30. November 2011

'Die Kaliberkipper' von Tine Sprandel

Ein Jugendroman voller Abenteuer in einem fantastischen Wald. Leser meinen: Mit viel Spannung, Fantasie, Humor und für jedes Alter geschrieben.

Kaliberkipper sind Monster. Kaliberkipper sind gefährlich und schlau. Sie toben durch den verwunschenen Wald der einsamen Stimmen und verwüsten ihn. Kiki, Simona und Dirk wurden gerufen, den Wald vor diesen Monstern mit überdimensionalen Kräften zu retten. Doch sie erfahren nicht einmal wer der Chef im Wald ist: Fusulus, das Fuchsmännchen oder NockNock, der Buntspecht mit den Morsezeichen oder wer? Der Wald der einsamen Stimmen ist für die Kinder verwirrend, paradiesisch und gefährlich – alles in einem. Und genau deswegen wollen sie ihn retten.

Einsamkeit führt die zwölfjährige Kiki an den Ort ihrer Träume: in den verwunschenen „Wald der einsamen Stimmen”. Mit ihr kommen zwei weitere Kinder an: Angeber-Dirk und die unerfahrene Simona. Doch mit überdimensionalen Kräften ausgestattete Kaliberkipper drohen alles zu zerstören. Das Fuchsmännchen Fusulus hat sich selbst zum Chef im Wald ernannt und versucht die Kinder ebenso zu verdrängen. Denn sie verstoßen gegen eine wichtige Regel: Sie bleiben nicht einsam sondern schließen Freundschaften. Doch als Kaliberkipper auch Menschenkinder verwandeln wollen, hilft Kikis Selbstversuch …

Gleich lesen: Die Kaliberkipper

Leseprobe:
Das Fuchsmännchen Fusulus verließ nie sein Revier. Warum auch. Um ihn herum herrschte grüne Wildnis. Wässrig grün, moosgrün, dunkelgrün und überall lindgrün. An manchen Ästen schimmerten Nadeln, an anderen große, gezackte oder glatte Blätter. Lianen gleich hingen Waldreben von den Wipfeln. Der Boden verschwand unter Beerensträuchern, riesigen Blättern des Bärenklaus, lila Blütenrispen vom Fingerhut, weißen Sternchen des Waldmeisters. Es duftete nach Wiese und morschem Holz.
Fusulus lebte fernab der lärmenden Welt. So fern, dass normale Menschen seinen Wald gar nicht betreten konnten. Für sie war vor einer haushohen, umgedrehten Wurzel Halt. Wer versuchte, die Wurzel zu durchqueren, wurde durch zahlreiche Windungen wieder zurück an seinen Ausgangspunkt gebracht – normalerweise.
Das Fuchsmännchen gehörte zu den Waldteufeln und war wie sie kaum größer als ein Meter. Er trug einen Fellmantel und statt Vorderpfoten kleine Hände. Sein silbrig grauer Fuchsschwanz leuchtete als Haarschopf. Am liebsten lebte er für sich allein – tagsüber in einem ehemaligen Dachsbau, der Fellmantel hing an einer Wurzelspitze. Nur das Rauschen des Windes, das Zirpen einiger Insekten und das Piepsen von Rotkehlchen war zu hören.
Wenn es dämmerte, schwärmten die Waldteufel aus. Fuchsmännchen, Waldkäuze, Wildkatzen, Siebenschläfer und die anderen zogen fröhlich plappernd durch den Wald, ohne sich gegenseitig zuzuhören oder gar miteinander zu plaudern. Sie schwangen an Lianen, höher und immer weiter, wenn einer runter fiel, hatte er Pech gehabt. Sie sangen wilde Lieder, die Töne passten nur zufällig zusammen. Der Wald und alle Bäume und Äste und Blätter und Nadeln schwangen mit den Geräuschen.
Doch dieser Abend gestaltete sich anders. Fusulus setzte gerade zum Sprung an, um einen Marder einzufangen, als ein Baum haarscharf neben ihm nieder krachte. Der Stamm zerbarst nicht, sondern der Baum steckte verkehrt herum im Boden. Seine Wurzeln wedelten wie wild durch die Luft. Kein Sturm hatte solche Kräfte.
Dem ersten Stamm folgten weitere, immer schnurgerade einer Linie nach. Fusulus verbarg sich hinter Gebüsch. Ein Schnaufen, Prusten und Rülpsen näherte sich, das er noch nie gehört hatte. Gleichzeitig drangen empörte Rufe der anderen Waldteufel an sein Ohr: Das fordernden „Juik“ der Waldkäuze, das wütenden Bellen der Füchse, das Fauchen der Wildkatzen.
Dann sah Fusulus die Eindringlinge.
Durch das verwüstete Unterholz staksten Wesen auf zwei Beinen, sie trugen lange Mäntel aus Schweineborsten und einen Schweinenasenstempel mitten im Gesicht. Über und über mit verkrustetem Schlamm bedeckt, beugten sie sich ab und zu vor, um auf allen Vieren weiterzulaufen, dann richteten sie sich auf und stolzierten wie dicke mächtige Könige.
„Die Kaliberkipper sind schon wieder da“, dachte Fusulus und ärgerte sich erst nur.
Der Dickste unter ihnen schnaufte tief durch. „Ist das ein Spaß! Folgt mir, wir richten den säuselnden Sonnenscheinchen im Wald der einsamen Stimmen eine richtige Sause aus!“
Fusulus verzog sich noch tiefer ins Gebüsch, aber nur so weit, dass er die Stimmen noch verstehen konnte. „Was für eine uneingeschränkte, unglaubliche, unermessliche Dummheit. Wo uns der Nachwuchs fehlt, will der große Anführer toben gehen“, nuschelte ein schmächtiger Schweineborstenmantelträger ganz in Fusulus’ Nähe. „Wo wir uns auf die Suche nach Opfern machen sollten, will der starke Napoleon nur Bäume ausreißen.“
Fusulus Ohren stellten sich spitz auf. Opfer hier in diesem Wald? Das gab es noch nie. Normalerweise verwandelten Kaliberkipper nur im Menschenwald die Wildschweine.

Im Kindle-Shop: Die Kaliberkipper

Mehr über und von Tine Sprandel auf ihrer Website.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen