2. März 2016

"Die sagenumwobene Insel" von Ellen Rot

Lassen Sie sich entführen in eine andere Welt.
Warum Sie dieses Buch lesen sollten? Weil es Ihnen, dem Leser die Vielfalt des Landes näher bringt. Überlieferte Sagas, Mythen, Kuriositäten, Legenden, die uns unvorstellbar vorkommen. Lesen Sie sich hinein in eine Welt, die uns alle unbekannt, mysteriös anmutet. Eine Welt aus Magie, Zauber und Unwirklichem. Vermischt mit einer gehörigen Prise Humor auch über mich selbst. So ist das Leben doch viel entspannter.

„Die sagenumwobene Insel“ bringt Einblicke, die kein Reiseführer bieten kann.

Gleich lesen: Die sagenumwobene Insel: Karibik, Mythen, Zauber, Kuriositäten, Sehenswürdigkeiten



Leseprobe:
Im Voodoo-Geschäft

Erstaunt, was vor uns liegt, treten wir auf einen kreisrunden Platz. Ein leichter Wind weht durch unsere Haare. Rote Erde, die man hier auf der ganzen Insel antrifft, bedeckt den Boden. Ab und zu, wenn der Wind etwas stärker bläst, schweben rote Staubwolken durch die heißen Luftmassen. Roter Staub haftet an unseren verschwitzten Körpern und verleiht uns eine unnatürliche Farbe. Die Sonnenbrille schützt die Augen nicht nur vor der Sonne, sondern verhindert auch, dass sich Staubkörner in die Augen verirren.
Am Rand des Marktplatzes sehen wir verschiedene ›Colmados‹. Bunt bemalte Holzbuden, aufgemalte Bierreklame von ›Presidente‹, je nach dem was man im ›Colmado‹ erhält. Kleine landestypische Bars. Lebensmittelstände, in denen man Reis, Mehl, rote Bohnen und vieles mehr einkaufen kann, was man für den täglichen Bedarf benötigt. In Jute- oder Stoffsäcken lagern die Lebensmittel offen in den ›Colmados‹. Vereinzelt verirrt sich ein Huhn in ein Geschäft und nascht vom Reis oder Mais. Keinen stört das. Katzenbabys spielen mitten im ›Colmado‹. Draußen sitzen vereinzelt Männer an kleinen Tischen und gehen ihrer Lieblingsbeschäftigung nach. Domino spielen und Bier oder Rum trinken.
Direkt neben dem ›Colmado‹ ist ein Holzstand, bunt beschriftet mit ›Carneceria‹. Die ›Carneceria‹ ist ein einfacher Stand mit einer Holztheke. Schweine, ganze oder nur deren Köpfe, hängen für jeden Kunden sichtbar an einem Haken. Fliegen schwirren umher und landen auf dem Fleisch. ›Das ist nichts für uns Europäer‹, denke ich mir. Doch die Leute hier, wenn sie sich Fleisch leisten können, dann kaufen sie es wohl bei diesem Metzger.
Sechs verschiedene Geschäfte säumen den Markt-platz. Dann endlich sehen wir auch den Laden, den wir aufsuchen möchten.
Gemeinsam stehen wir drei vor einem winzigen Shop. Eigentlich ist es eher eine Bude.
»Das Ziel ist erreicht«, meint unser Führer; kann es sich jedoch nicht verkneifen, mich noch einmal mit einem Blick, der alles aussagt, anzuschauen.
Eine Gardine dient als Tür, die vom Windzug leicht bewegt wird. Etwas zittrig schiebe ich diesen Vorhang zur Seite. Irgendwie beschleicht mich ein komisches Gefühl im Magen. Es ist mir bewusst, dass dieser ›Zauber‹ hier, ebenso wie in Haiti, angewendet wird. Einer, über den mystische und unglaubliche Geschichten seit ewigen Zeiten verbreitet werden. Man muss mitnichten daran glauben, doch es mutet uns zwei Europäern doch sehr unheimlich an.
›Sollen wir eintreten oder schnellstens den Rückwärtsgang einschalten?‹, schießt es mir durch den Kopf.
Wir schauen uns um, dann entschließen wir uns gemeinsam, mutig einen kurzen Blick hineinzuwerfen. Schließlich können wir jederzeit wieder gehen oder flüchten. Es kann uns niemand zwingen in diesem Laden zu bleiben oder gar festhalten.
Eine füllige Dame, in einem Kleid mit farbenprächtigem Blumenmuster, erscheint. Rüschen zieren die Puffärmel. Ein Turban ähnliches Etwas sitzt auf ihrem Kopf, aus buntem Tuch kunstvoll gewickelt. Ein solches Bild sah ich schon einmal, nur wo? In einem Film, Buch, in einem Hotel?
Einmal in den Bann gezogen von jener phänomenalen Erscheinung, bleibe ich wie angewurzelt stehen. Komme mir vor, als würde ich sogleich zu einer Salzsäule erstarren. Aus einem Hinterzimmer hören wir leise Stimmen. Gemurmel. Geheime Zaubersprüche?
Die füllige Frau mustert uns von oben bis unten. Es kommt mir so vor, als versuche sie, unseren Markt-wert abschätzen. Registriert, dass wir leichte Zweifel haben.
Gringos, das bedeutet Geld. Pesos, die diese besagte Voodoo-Zauberin dringend benötigt. Weißhäutige, Touristen, sie wittert ihr großes Geschäft. Sogleich beginnt sie mit ihren Erklärungen, aus was sie alles einen Trunk, ein Kraut oder eine Tinktur mixen wird. Immerfort inspiziert die Dame unser Verhalten. Es stellt sich bei keinem ein Wohlgefühl ein. Gespannt, verspannt, verschüchtert, mitten im Raum stehe ich in dem düsteren Laden und blicke mich dabei um. Über ihr hängen an einer Kordel Hahnenfüße, Knochen, Wurzeln und vieles mehr. Kuriositäten, unheimlich anmutend. Ein Schauder läuft mir über den Rücken und ich frage mich, ob dieser Zauber, diese Magie, mich jemals wieder loslassen wird …
›Sollen wir flüchten aus diesem Raum, solange es noch geht?‹, schießt es mir erneut bei der Betrachtung all jener Dinge durch den Kopf.

Im Kindle-Shop: Die sagenumwobene Insel: Karibik, Mythen, Zauber, Kuriositäten, Sehenswürdigkeiten

Mehr über und von Ellen Rot auf ihrer Website.

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