkeit preiszugeben. Nur wozu?«
»Du sprichst in Rätseln.« Nadine wirkte genervt und stocherte erneut nach. »Daniel, was ist los?«
Auch bei den anderen rief Selzers Heimlichtuerei Interesse hervor.
Selzer schien nachdenklich.
»Daniel, jetzt sag schon, was los ist! Oder ist es privat?« Nadine bohrte weiter, bis er zu reden begann: »Nichts Privates. Nur weiß ich nicht, was ich davon halten kann. Sollen wir dem nachgehen oder es dabei belassen?«
»Herr Selzer, wenn Sie weiter Ihr Ratespiel fortsetzen, können wir weder das eine noch das andere tun«, unterbrach ihn Rudolf Hufnagel, der mit der Andeutung ebenso wenig etwas anfangen konnte.
Selzer rieb sich den Mund. »Ein Bekannter rief mich soeben an und meinte, dass eine ungeheure Nachricht in den Medien kursiert. Jemand deutet darin den Tod einer Frau an und schreibt von vergifteten Blumen. Ausgerechnet heute.« Gleichzeitig starrte er auf die Blumenvase seiner Mitarbeiterin.

Im Kindle-Shop: Der 14. Februar: Kurzkrimi (Kripo Bodensee 7).
Mehr über und von Janette John auf ihrer Website.



20. Februar 2018

'Mexikanische Nacht: Ein Dorfkrimi' von Alexander Huberth

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Der dritte Fall für Leo und Samson

Caramba! Es ist gar nicht weihnachtlich, wie die mexikanische Mafia das beschauliche Freiburg mit Mord, Totschlag und schlotzigen Hasch-Brownies in Atem hält. Eigentlich eine Sache für die Polizei. Aber dann gerät Leo, gescheiterter Börsenmillionär und mäßig erfolgreicher Privatdetektiv, unversehens zwischen die Fronten. Eine Wurzelbehandlung, ein verführerischer Auftrag sowie die Sorge um die Beziehung zu seiner süßen Chica Marie bringen Leo zusätzlich in Not. Und als schließlich sogar Samson, der kalbsgroße Wunderhund, von Leos Seite weichen muss, gipfelt ein harmloser Fall in einem Kampf auf Leben und Tod.

Nach den Bestsellern »Bauernhochzeit« und »Das letzte Halleluja« legt Alexander Huberth den dritten Fall für Leo und Samson vor – wieder mit jeder Menge Spannung, Spaß und Sprücheklopfern.

Leseprobe:
Wer einmal in Freiburg lebt, will nicht mehr weg. Behaupten die Freiburger. Münster, Bächle, historische Gebäude, der Schwarzwald um die Ecke, die französische Lebensart in der DNA – so sehen die Freiburger sich und ihre Stadt.
Und schließlich, als Zuckerguss auf der mächtigen Torte des Bürgertums: Vauban. Das alternative Wohnviertel, in dem die Menschen besonders nachhaltig leben und Gutes tun. Es sind gute Menschen. Manche sagen auch: Gutmenschen. Doch das ist gewiss ungerecht.
Einer jener guten Menschen saß an diesem ungemütlichen Dezemberabend am Fenster, betrachtete die bunten Häuser auf der anderen Straßenseite und schwärmte noch immer vom veganen Gebäck, das ihm seine Lebensabschnittsgefährtin vor etwa einer Stunde serviert hatte. Je mehr Zeit verging, desto mehr geriet er ins Schwärmen.
»Louise, diese Brownies sind wirklich wundervoll«, sagte Rüdiger.
Louise gesellte sich zu ihrem Partner. »Das Geheimnis ist die Mandelmilch. Und die vegane Erdnussbutter. Die macht die Brownies so schön schlotzig.« Sie trank einen Schluck des teuren Bordeaux, den sie am Wochenende von ihrem jüngsten Ausflug ins benachbarte Frankreich mitgebracht hatten, und kuschelte sich in das synthetische Lammfell, das über den Rattansesseln am Fenster lag.
»Schläft die Kleine?«, fragte Louise.
Als moderner Vater ließ Rüdiger es sich nicht nehmen, die gemeinsame Tochter zu wickeln, zu füttern, ins Bett zu bringen, mit ihr den Spielplatz zu besuchen und ihr vorzulesen. Er bedauerte noch immer, dass er niemals die Gelegenheit gehabt hatte, Inga- Pippilotta zu stillen.
»Wie ein Engelchen«, sagte er und lächelte versonnen. Er nahm sich einen weiteren Brownie. »Erdnussbutter sagst du? Ich glaube, das ist nicht das einzige Geheimnis. Da schmeckte doch noch etwas anderes heraus.«
Louise schob sich eine Strähne aus dem Gesicht. »Ehrlich, Rüdi, dir kann man nichts vormachen. Ich habe ein wenig Hasch hinzugegeben. Feinste Bio-Qualität.«
Rüdiger grinste. Er fühlte sich angenehm berauscht, herrlich entspannt. Nicht einmal die übertriebene Weihnachtsbeleuchtung von Georg und Annette konnte ihn aufregen. Seit Jahren diskutierten sie mit ihren Nachbarn über deren Lichterschmuck, der die gesamte Straße erhellte. Dass sie sich von Weihnachten, diesem widerwärtigen Fest des Konsums, blenden ließen – okay, kann passieren. Dass sie deshalb aber Unmengen an wertvollem Strom vergeudeten, verärgerte Rüdiger zutiefst. Sonnenenergie hin oder her.
Nun aber, betört von der Wirkung des astreinen Bio-Haschs, betrachtete Rüdiger die Welt gelassener – sogar die Glitzerwelt von gegenüber.
»Schön, nicht wahr?«, sagte er und deutete auf den leuchtend roten Weihnachtsmann, der die Fassade des Nachbarhauses erklomm.
»Mhm«, sagte Louise, mittlerweile selbst vom Brownie-Genuss benommen.
So saßen sie, guckten selig und wunderten sich, dass plötzlich zwei dicke Autos mit quietschenden Reifen in die Straße bogen. Es dauerte vielleicht ein oder zwei Sekunden länger als üblich, doch dann brach Rüdigers Empörung durch.
»Unerhört«, rief er und schlug mit der flachen Hand gegen die Fensterscheibe. »Hier herrscht Autoverbot. Autoverbot!«
Er sprang auf, griff dabei nach einem weiteren Brownie, eilte die Treppe hinab, ignorierte Louise, die ihn bat, ruhig zu bleiben, und stürzte in seinen Filzpantoffeln auf die regennasse Straße. Dort fuhr das eine dicke Auto mit voller Wucht in das andere dicke Auto. Blech kreischte, Scheiben klirrten, Menschen brüllten. Aus jedem der Wagen – beides SUVs, echte Dreckschleudern – sprangen vier Männer. Alle hielten Maschinenpistolen in der Hand, mit denen sie sofort versuchten, sich gegenseitig abzuknallen. Der Krach stellte jedes Silvesterfeuerwerk in den Schatten.
»Spinnt ihr?«, rief Rüdiger. Er fuchtelte mit den Armen. »Ihr dürft hier nicht mit Autos rein. Ich zeige euch an. Ich alarmiere die Polizei.« Einer der Männer warf Rüdiger einen Blick zu. Dann schwenkte er seine Waffe einen Hauch nach rechts und feuerte. Die Salve durchsiebte Rüdiger von oben bis unten und zurück. Er würde sich nie wieder über Weihnachtsbeleuchtung ärgern müssen.
Rüdiger stürzte zu Boden, ein angebissener Brownie rutschte aus seiner Hand. Flüssige Schokolade quoll in dicken Tropfen auf den Asphalt.
Es stimmte: Die Brownies waren wirklich ungewöhnlich schlotzig.

Im Kindle-Shop: Mexikanische Nacht: Ein Dorfkrimi (Ein Fall für Leo und Samson 3)
Mehr über und von Alexander Huberth auf seiner Website.



19. Februar 2018

'Liebe und andere Köstlichkeiten' von Marit Bernson

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Ein feinköstlicher Liebesroman

Chrissys Feinkostgeschäft steht kurz vor der Pleite. Sie braucht dringend neue Geschäftsräume, in einer besseren Lage und groß genug, um sich ihren Traum von einem Catering-Service zu erfüllen. Ein passendes Objekt ist schnell gefunden. Jetzt muss sie nur noch Vermieter Vincent von Larsenstein von sich überzeugen.

Sie arrangiert ein zufälliges Aufeinandertreffen auf einem Ball. Doch Chrissys Erzrivalin scheint ihr zuvor gekommen zu sein. Jetzt muss Chrissy sich mächtig ins Zeug legen und hat auch kein Problem damit, sich mit dem gutaussehenden Vincent zu romantischen Dates zu verabreden, auch wenn ihr Interesse eigentlich nur seiner Immobilie gilt. Zumindest am Anfang.

Für kurze Zeit zum Einführungspreis von nur 99 Cent für das eBook.

