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18. Juni 2021

'Nordseeglück: Die Trilogie in einem Band' von Frida Luise Sommerkorn

Kindle | Tolino
Website | Autorenseite
Alle drei Teile der Nordseeglückreihe jetzt in einem Band:

Insel wider Willen
Als Sibille mit ihrer Tochter Tuuli und ihrem Stiefvater Peter die Insel betritt, möchte sie am liebsten sofort wieder umkehren. Hat sie Langeoog doch vor langer Zeit verlassen und nie wieder zurückkommen wollen. Doch nun ist Oma Greta gestorben und Sibille will das Haus so schnell wie möglich verkaufen, das einst ihr Zuhause war. Niemals hat sie damit gerechnet, dass Oma Greta noch überall präsent scheint und auch die Insel hat nichts von ihrer magischen Anziehungskraft von damals verloren. Und dann ist da noch Morten, der Nachbarsjunge von damals, der ihr Herz zum Schwingen bringt. Wohin mit diesen ganzen Gefühlen? Doch gerade als sie die Lösung all ihrer Probleme sieht, begegnet sie dem einzigen Menschen, der alles wieder ins Wanken bringt.

Träume sind wie Wellen
Kaum haben sich Sibille, ihre Tochter Tuuli und ihr Stiefvater Peter auf Langeoog eingelebt, tauchen die ersten Probleme auf. Sibille braucht einen Job, Tuulis Lust auf die neue Schule hält sich in Grenzen und Piets Verwandlung in einen verantwortungsbewussten Mann ist kaum auszuhalten. Und dann ist da noch Rune, Tuulis Vater und der Mensch, den Sibille niemals wieder hatte sehen wollen, doch der wie selbstverständlich die Beziehung von damals aufleben lässt. Und natürlich Morten, den Sibille nicht so einfach vergessen kann. Das alles tritt jedoch in den Hintergrund, als Tuulis erste große Liebe zu scheitern droht und sie plötzlich verschwunden scheint. Können Sibille und Rune ihrer Tochter helfen, obwohl sie Teil des Unglücks sind? Und warum verhält sich Piet plötzlich so eigenartig und treibt damit alle in den Wahnsinn?

Liebe dank Turbulenzen
Dass Piet sich in seinem Alter noch mit Herzschmerzen in Sachen Liebe rumschlagen muss, hätte er nie gedacht. Tuuli schließt sich gemeinsam mit Simon einer Umweltorganisation an, bei der es unter anderem um den Schutz ihrer neuen Heimat geht. Als dann ein heftiges Sturmtief auf Langeoog zurollt, geraten die beiden in eine gefährliche Rettungsaktion. Nur Sibille scheint nicht auf ihrer Insel ankommen zu können. Zwar läuft der Job und ihrer Familie geht es gut, aber die Liebe fährt Achterbahn. Warum kann sie sich nicht endgültig auf Rune einlassen? Und wer ist die Frau, die Morten so verliebt umgarnt? Erst ein drohendes Unglück lässt sie die Wahrheit erkennen. Doch ist es für eine Umkehr nicht schon längst zu spät?

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Anleser:
Aus: 'Insel wider Willen: Nordseeglück 1'
„Ich hab hier überhaupt kein Netz“, motzte Tuuli und hielt ihre Hand nebst Smartphone in die Luft, als ob es dort besser werden würde.
Wenn sie nicht aufpasste, würde das Ding gleich im Wasser landen, dachte Sibille. Auf solche Gefühlsausbrüche ihrer Tochter ging sie schon lange nicht mehr ein. Schließlich war es ihrer Meinung nach nicht so schlimm, wenn ihre Freundinnen die furchtbar wichtigen Nachrichten ein paar Minuten später erhielten. Spätestens am Hafen würde Tuuli wieder Empfang haben.
„Ich hole mir eine Wurst“, verkündete jetzt Sibilles Stiefvater. „Will noch jemand was?“
Sibille schüttelte den Kopf. Peter sah Tuuli an, aber die reagierte nicht. Achselzuckend machte er sich auf den Weg und kam kurz darauf mit einem Paar Wiener und einer Flasche Bier zurück.
„Peter, wir sind nicht stundenlang unterwegs“, sagte Sibille schmunzelnd. Sie hätte es sich denken können, dass der Hopfensaft nicht fehlen durfte. Peter war ein Genussmensch. Und wenn er sich hier auf der Fähre eine Wurst gönnte, dann gehörte das Bier eben dazu.
Sibille sah aus dem Fenster. Passend zu ihrer Stimmung lag die See in trübem Licht. Sie hatte ihre Tochter damit locken können, dass ein Kurzurlaub am Meer doch reizvoll sein konnte. Strahlender Sonnenschein, salziges Wasser, das in leichten Wellen heranrollte, wenn sie an der Wasserkante saß und den Weitblick über das Meer genoss. Bei so viel Pathetik hatte sogar Tuuli grinsen müssen. Natürlich hatte sie ihrer Tochter nicht sagen wollen, dass an einem Nordseestrand kein Südseefeeling aufkommen würde. So viel Wissen traute sie ihr zu. Aber nachdem sie heimlich Tuulis Reisetasche überflogen hatte, war sie sich nicht mehr so sicher. Schnell hatte sie ein paar von Tuulis Pullis und die Regenjacke in ihren eigenen Koffer gepackt. Auch wenn Tuuli diese nur unter Protest anziehen würde. Besser das Meckern ertragen, als das Kind frieren sehen.
Sibille schluckte. Den Kloß, den sie seit Tagen im Magen verspürte, versuchte sie zu ignorieren. Aber bald würden sie am Hafen von Langeoog anlegen und dann musste sie sich dem Ganzen stellen.
Sie konnte noch immer nicht fassen, dass Oma Greta tot war. Ihr Nachbar Herbert hatte sie vermeintlich schlafend auf dem Sofa gefunden. Die beiden waren unzertrennlich, seitdem Opa Gustav gestorben war. Das war schon fast zwanzig Jahre her. Und nun hatte es Oma Greta getroffen. Obwohl es überhaupt keinen Grund gab. Sie war fit, ging jeden Tag im Meer schwimmen. Selbst bei kalten Temperaturen. Nur wenn sich allmählich Eis bilden wollte, hielt Herbert sie zurück und überredete sie jedes Mal zu einem ausgiebigen Spaziergang mit Einkehr in der Bäckerei, um einen Kaffee zu genießen. Aber ihr Herz war einfach stehen geblieben.
Nun war sie die älteste der Lüders-Frauen. Ihre Mutter war vor sechs Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Ihren Vater hatte sie nie gekannt. Peter, ihr Stiefvater, lebte schon lange bei ihnen in einem Vorort von Mainz. Sie hatten vor einigen Jahren gemeinsam einen Dreiseitenhof gemietet und Sibille hatte daraus ein idyllisches Zuhause gezaubert. Da ihre Mutter beruflich bedingt viel unterwegs gewesen war, lebten sie die meiste Zeit zu dritt zusammen: Peter, Tuuli und sie. Was für ein Gespann.

