23. August 2012

'Weibsbilder' von Birgit Boeckli

Drei heitere Frauengeschichten. Sie sind frech und lebenslustig, nehmen sich vom Leben das größte Stück oder ertragen es mit einem Lächeln. In diesen drei Kurzgeschichten dreht sich alles um Frauenpower, gewürzt mit einer kräftigen Prise Humor.

"Liebe Simone" - In einem Brief berichtet Lore von ihrem Kurzurlaub in Heidelberg. Aber Lore wäre nicht Lore, wenn das ganze nicht in einer Katastrophe enden würde.
"Tante Miele" - Emilie ist alt, störrisch, und sie strickt die ungewöhnlichsten Socken, die die Welt je gesehen hat. Als sie das Internet entdeckt, kommt ihr eine lukrative Geschäftsidee. Nur ihre Nichte ist misstrauisch ...

"Froh zu sein bedarf es wenig" - Schon seit einiger Zeit geht Günther seiner Frau mit einer Lachtherapie auf die Nerven. Doch dann wird es schlimmer und schlimmer ...

Gleich lesen: Weibsbilder

Leseprobe aus "Liebe Simone":
Liebe Simone,
    weißt du noch, wie ich versprochen hatte, dir zu schreiben, wenn ich’s irgendwann raus aus diesem Nest schaffen sollte? Jaja, lang ist’s her. Letzten Monat kam der Brief. Die haben wirklich mein Gedicht rausgesucht. Und willst du wissen, was ich gewonnen hab? Ne, für Spanien hat’s nicht gereicht, Zweiter bin ich geworden. Na? Klingelt’s? Heidelberg!

    Ich hab gedacht, mich haut’s vom Hocker, das sind ja keine dreißig Kilometer. Hab mich aber nicht beschwert, ne du, ich hab brav mein Köfferchen gepackt.

    Das Hotel ist richtig scharf, ein Riesenbett. Hab mich erstmal solange drin rumgewälzt, bis die Laken aussahen, als hätt ne Kleinfamilie drin genächtigt. Na, du kennst mich ja. Tolles Mobiliar, so’n dunkles Holz. Keine Ahnung, wie das heißt, und unten die Halle, alles mit so nem polierten Marmor. Hier wollt ich nicht putzen müssen.

    Gleich am ersten Abend gab’s Probleme. Da rennt so ein Kellner im Speisesaal rum, Seitenscheitel, Fliege wie’n Propeller, Martin Steingruber stand auf seinem Namensschild. Als ich das Fleisch nicht gegessen hab, hat der mich so komisch angeglotzt und gefragt, ob es nicht nach meinem Geschmack war.

    „Nu guck mal nicht so traurig“, hab ich dem gesagt. „Du hast es ja nicht essen müssen.“
    Und dass das Fleisch gut war, nur die achtunddreißig Knoblauchzehen, die sie in die Sauce gekippt haben, haben etwas den Geschmack verfälscht. Der hat mir vielleicht einen Blick zugeworfen, so richtig zum Gruseln. Mit dem Gesicht hätte er Religionslehrer werden sollen. Naja, vielleicht hätte ich ihm das nicht sagen sollen.

    Mittwochs bin ich dann in die Stadt gegangen, so richtig mit Kamera und Sonnenhut. Ich hab mir gesagt: du bist jetzt ein Tourist, also benimm dich auch so! Und dass es hier noch was anderes gibt außer Bismarckplatz und Kaufhäusern. Zuerst musste ich natürlich aufs Schloss rauf, und zwar nix Bergbahn – aber hallo! Ich kann dir sagen, als ich oben war, ich hab geschnauft wie ein alter Gaul vor der Notschlachtung. Da oben war dann aber doch nix Besonderes. Ich bin ne Weile auf der Ruine rumgestakst, hab mir das Apothekenmuseum angeschaut, und mir mit dem Fischbrötchen von der Nordsee den Pullover versaut. Alles wie immer, links ne Schulklasse, rechts ne Horde Japaner, werden jedes Jahr mehr, kannste glauben.

    Ich wollte eigentlich gleich wieder runter, noch in Rohrbach rum scharwänzeln, da war ich ja noch nie, außer beim Gynäkologen. Aber als ich gerade am Ausguck stand, Blick runter aufs Neckartal, und merkte, dass ich die Zigaretten im Hotel vergessen hatte, fing das an zu regnen. Ne, nicht nur so‘n paar Tropfen, gleich volles Rohr. In England sagen sie ja, es fallen Hunde vom Himmel, Scheiße du, das waren bestimmt Elefanten hier, das Wasser hat geplatscht wie unter der Dusche. Erst bin ich ja den Japanern hinterher, die sind alle ins Apothekenmuseum geflüchtet, weil im Cafe schon die Schüler saßen, aber das war mir dann viel zu eng, und ich hab schon geschwitzt vom Hingucken. Ich war sowieso schon klitschnass, und ich hab gucken wollen, ob die Mayonnaiseflecken wohl auch mit rausgegangen sind, aber das hat so geschüttet, man konnte kaum noch was erkennen.

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Mehr über die Autorin Birgit Boeckli und ihre Veröffentlichungen auf ihrer Homepage.

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