16. Oktober 2012

'Ohne Skrupel - Ein Cori-Stein-Thriller' von Ingrid Glomp

Ein toter Banker, ein eiskalter Killer und kriminelle Machenschaften mit Medikamenten in der Dritten Welt. Die Journalistin Cori Stein weiß: Das ist die Story ihres Lebens. Doch jemand will um jeden Preis verhindern, dass sie sie erzählt.

Und dann ist da noch Leo, ein geheimnisvoller Fremder, der vorgibt, ihr helfen zu wollen. Gemeinsam mit ihm folgt sie der Spur von Kontinent zu Kontinent, um die Drahtzieher zu entlarven. Sie entdeckt schockierende Verbrechen, die anscheinend niemanden interessieren, und gerät von einer brenzligen Situation in die nächste. Schließlich läuft alles auf die Frage hinaus: Wem kann sie trauen und wem nicht?

Gleich lesen: Ohne Skrupel: Thriller

Leseprobe:
Der Leibwächter betrat drohend den Raum. Und er hatte einen Kollegen mitgebracht, der Cori an einen Sumo-Ringer denken ließ. Schon klar: falsches Land. Doch der Kerl war zwar nicht besonders groß, aber unheimlich massig.
Ohne die Männer aus den Augen zu lassen, schob Leo Cori zur Seite und stellte sich vor sie, was ihr die Sicht nahm.
So ging das nicht. Sie stellte sich neben ihn.
Naomi Li überschüttete die Kerle mit einer schnellen Folge chinesischer Laute.
Wortlos setzten die beiden sich in Bewegung.
Nur gut, dass Cori Sneakers trug. Die Männer wirkten stark, aber nicht besonders schnell und wendig. Es gab nur ein Problem: Der Leibwächter besaß eine Pistole und – nächstes Problem – er schwenkte sie hin und her und bedeutete Cori mitzukommen.
„Sie wollen uns trennen“, sagte Leo auf Deutsch. Seine Stimme klang ruhig.
„Auf keinen Fall“, antwortete Cori ebenso ruhig.
„Gut. Das sehe ich auch so“, sagte Leo.
Der Leibwächter machte einen Schritt auf sie zu. Die Bewegung seiner Pistolenhand wurde nachdrücklicher.
„Mach einmal, was ich dir sage.“ Leos Stimme erlaubte keine Widerrede. „Sie wollen dich. Wenn ich mich also auf den Kerl mit der Waffe stürze, rennst du los, so schnell und so weit du kannst. Fertig?“
Was für eine Frage. Sie war fertig geboren worden.

Leo attackierte den Leibwächter mit solcher Wucht, dass er ihn in eine der Vitrinen drückte. Die Scheiben zerbarsten mit lautem Klirren, Glasscherben flogen durch die Luft.
Cori fasste die Tür ins Auge, rannte los und prallte gegen Sumo, der ihr erstaunlich flink den Weg verstellt hatte.
Aus dem Augenwinkel sah sie, wie Leo versuchte, seinem Gegner die Waffe zu entringen. Krachend löste sich ein Schuss. Putz rieselte von der Decke.
Wie sollte es Leo gelingen, sich gegen den Leibwächter durchzusetzen, mit der Kraft seiner linken Hand gegen dessen vermutlich stärkere rechte?
Doch Cori hatte eigene Sorgen. Zwar war sie dem Griff des Sumo-Kerls ausgewichen, doch noch immer stand er zwischen ihr und der Tür.
Naomi Li hatte sich in den hinteren Teil des Raums zurückgezogen. Sie hielt es anscheinend nicht für nötig sich einzumischen. War das gut oder schlecht?
Während Sumo und Cori sich misstrauisch beäugten, hörte sie das Schnaufen der beiden anderen Männer, die immer noch um die Waffe rangen. Wenigstens hatte sich kein weiterer Schuss gelöst.
Sie brauchte eine Idee. Und zwar eine gute und schnell.
Erst jetzt fiel Cori auf, dass auf den Schränken und in den Vitrinen nicht, wie bei einer feinen Dame wie Naomi Li zu erwarten, Vasen und andere Keramik zur Schau gestellt wurden, sondern ausgesuchte, traditionelle chinesische Waffen.
Sumo und sie hatten eine Pattsituation erreicht. Wenn sie sich einen Schritt nach links bewegte, machte er einen nach rechts. Wenn er nach ihr griff, wich sie aus. Und gleichzeitig kämpfte Leo um sein Leben.
Mit zwei Sätzen war sie bei der Sitzgruppe, fasste das Tischchen an zwei seiner Beine, und ehe Sumo wusste, wie ihm geschah, war das Möbel auf ihn niedergekracht.
Es zersplitterte in seine Einzelteile, so dass Cori nur noch die beiden zierlich geschwungenen Beine in Händen hielt. Doch es hatte seinen Zweck erfüllt. Sumo war in sich zusammengesunken und rührte sich nicht mehr.
Dafür hatte Leo ein neues Problem. Zwar hatte er seinem Gegner offenbar die Pistole entwinden können, denn die lag, für Cori unerreichbar, jenseits der beiden Kämpfenden auf dem Palisanderboden.
Der Leibwächter hatte sich jedoch mit einer Art Schwert mit breiter Klinge bewaffnet und die war aus extrem scharfem Metall.
Entsetzt schnappte Cori nach Luft. Sie musste etwas tun. Aber was? Wenn sie nur die Pistole erreichen könnte.
Der Leibwächter stürzte sich, das Schwert hoch über den Kopf erhoben, auf Leo.
Der griff nach der schon reichlich ramponierten Vitrine zu seiner Rechten, kippte sie leicht und warf sie seinem Angreifer entgegen.
Ein Schmerzensschrei. Eine gezackte Glasscherbe im Türrahmen der Vitrine hatte die Schulter des Leibwächters getroffen, Blut spritzte, das Schwert krachte zu Boden.
Leo war der Weg zu der Pistole abgeschnitten, aber Cori sah eine Chance, sie zu erreichen.
Doch der Leibwächter war schneller. Er warf sich zu Boden, streckte seine unverletzte Linke aus. Leo setzte über die Vitrine und versperrte Cori damit den Weg. Der Leibwächter wechselte die Waffe in die rechte Hand, hob den Arm – und Leo lief zu Coris Entsetzen direkt in die Schusslinie.
Ohne dass sie später sagen konnte, wie es geschah, hatte sie plötzlich mit beiden Händen das Schwert ergriffen, das Leos Gegner kurz zuvor entglitten war. Das Heft war glitschig von seinem Blut, aber lang genug, dass sie es mit beiden Händen umfassen konnte. Sie holte aus und nahm die Hand, die die Pistole hielt, ins Visier. Das Schwert mit seiner etwa 70 cm langen, nach vorn breiter werdenden Klinge war erstaunlich leicht. Deutlich, wie in Zeitlupe, sah sie, wie der Zeigefinger des Gangsters sich am Abzug krümmte, da fuhr das Schwert herab. Sie fühlte einen schwachen Widerstand, Blut pulste aus dem getroffenen Arm des Leibwächters. Ein Schuss löste sich und traf scheppernd einen Schild an der Wand. Weit weg von Leo.

Im Kindle-Shop: Ohne Skrupel: Thriller

Mehr über und von Ingrid Glomp in ihrem Autoren-Blog.

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