6. September 2012

'Greystone Saga: Mit Schwert und Feder' von Dana Graham

Der Anfang der Greystone Saga, der Beginn einer großen Liebe. Ian, zu Unrecht verstoßener Sohn des Barons of Darkwood, rettet den Earl of Greystone und dessen Schwester Joanna nach einem Kutschenunfall. Zum Dank wird er auf deren Burg eingeladen, die als Akademie für Adlige dient. Dort wird nicht nur der Unterricht für Ian zur Herausforderung, sondern auch Joanna, in die er sich vom ersten Augenblick an verliebt hat. Aber eine Verbindung mit ihr scheint durch seine Vergangenheit unmöglich ...

Auch Joanna muss sich bald eingestehen, dass sie längst nicht nur Freundschaft für Ian empfindet – doch der Earl of Greystone drängt auf eine Hochzeit mit einem standesgemäßen Mann. Joanna muss sich entscheiden: Folgt sie den Wünschen ihres Bruders oder dem Ruf ihres Herzens?

Gleich lesen: Greystone Saga: Mit Schwert und Feder (Historischer Liebesroman)

Leseprobe:
Mit Einbruch der Dunkelheit kehrte der Tross zusammen mit Lord und Lady Joanna in die Burg zurück. Im Hof erwartete sie eine zierliche schwarzhaarige Frau, Charlotte of Darkwood. Erleichtert lief die Tochter des Burgherrn Lady Joanna entgegen. „Joanna, geht es dir gut? Ich hatte solche Angst um dich und deinen Bruder, als ich von dem Unglück erfuhr.“
Joanna lächelte. „Du musst dir keine Sorgen machen, Charlotte, mein Kopf hält einiges aus.“ Ein Diener reichte ihr die Hand, sie stieg vom Wagen herunter und umarmte ihre Freundin.
Ronen, der Sohn des Burgherrn, und der Earl of Greystone saßen von ihren Pferden ab und gingen zu den zwei Frauen. Aus der Halle der Burg trat nun der Baron of Darkwood und schritt zu ihnen. Er war ein stattlicher, gut aussehender Mann mit grauen Haaren und Bart, der die fünfzig längst überschritten hatte. „Willkommen in Darkwood, Earl Greystone und Lady Joanna“, sagte er mit tiefer Stimme und neigte den Kopf. „Ich freue mich, Sie beide wohlauf zu sehen nach dieser Schreckensnachricht.“ Ein Lächeln erschien im Gesicht des Burgherrn, das jedoch die Bitterkeit, die in seinen dunklen Augen lag, nicht verbergen konnte. Er wies auf die offene Tür. „Lasst uns hineingehen, Charlotte hat das Essen bereits auftragen lassen.“
„Eine gute Idee, Baron“, erwiderte Lord Greystone. „Aber vorher möchte ich einen Eurer Leute belohnen. Er hat uns nach dem Unfall geholfen und durch sein beherztes Eingreifen meinem Kutscher das Leben gerettet. Er unterrichtete auch Ronen von unserer Misere.“
Der Blick, den sich Ronen und Charlotte bei seinen Worten zuwarfen, entging sowohl dem Earl als auch dem Baron.
„Das sollten wir auf morgen verschieben“, sagte Ronen. „Es ist unwichtig.“
„Nein, mein Sohn“, entgegnete ihm sein Vater, „Lord Greystone hat recht. Vorbildliches Handeln verdient Anerkennung.“ Der Baron wandte sich wieder dem Earl zu. „Seht, Mylord, meine Diener bringen Euer Gepäck in die Halle und die Knechte kümmern sich um die Pferde. Hat Euch der Mann seinen Namen genannt?“
„Leider nicht“, antwortete der Earl. Und er selbst hatte in der Aufregung auch versäumt, ihn danach zu fragen. „Allerdings hatte ich das Gefühl, ihm schon einmal begegnet zu sein, obwohl das schwer möglich ist.“ Lauter sagte er: „Der Betreffende möge sogleich zu mir kommen, damit ich ihm persönlich danken kann.“ Doch niemand kam.
„Bestimmt war es einer der Dorfleute und er ist gar nicht hier“, erklärte Charlotte. Sie klang nervös: „Es ist spät und das Essen wird kalt.“
Aber Lord Greystone blieb hartnäckig. „Nein, er sah nicht aus wie ein Dörfler. Außerdem sagte er, dass er auf der Burg arbeite.“ Mit diesen Worten ging er auf die Männer zu, die die Pferde versorgten. Im Schein der Fackeln schaute er sich unter ihnen um. Sein Helfer war nicht dabei. Er wollte sich gerade den Hausdienern zuwenden, da bemerkte er eine hochgewachsene Gestalt, die sich im Schatten der Burgmauer bewegte. „Halt, hiergeblieben!“, rief er. Mit der Schnelligkeit eines erfahrenen Kämpfers packte er den jungen Mann am Arm und zog ihn zurück ins Licht. Lachend sprach er ihn an: „Du bist der Erste, der keine Belohnung erhalten will.“ Lord Greystone blickte zu seiner Schwester und der Familie Darkwood hinüber – und das Lachen gefror ihm auf den Lippen. Der Baron schaute wütend, Charlottes und Ronens Gesichter hingegen waren starr vor Entsetzen.
„Dass er kein gewöhnlicher Knecht ist, war mir von Anfang an klar“, erklärte Lord Greystone. „Und eure Reaktionen bestätigen meine Vermutung.“ Er sah seinen Freund an. „Ronen, wer um alles in der Welt ist das?“
Im Burghof war es still geworden, sodass Ronens Antwort klar zu vernehmen war: „Das ist unser jüngerer Bruder. Ian of Darkwood.“
Lord Greystone nickte. Das war es also, was ihn die ganze Zeit gestört hatte. Ian sah Ronen verblüffend ähnlich, doch sein schäbiges Aussehen hatte ein Erkennen verhindert. Und weder Charlotte noch Ronen hatten ihm oder Joanna gegenüber jemals das Vorhandensein eines jüngeren Bruders erwähnt, obwohl sie seit Jahren miteinander befreundet waren. In seinem Kopf tauchten viele Fragen auf, die für die Familie sehr unangenehm sein würden. Aber der Burghof war nicht der geeignete Ort, dies alles zu besprechen. „Schön, nachdem die Familie vollständig ist, sollten wir das Essen nicht warten lassen“, sagte er in gespielter Fröhlichkeit und drehte sich zur Tür.
Hinter ihm ertönte die kalte Stimme des Barons: „Ian bleibt draußen.“
Lord Greystone bemerkte, wie Ians Blick sich bei den Worten seines Vaters verfinsterte und er sich von ihm zu lösen versuchte. Er lockerte seinen Griff jedoch nicht. „Das ist etwas, was wir nicht vor Euren Bediensteten besprechen sollten, Baron“, antwortete er in einem Tonfall, der deutlich machte, wer von ihnen beiden den höheren Adelsrang bekleidete. Dann betrat er mit Ian zusammen die Burghalle.

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