18. September 2012

'Ninragon - Die standhafte Feste' von Horus W. Odenthal

Das Schicksal führt zwei Männer zusammen, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Der eine ist Darachel, ein Ninra, Angehöriger einer uralten Rasse, die sich aus der Welt in ihre abgelegenen, gewaltigen Festungen zurückgezogen hat und sich nun auf ihre Aszension vorbereitet, darauf also, die materielle Welt ganz zu verlassen. Wie alle anderen Nichtmenschenrassen menschenähnlicher Gestalt werden die Ninraé von den Menschen, die wenig über sie wissen, schlicht Elfen genannt. Der andere ist ein Valgare aus dem hohen Norden.

Als Darachel ihn zusammen mit einer Gruppe anderer Ninraé bewusstlos findet, trägt er die Reste einer Uniform des Idirischen Reiches, und sein Körper ist von Narben und Verwundungen gezeichnet. Außerdem hat er einen unheimlichen, tödlichen Verfolger, der den Ninraé einen blutigen Kampf liefert. Die überlebenden Ninraé bringen den Schwerverletzten in ihre Große Feste Himmelsriff, und dort erzählt der Mensch dem Elfen Darachel sein Leben.

Es ist die Geschichte von Auric Oriksohn, Auric Torarea Morante, genannt Auric der Schwarze, der dachte, nur um sein eigenes Leben und Schicksal zu kämpfen, sich aber unversehens in etwas viel Größeres, Dunkleres und Weitreichenderes verstrickt sieht. Früh erlebt er die Realität des Krieges und ist gezwungen, das grausame Leben der Kindersoldaten in den Kriegen des Nordens zu führen. Sein Lebensplan, dem Erbe seiner idirischen Mutter zu folgen und sein Leben der Bildung und Gelehrsamkeit zu widmen, wird beständig durch seine Herkunft durchkreuzt, und das Schicksal führt ihn entgegen seiner Pläne auf seltsame Wege. So erlebt er als zunächst als Söldner, dann als Soldat die Anfänge einer sich allmählich abzeichnenden Verschwörung gegen das gewaltige Idirische Reich. Er erlebt in seinem Aufstieg in den Rängen des Militärs die Wirren von Machtstreben und Korruption in einem Reich, das dennoch die große und einzige Hoffnung in einer dunklen Welt auf Kultur, Zivilisation und Frieden darstellt. Immer wieder stößt er auf Zeichen einer mythischen Vergangenheit, die Rückkehr von Kampfkolossen einer älteren Welt und der unheimlichen Fertigkeiten und Schöpfungen der Bleichen Rasse.

Seine Geschichte ist die von singenden Festungen, die den Wahnsinn in die Hirne der Menschen schicken, von versklavten Geistwesen, von Gilden, die eifersüchtig das Geheimnis ihrer Fähigkeit Geistesbotschaften zu senden hüten. Von Schachzügen der Politiker und Militärs und der einfachen Menschen und Soldaten, die dafür bluten müssen. Von seiner Konfrontation mit dem legendären Eisenkrone und seinem Magiervertrauten Vanwe. Von den Schlachten, die in seiner Seele ausgetragen werden, von den Gräben, Abgründen und Widersprüchen. Was der Ninra Darachel nicht ahnt, ist, dass während Auric ihm noch die Geschichte seines Lebens erzählt, die Bedrohung, die diesen Menschen verfolgte, die sich für das ganze Idirische Reich und damit die Zivilisation dieser Welt aufbaute, bereits ihren Schatten auf Himmelsriff, die Festung der Ninraé gelegt hat. Und dass der Feind oft an ungeahnten Plätzen lauert. Nicht zuletzt im eigenen Herzen.

