8. Oktober 2012

'Nacht der Verdammten' von Birgit Böckli

Ein Horrorkurzroman. Zunächst ist es Neugier, die den 13-jährigen Darius antreibt, als er von unerklärlichen Todesfällen erfährt, doch schon bald findet er sich in einem Alptraum wieder, aus dem es kein Entrinnen gibt.

Wer ist der unheimliche Killer, der nur in Vollmondnächten zuschlägt? Und was steckt wirklich hinter den Geschichten über sogenannte Wolfsmenschen? In einer Urlaubspension lernt Darius den Biologen Professor Falken kennen, der ein starkes Interesse an diesen Fragen zu haben scheint. Bald schon macht sich Darius selbst auf die Suche nach Antworten ...

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Leseprobe:
„Sieh mal, hast du das gelesen?" Der Junge reichte seiner Mutter eine Zeitung über den Tisch, wobei er beinahe die Colaflasche umgestoßen hätte.
„Pass doch auf! Was meinst du denn? Mondscheinkiller, was soll das bitte sein?" Regina Mainhard warf ihrem Sprössling einen sorgenvollen Blick zu. Darius mochte aussehen wie das blühende Leben, er hatte sogar ein wenig Farbe bekommen, seitdem sie hier waren, doch wie er sich tatsächlich fühlte, wusste selbst sie nicht zu sagen. Wie reagierte ein Dreizehnjähriger auf den Tod des Vaters?
Sie schob die düsteren Gedanken beiseite und konzentrierte sich auf den Artikel. „Seit drei Monaten sind hier Menschen gestorben? In Vollmondnächten?" Das klang wie ein Schauermärchen.
Darius grinste, und die winzigen Sommersprossen auf seiner Nase leuchteten in der Sonne wie Goldstaub. „Nicht einfach gestorben. Sie wurden richtig zerfleischt! Eine Katze hat's auch erwischt."
Regina lief es eiskalt den Rücken herunter. „Na, also wenn ich das gewusst hätte.." Sie griff ein wenig hektisch nach ihrem Limonadenglas und zuckte zusammen, als Professor Falken plötzlich an ihrem Tisch stand. Der Mann tauchte stets aus dem Nichts auf wie ein Schatten. Nur das schlechte Gewissen, beruhigte sie sich. Als wäre sie Schuld am Tod ihres Mannes, als hätte sie dem Jungen den Vater genommen. Wahrscheinlich war sie es, die in Behandlung gehörte.
„Na, Darius, hast du deine Mutter schon gefragt? Wir wollten nämlich zusammen angeln gehen, wenn Sie nichts dagegen haben.”
Regina seufzte. Das Lächeln des alternden Mannes tat ihr gut. „Hören Sie, Professor, wissen Sie etwas über diesen Mörder, der sich hier herumtreiben soll?" fragte sie ängstlich und warf ihrem Sohn einen weiteren zweifelnden Blick zu.
„Na, na. Sie machen sich wohl Sorgen, wie? Also, laut Zeitungsmeldungen war sich die Polizei da nie so sicher, ob es sich überhaupt um einen Menschen gehandelt hat. Die Spuren deuteten eher auf einen Bären oder ähnliches hin. Seltsam war allerdings, dass es ausnahmslos in Vollmondnächten zu solchen Angriffen kam. Aber ich kann Sie beruhigen, beim letzten Vollmond ist rein gar nichts vorgefallen, das Raubtier scheint weitergezogen zu sein, vielleicht wurde es auch erlegt. Außerdem wollen wir ja nachmittags zum See. Der Finkenweiher soll sehr schön sein. Und ganz ehrlich, ein Junge in Darius’ Alter langweilt sich doch auf die Dauer an einem solchen Ort."
Und damit hatte er sie. Regina spürte, wie ihr flau im Magen wurde.
„Darf ich, Mama?"
„Na schön, aber du bist vor Einbruch der Dunkelheit wieder in der Pension. Und geh dem Professor nicht so auf die Nerven, ja?" Sie lächelte unglücklich.

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