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6. Mai 2021

'Schicksalspfad des Tempelritters - Band 2: Adelsintrigen' von Olivièr Declear

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Buchreihe | Autorenseite
Anno Domini 1235 in Köln: Die Ländereien der verzweifelten Gräfin Ida von Zudendorp werden seit langem von schwarzgekleideten Reitern angegriffen. Sie und ihre Gefolgschaft ringen bereits mit dem Tode. In ihrer Not stehen nur noch der kampferfahrene Ritter Richard von Portus und der Orden der Tempelritter an ihrer Seite. Wer will der Gräfin schaden? Und warum?

Inmitten einer Welt voller Intrigen, adeliger Machtspiele und unzähliger Gefahren wollen die beiden die Wahrheit ergründen. Eine Reise beginnt, die sie unter größten Strapazen und unter Einsatz ihrer Leben sogar bis in das weitentfernte Rom führt.

Begeben Sie sich gemeinsam mit Ida und Richard auf ein Abenteuer und erleben Sie mit ihnen das Mittelalter in all seinen Facetten.

Anleser:
Fluch
Richard hörte das Peitschen der Zweige, spürte die Schläge durch das Polster seiner Rüstung. Der Weg vor ihm, ein wankendes Bild im ständigen Auf und Ab des wilden Ritts. Der dunkle Pfad des Waldweges nur schwach vom durchscheinenden Mondlicht erhellt. Die Last des ohnmächtigen Körpers vor ihm über dem Widerrist schien die vertraute Einheit zu seinem Tier genommen zu haben. Richard hielt sich kaum im Sattel, wenn sein Pferd über Hindernisse sprang, die er nicht im schwachen Licht erahnt hatte. Durch die dicke Polsterhaube unter seiner Kette vernahm er nur wenige Geräusche seiner Umgebung. Das Reiben und Schlagen der Kettenglieder übertönte beinahe die kräftigen Hufschläge seines Tieres. Bei dem hastigen Versuch, einem tiefhängenden Ast auszuweichen, spürte er, wie der vor ihm liegende Körper vom Pferd zu gleiten drohte. Mit einem raschen Griff erfasste er ihn und hielt ihn an seinem Platz. Es war mehr das Gefühl in seinem Bauch, das Trommelschlägen glich, weniger sein Gehör, das ihn spüren ließ, dass die Verfolger immer näher kamen. Wie feiner Sprühregen flog ihm der Speichel seines erschöpften Pferdes entgegen.
Richard trieb sein Tier, das an die Grenzen seiner Kraft gekommen war, immer aufs Neue an. Die wilde Jagd durfte nicht verloren werden. Sein Hengst fuhr mit dem Kopf herum, als könne er seinem Reiter damit zeigen, dass er diesen scharfen Ritt nicht mehr ertragen konnte. Aber Richard wusste, wie stark sein Pferd war. Seine ganze Hoffnung lag darin, dass die Pferde der Verfolger vor seinem Pferd zusammenbrechen würden. Er rief ihm zu: »Nur ein kurzes Stück, lass mich nicht im Stich!« Sein Pferd schien ihn verstanden zu haben. Nochmals beschleunigte es und flog mit seinem Herrn über den Weg.
Als sein Tier zu straucheln begann, wusste Richard, dass jetzt nur noch der Kampf blieb. Er ließ sein Pferd auslaufen und wandte sich den Verfolgern zu. Aber da war niemand. Er sah keine Reiter. Auch das Trommeln in seinem Bauch spürte er nicht mehr. Vorsichtig lenkte er sein Pferd zwischen die Büsche des Wegesrandes, um den Pfad aus dem Dickicht heraus zu beobachten. Kaum war er in seiner Deckung angekommen, spürte er erneut das Donnern der Hufen, noch bevor er sie hörte. Mehrere Reiter jagten in einer dichten Gruppe an ihm vorbei, ihre Schwerter erhoben. Richard klopfte den Hals seines Pferdes: »Das hast du gut gemacht, alter Freund.«
Kaum war er aus dem Sattel seines Tieres gestiegen, wandte sein Hengst den Kopf und stupste ihn mit seiner Nase, um die Belohnung für seinen treuen Dienst einzufordern. Richard schmunzelte und nahm ein Stück Rübe aus seiner Satteltasche. Mit flacher Hand hielt er es dem Freund hin. »Wenn wir in Sicherheit sind, sollst du besser belohnt werden. Du hast uns das Leben gerettet.«
Sein Blick fiel auf das Mädchen. Noch immer regte sich ihr Körper nicht. Richard nahm den ledernen Schlauch und goss ein wenig Wasser über ihren Kopf. Sie hob ihn erschrocken und sah ihn mit verängstigten Augen an. Richard legte einen Finger vor seinen Mund: »Keine Angst, ich werde dir nichts antun. Wir sind fürs Erste in Sicherheit«, flüsterte er. Das Mädchen sah ihn mit großen Augen an, aus denen die Furchtsamkeit noch nicht gewichen war. Stumm nickte sie und bemühte sich, vom Pferderücken zu gleiten. »Wie ist dein Name, Mädchen?« Leise antwortete sie: »Siena, edler Herr.« Richard betrachtete ihre schmutzige und zerlumpte Kleidung. »Warum haben diese Strauchdiebe dein Dorf überfallen?« Siena wusste auch nicht viel mehr, als er selbst beobachtet hatte. Sie war vom Lärm aus dem Haus gelockt worden und sah eine große Schar Reiter, die wahllos auf jeden einschlug, der ihren Weg kreuzte. Als sie fliehen wollte, spürte sie einen heftigen Schlag, der sie zu Boden stürzen ließ. Mehr konnte auch sie nicht sagen. Auch hatte sie keinen der Reiter erkannt. Richard erzählte ihr: »Wir sahen, wie du von einem Pferd zu Boden gestoßen wurdest. Aber es traf dich kein Huf. Der Schreck nahm dir die Sinne.« Siena sah ihn fragend an. »Ich sah Euch mit Euren Begleitern. Wo sind sie?« Richard schüttelte traurig das Haupt. »Für einfaches Diebesvolk kämpften diese Reiter zu gekonnt. Nur mir ist die Flucht gelungen.« Dann schwieg er, während er in seiner Erinnerung einen Anhaltspunkt suchte, wer für diesen Angriff verantwortlich gewesen sein könnte. Aber er fand nichts, was die Angreifer verraten hätte. »Wir waren auf dem Weg zu der Herrin deines Ortes. Du wirst mich erst einmal dorthin begleiten.« Als sie aufbegehren wollte, sagte er mit strengerer Stimme als gewollt: »Du wirst gehorchen und folgen, wie man es dir heißt. Hast du mich verstanden?« Als sie mit widerwilligem Blick nickte, setzte er milder hinzu: »Die Herrin wird dich sicherlich bald zu deinen Leuten schicken.«