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17. Juni 2021

'Nebelmönche' von Sabine Lettau

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Sabine Lettau auf Facebook
Legenden haben einen wahren Kern. Und der kann lebensgefährlich sein …

Luise hält es in ihrem Job nicht mehr aus. Da kommt das Erbe ihres Onkels gerade recht. Doch das ist an eine Bedingung geknüpft: Sie soll für die Stiftung auf seiner Burg arbeiten.

Einmal dort angekommen, verliebt sich Luise in das alte Gemäuer und die Landschaft. Es ist, als lebe sie in einem Märchen! Dann ist da noch der Technikchef Tilman.

Aber überall trifft sie auf Verbote: Nicht zum See, nicht zu den Klosterruinen! Was verbirgt sich hinter der Legende um die Nebelmönche? Ein Alter aus dem Dorf warnt sie eindringlich vor ihren Nachforschungen. Als sie dem Rätsel um den Tod ihrer Tante Estella auf die Spur kommt und die Verwaltungsleiterin tot aufgefunden wird, ahnt Luise, dass mehr dahinter steckt …

Anleser:
Luise starrte auf den See, der sanft vom Mond beleuchtet wurde. Eine dicke Nebelwolke schwebte darüber. Sie wirkte lebendig, kroch weiter auf das Ufer zu, griff nach der Wiese. Luise fühlte Druck in ihrer Brust. Sie legte die Hand auf ihren Brustkorb und atmete tief ein und aus, spähte zum Wald.
Über den Bäumen bewegte sich etwas. Oder bildete sie sich das ein? Es war schon dunkel. Der Rabe? Dafür war der Schatten zu groß. Irgendetwas an dem Wald zog sie magisch an und hielt sie gleichzeitig auf Distanz. Da, wieder der Schatten! Er stieg höher und senkte sich in einer wellenförmigen Bewegung zum Wald hinab. Sie lauschte. Die Stille war unheimlich.
Ein Luftzug streifte sie. Sie vernahm einen Flügelschlag in ihrer Nähe und wich vom Fenster zurück, als das Rabenpaar nur knapp an ihr vorbeiglitt. Die Vögel flogen über den Park Richtung Wald. Zu dem Schatten! ...
Alle ihre Sinne waren auf das da draußen fokussiert. Plötzlich ertönte ein tiefes „Krack, krack, krack“. Wie auf Befehl stieg der Schatten über dem Wald auf. Er bewegte sich auf die Wolke über dem See zu. Luise konnte nun erkennen, dass es ein Vogelschwarm war. Sie tanzten über dem Dunst, umkreisten sich, stürzten hinab, stiegen wieder empor. Dann flogen die Vögel mitten in den Nebel hinein.

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16. Juni 2021

'Naglfar: Das Schiff der toten Götter' von Mikael Lundt

Kindle (unlimited)
Website | Autorenseite
Auf der arktischen Inselgruppe Svalbard machen Minenarbeiter eine unheilvolle Entdeckung. In einer Höhle stoßen sie auf mysteriöse Felszeichnungen und ein uraltes Schiff. Als einer der Männer es berührt, läuft er wie im Wahn Amok und tötet mehrere Arbeiter.

Ein internationales Forscherteam soll nun ergründen, was es mit dem Artefakt auf sich hat. Doch die Zwischenfälle nehmen kein Ende. Die Archäologin Anika Wahlgren wird hinzugezogen, um das Rätsel zu lüften. Bald wird klar, in dem Schiff steckt weit mehr als gedacht. Und seine geheimnisvollen Kräfte wecken Begehrlichkeiten. Längst sind die Forscher nicht mehr die Einzigen, die seinem Geheimnis hinterherjagen und dabei sogar über Leichen gehen.

