30. November 2011

'Ustica' von Annemarie Nikolaus

Dieser Kurzkrimi holt sich seine Puzzle-Steine aus dem Mix von Hinweisen und Annahmen, die sich um einen Flugzeugabsturz vor über 30 Jahren ranken und an dessen Aufklärung merkwürdig vielen bemerkenswert wenig gelegen ist.

Die Journalistin Laura Schreiner steht vor einer bitteren Entscheidung. Sie hat zu viele Fragen gestellt und nun ist das Leben ihrer Kinder in Gefahr. Die ehrgeizige junge Journalistin will es nicht hinnehmen, dass eine Katastrophe anscheinend nicht aufgeklärt werden soll. Bei ihren Recherchen trifft sie jemanden, der sie davon zu überzeugen versucht, dass es einen Zusammenhang zu einem anderen ungeklärten Drama gibt. Es mögen wilde Spekulationen sein, doch ihre Kinder sind entführt worden. Wer auch immer dahinter steckt, ist mächtig und rücksichtslos.

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Leseprobe:
„Nina, schau, das sind die Farben der italienischen Fahne. Ihre Piloten sind die besten.“ Manni half seiner kleinen Schwester, sich auf die Fensterbank zu knien. „Wenn ich groß bin, werde ich auch Italiener!“
Von ihrem Hochhausfenster blickten sie ungehindert bis zum Luftwaffenstützpunkt, auf dem die Flugschau stattfand.
„Die malen ja den Himmel bunt!“ Nina klatschte begeistert in die Hände. „Oh wie schön. – Mammi, sieh doch nur!“
Laura ging zu ihren Kindern, die mit leuchtenden Augen die Manöver der Kunstflieger verfolgten. „Das ist die Staffel der Frecce Tricolore.“
Ein Flugzeug verließ die Formation, schraubte sich empor, wendete und flog den anderen in einer weiten Schleife entgegen. Plötzlich explodierte der Himmel in einem Feuerball, der die Sonne überstrahlte.
„Weg!“ Laura riss Nina von der Fensterbank.
Dann kollidierte der Solo-Pilot mit einem der entgegenkommenden Jäger; Metallbrocken flogen durch die Luft. Die Scheiben klirrten.
Laura stieß die Kinder zu Boden. Nina schrie auf.
Im nächsten Augenblick gerieten beide Maschinen in Brand. Brennende und qualmende Wrackteile stürzten vom Himmel.
„Nicht weinen, Schätzchen.“ Mechanisch wischte sie mit dem Ärmel ihres Pullovers Nina die Tränen ab.
Die Fenster waren unversehrt; langsam richtete sich Laura auf und lugte über den Sims. Dichter, schwarzer Rauch stieg draußen hoch.
Sie stürzte zum Telefon. „Laura Schreiner hier. Michael, eben ist ein Kunstflieger in der Luft explodiert. Mach eine Seite frei: In einer Stunde bin ich in der Redaktion.“
Die Kinder saßen auf dem Teppich; Manni schluckte heftig und umklammerte seine Schwester.
Einen Moment zögerte Laura; aber sie hatte keine Wahl. „Du passt gut auf Nina auf, ja? Ihr geht nicht aus dem Haus! Mammi muss kurz arbeiten gehen.“
Nina begann zu weinen. „Ich habe Angst.“
Laura kniete sich neben sie. „Ich hole Frau Breiner. Und Papa wird auch bald da sein.“
‚Hoffentlich’, dachte sie, während sie nach ihrer Fotoausrüstung griff und die Treppen hinuntereilte. ‚Wer weiß, was da draußen los ist.’

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