Leseprobe:
„Ein Delikatessen-Laden?“ Vincent lächelte. „Ich liebe gutes Essen.“
„Ich auch“, erwiderte Chrissy und trank vor lauter Verlegenheit aus ihrem Glas.
Was hatte sie sich nur gedacht? Sie war nicht gut darin, Kontakte zu knüpfen. Eher trat sie in ein Fettnäpfchen und verdarb sich alles.
„Die Geschäfte in der Römerstraße haben es nicht leicht, seit das Center geöffnet hat“, erklärte die Frau vom Stadtmarketing. Wie hieß die eigentlich noch mal? „Vier haben im letzten Jahr dicht gemacht.“
Und ich will nicht Nummer fünf sein, dachte Chrissy. Sie musste sich zusammenreißen. Jahrelang hatte sie darauf hingearbeitet, diesen Laden zum Laufen zu bringen, und würde ihn auf keinen Fall einfach so schließen. Sie musste das Ladenlokal haben. Sich bei diesem Baron einschleimen. Und Ilka ausbooten, die es garantiert auch auf diesen Laden abgesehen hatte.
Inzwischen war eine Diskussion ausgebrochen zwischen dem Bürgermeister und der Dame vom Stadtmarketing. Offensichtlich waren sie unterschiedlicher Meinung in Bezug auf das Center und die Gestaltung der Innenstadt. Offenbar war der Bürgermeister gegen das Center gewesen.
Oh, die Diskussion hatte jetzt hoffentlich nicht Chrissy ausgelöst. Ihr war alles Recht, wenn sie nur den neuen Laden bekäme. Die Stimmen wurden lauter, andere mischten sich ein. Und Chrissy hatte keine Ahnung, was sie beitragen sollte.
„Dies ist ein Ball“, sagte der junge Baron gerade. „Nicht die Stadtratssitzung.“ Offensichtlich hatte man von ihm verlangt, Partei zu ergreifen. „Darf ich bitten?“
Chrissy brauchte einen Moment, bis sie begriff, dass er sie gemeint hatte.
Sag nein, du kannst nicht tanzen, flüsterte eine fiese Stimme.
„Ja“, sagte ihre eigene.
Vincent reichte ihr seinen rechten Arm, und sie legte ihren darauf. Sie fühlte sich wie eine Prinzessin, die vom Prinzen aufgefordert wurde. Oder besser Aschenputtel. Aber die konnte wenigstens tanzen.
„Ich tanze nicht oft“, sagte sie.
Vincent lachte. „Ich auch nicht. Ich hasse tanzen.“
Chrissy atmete auf. „Ich auch. Was machen wir jetzt?“
Vincent warf einen Blick zurück zu der Gruppe, die sie gerade verlassen hatten.
„So tun, als ob“, sagte er dann und blieb am Rand der Tanzfläche stehen. Chrissy stellte sich ihm gegenüber. Er verbeugte sich, und sie knickste tatsächlich. Das war der elegante Teil. Er umfasste ihre Hüfte mit seinem linken Arm und nahm ihre linke Hand hoch. Dann sah er ihr ins Gesicht.
„Und jetzt?“, fragte sie.
„Keine Ahnung. Wir drehen uns vorsichtig und versuchen, uns nicht auf die Füße zu treten?“
Chrissy lachte. „Versuchen wir es.“
Das Lied, das gerade gespielt wurde, war langsam. Und es klappte tatsächlich. Chrissy ließ sich von Vincent drehen, spürte zwar hin und wieder seine Schuhspitzen, aber kein Fuß wurde getreten. Nach einiger Zeit hatten sie einen Rhythmus gefunden, und Chrissy wagte es, ihm ins Gesicht zu sehen. Er erwiderte ihren Blick und sah sie forschend an. Er hatte graue Augen, ohne blau. Das hätte vielleicht langweilig ausgesehen, wenn er nicht lange dunkle Wimpern drumherum gehabt hätte. Seine Augenbrauen waren buschig, aber gepflegt. Eigentlich war er nicht wirklich schön, doch er hatte was. Jetzt lächelte er und hatte kleine Grübchen um den Mund. Ein Grübchen war sogar auf der Wange. Irgendwie charmant.

Im Kindle-Shop: 'Liebe und andere Köstlichkeiten' - romantische Liebeskomödie

Mehr über und von Marit Bernson auf ihrer Website.



16. Februar 2018

'Die Reservefrau' von Karoline Gellauer

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Egal, ob 17 oder 70, was das Herz begehrt, wird der Verstand wohl nie begreifen.