Ein packendes Abenteuer im ewigen Eis, das die nordische Mythologie in einem ganz neuen Licht erscheinen lässt.

Anleser:
Bergbaukomplex Svea II, Spitzbergen, Norwegen,
1.400 Kilometer nördlich des Polarkreises
19. August


Der Rauch der letzten Explosion hatte sich verzogen. Nur ein fauler Geruch hing noch in der Luft – wie eine Mischung aus Ammoniak und verbranntem Papier. Wassili Petrov trat in den Stollen und knipste seine Stirnlampe an. Er winkte seinem Kollegen Leif Gulbrandsen, ihm nachzukommen. Dann schaltete er die an seinem Overall befestigte Bodycam ein und startete die Aufzeichnung. Er hörte, wie Gulbrandsen hinter ihm das Handfunkgerät vom Gürtel nahm und Meldung machte.
„Wir gehen rein“, sagte er knapp und ließ die Sprechtaste mit einem Knacken wieder los.
Der Stollen vor ihnen schien stabil und weitgehend frei von grobem Geröll. Petrov war immer noch erstaunt über die Präzision der Sprengung. Der neue Emulsionssprengstoff Fluktan C hatte den Grad der Perfektion noch einmal deutlich gesteigert. Er verursachte 40 Prozent weniger Rauch und Staub, konnte auf ein Zehntelgramm genau dosiert werden und er ließ sich im Mischungsverhältnis individuell auf das zu sprengende Gestein abstimmen. Petrov wusste, die Geologie Svalbards war äußerst vielfältig, es gab Granit, Gneis, Schiefer, Sandstein und Lava in den merkwürdigsten Kombinationen. Da war es eine bedeutende Erleichterung, wenn man flexibel sprengen konnte. Und es funktionierte, sie kamen schneller voran denn je. Der Bergbau hier am nördlichsten Zipfel Norwegens, auf der arktischen Inselgruppe Svalbard, war ohnehin schon aufwändig genug. Da musste das Material einwandfrei sein, sonst wurde es schnell mühsam. Und nach Gold zu schürfen war etwas anderes, als nach Kohle zu graben, wie man es früher hier intensiv getan hatte.
Petrov schritt bis ans Ende des zuletzt gegrabenen Stollens und begutachtete das Loch, das nun im Fels klaffte. „Das ist ja merkwürdig“, brummte er und steckte den Kopf hinein. Es war nicht viel zu erkennen, aber offenbar lag eine große Höhle jenseits des Loches. Das war nicht das, was sie erwartet hatten. Aber das hieß nicht, dass es weniger interessant war.
Gulbrandsen trat mit einer leistungsstarken Handlampe an seine Seite. Die gegenüberliegende Höhlenwand wurde sichtbar. „Das ist aber keine Mine“, stellte er fest.
„Nein, schau mal da drüben!“ Petrov deutete auf Ritzungen im Fels, die sich über einen großen Teil der Wand erstreckten. „Das sieht aus wie Höhlenmalerei oder so etwas.“
Gulbrandsen griff wieder zum Funkgerät. „Hier ist ne Höhle“, sagte er knapp.
Petrov schüttelte den Kopf. Der Kerl war sogar für einen Nordnorweger erstaunlich wortkarg.
Aus dem Funkgerät drangen Rauschen und Knistern. Dann ein abgehackter Funkspruch. „Wiederholen. Höhle?“
„Hier ist ne Höhle“, sagte Gulbrandsen stoisch und ließ die Sprechtaste wieder los.
Petrov warf ihm einen skeptischen Blick zu.
Gulbrandsen drückte noch einmal die Sprechtaste. „Da sind Zeichnungen. Wir schauen sie uns an.“
Petrov nickte. „Geht doch. Jetzt komm, wir gehen mal rein und suchen die Höhle ab.“ Er trat durch das Loch und Gulbrandsen folgte ihm mit dem Scheinwerfer.
Die Höhle war unzweifelhaft natürlichen Ursprungs. Es gab keine Spuren von Grabwerkzeugen, Bohrern oder Sprengungen. Petrov kannte sich mit Geologie aus, er war kein einfacher Bergmann, er hatte eine Ausbildung als Erkundungsspezialist. Dieses Gestein war ursprünglich, unberührt. Bis auf die Felsbilder an der Wand. Sie waren eindeutig in den Fels geritzt. In den Vertiefungen war ein Rest rötlicher Farbe zu erkennen. Die Bilder mussten uralt sein, womöglich tausende Jahre. Petrov hatte schon ähnliche Bilder gesehen, man fand sie in Schweden und Norwegen an vielen Orten, meist im Süden. Doch diese Bilder hier schienen noch im Urzustand zu sein. Waren er und der dröge Kollege Gulbrandsen die ersten Menschen, die sie seit Jahrtausenden zu Gesicht bekamen?
„Was ist denn jetzt?“, maulte Gulbrandsen und wedelte mit dem Scheinwerfer in der Hand. „Machen wir Mittag?“
Petrov wandte sich von den Ritzungen ab, die offenbar Szenen altnordischer Mythologie zeigten, und sah seinen Kollegen gnädig an. „Ja, gleich. Ich will noch da rüber.“ Er zeigte auf einen Stollen links der Wand mit den Ritzungen. „Da geht ein Gang ab, den will ich mir ansehen. Gib mir mal die Funke.“
Gulbrandsen stieß ein unwilliges Grunzen aus, übergab das Handfunkgerät und und trottete hinter Petrov her.
„Hier Petrov, wir haben eine Höhle mit alten Felszeichnungen entdeckt und erkunden jetzt einen weiteren natürlichen Stollen, der von der Höhle wegführt. Ich melde mich gleich mit Einzelheiten.“ Er ließ die Taste los und wartete auf eine Bestätigung. Doch es drang nur Zischen und Rauschen aus dem Lautsprecher des Geräts. „Vermutlich ist etwas im Gestein, das die Signale stört. Wir sollten später Funkverstärker aufbauen.“
„Jo“, sagte Gulbrandsen und nahm das Funkgerät wieder an sich.
„Okay, dann schauen wir mal, was dort hinten ist. Schließlich sind wir immer noch der Erkundungstrupp. Willst du mit der Lampe vorgehen?“
Gulbrandsen zuckte mit den Schultern und ging stumm an Petrov vorbei.
Der Stollen war etwas zu niedrig, um darin aufrecht gehen zu können, aber hoch genug, um nicht kriechen zu müssen. Ein kalter Hauch kam ihnen entgegen, es war deutlich kühler als in der großen Höhle. Der Stollen führte leicht bergan und es gab praktisch keine größeren Abzweigungen, nur einige Ausbuchtungen links und rechts des Gangs. Daher erübrigte es sich, Markierungen auf dem Weg zu setzten.
Nach etwa 50 Metern fiel der Weg wieder leicht bergab und sie bemerkten zunehmend Eis, das Wände und Boden bedeckte.

