17. Oktober 2012

'Himmelstiefe - Zauber der Elemente' von Daphne Unruh

Ein Fantasy-Roman. Kühle Morgenluft und ein rosa verfärbter Himmel über Berlin. Als Kira (17) an diesem Morgen aufsteht, um den ersten Tag des letzten Schuljahres anzugehen und ausrechnet, dass sie jetzt nur noch 250 Schultage von der Freiheit trennen, endlich achtzehn zu sein und bei ihren Eltern auszuziehen, ahnt sie nicht, wie sehr ihre gewohnte Welt bald Kopf stehen wird.

Zuerst trifft sie die Liebe zu dem neuen Schüler Tim wie ein Blitzschlag. Gleichzeitig überfallen sie fiebrig-aggressive Schübe und seltsame Wahrnehmungsstörungen. Was ist nur los? Will sie ihre Verknalltheit in Tim den Mädchenschwarm nicht wahrhaben, oder dreht sie durch? Nichts dergleichen trifft zu. Die Symptome sind erste Anzeichen dafür, dass Kira besondere Fähigkeiten für eins der Elemente Erde, Feuer, Wasser, Luft und Äther ausbildet. Seltsame Schatten beginnen sie zu verfolgen. Im letzten Moment gelingt ihr die Flucht aus einer psychiatrischen Anstalt, in die ihre Eltern sie gesteckt haben, und sie findet mit Hilfe ihrer Chatfreundin Atropa den Weg in die magische Welt an die Akademie der Elemente, wo sie Leute ihresgleichen trifft, die in ihrem jeweiligen Element ausgebildet werden. Doch Kira fühlt sich zwischen den Welten. Sie will zurück zu Tim, aber das ist unmöglich, bevor sie nicht gelernt hat, mit ihren erwachenden Kräften umzugehen. Gleichzeitig ist da Leo, Element Feuer, zu dem sie sich „magisch“ hingezogen fühlt.

Atropa, Kiras Eltern, ihr Mentor Jerome, ihre Engelfreundin Neve oder der seltsame Pio - alle hüten sie Geheimnisse, die Kiras bisherige Identität völlig aus den Angeln heben. Doch nicht nur das: Kira ist auch an der Akademie der Elemente außergewöhnlich. Nach und nach entdeckt sie, dass sie nicht nur besondere Fähigkeiten besitzt, um ein Element zu beherrschen, sondern Talente in mehreren Elementen entwickelt. Das bedeutet sehr große Macht. Ein Geheimbund, der nicht nur die magische Welt bedroht, sondern auch die reale Welt, will sie mit allen Mitteln auf seine Seite ziehen. Die dringendsten Fragen, die sich Kira immer wieder stellen, sind: Wem kann sie vertrauen? Wer gehört zu ihren wahren Freunden? Was ist ihre Bestimmung? Und wen liebt sie wirklich, Leo oder Tim?

Gleich lesen: Himmelstiefe (Zauber der Elemente 1)

