7. Februar 2013

'Geheimakte Labrador' von André Milewski

Ein Abenteuerroman in Indiana Jones-Manier. Der junge Deutsche Max Falkenburg arbeitet 1952 als Museumswärter im Wikingerschiffmuseum in Oslo. Als er den Diebstahl eines geheimnisvollen Medaillons verhindert, findet er sich unvermutet auf der Suche nach Thors legendärem Hammer Mjöllnir wieder. Gemeinsam mit dem amerikanischen Archäologen Frederick Crichton und seinen Studenten setzt Max alles daran, um das mythische Artefakt zu finden.

Doch eine Spezialabteilung des russischen Geheimdienstes ist ihnen dicht auf den Fersen und schreckt vor nichts zurück, um den Hammer in ihren Besitz zu bringen. Die Suche führt Max und seine Freunde über Island nach Grönland und letztlich bis an die Küste Labradors, wo es schließlich zum alles Entscheidenden Kampf um Mjöllnir kommt …

Gleich lesen: Geheimakte Labrador: Thriller

Leseprobe:
Markland – 1000 n.C.
»Das war hoffentlich der Letzte dieser verdammten Skrälinge!«, fluchte Leif, als er mit einem kräftigen Ruck sein Schwert aus dem reglosen Körper zog. Dampfend sickerte Blut aus der Wunde, tropfte in den Schnee und färbte ihn tiefrot. Leif blickte sich um und sah auf die unzähligen niedergestreckten Feinde, die auf dem Schlachtfeld verstreut lagen. Mindestens zwanzig, dreißig der hinterhältigen Feiglinge, schätzte er. Zwischen ihnen erblickte er auch zwei vertraute Gesichter: Thoralf und Sigurd. Beide waren grausam zugerichtet, aber Leif konnte den Blick nicht von seinen toten Kameraden abwenden. Es war seine Schuld, er führte sie in diese schrecklichen Gefilde am Ende der Welt. Im Alleingang hätte er es nicht bis hierher geschafft. Nur durch die Hilfe seiner treuen Freunde war dies möglich gewesen. Aber ihr Opfer würde nicht vergebens gewesen sein! Schließlich wandte er den Blick von den Toten ab und er sah Heimir, der gerade versuchte seine doppelschneidige Streitaxt aus dem Oberkörper eines Skrälingers zu ziehen. Mit einem hässlichen Knacken löste sich die Axt.
»Hierfür werden uns die Götter verdammen!«
Heimirs unruhige Stimme verriet, dass ihm nicht behagte, was sie getan hatten. Leif sah seinen Freund an. Heimir überragte ihn nahezu um zwei Kopflängen und war so breitschultrig, dass auf der Ruderbank ihres Drachen kein zweiter Mann neben ihm Platz fand. Sein blondes Haar hatte er zu einem langen Zopf gebunden und geschworen, sich die Haare erst nach einem verlorenen Zweikampf wieder zu kürzen. Doch dazu war es bisher nie gekommen. Sie hatten gemeinsam die weitesten Fahrten unternommen, sich furchtlos dem Unbekannten an den Gestaden jenseits der alten Welt gestellt. Seit frühester Kindheit kannte er Heimir, aber nun gewahrte er beim Blick in dessen Augen, wie sein hünenhafter Freund, der stärkste Viking von allen, vor ihm stand und Angst hatte. Unsagbare Angst.
Leif gab ihm keine Antwort. Er war sich nicht sicher, ob er das Richtige tat. Nur eines wusste er: Dass er handeln musste, um das Unheil zu stoppen, bevor es sie alle verschlingen würde. Mit einem verbissenen Gesichtsausdruck reinigte er sein Langschwert, steckte es zurück in die Scheide und ging zu der kleinen Holzkiste, die er beim Angriff der Skrälinge am Waldrand abgestellt hatte.
Keiner der Angreifer hatte es gewagt, sich der Kiste zu nähern. Sie strahlte eine unheilvolle Aura aus. Lange blickte Leif auf die unscheinbare Holzschatulle. Hätte er die Kiste bei dem Angriff geöffnet, würden Thoralf und Sigurd gewiss noch Leben. Aber welchen Preis hätte er, hätten sie alle dafür zu zahlen?
»Bist du dir immer noch sicher, dass du ihn hier vergraben willst? Die Skrälinge könnten kommen und ihn an sich nehmen«, sagte Heimir hinter ihm und riss ihn aus seinen Gedanken.
Leif hob die Kiste hoch. Sie schien ihm schwerer als zuvor.
»Das werden Sie nicht. Das können Sie nicht! Ganz im Gegenteil. Sie werden der beste Schutz dafür sein.«