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15. Juni 2021

'Truckerglück' von Sylvia Filz und Sigrid Konopatzki

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website | Autorenseite
Dreams and Love 2

Amy arbeitet nun bereits seit einiger Zeit im Old Roadhouse. Nur mit den Gefühlen ist das so eine Sache. Immer, wenn sie glaubt, Joes Liebe gewonnen zu haben, flutscht er ihr wie ein Stück Seife durch die Hände – und sie fühlt sich wieder auf den Anfang zurückkatapultiert. Sie setzt sich eine Deadline, nicht wissend, dass Oma Lina im Geheimen zu ihren Gunsten taktiert.

Tessa hingegen hat ihr Ziel unerschütterlich im Auge. Mit Bravour meistert sie den Lkw-Führerschein und ergattert glücklich ihren ersten Job als Truckerin. Außerdem genießt sie ihre junge Liebe zu Liam. Leider türmen sich leise und unerkannt dunkle Wolken am siebten Himmel auf.

Toto wird im Roadhouse als lästiges Übel angesehen und niemand hat auch nur die leiseste Ahnung von seinem perfiden Plan. So kommt es zu einem schrecklichen Vorfall.

Anleser:
»Mmh, es duftet so was von gut!« Erwartungsfroh und mit glänzenden Augen bückte sich Amy, um in Oma Linas Ofen zu linsen.
»Ja, frische Hefe, soeben geerntete Johannisbeeren und süße Butterstreusel sind eine unschlagbare Kombination.« Oma Lina sah prüfend auf die digitale Anzeige des Backofens, die im gleichen Moment mit einem lauten Piepen das Ende der Backzeit signalisierte.
Mit zwei Topflappen bewaffnet, holte Amy andächtig den süß duftenden Blechkuchen aus der Backröhre. Wie schön er aussah! Der Hefeboden war wunderbar fluffig aufgegangen und es schien, als gäben die leuchtend roten Johannisbeeren alles, um mit den feinen Vanille-Butterstreuseln um die Wette zu punkten.
»Gönnen wir ihm ein paar Minuten zum Abkühlen, dann können wir ihn warm essen.« Oma Lina kramte ihren Mixer aus der Schublade. »Ich schlage in der Zwischenzeit Sahne und wenn du möchtest, deck bitte den Tisch auf der Terrasse.«
Und ob Amy wollte!
Mittlerweile kannte sie sich in Linas Haus so gut aus, als wäre es ihr eigenes. Sie lief zu dem alten Eichenholz-Buffetschrank und holte das weiße Service mit den kleinen blauen Streublümchen heraus. Es war so herrlich antiquiert, aber sie hatte inzwischen schon so manche schöne Kaffeestunde damit verbracht. Das Geschirr passte einfach zu Oma Lina, zur Blümchencouch, zu diesem Haus im Allgemeinen, zum blühenden Bauerngarten. Und es war Wochenende, also Mußezeit. Joes Old Roadhouse war geschlossen, erst Montag würde es arbeitstechnisch weitergehen.

»Wenn das kein Glück ist! Ofenfrischer Kuchen macht einfach happy«, schwärmte Amy, wenig später in dem bequemen Stuhl auf der Terrasse sitzend und sich ein Stückchen von dem warmen Johannisbeerkuchen mit der kühlen Sahne genussvoll in den Mund schiebend.
»Finde ich auch«, stimmte Oma Lina zu. »Es ist herrlich, bei Sommersonnenschein die Seele baumeln zu lassen. Und in Gesellschaft sowieso.« Sie lächelte und schaute zu Buddy hinüber, der es sich mit einem Leckerchen auf der angrenzenden Obstwiese bequem gemacht hatte.
»Es tut mir echt leid, dass es mit einer Wohnung für mich noch nicht geklappt hat«, schämte sich Amy.
»Das braucht es überhaupt nicht«, winkte Oma Lina beiläufig ab. »Lieber ein bisschen länger warten, dafür eine schöne Wohnung, anstelle einer inakzeptablen Notlösung. Dann würdest du dir auf kurz oder lang wieder was Neues suchen müssen. Und wir beide haben es hier doch ganz angenehm, oder?«
»Oh ja! Ich fühle mich total wohl.«
»Ich denke, Buddy freut sich auch, dass du bei uns bist.«
Der Labrador hob bei der Erwähnung seines Namens aufmerksam den Kopf, widmete sich dann aber wieder ausführlich seinem Leckerchen.
Das Telefon im Haus schellte laut und Oma Lina entschuldigte sich daraufhin für einen Augenblick.