Richard las in ihrem Gesicht, dass diese Hoffnung nur ein schwacher Trost für das Mädchen war. Er konnte verstehen, dass sie sich sorgte und schnell zurückkehren wollte. In diesem Moment galt es jedoch, erst einmal zu erfahren, woher der Angriff gekommen sein könnte und wie zu handeln sei. Der Ritter legte seinen Umhang ab und gab dem Bauernmädchen den Befehl, sich einen Schlafplatz zu suchen. Mit einem freundlichen Lächeln reichte er ihr den Mantel als Decke. Nachdenklich blickend versorgte er sein Pferd, so gut es an diesem Ort möglich war. Der Weg war zu gefährlich und es war zwecklos, in der Nacht durch den Wald zu streifen. Daher entschloss er sich, auf das Licht des beginnenden Tages warten. Mit finsterem Blick beobachtet er die Nacht, während er an den Stamm eines Baumes kauerte. Seine Sinne achteten auf jedes Geräusch des Waldes. Aber die Reiter schienen die Suche aufgegeben zu haben. Die Geräusche des nächtlichen Waldes wurden nur manchmal von dem leisen Schluchzen des Mädchens gestört.
Als er die Magd bei dem ersten Licht wecken wollte, fand er sie bereits wach. Er betrachtete ihre geröteten Augen und die Sorge in ihrem Gesicht. Ob sie überhaupt Schlaf gefunden hatte? Zu gern hätte er ihr tröstende Worte geschenkt. Aber er durfte sich dem Gesinde nicht offenbaren, als wären sie seinesgleichen. Richard brachte ihr Trockenfleisch und reichte ihr den Lederschlauch mit Wasser. Misstrauisch schnupperte Siena an dem Lederschlauch; »Ich soll kein Wasser trinken. Es macht krank.« Richard lachte leise; »Dieses kannst du trinken, es stammt aus meinem Brunnen und ist feinstes Quellwasser. Trink nur, Kind. Wir müssen bald aufbrechen.«
Obwohl er sicher war, dass die Reiter ihnen jetzt nicht mehr auf diesem Pfad entgegenkommen würden, zog er das Kettengeflecht mit der Haube in den Nacken und lauschte aufmerksam nach möglichem Hufschlag. Die Spuren, welche die schweren Pferde auf dem Weg hinterlassen hatten, ließen ihn erkennen, in welcher Eile sie unterwegs gewesen waren. Abrupt endete ihre Spur, als hätten sich die Reiter in Luft aufgelöst. Verwundert hielt Richard an. Er blickte sich um und suchte nach Zeichen, die ihren weiteren Weg verraten könnten. Aber da war nichts. Kein gebrochener Zweig. Keine Spur in den Wald hinein. Wo waren sie geblieben? Vor ihnen lag ein jungfräulicher Weg, auf dem kein Grashalm gebogen war. Kopfschüttelnd setzte er seinen Weg mit Siena fort.
Gegen Mitte des Tages erreichten sie die Ebene, auf der sich die Befestigung befand. Schon von Weitem sah er den Turmhügel aufragen. Die kleine Ansiedlung unter dem Turm war von einem gefluteten Graben umgeben. Diese Ansiedlung erschien jämmerlich gegen die prächtigen und trutzigen Burgen der höheren Lagen. Aber wo es keinen Steinbruch gab, mussten Gräben und Holz als Schutz gegen Diebe reichen. Als sie die Ansiedlung betraten, betrachtete er die arg verfallen Gebäude. Er war vor Jahren das letzte Mal zu Gast. Damals lebte der Herr des Gebietes noch. Der Graf von Zudendorp war ein ewig unzufriedener Mann, mit dem es häufig Grenzstreitigkeiten zu schlichten galt. Sein Herr, der alte Bischof zu Coeln, ließ ihm kaum mehr, als er zum Leben brauchte. Auch unter dem neuen Herrn war es nicht besser geworden. Seit dem der Bau des neuen Domes beschlossen worden war, presste die Kirche ihre Vasallen bis zum Blute.
Am Wohnturm verlangte er, die Gräfin zu sprechen. Es dauerte eine Weile, bis man ihn vorsprechen ließ. Die Gräfin war ebenso verfallen wie ihre Heimstatt. Tiefe Ringe lagen um ihre Augen. Zahlreiche Falten hatten sich in ihr Gesicht gegraben. Richard war erschrocken, wie sich diese einstmals hübsche Frau verändert hatte. »Nun, Graf Richard. Wenn ich mich recht entsinne, seid Ihr selten ein Mann, der frohe Botschaft bringt«, empfing sie ihn kühl. Er verbeugte sich leicht und sah sie einen Moment schweigend an. Dann erwiderte er: »So wird mir wohl weiterhin der Ruf als Bote schlechter Nachrichten bleiben.« Die Gräfin schwankte leicht, während ihre Hand Halt an der Lehne eines Stuhles suchte. »Dann heraus mit Eurer Botschaft. Schlimmer als es ist, kann es ohnehin nicht mehr werden.«
Die Frau tat ihm leid, aber es half nichts, er musste die Nachricht überbringen. »Euer Besitz, eine halbe Tagesreise von hier, wurde überfallen.« Die Gräfin sank kraftlos und bleich auf den Stuhl. Stumm, fast anklagend sah sie Richard an. »Ich weiß nicht mehr über den Umstand, als dass ich meine Begleiter dabei verloren habe und selbst kaum mit dem Leben davongekommen bin. Aber ich habe Euch ein Mädchen des Ortes mitgebracht, die den Überfall überstanden hat.« Dabei griff er hinter sich und führte die hinter ihm stehende Siena nach vorne. Ungelenk verbeugte sich das Bauernmädchen vor seiner Herrin.

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'Fatale Lügen: Soko Innen 1' von Axel Hollmann

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Website Axel Hollmann
Verrat. Gier. Berlin.

Fast wäre Hauptkommissar Carl Rau an seinem Job zerbrochen. Er fühlt sich reif für eine Auszeit, dennoch muss er die Leitung der Soko Innen übernehmen. Zusammen mit seinem neuen Team soll er einen politisch brisanten Fall untersuchen.

Hat ein Ermittler des LKAs einen Verdächtigen misshandelt? Die Schuld des Kollegen scheint erwiesen, doch dann wird der Ermittler niedergeschossen, seine Frau ermordet und sein neunjähriger Sohn verschwindet spurlos.

