15. Oktober 2013

'Mit Kommissaren spielt man nicht' von Andrea Seidl

Uli ist Hauptkommissarin in Regensburg und seit eineinhalb Jahren mit ihrem Chef Daniel liiert. Doch der ist leider verheiratet. Aber das wird sich ändern, denkt Uli, und räumt im Geiste schon die Wohnung um, damit Daniel bei ihr einziehen kann. Natürlich kommt es ganz anders.

Daniel macht mit Uli Schluss und zwingt sie, sich nach München versetzen zu lassen. Bis dahin muss sie mit Daniel klarkommen, während sie beide in einem Mordfall ermitteln, dessen Hauptverdächtiger ausgerechnet ein gewisser Leo Lebowski ist, zu dem Uli sich schon zwei Jahre zuvor auf seltsame Weise hingezogen fühlte.

Gleich lesen: Mit Kommissaren spielt man nicht

Leseprobe:
„Erde an Knut. Erde an Knut. Hallo? Wie wäre es, wenn du den Sprayerbericht schreiben würdest, anstatt hier Löcher in die Luft zu starren? Immerhin sind wir hier im Kommissariat und nicht irgendwo in einer fernen Galaxie.“ Laut trommle ich mit den Fingern auf den Schreibtisch.
Knut deutet ein Gähnen an und streckt sich. „Uli, stör mich bitte nicht! Ich denke über unseren neuen Fall nach.“
„Dass ich nicht lache!“
„Lach nur, oder tu das, was Frauen am liebsten tun …“ Er sieht mich erwartungsvoll an. „Na? Schuhe kaufen.“
So ein Idiot.
Er steht auf und geht im Zimmer auf und ab. Mit erhobenem Zeigefinger. Wie ein Oberlehrer. Widerlich.
„Ich überlege nämlich, ob wir eine Frau als Täter ausschließen können.“
„Ganz toll, Knut. Das hat Ben heute früh schon überlegt und …“
Polternd wird die Tür aufgerissen, sodass ich innehalte. Daniel betritt den Raum.
„Also, Leute. Ich komme gerade vom alten Spitz und soll euch sein größtes Lob aussprechen. Der Alte ist hocherfreut darüber, dass ihr den Fall Schiller so schnell gelöst habt, vor allem weil die Presse schon Druck gemacht hat und Fakten, Fakten, Fakten will.“
Ich muss ein Schmunzeln unterdrücken, weil Daniel das Wort Fakten dreimal wiederholt, so wie es Dr. Spitz, unser Oberboss, gerne macht.
„Also noch mal ein herzliches Dankeschön von ganz oben für euren Einsatz und für die Überstunden – und natürlich auch von mir. Ihr habt wirklich tolle Arbeit geleistet.“
Mir wird ganz warm ums Herz. So ein dickes Lob aus seinem Munde. Ich lächle in mich hinein. Schließlich ist Daniel nicht nur mein Vorgesetzter, sondern auch noch mein Lover. Leider muss unsere Beziehung auch sehr geheim bleiben, zumindest so lange, bis Daniel sich von seiner Frau getrennt hat.
„Ich hab ja gleich gewusst, wie wichtig es ist, die Hersteller der Spraydosen zu überprüfen.“ Knut grinst mich selbstgefällig an, was bei ihm besonders doof aussieht, da er nur die linke Braue und den linken Mundwinkel nach oben zieht.
„Ach, hast du gleich gesagt, ja? Dann frage ich mich aber, warum du dich so im Hintergrund gehalten hast!“
„Meine Stärke ist nun mal die Kopfarbeit. Junge Frau, das nennt man Arbeitsteilung.“ Knut lehnt sich zurück und streicht sich mit der Hand durch seine strähnigen roten Haare. – Wie ich das hasse!
„Nenn mich nicht junge Frau. Ich bin zweiunddreißig, also nenn mich gefälligst bei meinem Namen. Oder weißt du was? Am besten sprichst du mich gar nicht an.“
„Uli! Knut! Jetzt reicht es aber“, mischt sich Daniel ein.
„Sag das dem da!“
„Jetzt reg dich doch nicht so auf …“ Beschwichtigend hebt Daniel die Hände.
Ich soll mich nicht aufregen? Männer! Wütend schnappe ich mir meine Handtasche von der Stuhllehne. – Ich muss einfach raus. Gerade will ich an Daniel vorbeigehen, als der mich fragt: „Stopp, wo willst du hin?“
„Feierabend. Schon seit einer Stunde.“
Daniel folgt mir bis zur Türe und flüstert so leise, dass ich es kaum hören kann: „Ich muss mit dir reden, um acht in der Villa Toscana?“
„Gern“, flüstere ich ebenso leise zurück und sage laut: „Bis morgen dann.“
Schlagartig ist meine Laune supergut. Vergnügt eile ich den langen Flur entlang und sprinte die Treppe hinunter. Während ich das Präsidium verlasse, beschließe ich, den ganzen Ärger mit Knut abzuschütteln. Daniel hat es also doch nicht vergessen. Heute ist unser Jahrestag, der dritte April, na ja, nicht ganz, eigentlich ist unser Jahrestag der dritte Oktober. Heute sind wir genau eineinhalb Jahre zusammen. Er will mit mir feiern. Und zu meiner allergrößten Freude bei unserem Lieblingsitaliener. Jetzt aber schnell nach Hause. Ich schwebe geradezu zum Ausgang, steige in meinen roten Mini, nehme mir nicht einmal die Zeit, bei diesem sonnigen Wetter das Verdeck zu öffnen, und düse quer durch die Stadt. Mist, die meisten Ampeln zeigen schon dunkelgelb. Mir doch egal. Darauf kann ich nun wirklich keine Rücksicht nehmen. Schließlich brauche ich genügend Zeit, um mich schick zu machen.

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