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'Der Unbefugte' von Lynn J. Moran

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Elmquist-Editions | Facebook
Alles, was Sie schon immer über die moderne Job-Welt wissen wollten!

Rufus LeBlanc ist ein Nichtsnutz, wie er im Buche steht. Ausgestattet mit dem IQ eines Hochbegabten und gleichzeitig zu zerstreut, um sich die Schuhe zu binden, erntet er im Leben nichts als Kopfschütteln. Schon in jungen Jahren setzt er sich ein ehrgeiziges Ziel: Jeden Beruf der Welt wenigstens einen Tag lang auszuprobieren. Seine Ausflüge in die moderne Arbeitswelt enden stets in einem Fiasko. Ob vor Lachen oder vor Weinen: Rufus LeBlanc lässt kein Auge trocken.

Wer sich schon immer gefragt hat, welchen skurrilen Problemen die Generation Y, die Millenials in der modernen Jobwelt ins Auge sehen müssen, für den ist dieses kleine, schonungslose und absolut (rotz-)freche Buch ein Must-have!

Anleser:
An einem Wochenende irgendwann zu der Zeit, als ich meine neu auserkorene Ausbildungsstelle noch nicht angetreten hatte, lud mich einer meiner Ex-Studienkollegen namens Peer zu sich in sein kleines Bausparer-Paradies ein. Wir saßen mit seiner Familie in einem etwa kaninchenstallgroßen Gärtchen hinter einer minzgrün gestrichenen Doppelhaushälfte, seine Frau servierte sündhaft teuren Bio-Kombucha und Peer grillte bei Bestlaune 99-Cent-Steaks auf einem 4000-Euro-Elektrogrill, der den halben Rasen ausfüllte.
Seine zwei Kinder (5 und 7) bewarfen sich gegenseitig mit ihren neuen iPads und rannten kreischend um uns herum, während Peer und ich uns über alte Zeiten unterhielten.
Es war für mich ein höllisch gemütlicher Abend. Ich war froh über die warme Mahlzeit und es tat mir gut, Peers Stimme zu hören. Es war die Stimme eines Mannes, der einen gut überschaubaren Weg eingeschlagen hatte und gewillt war, diesen stolz und munter bis zum Ende seiner Tage zu gehen. Auf dem Campus hatte Peer gern Retro-Sportschuhe und zerschlissene Hoodie-Pullover getragen. Jetzt steckte sein etwas unförmiger Torso in einem petrolfarbenen Pollunder und an seiner rechten Hand schnürte sich ein eng gewordener Ehering in seinen Finger. Er erzählte viel von seiner Arbeit als Human-Resource-Manager und er war drauf und dran, mich nach ein paar Drinks noch einmal durch sein Haus zu führen, um mir alles zu zeigen. Er hatte schlichtweg vergessen, dass er die Besichtigungstour mit mir schon gleich zu Beginn zweimal durchexerziert hatte und ich erinnere mich, dass ich mir zwischendurch auch immer wieder kilometerlange Bilderstrecken von Peers neuem Auto auf seinem Smartphone ansehen musste, obwohl es ja gleich nebenan in der Garage stand.
Ganz nebenbei: Peers Auto war ein leistungsstarker Kombi in einer Farbe namens Braun-Metallic. Eine perfekte und zugleich zutiefst kastrierte Mischung, ein gequälter Kompromiss aus Sportwagen und Familienkutsche. Es machte mir nichts aus, mir mit ihm die Bilder rauf und runter anzusehen. Ich war fröhlich, weil ihn die ganze Nummer absolut selig machte.
Peer war wie ein kleiner Junge, der einem zeigte, was er alles zu Weihnachten bekommen hatte. Der Unterschied bestand darin, dass um seine molligen Mundwinkel zusätzlich noch das Siegerlächeln eines arrivierten Ausgewachsenen, eines Büro-Alphamännchens spielte. Für alle die nicht wissen, was ein HR-Manager tut: Früher nannte man Peers Beruf einfach Mitarbeiter der Personalabteilung. Seit das zweckmäßige Denglisch in allen Branchen Einzug gehalten hatte, wurden aus dem Personal schließlich Human Resources, was soviel wie menschliche Rohstoffe, Menschenmaterial bedeutet. Just for your Information. FYI.
Irgendwann zu späterer Stunde, als das schwere Essen und Peers anfänglich funkensprühender Elan ihren Tribut forderten, legte sich eine ernste Nachdenklichkeit auf sein erhitztes Gesicht. Wir hatten uns nach drinnen begeben und saßen träge in der Sitzgruppe vor dem Flatscreen-Fernseher, der größer war, als das Bett, in dem ich für gewöhnlich schlief.
»Was man so hört, bist du noch nicht wirklich sesshaft geworden«, sagte er und ächzte in den Designer-Sackleinen-Polstern.
»Stimmt«, sagte ich gähnend. »Man probiert sich so aus.«
Peer lehnte sich zurück und sah mit seinen müden und leicht geröteten Schweinsäuglein seiner Frau nach, die gerade zwei Schüsseln mit Tapas-Resten abtrug. »Ein Mann in einem gewissen Alter, Rufus, ohne Familie und ohne etwas, das ihm gehört. Ohne etwas, auf das er bauen kann. Klingt für mich alles ziemlich gewagt.«
Ich war beschwipst von dem Sangria-Verschnitt, den wir uns seit geraumer Zeit hinter die Binde gossen und verstand nicht so recht, worauf er hinaus wollte. Meine Laune war ungetrübt. Ich war zwar müde, aber auch überdreht und fühlte mich dazu aufgelegt, blödes Zeug zu reden. Ich hatte das irgendwie missverstanden. Ich dachte, dass genau darin das Spiel bestand, das wir zu unserer Belustigung als nächstes spielen würden und dass auch Peer in einer albernen Laune war. »Wie meinst du das, gewagt?«, fragte ich näselnd.
»Du fährst volles Risiko, mein Freund«, sagte er. »Du hast kein Haus gebaut, keinen Baum gepflanzt und das alles. Es gibt viele, die dich dafür bewundern, hast du das gewusst? Bei den Jahrgangstreffen, bei denen du nie auftauchst, bist du praktisch Dauergespräch.«
»War mir nicht bewusst.«
Er nickte vielsagend. »Kannst du ruhig glauben. Die reden mit Hochachtung von dir, als wärst du ein Outlaw, der letzte Renegade. Rufus, unser König der Freigeister. Ich hab denen gesagt, dass das alles Quatsch ist. Dass du deine wahre Berufung einfach noch nicht gefunden hast und dass du deinen Weg bestimmt bald irgendwie machen wirst. Manche brauchen einfach bisschen länger, hab ich recht?«
»Ich fürchte, ich weiß nicht so gaaanz genau, was du meinst, Partner«, kicherte ich naiv und dämlich vor mich hin und musste aufstoßen. Im Hintergrund ging irgendwo ein iPad zu Bruch und ein Kind schrie wütend auf das andere ein.
»Ich will damit sagen, wir alle hatten mal ’ne wilde Phase. Manche bleiben ’ne Zeit lang drauf hängen, glauben, dass sie ewig jung sind und dass das Leben eine Party ist, oder was weiß ich. Aber früher oder später rücken alle in den Hafen ein. Darauf kannst du einen lassen.«
»Hafen?«
»Du sagst es. Es ist nichts Verwerfliches daran, wenn man am Anfang ’n bisschen rudert. Quasi ohne Orientierung. Das is uns allen so gegangen. Sieh mal, ich hatte ’nen Kumpel, der unbedingt Künstler, Bildhauer oder irgend so ’n Lulli-Kram werden wollte. Hat immer davon gefaselt, dass das seine Bestimmung ist und dass er nur das machen kann. Nur das! Ganz einfach weil es das einzige ist, wobei er wirklich Leidenschaft entwickeln kann. Ich hab ihm gesagt, dass das Bockmist ist. Jetzt hat er Kinder und verdient vernünftiges Geld. Zwar nur in Teilzeit, aber immerhin. Ich hab ihm gesagt, siehst du, man muss nur wollen, Kollege. Wenn man nur das machen kann, wofür man Passion, Spaß und Trallalla entwickelt, wo würden wir dann hinkommen, mein Alter? Genau. Ins Chaos, mein Freund. Reine Anarchie. Es gibt einfach Leute, die das nicht kapieren. Die können nicht bis drei zählen.« Er klopfte mir ein bisschen zu fest auf die Schulter und rieb sich über die verschwitzte Stirn.