Die Soko Innen irrt durch ein Labyrinth aus Lügen. Und im Verborgenen verfolgt jemand ganz eigene Pläne.

»Fatale Lügen« ist der erste Band einer vierteiligen Krimi-Serie, die das Autorenduo Axel Hollmann und Marcus Johanus im Laufe der nächsten Monate veröffentlicht.

Anleser:
»Die erledigen mich«, flüsterte Staatssekretär Joost Amann. Er versteckte die Hände hinter dem Rücken. Seine Besucherin sollte nicht sehen, wie er sich nervös die Finger rieb.
Sie saß auf der Kante seines Schreibtischs und spielte mit einer Büroklammer. Ein Mädchen. Sie nannte sich Nyela Hoteq, und dem Gesicht mit den nordafrikanischen Zügen nach zu urteilen, musste sie zwölf, höchstens dreizehn Jahre alt sein.
Nicht mehr als ein Kind.
Nyela Hoteq trug einen schwarzen Rollkragenpullover, Jeans und Sneakers, die über dem Dielenboden baumelten. Kajal betonte ihre onyxfarbenen Augen. Augen, die ihn aufmerksam musterten.
Seine Kehle schnürte sich zusammen. Raubtieraugen, dachte der Staatssekretär unvermittelt.
Sein Büro befand sich im ersten Stock der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Es war dreiundzwanzig Uhr. Freitag. Durch die Fenster fiel Licht von der Württembergischen Straße, sonst lag das Zimmer im Dunkeln. Er trat über die Schwelle und schloss die Tür hinter sich.
Klick! Ein Geräusch, wie das Spannen einer Pistole. Er zwang sich, die Lippen zu der Andeutung eines Lächelns zu verziehen. »Helfen Sie mir. Bitte.«
Er wartete, doch seine Besucherin hatte nur Augen für die Büroklammer.
»Haben Sie mitbekommen, was die Zeitungen schreiben? Nichts als Lügen und wilde Behauptungen, die diese Schmierfinken verbreiten. Beweise?« Er wandte sich zu der Anrichte, die unter einem Gemälde stand, das das Brandenburger Tor zeigte. »Denen ist doch egal, dass es keine gibt. Hauptsache, die Auflage stimmt.«
Sein Herz pochte wild, so sehr hatte er sich in Rage geredet. Erst wollte er nach der Karaffe mit dem Wasser greifen, doch dann entschied er sich für die Flasche mit dem Scotch. Der Staatssekretär schraubte den Verschluss ab und füllte eines der Gläser. Seine Hand zitterte so stark, dass er zweimal absetzen musste, um die bernsteinfarbene Flüssigkeit nicht zu verschütten.
Hoffentlich hatte es seine Besucherin nicht bemerkt.
Er stellte die Flasche wieder beiseite und trank so hastig, dass er sich husten musste. Der Scotch in dem halbvollen Glas schwappte, als er es zurück auf die Anrichte stellte.
Joost Amann wandte sich wieder seiner Besucherin zu. Sie verdrehte den dünnen Draht zu einem Ring. Stumm. Unmöglich, in ihrer Miene zu lesen.
»Dieser Kommissar vom Dezernat 34 ist an allem schuld. Er hat sich da in etwas verrannt.« Wieder griff der Staatssekretär nach dem Glas. Er leerte es in einem Schluck. »Er hat mit meinen Mitarbeitern gesprochen. Sie ausgefragt und gegen mich aufgehetzt. Und Mio auch.«
Joost Amann trat einen Schritt auf den Schreibtisch zu. Es brodelte in ihm.
»Man will mich vernichten. Mich zerstören. Meine Beziehung, mein Leben. Meine Karriere. Haben Sie eine Ahnung, wie mich alle ansehen? Die Kollegen in der Senatskanzlei. Meine Freunde. Nein, natürlich nicht. Wie sollten Sie auch?«
Der Staatssekretär sah dem Mädchen direkt in die Augen. Er spürte noch immer die wohltuende Wärme des Scotchs in seiner Kehle.
»Hören Sie, ich habe immer getan, was für den Kreis am besten war.« Er hob den Zeigefinger, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen. »Ohne Widerspruch. Ohne Fragen zu stellen. Ich habe meinen Teil des Deals eingehalten. Dafür ist mir der Circulus Clausa etwas schuldig. Das ist nur fair. Ich möchte …« Er unterbrach sich. »… nein, ich fordere, dass Sie mir helfen. Bringen Sie die Presse zum Verstummen. Und sorgen Sie dafür, dass dieser Kommissar aus meinem Leben verschwindet. Ein für alle Mal. Es ist mir gleich, wie Sie das anstellen, aber denken Sie daran, ich bin nicht der Einzige, der etwas zu verlieren hat. Verstehen Sie, was ich …«
Er verstummte.
Das Mädchen schob den gebogenen Draht auf ihren Finger, als wäre er ein Ring. Dann rutschte sie von der Schreibtischkante und sah zu ihm auf. Nyela Hoteq war einen Kopf kleiner als er, doch Joost Amann hielt die Luft an. Du bist zu weit gegangen, du Narr! Das war seine Schwäche. Manchmal verlor er einfach die Beherrschung.
Er wollte schon den Mund öffnen, um sich zu entschuldigen, doch da nickte sie.
Bedächtig, beinahe unmerklich.
Ehe er etwas sagen konnte, hatte sich Nyela Hoteq schon abgewandt. Mit ein paar Schritten durchquerte sie das Büro. Die Sneakers geräuschlos auf den Dielen. Sie griff nach der Klinke und einen Augenblick später fiel die Tür hinter ihr ins Schloss.
Zurück blieb nur der Geruch ihres Parfüms. Zimt und Patchouli.
Erleichtert atmete der Staatssekretär aus.
Gut, dass du so bestimmt aufgetreten bist. Der Staatssekretär nickte sich selbst zu. Jetzt musste er sich nicht mehr sorgen. Der Kreis würde sich um alles kümmern. Daran zweifelte Joost Amann nicht.

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5. Mai 2021

'Catch the Millionaire - Kyle MacLeary' von Lisa Torberg

Hören: Audible Hörbuch

Lesen: Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Lisa Torberg: Website | Autorenseite
Humorvoll, romantisch, mit einer gehörigen Portion Highland-Charme und unvermeidlichem Happy End.

Das multimediale Event „Catch the Millionaire“ des London Chronicle stellt nicht nur die Medienwelt auf den Kopf: Millionäre versuchen auf diese spektakuläre Weise die Frau fürs Leben zu finden – und ausgerechnet Gillian, 24, etwas zu klein, etwas zu rund, wird mit der Leitung des Projekts betraut. 

