7. Juli 2016

'Fincaträume' von Eva-Maria Farohi

Schon seit einigen Jahren lebt Marika auf Mallorca und hat hier ihre Heimat gefunden. Sie ist zufrieden mit ihrer Arbeit als Schneiderin, die sie unabhängig macht.

Für ihre wenigen Freunde tut sie alles. Nach einer traumatischen Kindheit ist sie Menschen gegenüber zurückhaltend und glaubt nicht an die Beständigkeit von Gefühlen. Ihr Herz gehört den zahlreichen Tieren, die sie bei sich aufgenommen hat.

Als sie den erfolgreichen Schriftsteller Dean Vossbrick trifft, hält sie ihn zunächst für einen oberflächlichen Karrieremenschen. Dennoch zieht er sie in seinen Bann. Gehen seine Gefühle tiefer oder sucht er nur eine Affäre?

»Fincaträume« ist nach »Fincamond« der zweite Band der Mallorca-Trilogie. Er ist in sich abgeschlossen und kann ohne Kenntnis des ersten Teils gelesen werden.

Gleich lesen: Fincaträume

Leseprobe:
Das goldene Licht der Sonne ließ ihr Gesicht erstrahlen. Hingebungsvoll bürstete sie die grauen Strähnen, eine nach der anderen. Dann streichelte sie zärtlich über seinen kahlen Schädel.
Der Esel stampfte mit dem Huf und bleckte die gelben Zähne.
"Ich weiß, dass du das nicht magst, aber es muss sein. Ruhig, mein Guter, gleich bekommst du deinen Apfel", flüsterte sie beruhigend in sein Ohr.
Marika stand im Hof ihrer Finca. Die warmen Sonnenstrahlen tanzten auf ihren nackten Armen.
Sie beendete die Fellpflege mit einem zärtlichen Klaps, überreichte den versprochenen Apfel und widmete sich der Reinigung der Bürsten.
Rundherum hatten es sich die übrigen Bewohner gemütlich gemacht — vier Hunde ließen ihr Frauchen nicht aus den Augen, mehrere Katzen beäugten aus sicherer Position die nach Körnern suchenden Hühner.
Ein Kaninchen, eine Voliere mit Vögeln und eine weiße Ratte gehörten ebenfalls zu dieser Wohngemeinschaft.
Marika liebte Tiere über alles. Niemals konnte sie „nein“ sagen, wenn wieder einmal ein neues Zuhause für ein Problemkind gesucht wurde. So wie für Lunes, die Ratte. Ihr Schwanz war in der Türe eines Autowracks eingeklemmt worden, Tierschützer hatten sie zu Juan gebracht.
Juan war nicht nur Marikas Freund, sondern auch ihr Vermieter, und — seit Kurzem erst — der Ehemann ihrer Freundin Lisa. Er war Tierarzt aus Leidenschaft.
Den Schwanz der Ratte hatte er allerdings nur noch amputieren können. Zu schwer waren die Verletzungen gewesen, die sie sich bei ihren Befreiungsversuchen selbst zugefügt hatte.
Und so war sie letztlich bei Marika gelandet.
Den Namen Lunes verdankte sie dem Tag ihrer Rettung: lunes — Montag.
Marika war eine quirlige Person, etwas mehr als mittelgroß, schlank gewachsen, mit einer stets wirren roten Lockenmähne und leicht schrägstehenden grünen Augen.
Sie war keine Schönheit im klassischen Sinn. Ihre Nase hatte einen kleinen Schwung nach oben und obwohl mit der hellen, feinporigen Haut der Rothaarigen gesegnet, zierten unzählige kleine Sommersprossen Nase und Wangen.
Auf ihr Äußeres legte sie wenig Wert. Meist lief sie in Schlabberpullis, kurzen Hosen und flachen Schuhen herum. Trotzdem zog sie immer wieder bewundernde Blicke auf sich.
Einem netten Flirt war sie durchaus nicht abgeneigt, wusste sie doch genau, dass sich dahinter nichts Dauerhaftes verbarg.
Eine kurze aber schöne Zeit und ein Adieu ohne Bedauern. Das war ihr mehr wert, als einer Illusion nachzulaufen.
Familie, eine glückliche Ehe — daran glaubte sie nicht.
Umso mehr freute es sie zu sehen, wie glücklich Juan und Lisa miteinander waren. „Ausnahmen bestätigen eben die Regel“, dachte sie bloß, und freute sich mit den beiden.
Überhaupt war sie eine Frohnatur.
Nichts und niemand konnte ihr die gute Laune verderben. Es sei denn, einem ihrer Freunde ging es schlecht, oder ein Tier benötigte Hilfe.
Nach einer freudlosen Kindheit und Jugend, über die sie nicht einmal mit ihren engsten Freunden sprach, hatte sie sich mit viel Fleiß in Mallorca ihre Existenz aufgebaut.
Als Animateurin war sie zusammen mit einigen Freunden für einen Sommer nach Mallorca gekommen. Ein Ferienjob für sieben Monate sollte es werden. Für die anderen wurde er das — für Marika nicht, sie blieb.
Der erste Winter war hart.
Bei einer Kollegin fand sie Unterkunft und teilte sich mit ihr die modrige Zweizimmer-Wohnung, die keine ausreichende Heizung hatte. Allzu oft ernährten sich die beiden ausschließlich von Broten und ausgetrockneten Mehlspeisen, die in der Bäckerei, in der ihre Quartiergeberin arbeitete, übriggeblieben waren.
Gemeinsam kümmerten sie sich um Nala — die Rottweiler-Pastor Mischlingshündin.
Das heißt, Marika kümmerte sich. Denn Sabine, Nalas Frauchen, war zwar meist guter Absicht, selten aber auch Willens, sich mit ihrem Hund zu beschäftigen.
So fristete denn Nala ein ziemlich freudloses Leben auf dem kaum drei Quadratmeter großen Balkon.
Bis Marika kam.

Im Kindle-Shop: Fincaträume

Mehr über und von Eva-Maria Farohi auf ihrer Website.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen