1. März 2016

"Der gerechte König" von Michael Aulfinger

Spannende Reise in die Vergangenheit Mesopotamiens. Es ist die authentische Geschichte des Urukagina, welcher als erster Sozialreformer in die Geschichte einging.

Im 24. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung war Mesopotamien ein Kleinstaatengebilde. In dem Stadtstaat Lagasch herrschte der Tyrann Lugalanda. Er nutzte das Volk aus, bis es seiner überdrüßig war, und der Usurpator Urukagina die Macht übernahm. Das Elend, welches bis dahin vorherrschte, nahm ab, genauso wie die Korruption. In seiner Regierungszeit blühte die Stadt auf, und den Menschen ging es vorher noch nie so gut.

Urukagina wurde der erste Sozialreformer der Weltgeschichte. Seine ganze Kraft setzte er für seine Untertanen ein. Ungerechtigkeiten beseitigte er, ohne Rücksicht auf alte Seilschaften. Doch bis es soweit war, mußte Urukagina private Schicksalsschläge erleiden. Aber die Liebe zu zwei Frauen trieb ihn immer wieder voran. Doch dann nahm das Leben eine dramatische Wendung. Auf dem Höhepunkt seiner Macht, mußte er feststellen, daß der Neid – er genoß über die Grenzen Mesopotamiens hinaus den Ruf als gerechter König - seinen Widersacher Lugalzagesi auf den Plan gerufen hatte.

In einem spannenden und unterhaltsamen Roman wird die Geschichte des historisch belegbaren Urukaginas erzählt, in dem auch die sumerische Mythologie mit hinein spielt.

