3. April 2012

"Freiheit und Liebe" von Manfred Rehor

Ein historischer Roman. England, Toskana, Piemont im Jahre 1854: Viele Deutsche stranden nach dem Revolutionsjahr 1848 als Flüchtlinge in London. Unter ihnen sind der Witwer Georg Danneberg und seine 7-jährige Tochter Bettina. Danneberg gerät in die Intrigen englischer Konservativer, die in Italien die Bewegung des Risorgimento stoppen wollen.

Sie fürchten ein Übergreifen revolutionärer Gedanken auf England. Anführer dieser konservativen Bewegung ist Lord Mayflame, der mit seiner deutschen Geliebten nach Florenz reist. Auch Danneberg ist dort - und verliebt sich unrettbar in die Geliebte des Lords. Georg Danneberg nimmt den Kampf auf gegen den Lord und dessen finstere Pläne und für die Frau, die er liebt. Er kämpft für Freiheit und Liebe.

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Leseprobe:
Georg Danneberg sah durch das schmutzige Fenster hinunter auf die Straße. Aus dem Laden im Erdgeschoss drang Licht, das nach wenigen Metern im Nebel versickerte. Eine Droschke setzte einen Fahrgast ab. Der Mann suchte in den Taschen seines Mantels ein paar Münzen zusammen, bezahlte den Kutscher und betrat das Haus.
German Coffee House nannten die Londoner das Long Acre 27, nahe Covent Garden, aber es war nur eine Kneipe. Einmal in der Woche besuchte Georg dieses Lokal, um den Abend in Gesellschaft seiner Landsleute zu verbringen.
An den Tischen in dem schlecht beleuchteten Saal im ersten Stock saßen deutsche Exilanten und tranken Bier. Ein blonder Kerl mit dem Spitznamen Grenadier rief: "Den preußischen König umbringen, das wär's gewesen!"
"Wie die Franzosen siebzehn-neunundachtzig", stimmte ein Anderer zu, der am Tresen stand. "Dann wären wir jetzt Minister in einer deutschen Republik." "Glauben Sie das auch, Danneberg?", sprach jemand Georg an.
Georg drehte sich um. Es war Daniel Schreckler, ein unscheinbarer Franke, der nicht oft ins Long Acre 27 kam. Er arbeitete als Sekretär bei einem Lord, und sein Aussehen passte zu dieser Stellung: Ein Backenbart nach amerikanischer Art umrahmte das ovale Gesicht und vereinte sich oben mit dem in der Kopfmitte liegenden Haaransatz. Schreckler mischte sich nie in politische Gespräche ein. Trank sein Bier, las seine Zeitung und schien sich einfach wohl zu fühlen zwischen seinen Landsleuten. Wie Georg auch, der diesen dünnen Faden als Verbindung zu seiner Heimat nicht kappen wollte.
"Tagsüber schlafen und die Nächte durchsaufen, das hat noch keine Revolution vorangebracht", antwortete Georg.
"Wahr gesprochen", sagte Schreckler. "Man muss etwas tun für die Freiheit, nicht nur große Reden schwingen. Daran ist vor sechs Jahren alles gescheitert." "Nichts ist gescheitert!", mischte sich der Grenadier ein. "Der Kampf geht weiter, hier wie in Deutschland."
"Sei vorsichtig mit solchen Sprüchen", sagte Georg. "Die Engländer könnten das falsch verstehen."
"Die verstehen gar nichts. Erst recht nicht von Politik!"
Der neue Gast kam herein, warf seinen Mantel über die Lehne eines freien Stuhls und verlangte nach Bier. Es war ein schmalgesichtiger Mann, der ein paar Bekannten im Saal zunickte und sich eine der deutschen Tageszeitungen griff, die herumlagen.

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