12. Januar 2012

'Das Feuerpferd' von drei Autorinnen

Ein Fantasy-Roman, geschrieben als Gemeinschaftsprojekt von Sabine Abel, Annemarie Nikolaus und Monique Lhoir. Lesermeinung: Die drei Autorinnen verstehen es wunderbar, mich in höchster Spannung zu halten bis zum Finale.

Im Gestüt am Schattensee wird in einer Gewitternacht ein weißes Fohlen geboren. Mit seiner Geburt in der Welt der Sterblichen entschwindet die Kraft des Feuers aus dem Schattenreich und der Insel Seoria droht der Untergang. Der "alte Grint" versucht, diesen Moment der Schwäche zu nutzen, um das ganze Schattenreich zu unterwerfen.

Seorias Herrscherin, die Zauberfürstin Moghora, muss nun in beiden Welten um ihre Macht kämpfen. Die Bewohner des Gestüts und eines benachbarten Weinguts sehen sich gezwungen, Partei zu ergreifen und entscheiden am Ende über den Ausgang des Kampfes zwischen Moghora und dem alten Grint.

Gleich lesen: Das Feuerpferd

Leseprobe:
Zwei kräftige Hände packten Lybios und hielten ihn brutal fest. In seinem Kopf drehte sich alles.
Dies war nicht Moghoras Turm, zu dem er sich zurückzaubern wollte. Beim Zauberspruch am Schattensee musste ihm ein Fehler unterlaufen sein.
Man band ihm die Hände auf dem Rücken zusammen. Geruch von verdorbenem Fleisch drang in seine Nase und ließ seinen Magen krampfen. Langsam öffnete er die Augen und starrte direkt in das knubbelige Gesicht eines Twehts, den Dienern des alten Grint. Auf dem Kopf ragten zwei daumengroße Hörner in die Höhe und orangefarbene Pupillen flackerten auf. Der Tweht reichte ihm gerade bis zum Bauch. In der Klaue hielt er eine spitze Lanze, die Lybios weit überragte.
Lybios schluckte. Er war Moghoras Erzfeind in die Hände gefallen! Und seine Zauberkräfte funktionierten hier nicht, denn trotz aller Anstrengungen: Die Fesseln blieben fest.
„Steh auf!“ Der Tweht zog ihn auf die Beine.
Die Beule an Lybios’ Hinterkopf klopfte schmerzhaft. Seine letzte Erinnerung war der schrille Schrei der Sterblichen. Er schien immer noch in seinen Ohren zu klingen.
Jetzt befand er sich in einer Höhle. Stickige, feuchte Luft umgab ihn und es fiel ihm schwer zu atmen.
Ein zweiter Tweht versetzte Lybios von hinten einen Stoß. „Los, beweg dich!“
Lybios strauchelte und folgte dann dem vorausgehenden Tweht. Sie liefen in einen schmalen Gang hinein. Auf dem glitschigen Boden verlor er mehrmals das Gleichgewicht und musste aufpassen, dass er nicht ausrutschte. Nach einem kurzen Stück verzweigte sich der Weg und wenig später gelangten sie an einen unterirdischen See. An den Wänden hingen vereinzelt riesige Glühwürmer, die die Felsen spärlich beleuchteten und sich im Wasser spiegelten. Von hier aus gingen mehrere Gänge ab, einige davon durch Felsbrocken halb versperrt. Seine Bewacher führten ihn weiter in das Labyrinth hinein. Lybios suchte an jeder Abzweigung nach einem Anhaltspunkt, um sich den Weg einzuprägen.
Die Twehts bewegten sich problemlos in den schmalen Gängen. Lybios jedoch musste nach einer Weile geduckt weiterlaufen, um nicht an die Decke zu stoßen. Jedes Mal, wenn sie über herumliegende Kadaver stiegen, scheuchten sie ein paar Morps auf, die zwischen abgenagten Knochen schliefen. Die rattenähnlichen Tiere traten daraufhin quietschend die Flucht an.
Irgendwann fielen Lybios fremdartige Symbole an den Wänden auf, die zu einem Teil in die dunklen Felswände hineingekratzt und an anderen Stellen in weißer und gelber Farbe aufgezeichnet waren. Die Wege wurden breiter. Lybios konnte wieder aufrecht gehen. Dann bogen sie in einen Gang ein, dessen Wände aus elfenbeinfarbenen Marmorblöcken bestanden. Sie spiegelten das grünlich glimmende Licht der Glühwürmer und er konnte nun viel weiter sehen.
Lybios suchte nach markanten Punkten, an denen er sich orientieren könnte. Vergeblich. Die Marmorwände wiesen keinerlei Unregelmäßigkeiten auf, er entdeckte nicht den kleinsten Kratzer. Er prägte sich die Anzahl der Abzweigungen ein, aber nachdem sie zehn Mal in unterschiedliche Richtungen abgebogen waren, verlor er den Überblick.
Die Twehts gingen unbeirrbar weiter und der Tritt ihrer Krallenfüße hallte durch die Gänge. Je tiefer sie in das Labyrinth eindrangen, desto dünner wurde die Luft. Sicherlich schleppten sie ihn zum alten Grint, dem die Twehts seit Jahrhunderten dienen mussten. Lybios hoffte dennoch, dass sie ihn zuerst woanders hinbrachten. Innerhalb der Marmorstadt wirkten seine Zauberkräfte nicht und er war auf Moghoras Hilfe angewiesen.
Sie bogen ein weiteres Mal ab und blieben vor einer schweren Eisentür stehen.Nach ein paar Klopfzeichen wurde sie geöffnet. Lybios’ Herz begann zu rasen.
„Los, rein da!“
Lybios stolperte zwei Stufen hinauf und blinzelte. Mit einem leisen Schleifgeräusch schloss das schwere Tor hinter ihm. Die frische Luft im Raum ließ Lybios erleichtert durchatmen.
An den Wänden hingen mehrere Lanzen und zwei große Säbel in goldenen Halterungen. Neben den schlitzartigen Fensteröffnungen standen Statuen, die weibliche Gestalten in aufreizenden Posen zeigten.
Ein Mann, nur wenig älter als Lybios, erhob sich hinter einem schweren Holztisch und musterte ihn lange. Lybios hielt seinem Blick stand. Wer war dieser Kerl? Der Grint auf keinen Fall, denn der Alte lebte bereits seit Hunderten von Jahren. Langsam ballte Lybios seine Hand, um zu prüfen, ob seine Zauberkräfte vorhanden wären. Plötzlich bekam er von hinten einen Tritt und einer der Twehts drückte ihn zu Boden. Blitzschnell wollte er sich wieder aufrichten.
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