Freudig stürzt sie sich in die Aufgabe, doch schon ihr erster „Fall“, der schottische Millionär Kyle MacLeary, bringt sie mit seinem Wunsch nach einem „intelligenten Topmodel“ und seiner unausstehlichen Art zur Weißglut.

Und auch sonst läuft nichts wie es soll. Ihr Nachbar ist der heiße Bad Boy Jayson, der ihre Sinne verwirrt. Als Gillian dann auch noch ein neuer Chef vor die Nase gesetzt wird, kann sie ihren Augen nicht trauen …

In sich abgeschlossener Liebesroman. Erster Band der Reihe „Catch the Millionaire“.

Anleser:
Mein Blick gleitet nach oben. Piccadilly Circus ist zwar nicht Times Square, aber die riesigen Werbetafeln sind hier ebenso unübersehbar wie in New York. Ein Mann rammt mir seinen Ellenbogen in die Seite, ein anderer drängt sich mit lautstarkem Gemurmel an mir vorbei. Montag ist tendenziell für die meisten Menschen ein schwarzer Tag, wie man an den mürrisch und unausgeschlafen wirkenden Gesichtern erkennen kann. In den Stationen der Underground sieht keiner den anderen an, alle drängen wie Roboter in die Züge und wieder hinaus. Und je näher der Arbeitsbeginn rückt, umso unsympathischer werden sie. Von der sprichwörtlichen Coolness und Gelassenheit der Londoner ist so gut wie nichts zu spüren. Ich ramme meine Heels in den Boden, um nicht wie ein Punchingball hin und her geschubst zu werden, während ich auf den übergroßen Highlander starre, der mich von der gegenüberliegenden Fassade überheblich angrinst. Catch the Millionaire blinkt es über seinem Kopf mit den vom Wind zerzausten rotblonden Haaren, die bis auf Kinnlänge sein markantes Gesicht umrahmen. Highland-Millionär sucht intelligentes Topmodel. Heirat nicht ausgeschlossen, steht quer über seinem Kilt geschrieben. Und zwar genau dort, wo ein Mann sein bestes Stück hat. Und seines entspricht dem Ausdruck in jeder Hinsicht.
Ich kann die Röte spüren, die mir bei diesem Gedanken in die Wangen schießt. Natürlich habe ich es nicht gesehen, aber als Kyle MacLeary in seinen engen Jeans auf einem der Stühle Platz genommen hatte, die in unserem VIP-Meetingroom stehen, hatte ich einen perfekten Blick auf das, was der schwarze Denim bedeckte. Und das nur, weil der Innenarchitekt, der die Büros des London Chronicle eingerichtet hat, auf Glasplatten steht. Kein Tisch im gesamten Gebäude schirmt das, was darunter ist, vor indiskreten Blicken ab. So konnte ich bei den hochsommerlichen Temperaturen der letzten Wochen, wenn die Füße gegen Ende eines langen Arbeitstages anschwollen, niemals die Schuhe abstreifen, um ihnen ein wenig frische Luft­ – und Schmerzlinderung – zukommen zu lassen. Und ich musste in den Endlosmeetings stets darauf achten, meine Knie ladylike zusammenzupressen, so wie die Männer ihre Hände bestenfalls auf ihren Oberschenkeln ablegen, und sie nicht – in vertrauter Geste – auf ihr bestes Stück zu legen. Womit ich wieder bei Kyle MacLeary angelangt war, der von der Hauswand süffisant auf mich herunter grinst.
Und nein. Er hatte sich nicht ein einziges Mal während des Treffens, bei denen ich für meine Chefin Mallory Evans das Profil des heiratswilligen Millionärs erstellte, ebendort berührt. Dafür hatte er mich ständig auf eine unergründliche Art angelächelt, Bemerkungen über graue Katzen und blinde Fledermäuse eingeworfen und mit einem »Tz, tz, tz« den Kopf geschüttelt, als ich nach einem Cookie gegriffen hatte, da der Lunch ausgefallen war. Seine verwaschenen blauen Augen, die weder die Farbe des Himmels noch die des Meeres hatten, waren durch die verdammte Glasplatte des Tisches hindurch auf der sanften Wölbung unter meinem Rockbund gelandet. Keine Rede, dass ich den Keks wie ein brennendes Holzscheit zurück auf den Teller hatte fallen lassen.
Mit einem Seufzer ziehe ich das Handy aus meiner Clutch, hebe es hoch, aktiviere die Kamerafunktion und mache das, wozu ich hierhergekommen bin: Ich fotografiere das Werbeplakat, auf dem in riesengroßen Lettern, zwischen den behaarten Schienbeinen des Schotten aus den Highlands, der mit nur neunundzwanzig Jahren mit Schafwolle und Whisky bereits ein riesiges Vermögen angehäuft hat, der Hashtag #CatchMillionaire und der Weblink des Projekts zu lesen sind.
»Meinst du wirklich, dass ein solcher Mann eine wie dich auch nur ansieht?« Ich höre die hohe, näselnde Stimme, noch bevor sich eine Tussi mit blauschwarzem Kurzhaarschnitt und blutrot bemalten, aufgeblasenen Lippen vor die Kameralinse schiebt. Ich senke das Handy und sehe sie entgeistert an. Mir fehlen die Worte! Mein Mund klappt auf und zu, doch nichts entweicht. Auch keine Luft, wie ich bemerkte, als sie mir zum Atmen fehlt und ich danach schnappe. Die Tussi zielt mittlerweile mit ihrem eigenen Handy auf das überlebensgroße Abbild, schießt ein Foto und stolziert auf ihren ellenlangen Storchenbeinen, die in hautengen schwarzen Leggings in Kindergröße stecken, davon. »Der gehört mir!«, ruft sie mir über die Schulter zu und deutet mit ausgestrecktem Arm auf Kyle. Ihre spitz zugefeilten rot lackierten Fingernägel wirken dabei wie die Krallen eines gefährlichen Raubtiers und die weiten Ärmel ihres durchscheinenden Kurzarmshirts wehen wie Fledermausflügel an ihrem schmalen Oberkörper.
Niemals! MacLeary ist zwar ein überheblicher Kerl, der mit seiner süffisanten Art und seinem Aussehen die Derbheit seiner Heimat widerspiegelt, aber so eine künstlich aufgemotzte Barbie an seiner Seite ist undenkbar. Obwohl ... Ein leises Lächeln umspielt meine Mundwinkel. Sollte sie sich melden – und ich gehe davon aus, dass sie es tun wird –, werde ich sie in den Kreis der drei Erlesenen hineinschmuggeln, die alle gemeinsam einen Tag mit ihm verbringen werden. Und dann werde ich mich im Hintergrund amüsieren, wenn sie und die anderen um die Gunst von Kyle buhlen und ihm dabei gehörig einheizen werden. Besser noch: Sie sollen ihn zur Weißglut bringen!
Aber zuvor muss ich den ersten Tag mit meinem neuen Chef überstehen, dem ich seit unserem zufälligen – erregenden, heißen, verwirrenden ... – Zusammentreffen erfolgreich ausgewichen war. Auch heute, als ich mit einem Aufatmen feststellte, dass seine Wohnungstür bereits ins Schloss fiel, als ich noch an meinem Kaffee nippte.

