14. November 2012

"Weihnachtsmann hat noch mehr Stress" von Annette Paul

Amüsante Kurzgeschichten, in denen der Weihnachtsmann mit alltäglichen Problemen kämpft. Schon im Sommer dreht sich für den Weihnachtsmann und seine Mitarbeiter alles um die Weihnachtsvorbereitungen. Bis zum Fest steigt die Belastung. Dabei muss er seine Mitarbeiter trotz schlechter Arbeitsbedingungen bei Laune halten und sehen, wie er die nötigen Mittel auftreibt.

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Leseprobe aus "Betriebsausflug":
„Ihr habt im letzten Jahr so gut gearbeitet und unsere Produktivität um dreißig Prozent übertroffen, deshalb möchte ich mit euch feiern. Wir machen im Juli, noch vor den Sommerferien einen Betriebsausflug“, eröffnete der Weihnachtsmann die Betriebsversammlung.
„Nicht schon wieder am See grillen“, murrte im Hintergrund ein Wichtel.
„Keine Wanderung“, stöhnte eine Wichtelin.
Der Weihnachtsmann überlegte blitzschnell, Fahrradtour, Paddeltour, Floßfahrt, Theater-, Zoo- und Zirkusbesuch hatten sie alles schon gehabt. Schließlich existierten sie schon sehr lange. Er hätte gerne eine Kreuzfahrt spendiert, doch das gab der Etat nicht her und sein oberster Boss hielt sowieso überhaupt nichts von diesen Betriebsausflügen.
„Nein, es gibt so viel Hunger auf der Welt, da ist ein Besuch von St. Pauli bei Nacht oder ein Ausflug nach Monaco mit anschließendem Casino-Besuch wirklich nicht nötig“, hatte er beim letzten mutigen Vorstoß des Weihnachtsmann abgewehrt.
Die Mitarbeiter wurden immer unruhiger. Nervös kaute der Weihnachtsmann auf seinem Bart herum. Seine Idee mit der Wanderung durch die Berge mit anschließendem Goldschürfen im Bach brauchte er bei dieser miesen Stimmung gar nicht erst vorschlagen. Dabei hätte er ein paar Nuggetfunde gut gebrauchen können. Seine Kasse war wieder einmal leer.
„Wir gehen einkaufen. Wir nehmen die Fahrzeuge und fahren bis zum Einkaufszentrum auf der grünen Wiese. Dann könnt ihr stöbern, soviel ihr wollt und euer Taschengeld auf den Kopf hauen.“
Eine Weile schwiegen sie, dann diskutierten sie miteinander. Ein gutes Zeichen fand er. Endlich meldete sich eine Wichtelin. „Können wir Ende Juni fahren? Dann ist Sommerschlussverkauf und wir bekommen mehr für unser Geld.“
Nachdem das ausführlich diskutiert worden war, stand es fest. Am 28. Juni ging es einkaufen.
Noch nie waren so viele Wichtel bei dem Firmenausflug mitgekommen. Alle Fahrzeuge wurden als Transportmittel gebraucht. Selbst der Weihnachtsmann quetschte in seinen roten Porsche nicht nur auf dem Beifahrersitz zwei Wichtel, sondern auch noch auf den Notsitz vier. Zum Glück brauchten sie nicht so lange fahren und erreichten kurz vor Öffnung der Läden ihr Ziel. Sie vereinbarten, sich eine halbe Stunde nach Ladenschluss vor dem Parkhaus zu treffen.
Der Weihnachtsmann setzte seine Passagiere an der Bushaltestelle ab, dann fuhr er weiter, einen Parkplatz zu suchen.
Er hätte sich einen ruhigeren Tag gewünscht. Das Parkhaus war überfüllt. Er irrte hin und her. Mehrmals durchquerte er die gleichen Gänge, die gleichen Etagen bis er schließlich eine enge Lücke fand, in die er sich mit viel Geduld und vielen Flüchen hineinrangierte.
Dann stürzte er sich in den Einkaufstrubel. Er war begeistert. Er hatte gar nicht gewusst, wie günstig er neue Anzüge, Socken, Unterhosen und selbst Haushaltsgegenstände besorgen konnte. Warum besorgte er nicht jedes Jahr hier die Weihnachtsbestellungen?
Am frühen Nachmittag bekam er Hunger und besorgte sich ein paar Hamburger. Dann arbeitete er sich weiter in den Geschäften vor. Er fand so viele nützliche Dinge für seine Mitarbeiter, bald wusste er nicht mehr, wie er alles tragen sollte. Dabei war er doch trainiert, viele Geschenke zu transportieren. Erst als die Läden schlossen und alle Kunden von müden, aber freundlichen Verkäufern hinauskomplimentiert wurden, fand er sich schwer bepackt auf der Straße wieder. Wo war bloß das Parkhaus? Nach einigem Suchen entdeckte es, dass es deren drei gab. Nur in welchem sein Porsche stand, wusste er nicht mehr. Also machte er sich mit seinen Wichteln auf die Suche. Rote Porsche gab es ziemlich oft. Immer wieder dachte er, er hätte sein Auto, dann war es doch wieder ein fremdes. Einen Porsche mit Anhängerkupplung gab es anscheinend nur einmal. Er wurde immer panischer. Rannte hierhin und dorthin.

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