12. März 2012

"UFFBASSE ABNEMME! - oder: Lach Dich Schlank" von Lena Glück

Runde Geschichten in Urlaub und Alltag, sowie gefährliche Selbstversuche auf dem Weg durch den Diäten-Dschungel.
Wie fühlt man sich als gewichtiges Mitglied der Gesellschaft? Was kann einem alles mit den NICHT in die Norm passenden Maße passieren? In welche FETTnäpfchen tritt man unweigerlich, obwohl das erste Motto lautet: "Um keinen Preis auffallen"? Eine etwas andere Erfahrung, die letztlich zu 50 Kilogramm Gewichtsverlust führte.

Gleich lesen: 50 Kilo weg, ohne Verzicht! UFFBASSE ABNEMME! - oder: Lach Dich Schlank

Leseprobe:
Schick in Form und Farbe
Im Jahre 1965 bin ich geboren, und zu meiner Zeit war ich eine gewichtige Ausnahme. Heute hat jedes dritte Kind bereits mit Übergewicht zu kämpfen. In meiner ganzen Schule gab es damals nur zwei Kinder mit diesem Problem. Da ich sehr selbstbewusst war, hatte ich wenig mit Hänseleien zu kämpfen. Allerdings stellte die Kleidung ein großes Thema dar. Große Größen für Kinder und Jugendliche fand man kaum. Ich hatte jedoch das Glück, dass meine Mutter eine Virtuosin an der Nähmaschine war. Natürlich gab es Dinge die sie nicht nähen konnte. Immer dann mussten wir den so verhassten Weg in die Stadt antreten.
Im fünften Laden kam eine überaus freundliche Verkäuferin auf uns zu und meinte:
"Einen Badeanzug für ein so dickes Kind werden Sie wohl in keinem Geschäft finden. Das Kind sollte erst einmal abnehmen."
Meine Mutter, die nicht auf den Mund gefallen war, erwiderte der Verkäuferin Sätze, die diese bestimmt nie vergessen hat. Wir waren nach diesem Erlebnis so frustriert, dass wir erst einmal auf den Wochenmarkt gingen und eine schöne, heiße und vor Fett triefende Wurst aßen.
Jeden Morgen nach dem Duschen kommt der so heißgeliebte Gang an den Kleiderschrank. Habe ich endlich das richtige Kleidungsstück herausgesucht und angezogen, folgt das Unvermeidbare: Der Blick in den Spiegel. Die Wölbungen des Po wollen unbedingt an die Oberfläche und die, mindestens in drei Teile gegliederten, rundlichen Falten des Bauches zeichnen sich wie Rettungsringe unter dem viel zu engen T-Shirt ab. Also hatte ich ein Shirt aus dem Schrank gegriffen, das schon eine ganze Weile darauf gewartet hat, wieder Tageslicht zu sehen. Sie haben bestimmt auch diesen Kleiderschrank zuhause, der alles nach einer gewissen Zeit schrumpfen lässt, oder?
Es gibt zwar die unterschiedlichsten Geschäfte und Versandhandelsketten, die Kleidung für Übergrößen anbieten, doch die Sachen sind meist überteuert. Außerdem muss man schon einen guten Blick dafür mitbringen, was passt oder nicht.
In so einer Boutique für große Größen angekommen, begrüßte mich gleich eine nette, rundliche Dame. Ich fühlte mich wohl, denn auch andere Kundinnen mit meinem Format waren zu sehen. In diesem Ambiente können auch wir aus Herzenslust shoppen. Wohlgemerkt, wenn man das passende Kleingeld zur Hand hat. Die Verkäuferin brachte mir sogleich das gewünschte Oberteil, das ich bereits in einem Katalog zuhause begutachten konnte und das an dem schlanken Model wunderschön anzusehen war.
Die gewünschte Farbe lila stand nicht mehr zur Verfügung, und so brachte mir die Verkäuferin das Shirt in rosa. Rosa war nun gar nicht meine Farbe. Mit meinen Ausmaßen und dieser Farbe fiel mir sofort Miss Piggy ein. Sie überzeugte mich das Oberteil trotz meiner Bedenken zu probieren. Dazu brachte sie mir, weil es gerade so Mode ist, eine Leggings ... "Leggings?"
"Ja", sagte die Dame, "das ist nun mal up to date und Sie können zeigen was Sie zu bieten haben."
Widerwillig zog ich die Sachen an und siehe da, die Leggings passten. Sie waren ganz in weiß gehalten und sahen aus wie die langen Unterhosen meines Großvaters.
Die Orangenhaut konnte ich nicht mehr verbergen. Nein, es kamen sogar die Fettdellen, welche bereits zu Kratern ausgebuchtet waren, zum Vorschein. Darauf nun das ganz in zartem Rosa gehaltene T-Shirt, mit kurzen Armen. Heute trägt man Kurzarm nur noch bis knapp unter dem Schulteransatz, so dass die überaus trainierten Schwabbelarme endlich mal wieder ans Sonnenlicht durften.
Zur Freude meines von der Erdanziehungskraft gezeichneten Baucheswar das Oberteil auch recht kurz geschnitten. Bei meinem Umfang war es durchaus zu vertreten, bauchfrei aufzutreten. Das angesagte Outfit schrie förmlich danach, mein nicht vorhandenes Bauchnabel-Piercing vorzuführen.
Natürlich sieht man immer wieder eher weibliche Wesen, die bestimmt bei dieser Verkäuferin einkaufen. Meist haben wir jedoch einen Blick für diese Dinge und ziehen die zeltartigen Kleidungsstücke vor. Nur, wäre es nicht schön, endlich einmal in einem normalen Geschäft einkaufen zu gehen? Wäre es nicht wunderbar, endlich mit der Mode gehen zu können und eine Unmenge von Geld einzusparen?

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