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4. Mai 2021

'Frühlingsflirt: Waterkant-Liebesroman' von Nati Gilbert

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website Nati Gilbert
Endlich treffen sich Silke und ihre drei Freundinnen nach langer Zeit wieder zu einem gemeinsamen Wochenende. Gesprächsstoff gibt es bei den Frauen genug. An erster Stelle wird über Ehemänner, Freunde, Ex-Freunde und neue Liebschaften gesprochen und natürlich gelästert. Aber auch über gutes Essen in der ‚Herzmuschel‘.

Rosemarie, eine ältere Verwandte, zieht zu ihr nach Bremerhaven in eine Senioren-WG. Und es gibt außerdem einen Einbruch, der Silke und Rosemarie Rätsel aufgibt.

Silke sehnt sich nach einem Mann an ihrer Seite und träumt von Hochzeit, Kindern und einem Walzer auf dem Wiener Opernball. Werden sich ihre Wünsche erfüllen?

Band 3 der Jahreszeiten-Reihe. Die Bücher der Jahreszeiten-Reihe sind in sich abgeschlossen. Sie können unabhängig voneinander gelesen werden. Es empfiehlt sich aber die chronologische Reihenfolge.

Anleser:
Der Wecker rappelte nun schon zum zweiten Mal. Silke Fröhlich schreckte aus ihrem Schlaf hoch. Oh, nein! Halb sieben am Montagmorgen! Uähg…! Sie gähnte lautstark, streckte ihre Arme in die Luft und wuschelte sich dann durch ihre langen, kastanienroten Haare. Grundsätzlich stand sie gerne auf, aber heute Morgen war sie einfach zu müde. Bis um halb drei in der Früh hatte sie gelesen. Sie konnte den spannenden Kriminalroman einfach nicht beiseitelegen. Der Mörder hätte auch heute noch im Buch gestanden. Aber nein! Sie musste mal wieder bis zur letzten Seite durchlesen, egal wie spät es wurde. Besser gesagt wie früh. Aber es nutzte ja nun nichts.
Aufstehen!
Sie schlüpfte in ihre weichen Schäfchenpuschen und ging zuerst in die Küche, um die Kaffeemaschine anzustellen. Anschließend ab ins Bad. Nach der Dusche würde sie sicher munter sein.
Eine gute halbe Stunde später saß sie in schwarzer Jeans und schwarzen Bluse am Frühstückstisch. Silke hatte wie jeden Tag nur ein leichtes Make-up aufgetragen. Ihre Haare trug sie heute offen. Im Geschäft würde sie wie immer ihren selbstgefertigten, exquisiten Schmuck anlegen. Mit der Zeit hatte sie herausgefunden, dass ihre Ketten am besten auf einem schwarzen Oberteil zur Geltung kamen. Sie war Goldschmiedin von Beruf und das mit Leib und Seele. Mit ihrem Kreativladen ‚Fröhliches Schmuckdesign und mehr‘ hatte sie sich vor zwei Jahren selbstständig gemacht. Silke war jetzt froh, auf ihre Freundinnen gehört zu haben, die sie darin bestärkt hatten, das Geschäft zu eröffnen. Und es lief gut. Sehr gut sogar. Mittlerweile verkaufte sie auch wesentlich mehr Schmuck als zu Anfang. Außerdem töpferte sie, häkelte, nähte und strickte tolle Mützen und Taschen, und sie restaurierte alte, antike Bilderrahmen. Sie war stolz darauf, dass sie schon viele Stammkunden hatte.
Kurz nach acht Uhr war sie am Geschäft angekommen. Sie freute sich auf einen heißen Tee, denn auch in der ersten Januarwoche war es noch ebenso lausig kalt, wie in den letzten Wochen. Sie wollte gerade die Tür aufschließen, da bemerkte sie das demolierte Schloss. Silke griff sofort zu ihrem Handy und wählte die Nummer der Polizei. Vielleicht waren die Täter noch im Laden. Sie hatte Angst, das Geschäft zu betreten. Aufgeregt lief sie vor ihrem Geschäft hin und her.
Keine zehn Minuten später trafen Beamte der Polizei ein. Na endlich!
„Moin, Sie haben uns angerufen?“, fragte der Polizist.
„Ja. Mein Name ist Silke Fröhlich und mir gehört das Geschäft. Schauen Sie, die Tür ist aufgebrochen. Ich war noch nicht drin. Vielleicht ist der Täter noch da. Ich habe echt Schiss.“
„Dann wollen wir mal, Hannes.“ Die beiden Polizisten, voran der ältere der beiden, betraten Silkes Geschäft. Nach einer Weile riefen sie nach Silke.
„Sie können jetzt reinkommen. Es ist niemand mehr da. Aber bitte nichts anfassen. Die Spurensicherung kommt gleich noch. Wir haben die schon informiert. Haben Sie bitte noch Ihren Ausweis für uns, damit wir Ihre Daten aufnehmen können?“
„Ja, klar. Dann also erst mal meine Daten. Ist ja so. Deutschland, deine Bürokratie.“ Silke verdrehte ihre Augen.
„Wie meinen?“
„Nee, ist schon gut. Ich habe nichts gesagt.“ Silke reichte ihren Ausweis an den jüngeren Beamten. Der grinste sie nur an, sagte aber nichts weiter.

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1. Mai 2021

'Reichendorf' von Änni Karl

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Die Einwohner von Reichendorf möchten nur allzu gerne wissen, wer aus ihren Reihen den Jackpot geknackt hat, bis Johannes sich als der Gewinner ausgibt, obwohl er es gar nicht ist.

Ein millionenschwerer Lottogewinn, eine große Liebe und ein ungewöhnlicher Plan, der dahintersteckt.

Anleser:
Ich denke nicht oft an die Momente zurück oder an den Tag, an dem alles begann und der dafür sorgte, dass mein Leben eine unvorhersehbare Wendung nahm. Dabei liegen mittlerweile so viele Jahre dazwischen. Zeit, in der einiges passiert ist und die Bilder von damals verblassen wie ein Relikt eines längst vergangenen Lebens. Nach und nach schmelzen sie dahin wie ein riesiger Eisblock in der Sonne. Der Mensch, der ich damals gewesen bin, ist mir heute fremd.
Ich schüttele den Kopf, schiebe meine Gedanken beiseite und widme mich meiner Arbeit.
Vor zehn Jahren habe ich den Jackpot geknackt. Jedenfalls glauben das alle. Bis heute. Doch in Wirklichkeit war alles ganz anders!

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30. April 2021

'Die Liebe des Schicksalsschreibers' von Gabriele Popma

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website | Autorenseite
Gibt es ein Schicksal? Sind im Himmel Engel rund um die Uhr damit beschäftigt, das Schicksal der Menschen zu lenken? Und was geschieht, wenn einer von ihnen auf die Erde kommt, um das Leben einiger Personen gründlich durcheinanderzuwirbeln?

Er ist Schicksalsschreiber und will nicht mehr für Menschen in Kriegsgebieten eingesetzt werden. Als ihm angeboten wird, den Körper eines soeben verstorbenen Unfallopfers zu übernehmen, um das Leben auf der Erde kennenzulernen, sagt er ohne Zögern zu. Doch dann holt ihn, den Schicksalsschreiber, selbst das Schicksal ein. Nicht nur das seines neuen Körpers, sondern auch sein eigenes, von dem er nicht wusste, dass er es je hatte. Und dann erinnert er sich an ein Mädchen …

Eine Geschichte über Schicksal, himmlische Pläne und eine Liebe, die den Tod überdauert.

Anleser:
Gleich würde es passieren. Er wusste, was kommen würde. In wenigen Sekunden würde der kleine Junge, der fröhlich hinter seinem Ball herlief, die Tretmine erreichen. Warum war das Schicksal nur so grausam und warum war er einer von denen, die es durchsetzen musste? Als die Mine explodierte, verursachte es ihm beinahe körperliche Schmerzen, obwohl das unmöglich war. Gerade hatte er ein Leben ausgelöscht. Ein Leben, das eben erst begonnen hatte. Für ein paar Momente war dieser kleine Junge glücklich gewesen. Selbstvergessen hatte er mit seinem Ball gespielt, ohne an den Krieg zu denken, der um ihn herum tobte. Das Spiel hatte ein abruptes Ende gefunden, genauso wie seine Existenz, als er auf die Mine ge-treten war. Wenigstens hatte das Kind nicht leiden müssen. Doch welchen Schmerz hatte er damit über dessen Eltern gebracht? Zumindest war ihr Kummer nicht von langer Dauer, denn der Plan sah vor, dass sie beide noch am selben Tag bei einem Angriff der Rebellen den Tod finden würden. Blieb die Frage, was mit ihrer kleinen Tochter geschehen sollte. Sie war gera-de mal zwei Jahre alt. Sollte sich das Schicksal gnädig erweisen und sie am Leben lassen? War es gnädig, in diesem Gebiet als Waise aufzuwachsen? Oder war es weitaus gnädiger, wenn sie ebenfalls den Tod fand? Immerhin musste er sich an den Plan halten.
Er hasste diese Gedanken. Er hasste diesen Job. Er hasste einfach alles daran.
Wieso war er ständig nur im Kriegsgebiet eingesetzt, wo er die Menschen täglich tödlichen Gefahren aussetzen musste? Er wusste gar nicht, wie lange das bereits seine Aufgabe war. Es fühlte sich an wie eine Ewigkeit. Vermutlich war es das sogar. Natürlich durfte er auch für bessere Schicksale verantwortlich sein. Wie etwa für das Mädchen, das haarscharf an einer Mine vorbeilief und nie wissen würde, wie nah es einer Katastrophe gekommen war. Oder das junge Paar, das sich beim Aufräumen der Trümmer begegnet war und sich sofort inei-nander verliebt hatte. Sie hatten den Entschluss gefasst, gemeinsam aus der gefährdeten Gegend zu fliehen, und er hatte beschlossen, sie unbehelligt ziehen zu lassen. Wenigstens diese jungen Menschen sollten ihr Glück finden.
Er machte sich auf die Suche nach seinem Boss. Hoffentlich traf er ihn in guter Stimmung an.
»Nanu, was willst du denn hier?«
»Ich ... ich ...« Er fasste sich ein Herz. »Ich möchte ein anderes Einsatzgebiet.«
»So so. Und warum?«
»Ich will nicht immer nur für das Schicksal von Menschen verantwortlich sein, die in Kriegsgebieten leben.«
»Aber die Menschen haben nun mal Krieg. Jedes Schicksal muss geschrieben werden.«
»Das weiß ich. Aber es geht mir an die Nieren, ständig Tod und Schmerz zu verbreiten.«
»An die Nieren? Ich wusste gar nicht, dass du welche hast.«
Sein Chef nahm ihn nicht ernst. Sollten sich Engel wirklich über ihresgleichen lustig ma-chen dürfen? Nun ja, vermutlich konnte auch der oberste Schicksalsengel sein Los nur mit Humor ertragen.
»Kann ich nicht einfach einen Personenkreis haben, dem es gut geht?«
»Den gibt es nicht.«
»Du weißt, was ich meine. Normale Menschen, die nicht täglich vom Krieg bedroht sind, sondern sich nur mit ihren ganz gewöhnlichen Problemen herumschlagen müssen.«
»Und welchen deiner Kollegen soll ich abziehen und ihm deine Aufgabe zuweisen?«
Er seufzte. »Am liebsten würde ich gar kein Schicksalsschreiber sein«, murmelte er.
»Und was willst du dann?« Sein Chef musterte ihn ernst.
»Ich weiß nicht.« Sollte er wirklich mit seinem Wunsch herausrücken? Vielleicht war jetzt seine Chance. »Ich würde gern mal auf die Erde gehen.«
»So, auf die Erde.«
»Ja, ich meine, ich schreibe das Schicksal der Menschen, aber ich war noch nie dort. Ich würde sehr gerne persönliche Erfahrungen sammeln.«
»Und wie stellst du dir das vor?«
»Ich weiß nicht.« Sein frisch gefasster Mut verließ ihn. Vermutlich war es gar nicht mög-lich, dass ein gewöhnlicher Schicksalsschreiber auf die Erde durfte. Er war ja nicht einmal ein Schutzengel.
»Als was möchtest du denn auf die Erde?« Da war er wieder, dieser listige Unterton.
»Als Mensch.« War das nicht klar?
»Als Mann oder als Frau?«
Die Frage brachte ihn aus dem Konzept. »Als Mann«, sagte er nach einigen Momenten. Das kam seinen Gefühlen am nächsten.
»Gut. Deine Bitte sei dir gewährt. Zumindest für eine beschränkte Zeit.«
»Wirklich?« Er konnte es gar nicht glauben. »Und was ist mit meiner Arbeit hier?«
»Es gibt immer Neuanwärter, die eine Aufgabe brauchen. Also wie ist es? Da ist ein Unfall-opfer, dessen Körper du übernehmen könntest.«
»Einen Körper übernehmen?«
»Wie hast du es dir sonst vorgestellt? Als neue Seele auf die Welt zu kommen?«
»Nein.« Ehrlich gesagt hatte er sich gar nichts vorgestellt. Aber ein Unfallopfer?
»Die Seele wird bereits abgeholt. Du musst dich schnell entscheiden, sonst ist der Körper tabu.«
»Ich mache es. Danke.«

Lange Leseprobe

29. April 2021

'Schicksalspfad des Tempelritters - Band 1: Dedericus' von Olivièr Declear

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
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Anno Domini 1225 liegen weite Gebiete Europas in Schutt und Asche, bluten aus im gnadenlosen Krieg um Macht und Religion. Inmitten der Schlachten und Ränkespiele kämpft der junge Tempelritter Dedericus de Loen seinen eigenen Kampf, hin- und hergerissen zwischen Ordenspflicht, Liebe, Glaube und Zweifeln ...

Lesermeinung: Je länger man liest, desto mehr Spannung kommt auf, ohne dass sie nochmal abreißt. Die begleitende Vermittlung historischer Informationen fand ich sehr gut.

Anleser:
Nichts wies an diesem Tage im Jahre des Herrn 1225 auf das drohende Unheil hin. Sicher, vom Isenberg kommt nur der Teufel, sagte das Volk. Schon in seiner Kindheit lauschte Dedericus mit Schaudern den Geschichten über derer von Isenberg, die sich die Mägde in der Küche erzählten.
Der Teufel tanze des Nachts im Mondenschein um deren Burg. Werwölfe und Hexen raubten den Dörfern um diesen Schreckensort die Kinder und Mägde.
Die Geister der verlorenen Seelen hörte man des Nachts in den Wäldern heulen und jammern.
Aber nicht der Teufel, nicht Hexen und Werwölfe kamen mit dem Isenberg, er kam mit Feuer und Schwert über ihre Burg.
Ramus de Loen eilte auf den Turm und rief die wenigen Männer zur Verteidigung. Sein Sohn, Dedericus, bekam die Aufgabe, die Frauen und Kinder im Turm zu sammeln und zur Ruhe zu bewegen.
In kurzer Zeit stand alles in Flammen, auch der Turm konnte nicht vor den geworfenen Fackeln und den Brandpfeilen der Isenberger Mannen behütet werden.
Der Rauch biss unerträglich in den Augen und die Hitze der brennenden Bodenbohlen auf den Etagen kam immer näher. Das Bersten der Tragbalken und die einstürzenden Böden stoben Kaskaden von Funken immer tiefer in den Turm hinein.
Die Männer bemühten sich vergeblich, die brennenden Etagen zu löschen und zogen sich in ihrem Kampf immer weiter in die Tiefe des Turmes zurück.
Ein Balken des letzten Bodens stürzte brennend auf Dedericus Schwester. Mit einem Aufschrei des Entsetzens stürzte die Gräfin De Loen durch den beißenden Rauch und Funkenregen in die Flammen des brennenden Balkens, um ihr Kind zu retten.
Sie spürte nicht, wie die heiße Asche ihre Kleidung und Haut umfing. Ignorierte den Schmerz der Glut unter ihren Knien.
Dedericus sah die Männer seines Vaters den Balken von dem zerschmetterten Körper zerren, während sein Vater die brennenden Kleider seiner Mutter mit seinem Umhang zu löschen suchte.
Dieses unglaubliche Inferno um ihn herum, das Schreien, Weinen, die Gluthitze der Flammen, umgeben von Rauch und Funkenflug, ließ ihn erstarren. Das Geschehen schien ihm wie ein schrecklicher Traum, nicht wahrnehmend, dass dieser Albtraum in den Tag entsprungen war.
Der harte Griff eines Mannes erfasste seinen rechten Arm und zog Dedericus durch das Inferno. Er folgte ohne Willen und Verstehen. Dem Schock des Entsetzens ergeben.
Der junge De Loen sah, wie er in den schmalen Einstieg des Fluchtganges des Turmes gezerrt wurde, wie Knechte an ihm vorbei stürmten, um die schweren Eichenflügel des Durchganges zu versperren.
Immer tiefer wurde er in die Finsternis des Ganges gezogen. Dedericus vernahm, wie sein Vater den Befehl gab, die Stützpfeiler vor dem Gang einzubrechen. Sah Männer in der Dunkelheit verschwinden und hörte die dumpfen Schläge von Hämmern auf das schwere Holz des Gebälks.
Das Bersten der Stützen und das Geräusch des einstürzenden Ganges ließen den Boden unter seinen Füßen erbeben.
Als die Flüchtenden von dem Staub des eingestürzten Erdreiches erreicht wurden, kam erneut Leben in den Körper des jungen Mannes.
Mit einem heftigen Ruck befreite sich Dedericus von dem schmerzenden, eisernen Griff des Mannes, der ihn durch den Tunnel zog.
Mit raschem Schritt folgte er dem kaum vorhandenen Schein einer fast erloschenen Fackel. Es erschien Dedericus wie eine Unendlichkeit, bis sie zum Ausgang des Fluchtweges gelangten.
Einige der Männer hoben in schier übermenschlicher Anstrengung die schweren Bretter über ihren Köpfen, welche von dickem Erdreich bedeckt waren, aus ihren Fugen.
Von außen war der Ausgang nicht vom restlichen Waldboden zu unterscheiden.
Als die Abdeckung aufgestoßen war, stiegen die Fliehenden über die rutschigen, unebenen Stufen hinauf in den Wald, nahe dem Hellweg.

Blick ins Buch (Leseprobe)

27. April 2021

'Biss zum Tod' von Janette John

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
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»Nicht das Geld verdirbt den Charakter, sondern die Gier.« Janette John

Wenn DU etwas besitzt, lass andere daran teilhaben,
erst dann macht es DICH glücklich.


Seit Jahren stehen in Konstanz drei Villen leer. Sie befinden sich in bester Lage direkt am See. Hundebesitzer nutzen ihre verwilderten Gärten heimlich zum Gassigehen und Liebespärchen für einen Unterschlupf. In unmittelbarer Nähe steht das Anwesen von Baronin van den Veert, die der Bridgegruppe von Charlotte Kaufmann und Maria Schulz angehört.

Als die Adlige immer wieder seltsame Anrufe erhält, werden die Hobbydetektivinnen hellhörig und beginnen, auf eigene Faust zu ermitteln. Dass ihre Neugier zu Spekulanten führt, ist ihnen nicht bewusst, genauso wenig, dass der Leerstand der Häuser nur einem Zweck dient und ebenso eine blutrünstige Spur nach sich zieht.

Biss zum Tod – Wenn ein Leben nichts zählt.
Der 15. Fall der Kripo Bodensee.

Anleser:
»Ich hoffe, ich mache das Richtige.«
Er sah sie an und blinzelte mit mandelbraunen Augen, die ihr signalisierten, dass sie es wohl tat. Seine gebräunte Hand hatte er längst auf die ihre gelegt, welche mit Altersflecken übersät war. »Das tust du, meine Liebe, das tust du.« Er zwinkerte ihr zuversichtlich zu, nickte und presste die Lippen zu einem wohlgefälligen Lächeln. Sogleich vernahm er das Kratzen ihres Füllfederhalters, den sie zitternd über das Dokument führte.
»Geschafft.« Sie atmete ruhig, während sich sein Blick verfinsterte. »Was ist mit dir? Jetzt hast du, was du wolltest. Endlich wird Konstanz ein neues …« Doch der Satz erstarb und die Tasse, aus der sie soeben einen Schluck Kaffee getrunken hatte, fiel auf den Tisch, genau wie ihr Kopf.
Er sah auf die Uhr. Zwanzig Minuten musste er warten, bevor er ging. Zwanzig Minuten, in denen er sie in ihr Schlafzimmer bringen würde, die Kleidung auszöge, um ihr dann ein Nachthemd überzuziehen. Die Seniorin war nicht schwer, eigentlich ganz leicht, weil sie zeit ihres Lebens auf die Figur geachtet hatte, was ihm jetzt zugutekam.
Er musste ausharren. Heute, das wusste er, käme niemand mehr zu Besuch. Erst am nächsten Morgen würde die Putzfrau erscheinen. Bis dahin war er über alle Berge. Er griff zum Handy, entsperrte es und tippte nur wenige Worte auf das Display, um es dann zurück in die Tasche zu stecken. Von nun an hieß es Geduld haben, Zeit vergehen lassen und sich seinem anderen Opfer widmen, das eine Haustür entfernt von hier wohnte.

Am nächsten Morgen
Nadja hatte den Arzt gerufen. Schon vor einer halben Stunde. Sie kannte seine Nummer, weil Frau Schottmüller ihn auf einen Zettel geschrieben hatte, welcher gut sichtbar an der kleinen Infotafel hing. Die alte Dame hatte immer wieder über Schmerzen geklagt, sodass sie beruhigt war, wenn die Angestellten Kenntnis davon hatten, wie der Arzt zu verständigen war.
Die russischstämmige Putzfrau sah auf die Uhr. Wann kam er nur? Sie empfand die Gegenwart einer Toten, wenngleich sie diese kannte, als unangenehm. Zu gehen, kam ihr nicht in den Sinn, obwohl sie unentwegt daran dachte. Sie betrachtete Frau Schottmüller, die im Bett lag und den Eindruck vermittelte, als würde sie schlafen. Dass es nicht so war, davon hatte sich Nadja längst ein Bild gemacht, indem sie den Puls gefühlt hatte. Sie hatte den Arzt angerufen, der seit geschlagenen vierzig Minuten auf sich warten ließ.
Es war still, lediglich das Ticken der Uhr war zu hören.
Tack, tack, tack.
Normalerweise achtete Nadja nie auf das Geräusch, nur jetzt bekam sie den Eindruck, als würde es sich in ihr Gedächtnis brennen, genau wie die Tote neben ihr. Sie erledigte bloß ihre Arbeit. Doch in Anbetracht einer Leiche wollte ihr die Routine nicht von der Hand gehen. Putzen konnte sie ohnehin nicht. Für einen kurzen Augenblick dachte Nadja an Mord. Immerhin hatte sie viele Krimis gesehen, in denen man reichen Ladys an den Kragen ging. Nur wieso Frau Schottmüller? Sie hatte keine Kinder und mit der Verwandtschaft, so hatte ihr die alte Dame im Vertrauen erzählt, sah es nicht rosig aus. Einen Bruder gäbe es, zu dem sie nie Kontakt gehabt hatte. Und jetzt lag sie tot neben ihr. Schließlich war ihre Arbeitgeberin recht betagt und hatte ihren fünfundachtzigsten Geburtstag unlängst gefeiert. Ein gutes Alter, um dem Tod ins Auge zu blicken. Wo zum Teufel blieb der verdammte Arzt? Nadja hatte noch woanders zu putzen und sollte längst dort eingetroffen sein.
Als es klingelte, zuckte sie zusammen. Sie lief zur Tür und ließ den Herrn mit grau meliertem Haar und Brille eintreten.
»Guten Tag«, gab sie sich Mühe, höflich zu sein, obschon sie ihm gerne etwas anderes gewünscht hätte. »Kommen Sie!« Sie ging voran. Er folgte ihr. »Ich habe Frau Schottmüller heute Morgen so vorgefunden«, versuchte sich Nadja, sofort in gebrochenem Deutsch zu verteidigen.
»Ja ja, schon gut«, tat der Arzt ihre Unsicherheit ab und betrat das Schlafzimmer der Seniorin, deren Erscheinung sein erstes Resümee abforderte. »Sie wirkt sehr entspannt. Augenscheinlich ist hier alles in bester Ordnung. Lassen Sie uns bitte einen Moment alleine«, was dazu führte, dass Nadja das Zimmer verließ und die folgende halbe Stunde wie auf heißen Kohlen in der Küche ausharrte. Dass sie sich eine Zigarette angezündet hatte, bemerkte sie erst, als sie der Arzt darauf hinwies und ebenso sagte: »Ich kann Sie beruhigen, Frau Schottmüller ist dem Herrgott in aller Seelenruhe gegenübergetreten.«<
»Das ist gut. Ich geh dann jetzt, hab noch Termine.«
»Ja, tun Sie das. Ich verständige das Beerdigungsinstitut. Gibt es jemand, der sich um die Beerdigung kümmern kann? Kinder, Freunde? Einen Ehemann gab es nicht, oder?«
»Nein, sie wohnte alleine. Ich lasse Ihnen den Schlüssel da. Ich schaue nachher noch mal rein. Für den Fall, dass Sie mich sprechen wollen, hier ist meine Handynummer.« Nadja schrieb sie auf einen Zettel und verließ das Haus.

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