24. Oktober 2012

'Sustainable Impact' von Marc F. Bloom

Ein Thriller, dessen englischer Titel mit eine Doppeldeutigkeit des Begriffes Impact aufgreift, die es im Deutschen so nicht gibt. Der junge Doktorand Richard Hirlinger trifft für einen Forschungsaufenthalt auf dem Cerro Paranal, dem weltweit leistungsfähigsten optischen Observatorium, in Chile ein. Kurz darauf entgeht er nur knapp einem Unfall, bei dem der führende Experte der Exoplaneten-Forschung unter ungeklärten Umständen ums Leben kommt ...

Bei seinen Nachforschungen macht Richard eine erschreckende Entdeckung, die ihn selbst zum Gejagten macht. Langsam ahnt er, dass er sich mitten in einer weitreichenden Verschwörungen befindet, die eine unerwartete Wendung nimmt.

Gleich lesen: Sustainable Impact - Ein globales Endspiel: Thriller

Leseprobe:
Eine leichte Brise blies die salzige Luft vom Atlantik landeinwärts. Die Sonne stand hoch am Himmel. Nur wenige Wolken durchquerten das perfekte Blau. Ein idealer Tag. Seltene Wasservögel und Amphibien bevölkerten die Küsten und Sümpfe des Merritt Island National Wildlife Refuge, eine Insel zwischen Indian und Banana River an der Ostküste Floridas. Der Jetty Park an der Nordost-Spitze einer langgezogenen Insel südöstlich von Merrit Island bildete die perfekte Kulisse für diesen sonnigen Spätsommermorgen. Im Park hatten sich bereits einige hundert Menschen versammelt. Allerdings waren es an diesem Morgen deutlich weniger als üblicherweise den Start des Space Shuttle verfolgten. Die meisten Besucher hatten sich auf Campingstühlen oder anderen Sitzgelegenheiten niedergelassen. Einige Familien hatten wasserabweisende Decken ausgebreitet und ein Picknick mitgebracht. In der vordersten Reihe hatten professionelle Beobachter Fernrohre mit Stativen aufgebaut. Sie alle warteten auf den Start der Rakete. Die Startrampe des Kennedy Space Center auf Cape Canaveral war in mehreren Kilometer Entfernung nur zu erahnen. Das Kennedy Space Center auf dem nördlichen Teil der vorgelagerten Inseln an der Ostküste Floridas umfasst ein gewaltiges Areal und ist aufgrund seiner Äquatornähe besonders geeignet für Raketenstarts.
Auch Edward Russel, Ingenieur und Leiter einer lokalen Telefongesellschaft, war an diesem Tag mit seiner Frau und den beiden Kindern gekommen, um den Start der Delta IV Rakete vom Jetty Park aus zu verfolgen. Bereits um sechs Uhr morgens waren sie in Tampa aufgebrochen und hatten die zweieinhalbstündige Fahrt ohne die erwarteten Staus hinter sich gebracht. Schon seit längerem hatte Edward Russel seinen beiden Kindern einen Besuch im Kennedy Space Center versprochen. Von der Gelegenheit, diesen Besuch mit der Beobachtung eines Raketenstarts zu verbinden, hatte er erst vor wenigen Tagen von einem ehemaligen Arbeitskollegen erfahren, der seit kurzem bei der NASA arbeitete.
Der Start der Rakete war für 10:23 Uhr angekündigt. Das war zumindest die Information, die sich unter den Wartenden herumgesprochen hatte. Edward Russel hatte zu seiner Verwunderung nichts über den geplanten Start im Internet oder in der Lokalpresse gefunden. Normalerweise berichtete die Presse immer von solchen Ereignissen, die sich dann regelmäßig zu einem Besuchermagnet entwickelten. Umso mehr freute er sich über den Geheimtipp und dass er den Tag mit seiner Frau und den Kindern hier verbringen konnte. Wahrscheinlich ein geheimer Militär- oder Spionage-Satellit, den sie hochschießen. Der kostet uns Steuerzahler wieder eine knappe Milliarde Dollar. Und die Zeitungen werden in einem Zweizeiler vom erfolgreichen Start eines Nachrichtensatelliten berichten. Wahrscheinlich ist das der Preis für die Sicherung unserer Freiheit.
Mit näher rücken der angekündigten Startzeit wurden die Besucher im Park unruhiger und drängten näher an die Küstenlinie heran. Wenige hundert Meter nördlich lag die Cape Canaveral Airforce Station mit ihren unzähligen Startrampen, die sich entlang der Küste nach Norden erstrecken. Edward Russel und seine Familie saßen noch immer bei den anderen Besuchern im Park und verzehrten mitgebrachte Bagels und heißen Kaffee aus der Thermoskanne. Die Kinder fragten ihrem Vater Löcher in den Bauch. Über Raumfahrt, den Weltraum und die Sterne. Edward Russel beantwortete schon seit der Autofahrt geduldig die Fragen. Als der Zeiger an Edward Russels Armbanduhr auf 23 Minuten nach zehn sprang kündigte eine leuchtende Wolke von Gas und Wasser, das zur Dämpfung der zerstörerischen Schallwellen beim Start auf die Unterseite der Rakete gesprüht wurde, das Zünden der Triebwerke an. Die mehr als 1.000 Tonnen schwere Delta IV Heavy Rakete mit insgesamt sieben gebündelten Zusatztriebwerken erhob sich wie in Zeitlupe von ihrer Startrampe. Als eine der stärksten derzeit verfügbaren Raketen kann sie eine Nutzlast von mehr als vier Tonnen in einen geostationären Orbit bringen.
Wenige Sekunden nach dem Zünden der Triebwerke hatte sich die Delta IV bereits über den Turm der Startrampe mit der Bezeichnung 37B, von der aus auch der erste Start eines unbemannten Apollo-Mondlandemoduls erfolgt war, erhoben.
Was für ein Start.
Die Kinder jubelten und sprangen vor Begeisterung in die Luft. Das aus der Ferne herüberdringende tiefe Grollen der Triebwerke war im gut acht Kilometer entfernten Jetty Park als ein dumpfes Grummeln zu hören. Langsam schwoll das Dröhnen weiter an. Die Rakete stieg immer höher in den Himmel. Der Feuerschweif, den die Booster-Triebwerke von der Verbrennung des Wasserstoffs hinter sich herzogen, war gleißender als das Licht der Sonne. Der Weg der Rakete durch die Atmosphäre wurde dabei von einer hellweißen Wolke aus dem Kondensat der Triebwerke nachgezeichnet.
Nach einigen Minuten – von der Rakete war nur noch das Triebwerk als Feuerpunkt an der Spitze des Kondenskegels zu erkennen – bemerkte Edward Russel, dass das Feuer der Triebwerke ins Stocken geriet.

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