10. Oktober 2013

'Westside-Blvd. - Entführung in L.A.' von Torsten Hoppe

Die junge Schauspielerin Heather Simms wird in L.A. auf dem Weg nach Hause entführt. Während die Polizei verzweifelt versucht Hinweise oder Spuren zu finden, verfolgt der Entführer seine ganz eigenen, ungewöhnlichen Pläne. Unter dem Deckmantel der Gerechtigkeit stellt er Forderungen, doch Lieutenant Steve Delaney vom LAPD muss schnell feststellen, dass dieser Fall nach keinem gängigen Schema abläuft.

Während die Polizei im Zuge der Ermittlungen zu unkonventionellen Mitteln greifen muss, spürt auch Heather bereits sehr bald, dass sie in den Händen eines unberechenbaren Psychopathen gelandet ist. Sie sieht sich gezwungen, einen gefährlichen Kampf um ihr Leben zu führen. Einen Kampf, für den ihr niemand ein fertig geschriebenes Drehbuch reichen kann und dessen Regeln sie erst erlernen muss ...

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Leseprobe:
Mein Kopf flog zur Seite, als seine Hand brutal gegen meine rechte Wange schlug. Die Augen meines Vaters funkelten aggressiv und nur mit sichtlicher Mühe gelang es ihm, nicht völlig die Beherrschung zu verlieren.
»Wage es nie wieder in diesem Ton mit mir zu sprechen!«, schrie er.
Ich wich einen Schritt zurück und starrte ihn hasserfüllt an.
»Warum? Verträgst du die Wahrheit nicht? Mum ist erst seit zwei Monaten tot und du amüsierst dich bereits mit irgendwelchen dahergelaufenen Schlampen! Du besitzt ja noch nicht mal den Anstand, mit ihnen in ein Motel zu fahren. Nein, Mr. Burton legt seine neuesten Errungenschaften lieber im eigenen Ehebett flach. Hast du wenigstens Mums Bild umgedreht oder musste sie dir bei deiner Morgengymnastik auch noch zusehen?«
Als Dads Hand urplötzlich vorschnellte und sich um meinen Hals legte, hatte ich nicht die geringste Chance auszuweichen. Mit einer ruckartigen Bewegung stieß er mich mit dem Rücken gegen den Türrahmen, ohne dass sein Griff sich dabei lockerte. Ich stöhnte vor Schmerzen auf.
»Vorsicht, junge Lady, oder ich vergesse mich. Ich bin dir keine Rechenschaft schuldig; dir nicht und auch keinem anderen Menschen. Der Tod deiner Mutter hat mich genauso hart getroffen wie dich. Aber das Leben geht weiter. Ich brauche keine Ratschläge von einer neunmalklugen Sechzehnjährigen, deren einziges Talent darin liegt, mein Geld mit vollen Händen auszugeben.«
Ich spürte, wie mir die Luft wegblieb. Die Hand meines Vaters drückte unbarmherzig gegen meinen Hals und ich stieß ein leises Röcheln aus. Krampfhaft versuchte ich seine Finger zu lösen, doch ich war nicht mal annähernd kräftig genug, um gegen ihn anzukommen. Ich hörte auf mich gegen ihn zu wehren und hoffte inständig, dass sich sein Griff dadurch etwas lockern würde. Er zog mich mit einer langsamen Bewegung zu sich hin, blickte mir starr in die Augen und schleuderte mich anschließend mit einem kurzen, kräftigen Stoß gegen die Wand des Flures.
Für ein paar Sekunden stand er regungslos da, dann drehte er sich um und ging mit schnellen Schritten zur Eingangstür. Während er die Tür öffnete warf er mir noch einen wütenden Blick zu, dann verschwand er auf der Straße. Ich kauerte röchelnd an der Wand, massierte mit der rechten Hand meinen Hals und kämpfte gegen das Schwindelgefühl an. Mein ganzer Körper zitterte, als ich langsam an der Wand entlang zu Boden rutschte. Gierig sog ich die Luft in meine Lungen und spürte, wie das Leben allmählich wieder in meine Glieder zurückkehrte.
»Verdammtes Schwein«, murmelte ich und lehnte den Kopf gegen die Wand. Mit Tränen in den Augen starrte ich abwesend zur geschlossenen Eingangstür.
»Cut. Das war hervorragend, Leute. Wir machen zwanzig Minuten Pause.« Terry Gordon erhob sich von seinem Regiestuhl und kam auf mich zu. Er reichte mir die Hand und zog mich zu sich hoch.
»Für einen Moment hatte ich Angst, ihr beide würdet euch gegenseitig umbringen.«
Ich sah ihn mit meinem treuesten Blick an. »Da brauchst du dir keine Sorgen zu machen, Terry. Ich habe großen Respekt vor dem Alter und so gesehen ist Richard doch die absolute Respektsperson.«
»Hey, ich bin im besten Alter.« Richard Kent stand in der Tür und hatte den Kopf leicht schräg gelegt. »Ich bin wie ein guter Wein, der immer besser wird, je mehr Zeit er zum Reifen bekommt. Ich glaube, wenn du meine richtige Tochter wärst, hätte ich dich schon längst zur Adoption freigegeben.«
Ich ging mit einem Lächeln auf ihn zu und legte meine Hände auf seine riesigen Schultern.
»Ich könnte überhaupt nicht deine Tochter sein«, sagte ich. »Dafür bin ich nämlich viel zu hübsch und intelligent.«
Richard konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. »Du hast vergessen, deine einzigartige Bescheidenheit zu erwähnen.«
»Stimmt«, antwortete ich. »Aber die ist doch dermaßen bekannt, dass ich nicht mehr darüber sprechen muss, oder?«
Richard legte lachend den Arm um mich und drückte mit seinen Bärenpranken zu. »Du warst großartig, Honey. Ich hatte vorhin schon ein ganz schlechtes Gewissen bekommen, als du angefangen hast, so jämmerlich zu röcheln.«
»Davon habe ich aber nicht viel gemerkt. So irre wie du mich in der Szene angesehen hast, habe ich nur gedacht: mein Gott, hoffentlich begegnet dir dieser Typ nie im Dunkeln.«
»Hey«, protestierte Richard, »ich bin ein netter, harmloser Pazifist, der keiner Fliege etwas zu Leide tut. Ich bremse sogar für siebzehnjährige Schauspielerinnen.«
Ich gab ihm einen Stupser in die Seite. »Das will ich dir aber auch geraten haben. Denk immer daran: wenn meine Rolle gestrichen wird, dann musst du wieder zurück ins Heim.«
Richard drehte sich kopfschüttelnd um. »Sag mal Terry, gab es für diese Rolle eigentlich kein nettes, normales Mädchen?«

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