12. September 2012

'Lady Greys Diener' von Georgia May Clarke

Eine historische Liebesgeschichte aus England im Jahr 1899: Georgina führt eine unglückliche Ehe mit ihrem Mann, dem reichen, aber unnahbaren Adeligen Lord Richard Grey, der sie obendrein betrügt. Verletzt lässt sich Georgina auf eine Affäre mit Jamie, ihrem charismatischen Stallknecht ein.

Was als sexuelles Experiment beginnt, entwickelt sich schnell zu einer leidenschaftlichen Beziehung mit Folgen, die Georgina an der oberflächlichen Welt, in die sie eingeheiratet hat, zweifeln lässt.

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Leseprobe:
Nachdem Lord Grey ihm mit einer herblassenden Handbewegung bedeutet hatte, dass er sich jetzt entfernen könne, machte sich Jamie auf den Weg zu den Ställen. Als er den Garten durchquerte, fiel sein Blick auf Lady Grey, die mit einem Buch hinter einem der Büsche auf einer Decke saß. Sie trug ein weißes, hochgeschlossenes Sommerkleid und einen passenden Hut. Dieser betonte ihre roten Haare und sollte die weiße Haut der Aristokratin vor lästigen Sommersprossen schützen. Unweigerlich kam Jamie der Gedanke, dass ein paar Sommersprossen ihrem blassen, maskenhaften Teint sicher zu einem etwas lebhafteren Aussehen verholfen hätten. Ansonsten, das musste Jamie sich eingestehen, war Lady Georgina eine wahrhaft ansprechende Erscheinung.
Jamie näherte sich der Lady und warf ein Blick auf das Buch, in welches sie vertieft war. Es trug den Titel „Leidenschaftliche Hingabe“ und war ohne Zweifel nicht der Art von Literatur zuzuordnen, welche zu lesen sich für eine englische Lady schickte.
Erst jetzt hatte Lady Grey ihn bemerkt, denn sie sprang auf, klappte hektisch das Buch zu und versuchte, es hinter ihrem Rücken zu verstecken. Ihr Gesicht war von einer feinen Röte überzogen und ihr Mund nahm einen schnippischen Ausdruck an.
„Wie kannst du es wagen, mich so zu erschrecken, James?“
Jamie registrierte belustigt, dass Lady Grey offensichtlich Mühe hatte, ihre Fassung wieder zu gewinnen.
„Ich wollte nur mein Interesse an Ihrer Lektüre bekunden, Mylady“.
Jamie grinste. Dieses Spielchen machte ihm Spaß und er wollte sehen, wie weit er gehen konnte.
„Ich finde es außerordentlich bemerkenswert, dass eine Dame wie Sie so belesen ist und sich für so ... ausgefallene Werke begeistern kann.“
Jamie studierte eingehend ihr Gesicht, um nur ja jede Reaktion wahrnehmen zu können. Er fand es jedoch schwierig, ihre Mimik zu deuten. Lady Georgina war peinlich berührt, das sah er ganz deutlich, aber da war eine Sehnsucht in ihrem Blick, die er sich nicht erklären konnte.
Laut sagte sie:
„Muss ich mich jetzt dafür rechtfertigen, was ich lese? Ich kann mir nicht vorstellen, dass du in letzter Zeit ein Buch in der Hand hattest, oder?“
Jetzt klang sie sehr herrisch und ihr Tonfall erinnerte Jamie an denjenigen, den Lord Grey vorhin ihm gegenüber angeschlagen hatte. Jamie zuckte die Achseln.
„Das Leben unterhält mich für gewöhnlich besser, als jedes Buch es könnte, Mylady.“
„Ja, das kann ich mir vorstellen“, erwiderte sie und taxierte ihn mit einem wissenden Blick.
„Ich hörte von Megan und Claire, wie sehr die beiden deine Gesellschaft zu schätzen wissen.“ „Mein Ruf eilt mir also voraus.“ Jamie musste grinsen.
„Aber geziemt es sich denn für eine Lady wie Sie, mit ihren Dienstmädchen über deren Eskapaden zu tratschen?“ Jamie wusste, dass er sich auf dünnes Eis wagte. Dieses Gespräch konnte ihn seinen Job kosten, wenn Lady Grey sich bei ihrem Mann über ihn beschweren würde. Irgendetwas ließ ihn jedoch annehmen, dass sie dies tunlichst unterlassen würde.
„Du bist unverschämt James.“ Wirklich energisch klang dieser Vorwurf nicht.
„Gehe jetzt an deine Arbeit.“ Sie zögerte. Lady Grey schien noch etwas loswerden zu wollen.
„James?“
„Mylady?“
„Komm bitte morgen Abend bei Sonnenuntergang zum kleinen Wäldchen unten am Fluss. Ich … ich habe einen Auftrag für dich.“

Im Kindle-Shop: Lady Greys Diener

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