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Leseprobe:
 „Verdammt, ich glaub, ich hab die Räude.“
Jenric hatte sich neben ihm in die Deckung gegraben und rieb mit wachsender Hektik an seinem linken Arm, wo sich grüne und braune Flecken zeigten, die tatsächlich weniger wie ein Geschwür sondern eher wie Flechtenbefall aussahen. Dort, wo er eine feine Schicht von moosigem Pulver abpulte, kamen darunter hellere, geschichtete Wucherungen zutage.
„Das muss von dieser verdammten Spitzohren-Vegetation kommen“, brummte Jenric. „Wer weiß, was zur Hölle das hier für Pflanzen sind. Ob das überhaupt Pflanzen sind. Ich jedenfalls hab mein Lebtag noch nie so ein Grünzeug gesehen, und ich bin viel rumgekommen, meine Herren.“
Ein helles Lodern über den Baumwipfeln unterbrach ihn und ließ ihn und alle anderen der Gruppe nach oben starren. Eine Salve von Feuerbällen donnerte über sie hinweg. Sekunden später loderte die Kammlinie in ihrem Rücken in flammendem Rot.
„Die armen Kerle, die jetzt sint in dieser Hölleh“, hörte er Crussav ein Stückchen weiter entlang des Grabens murmeln. Trotzdem waren sie froh, dass diese Salve nicht für sie bestimmt war, sondern über sie hinwegging – was sich jederzeit ändern konnte.
Alles konnte sich jederzeit ändern, dachte Auric. Sie mussten zugeben, vollkommen den Überblick über die Kampfsituation verloren zu haben: wo der Feind stand, wo die eigenen Leute standen, wer von wo unter Beschuss genommen wurde. Eine Frontlinie gab es längst nicht mehr, nur noch einzelne Trupps, die in dieser Hölle ums Überleben kämpften und versuchten, dem Feind so große Verluste wie möglich beizubringen. Um in dieser Urwaldhölle den Überblick zu verlieren, bedurfte es wahrhaftig keiner Drogen.
Jenric hatte noch Scheiben einer halben Knolle Rott, die er sich sorgfältig eingeteilt hatte. Vor dem Angriff hatte er eine großzügige Portion davon mit ihm geteilt. „Hier nimm, das macht die Birne alle. Wenn es dich erwischt, fährst du auf dem großen weißen Feuerball in den Himmel. Wenn nicht, wirst du diese spitzohrigen Motherfucker mit deinem verdammten Schwert alle machen, dass sie denken, die Dämonen der Hölle wären über sie hergefallen.“
Vor kurzer Zeit noch – vor der Elfenprovinz, vor Kvay-Nan – hätte er glattweg abgelehnt. Vor den Feldern von Vhau-KhayKhem, vor dem Massaker von Maukhran-Khvor, vor dem endlos sich hinziehenden Schlachten in den Wäldern von Khuvhaurn, vor den Kämpfen um Khavai-Kharn, als an den Ufern des Vh‘nan die Duergas über sie gekommen waren, halb wahnsinnig in ihrer Raserei, und seine Kameraden unter ihren Schlachthämmern gefallen oder in die Fluten getrieben worden waren.
Aber danach war er müde geworden. Müde, das alles bei klarem Kopf mit ansehen und deshalb die Realität all dessen anerkennen zu müssen, müde bei klarem Kopf die Angst, das Chaos, das Grauen erneut durchleben zu müssen. Er war in der kurzen Zeit durch zu viele nicht enden wollende Wälder gerannt, mit Kameraden, die verbrannt, zerfetzt, zerhackt wurden. Er hatte in zu viel Schlamm und Blut gelegen. Sie hatten seine Uniform und Rüstung durchdrungen bis in die letzte Faser, bis alles von Schlamm und Blut getränkt und imprägniert war, bis er selber unter weiteren Schichten von Schlamm und Blut auf seiner Haut vor sich hin gärte und sich kaum noch als menschliches Wesen fühlte sondern eher als ein Teil der Natur, das diese verfrüht zurück gefordert hatte, um schon jetzt mit ihren Kompostierungsprozessen zu beginnen, so als wäre er schon jetzt wieder zur Erde zurückgekehrt.
Vor kurzer Zeit hätte er die Kraft aufgebracht, sich gegen solche zersetzenden Anwandlungen zu wehren. Vor kurzer Zeit war er ein anderer Mensch gewesen. Aber jetzt hatte er die Scheibe Rott angenommen, Jenric gedankt, sie sich in den Mund geschoben und gründlich durchgekaut bis seine Zunge taub und sein Hirn leicht wurde.
Dann war das Zeichen zum Angriff gekommen, und sie waren durch den Urwald gestürmt und hatten den südlichen Hügelkamm genommen, während die Feuerbälle zwischen ihnen herabkrachten und die großen Bäume in Flamme aufgehen ließen.
Sie hörten nur noch das Prasseln der Feuerwände und die Schreie ihrer Kameraden von der Sechzehnten Brigade rings um sich herum. Die Armbrustschützen schossen wie verrückt, kamen aber durch den Wald nicht nah genug an die Vorbollwerke der Festung heran, um ihnen sinnvoll Deckung geben zu können. Sie kriegten zwar die feindlichen Armbruststellungen, an die Feuergeschütze aber kamen sie nicht heran.
Kein Zweifel, die verdammten Spitzohren hatten sie ganz schön an die Kandare genommen.

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Mehr von und über Horus W. Odenthal auf seiner Autorenwebsite.

1 Kommentar:

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