Er verachtete die Skrälinge zutiefst. Es waren heimtückische Feiglinge. Sie griffen nur aus dem Hinterhalt an, im Zwielicht, damit ihre Opfer sie erst im letzten Moment sehen konnten. Mit den Waffen der Feiglinge: Bogen und Speer. Doch Leif brachte den Kampf zu ihnen. Unzählige Skrälinge hatten sie erschlagen, auf ihrem Weg durch den unheimlichen Wald. Die Passage erforderte einen hohen Blutzoll. Nur Heimir und er waren übrig. Thoralf, Sigurd, Eirik und Gunnar waren den verfluchten Feiglingen zum Opfer gefallen. Trotzdem spielten die Skrälinge eine Rolle in seinem Plan. Sie würden die Wächter sein!
Die Landzunge, die er von der See aus gesehen hatte, lag nun offen vor ihnen.
»Komm Heimir, wir müssen näher an die Küste heran«, sagte Leif und ging entschlossen voraus. Mit jedem Schritt spürte er, wie das Gewicht der Kiste in seinen Händen zunahm.
Als sie den Küstenstreifen erreichten, setzte leichtes Schneetreiben ein. Schweißgebadet stellte Leif die Holzkiste ab. Über dem Meer zuckte ein Blitz hinunter, dem wenige Augenblicke ein lautes Donnern folgte.
»Das ist die Stelle! Hier vergraben wir ihn!« sagte er mit entschlossener Stimme. Schweigend begannen Heimir und er ein Loch in dem eisigen Boden zu graben. Es kostete sie einige Zeit, den harten Untergrund zu öffnen.
Als es geschafft war, ging Leif näher an die steil abfallende Küste heran und sah sich um. Die schroffen Felsen, die fast senkrecht aus dem Wasser aufragten und vor allem die gefährlichen Untiefen machten es unmöglich, sich diesem Platz vom Meer aus zu nähern. So weit er blicken konnte, gab es keine Möglichkeit ein Schiff anzulanden. Und der Weg über Land war gefahrvoll, das wusste er mit schrecklicher Gewissheit. Diese gottverdammten Skrälinge! Er wünschte ihnen allen den Tod. Die Hand seines Freundes auf seiner Schulter riss ihn aus diesen hasserfüllten Gedanken.
»Was hast Du?«, fragte er Heimir ohne ihn anzusehen.
»Noch können wir zurück Leif! Wir nehmen ihn mit uns. Und entgehen so vielleicht der Verdammnis!«, sagte Heimir flehend. Leif umklammerte den Arm seines Freundes.
»Nein mein Freund. Du weißt genauso gut wie ich, dass es dann keine Rettung mehr für uns gibt. Niemand sollte ihn besitzen, er ist nicht für Menschen gedacht!«
Vom Meer grollte ein Sturm heran und gewaltige Wellen bauten sich auf und peitschten ohne Unterlass gegen die Klippen.
»Gibt es denn keine andere Möglichkeit? Warum versenkst du ihn nicht einfach im Meer?« Heimirs Stimme klang kraftlos. Leif wandte sich ab. Er blickte hinaus auf die See, dessen Gewoge sich wie von wilder Raserei getrieben, hoch auftürmte, um dann gnadenlos auf die Küste zu schmettern. Weit entfernt sah er Blitze ins Meer zucken. Thors ganzer Zorn schien sich hier, am Ende der Welt, zu entladen.
»Nein, im Meer ist er nicht sicher«, sagte er fast tonlos.
Leif wusste das Heimir ihn keinesfalls hören konnte, bei dem Getöse um sie herum. Fast erschien es ihm, die alten Götter würden ihm zürnen. Seine rechte Hand tastete nach dem kleinen Kreuz, das er um den Hals trug. Er umklammerte es fest. Aber Leif hatte nichts mehr zu verlieren, es war seine einzige Hoffnung seine Familie und sein Volk von dem Fluch zu befreien. Gleichwohl durfte er ihn nicht dem Meer überantworten. Vielleicht würde es ihm gelingen herauszufinden, wie man die Kräfte beherrschen kann, wenn er nur noch mehr Zeit hätte.
Er drehte sich wieder zu seinem Freund um.
»Heimir?«
»Ja?«
Leif glaubte, in Heimirs Stimme einen Funken Hoffnung zu hören. Hoffnung darauf, dass er seine Meinung geändert hatte.
»Verzeih mir!«
Ehe Heimir sich der Bedeutung von Leifs Worten klar werden konnte, zog Leif sein Schwert und trennte mit einem schnellen Hieb dessen Kopf von den Schultern. Als der Kopf zu Boden fiel, sah Leif in die vor Überraschung und Entsetzen weit aufgerissenen Augen seines Freundes.
»Lebe lang in Walhall, an Odins Tafel mein Freund!«

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