11. Februar 2013

'TEAM 002: Die Entführung der Queen' von Jens Hildebrand

Ein Roman voller Abenteuer für junge Leser.

Tom Carter hat ein Geheimnis, denn er ist nicht der normale elfjährige Junge, für den ihn alle halten. Seine Nachbarin ist Oma Gertrud, eine gebrechlich aussehende alte Dame, doch sie ist die Geheimagentin 002. Tom begleitet sie auf ihrer Mission, die Queen zu retten.

Lesermeinung: "Ich habe dieses Buch zusammen mit meinen Kindern gelesen. Oder vielmehr, ich habe es ihnen vorgelesen und sie haben ganz gebannt gelauscht. Es hat uns sehr gut gefallen. Die Geschichte war von Anfang bis Ende spannend, voller Überraschungen und sehr humorvoll."

Gleich lesen: TEAM 002 und die Entführung der Queen

Leseprobe:
Alle kannten Oma Gertrud.
Niemand wusste, ob sie überhaupt eine Oma war, aber so nannte man sie eben, weil sie wie eine Oma aussah. Alle kannten sie, wie sie mit dicker Brille, Gehstock und Einkaufswägelchen die Stufen vor ihrem Häuschen herunterschlich und an den Gartenzwergen vorbeizuckelte, ungefähr so schnell wie eine Schildkröte; wie sie den Bürgersteig entlangkroch und langsam Fahrt aufnahm, bis sie bei der Bushaltestelle etwa das Tempo einer Rennschildkröte erreichte. Man kannte sie, wie sie ein Schwätzchen mit dem alten Mr. Withers hielt, der immer so tat, als würde er in seinem Vorgarten arbeiten, aber in Wirklichkeit nur alles mitkriegen wollte, was in der Straße passierte; wie Oma Gertrud dann im Eingang des Supermarkts verschwand, und wie sie eine halbe Stunde später wieder herauskam und den Rückweg antrat: mit vollgepacktem Einkaufswägelchen und dem Tempo einer Schildkröte mit Betonüberschuhen.
Dieses Spektakel spielte sich fast täglich in Wimbledon ab, dem bekannten Vorort von London – wenn Oma Gertrud nicht gerade auf Reisen war und wahrscheinlich einen ihrer Verwandten besuchte.
Wie gesagt: Alle kannten Oma Gertrud.
Zumindest glaubten sie das.
Tom glaubte es auch, bis er eines Tages den Fehler beging, in den Garten hinter ihrem Haus zu schleichen (oder besser gesagt: zu fallen).
Die Jungs spielten gerade Versteckfangen, und Tom war auf der Flucht vor Billy, der groß und kräftig war und die meisten Verstecke kannte. Trotzdem standen Toms Chancen nicht schlecht, denn er konnte rennen wie der Wind und sich prima verstecken – manchmal so gut, dass die anderen schon mit der nächsten Runde anfingen, weil sie ihn einfach nicht finden konnten. Einerseits fand er das cool, andererseits ärgerte es ihn auch ein bisschen, wenn sie ohne ihn weitermachten. Was ihn allerdings am meisten störte war die Brille, die er seit zwei Wochen tragen musste, damit er in der Schule die Tafel lesen konnte. (Wer möchte schon in der Schule die Tafel lesen?)
Dieses Ding auf der Nase zu haben war ein komisches Gefühl. Außerdem hatte es auf dem Schulhof ein paar blöde Sprüche gegeben, die zwar am nächsten Tag wieder aufgehört hatten. Aber das störte Tom fast noch mehr, weil er das Gefühl hatte, irgendwie unsichtbar zu sein. Er war nicht besonders stark und nicht schwächlich, nicht besonders groß oder klein, schlau oder dumm… er war so erschreckend normal, dass ihn niemand beachtete. Wie neulich, als sie am Ende des Klassenausflugs übersehen hatten, dass er noch nicht im Bus saß – ein Museumswärter gab ihm drinnen gerade eine lange Ermahnung, weil jemand dem Dinosaurierskelett eine leere Pringles-Dose in die Zähne gesteckt hatte. Das war zwar Nick gewesen, der Klassenclown, aber die Ermahnung hatte Tom abbekommen, während der Bus ohne ihn abfuhr …
Das war nicht einmal böse Absicht gewesen. Manchmal vergaßen die Leute einfach, dass es ihn überhaupt gab, und das nervte. Um endlich beachtet zu werden, hatte Tom in den letzten Wochen selbst ein paar Streiche gespielt, zum Beispiel Kaulquappen ins Schulschwimmbecken gekippt. Aber auch das hatte nichts gebracht, denn niemand glaubte ihm, dass es seine Streiche waren. Alle nahmen an, dass Nick dahintersteckte.
Wie auch immer, hier und jetzt war es wichtig, dass er sich aufs Versteckfangen konzentrierte. Das Coole daran war, dass man durch die Gärten der Nachbarschaft laufen konnte, solange man nichts zertrampelte oder die Gartenzwerge in Oma Gertruds Vorgarten durcheinanderbrachte. In diesem Moment lief Tom die schmale Gasse entlang, die zu dem Garten hinter ihrem Haus führte, der nicht nur von einem hohen Zaun, sondern auch von einer dichten dornigen Hecke umgeben war. Tom hatte sich nie viel dabei gedacht – Oma Gertrud mochte wohl einfach keine Fremden, und die Hecke sah einfach zu gefährlich aus, um sie zu erklettern. Deshalb hatte er es auch noch nie versucht.
»Kannst du mir helfen?«, piepste eine verzweifelt klingende Stimme.
Tom fuhr herum. Ein Mädchengesicht lugte hinter dem Apfelbaum hervor, der nahe der Hecke wuchs. Es war die kleine Julie von Nummer neunzehn.
»Was ist denn los?«, fragte Tom.
»Godzilla will nicht runterkommen. Da!«
Sie zeigte hoch in den Baum, wo eine graue und ziemlich monstermäßige Katze saß und die Sonne genoss.
»Deine Katze heißt Godzilla?«, fragte Tom.
Julie nickte heftig.
»Also gut«, seufzte Tom. Er musste sich beeilen, denn Billys schwere Schritte kamen schon die Gasse entlang. Tom kletterte schnell auf den untersten Ast. Die Katze blinzelte müde. Tom streckte die Hand aus, jeden Moment darauf gefasst, dass sie nach ihm schlug – bei Katzen musste man schließlich mit allem rechnen. Aber sie ließ sich ohne Widerstand anfassen und auf den Arm nehmen. Er kletterte ein Stück nach unten und reichte sie Julie.
»Die ist aber ganz schön schwer.«
Julie nickte. »Ja, voll fett. Wie heißt du?«
»Du kennst meinen Namen nicht?«
Julie schüttelte den Kopf.
»Ich bin Tom. Vielleicht erkennst du mich nicht wegen der Brille?«
Sie zuckte die Achseln und zeigte auf sein Bein. »Wie ist das passiert?«
Tom sah nach unten. Seine Jeans war hochgerutscht, so dass man die hellen, zackigen Flecken auf seiner rechten Wade sehen konnte.

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Mehr von und über Jens Hildebrand auf seiner Website www.jenshildebrand.de.

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