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14. Juni 2021

'Pomeranzensommer (Die Windsbräute 3)' von Nora Gold

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Website | Autorenseite
Turbulent geht es weiter bei den Windsbräuten
… mit einer Geschichte über ein lange gehütetes Familiengeheimnis und über den Mut, sich seine Träume zu erfüllen.


In der Charlottenburger Schloßstraße spukt es. Eine junge Frau, gekleidet wie ein Dienstmädchen aus dem Jahr 1900, sorgt für Aufregung bei Nele und ihren Freundinnen. Was steckt hinter ihrem unheimlichen Erscheinen? Alte Briefe, die wie zufällig auftauchen, beleuchten das Leben von Johanna, die einst im Haus der Windsbräute in Stellung war. Die junge Frau ist in armen Verhältnissen auf dem Land aufgewachsen und sucht ihr Glück in der Großstadt. Schon bald muss sie erkennen, dass das Leben in Berlin ebenso hart ist wie in ihrem Heimatort, nur ganz anders. Eine schicksalhafte Fügung bringt ihre Begabung für die Malerei ans Licht, die von ihrer Herrschaft gefördert wird. Mit dem Schreinerlehrling Johann begegnet ihr die große Liebe. Doch diese steht unter keinem guten Stern. Als Johanna ungewollt schwanger wird, trifft sie eine schwerwiegende Entscheidung. Ein außergewöhnliches Frauenschicksal im wilhelminischen Zeitalter wird offenbar. Doch was verbindet Johanna mit den Menschen, die heute in diesem Haus leben?

Derweil erleben Daria, Jenny, Nele und die übrigen Windsbräute zwischenmenschliche Verwicklungen, die sie vor ungeahnte Herausforderungen stellen, während Mathilde auf Sylt eine überraschende Entdeckung macht. Und wieder einmal ist es Linde, die im Hintergrund mit gewohnt rauem Charme die Fäden zieht, damit ein über hundert Jahre gehütetes Geheimnis endlich gelüftet wird.

Anleser:
Charlottenburg 1899
Früher hieß ich Johanna. Als ich noch bei meiner Familie in Skotschau an der Weichsel lebte. Nur mein Vater hat mich immer Hannele genannt. Aber seit ich in Berlin bin, ist sogar mein Name anders. Das hat die Gnädige entschieden, nachdem sie mich im Stellenvermittlungsbüro in der Jägerstraße von oben bis unten gemustert, mit hochgezogenen Brauen mein Gesindebuch gelesen und mir anschließend viele Fragen gestellt hat. Bei welcher Herrschaft ich zuvor gewesen, ob ich gesund, ordentlich und sauber sei, einen Bräutigam habe, kochen, waschen und mit Parkett umgehen könne. Und ob ich nur ja nicht zum Tanzen gehe.
„Ich werde dich Cleo nennen“, hat sie schließlich bestimmt, nachdem alle Fragen zu ihrer Zufriedenheit beantwortet waren. „So hat das frühere Mädchen geheißen, dann brauche ich mir keinen neuen Namen zu merken.“
In diesem Punkt hatte die Gnädige recht. Es ist wirklich nicht einfach, sich an einen neuen Namen zu gewöhnen. Mit ‚Cleo' ist mir das in all der Zeit nicht gelungen, die ich in der Villa Finkenheim in Stellung war. Einmal habe ich die Sache angesprochen. Natürlich nicht bei der Gnädigen. Die hätte sich nur kurz von ihrem Buch abgewandt und ihre kostbar verzierte Lorgnette - wie man die Stielbrillen in ihren Kreisen nennt - heruntergenommen und mich so missbilligend angeschaut, dass mir sogleich jedes Wort im Halse stecken geblieben wäre.
Nein, es war bei Louise, der Tochter des Hauses. Baronesse von Finkenheim hat nämlich von Anfang an das Wort an mich gerichtet. Einfach so, ohne, dass ich ihr etwas holen oder sonst eine Arbeit für sie verrichten sollte. Meist saß sie dann an ihrem Sekretär im gelben Salon und zeichnete. Oder sie stand an der Staffelei im Wintergarten und malte, immer schon zu früher Morgenstunde. Mit dem farbgesprenkelten weiß-grauen Mantel und den unordentlich hochgesteckten blonden Haaren sah sie nicht aus wie ein Fräulein aus herrschaftlichem Hause. Doch in ihren schönen blauen Augen lag dann immer ein besonderer Glanz. Ich hätte ihr unentwegt zuschauen können, wie sie ländliche Idyllen auf die Leinwand bannte. Es war streng untersagt, die Räume zu putzen oder darin andere Hausarbeiten zu erledigen, wenn Mitglieder der Familie anwesend waren. Und so musste ich mir etwas einfallen lassen, um dennoch öfter mal hineinzugehen und das Entstehen eines Bildes zu verfolgen.
„Du musst nicht immerzu die Fenster öffnen oder schließen, Cleo, wenn du eigentlich meine Malerei betrachten willst“, sagte Louise von Finkenheim bei so einer Gelegenheit und ich wurde rot bis unter die Haarwurzeln.
„Komm her und sieh mir ein wenig bei der Arbeit zu!“
„Aber wenn die gnädige Frau mich erwischt“, gab ich zu bedenken.
„Meine Mutter steht niemals vor zehn Uhr auf. Du kannst also unbesorgt sein.“
Und schon begann sie mir zu erklären, wie sie die Farben auf der Palette mischte, sie gekonnt auf die Leinwand auftrug und so ihre zauberhaften Landschaften schuf.
„Das erinnert mich an zu Hause“, rutschte es mir dabei heraus.
Louise von Finkenheim unterbrach ihre Arbeit und blickte mich erstaunt an. Hatte ich etwas Falsches gesagt?
„Erzähl mir von deinem Zuhause, Cleo!“
Ich erwiderte ihre Frage mit einem verdutzten Blick. Was wollte sie von mir hören? Dass meine Geschwister und ich uns ein Bett geteilt hatten und wir im Sommer barfuß in die kleine Schule meines Heimatortes gegangen waren?
„Beschreib mir, wie die Sonne die Wiesen bei euch beleuchtet, wenn sie abends untergeht. Oder wie es klingt, wenn der Wind über die Felder streicht.“
Augenblicklich entstanden Bilder in meinem Kopf und ich begann zu erzählen. Dass die Weichsel herrlich kühl war, wenn man an heißen Sommertagen darin badete, und der Wald je nach Tages- und Jahreszeit unterschiedlich roch. Nach diesem Gespräch war ich wie beflügelt, während Louise von Finkenheim nun immer öfter auch an den Nachmittagen malte. Sie zeigte wenig Interesse an den gesellschaftlichen Ereignissen, die für eine junge Dame ihrer Stellung so wichtig waren. Bälle und andere Zerstreuungen, die dazu dienten, eine standesgemäße Partie zu machen, schienen für sie nur eine lästige Pflicht zu sein. Doch ihre Mutter sorgte dafür, dass die Baronesse immer hinreißend aussah in ihren teuren und nach dem neuesten Chic geschneiderten Ballkleidern. Und es dauerte auch nicht lange, bis etliche Herren ihr die Aufwartung machten. Louise von Finkenheim absolvierte diese Besuche mit derselben steifen Höflichkeit, die sie gewiss auch auf den Abendgesellschaften zur Schau trug.
Leidenschaft drückte sie nur in der Malerei aus. Zu meiner Freude rief sie mich fast täglich in den frühen Morgenstunden zu sich und bat mich, ihr immer wieder von meinem Zuhause zu erzählen. Das war für mich die schönste Stunde des Tages und dafür stand ich gern um halb fünf Uhr morgens auf, um schon das Speise- und das Herrenzimmer geordnet, den Salon abgestaubt, den Korridor gesäubert und die Schuhe und Stiefel der Herrschaft geputzt zu haben, wenn die Baronesse nach mir rief. Damit es nachher keinen Ärger gäbe.
„Du bist jetzt meine Muse, Cleo“, sagte sie einmal. „Weißt du, was eine Muse ist?“

Blick ins Buch (Leseprobe)

12. Juni 2021

'Weißer Ritter rotes Herz: Dean Reed in der DDR' von Tanja Stern

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website Tanja Stern
Dean Reed (1938 - 1986), amerikanischer Schauspieler und Sänger, zog in den 1970-er Jahren freiwillig aus dem Westen in den Osten, aus der großen weiten Welt in die kleine DDR – der Liebe wegen, aber auch aus Idealismus: Als überzeugter Kommunist sah er in der Gesellschaftsform des Sozialismus sein Lebensideal verwirklicht. Er wurde Honeckers Propagandasänger, der rote Vorzeige-Amerikaner, der die Faust zum „Venceremos!“ hob, und er wurde ein beliebter Unterhaltungsstar. Doch irgendwann mochten die DDR-Bürger seine Lieder und vor allem seine Sprüche nicht mehr hören ...

Eine Biographie zwischen Komik und Tragik, zwischen Glanz und Elend, zwischen Show und zertrümmerten Show-Kulissen.

Anleser:
Er war eine Lachnummer meiner Jugend. Wir zogen den Namen in die Länge: Diiiiiiiiiin Riiiiiiiiiid! Das klang dann wie Igittigitt. Nie hätten wir uns einen Film wie „Sing, Cowboy, sing“ angesehen – igitt, allein schon dieser Titel! – und nie hätten wir uns, verwöhnt, wie wir waren, vom musikalischen Reichtum der Beatles-Ära, die tumben Folksongs angehört, die dieser Cowboy zu singen pflegte. Doch was eigentlich unser Naserümpfen hervorrief, war nicht die Plattheit seiner künstlerischen Produktion. Es war die Staatsnähe, die er verströmte, das ständig penetrant zur Schau getragene Image des eifrigen Klassenkämpfers gegen den Kapitalismus. Der Mann schien aus einer anderen Welt, aus einer anderen Zeit zu kommen. Wer die DDR kritisch sah, empfand ihn als groteske Figur, als wandelnde Primitivpropaganda.

Blick ins Buch (Leseprobe)

11. Juni 2021

'Wir werden einander viel, sehr viel zu vergeben haben' von Detlef M. Plaisier (Herausgeber)

edition Kronzeugen | Erstausgabe | Juni 2021
ISBN 978-3-9821953-3-9
Erhältlich bei Detlef M. Plaisier
und überall im Buchhandel
Ungehörte Corona-Biografien von Ostfriesland bis Neuseeland.

70 Beiträge auf 370 Seiten, davon zehn Texte aus dem Ausland mit englischer und russischer Übersetzung sowie zehn Texte auf Plattdeutsch, beschreiben persönliches Erleben in der Zeit der Corona-Pandemie. Die Gefühle der Verfasser reichen von Wut und Verzweiflung über Trotz bis zu festem Gottvertrauen. Die Fragen lauten: Werde ich mich in der neuen Realität noch zurechtfinden? Will ich in dieser Gesellschaft noch leben? Werden meine Werte noch Bestand haben? Und ist Corona nur eine Episode oder ein Epochenbruch?

Die Zeugnisse wurden über den Zeitraum eines Jahres gesammelt. Es sind subjektive Moment-aufnahmen, es gibt keine endgültigen Antworten, und doch gehören alle Schilderungen als „oral history“ zur Erbschaft unserer Kulturgeschichte. Besondere Akzente setzen die Beiträge von Street Art-Künstlern und Texte junger Leute aus Indien, Peru und Ruanda.

Den Texten vorangestellt ist ein Schreibdialog zwischen Herausgeber Detlef M. Plaisier und Pastor Dreesch-Rosendahl aus Westrhauderfehn zu dem Begriff der Vergebung.

Der Verkaufspreis des Buches beträgt 20,00 Euro. Es kann direkt bei Detlef M. Plaisier (gerne mit Widmung, versandkostenfrei gegen Rechnung) bestellt werden.

Anleser:
Ich habe gelernt,
dass mir nach drei Tagen Arbeit ein Tag Ruhe guttut. Das bleibt.
Ich lese jetzt jeden Abend, bevor ich das Licht lösche. Das bleibt.
Ich bin dünnhäutiger geworden.
Ich bin sensibler geworden auf Lärm und Gerüche.
Ich träume intensiver, sehe Farben und Gesichter.
Ich erinnere vieles beim Erwachen.
Ich habe Lust auf Leben und Liebe.
Ungebrochen.