Mit 17 verliebt sich Bärbel in Ihren Biologielehrer Bernd. Sie beginnen eine Affäre. Die dauert ein Schuljahr und endet schmerzhaft für Bärbel. Nach 40 langen Jahren begegnen sie sich erneut beim Klassentreffen. Bald sind die alten Gefühle wieder da; genauso verwirrend, so intensiv, so gefährlich. Allerdings sind ihre Motive unterschiedlich. Als Bärbel das erkennen muss, eskaliert die Situation ...

Leseprobe:
„Solche tiefgreifenden Emotionen hatte ich nie.“

Sie startet einen erneuten Versuch per Mail:

Lieber Bernd, seit 50 Jahren beeinflusst du mein Leben. Zunächst durch eine romantische Jugendliebe, die sehr schmerzhaft für mich endete. Interessiert es dich, was ich empfand, als mich Achim zu dir ins Bett trug? Willst du wissen, wie es mir danach ging? Ich glaube nicht! In den folgenden Jahren benutzte ICH die Männer. ICH beendete die Beziehungen, wenn es MIR passte. Stets war ich misstrauisch, voller Vorurteil – konnte mich einfach nicht mehr so bedingungslos verlieben – dein Verdienst! Bis ich meinen Mann kennen- und schätzenlernte. Ich kam zur Ruhe. Andere Probleme traten in den Vordergrund. Dann trittst du wieder in mein Leben, suchst meine Nähe und erfährst erneut, wie hilflos ich dir gegenüber bin – wie emotional ausgeliefert. Ich habe nicht bedacht: Wer Emotionen zeigt, macht sich verletzbar. WARUM bist du mir wieder so nahegekommen? Deine Entwicklung in dieser Zeit von „Ich mag dich.“ bis „Kein Kommentar!“ Du kannst jetzt nicht das Rad zurück drehen und erwarten, dass ich mit dir über das Wetter plaudere! Zeig endlich Charakter und stell dich einem Vier-Augen-Gespräch. Ich möchte endlich Klarheit zwischen uns und auch über das „Warum?“.
Es tut so weh, dass unsere ??? diese Entwicklung genommen hat! Vielleicht hast du ja noch eine Antwort für mich?

Im Kindle-Shop: 'Die Reservefrau' von Karoline Gellauer



15. Februar 2018

Stefan Barth

Stefan Barth wurde im schönen Hagen am Rande des Ruhrgebiets geboren, lebte in Los Angeles und hat seine Zelte jetzt in Berlin aufgeschlagen. Er schreibt Drehbücher für Serien und Filme wie "Der Clown", "Alarm für Cobra 11", "Was nicht passt, wird passend gemacht" und viele andere. 2003 lief sein Film "Motown", bei dem er auch Regie führte, in ganzen dreizehn Kinos.

Sein erster Roman ist der Hardboiled-Crime Thriller "Drecksnest". Es folgte das Action-Drama "Es war einmal in Deutschland", über einen desertierten Wehrmachtssoldaten in der letzten Woche des zweiten Weltkriegs. Sein drittes Buch ist die Kurzgeschichtensammlung "Einen Kopf kürzer - Dunkle Geschichten". Der nächste Roman ist in Vorbereitung.

Weblink: stefan-barth.works


Bücher im eBook-Sonar:




'Der Todesbote' von Axel Berger

Eine Leiche wird gefunden. Die Todesursache: ein Schuss in den Hinterkopf. Der einzige Hinweis auf den Täter: eine Tätowierung im Nacken des Opfers, mit einem Datum – dem Todesdatum. Erste Spuren führen die Ermittler in Oldenburgs Rotlichtmilieu und die Rockerszene, doch ansonsten fehlt jede Spur von dem Mörder.Dann erschüttert ein weiterer Mord an einem Anwalt die Stadt an der Hunte. Als Nächstes wird ein Steuerberater verschleppt – und mit einem tätowierten Datum im Nacken wieder freigelassen. Die Ermittler haben 24 Stunden, um ihn zu retten. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt ...

Werden sie den eiskalten Killer zur Strecke bringen und den Mann retten, oder wird der Todesbote ihnen auch diesmal zuvorkommen? Doch dies sind nicht die einzigen Probleme der drei Kommissare.

Wird Anke Frerichs endlich die Nachfolge ihres Vorgesetzten antreten?
Können Enno Melchert und Werner Vollmers ihr dunkles Geheimnis bewahren?
Und wer ist eigentlich die geheimnisvolle neue Frau an Ennos Seite?