Leseprobe:
[...] Ich wirbelte durch einen Tunnel, an dessen Ende mir ein sehr warmes und helles Licht entgegen strahlte. Ich fühlte kein Wasser mehr um mich. Es schien fort zu sein, ich war so dankbar! Allerdings spürte ich meinen Körper ebenfalls nicht. In meinen Ohren klang eine unbeschreiblich süße Melodie. Oh je, so hatte Luisa Nahtoderfahrungen im Ethikunterricht beschrieben. Das hieß, ich war am Sterben. Meine Seele schwebte gerade in das Licht da vorne, während mein Körper auf den Grund des Sees gezogen wurde. Wilde Panik ergriff mich. Ich wollte nicht sterben! Panik? Von Angst hatte Luisa allerdings nichts gesagt. Leute, die dem Tod sehr nahe waren, fühlten sich rundum wohl und wollten nicht mehr zurück. Nur eine verschwindend geringe Prozentzahl machte Höllenerlebnisse durch. Gehörte ich etwa dazu? Das warme Licht raste heran. Ich wollte zurück und zwar sofort! Ich versuchte umzukehren, mit Armen und Beinen zu rudern, die ich nicht hatte, zu schreien, wollte auf keinen Fall in die Hölle. Aber ich hatte keine Chance. Das Licht erfasste mich. Ich musste kräftig niesen und riss dabei die Augen auf. Oh Gott! Das war ein sehr irdisches Gefühl. Ich spürte meinen Körper. Ich steckte drin. Ich war noch DA. Ich lag irgendwo herum. Und fragte mich im gleichen Moment, wo??
Die Sonne schien wohlig warm und leuchtend durch ein Blätterdach auf mich herab. Allerdings war das Blätterdach weiß und auch alles um mich herum sah aus wie eine glitzernde Schneelandschaft. Wie kam ich hierher, nachdem ich durch einen Abwasserkanal gestolpert und in einem unterirdischen See ertrunken war? War ich doch im Himmel? Ich versuchte mich ein wenig aufzurichten. Auf sehr irdische Weise taten mir dabei alle Knochen weh. Nichts passte zusammen. Ich zog meine Hände aus dem flaumigen Wolkenweiß. Sie waren menschlich rosig wie immer, nur eiskalt.
Langsam verstand ich, dass es kein Schnee und auch kein Wolkendampf war, auf dem ich lag. Ich befand mich in einer Landschaft, die komplett von einer Decke aus Blüten eingehüllt wurde. Winzige weiße Blütenblätter klebten an meinen Fingern. Unzählige weitere Blütenblätter rieselten wie Schnee aus den Bäumen. Trotzdem ging ein Zittern durch meinen Körper, als steckte ich in einer Schneewehe fest. Mein klitschnasser Schlafanzug klebte an mir. Tiefblaue Kälte kroch von den Beinen heran, obwohl sich die Luft tropisch warm anfühlte. Meine Füße brannten. Ich versuchte, sie zu bewegen und bemerkte, dass sie sich im eiskalten Wasser befanden. Sie waren nackt. Ich hatte meine Schuhe verloren. Nein, ich hatte ja gar keine Schuhe dabei gehabt. Die Erinnerung an die letzten Stunden kehrte zurück. Ich war aus einer Anstalt geflohen, beziehungsweise entführt worden und dann geflohen. Und nun lag ich am Rande eines Sees. Das Glitzern kam also nicht von den Blüten, sondern von der Oberfläche des Wassers, die sie bedeckten. War ich aus dem Wasser gekommen? Aber das war doch völlig unmöglich! Wahrscheinlich erlebte ich einen Realtraum, während ich angeschnallt im Krankenhaus lag, oder doch eine nahtodähnlichen Fantasie. Ich hatte nicht genug Kraft in den Beinen, um meine Füße aus dem Wasser zu ziehen. Ich sank zurück in das weiche Blütenmeer und schloss die Augen. Ich hatte überhaupt keine Kraft. Gut, jetzt war ich so weit. Ich wollte nicht mehr zurück in die Enge eines schwarzen Tunnels. Ich wollte einfach liegenbleiben. Mit geschlossenen Augen hörte ich wieder die süße leise Melodie. Sie war so schön, als hätte jedes herabfallende Blütenblatt einen anderen zarten Glockenton und zusammen ergaben sie bei der Berührung des Bodens einen wunderschönen Klang. Ich gab mich ganz hinein und rührte mich nicht mehr. Plötzlich schien sogar Gesang einzusetzen.
„Hallo?“ hörte ich. Dann nochmal:
„Hey!“
Ein seltsamer Liedanfang.
Jemand rüttelte unsensibel an meinen Schultern, völlig unpassend zur Situation. Ich spürte, wie die blaue Kälte, die gerade nach meinem Herz greifen wollte, zurück wich. Ich blinzelte in ein Gesicht. Die Krankenschwester? Nein. Das Gesicht war glatt und elfenbeinhell, mit blauen Augen darin und einem blassrosa Mund. Es war umrahmt von lockigen, schokobraunen Haaren, die über ein weißes Hemd fielen. Der Mund lächelte und die Augen schauten besorgt. Meine Lider waren so schwer.
„Nicht wieder einschlafen!“, befahl die Gestalt. Das musste ein Engel sein. Allerdings trug er kein Gewand, sondern das schlichte langärmelige Shirt ging nur knapp über den Bund einer weißen Kniehose. Gab es auch Engel in kurzen Hosen? Ich forschte nach Schuhen, konnte aber keine ausfindig machen, weil seine Füße bis zum Knöchel in den Blüten verschwanden. Jetzt zerrte der Engel an mir, zerrte mich ohne Erbarmen hoch.
„Los, komm, hilf mit. Sonst stirbst du! Los!“
Sonst stirbst du? Das hieß, ich war noch nicht tot. Und ich war irgendwo, wo man nicht tot sein sollte, auch wenn es hier Engel gab. Ich verstand rein gar nichts und beschloss, auf ihn zu hören. Oder besser, auf sie. Was Aussehen und Stimme anbelangte, war der Engel ein Mädchen. Sie war klein und zartgliedrig, aber schaffte es, mich hoch zu zerren und mit dem Oberkörper gegen einen Baum zu lehnen. Ich hustete und spuckte Wasser. Sie klopfte mir auf den Rücken. Ich lag jetzt in der prallen Sonne und spürte, wie ihre warmen Strahlen mit den Krallen der blauen Kälte in mir rangen.
„Wo bin ich?“, brachte ich hervor und hoffte, dass das Engel-Mädchen mein Flüstern überhaupt verstehen konnte.
„Du bist in Sicherheit, auch wenn ich mich frage, wie du das gemacht hast.“
„Was?“
„Na, überlebt … Los, versuch dich auf mich zu stützen, du musst raus aus dem nassen Zeug …“

In Kindle-Shop: Himmelstiefe (Zauber der Elemente 1)

Mehr über und von Daphne Unruh auf ihrer Website.

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