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Auch Urukagina ging an ihnen vorbei. Doch war sein Herz nicht voller Abscheu. Ein Gefühl des Mitleids regte sich in ihn. Aber in dieser Situation, war für die beiden nichts zu machen. Er würde sich nur unnötig selbst in Gefahr bringen. Selbst gestand er sich ein, daß seine eigene Feigheit vor den Folgen einer Hilfe ihn zur Untätigkeit erstarren ließ. Er senkte beschämt seinen Kopf, und ging voran. Es war ihm aufgefallen, daß die Armut, und das daraus resultiere Leid in Lagasch im letzten Jahr zugenommen hatten. Nicht nur an den Verschärfungen der Strafen, der Vermehrung des Mundraubes, und der Verringerung der Marktstände war dies abzulesen gewesen. An der zunehmenden Zahl der Bettler, die mit zerlumpten Gewändern und verdrecktem Äußeren auf der Erde lagen, oder mit der herausgestreckten rechten Hand um ein Almosen bettelten, war dies auch zu erkennen. Sein Weg führte ihn auch an einer dieser Stellen in Lagasch vorbei, wo die Bettler ihr Dasein fristeten.
Es war ein gewohntes Bild, doch waren es im Vergleich zu früher mehr Bettler geworden.
„Herr, bitte Herr warte.“
Einer von den Bettlern rief. Aber er blieb nicht stehen, sondern setzte seinen Weg fort.
„Herr warte, ich kann nicht so schnell.“
Wieder drang der Ruf an sein Ohr. Urukagina war sich nicht sicher, ob der Ruf ihm gegolten hatte. Aber etwas in der Stimme klang ihm vertraut. Verunsichert setzte er seinen Weg fort.
„Bitte Urukagina. Herr, warte auf mich. Ich kann nicht so schnell.“
Sobald er seinen Namen gehört hatte, blieb er stehen. Er drehte sich dem Bettler zu, der ihn angerufen hatte. Mühsam hatte sich der Alte erhoben, - gezeichnet von Kraftlosigkeit - von seinem Platz, und humpelte zu Urukagina. Obwohl der Alte mit einem zerrissenem Gewand gekleidet, seine Gestalt abgemagert, und sein Gesicht vor Hunger eingefallen und verzehrt war, erkannte Urukagina ihn sofort. Er konnte es nicht glauben. Wie kam der Alte hierher nach Lagasch? Überrascht ging er eilig auf dem Bettler zu, und versuchte ihn zu stützen.
„Mattentu, sag, was machst du hier? Wie kommst du hierher? Warum bist du nicht mehr in Schatteken?“
Verwundert sah er Mattentu aus Schatteken an, und versuchte ihn zu stützen. Der Alte konnte sich nur schwerlich auf den Beinen halten. Das Sprechen fiel ihm schwer.
„Ich erzähle dir alles, doch muß ich mich erst setzten. Ich habe keine Kraft mehr, und nichts zu essen.“
Jetzt sah Urukagina sich seinen Freund genauer an, und erschrak erneut. Mattentu war ein Schatten seiner selbst. Das Gesicht war eingefallen und blaß. Die Augen wirkten wie kleine Steine leblos in den Augenhöhlen. Er brauchte dringend essen und Wasser. Auch ein Ruhelager mit weichem Stroh bedurfte der Alte. Kurzentschlossen legte Urukagina den Arm des Alten um seinen Nacken und unterstützte ihn. Er ging mit ihm in die andere Richtung. Der Vorratsspeicher konnte warten, Mattentu aber nicht.
„Du kannst mir alles später erzählen. Ich bringe dich zu mir. Dort bekommst du Essen und Wasser. Auch ein Lager werde ich für dich herrichten. Dort kannst du dich erst mal erholen. Wenn es dir besser geht, kannst du mir berichten.“
Mattentu antwortete nicht, und ließ sich forttragen. Seine Füße berührten kaum den staubigen und steinigen Boden.
Für Urukagina, der ein kräftiger Mann war, bedeutete Mattentu keine Belastung. Sein Gewicht war gering geworden, und so schleifte er ihn fast zu seinem Haus. Unterwegs waren die beiden ungleichen Männer nicht aufgefallen. Zu groß war das Elend geworden, als das ein ausgemergelter alter Mann aufgefallen wäre.
Als er die Tür zum Hof öffnete, kam Ardala sogleich die Treppe hinab, und sah verwundert den Alten an, den sie nicht kannte. Doch sie verstand sofort, und richtete ein Strohlager für ihn her. Bevor Mattentu sich jedoch niederlegte, griff er gierig nach dem ihm gereichten Wasser und dem Fladenbrot. Hastig trank er das Wasser, und stopfte das Brot in seinen Schlund. Gesättigt schlief er gleich ein.
Urukagina erzählte Ardala wie er Mattentu getroffen hatte. Sie willigte gleich ein, daß er sich bei ihnen ausruhen könne. Urukagina freute sich, daß seine Frau genauso wie er Mattentu pflegen würde. Sie hatte ein gutes Herz, und das liebte er an ihr. Sie war für ihn die beste Frau, die er sich denken konnte.
Viele Stunden vergingen, bis Mattentu erwachte. Sein Griff ging gleich zu dem Essen und Wasser, welches für ihn bereit lag. Ardala lächelte ihm zu. Ein wenig erholter wirkte er schon. Doch bald schlief er erneut ein.
Urukagina kam inzwischen vom Vorratsspeicher zurück, wo er seine Arbeit erledigt hatte, und freute sich, als er seinen alten Freund erholt sah. Dieser kam langsam auf ihm zu, und bedankte sich.
„Möge Enlil dir ein langes Leben geben. Deine Kinder sollen für ewig vom Glück begünstigt sein. Du und deine Frau, ihr seid so gut zu mir. Habt Dank.“
Urukagina war ein wenig beschämt, und führte seinen Gast zum Tisch, wo sie sogleich Platz nahmen. Ardala gesellte sich dazu, und Turruken spielte mit seinem Freund im Teil des Hofes.
„Doch nun erzähle Mattentu. Was ist passiert? Wie kommst du hierher, und wo ist deine Frau? Warum läufst du wie ein Bettler herum? Du hast doch eine Hütte in Schatteken. Seit wann bist du hier?“
„Es ist eine lange Geschichte. Wenn du Zeit hast, erzähle ich sie Dir.“
„Ja natürlich. Für meinen Freund nehme ich sie mir.“
Mattentu nahm noch einen Schluck Wasser, und hüstelte kurz, bevor er begann.
„Als du vor einem Jahr weg warst, stand die Ernte kurz bevor. Du hast ja gesehen, daß nicht viel zu erwarten war. So war es auch. Das wenige teilten wir unter uns Dorfbewohner auf. Die Monate vergingen, und dann wurde meine Frau krank. Sie wurde immer schwächer. Sie war ja auch an Jahren nicht mehr die jüngste, doch fehlte ihr die Kraft, und der Wille zu leben. Wir pflegten sie so gut wir konnten. Auch die anderen halfen ihr. Doch dauerte es nicht lange, und sie ging in die uralte Trümmerstätte ein. Möge sie es bei Ereschkigal und ihrem Mann Nergal in der Unterwelt besser haben.
Einige von uns zogen weg. Was aus ihnen geworden ist weiß ich nicht.
Aber es kam noch schlimmer. Eines Tages erschien eine Abteilung Soldaten die einen Erlaß vom Ensi vorzeigten. Darin stand folgendes: Da wir nicht in der Lage waren, unseren Tribut an den Ensi zu zahlen, sollte unser Dorf niedergebrannt werden. Es würde nicht den gewünschten Gewinn erzielen, und wäre deshalb nutzlos. Die arbeits- und dienstfähigen Männer steckten sie in Uniformen, und nahmen sie gleich mit, um in Kadandas Heer dienen zu laßen. Der Ensi braucht viele Soldaten, weil er gegen den Erzfeind Umma zu Felde ziehen will.“

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