Gleich lesen: Der Todesbote: Der vierte Fall für Werner Vollmers, Anke Frerichs & Enno Melchert

Leseprobe:
Die Leiche von Gerd Hennings lag direkt neben den verrosteten Eisenbahnschienen mit dem Gesicht nach unten im Dreck. Schwärme von Fliegen und anderem Ungeziefer flogen und krabbelten umher.
Torben Kuck von der kriminaltechnischen Abteilung Wilhelmshaven kniete neben dem etwa einsfünfundachtzig großen und lediglich siebzig Kilo schweren Leichnam und untersuchte seine sterblichen Überreste nach Spuren und eventuellen Hinweisen auf den Täter oder die Täterin.
Hauptkommissar Werner Vollmers und Enno Melchert vom Oldenburger Fachkommissariat 1 standen schweigend daneben und beobachteten den Kollegen von der Spurensicherung geduldig bei seiner Arbeit. Um sie herum herrschte hektisches Treiben, das von gelegentlich vorbeisausenden Zügen und dem Geklingel der sich noch von Hand hebenden und senkenden Schranken am Bahnübergang Ofenerdiek, Am Stadtrand, begleitet wurde. Über die Schienen hinweg streckte sich der Turm der Thomaskirche, unbeeindruckt vom Trubel auf dem gegenüberliegenden Edeka-Parkplatz, in die Höhe. Die Uhr an der Ofenerdieker Straße bei der großen Eiche zeigte kurz vor zehn Uhr morgens. Die Sonne stach bereits erbarmungslos vom Himmel, es war noch untypisch heiß für diese Jahreszeit.
Kuck wischte sich mit dem Handrücken ein paar Schweißtropfen von der Stirn. Etwas hatte seine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Er wandte seinen Blick von der kreisrunden Einschussstelle am Hinterkopf des Toten ab, ergriff behutsam das Handgelenk und drehte den Arm des Opfers vorsichtig etwas nach außen, um besser erkennen zu können, was dort stand.
Eine achtstellige, blutverkrustete, dunkelblaue Zahl, gelegentlich unterbrochen von einem Punkt, zierte seinen rechten Unterarm. Eine frische Tätowierung. Ein Datum. Er schaute zur Kontrolle auf seine Uhr. Es war das Datum von vorgestern – der vermutete Todestag. Dem Grad der Verwesung entsprechend und dem sonstigen Zustand der Leiche nach zu urteilen, hatte Torben Kuck den Todeszeitpunkt bereits grob auf diesen Zeitpunkt eingrenzen können, Genaueres würde die spätere Untersuchung im Rechtsmedizinischen Institut der Stadt Oldenburg in der Pappelstraße 4 ergeben. Er freute sich schon insgeheim, nachher dort noch vorbeischauen zu können, um dort seine neue Freundin Irena Barkemeyer zu treffen, die dort seit einigen Monaten in der Abteilung von Elena Braun als rechtsmedizinische Assistentin arbeitet.
Sie waren sich vor ein paar Monaten auf dem Gertrudenkirchhof an einem Tatort zum ersten Mal begegnet und nun, nach ein paar anfänglichen Startschwierigkeiten, ein Liebespaar geworden.
Für Kuck fühlte es sich an, als ob er in der studierten Rechtsmedizinerin seine Seelenverwandte gefunden hatte. Irena Barkemeyer empfand ähnlich. Es lief perfekt zwischen den beiden, auf allen Ebenen. Sie dachten bereits darüber nach, in absehbarer Zeit zusammenzuziehen, um mehr Zeit miteinander verbringen zu können, denn ihre Arbeit fraß sehr viel Zeit von ihrem Alltag, und nun stand auch schon wieder ein neuer Fall an. Er zog sein Smartphone aus der Tasche und schaute auf das Display, von dem aus ihm eine lächelnde Irena Barkemeyer entgegen blickte. Versunken in ihr Antlitz stahl er sich für ein paar Sekunden von diesem Ort des Todes fort – in eine heile Welt, voll Liebe und Geborgenheit, weit abseits des alltäglichen Grauens, das die beiden Beamten jeden Tag in ihrem Job zu erdulden hatten.
Ein vorbeirasender Güterzug, dessen Ziel mit Sicherheit der Jade-Weser-Port in seiner Heimatstadt Wilhelmshaven sein würde, riss ihn aus seinen Gedanken zurück in die Wirklichkeit. Er steckte sein Handy wieder ein und blickte sich um. Ein Kribbeln in der Magengegend machte sich unangenehm bemerkbar.
Irgendein unbestimmtes, in Torben Kuck gärendes Gefühl ließ ihn vermuten, dass hier irgendwas mächtig nach Ärger stank und der Tote, der hier vor ihm im Dreck lag, möglicherweise nicht der letzte bleiben würde ...

Im Kindle-Shop: Der Todesbote: Der vierte Fall für Werner Vollmers, Anke Frerichs & Enno Melchert

Mehr über und von Axel Berger auf seiner Website.