4. Februar 2016

"DIE VERRÜCKTE REISE DES MR. SMITH" von Christina Unger

Henry Smith, introvertierter und schöngeistiger Bibliothekar, lebt trotz seiner zweiundvierzig Lenze immer noch im Hause seiner Mutter in Stamford, New York. Verbissen versucht Julia ihren Sohn unter die Haube zu bringen, aber Henry zeigt Null Interesse an Frauen. Stattdessen hegt er einen lang verborgenen Traum: eine Reise nach Europa und eine Safari in Afrika. Eines Tages bucht er einen Flug nach London …

Von da an ist nichts mehr in Henrys Leben wie es einmal war. Er stolpert über einen Koffer voller Geld, auf dem ein Fluch zu liegen scheint, wird das Opfer sexueller Angriffe raffinierter Frauen und fragwürdiger Dorfbewohner, und sein Schicksal scheint nur eine einzige Richtung zu kennen – Chaos und Katastrophen.

Von Europa völlig entnervt, segelt Henry auf dem Boot eines unerträglichen amerikanischen Ehepaars nach Kenia. Auf einer Safari geht er prompt verloren und landet beim Stamm der Ponga-Ponga, die den seltsamen Weißen inmitten von Nirgendwo aufgelesen haben. Dort wird er von der Malaria niedergestreckt. Damit tritt etwas völlig Unerwartetes ein und Henrys Leben erfährt eine dramatische Wende …

Lesermeinung: „Glatt geschrieben im guten Stil anglo-amerikanischer heiterer Stoffe.“

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Leseprobe:
„Mutter“, sagte Henry Smith, „ich will diese Frau nicht kennenlernen. Warum lässt du mich nicht in Frieden?“
Julia ignorierte ihn. Sie hielt eine winzige Garnele zwischen ihren sorgfältig manikürten Fingernägeln und tauchte sie in die Cocktailsauce, die auf dem Tisch stand. Sie schob die Garnele zwischen die Lippen und leckte sinnlich ihre Fingerspitzen.
„Sie wird jeden Augenblick hier sein, Schatz. Streng dich ein bisschen an und versuche erfreut auszusehen, ja?“
Henry verdrehte die Augen. Sie hatten dieses Ritual unzählige Male durchgespielt, aber Julia gab nicht auf. „Wie heißt sie überhaupt?“ fragte er resigniert.
Julia richtete ihre violetten Strahleaugen auf ihn. „Rosemary.“
„Rosemary“, wiederholte er voll Abscheu.
„Sie ist hinreißend, Schatz, zweiunddreißig, blond, sie ist die Sekretärin eines erfolgreichen Anwalts ... Ich habe sie letzte Woche auf Vanessas Gartenparty kennengelernt.“
„Zehn Jahre jünger und verdient wahrscheinlich zwei Mal so viel wie ich. Wieso glaubst du, sie könnte sich ausgerechnet für mich interessieren?“
„Weil du mein Sohn bist“, entgegnete Julia ohne zu Zögern, „und ein attraktiver und interessanter Mann. Glaube mir, ich kenne mich da aus.“
Davon stimmte nur, dass er ihr Sohn war und manchmal bezweifelte er sogar das. Sie beide hatten nämlich nicht das Geringste gemeinsam. Julia war trotz ihrer neunundfünfzig Jahre unerhört attraktiv und extravagant, während Henry sich keinerlei Illusionen hingab. Er war zu groß, zu dünn, zu linkisch und zu introvertiert. Seit seinem einundzwanzigsten Lebensjahr hatte Julia versucht, ihn unter die Haube zu bringen – und immer noch nicht aufgegeben.
Die Türglocke schlug an. „Das muss Rosemary sein.“ Julia erhob sich graziös, durchquerte das geschmackvoll eingerichtet Wohnzimmer und hielt an der Tür inne. Sie drehte sich zu Henry um und hob missbilligend die Augenbrauen.
„Mach keinen krummen Rücken, Henry.“
Henry verkroch sich noch tiefer in seinem Polsterstuhl, einen missgelaunten Ausdruck auf dem Gesicht.
Julia erschien eine Minute später, gefolgt von einer Frau. Henry erhob sich wohl erzogen.

„Freut mich Sie kennen zu lernen.“ Sie war weit davon entfernt hinreißend zu sein, schien aber entschlossen, einen guten Eindruck zu machen.
„ So erfreut, Ihre Bekanntschaft zu machen, Mister Smith“, säuselte sie.
„Du kannst ruhig Henry zu ihm sagen“, bot Julia ihr an. „Ich wünsche euch viel Spaß“. Julia rauschte aus dem Zimmer.
Schweigen senkte sich über den Raum.
„Wollen Sie sich nicht setzen?“ bot Henry an.
Rosemary ließ sich auf dem Sofa nieder und blickte erwartungsvoll zu ihm hoch. Henry nahm neben ihr Platz. „Tee?“ fragte er.
„Ja, bitte.“
„Milch?“
„Sehr gerne“.
„Zucker?“
„Nein, danke.“ Sie kicherte wie ein kleines Mädchen. „Ich bin auf Diät.“
„Ich verstehe.“ Er reichte ihr die Tasse. „Ich habe gehört, Sie arbeiten für einen Anwalt?“ versuchte er Konversation zu machen.
„Ja“, hauchte sie.
„Gefällt Ihnen diese Arbeit?“
Sie zuckte die Schultern. „Wenn Sie mich schon fragen - ich bin der Ansicht, dass eine Frau zu Hause bleiben und Kinder groß ziehen sollte. Meinen Sie nicht auch?“
„Habe noch nie darüber nachgedacht“, gab Henry zu.
Ihr Gesicht glühte. „Mein größter Wunsch wäre ein halbes Dutzend Kinder.“
Er schauderte. „Ich hasse Kinder. Sie machen so viel Krach.“
„Seltsam“, murmelte sie, „Julia hat mir erzählt Sie lieben Kinder.“
„Sie hat gelogen.“
„Julia sagt, Sie mögen keine Kinder weil sie nicht die richtige Frau gefunden haben.“
„Was immer Ihnen meine Mutter erzählt hat – ich hasse Kinder. Wirklich.“
„Wenn sie aus Ihrem Fleisch und Blut wären, würde Sie sie auch lieben“, beharrte sie.
Schön langsam fiel sie Henry auf die Nerven. „Da gibt es aber einen Haken.“
„Jaaa?“
„Keine Frau würde meine Kinder wollen“, sagte er mit Trauer in der Stimme.
„Aber warum denn nicht?“
Er sah sie schräg von der Seite an. „Erzählen Sie es auch nicht weiter?“
Sie legte theatralisch die Hand auf ihre Brust. „Ich schwöre.“
Er senkte die Stimme. „Ich leide an epileptischen Anfällen.“
„Ohhh!“
„Und es ist vererblich.“ Er rückte ein Stück näher. „Aber das ist leider noch nicht alles. Manchmal träume ich, dass ich auf der Toilette sitze und dann – na ja – Sie können sich das weitere selbst ausmalen. Es ist ein schreckliches Leiden und sehr unappetitlich.“

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Mehr über und von Christina Unger auf ihrer Website.

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