23. Juli 2012

'Das 7. Buch der Magie' von Manfred Rehor

Ein Fantasy-Roman: Erst, als er im Kerker angekettet wieder zu sich kommt, begreift der sechzehnjährige Sebastian, was vorgefallen ist: Seine Heimatstadt Erfenberg ist durch Magie aus der Gegenwart ins Mittelalter versetzt worden! Elmor, ein ehemaliger Mönch, übt eine Schreckensherrschaft über die Stadt aus. Er scheint unbesiegbar, doch Sebastian und seine Freundin Marita entdecken, woher Elmors Macht stammt: Er besitzt das lange verschollene „7. Buch der Magie“.

Mit Hilfe von Verbündeten aus verschiedenen Zeitaltern nehmen Sebastian und Marita den Kampf gegen Elmor auf. Nur, wenn sie Elmor besiegen und das „7. Buch der Magie“ vernichten, können sie zurückkehren in die Gegenwart.

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Leseprobe:
Der letzte Tag war gekommen, die sieben Bücher lagen bereit. Elmor griff nach dem ersten Band. Das Buch war in blasses, fleckiges Leder gebunden, von den Jahrhunderten glatt gerieben. Es trug weder den Namen seines Autors noch einen Titel. Nur die Registriernummer einer Klosterbibliothek war aufgeklebt, geschrieben zu einer Zeit, als man noch Hexen verbrannte.
Ein moderiger Geruch stieg Elmor in die Nase, als er das Buch aufschlug. Er liebte diesen Duft, der eine Ahnung uralter Geheimnisse in sich barg. Die Seiten waren unregelmäßig bedruckt, in kuriosen Lettern, die manchmal schräg in der Zeile standen, als hätte ein Kind mit einem Spielzeugdruckkasten experimentiert. Man war mit der Technik noch nicht sehr weit gewesen, als dieser Band hergestellt wurde. Der erste Buchstabe jedes Kapitels war kunstvoll zu einem kleinen Bild ausgearbeitet: Teufelsköpfe und holde Maiden, Drachen und Ritter, alle umschlungen von giftigem Efeu.
Bibliothekare, Scholare, Klosterbrüder und wissenschaftliche Laien hatten dieses Buch in Händen gehalten und es als bedeutungslose Kuriosität wieder beiseitegelegt. Fünfhundert Jahre lang wurde es verkannt. Niemand machte sich die Mühe, eine geheime Bedeutung hinter seinem belanglosen Inhalt zu suchen. Erst er, Elmor Weiß, verstand die Botschaft und war nun bereit, den Lauf der Welt zu ändern. Mit den Fingerspitzen strich er über die Seiten. Er konnte die einzelnen Lettern spüren, mit solcher Wucht waren sie ins Pergament geprägt worden.
Nach einem Blick auf die Uhr stand Elmor auf. Es war Mittag. Seine Arbeit als Leiter der Stadtbücherei war beendet. Für heute und für immerdar. Er klemmte sich den Bücherstapel unter den Arm und ging zur Tür. Mit der freien Hand nestelte er den Schlüssel aus seiner Hosentasche. Da wurde die Schwingtür aufgestoßen und knallte gegen seinen Ellbogen. Mit einem Schmerzensschrei ließ er die Bücher fallen.
Ein Jugendlicher kam herein. Elmor kannte ihn: Sein Name war Sebastian und er gehörte zu denen, die viel lasen, oft Bücher von auswärts bestellten und immer Sonderwünsche hatten. Nun, bald würde es solche Störenfriede nicht mehr geben. Sie waren unerwünscht in Elmors neuer Welt.
„Verschwinde!“, herrschte Elmor ihn an. „Geschlossen!“
„Entschuldigung, war keine Absicht.“ Der Junge bückte sich, um eines der Bücher aufzuheben. „Hey, die sehen uralt aus.“
„Finger weg! Rühr sie nicht an.“ Elmor stieß ihn beiseite und stellte sich breitbeinig über die Bücher. Das war ein Schatz, den er mit seinem Leben zu verteidigen bereit war.
Jetzt kam auch noch ein Mädchen herein und fing an, mit dem Jungen zu streiten.
„Hinaus!“, brüllte Elmor mit einer Wut, die sein Gesicht rot anlaufen ließ.
„Schon gut“, beschwichtigte ihn der Junge. „Kein Grund, sich aufzuregen. Wir gehen ja.“
Elmor bückte sich und hob die Bücher auf. Diesmal klappte es mit dem Abschließen der Stadtbücherei. An der Bushaltestelle warf er die Schlüssel der Bücherei in einen Abfallbehälter und spuckte hinterher.

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